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General-Anzeiger
Amkliches Organ für Eladt- und Landkreis Saturn
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Verlagsleitung: Ad. Indermühle.
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Rotationsdruckd.Watsenhausbuchdruckerei Hamm Fernsvrechanschluffe Nr. 1237 und 1238
Nr. 287
Dienstag den S. Dezember
1919
Ünlerzeichnung ohne Diskussion.
WB. Paris, 8. Dezember.
DaS „Petit Journal" hält es für sehr wahrscheinlich, daß Dutasta heute abend persönlich die Kote an Deutschland Freiherrn v. Lersner überleben werde. Das MM fügt hinzu, daß die Merten Regierungen Deutschland auffordern, sich formell zu verpflichten, unverzüglich das Protokoll zu unterzeichnen und technische Experten zu schicken, um die Modalitäten ier Ausführung des Vertrages festzusetzen. Die Note verlangt von Deutschland Unterzeichnung ohne Diskussion. Sie schließt die Mglichkeit neuer Verhandlungen aus. Die Kom- plikationen, die Deutschland im Weigerungsfälle kohen, sind dem Blatte zufolge folgenschwer. Es handelt sich nicht um die Besetzung einer Stadt cher eines begrenzten Gebietes, sondern um die Aufhebung des Waffenstillstandes nach dreitägiger Voranzeige. Daraus ergibt sich die Rück- !chr zum Kriegszustand mit voller Aktionsftei- Heit unserer militärischen Führer sowie die automatische Wiederherstellung der Blockade. Das Blatt schließt, daß die Berliner Politiker die Gefahren erkennen und dementsprechend beschließen werden. — Der „Petit Parisien" bestätigt die Vermutungen des „Petit Journal", hält es aber für wenig wahrscheinlich, daß die Note heute übergeben werden wird. Die Schärfe dieser Note scheint formell und materiell beträchtliche Milde- ritttfltn erfahren zu haben So dürften die im Zusatzprotokoll enthaltenen militärischen Sank- timen aufgegeben werden. Ueber die Wieder- gutmachung der durch die Zerstörung der Schiffe inScapa Flow verursachten Nachteile seien Modalitäten im Sinne eines Vergleiches gezogen worden. Die Absicht, die dieser Forderung zu Grunde liegt, ist dem.Blatt zufolge augenscheinlich: man will Deutschland die Zustimmung, die man von ihm verlangt, erleichtern, aber zu glei- cher Zeit kann kein Zweifel darüber bestehen, daß sein Widerstreben in Zukunft dadurch ermutigt werde. Die Tatsache, daß der Vertreter einer Großmacht (es handelt sich nicht um Amerika) den Entwurf nicht unterzeichnen zu können glaubt, obwohl er bevollmächtigt ist, bevor er stiner Regierung Bericht erstattet hätte, läßt auf Verzögerungen schließen, von denen Gebrauch zu machen der Feind nicht verfehlen wird.
Genf, 8. Dezember.
Das Sekretariat der Pariser Friedenskonfe- hat laut „Frankf. Ztg." der fresse gestern mitgeteilt, daß die Ueberreichung dec vom Fün- seraus schuß gebilligten Schlußnote an Deutschland, die für gestern, Sonntag, angekündigt war, um einen oder zwei Tage verschöbe n worden ist. Der „Petit Parisien" gibt als Mund an, daß der Bevollmächtigte einer der Mf Großmächte sich den Bericht an seine Regierung Vorbehalten, also überhaupt seine Zustimmung noch nicht gegeben habe. Die Agence Ha- baök, die diese Angabe des „Petit Paristen" Mester verbreitet, fügt hinzu, daß es sich nicht um
Bevollmächtigten der Vereinigten Staaten handele. Ein anderes Blatt erklärt die Ver- -ogerung der Zustimmung dieser Großmacht da- mu, daß ihre Regierung mit Rücksicht auf die ^wntagsruhe erst am Montag antworten dürfte, «enn es sich aber dabei nicht um Nordamerika handelt, so kann dieser Hinweis nur für Eng- zutreffen, und in der Tat scheint der nach Vans geschickte Marschall Wilson den Lieblingsplan des Marschalls Foch, die schleunige Be- fftzung des Industriegebiet von Essen und der mr den Eisenbahnverkehr nach dem inneren Deutschland so wichtigen Stadt Frankfurt, aus- »eschaltet zu haben.
Verstärkung der -euksche« Vertretung.
Berlin, 9. Dezbr.
Bereits vor einigen Tagen, so schreibt die "deutsche Allgemeine Zeitung" ist der Versuch gemacht worden, in Paris festzustellen, wann eine Beantwortung der Mitteilung des deut- u)en Vertreters vom 1. Dezember zu erwarten ffm wirb. Bei dem großen Wert, den die “inerten Regierungen ebenso wie die deutsche eine schnelle Inkraftsetzung des Friedens- vertrages legen, sei zu erwarten, daß diese Be- an,wortung kaum erfolgen werde. Für den R daß neue mündliche Verhandlungen ein- Mten werden, besteht die Absicht, neben Herrn
Simson auch einen Delegierten aus den Hansastädten nach Paris zu entsenden, der darüber Aufschluß geben könnte, welche Wirkung die Abgabe der 400 000 Tonnen Hafenmaterial für das deutsche Wirtschaftsleben bedeuten würde.
Die amerikanischen Vorbehalte zum Friedensverlrag.
WB. Paris, 8. Dezember.
Der „Temps" eröffnet heute abend einen Feldzug zur Zerstörung der Legende über die amerikanischen Vorbehalte zum Friedensvertrag. Er sagt: Die deutschen Militärs und Diplomaten glaubten, die Front der Alliierten sei durchbrochen; desbalb sei man gezwungen, sie zur Ordnung zu rufen. Der „Temps" veröffentlicht die Vorbehalte im Wortlaut und fragt, ob sie die Grundlagen des Friedensvertrages, wie man sage, zerstörten. Er vertritt die Ansicht, daß die 14 Vorbehalte und Auslegungen von einem Vorwort begleitet seien, das die alliierten Mächte unmittelbar interessiere. Der Senat erklärte, die Ratifizierung durch Amerika würde nur in Straft treten, wenn drei der alliierten Großmächte durch Notenaustausch die angenommenen Vorbehalte und Auslegungen gutgeheißen haben würden. Es handele sich also um eine Formftage und um eine Grundfrage. Die Formfrage sei dadurch gelöst, daß der Oberste Rat gestern die südslawische Delegation ermächtigt habe, ihre Vorbehalte zum Vertrag von St. Germain vorzubringen. Es bestehe also ein Präzedenzfall. Betreffs der Grundfrage prüft der „Temps" Punkt für Punkt der verschiedenen Vorbehalte und sagt, man habe behauptet, die Vorbehalte bedeuteten die Verleugnung des Werks der Friedenskonferenz; man habe ferner behauptet, daß die Vereinigten Staaten hier- burd) ibten ^Wt^ff iunbßèb^Ä Iä?^ ^» ■•^^y um Europa noch um den Frieden mehr zu kümmern. DaS sei eine Legende, der man die Wahrheit gegenüberstellen müsse. Selbst wenn die Amerikaner forderten, daß man zwei oder drei Statuten des Völkerbundes umändern solle, was nach Artikel 26 dec Statuten erlaubt sei, enthielten die amerikanischen Vorbehalte nichts, was die Alliierten veranlaffen könnte, eine unter diesen Bedingungen angebotene amerikanische Ratifizierung zurückzustoßen; sie enthielten im Gegenteil gewisse sehr weise Auslegungen, an deren Gutheißung man alles Interesse habe. Die öffentliche Meinung Frankreichs, die nun unterrichtet sei, solle sich frei aussprechen.
Einem befriedigenden Ergebnis entgegen.
--- London, 9. Dezbr. (Telegr.)
In Erwiderung einer Anfrage erwiderte Bonar Law: Zwischen den alliierten Regierungen und der deutschen Regierung finden zur Zeit Verhandlungen im Hinblick auf die sofortige Ratifizierung des Friedensvertrages statt. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß diese Verhandlungen zu einem befriedigenden Ergebnis führen werden.
Das „Loch im Westen^.
WB. Paris, 8. Dezember.
Der „Matin" demonstriert in einem Leitartikel, wie gewisse Schieberkreise von dem Loch im Westen profitieren. Er stellt fest, daß etwa 100 derartige Kaufleute gegenwärtig verfolgt würden und sagt, daß der Reis, der in Frankreich für 85 Franks pro hundert Kilo und für einen Frank das Kilo verkauft werde, in den besetzten Rheinlanden zu 150 bis 170 Franks verkauft werde. Schweinefett, das in Frankreich zu 3.60 Franks verkauft werde, erreiche den Preis von 6.35 Franks in den Rheinlanden. Bei einem Waggon Reis verdienten die Schieber etwa 10000 Franks. Auch Fett gehe in Mengen nach dem besetzten Rheinland.
Die ersten direkten Tabakzufuhren.
Berlin# 9. Dezbr.
Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Hamburg ge- Nieldet: Seit 1914 sind die ersten direkten Tabak- zutuhrea aus den überseeischen ProduktionSIändern in Hamburg eingetroffen, darunter 13 000 Ballen Brasil- Tabak. Weitere 8 000 Ballen Brasil-Tabak werden noch in diesem Monat erwartet.
Die erste Friedensanleihe.
Berlin, 9. Dezbr.
Zum Ablauf der Zeichnungsfrist der ersten Friedensanleihe, sagt die „Germania": Es genügt nicht, wenn der aufgelegte Betrag erreicht wird. Das Ergebnis der Spar-Prämienanleihe muß zu einer Kundgebung des gesamten deutschen Volkes werden.
Das Reichsnotopfer.
Berlin, 9. Dezbr.
In dem Aufbringen des Gerüchtes, daß die Vorlage über das Reichsnotopfer zurückgezogen sei, möchte die „Deutsche Allgemeine Zeitung" den letzten Versuch sehen, das Reichsnotopfer zu Fall zu bringen. Dieses komme aber in der heutigen Plenarsitzung der Nationalversamm- lung zur zweiten Beratung.
Schaffung einer einheitlichen Reichspolizei.
WB. Berlin, 9. Dezember.
Gestern hielt der Verband der Polizeibeamten Preußens in Berlin einen außerordentlichen Verbandstag ab. Es wurde mit großer Mehrheit eine Entschließung angenommen, die Schaffung einer einheitlichen Reichspolizei und eines Reichsressortsministeriums für das Polizei« wesen zu fordem.
Das Recht -er freien Meinungsäußerung.
DDP. Berlin, 9. Dezember.
Zu dem Disziplinarverfahren gegen den Studenten der Universität Marburg, Lemmer, der auf dem demokratischen Parteitac ■aaamJtaLjgftröurger Professor Traeger Kritik geführt bat. nimmt die Berliner Srudenrenschaft Stellung. Sie mißbilligt in einer Erklärung, daß dem Studenten das Recht der freien Meinungsäußerung in der Oeffentlichkeit, das jedem Staatsbürger durch die Verfassung zustehe, auf dem Wege des Disziplinarverfahrens genommen werden könne.
Die Valutafrage in Schleswig.
Berlin, 9. Dezbr.
Dem „Berliner Lokalanzeiger" wird ans Flensburg berichtet, daß die Verhandlungen über die Valuta- frage in Schleswig den dänischen Blättern zufolge nunmehr unmittelbar vor dem Abschluß stehen.
Wiederaufnahme der Arbeit in den Vulkanwerften.
Hamburg, 9. Dezbr.
Die Direktion der Vulkanwersten teilt mit, daß am Mittwoch die Arbeit wieder ausgenommen werden wird. Heute vormittag wird eine allgemeine Arbeiterversammlung den Bericht der Verhandlungskommission entgegennehmen. Die Arbeit wird zu den verabredeten Bedingungen wieder ausgenommen werden, d. h. mit Einschluß der Akkordarbeit. Eine Minderheit von Arbeitern wird nicht wieder eingestellt werden.
Zurück aus dem Baltikum.
Berlin, 9. Dczbr.
Nach dem „Berliner Lokalanzeiger" wird aus Stettin gemeldet, daß in Pommern jetzt täglich Transporte der zurückkehrenden deutschen Truppen aus dem Baltikum eintreffen Im Großen und Ganzen muß man sagen, daß der Geist der Truppen ausgezeichnet ist.
Italien und Deutschland.
WB. Lugano, 8. Dezbr.
„Jl Progreffo Bologna" bringt einen Bericht seine» Berliner ReiseberichterstattcrS, ut dem dieser eine wirksame Unter st ützung Deutschland» bei seinem Wiederaufbau durch Italien befürwortet. Italien brauche den deutschen Warenaustausch. Er bezeichnet den von Amerika und England in die Wege geleiteten „Aufkauf" Deutschlands als ungesund. Frankreich versuche Deutschland durch die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Blockade und die Zurückhaltung der Kriegsgefangenen wirtichafttlch zu ruinieren und diesen Prozeß zu beschleunigen. Italien müsse Deutschland moralische Unterstützung gewähren, da zwischen diesen beiden Ländern keine politischen Gegensätze beständen. Solche seien vielmehr auf der Seite nach Frankreich hin zu sel^n, das heute unter der Vormundschaft England» zur Hochburg der Reaktion geworden sei.
Bayern und die politische Lage«
- München, 9. Dezember. (Telegr.)
Am Samstag sprach in Augsburg in einer sehr stark besuchten Versammlung der sozialdemokratischen Partei Ministerpräsident Hoffmann über die politische Lage.- Nach der „Münchener Post" führte er u. a. aus: Erzberger werde viel angefeindet, aber eins müsse man ihm lassen, daß er in die wichtigsten Fragen der Gesetzgebung Bewegung bringe. Ueber die von den Franzosen zurückgehaltenen 300 000 bis 400 000 deutschen Kriegsgefangenen sagte der Ministerpräsident, die Regierung tue alles und habe alles getan, um die unglücklichen Volksgenossen zu befreien; aber Frankreich sei im Haß. Weiter führte der Redner aus, daß auf dem linken Rheinufer offen auf die A b - l ö s u n g von Deutschland hingearbeitet werde. Es sei auch vieles in Trümmer gegangen; aber eines blieb uns erhalten, die deutsche Einheit. Ein vom Reiche losgelöstes Bayern wäre vollständig isoliert. Dagegen würden sich nicht nur die Arbeiter, sondern auch die weitesten Kreise des Bürgertums wehren. Hoffmann schloß, die Diktatur des Proletariats lehnen wir ab. Wir stehen auf dem Boden dec Demokratie, jetzt gilt es aufzubauen und das Errungene gegen die Reaktion zu behaupten.
Energisches Dementi.
--- Kopenhagen, 9. Dezbr.
Die englische 'Gesandtschaft in Kopenhagen erhielt vom Londoner Ministerium des Auswärtigen die Weisung, den Gerüchten, von der angeblichen Entsendung einer besonderen englischen Mission nach Moskau, entgegen zu treten. Die Verhandlungen mjt der Sowjet- Ä&ierunö energisch zu dementieren.
Estland und SowZet-Rutztand.
— Kopenhagen, 9. Dezbr. (Telegr.).
DaS lettische Pressebüro meldet, daß bei den am 1. Dezember in Dorpat eingeleiteten Waffenstillüand?- Verhandlungen zwischen Estland und Sowjet-Rußland, die Vertreter Estlands nur über den Austausch und nicht über den Frieden verhandeln werden.
Endlich Ordnung mit d^Annunzio.
--- Berlin, 9. Dezbr. (Telegr.)
Aus Genf wird dem „Berl. Lokalanzeiger" berichtet: An den italienischen Ministerpräsidenten läßt Clemenceau durch seinen „Homme libre" eine höchst ernste Mahnung richten, mit d'Annunzio nun endlich Ordnung zu machen.
Sitzung der französischen Kammer
WB. Paris, 8. Dezember. (Havas.)
Bei der heutigen Eröffnungssitzung der neugewä'hlten französischen Kammer verlas der Deputierte Francois im Namen der elsaß-lothringischen Abgeordneten eine längere Erlläcung, in der er auf den feierlichen Protest der Elsaß-Lothringer gegen die Abtretung der beiden Provinzen Elsaß und Lothringen in der Nationalversammlung von Bordeaux am 17. Februar 1871 hinweist. Schon damals hätten die Abgeordneten verkündet, daß der Fciedensvertrag von 1871 für sie null und nichtig sei und sie hätten geschworen, für sich und ihre Kinder, daß sie das Recht der Elsässer und Lothringer, Mitglieder der ftanzösischen Nation zu bleiben, diesem unrechtmäßigen Besitzergreisen gegenüber stets geltend machen würden. Jetzt schmiedeten die elsaß-lothringischen Abgeordneten die Kette dec historischen Tradition wieder zusammen, jetzt wo sie ihren Sitz in der ftanzösischen Kammer wieder einnehmen, gäben sie Deutschland und der ganzen Welt neuerdings zu verstehen, daß Elsaß-Lothringen niemals aufgehört hat, mit ganzem Herzen der ftanzösischen Familie anzugehören und daß sie tiefste Befrie- ligung empfinden, jetzt wieder zu ihr zurückzu. kehren. Nicht mit Unrecht hätte Deutschland eine Volksabstimmung im Jahre 1918 gescheut. Jetzt jätten die neuen Wahlen bewiesen, daß Deutschland auf keinen Fall mehr das Recht habe, die Gebiete, die es traft des Eroberungsrechts innehatte, zurückzuverlangen. Die Erklärung schloß mit dech Dank an die französische Nation und >ie Alliierten für die zur Befreiung der beiden Provinzen gebrachten Opfer.
Deuticke Spar-Prämienanleihe 1919.