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General-Anzeiger

:^3$s Organ für Stadt- und Landkreis Lava«

Erschein! täglich mit Ausnahme der>2onn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermübk«.

Verantwortlich: für politischen und allgeoreinen Teil G. Schrecker' für lokalen und provinztellën Teil sowie Sport W. Moritz: für Anreisen «av Reklamen A. Brodt, alle in Harum LM.

Rotati onsdruck d. WaNenbausbuLimitieret Hanau Fernsprechanschlöffe Nr. 1237 und 1238

Nr. 269

Montag den 17. November

1919

Der Friede.

Der Eintritt des Friedenszustandes für Deutschland.

' W. Amsterdam, 16. Novbr.

LemAllgemeen Handelsblad" zufolge teilte I Lloyd George imParliamentary Papers" mit, | man hoffe, daß dm: Austausch der Ratifikationen I des Friedensvertrages mit Deutschland noch vor I Ende dieses Monats vor sich gehen werde.

Die Folgen der friedlichen Fußtritte.

-* Berlin, 16. Novbr.

ZmVorwärts" wird geschrieben: Die un- I zweifelhafte Stärkung der nätionalistisch- I monarchistischen Reaktion ist die logische Folge I der Behandlung die das besiegte Deutschland I durch die (Entente erfährt. Der Keulenschlag I von Versailles, die Fußtritte und Faustschläge I der immer wieder erneuten Drohungen und I Strafmaßnahmen müssen dieser Agitation Vor- I schub leisten. Andererseits ist sie es, die Frank- I reichs Furcht vor einem deutschen Rachekrieg I steigert und dadurch zu immer neuen Maßnah- I men führt. Die Vorgänge der letzten Tage I haben im übrigen dem Eimgungsgedanken einen I stacken Antrieb gegeben. DieRundschau" meint, die Rechte habe keinen Grund, diese Ent- I Wicklung M 'fördern, und sollte deswegen 5uch I in ihren öffentlichen Bekundungen doppelt vor- I sichtig sein.

I Taktlosigkeiten. DDP. Berlin, 16. Novbr.

s In einer der 30 Protestoersammlung en gegen rücf tHil.tuna der Kriegsgefangenen, die im Manuffogymnagma stattsanü, tarn es zu einem unliebsamen Zwischenfall. Stephan vom Reichs­bund der Kriegsbeschädigten kam in einer Rede auf die unglückliche Idee, einen Witz zu ver­lesen, in dem die Heimkehrenden gefragt wer­den, weshalb sie überhaupt aus der Kriegsge­fangenschaft zurückgekehrt sind, wenn sie nicht der Deutschen Volkspartei beitreten wollten. Hierauf erhob fich ein Sturm der Entrüstung, der stellenweise in Tätlichkeiten unter den An­wesenden auszuarten drohte. Ern großer Teil der Erschienenen verließ unter Protest den Saal.

Besetzung Donns durch die Franzosen.

DDP. Bonn, 16. Nov. (Drahtm.)

Nach einer der Stadtverwaltung zugegange- sen Mitteilung wird die Stadt Bonn voraus­ichtlich von französischen Truppen besetzt.

Streik rmö Verkehr.

Berlin, 16. Nov.

DenP. P. N." zufolge hat die preußische Staats­eisenbahnverwaltung infolge ches Metallarbeiterstreiks eine Minderlieferung von etwa 40 neuen Lo­komotiven seitens der Berliner Fabriken zu verzeich­nen. Mehrere Hauptwerkstätten der Eisenbabnver- waltung haben beantragt, auch am Buß- und Bet­tag arbeiten zu dürfen, um den starken Mangel an betriebsfähigen Lokomotiven herabzumindern..

Ems kDMMUmMche Zentrsle ausgehsLsN.

= Berlin, 16. Nov.

DemBegsiner Tageblatt" aus Leipzig zufolge wurde heute du in Leipzig unterhaltene kommunistische Zentrale für Mitteldeutschland von der Polizei aus­gehoben. Es wurden sämtliche Bücher und Flugblätter beschlagnahmt und eine Anzahl kommunistischer Mit­glieder verhaftet.

Die Karkofselnot in Oberschalen.

DDP. Beuthen, 16. Novbr.

Die Kartoffelnot in Oberschlesien gibt zu großer Besorgnis Anlaß. Viele Gemeinden können Kartoffeln nur in unzureichender Menge zur Verteilung bringen. Insbesondere wird hierdurch eine Verminderung der Leistungsfähig­keit der Industrie, namentlich der Kohleumdustrie, befürchtet. Der geplante Austausch von Kohlen gegen Kartoffeln, hat der Kohlenkommissar nicht gestattet. Die Vertreter der Gruben ha­ben deshalb beschlossen, im Interesse ihrer Ar­beiter entgegen der Entscheidung des Reichs- kohlenkommissars < Kohlen gegen Kartoffeln zu liefern.

Prsteske gegen Die ZnEck-

Bertzn, 16. Novbr. Wolff.)

In zehn großen VcrMnmlnngm vereinigte sich heute die Bevölkerung Groß-BerlinS, um nochmals nachdrücklichen Protest zu erheben gegen die Zurück­haltung unserer Gefangenen in Frankreich, obwohl schon zwölf Monate seit dem Abschluß des Waffenstill­standes vergangen sind. Fast alle politischen und sozialen Verbände und Vereine hatten Ausrufe an ihre Mitglieder um recht zahlreiches Erscheinen ergehen laffen. Trotz des heftigen Schneetreibens und trotz starker Beschränkung des Straßenbahnverkehrs waren die Versammlungen zahlreich besucht, ein Zeichen da­für, wie sehr diese Frage die Gemüter aller Volks­genoffen ergriffen hatte. Aus der großen Rednerliste seien nur genannt: Professor Schücking, die Abgeord­neten Wels, Lawerrenz, Dr. Hugo, Schauspieler Moisst, Rittmeister Freiherr von Lersner, Donipredigcr Döhring. Von den Versammlungen wurden zwei Ent­schließungen angenommen. In der ersten Ent- schließung, welche durch Funkspruch an die Völker der Erdè verbreitet werden soll, wird gesagt, daß der

Oberste Rat seine Verpflichtungen nicht erfüllte. Zwölf Monate nach dem Abschluß des Waffenstillstandes warten die deutschen Gefangenen in Frankreich ver­gebens auf die Bekanntgabe des Datums des Abtrans­portes. Ein neuer Winter bringe den Gefangenen und deren Angehörigen seelischen und körperlichen Zu- sammenbruch und Tod. Trotzdem verlange die fran­zösische Presse die Zirrückhaltuug der Gefangenen als Pfand. Der Oberste Rat drohe mit Zwangsmaß­nahmen. Das deutsche Volk fordere die gesamte Mensch­heit auf, sich zu vereinigen zu dem Ruf zu sofortiger Heimsendung aller Gefangenen dieses Krieges. Die zweite Entschließung verlangt energisches Vorgehen der Nationalversammlung für die Heimbeförderung der deutschen Gefangenen, sowie die Anweisung der Re­gierung an die nach Paris zu entsendenden Vertreter, daß für die Zurückhaltung der Gefangenen einschließ­lich der Internierten von Scapa Flow alle Zwangs­maßnahmen ausgeschlossen sind, daß der Abtransport umgehend beginne und mit größtmöglicher Beschleuni­gung beendet werde.

Lokales.

Hanau, 17. November.

Eine schwerwiegende Entscheidung in der Kshlenversorgung.

Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: In der Kohlenversorgung wurde eine schwerwiegende Entscheidung getroffen. Trotz aller Bemühung«, die Vorräte der Eisenbahnen an Dienftkahle zu erhöhen, haben die letzten Wochen weitere V er- Minderungen der Bestände gebracht. Ein­zelne Eisenbahndirektionen haben kaum noch für drei Tage Vorräte. Im Durchschnitt sinkt der Vorrat in jeder Woche um einen Ta­ge s.v er brauch. Abgesehen davon, daß sich auf diese Weise nur noch ein ganz unwirtschaft­licher Betrieb führen läßt, muß dieser Zustand unfehlbar zum Zusammenbruch führen. Bricht aber der Eisenbahnverkehr zusammen, so hört auch die allgemeine Kohlen- und Lebensmittelver­sorgung auf.

Vor dieser fundamentalen Gefahr muß im Augenblick alles andere zurücktreten. Um ihr zu begegnen, haben stch die verantwortlichen Stellen der Regierung zu einem Gewaltmittel ent­schlossen: Die Eisenbahnen werden in den nächsten Tagen an allererster Stelle beliefert werden, bis sie wieder einige Vorräte haben. Es wird ver­sucht werden, die lebenswichtigen Betriebe hier­unter möglichst wenig leiden zu lassen. Die übri­gen Verbraucher und die Industrie, insbesondere die G r o ß e i s e n i n d u st r i e und der H a u s- b ran d, werden stark in Mitleidenschaft gezogen. Schwere Schäden werden im Gefolge dieser Maßnahme nicht ausbleiben. Sie sämtlich zu ver­meiden, ist aber bei der jetzigen Lage nicht mög­lich. Im Augenblick müssen wir alle Strafte zw

sammenhalten, um die schwerste Gefahr, den Z» sammenbruch des Eisenbahnbetriebes abzuwen- den, ohne Rücksicht arff den Schaden, der dadurch an anderen Stellen entstehen lann. Ist diese Hauptgefahr behoben, so können wir hoffen, auch der anderen Gefahr Herr zu werden und den in­zwischen anderwärts entstandenen Schad« wie» der gut zu machen.

Einlösung von Zinsscheinen.

In unserem Artikel vom 7. NovemberMaß. nahmen gegen die Kapitalflucht" nahmen wir bereits Veranlassung, über die neue VecordnuW des Reichsministers der Finanzen zu berichten, welche am 1. Dezember ds. Js. in Kraft tritt. In Anbetracht der Wichtigkeit der Angelegenheit möchten wir heute nochmals darauf hinweisen, daß vom 1. Dezember ab die Einlösung von Zins- und Dividendenscheinen inländischer Wertpa­piere, ebenso wie der Einzug, die Beleihung und Gutschrift gekündigter oder verloster Stücke nur noch durch die Banken vorgenommen werden darf und daß die Banken gezwungen Rni, in jedem Fall die Vorlegung eines vom zuständig« Finanzrat (Staatssteueramt) abgestempelten Verzeichnisses zu verlangen. Auf dieses Verzeich­nis darf nur verzichtet werden, wenn die be­treffenden Effekten oder mindestens die Bogen mit Erneuerungsschein sich bei der Bank in offenem Depot befinden. Es ergibt sich von selbst, daß mit dieser Neuerung für das Publikum, wie für das Finanzamt (Staatssteueramt), wie für die Ban­ken während der nächsten Wochen eine ganz un­geheure Arbeitslast verbunden ist, die den durch Einschränkungen aller Art ohnehin schon schwie­rigen Verkehr noch mehr erschweren wird. Der Januartermin ist einer der Haupt-Zinsschein, tecmine und es ist nicht vorauszusehen, wie bei der Einlösung der Alnsscheme Mi SKgtzer die peinlichsten Verzögerungen vermieden werden sonsten, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, welche sich bei der Aufstellung der Wertpapier- Verzeichnisse von feiten der darin ungeübten Be­sitzer und der Kontrolle durch das Finanzamt (Staatssteueramt) ergeben. Die meisten Eigen­tümer von Wertpapieren werden nolens volens wohl vorziehen, ihre Effekten bei einer Bank in offenes Depot zu geben, wodurch sie sich alle For­malitäten und Unannehmlichkeiten ersparen. Im Interesse einer glatten Hereinnahme der Effek­ten von feiten der Banken wäre nur zu wün­schen, daß die Wertpapiere so rasch als möglich jetzt schon eingeliefert würden, damit eine Ueber- lastung zum Jahresende vermieden und eine ordnungsmäßige Einlösung der Januar-Zins­scheine gewährleistet wird.

Argentinische Reisen.

Auf den Wege« der deutschen Auswanderer.

Von unserem Sonderberichterstatter Kapitän­leutnant a. D. Berg.

(Nachdruck verboten.)

Buenos Aires, Anfang Oktober. DerdeulscheHandelunddieschwar- âen Listen. Z ukun ft saus si chten.

Das erste, womit man sich beim Studium der Wirtschaftlichen Vechältnisse 'm Argentinien zu beschäfttgen hat, sind die unerhörten Schikanen und Unterdrückungen, denen der deutsche Handel

Lande während des Krieges infolge der An- ^vendung der schwarzen Listen ausgesetzt war. Mit einem jedem Völkerrecht Hohn sprechenden und auch über das argentinische Zivilrecht sich ^uhig hinwegsetzenden Terrorismus versuchte man den Boykott gegen die deutschen Unterneh­mungen, gegen deren deutsche Angestellte und so- 8ur gegen alle Handelshäuser ober Personen, die ^Aüfilicher ober auch nur gesellschaftlicher Be- Slehungen zu Deutschen verdächtig waren, durch- ^ichen. An der Aufstellung, Anwendung und Durchführung der schwarzen Listen nahmen der englische Gesandte und der Generalkonsul per­sönlich lebhaften Anteil; diese bildeten auch aus ven Vertretern der verschiedenen feindlichen Han- uZskammer einComitö Inter aliado", das während des ganzen Krieges und besonders auch u°ch nach dem.Abschluß des Waffenstillstandes mne eifrige Tättgkeit entfaltete, um dem beut Iw Handel den größtmöglichsten Schaden zuzu- iugen.

. Außer den amtlichenschwarzen Listen" wur- anonym noch die nichtamtlichengrauen" ^udA-B-C-Ltften" verbreitet, die die Namen aller derer enthielten, die der Deutschfceundlich-- mt verdächtig waren. Auch diese anonymen Anteil wurden notb nach dem Waffenstillstand er-

weitert und erst Anfang 1919 aufgehoben, wäh­rend die schwarzen Listen noch in Kraft blieben.

Anfangs hatten selbst alliierte Häuser ihren Handel mit deutschen Firmen fortgesetzt, soweit sie es unbemerkt tun konnten und soweit sie auf sie angewiesen waren. Durch eine raffiniert organisierte Spionage wurde es bald aber fast unmöglich, dabei unbemerkt zu bleiben, und an­gewiesen war der alliierte und neutrale Handel doch nur auf einige ganz große Monopolhäuser, deren Produkte nicht zu entbehren waren. Zu den letzteren gehörte vor allem die Deutsch-Ueber- seeische Elektrizitäts-Gesellschaft, die mit ihren riesigen Anlagen, den größten ihrer Art in Süd­amerika, fast ganz Buenos Aires mit seinem ausgedehnten Straßen- und Untergrundbahnnetz mit Licht und Kraft versorgt. Eine solche Ge­sellschaft kann man nicht einfach ausschalten, will man nicht das gesamte Leben der Stadt still­legen. Tatsächlich hat die Gesellschaft durch den Krieg auch nichts verloren, sondern war sogar imstande, trotz der neuerstehenden Konkurrenz einer italienischen Elektrizitäts-Gesellschaft ihren Wirkungskreis zu vergrößern. Dabei hatte diese deutsche Gesellschaft, dieCompania Alemana Trasatlantica de Electricidad", wie sie hier »ge­nannt wird (C. A. T. E), mit den unglaub­lichsten Schwierigkeiten zu kämpfen; so konnte sie besonders, nachdem durch den Eintritt der Union in den Krieg der Bezug amerikanischer Kohle unterbunden wurde, das nötige Heizmaterial kaum beschaffen, sie mußte mit Holz und Oel, ja mit Mais und Gerste heizen, und es gelang ihr tatsächlich, damit ohne Stockung den Betrieb auf- rechtzuerhalten. Eine andere Schwierigkeit, die alle Industrie- und Handelszweige des Landes auch hier gleichmäßig heimsucht, bildete die Ar-- beitecfrage. Die Gesellschaft wußte aber den Streik, der ihren gPizen Betrieb eines Tages lahm zu legen drohte, durch energisches Ein­greifen, andererseit durch Gewährung berechtig- ter Forderungen, schnell zu unterdrücken. Der

Achtstundentag, eine Hilfskasse, jährlicher Urlaub von 8 Tagen für jeden Arbeiter, Prämien für be­sondere Leistungen und eine Arbeitervertretung (Arbeiterrat), die alle die Arbeiterschaft betref- fenden Fragen mit der Betriebsleitung gemein­sam berät, waren die wichtigsten Zugeständnisse, die die Schwierigkeiten beseitigten.

Die gesamte Schiffahrt auf dem Parana, Paraguay und Uruguay liegt in den Händen einer Gesellschaft, die von dem Oestecreister Mi- hanowich gegründet war und schon vor dem Kriege in die AktiengesellschaftCompania Ar­gentina de Navegacion" mit Sitz in Löndon um- gewandelt wurde. 1916 mußte Mihanowich selbst als Präsident zurücktreten und sein ganzer Ak­tienbesitz ging in alliierte Hände über, die da­durch das Monopol der gesamten Flußschiffahrt bekamen. Ebenso befinden sich die meisten Bahn­gesellschaften der Republik in englischem und französischem Besitz. Auf Grund dieser Vormacht­stellung versuchten sie, die Annahme und Beförde­rung von Gütern, die auf der schwarzen Liste stehenden Häusern gehörten, zu verweigern; sie wurden aber auf eine. Beschwerde der 1916 ga- gründeten deutschen Handelskammer von der Re­gierung gezwüngen, unterschiedslos alle ihnen zur Beförderung anvertrauten Güter mnzuneh- men. Die unparteiliche Regierung bekräftigte diese Stellungnahme noch in einem besonderen Dekret.

Daß mit dem Eintritt der Vereinigten Staa­ten in den Krieg jeder Export aufhörte, versteht kaum zu rechnen; dieses Aushilfsmittel war zu- sich von selbst. Das Wenige, was noch unter Be­nutzung von Deckadressen ausgeführt wurde, ist dem recht kostspielig und unsicher. Der Import wurde von Anfang an durch die Einschüchterung der Abnehmer mit Hilfe der schwarzen Listen mehr und mehr unterbunden. Die Spionage ging so weit, daß die in deutschen Häusern au?- und eingehenden Personen photographiert, die Waren­zeichen der verladenen Kolli notiert und ihr

weiterer Versand verfolgt wurde. Hatte man auf diese Weise den Abnehmer ermittelt, so würd» versucht, fast stets mit Erfolg, diesen durch Dro­hung mit der schwarzen Liste vom ferneren Ge­schäftsverkehr mit deutschen Häusern abzu­schrecken. Selbst innerhalb der deutschen Häuser wurde durch ungetreue Beamte Spionage ge- trieben; wichtige Dokumente wurden so gestoh­len, demComitö Jnteraliado" übergeben, bott photographiert und unbemerkt wieder an ihren Platz zurückgelegt. Mehrere Firmen mußten so ganze Zweige ihres Betriebes auf geben. Der deutsche Unternehmungsgeist wurde aber doch nicht völlig gelähmt; viele warfen sich auf den Handel mit Brennholz und Mneralöl und deren Deri­vaten, und dieses Geschäft erwies sich infolge des allgemeinen Kohlenmangels als recht loh- nend. Natürlich mirtten die Listen auch auf den Geschäftsgang der deutschen Banken stark hem­mend, und gleichzeitig erlagen die argentinischen und neutralen Banken dem alliierten Druck und brachen den Verkehr mit ihrer deutschen Kund­schaft ab.

Gleich bei Kriegsbeginn entließen alle alliier­ten Häuser ihre deutschen Angestellten. Unter dem Damoklesschwert der schwarzen Listen schrit­ten aber auch einheimische und neutrale Firmen dazu, ihre deutschen Angestellten zu entlassen, während andererseits viele deutsche Häuser zu einer Einschränkung ihres Betriebes genötigt waren und ebenfalls den Bestand ihres Perso­nals verringern mußten. So entftanb eine große Stellenlosigkeit unter den deutschen Angestellten aller Arten und Berufe, der man zwar durch Ar- beitsvermittlung entgegenzuwirken und deren schlimmste Folgen man durch deutsche Wohltätig, keitsgesellschaften abzuwenden versuchte, die aber doch viel Elend im Gefolge hatte und noch hat.

Ueber die Möglichkeiten unserer künftigen Handelsbeziehungen zu Argentinien kann man bei der Unsicherheit und Verwirrung. die auf