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9h. 258

Samstag den 1. Novemver

Sekte S

Lokales.

Hanan, 1. November.

Wènlerkarroffelversorgzmg.

KeM von Erzeugern gegen Bezugsschein.

Da infolge Ernte-rbeitrn es den Landwirten viel­fach noch nicht möglich war, ihren eingegangenen Ver- pflichtrmgen auf Lieferungen von Kartoffeln gegen Bezugsschein unmittelbar an die Verbraucher nachzu- lommen, wird die Frist zur Belieferung der Bezugs- scheine um 8 Tageverlängert. Spätestens bis zum 8. November müssen daher diese Bezugs­scheine beliefert sein. Den lieferungsrückständigen Landwirten ist damit hinlänglich Gelegenheit geboten, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die Landwirte sind selbstverständlich zur Belieferung der Bezugsscheine unbedingt verpflichtet. Der von ihnen unter­schriebene Verpflichtungsschein bietet die rechtliche Hand­habe, sie zur Ablieferung zu zwingen.

Die Bezieher sind gehalten, unter allen Umständen vif der Belieferung der Bezugsscheine zu bestehen aud auf die Landwirte mit allen Mitteln einzuwrrken, saß nunmehr die Ablieferung raschestens erfolgt.'

Bei der nächsten Brotmarkenausgabe am 9. No­vember wird für sämtliche Bezieher gegen Bezugs­scheine durch Landwirte die Markenausgabe gesperrt Die Ausgabe der Kartoffelmarten erfolgt nur noch auf Grund eines Kartoffelausweises per ben übrigen Verbrauchern durch die Be- zirksvorsteher bei der nächsten Markenausgabe auSge- hândigt wird.

* Gesangverein der Marienkirche. Am mor- jigen ReformadionZfest-Sonntage werden juc Verherrlichung des Fesbgottesdienstes entspre­chende Chöre gesungen. Die Mitglieder werden um vollzähliges Erscheinen gebeten. Es gilt, der gewiß am diesem Feiertwge Trost und Erbauung suchenden Maciengemeiwde Zeugnsts abzulegen von der Förderung des uns mehr denn je mot- vendigen kirchlichen Lebens.

* Sthrrrzahlüng betreffend. Auf die heute im Anzeigeteil dieses Blattes erscheinende Be­kanntmachung wegen Zahlung fälliger Steuern und Abgaben wird besonders hiwgewiesen.

* Kirchliches. Morgen nachmittag findet der Gottesdienst um 2 Uhr im geheizten Sälchen statt (Eingang an der Fortbildungsschule).

* Stadttheater. Rudolf Rittners Spiel- mannsdramaNarrenglanz" mit Herrn Direktor Cpannuth-B odrmstedt als Wolfsnarr, gelangt heute abend 7 Uhr zur Darstellung. Sonntag 7 Uhr gelangt das Volksstück mit GesangDer Herrgottsschnitzer von Oberammergau", das bei seiner Erstaufführung großen Heiterkeitserfolg erzielte, zur ersten Wiederholung, während Mon­tag 7 Uhr die SingspielneuheitKommt ein schlanker Bursch gegangen . . .!" gegeben wird. - Als 7. Dienstagsabonnementsvorstellung geht Dienstag 7 UhrDer Herrgotts schnitz er von Oberammergau" an Szene, während Mitt­woch 7 UhrDie große Gemeinde" als 7. Mitt- vochsabonnementsvorstellung zum letzten Male zur Ausführung g-Ianyt. Die Erstaufführung der KomödieDas höhere Leben" ist für Donners­tag kommender Woche vorgesehen.

. *Kein Weizen-, sondern Mischmchl. Das "ebengmittelamt weist darauf hin, daß das diese Woche zur Ausgabe gelangende AuslandSmehl kein Weizen­mehl, sondern ein Mischmehl amerikanisches Kriegs- ftodukt ist , Pach den vorgklundenen Rezepten ist Mehl nur in Verbindung mit anderem Mehl für »ackzwecke zu verwenden.

* Weiterer 'Ausfall von Züge«. Von Montag den 3. November fallen folgende Züge wegen Kohlenmangels bis ans weiteres auS: D 85 von ßcanksurt-Hauptbhf. nach Bebra bis Altona (Hanau ab 1.23); D 86 von Bebra (v. Altona) nach Frank- mrt-Hbhf. (Hanau ab 5.52); Pz. 803 von Fank- ßlrt-Hbhf. nach Bebin (Hanau ab 12.12); Pe. 810 (53.) tau Fulea nach Frankfurt-Hbhf. (Hanau ab 9.14); Pz. 2365 tW) von Frankfurt-Ost nach Aschaffenburg Kanas ab 12.08); Pz. 2366 von Aschaffenburg nach Frankfurt-Ost (Hanau ab 9.58).

* Ein großes Brandunalück hat in der ver­gangenen Nacht bie Stadt Gelnhausen beimge- lucht: D>i Kreismühle ist einer verheerenden Feuers- fnmst gänzlich zum Opfer gefallen. Gegen V>3 Uhr bemerkte ein Wächter das Feuer. Die Nachbar- lchaft weckte die in Lebensgefahr schwebende Fainrlre drS GendarmeriewachtmeisterS Linsel, deren Kiader- chlafzimmer bereits mit Rauch sich zu füllen begann. Die Feuerwehr war rasch zur Stelle und griff mit mehreren Schlauchlinien an, und es gelang ihr mit der Zeit, die anstoßenden Wohngebäude, die geräumt wurden, vor dem Untergang zu retten, nur das an» ruhende HauS des Bäckermeisters Waldmanu wu-de dsinlich stark beschädigt. 8115 mehrere Männer im ymterbau beim NcttnngLwerk waren, stürzte eine vrandmaucr des MühlengebäudeS eui und süßte den Kaum mit Schutt. Schloffèrmeistcr Müller, Schreiner- Meister Güth und Obermüller Schwabe trugen Bcr- l^iuigen davon und mußten sich in ärztliche Bchaud- wiig begeben. Im Akutzlengebäude verniochte man, ^och die Bücher zu retten, die Wohnung int mittleren Stockwerk brannte gänzlich aus, der große östliche Giebel stürzte zusammen, ebenso nach und nach die mneren Wendungen, sodaß schließlich nur noch die Nmfaffungèmauetn und der westliche Giebel blieben, das Maschinenbaus tonnte zumteil gerettet werden, ebenso die früheren huschen Mühlengebäude. Die Vojjnt erst in den lebten Tagen eingefallenen Vor- tate an Getreide sind zum größten Teil verbrannt. Die Folgen, welche das Brandunglück für die Brot- yeifergung des Streife* hat, lassen sich noch Sicht über» Irhen.

* Ein drarnatischcr Borgang spielte sich am

Februar rm hiesigen StadttHeater ab. ES war dber keine Scheinhandiung, diesmal war sie echt. Die Hauptrollen Italien der Schauspieler Rickard Moritz den- Hildebrant, z. Zt. in Neukölln bei Berlin, und der Direktor Herr Spaiinuth-Bodenstedt inne. Dieier war in letzter Zeit versteckt und zuletzt auch in einer Etrsammlnng angegriffen worden. Er m ikie, daß Kräste bestrebt waren, ihn zu bese.t.geu. Der Mittel- bunkt dieser gehässigen Bestrebungen war Hildebrant, « an die Stell« vom Svannuth-Bodenstedt in treten

gedachte. Da dieser sich vollkommen rein fühlte, so machte er dem Theaterdczernenten von den Machen­schaften Mitteilung und berief nun mit dessen Ein­verständnis das gesamte Bühnenpersonal in das Stadt- theater zusammen. Nach einer ziemlich heftigen Aus- spracht wurde die Angelegenheit geklärt und Herrn Spannuth-Bodenstedt ein umfassendes Vertrauens» Votum erteilt.. Nachdem nun Hildebrant sein Spiel verloren sah, beleidigte er den Direktor und befolgte seine Aufforderung, den Versammlungsraum zu vcr- laffen, nicht. Wegen Beleidigung und Hausfriedens­bruch wurde er zu 70 Mark oder 14 Tagen Gefängnis verurteilt.

* Fvâeligiöse Gemeinde. Mr möchten d«- ranf Hinweisen, daß Sonntag vormittag 10 Uhr in der Aula, der Oberrealschule Erbauumy statt» findet, beten Besuch für jedermcdnm frei ist.

* Beschlagnahmt wurden durch die Palizei am Ostbahnhose folgende Posten an Schleichware: 35 Pkd. Rindfleisch, 15 Psd. Wurst, 50 Pfd. Mehl, 45 Pfd. Kalbfleisch, 86 Pkd. Rindfleisch. Das Fleisch stammt aus einer Sckwarzschlachterei und hatte die Bestimmung, nach Frankfurt gebracht zu werden.

* Meisterkurs. Wie aus dem Inseratenteil der heutigen Nummer zu ersehen ist, Wird auch in diesem Winter ein Vorbereitunflskurs auf die im März 1920 stattfindende Meisterprüfung in Hanau abgehalten. Mit dem Bestehen der Meisterpritfung erhält der Handwerker das Recht zur Fühnmg des Meistertttels und zur Anlei­tung von Lehrlingen. Handwerker und Hand­werkerinnen, die an dem Meistertttrs teilzuneh­men und im Frühjahr 1920 die Meisterprüfung abzulegen wünschen, wollen sich bis 10. No­vember bei Direktor Geißler im Gewerbe- fchulgebäude am Fohanneskirchplatz anmelden. Da der Kursus bald beginnen soll, ist die Ein­haltung dieses Termines notwendia.

* Corso-Diele. Bei intimer Künstlermusik fin­det jeden Sonntag ein 5 Uhr-Tee mit Tanzge- legenhett statt.

* Kum Rnskanb der Silber«rb«iter. Die Streikleitung schreibt uns, daß sie an ben Arbeitgeber- verband und an sämtliche Arbeitgeber der H an a u c r Silber-Industrie folgendes Sckrecbm gesandt habe: Antwortlich Ihrer Zuschrift vom 28. Oktober 1919 habe ich Ihnen im Auitrage der Arbeiter folgen­des mitzuteilen: Ihre Zuschrift sagt:Die Arbeiter hatten sm Montag die Arbeit vertragswidrig verlassen." Dazu ist kurz zu bemerken: Am Samstag vormittag habe ich telephonisch Herrn Dr. Grambow angeboten, Sa«Stag nachmittag in eine Aussprache mit den Her­ren einzntretcn. Der Herr erklärte, dirs sei nicht mög­lich. Er sei aber bereit, wenn Herr K. Glaser die Ritzung anordne, dieselbe einzuberufen. Dann habe ich am Samstag nachmittag Herrn K. Glaser peripn« lief) am Telephon gebeten, Montag früh Vcrhsndlnng herbtizuführen und demselben erklärt, daß die Kollegen neben mir am Telephon stehen und jedes Wort, da» ich sage, hören. Herr K. Glaser sehnte das stritte ab und verwies auf die Verhandlung nm Mittwoch von ^etbaub zu Vetbanb. Jetzt haben die Herren diele Verbannung zurückgezogen und verlangen, die Lenke sollten erst wieder in die Betriebe gehen, dann wollten sie verbandeln. Es wäre nicht zum Ausstande gekom­men, wenn Herr K. Glaser nickt jede Verhandlung am Montag abgelchut hätte. Die ^eute hätten am Montag meiteraearbeitet, also nicht die Arbeiter, son­dern Herr K. Glaler ist schuld an dem Streik. Wir erlauben uns deshalb die An'raae und bitten um um» gehende Antwort, ob Herr K. Glaser feine Mitglieder der Spber-Jnduftrie unterrichtet hat. daß die Arbeiter Samstag nachmittag und Montag früh zur Verhand­lung bereit warm. Auch jetzt sind die Kollegen zur so­fortigen Verhandlung bereit und erwarten Ihren Be­scheid, wenn ein solcher statt finden kann.

* Das Moderne Theater (ConcordiahanS, Pa­radeplatz) eröffnet heute abend 8 Uhr seine Pforten. Morgen Sonntag finden zwei Vorstellungen statt, deren Beginn auf nachmittags 3 Uhr und abends 8 Uhr festgesetzt sind. ~

* Bon der Kinobsthne. Im Central­theater gelangt das DramaTolstoy, der Frie­densapostel" und das LustspielBubi, der Tausend- faffa", im LichtspieltheaterDie Sage vom Hund von Baskerville" und das LustspielNun wie bin ich", imTdeateram Markt daS Filmwerk Aphrodite", das Problem der Liebe in sechs Alten zur Vorführung.

* KonzertyauS Wiener Spitze. Heute Sams­tag abend und Sonntag finden große Vorstellungen statt. Die SamStag-Vorstellnnq beginnt um 8 Uhr; auch ist Gelegenheit zum Tanze» geboten. Morgen vollständig neue* Personal.

* Von den Apotheke«. Bon heute SamStag abend bat Ine Löwen Apotheke Nachtdienst für die kommende Woche bis zum SamStag abend 7 Uhr.

Landkreis Kanan.

1. Hochstadt, 31. Oktbr. (V o r t r a g.) Mitt­woch abend hielt Herr K. Leis aus Dörnigheim in der Gastwirtschaft Wilhelm Rauch hierselbst einen Vortrag über die Etnführmvg der Elcktri- zttät zu Licht- und Kraftzwecken in Kreis und Gemeinde. Der Vortragende wieS an Hand sehr interessanter Ansführungen nach, daß cmch die E?pführun-g der Elckttizität in der Landwirt­schaft heute zu einem dringenden Bedürfnis ge­worden ist. Herr Wolf vom KreiS-ElekttizitätS- amt unterstützte die AuZführungen und versuchte ebenfalls an Hand einiger Abbildungen die V-et» fanrmlurbg wcitgehendst aufzuttären. Beigeord­neter PH. Stein dankte den Vortcagenden und wünschte, solche Vorträge in allen Gemeinden zu halten, um hierdurch sämtliche Einlvohner des Kreises für die höchst bvdeutfame Sache zu in­teressieren.

'r. Hüttengefätz, 31. Oktbr. (Schzeberge- schäfte.) Im März wurden in Hanau zwei Frankfurter Schieber verhaftet bei denen man das Fleisch von 2 Hämmeln fand. Diese beiden Personen sind flüchtig und haben bisher nicht ermittelt werden können. Die beiden Hämmel waren von dem Landwitt Heinrich N. 2er und Philipp H. 1er in Hüttengesäß für 70 Taler (ausschließlich betitle) verkauft worden, na­türlich ohne ErlaM sis. Die Strafen, in die sie genommen wurden, haben sie bezahlt. Als Fünfter im Bunde hatte der Schäfer Georg E. aus Hüttengesäß insofern mitgewirkt, als er den Schiebern die Wege gewiesen und bei dem einen Kaufe mitaewirkt batte. Er sollte auch bei der

Sport-Nachrtchken.

Hlk auer Viktoria 94 L<myendreboch« F.-K.

Wie wir bereits berichteten', findet Sonntag nachmittag 3 Uhr auf dem Sportplätze der Ha- nauer Viktoria an der Freigerichtstrafie das Ligotreffen obiger Gegner statt. Wer bisher den Verlauf dieser Verbandsspiele der Ligaklaffe aufmerksam verfolgt hat, wird zu seiner Ueber- rafchung gesehen haben, welch beachienTwerte Resultate speziell die aufgerückten Vereine der früheren A-Klcrsie zu verzeichnen hsbem. So auch bet 1. Langendieb ach ec F.-K^ welchem es ge= lang, gehen keine Geringeren als die Rasen- spieler Frankfurt 1:2 und den Frankfurter Fuß­ballverein 3:4 herouszuholen. Noch in aller Erinnerung wird der Hanauer Sportwelt das Spiel zussunfien unserer Kriegsgefangenen zwi­schen Langendiebach und Hanau 94 sein, welches die strebsamen Langendiebacher im besten Lichte erscheinen ließen. Nur knapp blieb damals un­sere Diktori'a Sieger Mit Recht wird man des­halb auf das neuerliche Abfchneiben dec Langen- ditzbacher ^geaen unsere 94er gespannt sein. Die Hanauer Viktoria wird nichts unterlassen, um sich des Vertrauens der hiesigen SvortSgemeinde würdig zu zeigen. Man wird insolgebessen am Sonntag die gesamte Spoctswelt der engeren und vielleicht auch weiteren Umgegend auf dem Sportplatz an der Freigerichtstraße versammelt finben. Wegen der cingetretenen Bahnfperre, wird sich ein herbstlicher Spaziergang auf alle Falle lohnen.

Aus Nah und Fern.

Neusietendorf, 30. Oktbr. Auf Bahnhof Neu­dietendorf ereignete sick gestern morgen ein überaus schweres Enenbahnnnglück. Ein in der Richtung nach Eiienack ausfahrender Personenzug befand sich inmitten des Bahnhofes, als im gleichen Moment ein Güterzug aus der Richtung Eilenack den Bahnbo» kreuzte und io beide Züge sich in die Flanke fuhren. Der Personen- zug stürzte um und begrub unter sich die Fahrgäste. Bis jetzt sind 9 Tote gezählt. Nach dem ErgcMiS der Untersuchung ist der Eisenbahnunfall dadurch entstauben, daß der AussichtSbcamte auf dem Bahnsteig und der Lolomstivführer des Personenzuges die Stellung des AuSfahrsignals nicht beachtet haben. Der AufsichtS- b-amte hat dem Zug Abfahrbefehl erteilt, und her Lokomotivführer ist abgefahren, trotzdem das für den Personenplg in Frage kommende AnSfahrsignal sich auf Haltüellung befand.

AcrsftlS, 31. Oktbr. Bei einer hiesigen Holz- firma wurden durch die Polizei größere Mengen Weizen, Roggen, Gerste und 174 Zentner'-Hafer be­schlagnahmt. Die weiteren Ermittelungen sind im Gang«.

Die Geireiös- re. Schiebungen im Landkreis Hanau vor der Straflmnmer.

§§ Hanau, 1. November.

Als nächster Zeuge wurde der KornhauS- direktor T h y l m a n n vernommen. Er gab zu­nächst eine längere Ausführung über Gründung, Zweck und Einrichtung der Kornhausgenoffen­schaft, besonders über deren Tätigkoit vor und während des Krieges. Diesen Ausführungen schloß sich bw eigentliche Vernehmung des Zeu­gen zur Strafsache gegen die Angeklagten an. Er führte u. a. aus: Im Herbst deS JahreS 1917 erfuhr ich, daß seitens des Angeklagten Walcher mit Genehmigung des Landrats haupt­sächlich für Rüstungsbettietze im Landkreise Hannu etwa? ausländisches Mehl angekauft sei. Es mag Mitte November gewesen sein, als der Angeklagte Walther persönlich bei mit vorfprach und mich ersuchte, die Verteilung des AuSlandS- mehles zu übernehmen, eventl. die Vermahlung des AuslandsgetreideS vornehmen zu lassen ober zu überwachen, da noch nicht feststehe, ob aus­ländisches Mehl oder ausländisches Getrekde ge­liefert werde. T<i<ser sogenannten AuslandS- ware setzte ich gewisse Bedenken entgegen, da eS kaum möglich war, zu dieser Zeit nennenswerte Mengen zu erhalten Die Bitte des Walther, die Verteilung des Mehles zu übernehmen, even­

Schlachtung beteiligt sein, doch bestritt er das und da sein Mitschuldiger, der eine Schieber, fehlte, wurde er dieserhalb vom Schöffengericht Langenselbold freigesprochen. Für die Mit­wirkung bei dem Kaufe erhielt er 10 Mark oder 2 Tage Gefängnis.

Vereine- Versammrungen.

* Bund deutscher Mi!itâro*wârter, Verein. Harum. Am Sonntag nachmittag, pünktlich 145 Uhr, findet Monätsversammlung statt. Kame­rad Schmidt wird über Verlbands- und Bundes­tag berichten. Anschließend um 7/4 Uhr Fami­lienunterhaltung mit' Tanz.

* Gesellschsp Humor. Heute abend im Vec- <ein8loM zum Nordend Vereinsabend.

* BssaNsvsreinFröhlichkeit". Wir machen unsere Mikalieder nochmals darauf aufmerksam, daß die Gedächtnisfeier Unserer Gefallenen morgen Sonntag vormittag um halb 12 Uhr imDeutschen Haus" stattfindet.

* Gesangverein Mannerchor. Sonntag vor­mittag 10 Uhr Singstunde.

* Mari««. F«»sfra«e«-rr«n«rsg«tion. Um 11 Uhr Bücherausgabe: alle Bücher sind zurück­zugehen.

* Kath. NrSeiterverein. Heute fällt die Versammlung ans. Die Mitglieder werden freund­lichst eingeladen zu dem Vortrag in der Aula der Oberrealschule.

* Kath. Kesellenverein. Morgen ll-8 Uhr Generalkommunion für unsere gefallenen Mit­glieder. Auch die Schutzmitglieder sind dazu Herzl, eingeladen.

* Notburqaverern. Morgen um 7 Uhr Gedächtnisgottesdienst für unsere verstorbenen Mit­glieder. Während des Gottesdienstes Eeneral- kammunion. Es muß Ehrensache sein für ein jedes Mitglied sich an dieser Feier zu beteiligen.

* F«HS.-Tl«b BMorra 1894. Heute atzend Spielersitzung sämtlicher Mannschaften, wozu wir alle Spieler einladen. Beginn der Verbandssviele der 2. und 3. Mannschaft.

tuell die Ausmahlung des GetteideS zu über­wachen, lehnte ich kurzweg ab. Kurze Zeit da­raus erfuhr ich, daß von Walther auf unserem Hauptbureau Anweisung gegeben worden war, in feinem Auftrage ober im Auftrage des Streit auSschusseS 75 leere Säcke als Expreßgut nach Station Bad-Ems abaufenbert, in weähe nach seiner Angabe Erbsen gefüllt werden sollten. Da ich wußte, daß nach der Reichsgetceideotdnuntz auch Hülfenfrüchte beschlagnahmt find und öffentlich bewirtschaftet werden, gab Ich Anwei­sung, niemals mehr Sâck« für solche nnd ähn­liche Sendungen zur Verfügung zu stellen. Sturze Zoit darauf traf ab Station Ems eine Ladung, deren Inhalt als Hafer- und Weizenspceu (5000 Kg.) auf dem Frachtbrief deklariert war und an die Adresse: Geschäftsstelle der Konnnu- nalvertzände Hanau Stadt und Land, Station Hanau-Ost, Aiöchlußgeleis Kornhaus, gesandt war, auf unserem Anschlußgelers ein. Walcher hatte vor dem Gin treffen des Wagens verschie­dentlich bei uns omgefragt, ob von Ems noch keine Ladung eingetroffen sei, die ausländischen Weizen enthält und die unversehrt an die Mühle Amend weiterrollen sollte. Walcher war von uns nicht gestattet wocden, den Wagen an unser« Adresse rollen zu lassen. Da ich Verdacht schöpfte, daß hier etwas nicht in Ordnung fei, habe ich sofort wiederholt strengstens Anwoisung gegeben, daß unter keinen Umständen solche und ähnliche Ladungen, die nkcht für uns direkt bestimmt find, an, unsere Adresse rollen dürfen. Da ich wußte, daß der Landrat seine Genehmigung zu dem Ankauf von etwas Mehl bezw. ausländischem Getteide gegeben hatte, ließen wir die Ladung am die von Walther irnfgegebene Adresse nach der Scharmühle we-iterrollen, jedoch nicht mit dem Inhalt des Wagens als Hafer- und Wei­zenspceu, sondern alsWeizen", weil ich eine vorschriftsmäßige Deklarierung auf dem Fracht­brief für unbedingt erfiirderlich hielt und seitens der Eisenbahnverwaltung nicht der falschen De­klaration bezichtigt werden wollte. Gelegentlich einer kurz darauf erfolgten Unterredung mit dem Landrat habe ich diesem von dem Eintreffen des sogen. AuSlandSwvizenS Mitteilung gemacht und ich entsinne mich nach, daß er mir sagte, daß er Walther die Genehmigung zu dem An­kauf von etwas AuSlandSmehl, es könne viel- leicht auch ausländisches Getteide sein, gegeben habe. «Ich konnte trotzdem gewisse Bedenken und Zweifel gerade wegen der ausländischen Ware nicht beseitigen, glaubte aber nicht daS Rocht, noch die Pflicht zu haben, irgendwie An­regungen zu einem Vorgehen zu ergreifen, denn ss handelte sich doch um Personen, zu denen ich in längerem geschäftlichen Verkehr stand und dadurch, daß mir der Landrat die Richtigkeit des Einkaufs bestätigte, schenkte sch der Sache seine besondere Beachtung.

Nachdem der Zenae auf den Vorbehalt des Vor­sitzenden, Wattber behauptete, er freund habe auf dessen Veranlassung den Mâblmüest'tzer Sckönmeyer, der die Verwaisung von Getreide für den Kommimal- Verband nicht übernehmen «olle, zu überreden her» nicht, doch zu mahlen, entschieden bestritten hatte, be« kündete der Zmae weiter: Eine» Sage* erschien nun bei mir Assessor Dünnzer und Walther und frugen mich, was ich gegen den Müller Schön- meyer hätte, der ihnen auf ihren Antrag hin. Getreide für den Kommnna'verband zu mahlen, gesagt habe, er habe Angst vor mir und er wolle da? Getreide nicht vermahlen, da er befürchte, daß ick ihn jur Anzeiae brächte, und er wolle feine Mühle von der Reichsgetreidestclle nicht geschlossen haben. Ich sprach hierauf mit Schön meyer in Gegenwart von Düringer und Walther telephonisch und frug ihn, wo» er gegen mich habe und warum er Angst vor mir hätte. Wegen der Vermablnna müsse er doch selbst wissen, war er zu tun habe Ich er­innere mich, daß es sich damal» um Gerste handelte, die von dem Gute Ronnenhef bei Wvrms gekniif war, durch Rauch gelitten hab-n sollte und na h An­gabe von Düringer oder Walther von der Reichrgc- treBestelle frei gegeben worden war. Wie ich baun er­fuhr, ioü die Mühle Amend diese Gerste zur Ver­arbeitung bekommen haben.

Vars.: Wie verhält es sich nun mit dem von der Mühle Amend an bas Kornhaus ver­ladenen Wagen Mehl, der nach Eintreffen von Döring übernommen wurde) Zeuge: Es mag anfangs Januar gewesen sein, als eines morgens 2 Ladungen Mehl von der Mühle Amend an unsere Adresse auf der Statton Hanau-Ost ein- trafen, deren Inhalt auf dem Frachtbrief mit Mehl deklariert war, die aber kein Mehl, sondern Gerstengraupen, Grieß und Grütze enthielten. Um dlufklärung zu schaffen, sollte die Mühle Amend als Absenderin der Wagen angerufen werden. Diese meldete jedoch im Geqenrnf, daß ein Irrtum vorliege und die beiden Wagen nicht für uns, sondern für die Firma Döring bestimmt seien. Die beiden Wagen wurden dann der Firma Döring ausgehändigt. Ich nahm sofort Veranlassung, weil mir auch hier wieder ein Verdacht aufftieg, Anweisung zu geben, Walther sowohl als auch Amend dringend zu ersuchen, Ladungen, die nicht für uns bestimmt ^eien, nicht an uns abrollen zu lassen. Trotz dieser Anweisung find aber, wie ich später er« nhr, noch weitere 3 Ladungen von Amend an uns verladen worden, die ohne mein Wissen nach Eingang von Döring übernommen wurden. Ich hätte niemals meine Einwilligung dazv gegeben, daß für Döring bestimmte Ladungen an unsere Adresse rollen, um sie dann an Döring überzuleiten.

Auf ben Vorhalt, Walther behaupte, ihn (ben Zeugen) von allem unterrichtet zu haben und daß ihm dw Schiebungen bekannt gewesen feien, erklärte der Zeuge: Ich bitte, wenn der Angeklagte Walther da» Ansinnen gestellt hätte, meine Unterkommiisionäre für Zen Xiiskanj van Getreide für den Kammunalverband heran mjiehen, niemals mein Einverständnis gegeben unb hätte nicht davor zurückgeschreckt, falls mir di« Tatsache belannt geworden wäre, daß verschieden« meiner Uuterkommlisionäre beteiligt seien, die Sache sofort zur Anzeige zu bringen. Ich hatte vor Auf- b<dUR6 der Anreleaenkott leim Äcnnüu» davon, da»