Hanaue
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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Zana«
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags
Nr. 265
Mittwoch den 12. November
1919
Die Ausraubung Deutschlands.
toter der Spitzmmcke „Valuta - Hyä - nrn" schreibt der Kopenhagener Korrespondent da,8. Z. a. Mittag*: Man braucht kein Flug- M werm man heutzutage sein Vermögen ins Ausland verschieben will. Man kaust wertvolle inttife Möbel, Kunstgegenstände, Bilder, und tr= gmd ein Neutraler nimmt dieses Besitztum mit einem Scheinkontrast als sein Eigentum mit ins Ausland. Für einen' Deutschen ist ja der Umzug Na die Grenze heute etwas erschwert, aber die teilte Vermittlung gebühr, die man dem neu- taten Geschäftsfreund für seine Hilfe zu zahlen hat, verzinst sich ganz gut. Beim augenblicklichen Tiefstand der deutschen Valuta bekommt man sogar im Ausland in den meisten Fällen einen 'Erlös, der in der dort geltenden Währung ein Mehrfaches des angelegten Markbetcages aus- macht. Das ist die eine Form. Es gibt auch mW, die noch unerfreulicher sind. Da handelt
W um solche Fälle, in denen gewiße Ge- Mftsleute des glücklichen, zufriedenen neutralen Auslandes die Notlage unserer Heimat aus- uutzen, um Werte aller Art billig an sich zu bcin- gm und sie jenseits der Grenze teuer wieder ab- zusetzen. Von den einzelnen, die durch derartige Geschäfte Vermögen verdient haben, braucht man kaum zu reden. Aber das Unternehmen ist so lukrativ, daß sich ganze Gesellschaften gebildet haben, die eine systematische Plünderung Deutschlands auf diesem Gebiete betreiben und auf diese Weise Kriegsgewinne etnstecken, die an moralischer Antastbarkeit mit den zweifelhaftesten Gulaschgeschäften wetteifern können. Man lauft alles, was in Deutsch- lanb überhaupt zu haben ist. Die entsetzliche Teuerung in unserer Heimat macht viele Leute
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«W und mit deren Verschwinden aus dem Familienbesitz doch ein gut Teil Kultur rmd Erinnerung unwiederbringlich dahingeht. Aber man weiß in dem satten Ausland, daß der Besitz der- ariigec LiebhaberMcke nicht satt macht. Und sv M man Geld, »wohlverstanden deutsches ^eld, das ^m zum jetzigen Shtrfe für etwa % pes ursprünglichen Wertes kauft, und wechselt es w Ware um, für die die Kriegsgewinnler des Auslandes gern ein Mehrfache des Anlagekapitals zahlen. Die Waren sind auch dann noch Mig. Wenn man für 100 000 Mark Antiqui- «ten in Deutschland erficht oder wertvolle Bilder kaust, so braucht man für diese Transastion ein Kapital von, sagen wir, 20 000 norwegische Kro- nen Der Erlös dürste etwa 400—500 Prozent Anlagekapitals betragen, und damtt kann N^zur Not zufrieden sein! Aber nicht nur der Wutsche Bchtz, der ins Ausland abwandert, ent- wettet die Heimat, auch die K a p i t a l s a n - tagen ausländischer Geldmästner W , ^ dasselbe Ergebnis ab. Wenn man die Kark für 20 Oere kaufen kann, ist es leicht, Mundstücke und Häuser zu erwerben. Mir ist ksue ganze Reihe von Fällen bekannt, in denen Konsortium systematisch den Ankauf von Grundstücken in Deutschland betreibt, zweifellos «chi, um durch diese Transaktionen der Not im Wie zu steuern. Immer wieder kehren Annonrn in den größten skandinavischen Blättern wie- °^r, in denen Liebhaber auf die günstige Käuflichkeit aller denkbaren Werte in Deutschland ^gewiesen werden. Die Schätze, die auf diese âise ins Ausland gegangen sind, sind der Hei- wo^l für alle Zetten verloren gegangen, und eng das dafür erlöste Papiergeld aufgezehrt ist, ^d der frühere Besitzer wohl in vielen Fällen uy erst darüber klar werden, wer bei dem Verruf das gute Geschäft gemacht hat.
Eine Millionen - Munitèons- schiebung.
w ~ DDP. Berlin, 12. Rovbr.
aus Frankfurt a. d. Oder wird dem „Vorwärts" L,??0; Millionen-MunitionSschiebung berichtet: Ein- h?% rtl stcht fest, daß die Munition nach Finnland schoben werden sollte. Die Berliner Firma Schiele -Bruchsaler Katte durch Vertrag mit der Abteilung ke§ Reichsverwertungsamtes die Munition . , Verlegung käuflich erworben. Da der FriedenS- rrag vorschreibt, daß Waffen und Munition ver- ZAZ werdm müssen, so ist selbstverständlich auch gc» i>i^"m ^ die Verlegung nur zu dem Zwecke erfolgt, Grundprodukte' zu gewinnen und weiter zu ver- . ofl.l;cn/ ^.Der schriftliche Auftrag des Fischers ging ^Z .dahin, daß die hier ausgeführte Munition bei - Ziin auf ein seetüchtiges Schiff umzeladeu werden Ä* Die Vermutung, daß höhere Dienststellen in Mu von der Angelegenheit unterrichtet waren, weisen r auch heilte noch nicht von der Hand, da in keiner ist x üon Berlin aus energisch eingegriffen worden Irgend welche Beweise können bisher allerdings »i>?»-Fracht werden, da die uns in Aussicht gestellten "’utcben Ausweise bis ievt nickt eingetroffen sind.
Das Reichstagswahtrecht.
= Berlin, 12. Novbr. (Telegramm.)
Wie die „Kölnische Ztg/ erfährt, bestes im Reichsministerium des Innern die Absicht, das Re'ichstagswahlrecht insofern auf eine neue Grundlage zu stellen, als eine wesentliche Verkleinerung der bisherigen Wahlbezirke vorgenommen werden soll. Im Zusammenhang damit trägt man sich mit dem Gedanken, den Grundsatz aufzustellen, daß jeder Kandidat, der in einem Wahlkreise mindestens 60 000 Stimmen aus sich vereinigt, als gewählt zu gelten hat. Daher sollen die Stimmen derjenigen Kandidaten^, die hinter dieser Zahl purstes bleiben, für die verschiedenen Parteien des ganzen Reichs zusammen- gestellt werden. An Hand dieser Verrechnung sollen dann die weiteren Abgeordneten als gewählt gelten. Man würde also zu Abgeordneten gelangen, die aus örtlichen Wahlkreism hervorgehen und zu anderen, deren Sttmmenzahl sich aus mehreren Wahlkreisen zusammensetzt.
DèeWerkehrslage imRAhrrevrer.
WB. Essen, 11. November.
Ueber die Verkehrslage im Ruhrrevier wird mitgeteilt, daß sie sich seit Beginn der'Persoyen- verkehrssperre in dervorrigenWoche wesentlich gebessert hat. Die Fehlziffer in der Wagengestellung ging von 9400 auf 3200 herunter und gegen Schluß der Woche fehlten nur noch einige hundett Wagen täglich. Infolgedessen konnten seitens der Zechen Vorkehmngen zum Abtranspott der Haldenbestände getroffen werden. Da sich der Wasserstan!> des Rheins noch nicht wesentlich gebessert hat, konnte die Besserung in der Verkehrslage bisher nicht in dem gewünschten Umfange zur Geltung kommen.
SberfchlefieZr. ^^^
= Berlin, 12. Nov. (Telegr.)
Die Hoffnungen Deutschlands auf die Erhaltung Oberschlesiens haben sich nach der „Germania" bei den Gemeinderatswahlen als durchaus nicht grundlos gezeigt. Die Oberschlesier aber haben aus den Wahlen ersehen, daß allerdings der Sieg den Deutschen werden könne, daher müßten auch sie alle Kräfte zusammennehmen, um den Sieg zu-erringen.
Zum SnSe des Welarlarbsilerstreiks.
WB. Berlin, 11. November.
Wie die Fünfzehnerkommission und das Metallkattell mitteilen, ist, entsprechend der Ur- absttmmung in den Betrieben, der Metallarbeiter- ftreif für beendet erklärt worden. In den Be- ttteben, in denen die Möglichkeit einer sofortigen Arbeitsaufnahme besteht, kann die Arbeit Mittwoch früh wieder ausgenommen werden.
-SS Berlin, 12. November.
Die Lehren des Metallarbetterstreiks sind nach dem „Vorwätts" von den Arbeitern teuer erkauft worden. Sie zeigen einmal, daß im wittschaftlichen Kampfe zunächst alle Mittel erschöpft sein müssen, ehe zur letzten Waffe, dem Streik, gegriffen werden kann, und zum anderen, daß radikale Phrasen und großsprecherisches Draufgängertum durchaus noch nicht die^Eewähr für eine wirksame Anwendung der letzten Waffe bieten.
Wettere
Werkel-rsbeschräNkungen.
= Berlin, 12. Novbr.
Neichsverkehrsminifter Dr. Bell erklärte einem Mitarbeiter des „Berliner LokalanzeigerS": Man werde auch nach dem 15. die einschneidensten Verkehrs- beschränkungen 'aufrechterhalten müssen auf vorläufig noch nicht absehbare Zeit. Nur der allernotwendigste Personenverkehr wird freigegeben werden. Auch der Weihnachtsverkehr dürfte unter diesem Zeichen stellen. — Auch der „Vorwärts" bespricht das Kohlen- elend und das Leiden der Industrie, weil Kohlen fehlen. DaS Blatt sagt: Kohlennot und Transportnot sind in erster Linie Organisationsnot. Den guten Willen zum Nttindspitzen in allen Ehren, aber jetzt nun endlich ein Aèann, der auch pfeifen kaun und der Pfeifen will, und der auf alles pfeift, was sich ihm in seiner Arbeit entgegenftellt.
Luflschiffverkehr.
WB München, 11. Nov.
Die Korrespondenz Hoffmann meldet,, daß der Bayrische Luftloyd eine ständige Luttverbindung für Pcisoyen- und Postbeförderung auf den Strecken München—Nürnberg—Leipzig—Berlin. München— Würzburg—Frankfurt a.' W. und Münchcn—Wien (leytere nur- für Personenverkehr) ins Leben rufen wird. Der Verkehr beginnt mit dem 12. November.
Berlin, 12. Nov.
Dar Luftschiff „Bodensee" stieg gestern vormittag 9 Uhr mit 24 Fahrgästen unb 800 Kilogramm Post in Friedrichshafen auf und landete glatt kurz nach 3 Uhr auf dem Staakener Flugplatz. Heute erfolgt die Rückfahrt. '
Auskunft gegeben habe, daß 479 U-Boote im Bau seien, so habe dies durchaus den Tatsachen entsprochen. Das Jnbaugcben sei ein terminuS technicuS und gleichbedeutend mit Jnbestellunggeben. Kavitèn Bartenbach bemerkte, daß bei Beginn des uneinbeschrankten U- Bootkrieges im Februar 1917 es sich für die Marine nicht um einen vollkommen neuen KriegSabschnitt gehandelt habe, sondern um die Ausführung des Planes, dem Wirtschaftsleben Englands einen gehörigen Aderlaß zuzufügen. Die neu ausfahrenden U-Boote hätten sich durch nichts von den früheren unterschieden; sie hätten nur andere Verhaltungsvorschriften an Bord gehabt. Beim Auslaufen.der ersten Schiffe im Januar und Februar hätten überdies außerordentlich schwierige Eisverhältniffe in der Nordsee geherrscht. — Hiermit ist die Erörterung der U-Bootfrage nach der technischen Seite erledigt. ■ Nächste Sitzung Mittwoch ly Uhr. Vernehmung des Staatssekretärs a. D. Helfferich.
DOP. Berlin, 12. Novbr.
Generalfeldmarschall von Hindenburg ist heute morgen 1 Uhr 4 Minuten mittels Sonderzuges von Hannover nach Berlin abgereift. Er wird hier 8 Uhr 57 Minuten morgens einfreffen. Der Feldmarschall und General Ludendorff rechnen damit, daß ihre Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuß am Donnerstag oder Freitag beginnen wirb.
--- Berlin, 12. Novbr.
Zur Beendigung der Aussprache über den U-Bo»t- krieg im Untersuchungsausschuß meint die „Kreuzzeitung* : Man habe die gestrige Sitzung des demokra- tischen Parteitribunals mit einem Geführte der Befriedigung verlassen. Die gestrige Sitzung dürste dazu beitragen, bei der ReichstagSmehrheit die Lust zur Fortsetzung der Untersuchung und der Vernehmung Sachverständiger durch Nichtsachverständige bald erlahmen zu lassen.
Nach dem Baltikum.
--- Berlin, 12. Novbr. (Telègr.)
Die gestern nach dem Baltikum abgereiste inter- allierten Militärmission wird von einer Anzahl von Offizieren unter der Führung von Admiral Hoppmann begleitet. Vom Auswärtigen Amt ist der Legationk- rat von Dirksenârgeteilt, der während des Krieges zur deutschen Gesandschast in Kiew gehörte und jetzt in dem russischen Ressort der politischen Abteilung der auswärtigen Amtes beschäftigt ist. Ein bestimmter Arbeitsplan der Kommission ist, wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" mitteilt, bisher nicht ausgestellt worden, sondern soll erst an Ort und Stelle vereinbart werden.
Der Paxsk an die -eulschen Kalholiken in Amerika.
DDP. Berlin, 12. Novbr., Laut „Germania* hat P a p st B e n e d i f t IV. in einem Schreiben an den Erzbischof von Chicago die deutschen Katholiken von Chicago und Amerika dringend ermahnt, mitzuarbeiten an der wahren Volksver- iöhnung. Weiter läßt der Papst ihnen sagen, da Ihr N'ißi, unter welch schwierigen Verhältnissen Eure Brüder in Deutschland nun leben müssen, richtet der obere Hirte an Euch die dringende Bitte, ihnen jeglichen Beistand geben zu wollen, vor allem durch die beschleunigte Wiederauiuahnie des Handels und aller derjenigen Vorteile, die sich natürlicher Weise daraus ergeben. , 1
Parlamenlarischsr
Anterluchungsattsschutz.
Berlin, 11. Novbr. (Wolff.)
Der parlamentarische Untersuchungsausschuß setzte die Verhandlungen über die technische Seite des U- Bootkrieges forf. Staatssekretär a. D- v. Capelle wies zunächst nach, daß vor dem Kriege und während des Krieges im ganzen 810 U-Boote in Auftrag gegeben wurden, davon 45 in der Zeit vor benPKriege. Von Großadmiral v. Tirpitz sind 186 U-Boote in Auftrag gegeben worden und von Capelle selbst während seiner Amtsdauer 579. Daß in neun Monaten des Jahres 1916 nur 90 U-Boote in Auftrag gegeben wurden, lag vor allem in der damaligen politischen Situation. Im März 1916 fiel bekanntlich die Entscheidung dahin, daß der rücksichtslose U-Bootbieg vertagt werden sollte, worauf Tirpitz seinen Abschied genommen habe. Mit der Gnssexnote vom 4. Mai war der U-Bootkrieg auf einem toten Punkt angelangt, bis er auf Veranlassung Hindenburgs und Ludendorffs wieder ausgenommen wurde. Staatssekretär v. Capelle bezeichnete es als unrichtig, daß er immer nur auf Veranlassung des Reichskanzlers oder der Obersten Heeresleitung U-Boot-Bestellungen gemacht habe. Auch Ludendorff habe im Rahmen der gesamten Rüstungsindustrie eine Steigerung des U-BootbaueS als nicht mehr möglich bezeichnet.
Nach feiner persönlichen Auffassung über den U= Bootkrieg befragt, erklärte v. Capelle u. a., um die Jahreswende 1916/17 sei er wie die Oberste Heeresleitung und der Reichskanzler der Ansicht gewesen, daß unsere Lage sehr ernst sei. Es sei garnicht? anderes übrig geblieben, als das letzte Kriegsmittel einzusetzen, uni uns vor dem Untergang zu retten. Dieser Auffassung habe er umso mehr zugeneigt, als der rücksichtslose U-Bootkrieg mindestens eine sehr große Chance geboten habe, den Krieg günstig für unS zu beenden. Lon einem Niederzwingcn Englands sei niemals die Rede gewesen, wohl aber davon, daß der Erfolg genügen würde, um England einem brauchbaren Fneden geneigt zu machen.
Im weiteren Sitzungsverlauf wies Kapitän Brüning- Hans die Beschuldigung Dr. Struves zurück, dem
Gegen Wucherer und Schieber.
. Die Notlage der Beamten.
--- Würzburg» H- Novbr.
. Der Beamtem und Lehrerbund Würzbmgs - hielt eine Versammlung ab, um Stellung zu ■ nehmen gegen den Wucher und das Schiebertum. ' Auch in weiteren Kreisen werden die Ausfüh- : rungen Interesse erwecken. In temperament- ■ voller Weise geißelte Oberlandesgerichtsrat ■ Sauer diese volkszerfressenden Schädlinge und ' nannte die Gründe, warum das Beamtentum ' endlich tatkräfttg Front machen müsse: weil alle : Zulagen von diesen Vampyren aufgesaugt wer- : den und weil leider die Korruption nun auch 1 in die Beamtenschaft einzureißen drohe. Der 1 Staat sei nicht energisch genug eingeschritten, und die normale Gesetzgebung habe versagt, nicht der Richter und Staatsanwalt, die es
' vielmehr mit Freuden begrüßen würden, weW ■ sie nach ihrem Willen zugreifen konnten. Nichj ; mehr Vergeltungstrafen, sondern Abschreckungs- I strafen nach dem Vorbilde des ftanzöfische« ■ Generals Andlauer, Zuchthaus, Beschlagnahm nsw. müßten in rascher Justiz durch Sondergerichte verhängt werden, und jeder müsse : anzeigen; die Amtsverschwiegenheit der ' Post- und Verkehrsbeamten, unter deren Schutz ; die Schieber sich tummelten, müsse aufgehoben werden. Studienrat Kempf schilderte die wittschaftliche Notlage der Beamten, die mit Kriegsbeginn einsetzte durch die verkehrte Preispolitik der Regierung, durch die Entwertung des Geldes und den miserablen Valutastand. Die Lebensmittel sind um 500 Prozent, Kleider um 1000 Prozent gestiegen, zu notdürftigem Ausgleich müßte der Staat mindestens den dreifachen Gehalt bezahlen. Aus dieser Notlage heraus erklärt sich die wachsende Unehrlichkeit im sonst so ehrenhaften Beamten- körper. Zwei. voL UsLarrschDN -~^W der neuen Steuern, wer soll das aufbringen? Der Landtag habe in der Zulagenfrage versagt, besser als die unzulängliche Teilgewährung wäre Ablehnung gewesen; bankerott an der Beamtenzulage gehe Bayern nicht — zudem, was könne noch bankrott gehen? Der Staat muß eben steuerlich besser erfassen, dott, wo zu holen ist. Es könne dem BeamteNâNicht zugemutet werden, umsonst zu arbeiten und"sein weniges V e r m L gen zu opfern. Die Beamten protestieren deshalb gegen die Zulagenpolitik des Landtags und verlangen sofortige Nachzahlung in voller Höhe. Monatsfristen zur Bezahlung der Steuern und Vorkehrungen, daß vom Einkommen aus reinem Gehalt nicht mehr als ein Monatsgehalt als Steuer einbehalten werden darf, ferner Revision des Eehaltsregulativs. Pflichterfüllung der Allgemeinheit gegenüber wurde trotz der Hintansetzung der Beamtenschaft als höchstes Gesetz aufgestellt, Streit, Sabotage und passive Resistenz werden verworfen. — In der lebhaften Diskussion waren interessante Feststellungen volkswittschaftlicher und steuerlicher Att zu hören. Schließlich wurde eine Entschließung im Sinne der Ausführungen der beiden Referenten einstimmig angenommen.
Der Adtransporl Ser deutschen Kriegsgefangenen.
DDP. Berlin, 12. Novbr.
Wie der „Deutschen Tageszeitung" aus Essen berichtet wird, haben nunmehr die Franzosen mit dem Abtransport der deutschen Kriegsgesangenen begonnen. Der erste Zug, der Kriegsgefangene aus dem rbeinych- westfälischen Industriegebiet brachte, ist in Essen ein» gelaufen. Weitere Transporte befinden sich unterwegs. Man hatte in Frankreich gestern den Anfang mit dem allgemeinen Abtransport der deutschen Kriegs- und Zivilgcfangencn gemacht. Mehrere Eisenbahnzüge be- fanden sich bereits innerhalb der deutschen RcrchS- arenze. Da erging von Paris der Beiehl, den weiteren Abtransport einstweilen e i n z u st e l l e n. Während die ersten Kriegsgefangenentransporte die Grenze passiert hatten, wurden etwa zehn Transpotte, die sich noch auf französischem Boden befanden, sistiert und die Kriegsgefangenen zurückbefördert. Welche Vorgänge diese Maßnahmen veranlaßt haben, laßt sich tm Augenblick nicht ermitteln.
Liquidierung deutscher Unternehmungen.
----- Belgrad, 12. Nov. (Telegr.) Das südssavische Presscbureau'meldet: Die Regie- rilng wird demnächst an die Liquidierung teutscher Unternehmungen auf dem Gebiete der Jugo- Slaven schreiten. Die Verhandlungen werden auf Grund der Bestimmungen des Friedcusvertrages mit Deutschland erfolgen.
Kardinal Kartmann -h
WB. Köln, 11. November.
Kardinal Hartmann ist heute nacht 2-Uhr gestorben.