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Hanauer

Anzeiger

«iarück«nssge-übr:Die8gelv.Kolonelzeileod. ^ren Raum 40 9Sfg.. die 4gesp. Zeile i. Reklame- teil 150 Mk„ 25°lo Teuern ngszuschl. Offertgebilhr « Psg. Bezugsvreis: Vierteljährlich 4.L0 Mk.. mouaèl. 1.40 Mk.. für Wt&ejug vierteljährl. 4.20 Mark- monatl. 1.40 Mk. Die Nummer 10 Hfg. Postickeck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.

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AmMHes Organ sät Sladl- und Landkreis Sana»

Erscheint tägsich mit Ausnahme der Svnn- und Feiertags

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Donnerstag den 4. Dezember

1919

Tragische Zuspitzung.

Zur Zett schweben zwischen unseren Feinden I Md uns, wie man weiß, mehrere Fragen von I cherordentlicher Tragweite zu gleicher Zeit. I zu der einen, die dem ganzen deutschen Volk im innigsten am Herzen liegt, nämlich der k Kriegsgefangenenfrage, liegt nunmehr die bis I auf weiteres abschließende Antwort der Entente I vor, und sie übertrifft die schlimmsten Er- I Wartungen. Getragen von jenem Geiste haß- I erfüllter Unversöhnlichkeit, der neuerdings noch I schroffer als bisher schon die ganze Politik unserer I Hegner beherrscht, lehnt sie in einer Sprache, I deren Härte mit tiefinnerlichem Schrecken erfüllen I muß, jedes auch nur andeutungsweise Eingehen I mf den deutschen Gedankengang ab. Mit herz- I loser Geste werden alle Empfindungen der I Menschlichkeit beiseite geschoben, wird der Stand- I Mist brutaler Machtfülle vertreten. Man hat I in Paris, man hat in London die ungezählten I Bekundungen des deutschen Schmerzes um die I bedauernswerten Volksgenossen vernommen, die I der unerbittliche Sieger der Heimat fernhält. I Der Pabst hat sich vor dem nahenden Weihnachts- I fest entschlossen, seine Stimme zu Gunsten der I deutschen Kriegsgefangenen zu erheben, im I ganzen neutralen Auslande erhebt sich oft I geradezu leidenschaftlicher Protest gegen die I èchacherpolitik, oie Herr Clemenceau mit dem I Leben von hunderttausenden betreibt. Aber I «Ces prallt von dem furchtbaren Greise ab, der I sich immer der Mithilfe der anderen Alliierten I zu versichern weiß, auch wenn er offenbares I Anrecht als Recht von seinen Gnaden hinstellt. I M Mannhaftigkeit und tiefstem Ernst hat die I deutsche Regierung in ihrer Antwort auf die I Wärungen Clemenceaus ihrer hohen Pflicht 1 «âEMMWè I Heimat und um das Glück inmitten ihrer I Familien beraubt. Die geschloffene öffentliche I Meinung Deutschlands har sich in heißem I Protest hinter die Regierung gestellt und sie hat I des Glaubens sein dürfen, daß letzten Endes doch I Menschlichkeit und Mitgefühl über verblendete I Rachsucht und Gewaltpolitik den Sieg davon ■ tagen würden. Heute müssen wir mit tiefstem I schmerz bekennen, daß wir Deutsche, denen ttotz I aller bösen Erfahrungen immer noch das Gefühl I als das ausschlaggebende Moment in allen I Menschlichen VezièWngen erscheint, aufs I ditterlichste enttäuscht werden. Durch ganz I Deutschland wird eine Welle heißen Zornes I To zugleich tiefster Büngnis gehen. Denn I die deutsche Regierung wird durch diese neueste I Pariser Note vor eine der schwerstwiegenden I Entscheidungen seit der Unterzeichnung des Frie- I “TO gestellt. Die hohe internationale Span­nung ist immer deutlicher in das akute Stadium I ^treten. Wie verlautet, wird die deutsche Ant- I nwrt auf die neue Clemenceau'sche Note ohne lede Verzögerung erteilt werden. Wir nehmen an, daß die deutsche Regierung noch einmal in ■ eindringlicher Sprache alles anfiihren wird, was das ungeheuerliche Unrecht in klarstem Licht er- I Mnen läßt, dessen sich Herr Clemenceau schul- ' zu machen anschickt. And wie immer ihre : Entscheidung fallen wird, sie darf gewiß sein, da« das ganze deutsche Volk mit fester Ent- Wassenheit an ihre Seite tritt, wenn sie um deutschen Kriegsgefangenen bis zum Aeutzer- M kämpft.

Die Neuwahlen Zum Reichstag.

I ==* »Berlin, 4. Dezbr.

. ®»n zuständiger Seite wird verschiedenen Blättern Jwteilt, daß die Neuwahlen zum Reichstag für den Monat April 1920 in Aussicht genommen sind.

Der parlamentarische Unter* suchungsausschutz.

- -- Berlin, 4. Dezbr. (Telegr.)

,, Ae die „Politisch-Parlamentarischen Nachr." fahren, ist die ursprünglich für heute anbe- simte Sitzung des zweiten Unterausschuffes auf Montag verschoben worden. Es soll dann über restlichen Vernehmungen Beschluß gefaßt dttoen. Ob Hindenburg ein zweites Mal "Mammen werden wird, ist noch zweifelhaft, jt"* einem Teile der Ausschußmitglieder herrschte e Ansicht, daß eine zweite Ladung sich aus ^hachlichen Gründen erübrige.

Französische Bestrebungen.

- -- Berlin, 4. Dezbr. (Telegr.)

..Lokalanzeiger" berichtet auS Wien: Wie in ^MgenEntentekreiscu verlautet, ist die Wiedererichtung »^Z^uizösischen Gesandtschaft in München beschlossene i*.,®an bringt dies in Zusammenhang mit den Bestrebungen zur Errichtung eines von i Waitfdjlanb getrennten mittel- und s ü b- "eutschen Staate«.

Die EZrkenLe gegen die Sicherheiisorgamfatisnen.

WB. Berlin, 3. Dezbr.

Dein deutschen Vertreter in Paris ist folgende Note der alliierten und assoziierten Regie­rungen vom 1. Dezember zugegangenr

Alle bis heute eingegangenen Nachrichten be­sagen übereinstimmend, daß die deütsche Regie­rung seit einiger Zeit die Entwickelung ihrer militärischen Streitkräfte vorbereitet und verwirk­licht. Außer der Reichswehr werden unter dem Namen „Sicherheitspolizei" stehende Streitkräfte geschaffen, die sämtliche Kennzeichen und den Wert auserwählter Streitkräfte haben. Diese Streitkräfte werden von Stäben befehligt und verwaltet, die aus militärischem Personal zu­sammengesetzt sind. Diese Formationen haben sonach, obschon sie dem Ministerium des Innern unterstellt sind, einen Charakter, der ihrer angeb­lichen Bestinnnung als Polizei widerspricht. Ihre Aufstellung verstößt gegen Artikel 162 des Frie- densvertrages.

Außerdem bildet Deutschland unter dem Na­men „Zeitfreiwillige" unch „Einwohnerwehr" Reserven, die Kontrollversammluagen und mili- täxischen Uebungen unterworfen und mit Waffen- und Munitionslagern versehen sind. Diese Orga­nisationen stehen mit dem Gesamtheit der mili­tärischen Bestimmungen, namentlich mit Artikel 176 des Vertrages in Widerspruch.

Die alliierten und assoziierten Regierungen machen schon jetzt darauf aufmerksam, daß diese dem Geiste und dem Wortlaut des Vertrags zu­widerlausenden Maßnahmen als Absicht der deut­schen Regierung, den Vertrag nicht auszuführen,

dessen sie deutsche Regierung auf, die vorbezeich­neten Maßnahmen unverzüglich aufzuheben, jedenfalls aber so, daß mit der Inkraftsetzung des Vertrages die sogenannten Polizeitruppen auf die im Vertrag vorgesehene Stärke herabge- mindect werden und eine ihrem Charakter als Orts- und Gemeindepolizei entsprechende Ver- faffung erhalten, und Stäbe, die über die im Vertrage vorgesehene Zahl hinaus geschaffen sind, sowie die Reserveorganisattonen aufgelöst werden. Genehmigen Sie usw.

gez. Clemenceau.

Zu der Note ist folgendes zu benterten:

Es ist nicht zutteffend, daß das Deutsche Reich eine Entwickelung feiner militärischen Streitkräfte vocbereitek, im Gegenteil, ist die Zu­rückführung der Heeresstärke auf das in Art. 163 Absatz 2 des Friedensvertragos zunächst vorge­sehene Maß von 200 000 Mann, wie allgemein be­kannt, im vollen Gange. Daß sich die Zenttal- Polizeibehörden der einzelnen Länder im Laufe des Jahres angesichts der bedrohlichen inneren Verhältnisse Deutschlands genötigt sahen, durch die Aufstellung von Sicherheitspolizei, Einwoh­nerwehren und Zeitfteiwilligen besondere Ein­richtungen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zu treffen, ist nicht nur Gegenstand der öffentlichen Erörterung, sondern auch der En­tente bereits vor Monaten offiziell mitgeteilt worden. Zu einer von deutscher Seite angeregten Besprechung der Einzelftagen ist es bisher zum Bedauern der deutschen Regierung nicht gekonr- men. Die Frage, inwieweit die getroffenen Ein­richtungen mit dem Friedensvertcag in Wider­spruch stehen — was nach deutscher Auffassung nicht der Fall ist — wird jedenfalls nach Ein­setzung der im Friedensverttag vorgesehenen Kontrollkommission gemäß den Vorschriften des Vertrags klarzustellen sein. Es wäre nur er­wünscht, wenn Besprechungen dattiber schon früher stattfänden.

Mündliche Besprechungen.

— Berlin, 4. Dezbr. (Telegr.)

Auf die letzte Note der Entente beabsichtigt die deutsche Regierung, wie das „Berl. Tagebl." hört, nicht in Forin einer Note zu antworten. Sic wird in mündlichen Besprechungen zu einer Einigung zu kommen versuchen.

Die Nüâkehr aus dem BalMum.

- -- Berlin, 4? Dezbr. (Telegr.)

Den aus dem Baltikum zurückkehrenden Truppen ließ Oberpräsident Winnig eine Kund­gebung zugehen, nach welcher die Reichsregie- rung voraussichtlich von einer Bestrafung wegen der nicht rechtzeitig erfolgten Rückkehr ab sehe« perbe. Eie sei bereit, den Furück- kehrenden Heerssangehörigsn nach erfolgter Demobilisierung ein Demobilmachungsgeld und einen Entlaffunasanrue au aewäüren.

Schulfragen.

WB. Berlin, 4. Dezbr.

Der Reichs schulausschuß nahm am Diens­tag und Mittwoch die Berichte seiner UnteranS- s ch ü s s e entgegen unb besprach im Anschluß, baran eingebend die ansgearbeiteten Vorschläge. Ueber die Durchführung des Artikels 146 Absatz 2 der Ver­fassung sollen die Beratungen im ReichSministerium des Innern, gleichfalls unter Hinzuziehung eines Unterausschuffes, fortgesetzt werden. Ueber die Frage der Grundschule und der Lehrerbildung, soweit beide gesetzgeberischer Maßnahmen bedürfen, ohne daß allerdings der sachlichen Entscheidung der zukünf­tigen Reichsschulkonferenz vorgegriffen wird, wurde gleichfalls in eingehenden Beratnngen volles Einver­ständnis erzielt. Zur ReichSschulronferenz selbst wurde vereinbart, daß sie zu Ostern der nächsten JahreS in Bersin stattfinden solle. Auf die Tagesordnung wer­den folgende Punkte gesetzt werden: 1. Schularten, Schulbetrieb und organisatorische Zusammenfassung zur Einheitsschule, 2. Methodische Fragen und Be­deutung einzelner Schulfächer (wie NrbeitsuUterrichtt für das gesamte Schulwesen, 3. Lehrer und Lehrerinnen, 4. Schüler und Schülerinnen, 5. Eltern < Eltrrnüeiräte),

6. Technische Vereinheitlichung des Schulwesen? im Reiche, 7. Verwaltungs des öffentlichen Schulwesens, 8. Die Privatschulen in ihrem Verhältnis zum öffent­lichen Schulwesen, 9. Die deutschen Schulen im Aus­lande. Die Zahl der Teilnehmer der Reichssch^ll- konferenz einschließlich der RegierungSvertteter soll 400 nicht überschreiten. In erster Linie kommen für die Vertretung in Betracht: Vereinigungen und Lehrkräfte an den verschiedenen Schularten, pädagogische Vereine

allgemeinen Charakters, schulpolitische Vereinigungen, Vereinigungen konfessioneller und weltanschaulicher Natur, soweit sie sich mit dem Schulwesen beschäftigen und sich organisatorisch über das ganze Reich erftreden. Ferner sollen hervorragende Einzelpersönlichkeiten, bei denen auch Vertreter von Parteien und politischen Vereinen zu berücksichtigen sind, zur Teilnahme einge­laden werden. Die Verteilung der den großen Vereinen juaeffiidfiailLj^M, auf ihre j3^ sowie die UuVwabl der Personen wird Len Vervanl... ______ überlassen. Nachträgliche Meldungen sollen noch biS zum 31. Dezeinber èntgegeugenommen werden. Die für die Behandlung der Hanvtpnnkte zu berufenden Aesercnten und Gegenreferenten sollen verpflichtet sein, ihre Leitsätze baldigst zum Zwecke der Veröffentlickung einzureichen. Auch der Text ihrer Reftrate soll so zeitig eingereicht werden, daß eine Veröffentlichung noch mehrere Wochen vor dem Zusammentritt der Konferenz möglich ist. Die nächste Sitzung des Reichsschulaus- schusseS ist für Januar nächsten Jahre« in Aussicht genommen.

»ein selbst

Verlängerung eines Srohlerrabkommens.

--- Berlin, 4. Dezember. (Telegramm.)

Die Verhandlungen zwischen den Vertretern Deutschlands und der Tschecho-Slowakei führten laut „Vosstscher Zeitung" zu einer Verlängerung des Kohlenabkommens, nach welchem Deutschland Steinkohlen im Austausch mit böhmischen Braunkohlen liefert. Der Vertrag wurde auf die Dauer von sechs Monaten abgeschlosien.

Die Fahnen her Schuljugend.

DDP. Cassel, 4. Dezbr.

Ueber Zwischenfälle anläßlich der Anwesenheit des Generalfeldmarschalls von Mackensen in Wilhelmshöhe teilt der Direktor des Realgymnasiums Cassel der dortigen Presse folgendes mit: Der Direktor des Real­gymnasiums hatte den Schülern aus Anlaß der An­wesenheit des Generalfeldmarschalls von Mackensen auf Wilhelmshöhe von 11 Uhr ab freigegeben. Ein Teil der Schüler schloß sich nun zu einem Zuge zu- sammen, wobei dem Zuge drei Fahnen, eine schwarz­weißrote, eine schwarzweiße und eine blauweiße, vor- angetragen wurden. Als die Schüler auf dem Rück­weg von WU Helmshöhe den Betriebsbahnhof der großen Casseler Straßenbahn passierten, stürzte sich eine An­zahl von Arbeitern der dortigen Werkstätten auf die Spitze des Zuge« und suchten den Fahnenträgern die Fahnen zu entreisen, Sämtliche Fahnen wurden in Sicherheit gebracht. Nur eine Fahne mußte vom Schafte abgetrennt werden. Der Zug ordnete sich dann wieder und marschierte weiter.

Protest der Darmstädter.

" --- Berlin, 4. Dezbr.

Aus Darmstadt wird dem „Lokalanzeiger" berichtet: Als der Franzose Collin heute abend hier einen Vortrag halten wollte über den Pazi­fismus, wurde er vor zahlreichen Besuchern durch Zurufe wie „Nieder" usw. daran gehin­dert, sodaß er vorzeitig abbrechen und das Lokal verlassen mußte. Nur durch starkes Schutz- mamrsaufgebot konnte die Ruhe ausrechterhalten und weitere Mißhelligkeits» vermieden werde«.

„Der dritte Band".

Aus dem Grabe im Sachsenwalds reift sich die Faust des Riesen und zerschmettert den letzten Hohenzollern: das war die Drohung und bet Glaube aller Feinde Wilhelms n. im deutschen Volke, wenn die Rede darauf kam, daß noch ein „britter Band" der Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck existiere. Unerhörtes stehe dann und harre der Veröffentlichung, vernichtendes für den Kaiser. Wer ihn verteidigte, wer daraus hinwies, daß er uns ein Menschenalter hindurch den äußeren und inneren Frieden erhalten habe, daß unter ihm Deutschland stark und mächtig geworden sei, wohlhabend und glücklich, dem wurde immer wieder der britte Band vorge­halten. Mattet nur ab, dieser Band bringt bi# großen Enthüllungen!

Gleichzeitig würde aber bekannt, daß Fürst Bismarck selbst das Gefühl gehabt habe, er dürfe nicht mit einem aus feiner Zornesstimmung nach der Entlastung 1890 geborenen Buchs sich in den Parteistreit stürzen. Auch nach seinem eigenen Tode nicht das Bild von ihm als dem großen Royalisten verdunkeln. So sollte denn dieser Band nur das Material für spätere Geschichtsschreiber dienen, wenn das gesamte Geschlecht von heute ausgestorben sei, auch der Kaiser nicht mehr lebe; so hätten wir es selber aus dem Munde des Sohnes, des Fürsten Herbett Bismarck.

Die Cottasche Buchhandlung, in deren Händen sich das Manuskript des berühmten Bandes be­findet, will das Buch „noch vor Weihnachten" erscheinen lassen. Geschäft ist Geschäft; heute würde das Werk noch gekauft, nach einigen

Jahren H ätte es nur noch Interesse für Bibliotheken. In diesem Stadium der Sache haben nun die Rechtsvertreter Wilhelms n. Einspruch erhoben, der von dem Str

anerkannt worden ist, da in dem Bande Briefe

des Kaisers veröffentlicht werden sollen, ohne daß seine Genehmigung dazu eingeholt ist: Ver­gehen gegen das geistige Eigentumsrecht. Es ist also eine vorläufige Verfügung ergangen, die das Erscheinen des dritten Bandes von Bis­marcks Gedanken und Erinnerungen verbietet; die Verlagsbuchhandlung müßte sich erst durch einen Prozeß das Recht zur Herausgabe er­streiten. Das ist weder für sie, noch für den Kaiser, noch für das deutsche Volk eine rühm­liche Sache, aber es ist — Reklame'für das Buch, das trotz allem sicherlich noch zu unseren Leb­zeiten erscheinen wird, und sei es zunächst auch nur im Auslande. Und wir glauben, daß nach dieser Reklame, wie es so oft zu geschehen pflegt, die Käufer enttäuscht sein werden, denn es ist in den letzten Monaten so vieles und so abstoßendes in Form und Inhalt über den nun schutzlosen Kaiser geschrieben worden, daß Bismarcks Buch nicht mehr wie ein Faustschlag des Rachegeistes aus dem Grabe wirken dürfte, sondern tatsächlich wie die abgeklärte historische Kritik eines großen Geistes an der Zeitenwende vor dreißig Jahren

Man mag über 1890 denken, wie man will so wird man doch jedenfalls zugeben müssen, daß 1914 doch kein Bismarck mehr Kanzler des Deut­schen Reiches hätte sein können, denn wir werden nun einmal nicht hundert Jahre alt. Was da­mals zur Trennung der beiden Männer von ein­ander führte, das ist tkn Wissenden überdies längst bekannt: es war die Unvereinbarkeit ihrer Ansichten über die innere Politik. Wie die Trennung äußerlich herbeigeführt wurde, das mag für den Historiker von Interesse sein; für die deutschen Nöte dec Gegenwart können wir daraus nichts Rettendes entnehmen.

Lobales.

Hanau, 4. Dezember.

* Stadttheater. Heute abend 7 Uhr findet die 3. Aufführung des neuen Schlagers „Das Schwarzwaldmädel" statt. Freitag im Abonne­ment 1. Wiederholung des mit stürmischem Beifall aufgenommenen Schwankes „Die 3

ifall aufgenommenen Schwankes „Die 3 Zwillinge". Samstag 3 Ahr wird das Kinder­märchen „Rotkäppchen" zum letzten Male bei kleinen Preisen gegeben; während abends 7 Uhr „Das Schwarzwaldmädel" in Szene geht. Sonntag nachmittag 3 Uhr bei gewöhnlichen Preisen letzte Aufführung des Vottsstückes mit Gesang „Der Herrgottschnitzer von Oberammer­gau", ‘ abends 7 Uhr der urkomische Schwank „Die 3 Zwillinge".

* Preuß. Klaffenlotterie. Am 20. Ziehungs­tage 5. Klasse wurden u. A. folgende Gewinne gezogen: (Ohne- Gewähr) mit 5000 Mk. Nr. 200014; mit 1000 Mk. Nr. 123673; nm je 500 Mk. Nr. 80324 192622 200843; mit je 240 Mk

Nr. 7251 7261 36196'79643 79634 79711 80107 80164 80301 80438 80453 123935 124333 140493 164535 164537 200836.