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Sekte 2

Dienstag den 11. November

Nr. 284

Kleine Nachrichten.

Trauerfeier für Haase. Vom Präsidium der Nationalversammlung wird demVorwärts" mitgeteilt: Die Tatsache, daß Haase auf dem Wege zum Reichstag, um dort eine große Rede zu halten, im biretten Bereich des ReichstagS- gebäudes durch ein Attentat den Tod fand, rechtfertigt ausnahmsweise eine Trauerseier im Plenarsaale des Reichstagsgebäudes, aber nur unter Zulassung von Deputationen.

Der hamburgische Senat richtete an die Reichsregterung das Ersuchen, im Interesse der Zukunft des hamburgischen Außen- und Welt­handels der Forderung der Entente auf Aus­lieferung der Schwimmdocks usw. mit allem Nach­druck entgegenzutreten und die Annahme der Forderung zu verweigern.

Eine Erinnerung an die Münchener Räte­republik. Wie man aus Hamburg meldet, ver­haftete dort die Polizei eine Diebesbande von fünf Personen, drei Männern und zwei Frauen, die vor kurzem Pelzwaren im Wert von etwa 100000 Mark bei der Frankfurter Firma Bam­berger und Herz gestohlen haben. Man fand in den beschlagnahmten Koffern noch Pelze für 50000 Mark; den Rest hatten die Diebe in München untergebracht. Der Führer der Bande ist der Kellner Storhaas, Sekretär des Polizei­präsidenten der verflossenen Münchener Räte­republik. Er soll bei seiner Vernehmung erklärt haben, wenn man ihn früher ergriffen hätte, so hatte er das Schicksal seines Präsidenten, der auf Grund des Urteils im Münchener Eeisel- mordprozeß erschossen wurde, geteilt, denn er selbst sei am Geiselmord beteiligt gewesen.

Billiges Land für Kleingärten. Ein Be­schluß der verfassunggebenden Preußischen Lan­desversammlung verpflichtet die Gemeinden zur Hergabe von Land für die Anlage von Klein­gärten. Die Abgabe hat zu billigen Preisen zu erfolgen. Besonders soll in der Umgebung von Jndustrieorten und vor allem von Städten möglichst umfangreiches Gelände für den ge­nannten Zweck zur Verfügung gestellt und an die nicht Land besitzende Bevölkerung oder an gemeinnützige genossenschaftliche Organisationen abgetreten. Die Bezirkskommissare sind unter Hinweis auf die Kleingarten- und Kleinpacht­landordnung vom 31. Juli 1919 von dem Herrn Preußischen Minister für Volkswohlfahrt ange­wiesen worden, in geeigneten Fällen auf die Gemeinden entsprechend einzuwirken.

Fragen der Holzwirtschaft. Am 27. Otto- her fand im Herrenhaus eine Sitzung statt, die sich mit Fragen der Holzwirtschaft befaßte. Ver- keten war das Reichswirtschaftsministerium, der Holzhandel, die Sägewerks- und Papierholz- ind ustri e. Zur Beratung standen in der Haupt­sache die Fragen der Holzein- und -ausfuhr, .insbesondere die etwaige Notwendigkeit einer Pmsungder AuMWreffe. " Bei Erörterung bei Transportfragen wurde die Notwendigkeit einer schnelleren Wagengestellung betont, na­mentlich für die z. Zt. äußerst dttngliche Brenn­holzanfuhr. Der Begründung eines Reichsaus- schusses für Holzhandel, Sägewerks- und Papier- holzindusttie wurde grundsätzlich zugesttmmt. Indessen befürwottet man im allgemeinen eine losere Organisattonsform, welche die Selbstän­digkeit der bestehenden Vereine und Verbände nicht antastet.

Preußische Lan-esoersammlung.

WB. Berlin, 10. Novbr.

Die 2. Beratung deS Berghaushalts wird fortgesetzt. Abg. R â rup (Senk.) : Der Abschluß deS Tariwer- trages für daS Ruhrgebiet stellt einen gewaltigen Er­folg der zielbewußten GewerkschaftSarbeiter dar. Die Erfüllung der Bergarbeitersorderungen ist das beste Mittel, um die Hetzarbeit der Kommunisten und Sparta» listen lahmzulegen. Stillgelegte Zechen und Stollen sollte man wieder in Betrieb setzen. Zur Prüfung von Fortschritten in der bergbaulichen Technik muß ein Ausschuß gebildet werden. Oberberghauptmann

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Martiniwein.

Eine Hanauer 500-Jahrerinnerimg.

Zum 11. November 1919.

Am Mactinttag des Jahres 1830 kam in der Altstadt Hanau ein alter Brauch zum letz­ten Male zur Anwendung, der bis in den An­fang des 15. Jahrhunderts zurückreichte und die Ursache zu vieler Ergötzlichkett und Fröhlichkeit -gewesen war: dieAuSteilung des Mar­ti n i w e i n e S. Vormittags um 8 Uhr des 11. November ging in der im Frohnhof befindlichen herrschaftlichen Küferei, dem sog. BandhauS, die Austeilung durch den Hoflellermeister und den Hoflüfer vor sich und jeder Bürger und Einwoh­ner der Altstadt Hanau di« Neustädter hatten keinen Anteil an der Spende erhielt eine Maß Wein aus bem herrschaftlichen Schloßkeller ge­reicht. Der Hoflellermeister führte die Konttoll- lifte, in welcher die Einwohner der Altstadt ver­zeichnet waren, und quartterweis nach Namens­aufruf teilte der Hoflüfer an die sich Meldenden denMärteswein" aus.Was nun den Wein an sich betraf", so erzählt der Chronist Ziegler/) so war dieser ein Landsmann aus unserer näch­sten Nähe, der in den letzteren Jahren gewöhnlich trüb, hefig und sauer war und wohl nur selten im Schloßkeller gelagert haben mochte. Aus die­sen Gründen verzichtete ei -noßer Teil der an­geseheneren Bewohner Alt-HanauS entweder ganz ruf den Wein, oder, was am meisten vor­kam, verschenkten sie denselben an ärmere Leute aus der Altstadt, die ihn im Namen ihrer freund­lichen Geber, zur Erhaltung der alten Gerecht­same, persönlich in Empfang nahmen. Und so

*) InBlätter der Vergangenheit u. Gegen- DM". Beiblatt zur Lan. 3ta, vom 17. DEL 1872.

AltbanS: Wir haben mit allen Instanzen über die Verbesserung her Lage der Bergarbeiter verbandelt. Den Beamten haben wir es zur Pflicht aemadit, mit den Bergarbeiterorganisationen, Ausschüssen und Betriebs­räten Füblung zu nehmen und vermittelnd einzn- greifen, wo es gilt Streitigkeiten zu schlichten oder da? Verhältnis zu den Unternehmern zu verbessern. Abg. R/ e d e l- Cbarlottenbura.(Den'.): Kohlen könnten stark gespart werden, wenn der Schienenweg in wei­testen, Maße durch den Wasserweg ersetzt würde. An­dere Daseinsbedingungen sind für den Arbeiter auch in sozialisierten Betrieben in der geaenwäriigen Lage deS Staates nicht zu erzielen. Die soziale Gesetzgebung bedarf de? weiteren Ausbaue?, der Friedensvertrag der Revision vor allem im Hinblick auf unsere Koblenver- sorgnng. Abg. Sippel lD -Nat.): Wir bedauern, daß diè Regierung noch- kein Mittel gefunden hat, durch die sie den Koblenmarkt zu einer gesunden Preispolitik znrückiühren kann. Leider sind fAon wieder geheim­nisvolle Kräfte am Werk, um die Ruhe in den Kohlen­gebieten zu stören, insbesondere im Siegerland. Die Putschversuche werden zumteil sogar unter deutsch- nationaler Maske gemacht. Die Löhne müssen int Einklang stehen mit den Bedürfnissen des täglichen Lebens. Eisenbahnministcr Oeser: Ich wäre glücklich, wenn die Koblennot wirklich nur eine Trans- portkrise wäre. Da könnten wir ihr allmählich ab- h elfen. Leider hat sie auch noch andere Ursachen. Infolge der Einstellung der Personenverkehrs haben wir die Wagengcstellung an den Bedarf heran, ja zumteil darüber hinaus gebracht. An der Ruhr haben wir heute 1000 Wagen über den Bedarf. Wenn also dort nicht alles abgefahren wird, so liegt das nicht am Warenmangel. Auch in Oberschlesien werden wir die Haldenbestânde in absehbarer Zeit abfahren können. Leider wird die Bahnverwaltung selbst schlecht mit Kohlen versorgt. Mindestens 50 Prozent unserer Ver- kcdrSschwierigkeiten beruhen auf dem Kohlcnmanael. Wenn ich keine Sohlen bekomme, muß ich zur Selbst­hilfe greifen und Sohlen beschlagnahmen wo ich sie finde. (Beifall). Dienstag 12 Uhr: Fortsetzung.

Lokales.

Hanau, 11. November.

Der Mutemehrerlvs.

Verschiedene an uns gerichtete Anfragen lassen erkennen, daß die Berechnung des Häutemehr- erlöseS und die damit zusammenhängende Drei­teilung den Interessenten noch nicht genügend klar ist. Die am 23. September ds. Js. heraus­gekommene Verordnung betreffend die Verwen­dung deS Häutemehrerlöses von Schlachtvieh und Schlachtpferden bestimmt in ihrem § 2 Abs. 3, daß der Tierhalter und das Reich je ein Drittel deS auf Grund der festgesetzten Zuschläge sich er­gebenden Bettages erhalten, während der noch verbleibende Rest dem Kommunalverband zufällt. Zur Feststellung dieses Restbetrages sei nachfol­gendes Beispiel angeführt:

Einnahme aus 36 Pfund Haut zu

10 Mk. fürs Pfund - 360.- Mk.

Lebendgewicht (600 Pfd.) X %

des Hc ges (für Land­

wirte und Reich) 6X36 " 216.- Mk.

Bleibt 144.- Mk.

Bisheriger Häuteerlös fnach dem

Höchstpreis vom 29. April d. I.)

36X1.50 Mk. - 54.- Mk.

Kommunalverband-Reft 90. Mk.

In diesem Falle beträgt dec dem Kommunal- Verband zufallend« Rest 90 Mk., doch kann sich der Betrag wie in vorstehendem Beispiel unter dem für ein Drittel deS Zuschlages aufgewende­ten Bettage bewegen. ANch kann der Fall ein- treten, daß dieser Rest mehr beträgt als das dem Landwirt oder dem Reich« bezahlte Drittel. DaS ist namentlich der Fall bei besserer Hautausbeute und teuerem Preis, wie er für Häute bis zu 30 Pfund bezahlt wird. Dom Kommunalverband wird der Restbetrag zur Verbilligung des Fleisch- ppeises unter Gewährung eines entsprechenden Rohgewinnes für den Metzger benutzt. In keinem Falle aber findet eine Barerbebung des Kommu- nalverband-RestbettageS statt. DaS Drittel des

kam es dann in den letzteren Jahren schließlich dahin, daß sich nur die ärmere Volksklasse bei der Austeilung des Weins beteiligte und sich auf dem Sammelplätze einfanb."

In behaglicher Breite erzählt nun Ziegler die ergötzlichen Szenen, die er bei der letzten Aus- teilung im Iahte 1830 miterlebte und die sich auch früher in ähnlicher Weise abgespielt hatten. Wir teilen diese in Kürze hier mit. Da die Men- schen von damals noch nicht so gut erzogen waren, wie wir es jetzt sind was dasStehen" betrifft so gab es unter den vor dem Schloße keller MârteSwein stehenden vielen Menschen manch« Rippenstöße, Zank und Balgerei und von den allerlei Gefäßen zum Weinholen, wi« Krüge, Kannen, Flaschen, Schüsseln, Kochtöpfen, Henkel- töpfen, Casserolen usw. wurde manchem unter schallendem Halloder Garaus gemacht". Ver­suche auf die Güte des Weines wurden von Dielen schon an Ort und Stelle vorgenommen und dabei ost zu tief, nicht ins Glas, aber in den Weintopf gesehen. Spott- und Spaßvögel trieben ihr Wesen und sog.ächte Hanauec", welche durch ihr Aussehen, Tun und Treiben schon die Auf­merksamkeit auf sich zogen und mit denen man ihrer sonstigen Gutmütigkeit wegen immer gerne scherzte, unterhielten das Publikum mit ihren zu­weilen recht originellen Witzen und Spässen.Ich bin zwoc ka Wei-Schmecker, fu viel iS ower gewiß, e Kimdettersch-Wei iS eS nett! (Der sog. Kind­bettswein bei Kindtauf-Schmausereien). Ober: Des Jahr sinn merr emol Widder mit unserm MLrtèSwei gehalt" (ober b-eS hamgeschickt"). Des iS derr Widder e Stofftche, des Hot sich ge« Wäsche, merr maant es wer Drebbelbeser! Gieh ber un trink aach emol Mei aus dem fersiliche ^chloßkeller!" So war die Austeilung des McrrtmiweinS, die schon von 1823 bis 1829 unter­blieb so war. zuletzt zu einem Gaudium aeworden.

Reiches soll dazu dienen, die großen Lasten zu erleichtern, die durch Gewährung eines Zuschusses zur Verbilligung der Auslandswace aufzewendet werden und die Einfuhr von Fleisch zur Ent­lastung der heimischen Viehbestände auch weiter­hin zu erinöglichen. Das Reichsdrittel wird' von allen der öffentlichen Bewirtschaftung unter­liegenden Schlachtungen, also auch bei Notschlach- tungen, erhoben. 88

Die Unlerkunflsorte der Reèchs- wehrlrupPSK.

Das Heeres-Verordnungsblatt Nr. 26 bringt eine Uebersicht der Unterkirnftsorte der Reichs- Wehrtruppen bis zur Bestimmung von FriedenS- standorten für das 100 000-Heer. Wir entnehmen derselben Folgendes: Es erhalten Cassel: Reichswehrgruppeir-Kommando 2, Reichswehr-Brigadestab 11, Jnfanterieführer 11, Artillerieführer 11, vom Jnf.-Regt. 22 Stab, Minenwerfer-Kompagitte, Nachrichten- Kompagnie und 2. Bataillon desselben Regts., 1. Eskadron Kavallerie-Regts. 11 (vorläuf. Ohrdruf), Artillerieführer 11, Nachrichtenab­teilung 11, Brieftaubenschlag 11, Horchäbtei- lung 11, Kraftfahrabteilung 11, Kraftfahrko­lonne 11, Kraftwagenwerkstattzug 11;

Standort Fulda: Leichtes Artillerieregiment Nr. 11, Stab (Fritzlar oder Fulda), 2. Abtei­lung leichte Munitionskolonne 11 und Minen- werferbatterie Nc. 11;

Unterkunftsort Fritzlar: Leichtes Arttllerie- Regiment Nr. 11, Stab (f. Fulda), 1. Abtei­lung ohne 3. Batterie (diese nach Arolsen);

Unterkunftsort Marburg: (seit 1866 Jäger- Gamison) erhält vom Jnf.-Regt. Nr. 22 das 1. Bataillon (Jäger), Radfahrkompagnie 21;

Hannover sch-Mün den erhält das Pio­nierbataillon Nr. 11 (hatte bisher dieselbe Truppe und Nummer), außerdem Scheinwerfer- Zug 111;

die alte Husavengarnison Hofgeismar erhält das Kaverieregiment Nr. 11 (drei Eskadrons), wovon die 1. mit Règts-Stab vorläufig in Ohrdruf, die 3. vorläufig in der neutralen Zone liegt, außerdem werden nach Hofgeismar verlegt Maschinengewehrabteilung Nr. 11 (vor­läufig Ohrdruf) ;

Gießen erhält Jnf.-Regt. Nr. 111 mit Stab, Minenwerferkompagnie, Nachrichtenkompagnie (ein 3^9 derselben Wetzlar), 1. Bataillon Friedberg oder Gießen, vorläufig Darmstadt, 2. Bataillon Butzbach, vorl. Babenhausen und Friedberg, 3. Bataillon Gießen, 4. Bataillon (Jäger) Wetzlar (Wetzlar war vor 50 Jahren Garnison der 8. Jäger), leichtes Artillerie- Regt. Nr. 11, 3. Abteilung, Stab;

Friedberg erhält außerdem Kraftfahrko­lonne Nr. 222; GEWWWWWWWWW Langensalza erhält verschiedene Kolonnen; für Ha n a u ist eine Garnison nicht vorgesehen.

* Das Einkilopaket. Wie erinnerlich, hat die Nationalversammlung in diesem Herbst bei Be­ratung des neuen Postgebührengesetzes die Ein­führung des Einkilopakets zum 1. Januar 1920 verlangt. Der Einführung stand bis dahin ent­gegen der drohende Einnahmeausfall an Postge­bühren, der sich auf Millionen beziffern wird, und der Raummangel in den Bahnposten. Ueber den Einnahmeverlust muß die Postverwaltung hinwegzukcmmen suchen, zumal sie damit zu rech­nen hat, daß wenigstens ein Teil dieses Ver­lustes mit der Zeit ausgeglichen werden wird durch die Zunahme der bis ein Kilo schweren Sendungen, wenn diese zu einer mäßigeren Ge­bühr befördert werden als der jetzigen. Der Raummangel in den Bahnpoften ist aber jetzt schlimmer als vor dem Kriege, da ungefähr die Hälfte der Eisenbahnzüge und damit auch der Postzüge ausgefallen ist, ganz abgesehen davon, daß vom 5. bis 15. November überhaupt keine

Schnell- und Personenzüge mehr gefahren wer, den und daß auch noch danach mit gewissen Ein­schränkungen im bisherigen Fahrplan dieser 3üge gerechnet werden muß. Trotzdem sind die Vorbi­reitungen zur Einführung des Einkilopakets im vollen Gange, und man erwägt jetzt die Maß­nahmen, die notwendig wären, wenn das Ein, kilopaket etwa in der Form des Feldpostpäckchen, eingeführt würde, das allerdings nur H Kiko Gewicht hatte. Eine solche Form müßte der Ver­kehrswelt lieber sein, als wenn das Einkilopaket ein wirkliches Paket bliebe, sich von den übrigen Postpaketen also nur durch eine geringere Tay unterschiede. Wird es aber als Päckchen behan. delt und wie eine größere Drucksache oder Waren­probe angenommen, befördert und bestellt, st würde erst dann der Nutzen voll in die Erschei­nung treten. Zur Feststellung der Einzelheiten waren Farblente aus dem Betriebe für die erste Novemberhälste nach Berlin 'einberufen, der­gleichen der bisherige Verkehrsbeirat der Reichs, pastverwaltung, der bekanntlich aus Vertretern aller Berufsstände besteht. Infolge ber Verkehrz- sverre mußten diese Beratungen wieder um Wo- Aen hinausgeschoben werden. Trotzdem hält die Postverwaltung an dem Plane fest, die Sache bir zu dem von der Nationalversammlung gewünsch­ten Zeitpunkte spruchreif zu machen.

* Stadttheater. Schillers TrauerspielSabafe und Liebe", das Sonntag eine begeisterte Auf. nahm« fand, wird heute im Abonnement wieder­holt. Für die morgige Mittwochsabonnements- vorstellung ist Sudermanns neue KomödieDar höhere Leben" vorgesehen, die außerordentlich starkes Interesse erweckt. Für Donnerstag steht noch einmal das SingspielKommt ein schlmer Birrsch gegangen . . .!" auf dem Spielplan. Die nächste Aufführung vonDer Hecrgottschmtzer von Oberammergau" findet Samstag statt. Am gleichen Tage wird nachmittags 3 Uhr das neue KindermärchenRotkäppchen" zum ersten Male gegeben.

* Der Verkauf von holsteinischem Dauerweiß­kohl durch daS städtische Lebensmittelamt findet täglich weiter am hiesigen Nordbahnhof statt. Preis vro Pfund 10 Pfg. Es handelt sich um gute Ware und wird die Bevöl' erimg gebeten, sich mit Weißkohl genügend einrudecken.

* Preußische Klaffenkotterie. Am ersten Ziebuncsstag 5. Klaffe wurden u. a. folgende Nummern gezogen: (Obne Gewähr) 36193 61276 79610 79685 80118 80285 80288 80398 80430 80491 96301 106783 110877 122 064 137 259 (1000) 137 290 186 421192 625.

* GIMitnosstst deS Vereins Radtvort HH2. Am Samstag den 8. November feierte obiger Verein in den Räumen zumDeutschen Haus" sein 7. Stif» tungSfeft, welckr Veranstaltung von strennden und Gönnern des Radsport? zahlreich besucht war. Die geschickt arrangierte Festlichkeit brachte , außer einigen sehr gut gefahrenen Radreigen. Ausier sonstigen ^a^" Mietungen wäre noch erwähnenswert die Leistungen der für Hanau neuen Akkrobaten-TruppeCharles", welche stets und mit erstaunlicher Leichtigkeit die schwierigsten Akkrobatenstsicke vorsübrte. Ganz besonderen Beifall erntete wieder Herr Werner Peter? mit seinen Bor- führunaen al» Kunstfahrer. Nach all den gut gelungenen Darbictunaen, zwischen welchen auch der Jugend reichlich Belegenheit geboten war, das Tanzbein zu schwingen, verließ man die gastliche Stätte mit dem Bewußtsein, ein paar genußreiche Stunden im Kreise der Hanauer ^Wahrer verlebt zu haben.

* Easè CorkoEorso-Dicl«. Heute findet in her Diele unter Mitwirkung erster Sräfte ein bunter Kabarettabend statt. Mittwoch veranstaltet Herr Sa1 pellmeister Erich Dörr im Casâ einen Wiener Köm- vonistenabend, zu welchem er ein hervorragendes Pro» gramm znsammengestellt hat welche» gewiß daS (St» satten des Publikums erringen wird.

* Centraltfteote«. Das nach dem Schautpm Die Blinde^ bearbeitete LilmwerkAls das Licht entschwand" hat mit dem LustspielDie Schönheits- konlur-enz" im neuen Svielplan Ausnahme gesunden.

* Modernes Theater. Heute abend 7 Uhr uns 'olgende Tage: Vorführung des großen Messeprogramml

1 mit dem erfolgreichen Varietceteil.

WM............................

Der Kurhessische Staat löste die Spende mit Geld ab und vom Jahre 1831 an zahlte derselbe all­jährlich an die hiesige Stadtkasse den Betrag von 220 Gulden, jetzt 377 Mark 14 Pf., welche Sum­me früher zur Unterhaltung derNeuen Brücke" über die Kinzig (Wilhelmsbrücke) verwendet wurde.

Die Entstehung derMartiniwein- Spende wird in das Jahr 1419 verlegt und folgende Geschichte davon erzähltt). Urich V., Herr von Hanau, damals noch in Windecken wie seine Vorfahren residierend, war veinnöge des im Jahve 1375 eingeführten Erstgeburtscechts noch minderjährig 1380 zur Regierung gelangt. Di« Stteitigkeiten während der Vormundschaft und später mit seinen unzufriedenen, sich benachteiligt fühlenden Brüdern Reinhard und I o- h a n n, ferner Ulrichs schlimme Regierungs- Handlungen, Gebietsvecänßerungen, die vielen Befehdungen u. a. mehr übergehen wir. Ulrich, bei dem schließlich durch die steten Auflegungen eine Blödsinnigkeit" eintrat, nahm im Jahre 1403aus Haß gegen seine Brüder" den Erz­bischof und Kurfürsten Johann von Mainz zu seinem und fermer Lande Vormund an. und übergab demselben die beiden Städte Ha­nau undBabenhâusen. Die Brüder Reinhard und

) Die e^'m schriftlichen Aufzeichnungen stammen, soweit ich sehe, von dem Hanauischen Archivar und ©effhichfgf 'reibet Bernhard, der ben Bruderzwist mit seinen Folgen ausführlich in seiner baudschrifllich erhaltenenHistorie dec Herren und Grafen von Hanau" (beendet 1742) 'ch' ldcrk. Der Aufsatz imSanauif-hen Maga­zin" (Banb T, 17«8) ist ein Auszug auS Bern­hards beschichte. Alle späteren Hanauischen Ge- sch'.htsschreibec folgen Kittklos diesen Ausfüh­rungen.

Johann als die rechtmäßigen Nachfolger in da Regierung, da Ulrich keine männlichen Nachkom­men hatte, widersetzten sich diesen Handlungen. Es wurde schließlich 1404 ein Vergleich 8^ schlossen, dahinlautend, wenn Ulrich noch mäun-- liche Nachkon-lixn erhalten würde, daß diesen die Nachfolge in der Regierung Vorbehalten bliebe die Regierungsverwaltung jedoch, solange Ulrich noch lebe, sofort den Brüdern Reinhard und Jo­hann überlassen werden sollte. Ulrich dankte nun­mehr förmlich ab und siedelte nach Schafheim bei Babenhausen über, um dort sein Leben zu be­schließen. Der Erzbischof Jobann von Mainz starb am 23. September 1419. Die Folgen dieses Todesfalles lassen wir den Hanauischen Ge­schichtsschreiber Bernhard mit seinen eigenen Worten erzählen'):Solchem nach hätte der Reinhard, Herr von Hanau, dessen arm­seliger Bruder Ulrich, und vorher im Jahr« 1411 fein jüngerer Bruder Johann, inzwischen Tode- verfahren, sogleich zum Besitz von Hanau wieder kommen sollen; <3 verliefen aber verschiedene Wochen, ehe man von Mainz zum Abzug Anstalt^ machte. Sowohl dem Herrn Reinhard, als seiner getreuen Bürgerschaft wurde die Zeit zu lang, und die Verzögerung kam ihnen fremb und ver­dächtig vor, bar um sie auf andere Wege mußten bedacht sein. Die Einwohner zu Hanau griffen die Sache mit List an. Sie brachten eS im be­sagten 1419er Jahr dabin, daß ihrem Landes Herrn am M a r t i n i - A b e n d der Eingang W die Stadt geöffnet und die Mainzer daraus trieben wurden oder den Abschied zu nehmen M

) Enthalten in BernhardsChronik her bd« den Städte Hanau", Manusflipt (vollendet 1758) im GeschichtsvereinS-Acchiv. Wir geben die Darstellung in heutiger RecbtrchceibuNL wieder.