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Dienstag èen 18. November

1919

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dritter Beratung angenommen.

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Deutsche Spar-Prämienanleihe 1919

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ParlamenlKNischer AKèersuchuugsausschuß.

W. Berlin, 17. Novbr.

Lor dem Reichstagsgebäude waren heute von btt Sicherheitspolizei Vorkehrungen getroffen, um etwaige Demonstrationen anläßlich der Ver- [ uchnnmg Hindenburgs und Ludendorffs vor dem Untersuchungsausschuß zu verhindern. Die nicht sehr große Menschenmenge, die sich in der nmgebimg des Reichstagsgebäudes einfand, zer- preute sich, als bekannt wurde, daß Hindenburg um Vormittag noch nicht vor dem Untersuchungs- nusschuß erscheinen würde. Zu Kundgebungen kam es nicht. Der Andrang zu der heutigen Sitzung war sehr stark. Auch Staatssekretär Helfferich war wieder erschienen. Bei Eröffnung der Sitzung verlas der Vorsitzende Gothein eine Erklärung, in der darauf hingewiesen wird, daß der Untersuchungsausschuß lediglich den Cha- I ratter einer parlamentarischen Enquetekommission hat und daß alle Mitglieder des Ausschusses, ebenso aber auch alle Zerrgen sich in ihren Aus­sagen aller Werturteile zu enthalten haben. Helffe­rich, der seinen Einspruch gleich zu Beginn der heutigen Sitzung bekannt zu geben wünschte, fügte sich dem Vorschläge des Vorsitzenden, diese EMrung zu Protokoll zu geben. Er Bat, daß der Ausschuß dazu Stellung nehme.

Herr v. Bethmann kommt in längeren Aus- isuhrungeu zu dem Schluß, daß die Geheimhal­tung unserer Schritte in Washington lediglich die

-ie Fernhaltung aller militärischen Schädigungen M diesem Kriegsmittel, bezweckte. Trotz der Kenntnis vom der Bedeutung des U-Bootkrieges Amerika sei die komplette Reichstags- Anhängerin des U-Boottrieg^ ge­wesen, falls dieser von der Obersten Heereslei- iimg für nötig gehalten wurde. An diesem Tat- ibestand könnten namentlich diejenigen politischen Faktoren nicht rütteln, die mit besonderem Nach­druck den Grundsatz vertreten, daß die Mehrheit der Volksvertrettmg ganz die Dinge zu bestimmen Habe. Dem Reichsminister Dr. David gegenüber Lerwies v. Bethmann darauf, daß es öffentliches 'Geheimnis in der ganzen Welt war, daß der A-Bootkrieg den Krieg mit Amerika nach sich zöge.

Dachnrittagsfitzung.

Bet Wiederaufnahme der Verhandlungen «uferte sich Staatssekretär a. D. Dr. Helfferich zu den wirtschaftlichen Fragen dahin, daß ange­sichts der schlechten Ernte von 1916 et den Ein­druck hatte, daß eine schwere Gefährdung der Er­nährung Englands vorhanden war. Die Welt- Mte war ungenügend, Englands Ernte ungün­stig und in den Vereinigten Staaten und Kanada war sie geradezu katastrophal. England zahlte an die Vereinigten Staaten horrente Preise, aber die Zufuhr ging dauernd zurück. Das einzige, was sch im Zusammenhang hiermit im Ausschuß ge= fasst haben kann, war die Hoffnung, England zum Frieden bereit zu machen. Ich betrachtete speziell die Situation dec Nahrungsmittelversor­gung Englands im Januar für ungemein viel günstiger für den U-Boottrieg als je zu einem anderen Zeitpunkt des Jahres. Trotzdem habe ich M gegen den U-Bootkrieg zum 1. Februar aus­gesprochen. Als der Abg. Dr. Cohn von Dc. Helfferich die Beantwortung der Frage erbat, ob von England noch Reis eingeführt wurde, und "er Vorsitzende Goch ein sich die Frage zu eigen fachte, entgegnete Dr. Helfferich: Ich werde dem Voffitzenden auf diese Frage antworten. An diese Deckung knüpfte sich eine lange Auseinander- Mung zwischen Dr. Cohn, dem Vorsitzenden Gothein und Dr. Helfferich. Der Abg. Warmuth hielt es für nötig, jetzt die Erklärung Dr. Helsfe- W zu Beginn der heutigen Vormittagssitzung verlesen, worauf der Ausschuß um 554 Uhr I1«) zur Beschlußfassung hierüber zurückzog. Nach etwa einstündiger Beratung verkündete der Vor- sttzende als Beschluß des Ausschusses, daß der ètrag des Abg. Warmuth, den Ein»".......* des ^ugen Dr. Helfferich gegen den Strafbeschluß

Samstag zu verlesen mit vier gegen zwei stimmen bei Stimmenthaltung des Abg. Dr. Eohil abgelehnt worden sei und Staatssekretär ^D- Dr. Helfferich wegen wiederholter Zeug­

nisverweigerung wieder in die höchstzulässige Strafe von 300 Mark zu nehmen sei. Das Stirn- menverhältnis bei diesem Beschluß war das gleiche. Eine Auseinandersetzung über den Be­schluß ist unzulässig, doch hat Dr. Helfferich das Einspruchsrecht. Dr. Helfferich fährt dann fort: Die Wirkung des U-Bootkrieges war so stark, daß nach einigen Monaten bestimmte Symptome einer Friedensgeneigtheit bei den Feinden vorhanden waren. Diese Friedensgeneigtheit ist aber durch Dinge zerstört worden, über die ich jetzt nicht sprechen will. Die Annahme ist falsch, daß Eng­land nicht ganz erheblich durch den U-Bootkrieg für seine Ernährung gelitten habe. v. Beth­mann Hollweg weist darauf hin, daß der Admi­ralstab bei seiner Berechnung nie davon sprach, England in die Knie zu zwingen. Er habe in dec Denkschrift vom 22. Januar lediglich die Ga­rantie übernommen, daß England friedensbereit werden sollte. Ich für meine Person, fuhr von Bethmann Hollweg fort, habe weder am 9. Ja­nuar noch sonst wann, mit die sichere Erwartung gebildet, daß wir durch den U-Bootkrieg Eng­land zum Frieden zwingen würden. Ich bin nicht enttäuscht gewesen, daß dieses Resultat ausblieb. Als Bestes, was der U-Bootkrieg uns leisten konnte, habe ich angenommen, daß in England der Gedanke dafür hervorgerufen werde, ob einem fortgesetzten Tonnageverlust nicht die Verständi­gung über den Frieden vorzuziehen war, auf den sich England und seine Verbündeten einlassen konnten. Auf den Hinweis des Abg. Schücking, daß man in Oesterreich-Ungarn zuerst gegen den U-Bootkrieg war und erst nachgegeben hätte, als Holtzendorff erklärte, England werde jedenfalls zum Frieden gezwungen werden, erklärte Dr. Zimmermann, daß Holtzendorff warm für den U-Bootkrieg eingetreten sei und erklärt habe, wir

tzendorff trat Admiral Hauß für den U-Bootttieg ein. Auch General Konrad V. Holtzendorff war für den U-Bootkrieg, während Graf Tisza Be- denken äußerte. Damit ist die Vernehmung des Staatssekretärs a. D. Dr. Helfferich beendet. Morgen werden Generalfeldmarschall v. Hinden­burg und General Ludendorff vernommen werden.

Kuldigung für ândenburg.

WB. Berlin, 17. Nov.

Nach den Abendblättern erschien heute vor­mittag kurz vor 11 Uhr eine Ehrenkompagnie des Freikorps Eichhoff feldmarschmäßig ausgerüstet mit klingendem Spiele vor der Villa des früheren Staatssekretärs Dr. Helfferich und nahm in zwei Gliedern Aufstellung. Auf die Meldung des Füh­rers der Kompagnie trat Generalfeldmarschall v. Hindenburg mit entblößtem Haupte heraus und schritt die Ehrenkompagnie ab, die hierauf unter klingendem Spielim Parademarsch an Hin­denburg vorbeizog. Nach Erklärung von zustän­diger Sette ist anzunehmen, daß es sich hier um ehemalige Angehörige des Freikorps Lützow, das nicht mehr besteht, handelt. Die Polizeibeamten hinderten den Anmarsch nicht, da sie glaubten, hierin einen offiziösen Att zu erblicken.

DDP. Berlin, 17. Nov.

Die Huldigung für den Generalfeldmarschall V. Hindenburg ist vom 4. Bataillon des Reichs­wehr-Infanterieregiments Nr. 6 aus geführt wor­den, das in Zoffen liegt. LautVoss. Zeitung" ist sie einem Wunsche entsprungen, der aus der Mitte des Bataillons hervorgegangen ist. Major v. Lützow hatte nicht die Genehmigung seiner Vorgesetzten dazu eingeholt. Die Mannschaften des Bataillons begaben sich mit der Eisenbahn nach Berlin und von der Lützowstraße aus wurde der Marsch nach der Hedwigstraße anaetreten. Das Bataillon fuhr später wieder stoffen zurück.

Köhere Brokquote.

--- Berlin, 17. Novbr.

DemB. T." zufolge soll bei Erschwerung der Kartoffelzufuhrung durch die Witterungs- verhültnisse für das erste anstelle der fehlenden Kartoffeln eine höhere Brotquote zur Vettei- lung gelangen.

Kvhlenabfnhr und Witterung.

WB. Berlin, 17. November.

Das Reichsvsrkehrsministerium teilt mit: Die Ungunst der Witterung beeinträchtigt in immer größerem Maße den Eisenbahnverkehr und droht die Besserung, die in den letzten beiden Wochen in der Kohlenabfuhr aus den Erubenrevieren an der Ruhr und in Oberschlesien eingetreten war, zu nichte zu machen. Bereits am Samstag machte sich eine kleine Verschlechterung in der Wagengestellung bemerkbar. Immerhin war es noch möglich, an der Ruhr 17000 Wagen (einige Hundert mehr als rechtzeitig angefordert waren) und in Oberschlesien 6500 Wagen für Kohlen, Koks und Briketts zu stellen. Während in Oberschlesien sich die Bestände einigermaßen ge­halten haben, ist an der Ruhr, wo der Eisen­bahnbetrieb besonders unter den Unbilden der Witterung zu leiden hatte, der Bestand an Leer­wagen beträchtlich zurückgegangen, sodaß auch die Wagengestellung in den nächsten Tagen un­günstig beeinflußt werden wird. Die starken Verzögerungen, die im ganzen Eisenbahnbetrieb entstanden sind, haben auch eine erhebliche Ver­langsamung des Umlaufs der beladenen Wagen zur Folge, sodaß die bessere Verladung der letzten beiden Wochen sich in einigen Bezirken nicht so schnell bemerkbar machen wird.

Der Geßlerhuk.

--- Berlin, 17. Novbr.

LautBerliner Lokalanzeiger" hat die Be­satzungsbehörde in Speyer eine neue Anordnung getroffen, nach der die vormittags 10 Uhr auf dem Dom gehißte Fahne in dem Augenblick des Ertönens von Fanfaren von jedermann durch Abnehmen der Kopfbedeckung gegrüßt werden

sm General v» Eberhard unèerWsrfen.

WB. Berlin, 17. Nov.

Die Nachricht, daß Oberst Bermondt sich mit seinen Truppen dem General V. Eberhard unter­worfen habe, bestätigt sich. Der Zustand der Ber- mondtschen Truppen ist noch unübersichtlich, doch scheint unter ihnen eine starke Verwirrung zu herrschen. Die nordwestrufsische Regierung hat sich aufgelöst.

W. Königsberg i..Pr., 17. Nov.

Der- Befehlshaber der russischen Westarmee Awaloff-Bermondt begründet die Unterstellung seiner Truppen unter den Befehl des Generals V. Eberhard damit, daß er die militärische Lage für unhaltbar angesehen habe, weil die Letten ein Bündnis mit den Bolschewisten geschlossen hatten und mit starken Kräften gegen Mitau vor­gingen.

DDP. Berlin, 17. Nov.

Wie dieDeutsche Allgemeine Zeitung" von unterrichteter Seite hört, ist die Unterstellung des Obersten Awaloff-Bermondt unter General von Eberhard unter gleichzeitiger Verständigung der Verbandskommission, die programmäßig von Kowno nach Tilsit zurückgekehrt ist, erfolgt.

Die AnfMrenke.

--- Berlin, 17. Novbr.

Als eine der übelsten Folgen der Entwertung unseres Geldes sieht derVorwärts" die ver­zweifelte Lage der Unfallrentenempfänger an. Es müßte jetzt, da die Steuergesetze zur Verab­schiedung ständen, und da der Warenbedarf noch mit einer höheren Umsatzsteuer belegt wer­den soll, mit dem größten Nachdruck verlangt werden, daß die Renten der Opfer der Arbeit ausreichend erhöht werden.

Groß-Berlin.

DDP. Berlin, 17. Nov.

Der endgültige Gesetzentwurf über die Bil­dung einer Stadt Groß-Berlin liegt abgeschloffen vor. Er wird in wenigen Tagen der preußischen Landesversammlung zugehen. Zur Stadt Groß- Berlin sollen die acht Großstädte Berlin, Char­lottenburg, Köpenik, Lichtenberg, Neukölln, Schö­neberg, Spandau, Wilmersdorf, 55 Landgemein­den und 23 Gutsbezirke zusammeâschweißt werden.

Auslandsdienfr.

DDP Kopenhagen, 17. Novbr.

Nach einer Meldung desNya Daglight Allehanda" wird der deutsche Gesandte in Stock­holm, Freiherr Lacius seinen Posten nach der Ratifikation des Friedensvertrags verlassen, um einen der dann zu besetzenden größeren Aus. landsposten zu übernehmen. Sein Nachfolger in Stockholm wird der bisherige Letter des Büros des Reichspräsidenten, Gesandter von Nadolny, der als besonders genauer Kenner aller Ostftagen gilt.

Die Dardaaellen-ExpedMon.

London, 17. Nov. (Telegr.)

Heute wird der Bericht der Untersuchungs- Kommission über die Dardanellen-Expedition ver­öffentlicht. Der Berichterstatter erklärt, daß das Unternehmen nicht genügend studiert worden sei und daß man sich von gewiffen Schwierigkeiten keine Rechenschaft gegeben habe. Dkr Berichi schließt mit der Feststellung, daß die Entschlie­ßung Kitscheners, die Dardanellen sofort zu räumen, die einzige Maßnahme war, die den bors­tigen Umständen entsprechen konnte.

Nach Paris abgere^k.

Sofia, 17. Nov. (Telegr.)

Ministerpräsident Stambulinsky ist am 15. ds. Mts. nach Paris abgereist.

Die DiamanleniN-uslrie in Antwerpen-

Wie einem Leser unseres Blattes ein'Ge- schäftsfreund aus Antwerpen meldet, sprechen die dortigen Blätter über das Nachlassen, das sich in dem Diamanthandel fühlhar macht. Dieses mußte unvermeidlich kommen nach der lange drückenden Periode, die MeiMck Md alle vorhandenen Kräfte in Beschlag genommen Es ist unsinnig viel Ware fabriziert wor­den, dadurch ist ein großes Lager in geschliffe­nen Diamanten entstanden, und es ist nicht immer geglückt, dieses Lager leidlich zu ver­kaufen. Der Erfolg ist, daß etwa 3000 Mann arbeitslos sind. Die Absichten der Chefs, die jetzt bestehenden hohen Löhne zu vermindern, wurden vereitelt, da der A. D. V. mit soforti­gem Streik drohte. Es ist von einer freiwilli­gen Schließung sämtlicher Betttebe auf die Dauer von 4 Wochen gesprochen worden, doch ist in dieser Angelegenheit bis jetzt nichts ge­schehen. Es scheint nun, daß man einen Mittel­weg gefunden hat. Es soll höchstens eine halbe Woche gearbeitet werden, dadurch hofft man die Arbeitslosigkeit größtenteils hinzuhalten.

Kleine Nachrichten.

Die Zusammensetzung der belgischen Kammer wird in der Hauptsache wahrscheinlich folgende sein: 7980 Katholiken, 6567 Sozialisten und 3738 Liberale. Die Katholiken haben damit ihre frühere Mehrheit verloren.

Preußische Lauöesyerfammluug.

Berlin, 15. Nov.

Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um 1254 Uhr. Der Gesetzentwurf über die Ver­anlagung und Verwaltung derpceu- ßischen Steuern wird in zweiter und

zweite Haushaltsberatung wird bei dem Haus­halt der preußischen Regierung fortgesetzt.

Ministerpräsident Hirsch: Zunächst ein Wort über die skandalösen Vorgänge der letzten Tage. Wohin soll es führen, wenn Schüler und unreife Burschen jetzt auf der Straße mit (Se­ro alt verhindern, daß Hindenburg vor dem par­lamentarischen Untersuchungsausschuß erscheint? Wie weit ist es gekommen, wenn Schuldirektoren die Schuljugend auffordern, sich an Demonstra­tionen zu beteiligen. Man macht uns nicht weiß, daß es sich um Ovationen für Hindenburg han­delt. Ein Mann ,wie Hindenburg, dessen Feld­herrntalent auch durch unsere 9HeberIage nicht verkleinert wird, und dem das Volk unauslösch­lichen Dank bewahrt, bedarf solcher Ehrungen nicht. Selbstverständlich wird die Regierung alles UMBEMMaMMBgl»! MH.............