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General-Anzeiger

AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Sanau

Erscheint täglich mit Ausnahme dekSom- und Feiertage.

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil G. Schrecker' für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M.

Rotationsdruckd.Waksenbausbuchdruckerei Hana» Fernsvrechanschluffo Nr. 1237 und 1238

,

Nr. 304

Mittwoch den 31. Dezember

1919

Das Jahr -es Friedens.

Dor einem Jahr knüpften wir an das Jahr 1919 die Hoffnung, daß es das Jahr des Friedens sein würde. Diese Hoffnung hat uns bitter mt- tauscht, und erst jetzt, ein ganzes Jahr später, haben wir begründete Aussicht, den Frieden end­lich zu bekommen. 1920 wird das Jahr sein, das den Kriegszustand zwischen den bisherigen Geg­nern beendet. Di« neueren Nachrichten lauten hoffnungsvoll.

Wenn wir vom Frieden reden und von der Friedensgesinnuckg, so wollen wir das nicht mit sentimentalen Redensarten tun, sondern als auf­rechte Männer. Wenngleich wir auch bestrebt sind, wollen wir von unserer Friedensgesinnung ein kräftiges Zeugnis ablegen und dieser Gesinnung auch entsprechende Taten folgen lassen. Aus ,dem Geist der Friedensgesinnung heraus wird unser Bestreben auch im neuen Jahre sein müssen, den »Friedensvertrag" von Versailles so zu än­dern, daß er einstmals ein wirklicher Vertrag des Friedens wird. Dieses Friedensziel der deutschen Politik steht turmhoch über allem. Wenn es ge­lingt, dieses Ziel nach außenhin zu erreichen, dann wird auch im Innern eine Friedensstim­mung Platz greifen müssen.

Wir wollen keinen zweiten SM eg, wollen nicht noch einmal jene ungeheure Blutwelle, und weil wir keinen Krieg wollen, wollen wir eine Re­vision des Versailler Vertrages im Sinne des Friedens.

Wir wollen den Frieden nach außen, wir wollen den Frieden im Innern. Im Innern

werden zurzeit die Parteikämpfe mit namenloser

Heftigkeit geführt. Es hieße das Kind mit dem Men Volksabstimmungen, einerlei' unter welchen en, wenn man einer Abschaffung - her Stürme und her das Wort 'neben

s es KgLtLi«! CäL .rrrH die wird

Eupen-Malmedy.

WB. Berlin, 30. Dezbr.

Auf die durch W. T. B. am 4. ds. Mts. mit­geteilte Note des Herrn Clemenceau betr. Eupen und Malmedy ist jetzt von der deutschen Friedens­delegation folgende Antwortnote in Paris über­reicht worden:

Ich habe die Ehre, Ihnen den Empfang Ihrer Note vom 10. November zu bestätigen. Mit Be­dauern stellt die deutsche Regierung fest, daß die eingehenden Ausführungen in ihrer Note vom 3. Oktober bei den alliierten und assoziierten Re­gierungen nicht die erwartete Beachtung gefun­den haben. Die deutsche Regierung hat die grund­legenden Unterschiede zwischen dem Abstimmungs- Verfahren für Eupen und Malmedy und für an­dere Gebiete nie verkannt. Wenn sie sich in ihrer Note vom 3. Oktober mit Artikel 34 des Fried'^rs- Vertrages eingehend befaßt hat, so hat sie es getan, weil die außerordentlich kurzen Bestim­mungen dieses Artikels unzweifelhaft Lücken und Unklarheiten enthalten, deren Beseitigung uner­läßlich ist. Die Note der alliierten und assoziier­ten Regierungen vom 10. November betont be­sonders, daß das Abstimmungsvecfährèn für Eupen und Malmedy nicht mit der für Ober­schlesien oder Schleswig vorgesehenen Volksbefra- gung verglichen werden dürfe. demgegenüber muß die deutsche Regierung wiederholt darauf Hinwei­sen, daß die alliierten und afloziterten Regie­rungen in ihrer Note vom 16-Juni die Abstimmung in Eupen und MalmedH 'mit der Abstimmung in Schleswig auf dieselbe Stufe gestellt und mit den

gleichen Worten behandelt haben, und daß bei

äußeren Formen sie stattfinden, gewiß gemein­sam: Grundsätze obwalten müssen. Die Zlntwort-

stimmung beauftragte Kommission des Völker­bundes eingesetzt wird und daß die Beschwerden gegen das Verhalten der belgischen Behörden als­bald abgestellt werden.

Einigung.

WtB. Parts, 30. Dezbr.

Die Verhandlungen des Freiherrn v. Lersner mit dem Generalsekretär der Friedenskonferenz Dutasta nahmen einen befriedigenden Verlauf und lassen eine E i n i g u n g in aller Kürze erwartest. Me verlautet, sollen die Ratifikationsurkunden am 6. Januar nachmittags 4 Uhr ausgetauscht werden.

WB. Paris, 30. Dezbr.

Die Verhandlungen, die in Paris wegen der Uebergabe der letzten die Inkraftsetzung des Friedensvertrages betreffenden Note dec Alliier-

ten an Baron V.

Lersner zwischen den deutschen und cutterten Delegierten im Gange sind, haben

soeben zu einer sehr ernsthaften Annäherung in zwei bisher strittigen Punkten geführt. Der Oberste Rat hat heute morgen die Grundlagen der angenommenen Verständigung gebilligt. Man glaubt zu wissen) daß die Deutschen das Protokoll vom 1. Novembhr betr. die Nichtausführung ge­wisser Waffenstillstandsbedingungen und die Lieferung von Material als Ersatz für die bei Scapa Flow vernichteten Schiffe unterzeichnen werden, so wie es jetzt vorliegt. Anläßlich der Ueb ergäbe der Note hat Dutasta Herrn V. Lersner erklärt, die Alliierten wären gewillt, ihre Forde­rungen bis zu Dreiviertel dessen zu ermäßigen, was sie schriftlich verlangt haben, ja sogar da­rüber hinaus. Die Deutschen verlangten' und die Alliierten werden diesem Begehren entspreche" daß dieses r

Wiedereinführung der Goldzölle.

WB. Berlin, 30. Dezbr.

In zwei Noten vom 22. und 23. Dezember d. J. hat der Oberste Rat in Paris der sofortigen Erhebung von Goldzöllen in Deutschland zugestimmt. Deutsch­land ist ermächtigt, ein Staufgelb in der Höhe zu er­heben, al» die jeweilige Entwertung der Reichsmark gegenüber dem Dollar beträgt. Hierbei müssen die VorkriegSgoldlätze zur Anwendung kommen. Nach Er­richtung der Wiedergutmachungskommisston ist das Auf. gelb im Benehmen mit ihr festzusetzen. Die Ermâch« tigung gilt zunächst für drei Monate. Inzwischen ftm Verhandlungen mit den Alliierten über die deutschen Ein- und Ausfuhrverbote zu führen. Falls eine Einigung hierüber binnen 3 Monaten nicht erzielt worden ist, wird die ganze Frage von neuem geprüft. Das Gesetz über die Zahlung der Zölle in Gold, da» vorübergehend außer Anwendung war, wird mit de« 1. Januar 1920 wieder in Kraft gesetzt.

Die Tarifverhandlungen im Eisenbahnminifterium.

Berlin, 31. Dezember.

Zu den Tarifverhandlungen im Eisenbahn­ministerium wird demVorwärts", vom Deutschen Eisenbahnerverband geschrieben: Im Lande sind unverantwortliche Führer und Streikhetzer am Werke. Es wird vielfach versucht die rein ge­werkschaftliche Bewegung auf polituLe Gebiete zu schieben. Wir warnen unsere Kollegen, den Lockungen und Weisungen unverantwortlicher Personen zu folgen.

--- Berlin, 31. Dezember. (Telegramm.)

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