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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Siadl- uns Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme bei^omv und Feiertags

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_ie tgeiv.Zeilei.Reklame- ieil 1.50 Mk 25°/o Teuerungszuschl. Ofserigebühr 25Psg. Bezugspreis: Vierteljährlich 4.20 3JIL. monatl. 1.40 Mk für BostbMg nierieliäbrl. 4.20 Kl monatl. 1.40 Mk. Die Nummer 10 Pfg. ^Hostscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M,

Verlagsleituns: Ad. Indermühle.

Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil (5. Sckrecker- für lokalen und vromnziellen Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M.

Rotationsdruckd.WarsenbausbuchdruckererHancm »»ernsvrschanschliiUe Nr. 1237 und 1238

0^ 267 Freitag den 14.November . 1919

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Die PsrfonenVexkZhrsfperre.

WB. Berlin, 13. Novbr.

Wie dieDeutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, ist eine Verlängerung der Personenverkeörssperre über den anfangs in Anssichst genommenen Termin nicht zu erwarten. Man ist allgemein der Auf­fassung, daß sie auch der Bevölkerung auS wirtschaft­lichen Gründen nicht zngemutct werden kann. Das Blatt hört weiter, daß eine günstige Wirkung der Verkehrssperre nicht ausgeblieben sei. Man. könne sie dahin zniammenfasscn, daß die ungünstige Wirkung deS Wetters durch die günstige Wirkung der Personen­verkehrssperre zum mindesten ausgeglichen ist. Trotz­dem dürfe man sich nicht darüber Lauschen, daß die Verkehrsfrage und die Frage der Kohlentransporte noch immer schwierig bleiben.

Der KemokraZLsHe Gedanke.

DDP. Hamburg, 14. November.

Der Vorsitzende der Deutsch-Demokratischen Patter, Senator Dr. Petersen, sprach gestern in Hamburg über die politischen Parteien im neuen Deutschland und sagte u. a., der demokratische Gedanke sei die einzige Rettung Deutschlands. Die radikalen Parteien kommen für die Demokraten nicht in Vettacht. Die von ihnen geforderte Rätediktatur sei undsmokratisch. In wittschaft- licher Hinsicht sei die demokratische Pattei von den Mehrheitssozialisten getrennt. Die deutsche Wirtschaft lasse sich nicht allein auf die Interessen der Arbeiter gründen und die Sozialdemokratie entwickele sich heute zu einer Klassenpattei. Das Zentrum, das es verstanden habe, immer dabei zu sein, habe einen straken demokratischen Ein­schlag und ist durch diese Elemente bei der jetzigen Regierungsmehrheit gehalten. Aber die Bischofskonferenz in Fuldv habe bewiesen, daß das Zentrum eventuell auch gegen die Ver­fassung gehen würde. Diese muß aber unbedingt aufrechterhalten werden. Alles andere sei ein MMB'MW Sicherheit des demokratischen Gedankens ge­währleisten wollen, zusammenschließen. In der Sicherheit der demokratischen Idee sei auch die Möglichkeit der Wiederanknüpfung der inter- nationalen Beziehungen zu erblicken.

Keines Wede in Deffan.

DDP. Berlin, 14. Novbr.

Wie dieGermania" erfährt, hat Minister Heine anläßlich der Ausbeutung seiner Dessauer Rede an den Reichsminister Erzberger ein Schreiben ge­richtet, in dem es heißt: Die Presse redet von einem Zwist zwischen Ihnen und mir. Ich habe von einem solchen nichts bemerkt. Charakteristisch ist schon die Umkehrung des Sinnes meiner einleitenden Erörte­rungen. Ich habe gesagt, wir hätten nicht Lust, die Feier des 9. November als einen Triumpf über unsere politischen Gegner zu begehen. Dazu sei das deutsche Volk zu großmütig. In dem Sinne aber, in dem wir den Tag benutzen wollen, als Rückblick ans das Erreichte, als Mahnung und ernstlichen Ausblick auf die noch zu leistenden Arbeiten, tonnten wir die Feier rechtfertigen. Daraus macht die Welt einen Satz, ich hätte gesagt, wir hätten keinen Grund eine Feier zu begeben. In dieser Weise geht er fort. Vollkommen ins Gegenteil verkehrt sind meine Ausführungen über Schule und Kirche. Die Stelle, an der ich ihren Namen erwähnte, war ein Satz aus längerer Er­örterung über die- Kulturanfgabeu der Gemeinden und Tinzelftaaten. Ich befürchte in der Tat, daß die Konzentration aller Einkommensteuern beim Reich und die Aufhebung der finanziellen Selbständigkeit der Ge- meinden und Länder, deren Fähigkeiten zu einer Kulturpolitik erheblich lahmer legen wurde. Ich habe trotzdem auch in dieser Frage ihre Pläire aus ihrer Stellung als Reichsfinanzminister, dem die Erfüllung der Verpflichtungen der Friedenshedingungen obliegen, zu erkennen gesucht.

Dis WaMkum-MiMmr. ,

DDP. Berlin, 14. November.

Utter den Aufenthalt der Baltikum-Risston der Alliierten schreibt derBerliner Lokalanzeiger": , Die Mitglieder der Enteutekömmifsion für das Baltikum beobachteten bei ihren Zusammenkünften mit amtlichen deutschen Persönlichkeiten eine sehr a 6 w ei f e«de Haltung, insbesondere General Niessell, der Leiter der Kommission, hielt es für richtig, so unnahbar Wie möglich aufzutreten. Später indessen wurde der General zugänglicher. Von einem französischen Kapitän, der zu seiner Begleitung gehörte, muß gesagt werden, daß er nach Kräften bemüht war, den Ver­kehr mit den deutschen Herren in angenehme Formen zu bringen. Den fremdländischen Offizieren, 45 an der Zahl wurden bei ihrer Weiterreise nach dem Osten zwei deutsche Assessoreu vom Auswärtigem Amte als Dolmetscher mitgegeben, außerdem als materielle vorläufige Grundlage für ihren Aufenthalt im Balti­kum die Kleinigkeit von 100 000 Mark.

Die LeberrsmMelZwt in Wien.

= Wien, 14. Novbr.

Da die LebenSmittelzukut-r kaum auSreicht, um die Brotration und die gekürzte Meblralion zu Men, muß da« «taatranÄ für VolkSernöhrnug von « No­vember an die Abgabe von HebcnSm>kstZnSude« für Kinder einstellen, welche im März d. JS. infolge der Enteuterâbrvl einaefäbrt worben waren.

Aechl vernünflige Ansichten zußert die sozialdemokratischeFreie Presse" in Leipzig- Sie widmet den verlorenen Streiks fol­gende wehmütige Betrachtung:

In der ersten Zeit nach der Revolution setz­ten die Arbeiter nahezu alle ihre Lohnforderungen durch. Wo die Unternehmer nicht freiwillig nach­gaben, genügte ein kurzer Streik, um ihre Ein­willigung zu erzwingen. In neuerer Zeit hat sich das geändert. Der letzte Straßenbahnerstreik in Berlin war für die Streikenden ein Fehlschlag. Ganz kläglich sind einige Streiks ausgelaufen, welche unabhängige und kommunistische Draht­zieher gegen den Willen der übergroßen Mehrheit , der beteiligten Arbeiter unter Tarifvertragsbruch ins Werk zu setzen versuchten, insbesondere der Kalibergarbeiterstreik in Mitteldeutschland.

Die sieghafte Kraft des Streiks in der ersten Revolutionszeit beruhte nicht auf der wirtschaft­lichen Lage, deren Gunst es den Arbeitern er­laubt hätte, allen ihren Wünschen Erfüllung zu verschaffen. Vielmehr waren es politische Mittel, durch welche die Unternehmer zum Nachgeben ge­lungen wurden, und diese politische Vergewal­tigung der wirtschaftlichen Verhältnisse rächte sich sehr bald, indem die Zahl der Arbeitslosen stieg. Am gewaltigsten ging es dabei in Oberschlesien zu; dort wurden die Bergwerksdirektoren, wenn pe nicht sofort unterschrieben, was man ihnen voclegte, verprügelt oder über die Schlackenhalde gestürzt. Aber auf diese Weise lassen sich vielleicht vorübergehend die größten Zugeständnisse er­pressen; jedoch läßt sich niemals dauernd eine ge- sunde Produktion darauf aufbauen. Die Wieder- kchr der inneren Ordnung hat die Anwendung dieser terroristischen Streikmethoden unmöglich gemacht. Und nun zeigt es sich deutlich, daß die ' wirtschaftliche Lage keineswegs dazu angetan ist, die Verbesserung der Arbeiterlage zu erleichtern. Fast alle Großunternehmungen leiden schweren Mangel an Kohle und können nur noch mit Un­terbrechungen weiterarbeiten; sie auf längere Zeit ganz einzustellen, würde den Unternehmern : ein Vergnügen sein. Die schwere wirtschaftliche Krise, welche die Niederlage für Deutschlam» un­abwendbar im Gefolge haben mußte, beginnt sich auszuwirken. In wenigen Wochen wird die Zeit gekommen sein, in der die Arbeiter erkennen wer­den, wie wahr die gesprochen haben, die vier Kriegsjahre hindurch nicht müde geworden sind, ihnen auseinanderzusetzen, daß Deutschlands - Niederlage niemand, weder Fürsten noch Kapita- Wen, so schwer schädigen würde, wie gerade die Rutschen Industriearbeiter und den deutschen Sozialismus*

S^e gegen DeuHchlanö.

Berlin, 14. November.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" bedauert, daß der schwedische Parteiführer Vranting auch letzt noch nicht freimachen könne von der ihm während des Krieges zur Gewohnheit gewordenen âlgung des Hetzens gegen Deutschland. Er be­hauptet imSozialdemokraten", es habe sich gezeigt, daß der auf Haase verübte Anschlag keineswegs so unschuldig gewesen sei, wie man 65 geschildert habe. Er unterstellt dies, obwohl er selbst den Urheber des Anschlages als einen mehr oder weniger ganz Zurechnungsfähigen Zeichnet, 'welcher private Enttäuschungen mit politischer Gehässigkeit vermengte. Vranting sei llewlllt, seinen Verdächtigungen einen tatsächlichen ^ergründ zu geben, dadurch, daß er auf die Fälle Uebknecht, Luxemburg und Eisner hinweist, deren Ermordung nicht gesühnt seien. Er kennzeichnet dreses Bemühen selbst, indem er über wesentliche, W ohne Zweifel bekannten, Tatsachen hinweg- 8eht.Erverschweigt,daßdieVerhandlunagegenden vorder Eisners unmittelbar bevorsteht, und verschweigt auch, daß zur Feststellung der Schuld w den Fällen Luxemburg und Liebknecht alle Kittel aufgeboten seien und zur Verurteilung Schuldigen geführt hätten. Auch vom Wwedischen Standpunkt aus erscheint die von Granting beliebte Ausnutzung der bedauerlichen Vorkommnisse unverständlich. Nicht Deutschland »Uem sondern der ganz gesitteten Welt müßte es daran gelegenerem, die allgemeine Entwick- yn9 in ruhigere Bahnen zu lenken Md alles W vermeiden, was die Leidenschaften immer vwver von neuem zu Ausbrüchen aufpeitschen wnnte, die ihrem Wesen nach an den Grenzen einen oder des anderen Landes Halt zu wachen nicht gewillt seien.

Dss M'ieKerrsKNgsbst der, SsWjetrepuLrik.

.... Asm, 13. Novbr.

~ -Tribuns" ve«ffenüicht den vollen Wortlont ^^Friedensangebote« der Sowjet-Republik an die

Die wirtschaftliche Grörofselung

a DevHchlands.

Berlin, 14. Rovbr.

Gegen den Optimismus, der '^ jetzt schon wieder der Hoffnung hingibt, daß der Vc> luchtungSwille unserer Feinde an JntensMtät nachlassen wird, wendet sich Generaldirettor Heinike in derWeserzeitung" und schreibt: Anch Wenn die Engländer die verlangten 400 000 Schwimmdocks, Krähne, Schlepper und Bagger nicht nach England schleppen, sondern in ihren heutigen Liegeplätzen belaßen wollen, so würde die wirtschaft­liche Erdrosselung Deutschlands genau so funktionieren, als wenn wir auch diese, wie vordem unsere schönen Handelsschiffe nach englischen Häfen bringen wußten.

KindenSnra übernimmt die ganze Verantwortzrng.

- WB. Berlin, 14. Novbr.

Wie der hiesige Vertreter derMünchen-Augsburger Abendzeitung" meldet, äußerte Hindenburg einem Freund gegenüber, er versiebe die bei der Ludendorff­hetze zutage getretene Beurteilung des Generals schon deSbalb nicht, weil nicht Ludendorff, sondern er selbst ganz allein die ganze Verantwortung für alle militärischen Entscheidungen trug. Er könne nur sagen, daß nicht eine einzige Entscheidung, wenn er sie unter den gleichen Verhältnissen nochmals zu füllen hätte, anders ausfallen würde, als sie tatsächlich ausgefallen sei. Gewiß fei der Krieg schwer gewesen; er wäre dennoch bei Ansvanuung aller Kräfte zu einem gün­stigen Ende zu führen gewesen. Weshalb er schließlich verloren ging, werde die Geschichte einwandfrei fest­stellen. lieber die Zukunft Deutschlands wolle er sich nicht aussprechen. Er glaube aber, daß Deutschland trotz allem wieder cmporkommen werde. Wenn die Selbstzerfleischung airfhöre, wenn Arbeit, Ordnung und nationales Selbstempfiuden wiederkehrten, dann würden Wir uns von der Katastrophe erholen.

Die Schrssiz und der WZlkerÄund.

Der Nationalrat setzte tn seiner Avendsitzung dre Diskussion über den ^Beitritt der Schweiz zum Völker­bund fort. Der erste Redner Demeuron (Waadt) ver­sicherte, daß der Versailler Pakt einen ernsten Versuch darstelle, dir große Idee der Völkerbundes zu verwirk­lichen. Keller (Aargair) erklärte, daß die Schweiz einen- entscheidenden Schritt nur nach eigenem Emp­finden treffen dürfe, ohne auf bei Ausland Rücksicht zu nehmen. Der Redner kritisierte den Versailler Pakt, sowie die Anerkennung von Vorrechten für gewisse Großmächte. Er glanbt nicht an eine zukünftige wesentliche Verbesserung des Völkerbundes, da die jetzigen Großmächte ihre Vorzugsstellung kaum auf­geben wollten. Die Schweiz solle sich hüten, in fremde Händel einzugreifen.

Die russische Frage.

WB. London, 14. Novbr.

Im Unterhaus teilte Lloyd George mit, daß in der nächsten Zeit eine interalliierte Konferenz vorge­sehen ist, an der die Minister der alliierten und asso­ziierten Mächte die verschiedenen Probleme prüfen werden, die an bfcr Friedenskonferenz aus diesem oder jenem Grunde keine Lösung gefunden haben. Unter ihnen befindet sich die russische Frage.

Preuhische LaudSsosrsaMmlung

WB. Berlin, 13. November.

Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um 12 U&r 15 Min. Die Verordnung über die Ver­längerung der Amtsdauer der Handelskammer- mitglieder wird angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Entwurfs über weitere Beihilfen zu den Kriegswohlfahrtsausgaben der Gemein­den, sowie zur Verbilligung der Lebensmittel. Abg. W e h I (Unabh.): wir werden dem Anttag zustimmen. Wenn die Erzbergerschen Steuer­pläne Gesetz werden, wird in den Gemeinden von irgendwelcher Selbständigkeit auf finanziellem Gebiet nichts mehr übrig sein. Abg. Stieler (Soz.): Notwendig ist eine Erhöhung der Fami­lienunterstützung für die Kriegsgefangenen. Die preußische Regierung muß bei der Reèchsregie- rung dahin wirken, daß sie erfolgt. Wir halten es für selbstverständlich, daß die Städte zu allen Gesetzen, die ihre Selbstverwaltung berühren, ge­hört werden. Abg. BrunS (Soz.) ist ebenfalls für Erhöhung dec Beihilfen an die Familien der Kriegsgefangenen. Abg. Sal l mann (D.- Natl.) hegt große Besorgnisse für die Zukunft- unserer Gemeinden. Königsberg hat 100 Jahre gebraucht, um die Kriegslasten von 180614 zu tilgen. Finanzminister Dr. Südekum: Ich erkenne die Notlage der Gemeinden voll an. Wir mußten aber in erster Linie für die Gemeinden der abzutretenden Gebiete sorgen. Wir konnten sie mit der ungeheuren Schuld, die sie im Ver­trauen auf den Staat auf sich grnonnnen hatten, nicht sitzen Uffgn. Das Reich hat uni einen zu­nächst noch vorttauliche« Entwurf einer Landes- ahgebenacbnunf » »«gelegt, gegen ben ich nnfte Bedenken habe. Wenn der FriedenSvettraz mit feinen unaebeuren finanziellen Belastungen nicht

abgeändett wird, werden unsere Gemeinden dies­mal nicht 100, sondern 1000 Jahre brauchen, um die Schuld zu tilgen. (Bewegung.) Der Ent­wurf wird in zweiter und dritter Lesung ange­nommen. Es folgt die Beratung eines AnkageS Kessel (D.-Natl.) auf schleunigste Rettung der Hackfruchternte. Abg. v. Kessel (D.-Natl.): Das frühe Winterwetter hat große Mengen von Kattoffeln und Zuckerrüben vernichttt. Des­wegen werden viele Zuckerfabriken schließen müssen. Die Regierung muß alles tun, um den Schaden zu mildem. Sie muß die Arbeitszeit bei eintretendem Tauwettec vorübergehend er­höhen, genügend Eismbahnwagm für den Trans­port und auch genügend Kohlen zur Verfügung stellen, damit die angefrorenen Kattoffel getrock­net werden tonnen. Ebenso bedürfen die Zucker- fabriten dec verstärkten Kohlenbelieferung. Abg. Schmidt (S.): Der Anttag ist nur aus agita- torischm Gründen gestellt, um gegen die Zwangs­wirtschaft Sturm zu laufen. Wir sind für all­mählichen Abbau der Zwangswirtschaft, soweit es die Rücksicht auf das Volksganze gestattet, aber nicht.für restlose Aufhebung, wie sie die selbst­süchtige Hetze der Rechten fordert. Der Anttag stützt sich übrigens auf sehr starke Uebertreibung gen. Landwirtschastsminlster Braun: Die Frostschäden sind groß genug, als däß Anlaß vor­läge, sie noch zu übertreiben und die Beunruhi­gung der Bevölkerung dadurch zu steigem. Am allerwenigsten ist es angebracht, diese Naturereig­nisse agitatorisch auszunutzen, wie es in Blättern der Rechten geschieht, welche her Regierung und der Revolution vorwerfen, das Unheil über das Volk gebracht zu haben. Der überwiegende Teil der Hackftüchte ist vor Eintritt des Frostes einge­bracht worden. Das Ministerium war bemüht, durch Stellung von Arbeitskräften helfend ein­zugreifen. Wir werben alle Kräfte anspannen, um zu rt^ mos, an «tte« ist-Aba. Sie M e ns ZDemZ: Es "'ist mir zweifelhaft," ob der Anttag Kessel nicht teilweise eine agitatorische Tendenz hat, denn durch den Tarifvertrag ist die vorüber­gehende Verlängerung der Arbeitzeit nicht ver­boten. Arbeitslose, die die ihnm zugewieseae Arbeit nicht übernehmen, soll man ruhig im Rinn­stein verhungem lassen. Ein wachsames Auge muß die Regierung darauf haben, daß nicht ge­sunde Kartoffeln zu Bcennzweckm verwandt wer« oen. E^l Vertreter des EisenbabnmttisterS be- merkt, daß zum Abtransport der Hackfruchr aller nur mögliche getan werde. An bestimmten Tagen würden nur Kartoffeln und Rüben ttanspor- tiert. Abg. D ch o e n k a § (Ztt.) befürwortet eine Abänderung des Antrages Kessel, wonach solche Kartoffeln, die durch Mttemngseinflüsse zur menschlichen Ernährung vollkommen ungeeig­net sind, den Tcockenfabriken zwecks Verarbeitung zu Schweinefutter zugeführt werben sollen. Abg. Held (D. Vpt.): Die Heraufsetzung der Ar­beitszeit ist das Mindeste, was gefordert werden muß. Abg. Dr. Wehl (Unabh.): Wir Können nicht darin einwilligen, daß die Interessen der Landarbeiter auch nur durch vorübergehende Her­aufsetzung der Arbeitszeit geschädigt werden. Der Antrag wird, soweit er die vorübergehende Heraufsetzung der Arbeitszeit betrifft, mit 116 gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Par­teien angenommen. Die Forderung auf genü­gende Stellung von Eisenbahnwagen finbet ein­stimmige Annahme, ebenso der auf die Verarbei­tung der angefrorenen Kartoffeln bezügliche Teil des Antrages. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Veranlagung und Ver­waltung der preußischen Steuern. Nach der Vor­lage geht die Veranlagung und Verwaltung der Einkommen- und Ergänzungssteuer auf die neu zu bildenden Finanzämter und LandeSftnanz- ämter über. Die erste Beratung erschöpft sich in wenigen Zustimmungserklärungen. Eine AuS^ schußüberweisung findet nicht statt. Hierauf wird die zweite Haushaltsberatung beim Haushalt der preußischen Regierung fortgescht. Abg. Schü- (I n g (Ztr.) empfiehlt einen Antrag auf Er­höhung des Ehrensoldes der KriègSwitwen von 1870/71. Abg. Budjuhl (D.-Natl.) bean­tragt die schleunige Vorlage eines Gesetzent­wurfs, durch den die bei Preußen verbleibenden Teile von Posen und Westpreußen zu einer poli­tischen Einheit zusammengefaßt werden sollen, etwa in dec Form eines Regierungsbezirks (Grenzbezirk Westpreußsn-Posen). Die Ost­märker glauben an die Wiederherstellung unseres Vaterlandes. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Heß (Ztr.) befürwortet die Gewährung von Ueber« teuerungszuschüssen an die Gemeinden unb von Vorschüssen an Gemeinden im besetzten Gebiet. Abg. 61 r u» e (Dom.). fordert die Einsetzutt- »inkS ständigen FachariSschusseS für die Woh- nungrfraze. - Freitag 12 Uhr Fortsetzung. Vor­her Anfragen