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Nr. 266

General-Anzeiger

Amtliches Organ Mr Stadl- und Landkreis Lana«

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags

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Donnerstag den 13. November

Verlagsleitung: Ad. Indermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil D. Schrecker ^sür lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Hanau a. M.

Rotationsdruckd. Wattenbausbuchdruckerei Hanau Fernsvrechanschlüfle Nr. 1237 und 1238

1919

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Der 9. November im Spiegel Der Presse.

In einer Umfrage, die die Berliner Zeitung ^ie Post" zum Jahrestage der Revolution bei namhaften Politikern veranstaltete, veröffentlicht sie auch folgende Meinungsäußerung des Vor- scheadm des Bundes der Landwirte, Dr. Roesicke:

Hagen erschlug hinterrücks Siegfried; Neid und Mißgunst waren die Triebfeder hierfür. Hegest verriet Hermann den Cherusker und lie- serte so Ne Germanen den Römern aus. Mangel an nationalem Ehrgefühl, jämmerliche Leicht­gläubigkeit und schmähliche Unterwürfigkeit un- ier fremdländischen Einfluß bereiteten den Weg. Meiche Ursachen und Voraussetzungen führten zur Revolution am 9. November 1918. Wer solche Lharakterzüge der Deutschen loben will, der feiere dm 9. November 1918 als Festtag! Wer sie verabscheut und die guten Eigenschaften deut­scher Eigenart: Treue und Pflichterfüllung, Va­terlandsliebe und Heimatsgefühl, Reinheit, Kraft Mb Entschlossenheit wahrt und in Ehren hält, der trauert an diesem Tage, daß das deutsche Loll staatlich, sittlich und moralisch und so tief fallen konnte, wie es geschah! Nur die Erkennt­nis der Schmach und innere Umkehr kann uns den Wiederaufbau bringen."

Staatsminister a. D. Dr. Helfferich äußerte sich auf Befragen der genannten Zeitung über die Fevolutionsfinanzen" wie folgt:

Die Leute, die jahrzehntelang die Massen im Höben Kamps gegen dasKapital" erwogen und alle Instinkte des Neides bet Besitzlosen gegen den Besitz aufgepeitscht und ausgmutzt haben, trauen sich nicht, den Massen heute die Wahrheit zu sagen, daß mit dec Zertrümmerung bet Privatvermögen unsere Wirtschaft zerstört kW und Haß durch. vu»&ft^ta^^ . stand und Besitz die Armen nicht reicher, son­dern ärmer werden. Woher und auf welchem Wege soll die Rettung kommen vor dem gänzlichen Zusammenbruch, auf dm unsere Finanzwirtschaft mit unheimlicher Schnelligkeit zusteuert? Ich kann nur mit dem Worte Steckers an Lud­wig XVI. antworten:Machen Sie gute Politik, dann werde ich gute Finanzen machen!" Unser Finanzelend ist nur eine Teilerscheinung der großen Misere, die mit der Revolution und dem Versailler Schmachfrieden über uns heceinge- drochen 'ist. Auch mit den besten finanztechnischen Methoden, auch mit dem besten finanztechnischen Kopf allein kann hier nicht geholfen werden. Es heißt, das Nebel an der Wurzel fassen und ganze Arbeit zu schaffen!"

DerVorwärts" bringt zum Jahrestage de« Revolution einen Aufsatz aus der Feder des Reichskanzlers Bauer. Darin heißt es:

Was die neuen Wahlen zum Reichstag für ein Ergebnis haben werden, weiß noch niemand. Aber in der Bilanz des vergangenen Jahres muß ^r ehrliche Rechner ganz sicher eine Versumpfung ^es politischen Interesses und damit einen Ab­marsch nach rechts einsetzen. Wir haben gerade in den Massen noch zu viel politisch Ungeschulte, die dm von der Rechten mitFeuece'ifer verbreiteten Trugschluß zum Opfer fallen: Die Verhältnisse in Deutschland haben sich seit der Revolution bnschlechtevt; seit der Revolution haben wir klar zur Hälfte sozialistische Regierung; also ist diese Regierung und vor allem die Sozialdemo- kratie an dieser Verschlechterung schuld? Nein! Keine wie immer geartete Regierung hätte die Erbschaft des Krieges, die völlige Auspowerung don Volk und Land, die Zerrüttung der Moral- Miffe, die Folgen der Unterernährung aus der

schaffen können. Keine Regierung hätte die schädlichen Folgen der Revolution, die nichts an= dem war, als der Schlußakt der Ludendorffschen Kriegspolitik, aus der Welt zu schaffen vermocht."

DerHannoversche Kurier" schreibt in elftem längeren Leitaufsatz u. a.n,

Als das große Schieben begann, sahen die Autsbesserw^isser darin den schandbaren Aus- Mnchs eines verrotteten Systems. Nun sitzen sie mt Jahresfrist an der Macht, sie reden und wur­zln, abec statt besser ists schlimmer geworden, jeher wuchert und wird bewuchert; er schiebt und die Negierung wird geschoben. Nie ist lüster- Uer ums gvldwe Kalb gewirbelt worden, als in "sm neuen Staate, der doch den Götzen des alten ^ Todfehde geschworen. Nirgends haben sich die stvlgen fressender gezeigt. Unsere Volks moral ist

aufs Knochenmark verfault. Man wuchert, betrügt, unterschlägt, stiehlt und raubt; die ster- tenden Zuckungen des Gewissens werden übec- ^ubt, indem man den Schiebergewinn beim ^chiebertanz in Schieborsekt verschäumen läßt. Roske hat viele Mitfühler, wenn er bei derartig beispiellosem Niederbruch der ganzen Menschheit ^ GOU spucken «El«."

Wuchergerrchle.

Annahme der Verordnung im Reichsrat.

In der letzten öffentlichen Sitzung des Reichs­rats, die 'im Ministerium des Innern unter Vor­sitz des Justizministers stattfand, stand der Ent­wurf einer Verordnung über Sonderge - richte gegen Schleichhandel und Preistreiberei (Wuchergerichte) zur Be­ratung. Die Verordnung kürzt das langsame Ge­richtsverfahren wesentlich ab. Das ganze Zwi­schenverfahren fällt weg. Das Gericht kann in der Beweisaufnahme nach seinem Ermessen handeln. Es wird in erster und einziger Instanz erkannt. Als Kautelen gegen ein allzu summarisches Ver­fahren ist die Notwendigkeit der Verteidigung vorgesehen. Auch hat das Wuchergericht die Be­fugnis, wenn es die Sache nicht geeignet hält für ein summarisches Verfahren, sie an die ordent­lichen Gerichte abzugeben. Besetzt sind die Wu­chergerichte mit 2 Berufsrichtern und 2 Laien­richtern, je einem aus den Kreisen der Ver­braucher und der Produzenten oder des Handels. Trotz mancher Bedenken hat die Mehrheit des Ausschusses des Reichsrats sich für Annahme der Verordnung entschieden. Auf Wunsch Württem­bergs ist eine Verschärfung der Strafen einge­treten, sodaß auf Gefängnis nicht unter 3 Mo­naten erkannt werden soll, während es in der Regierungsvorlage hießnicht unter 1 Monat". Auch fahrlässige Verfehlungen sollen mit Ge­fängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis 100 000 Mark, oder mit einer dieser beiden Strafen geahndet werden können. Für Bestra­fungen im Falle der Fahrlässigkeit ist nur fakul­tative öffentliche Bekanntmachung vorgesehen. In der Vollversammlung des Reichsrats erklärte sich der Vertreter der Regierung von Sachsen-Wei- ât 2LLLN ^i^.JM^^^ je ad) Beendigung des Krieges sollten Sondergerichte als eine be­denkliche Ausnahme nur im alleräußersten Not­fälle errichtet werden. Die badische Regierung hält, wie ihr Vertreter mitteilte, eine schärfere Kontrolle der Postpakete und Telegramme für notwendig und hat einen Antrag in diesem Sinne an den Reichskanzler gestellt. Minister Schiffer teilte mit, daß diese Anregung der badischen Re­gierung bereits Gegenstand eingehender Erörte­rungen gewesen sei, und er glaube, daß die Re­gierung unmittelbar vor einer Entschließung in dieser Frage stehe. Die Verordnung wurde »gegen die Stimme des Vertreters von Sachsen-Weimar angenommen.

Me EnMRZer < gegen Hns Schieberkum.

WB. Köln, 13. November.

Zur Unterstützung des Vorgehens gegen das Schiebertum hat der Oberkommandierende der englischen Besatzungsarmee eine Kundgebung erlassen, wonach eingeführte und ausgeführe Waren in dem vonden Engländern besetzten Gebiet sowie handeltreibenden Personen den Bestehenden deutschen Gesetzen, die zum Schutze des Handels erlassen wurden, unterworfen sind.

Der Paprerde-arf der Presse.

WB. Berlin, 12. November.

Der Reichskommissar für die Kohlenverteilung wird nach zuverlässiger Mitteilung angewiesen werden, den Zeitungsdruckpapierfabriken monat­lich eilte Mindestmenge an Kohle zur Deckung eines angemessenèn Bedarfs der Tagespresse an Druckpapier beschleunigt zur Verfügung zu stellen. Außerdem ist bereits darauf hingewirkt worden, daß bei Beförderung des Zeitungspapiers von der Fabrik zum'Verleger trotz der angeordneten Sperre keine Stockung eintritt. Auch eine Reihe anderer Maßnahmen wurden getroffen, um im gegenwärtigen Augenblick soweit als möglich den Papierbedarf der Presse zu decken.

Aus Oberschlesieu.

Berlin, 13. November. (Telegramm.)

Wie demBerliner Lokalanzeiger" berichtet wird, wurden die Volks-, Arbeiter- und Bauern­räte Oberschlesiens auf Anordnung des Staats- kommissars Hörsing aufgefordert, ihre Tätigkeit nach Beendigung der Gemeinderatswahlen ein­zustellen.

Die Armee des Generals Judenitsch.

Berlin, 13. November.

Dem Berliner Lokalanzeiger" wird gemeldet, daß nach Meldungen aus dem Hauptquartier des Generals Judenitsch eine allgemeine Kom- zentration der Truppen beschlossen worden ist, «m neue Operationen ausführen zu können.

Parlamentarischer

AutersuchunZsausschutz.

WB. Berlin, 12. Novbr.

Zu Beginn des parlamentarischen Unter­suchungsausschusses richtete der Vorsitzende War­muth an Bethmann Hollweg èie Frage, von wem und in welcher Richtung er über die Rückruf­möglichkeit des unbegrenzten U-Bootkrieges orientiert wurde. Bethmann Hollweg: Schon vor dem 29. Januar hat Holtz end orff mir und den Staatssekretären Helfferich und Zim- mermann wiederholt und bestimmt erklärt, daß der U-Bootkrieg jetzt nicht mehr rückgängig ge­macht werden könne, da die U-Boote draußen wären und ein guter Teil von, ihnen nicht mehr Zurückgerufen werden könnte. Diese Erklärung hat Holtzendorff mir und Zimmermann am 29. Januar kategorisch wiederholt, als wir mit Rück­sicht auf ein Telegramm Bernstorffs den Auf­schub des U-Bootirieges forderten. Bernstorff erklärte in diesem Zusammenhang, daß die ame­rikanische Regierung nichts von dem beabsich­tigten U-Bootkrieg gewußt habe. Wenn wir mit­geteilt hätten, daß wir beabsichtigten, die Fcie- densvermittlung Wilsons anzunehmen und den U-Bootkrieg, den wir zwar beabsichtigten, des­halb aufzuschieben, dann wäre nach seiner Ueber­zeugung die Friedensvermittlung weitergegrn- gen. Die Frage des Vorsitzenden, ob man bei dem Erlaß der polnischen Proklamation den un= günstigen Eindruck in Rechnung gestellt habe, den diese Proklamation auf Rußland machen mußte, erklärt sich Bethmann Hollweg außerstande zu be­antworten, bevor er sich mit dem früheren Staats­sekretär v. Jagow besprochen habe. Vizekanz­ler a. D. Dr. H e l f f e r i ch: Die Frage des un- U-K-gk ^£^^ militärischen und politischen Kriegsführung, sie war keine Frage irgendeines dogmatischen Glau­bens, sondern zweckmäßigen Handelns. Wir mußten uns der Situation anpassen. Jeder Ein­zelne mußte mit Berücksichtigung des Ganges der politischen Ereignisse ' und der wirtschaftlichen Verhältnisse zu Hause und draußen und der technischen Ausgestaltung der U-Bootswaffe seine Stellungnahme daraufhin prüfen. Diese unge­heure Verantwortung, gleich schwer für die Un­terlassung wie für das Tun, war kein va banque- Spiel. Ein solches gab es für Niemand. Jeder war sich der schweren Verantwortung wohl be­wußt und trat für das ein, was er vor Gott und seinem Gewissen als Rettung des Vaterlandes ansah. Wilson führte wohl das Völkerrecht auf den Lippen, ordnete aber alles dem Handels­interesse unter. Das ist dec Wilson, mit dem wir es zu tun hatten. Wir waren der Entente gegenüber immer die schlechter Gestellten. Oberst House sagte dem Grasen Bernstorff gegenüber: Wilson wollte das Geschäft nicht stören, das da­rin bestand, aus den Tr-Europas amerika­nisches Gold zu münzen. So schwer aber auch die neutrale Haltung Amerikas schon auf ims lastete, so war sich die Reichsleii"-" doch völlig klar darüber, was der Eintritt Amerikas In den Krieg für uns bedeuten mußte. Wir sind stets jeder Schönfärberei entgegengetreten. Der Red­ner erinnerte im weiteren Verlauf seiner Aus­führungen an den 7. Oktober 1916, als Dr. Spahn im Reichstagsausschuß namens sämtlicher Mitglieder der Zenttumsfraktion erklärte, daß für politische Entscheidungen der Reichskanzler dem Reichstage allein verantwortlich wäre, daß aber der Reichskanzler bei seinen Entscheidungen über die Kriegsführung sich wesentlich auf die Entschließungen der Obersten Heeresleitung zu stützen habe.Fällt diese Entscheidung zugunsten des rücksichtslosen U-Bootkrieges aus, so darf der Reichskanzler des Einverständnisses des Reichs­tages sicher sein." Damit hatte die stärkste Reichs- tügsfraktion, die in der U-Bootfcage das Züng­lein an der Wage bildete, die Entscheidung über den U-Bootkrieg in die Hände der Obersten Heeresleitung gelegt und den Reichskanzler oon seiner politischen Verantwortung für diese Ent­scheidung entlastet. Wenn heute unter den An­klägern in Sachen des U-Boottrieges sich Leute befinden,, die damals diese Zentrumserklärung mit abgegeben haben, so würde ich, fuhr er weiter fort, im Privatleben diese Haltung als Gipfel der Heuchelei bezeichnen. Jedenfalls spreche ich diesen Leuten das Recht zu einer Anklage gegen die damalige Regierung in jeder Hinsicht ab. Auf den Bericht des Kanzlers an den Kaiser vom 31. Oktober antwortete der Kaiser mit folgendem Brief, der auch herangezogen werden muß:Der Vorschlag, Frieden zu wachsn, ist eine sittliche Tat, die notwendig ist, um die Welt, auch die Neutralen. von den: aut ihnen lastenden Druck

zu befreien. Zu einer solchen Tat gehört ein Herrscher, der ein Gewissen hat, sich vor GM ver­antwortlich fühlt und ein Herz für die Mensch­heit besitzt, der unbekümmert um Mißdeutungen seines Schrittes den Willen hat, die Welt von ihren Leiden zu befreien. Ich habe den Mut da­zu. Ich will es im SB er trauen auf Gott wagen." Gibt es jemanden, fragt Helfferich, der diesen Ernst, dieses Verantwortlichkeitsgefühl bezwei­feln möchte? Es wird e'm Ruhmestitel des deut- schen Namens für alle Zeiten bleiben, daß von Deutschland und seinen Verbündeten zuerst die Frage des Friedens aufgeworfen wurde. Wer will bestreiten, daß mir den Willen zum Frieden hatten? Es wäre zum Frieden gekommen unter allen Umständen, wenn ein Funke dieses ehrlichen Willens bei unseren Feinden und den Männern der mächtigsten neutralen Macht gewesen wäre. Unser Friedensangebot vom 12. Dezember wurde mit schneidender Schärfe von der Entente abge­lehnt. Ihre Antwort an Wilson bedeutete eine glatte Zurückweisung seiner guten Dienste zur Herbeiführung einer Verständigung unter den Kriegführenden. Wir haben erklärt, daß wir Belgien nicht annektieren wollten. Diese Erklä­rung wurde dem Grafen Becnstorff vom Obersten House als höchst wertvoll bezeichnet. Die Kollek­tivnote der Entente vom 17. Januar zeigte, wo­hin die Friedensbestrebungen Wilsons eigentlich zielten. Seine Botschaft vom 22. Januar an den Kongreß enthielt nach der Ansicht Bernstorffs eine Zensucierung der Friedensziele der Mittel­mächte zu Gunsten der Entente, was gegenüber dem einleitenden Referat des Abg. Dr. Sinz- heimer ausdrücklich gesagt werden muß. Damit waren die unerhörten Kriegsziele der Entente und Wilsons bezeichnet, die für uns unannehm­bar waren. Aus all diesen Vorgängen heraus ^lfltnyid^bed^

Friedensvermittler b ewah rf hat. Hinter * der Bot­schaft Wilsons vom 22. Januar zeigte sich bereits das Gesicht des Wilsons von Versailles.

Hierauf wurde die Beratung auf Freitag vormittag 10 Uhr vertagt. Morgen interne Sitzung.

Hindenburg in Berlin.

e« Berlin, 12. Novbr.

Hindenburg, der in den nächsten Tagen vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß vernommen werden soll, ist heute früh in Berlin angekommen. Am Bahnhof Zoologischer Garten war eine Ehrenkompanie des Regiments Rein­hard aufgestellt. Zur Begrüßung hatten sich neben anderen Personen, die mit dem Feld­marschall in Beziehung stehen, auch Ludendorff und der frühere Vizekanzler Helfferich einge­funden, bei dem übrigens Hindenburg wobnt. Das Publikum, das sich auf dem benachbarten Stadtbahnsteg angesammelt hatte, begrüßte Hindenburg mit stürmischen Hochrufen.

--- Berlin, 13. Novbr. (Telegr.)

Zur Stellung einer Ehrenkompanie beim Empfange Hindenburgs heißt es in derDeut­schen Allgemeinen Zeitung": Es mag dem mili­tärischen Empfinden des Obersten Reinhard entsprochen haben, den Feldmarschall bei seiner Ankunft auch mit militärischen Ehren empfangen zu sehen. Sie selbst zu veranlassen, wie Oberst Reinhard es tat, hat er nicht die Befugnis. Es lag eine solche Ehrung auch nicht im Sinne Hindenburgs, der schon dadurch, daß er im Zivilanzua eintraf, deutlich zu erkennen gab, daß er nicht auf einen militättschen Empfang rechnete und ihn auch nicht wünschte. Pflicht des Obersten Reinhard wäre es gewesen, vor­her die zuständigen Stellen von seiner Absicht in Kenntnis zu setzen. Die Erlaubnis wäre dann nicht gegeben worden, vor allem auch des­halb nicht, weil zu erkennen war, daß Hinden­burg selbst den Wunsch hatte, seine Ankunft nicht zum Anlaß einer Feier oder einer Kund­gebung zu gestalten.

DDP. Berlin, 13. Novbr.

Zu der Meldung derBevl. Börsenztg.", daß Oberst Reinhardt aus eigener Initiative eine Ehrenkompagnie zum Empfang Hindenburgs ge­stellt hat, schreibt derVorwärts": Oberst Rein­hardt weiß, daß politische Kundgebungen unter freiem Himmel kraft des Belagerungszustandes verboten sind. Er ist selber mit der Ausführung des Verbotes beauftragt, fühlt sich aber dadurch nicht behindert, es zu übertreten. Wenn nächstens eine Ansammlung oppositionell gesinnter Arbeiter aueinandergettieben wird, und wenn diese Ar­beiter dann sagen:Ja, uns treibt man ausein­ander, aber die alldeutsche Hucragesellschaft darf demonstrieren!", was sollen wir dann antworten?