E»nrückunvsgebükr:Die8gesv.KoIone1zeileod. deren Raum 40 Pia., die 4gew. Zeile i. Reklame- teil 1.50 WiL 25"In teuerungsäiiidil. Oncriaevübr 25 Pfg. Berugsvreis: Bierteliättrlick 4.2t) Mk.. mouatl 1.40 DiL. tür Postbezug viertel icihrl. 4.A) Wark., mouatl. 1.40 Mk. Die Nummer 10 Psg.
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Rotationodruckd.Waisenbausbuchdruckerei Hanau Iermnreckmn'csiliMe Nr. 1237 und 1238
Nr. 298
MoMaq den 22. Dezember
1919
Der Mittelstand — Kriegs- verlterer.
In einem längeren Artikel beschäftigen sich die „Ltivz. N. Nachr." mit den neueren Kteuergesetzeu, dem Neichsnotopfer und den Folgeerscheinungen. Wir entnehmen dem Artikel folgende Ausiührungen:
Für die Wirkung dieses Reichsnotopfers, das Beiläufig freilich nichts weiter als eine an der Wand hängende Waffe ist, das aber doch immerhin in kürzester Zeit wirksam werden kann, bleibt es bezeichnend, daß schon in dem Moment seines parlamentarischen Werdens von feiten derer, die missen, wohin der Wind weht, auf die Möglich- leit hingewiesen wird, daß die Industrie diese Blutentziehung durch eine weitere allgemeine Hinaufsetzung der Preise wieder wett machen dürfte. Damit gerät dann auch wieder der mit mathematischer Sicherheit arbeitende Apparat in Bewegung, dessen Arbeiten wir seit einem Jahre mit so peinlichem Empfinden beobachten, dieser riesige Mechanismus, der einem Ansteigen der Mise alsbald eine neue Steigung der Löhne folgen läßt, bis dieser wieder eine neue Verminderung der Kauftraft des Geldes folgt, worauf dann das Spiel von neuem beginnt. Beide Faktoren bleiben wie zwei Mühlsteine eigentlich in immer gleicher Entfernung voneinander. Und Mischen ihnen befindet sich als dritter Faktor, der die eigentlichen Kriegskosten zu tragen hat, der M i t t e l st a n d, der überall der eigentliche Kriegsverlierer ist, denn so weit er überhaupt noch vorhanden ist, kommt er in seiner Lage zwischen den beiden Mühlsteinen am
schlechtesten wen.
Der schweigende, verzweifelte Todes- kampf des Mittelstandes ist eine Er
scheinung, die nicht auf Deuts^land beschränkt ^ten nach der Revolution vor dem völligen P, Ite findet sich genau so in England und m Lai, la bat die htmiWie
oberen Ländern der Entente Auch das Klein- Hausfrau in der revoluftonärett Katastrophe die burgertum in England verarmt und sinkt terl- Wirtschaft unseres Volkes durch entschlossenes
weise ins Proletariat hinab, sein Einkommen sinkt mit der auch in England sich stark bemerkbaren Entwertung des Selbes auf die H'ässte ober ein Drittel der Friedenszeit und sein Le
bensstandard damit vielfach unter den des Lohnarbeiters, der durch die Waffe seiner Gewerk'^alt auf eine Preiserhöhung einfach mit einer Erhöhung der Löhne antwortet. Wer seiner Hände Arbeit zu verkaufen hat oder wer produzierend ober irgend welche Produkt« dec Arbeit anderer verwertend an den großen Melanismus anae- schlossen ist, der durch den Kraftmesser von Angebot und Nachfrage reguliert wird, der wird — davon können wir uns jeden Tag und überall über*engen — sckließlil doch immer mit emporgehoben. Nur wer nichts weiter zu verka-ffen hat als seine geistigen Fähigkeiten, seine geistige Arbeit, und in letzter Linie seinen Idealismus, der bleibt hoffnungslos "'rück. Das ist heute v er M i t t e l st a n d. Der „tiers etal" — der edle Stand —, der mit bet ersten Revolution seine politischen Rechte heischte, die er in wirtschaftlicher Beziehung längst besaß, verkörperte sich seit der.Aussaugung von Handwerk und Gewerbe durch die Fabrik in der Hauptsache in der breiten Schicht der wirtschaftlich Abhängigen, der Beamten und Angestellten und des gesamten Kleinbürgertums. Allen Angehörigen dieser Schicht war ein starker Drang nach oben ein fast leidenschaftlicher Trieb aktiv teilzunehmen am geistigen Leben der Nation eigen. In den Familien dieser Handwerker und Gewerbetreiben- °en, dieser Beamten und StugefteHfcj^ und nicht Kni wenigsten der Vertreter der freien Beruft, "er Künstler, Schriftsteller, Redakteure, Lehrer und der so schlecht entlohnten akademischen Leh- ur verkörperte sich der deutsche Idealismus, der mit ihm heute — tauschen wir uns in derzeit des gewissenlosen Schiebertums nicht narüber — vom Untergang bedroht ist. Jietrntierte sich der Mittelstand vielfach aus dem e-ohnarbeiterstand, so wurden wiederum seine besten Kräfte und seine fähigsten Köpfe zu den Wigen Führern unseres Volkes und zu den Pionieren der deutschen Arbeiter im Auslande, ^ssen wir heute die Quelle dieser reichen geistigen Kräfte verschütten, verkommt der Mittelstand ? seiner materiellen Not, so wird auch in abseh- arer 3ett der Strom des deutschen Idealismus ?eWn, der uns allein noch retten und wieder mrausführcn kann aus der moralisch versumpf- Und völlig entgötterten Welt der Gegenwart. "Die, Revolution hat den gest ‘."en Arbeiter K Wußten Hungerleider gemacht und dem ponbatbeifer Löhne in die Mütze geworfen, die auch in den besten eZUen nicht errang." Nt diesen Worten zieht einer das ^a'i* des letz- m < obres, ber nicht nur selber Svzmldem^ at ^ Andern auch vom einfachen Lohuabsster eigene Energie zu einer geachteten Stellung ^gearbeitet bat: es ist der Berliner Astro
nom Bruno H. Bürgel. Der rapide Niedergang des Mittelstandes wird heute nur noch durch die .at^ache befüllt, daß er noch von seinem Kapital lebt, daß er noch einen ganzen Anzug hat, und daß Wäsche und Stiefel diesen Winter vielleicht noch halten. Ist auch das verbraucht, was er auf dem Leibe trägt, so ist er angesichts der Unmöglichkeit, das Einkommen zweier Monate für einen Anzug und den Ver- Vienst zweier Wochen auf ein paar Stiefel verwenden zu können, in Gefahr wirklich zu verlumpen und im Proletariat zu versinken. Zwei Beispiele für diesen wirtschaftlichen Verzweif- lungskampf des deutschen Mittelstandes: In einem Münchener Brief der „Neuen Züricher Zeitung" wird konstatiert, daß in den besten Münchner Familien die Frau selber den Haushalt macht, ' weil eine „Hausangestellte" heute 70 Mark Monalslohn, Arbeitsschluß um 8 Uhr abends, freien Sonntag und einige Erholungsstunden am Tage verlangt, und wer nicht wenigstens zwei Dienstboten halten kann, auch nicht einen bekommt. Jede Hausfrau weiß, daß dieses Münchner Beispiel auch für die meisten deutschen Großstädte gilt. Nun wird man den Hausangestellten gewiß jede Erleichterung und jede Verbesserung ihrer Lage gönnen. Aber die Gerechtigkeit zwingt doch ganz nüchtern zu konstatieren, daß jede Erleichterung auf dieser Seite zu Lasten der Hausfrauen geht, die arbeiten müssen, wenn die „Hausangestellten" sich erholen oder „frei" haben. Und welche Unsummen eines schweigenden Heroismus das Schicksal der Hausfrau des deutschen Mittelstandes, die im doppelten Sinne die eigentliche KriegSverlIecerin ist, in sich schließt, davon ist leider wenig die Rede. Wie unser vom Staatsgedanken erfülltes
Pflichttreues Beamtentum unser Volk in den Mo-
Wirtschaft unseres Volkes durch entschlossenes
Zupacken erhalten, was unser heranwachsendes Geschlecht ihr vielleicht erst danken tbirb, wenn es dereinst rückblickend diese Jahre des Grauens erst wirklich richtig bewerten kann. Was unser von tausend sinnlosen und überflüssigen behördlichen Maßnahmen zerguältes und zermürbtes Volk eigentlich der Tatsache verdankt, daß die deutsche Hausfrau aller Stände und Bevölkc- rungsklassen den Kopf oben behalten hat, wird man erst dann erkennen.
Und noch ein anderes Bild: In der Schilderung des üppigen Schlemmerlebens der Schieberund Wucherkreise in Wien, die ein Berliner Blatt veröffentlicht, heißt es: „Dec Einheimische ist aus den Stätten des Vergnügens so gut wie verschwunden. Er wandert in die Umgebung, fällt Holz im Wienerwald oder bettelt bei den Bauern herum. Der Herr Hoftat, der Richter, der Professor, der stellenlose Offizier: sie alle gehören der Schichte an, die nur noch vegetiert, sich verkriecht und daheim in der ungeheizten Stube friert und hungert." Soweit ist der Pittelstand in Wien herunter. Und von solchen Zuständen trennt unseren deutschen Mittelstand nur noch eine kurze Spanne. Und es geht mit ihm rapide bergab. Es ist ein berechtigter Stolz, wenn einst das deutsche Beamtentum von sich rühmen konnte, es habe sich „groß gehungert", es habe keine materiellen Nöte gescheut, um seinem Ideal nachzujagen. Verhungert und verlumpt aber unser Mittelstand, so geht mit ihm auch das gewaltige Kapital an deutschem Idealismus zugrunde, aus dem unser Volk immer aufs neue geistige Kräfte gewann. Verschwindet der deutsche Mittelstand, so fällt mit ihm auch das Medium, das bisher die krassen materiellen Gegensätze zwischen Unternehmertum und Lohnarbeitersck'aft ruszugleichen und zu mildern "erstanden hat. So ist die Frage, ob wir den Mittelstand seinem Schicksal überlassen wollen, gleichbedeutend mit der anderen, ob wir auf diese reichen geistigen ^räfte eines Standes, der uns zweimal schon — nach dein Dreißigiährigen Kriege, wie nass 1806 — den inneren Zusammenbruch bat überwinden helfen, künftig leichten Aerzens verzichten wo^en und damit auf die Hoffnung, jemals wieder einen Ausweg zu finden a''s dieser Welt moralischer Versumpfung, in dec das Scssftbe-tum jeder Sorte vor aller Augen seine Orgien feiert.
Bekämpfung der Hungersnot
WB. «'en*, 21. Dezbr.
DaS internationale Konntet vom Roten Urem in Kens wurde von der iwuvegnchen Rote.Nreii'-Orgain- iation benachrichtigt, das; ein vom tec wrVcfäntp inm er HunwrM'st ins Leben gern, u worden sei. Die 1 n’pa' e Neier neuen Aere n gvn 6" e e Cai n N "er- nvun: Sqe der zn stimm n, re dm, ärmst m ^'st-'e'i mailte kommen 'Ollen. Ta» normen>cbe > Rote St 'uf offt, noch vor Jahresschluß den ersten Hüfszug nach
W.en abaeden lassen au Untreu. \
Es geht um Europa.
— Berlin, 22. Dezbr.
In.der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" wird gesagt: Es ist keine Fra e, daß wir heute knapv vor dem Jnkrgsttrcten des Friedensoertrages noch einmal vor der Möglichkeit stellen, dielen Vertrag ans eine neue geistige Grundlage zu stellen. Wenn der Gedanke ^er Gi-mein'amkeit siegt, wenn die Idee der Jntercl'en- gemeinkchast sich durchsetzt, dann ist dies Ergebius auch mit b<r schmerzlichen Abgabe niht zu teuer bezahlt Im übriatn wird die deutsche Negieruna alles daran letzen, wirklich Schuldige zu bestrafen. Das Auklage- "'aterial der Entente muß die Grundlage zum schär'sten Vorael-en b-lden und die Än'läger der Entente müssen jede Möglichkeit bekommen, bi* Interessen und An. s-l'anungen ihrer Länder zu vertreten. WaS darüber ist, das ist vom liebel, vom tödlichen HebcL Nochmals siebt in Varis die Fraae zur DiSiiiision : gemeinsamer An'bau oder gemeinsamer Untergang ? Es geht nicht um Deutschland, es gebt um Europa!
Reichskanzler Bauer zur La^e.
WB. Berlin, 21. Dezbr.
Die „Deists-be Allgemeine ssestung", der „Vorwärts" und das „Berliner Taaeblatt" bringen Berichte über eine llnterrednng deS Reichskanzlers ."an er m’t dem Berliner Vertreter des ^nbanf-er Blattes „Az Est". Auf die Fraa-, ob in Deiwch'and wieder -earbeitet werde nrb ob die Arbeitslnsi und der Ar- be rswille im Steigen seien, antwortete Bauer, bah sie-chen datür. daß die Arbeitslusi und der Arbeitswille sich im werktätigen deutschen Volke wieder e nge« stellt haben, immer häufiger zu beobachten seien. Aub die BereitwiNiakeit zur A'ko'darbeit nehme „i I» z-en Koblenrevieren seien die SfrbcitS eistnnaen und die mörderunaszablcu gestiegen ES fehle freifirfi an Rob- stoffen, die mir ans den bisher deutschen Gebieten 6c- zoaen, an Erzen und Rollen, die unS zu immer chärseren Eiuschräuknnaen im InjdustriMtr'eb zwingen. Tie schweren innervolitisben Wirren der ersten Monat feS 3<ibre^ 1919 >eien Fiebereftcheinnnaen geme en. Ans dem Boden der Demokratie werde die pobti'che und daran anschließend die Wirtfchaftrdic Gesnn un^ "^e^ijäe^» H^MLâiMz» bte . Marder Ginionng der beiden ffrväloemof'atifcbeh Richtungen betreffe, so siellt der Reichskanzler, nachdem sich der Parteitag der IL S. V. für eine Politik der Diktatur entschieden habe, keine Möglichkeit mehr, wi eine Einigung ei folgen soll Die Errungen 'cha't-m des ersten Jahres der dent'chen Republik für die Ar- 'ieiter zeigten aber, daß int neuen Deutschland die sozialistisch n Zie e auf »riedlichem, gcietzlichem Wege erreicht werten sonnten.
Ueber den Frieöenszuslanb mil Deutschland.
WB. Washington, 21. Dezember.
Die Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Senats hat die Resolution des Senators Knox, die den Friedenszustand mit Deutschland herzustellen sucht, in abgeänderter Form angenommen. In der Resolution wird der Regierung bei dem Projekt der Errichtung einer internationalen Liga zur Aufrichtung des Friedens im grofen und ganzen Unterstützung zugesagt, ferner wird erklärt, dass die Vereinigten Staaten fortfahren werden, in guten Beziehungen mit den Alliierten zu bleiben. Die demokratischen Mitglieder bekämpfen die Re- 'olution, während die Republikaner hoffen, in ihr die Grundlage für eine Schlichtung des anläßlich der Besprechungen des Friedensoertrages entstandenen Konflikts zu finden.
Verkäufe an das Ausland.
--- Berlin, 22. Dezbr.
Den „P. P. R." wird aus Köln berichtet, daß von einer englischen Kommission das Kaufhaus Germania ('rüher Picadilly) für mehr als 4 Millionen Mark gekauft worden ist. Ebenso wird über den Ankauf des Palladium-Hauses verhandelt. Auch eine belgische Gesellschaft beabsichtigt das Kollofeum für 4 Millionen Mark, zu kau'en. Diese Gebäude sollen zu Handels- bezw. Bankhäusern umgebaut werden.
Die deutsch-schweizerischen Wirtschaflsverhandlungen.
«. Berlin, 22. Dezember.
Nach dem Berl. Tageblatt wird der Rational- zeitung in Basel gemeldet, daß die deutsch- schweizerischen Wirtfcha tsverhanblungen aus Schwierigkeiten stoßen. Der Einfluß des mit einem englifch-sranzösisch-amerikanischen Konsortium abgeschlossenen für die Schweiz günstigen Kohlenabkoinmens auf die Verhandlungen ist unverkennbar.
Die Vorgänge in Irland.
WB. London, 21. Dezbr. (Reuter.)
Bonar Law erklärte in einer Rede, die Regierung wer e. die Errichtung einer irischen Re- mblit n chl dulden. An hläge wie die au Marschall French, wär een das britische Volt niemals dazu bewegen, Irland das Selbst» Hfiimmunasredit au aewähren.
Die „schuldig" besundenen Deulschen.
WB. Paris, 22. Dezember.
Nach Mitteilung Marcel Putins im Echo de Paris sind die Vorbereitungen für die Einleitung des gerichtlichen Verfahrens gegen die als schuldig befundenen Deutschen bereits weit vorangeschritten. Mehr als 500 auserlesene deutsche Namen, darunter in der Mehrzahl militärische Personen, ein Sohn Wilhelm II., Kronprinz Rupprecht und eine Reihe von Armeekommandeuren figurieren auf dem Verzeichnis, insgesamt werde von allen Verbündeten zusammen der deutschen Regierung 1500 Namen mitgeteilt werden. Eine Anzahl von Kommandanten der Kriegsgefangenenlager in Deutschland, die französische Gefangene gehässigen Scheererein aussetzten, sollen ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden.
Rolland und die Auslieferungssrage.
WB. Brüssel, 22. Dez.
Soir vernimmt ans guter Quelle, daß Holland ourd) seinen Delegierten den Vertretern ter Alliierten iiiitteilen ließ, daß es die Anslic'eniilg des ehemaligen deutschen Kaisers verweigern werde. Die holländische Regie, »ng werde sich auf das Asylrecht stützen und and) andere Gründe geltend machen.
Sozialdemokratische Proteste.
--- Berlin, 22. Dezember.
In einer vom Bszirksverdano Eroz-Verlin der sozialdemokratischen Partei einberufenen Konferenz kam es zu lebhafen Erörterungen. Die Konferenz beschloß nahezu einstimmig, der in einer Denkschrift niedergelegten Ansicht über einen Rücktritt Roskes sich nicht anzuschließen. Einstimmig wurde dann noch eine Resolution angenommen, nach der in dem Vorgehen der Entente in dem besetzten Gebiet ein neuer Beweis dafür gelegen wird, daß die tzMaltsrischeil Regierungen der feindlichen Länder die völlige Vernichtungund Vers klavungDeutsch la nds beabsichtigen. Der Bevölkerung des Rheinlandes wurde die volle Sympathie ausgedrückt und gleichzeitig die Erwartung ausgesprochen, daß die Sozialisten der Ententeländer alles tun werden, ihrs Regierung zu veranlassen, daß der jetzige Friedensvertrag nach den Grundsätzen des Selbstbeftimmungsrechts der Völker revidiert werde.
Gsgen S!e Hungersnot.
--- Berlin, 22. Dezbr.
Dem „Verl. Tagebl." wird aus Basel gemeldet, daß die von dem ehemaligen Leiter der alliierten Hilfskommisston in Europa, Hoover, gemachten Vorschläge für die Ernährung oer unter der Hungersnot leidenden Gebiete ■ Europas dahingehen, die großen Hebersd)üffe an Weizen und Mehl unter die Bevölkerung Oesterreichs, Polens, Finnlands usw., ausgenommen Deutschland, zu verteilen. Er macht Darauf aufmerksam, wenn nicht bald Hilfe käme, müßten an die 20 Millionen Menschen in Mitteleuropa verhungern.
Die Bauernschaft Kurhefsens.
--. Marburg, 20. Dczbr.
Der BeziikSveiband ber Bauernschaft Kurbrssrns hat sich in einer Allsichufrützun- mit »ein Antrag be# JtniSbaiieriiverein» Hanan über die Anschlnhsrage nach oben be aßt. Siete reut war ber Landwirt H. Ph« 5 di ui i b t-tch»decken, ber Vorsitzende ber Kreisbaiiern- ■ chart Hanau, weicher den An chlnß an den bciitidxn Landbun» empt«bl iiito seinen Antrag in geschickter jorm hertrat. Der Äczirtsvcrvand hat iiauczii cin- imiuig ft h in bicem Suine entschieden, also für den Anschluß an den deutschen Landb und ausgesprochen.
Das „Ergebnis".
WB. Wien, 21. Dezbr.-^ <^
Staatskanzler Renner berichtete in der Nationalversammlung über das Ergebnis seiner Reise nach Paris, das politisch ein voller Erfolg gewesen sei, in dem die durch Den Krieg ber oorgerufene Kluft durch die münolichen Ver- banolungen überbrückt worden sei. In materieller Hinsicht habe die Reise nur den Anfang eines Erfolges gebracht. Hebet Vorarlberg jagte der Staatskanzler. daß ihm eine Rote Des Obersten Rates überreicht worden fei, die Die territoriale Integrität Oesterreichs zusichere Diese Entscheidung sei von großer Bedeutung. Der Staatskanzler machte sodann Mitteilungen über die Verhandlungen in der Kohlen- und Waggonsrage und erwähnte die Erlaubnis zum Ankauf von 1200 Kohlenwagen. Der Staatskanzler betonte die Notwendigkeit der Zusanunen- safsunz aller Kräfte und stellte fest, daß Die Regierung Das volle Vertrauen der Macht« habe. An die Ausführungen Des Staatstan> lere schloß sich eine tune Debatte.