«tnrLckungsgebühr:Die8gesv.KoloneIzeHeod. Lien Raum 40 Pfg„ die Igeln. Zeile i. Reklame- j-il 1.50Mk., 25"ioTeuerungszuschl. Ofierigcbtth. Kg. Bezugspreis: Vierteljährlich 4.20 Mk„ monatl. 1.40 Mk.. für Postbezug vierteliäbrl. 4.20 Nark„ monatl. 1.40 Mk. Die Nummer 10Hsg. ^ Postscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.
icbübt
AmMchrs Organ für Sladt- vnd Landkreis Lana«
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Nr. 248
Dormerslag den 23. OkloSsr
1919
Graf Bernstorffs ZerrgenMssage.
Der 21. Oktober 1919 ist durch den Beginn I der öffentlichen Verhandlungen des zweiten I Merausschuffes des parlamentarischen Unter- I Mngsausschusses zu einem Tage von historischer I Bedeutung geworden, wenn er auch sicherlich I niemals ein Ruhmestag genannt werden wird. I Uz erster Zeuge in dem großen Prozeß, der I Nach eit über die Schuld am und im Kriege I bringen soll, wurde der frühere Botschafter in I Washington, Graf Bernsdorff, vernommen, und I er hat seine Aussage in aller Ausführlichkeit I stattet. Es war ein in jeder Beziehung I interessantes Bild, das sich dem Zuschauer in I hem zum Verhandlungsraum bestimmten Saal 1 I des Reichstagsgebäudes am Dienstag vormittag
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bot. In diesem Saal haben während des grössten Teils des Krieges die Sitzungen der Pressekonferenz stattgefunden, in denen die Oberste Heeresleitung in der Hauptsache ihre Kolitis zu treiben bemüht gewesen ist. Die Vertreter des Kriegspresseamtes gaben, je länger das große Ringen währte, desto deutlicher den Ausschlag gegenüber den anderen Regierungsstellen. Heute wird in denselben vier Wänden Gerichtstag über dieselbe Politik und dieselbe D. H. L. abgehalten, denn letzten Endes läuft ja doch darauf die ganze Veranstaltung hinaus, die nunmehr ihren Anfang genommen hat. Durch das riesige Fenster an der Rückwand, von dem aus man auf
I der gegenüberliegenden Seite der unten vorbei- I führenden Sommerstraße das noch immer leer I iehende Gebäude der japanischen Botschaft ■ sieht, fiel heller, straklender Somrenschein in den I Saal, wo eine Kopie des Denkmals Eugen I Richters stebt und das große Bild einer Sitzung I der alten Budgetkommission des Reichstages I mit dem Grafen Kanitz, Bebel und anderen I frieren größeren, parlamentarischen Größen » hängt. Sie blickten herab auf den „ersten I „Kriegskanzler von Bethmann Hollweg, dem die I Ruhe Hohenfinows gut getan zu haben scheint, auf I Herrn Helfferich und auf Herrn Zimmermann, I den einstigen Staatssekretär des Auswärtigen. I Herr von Iagow, sein Vorgänger im Amte war I Hilfst erschienen. Auch General Ludendorff nicht, I dessen Erscheinen die Sensation einer späteren I Seling bilden wird. Der Vorsitzende des Aus- I Fusses, der deutschnationale Abgeordnete und I Landgerichtsdirektor Warmuth führt sein Amt I m sachlicher Ruhe und im Bewußtsein einer I vollendenten Praxis. Der Mehrbeitssozialist I kinzheimer, gleichfalls Jurist im Vrivatberuf, I ist lebhaft und bei der nachherigen Vernehmung I des Grafen Bernstorff stets bemüht, dem Ver- I Handlungsthema möglichst nahezubleiben. Graf I Bernstorff weicht keiner Frage aus und zögert I mit seiner Antwort niemals auch nur eine Se- I lande. Und der Eindruck dieses ersten Tages? I Er geht dahin, daß die Verhandlungen von I Rutzen sein können, daß man aber entsprechend I dem Wunsche des Vorsitzenden mit einem ab- I schließenden Urteil nicht voreilig sein darf. Die I Sensation: Wilson war für eine internationale I Friedenskonferenz auch ohne konkrete Friedens- I Vorschläge unsererseits. Der zweite Verhand- I lungstag schloß mit dem Bekenntnis Bernstorffs,'' I er habe Wilson für einen ehrlichen Makler ge- I halten.
Die Reichswehr.
WB Berlin, 22. Okt.
Nach dem „Abend" sagte in den Verhandlungen I der Wirtschaftsverbandes der deutschen Berufssoldaten
I Reichswehrminister Noske n. a., daß er mit dem größten I Mißtrauen zusehen werde, wenn der Verband die I Reichswehr auf eine gewerkschaftliche Grundlage stellen I dolle. Die staatsbürgerlichen Rechte und Freiheiten I ioHten jedem Deutschen gewährt werden. Wieweit sie I «bei der Reichswehr zugebilligt werden können, werde I tt sich noch reiflich überlegen.
Die VsrhKnDsVMM ohne EmheMichkerk.
--- Berlin, 23. Oktober.
Wie der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" von I fyet wohlunterrichteten französischen Persönlichkeit I ^geteilt wird, die sich in der Schweiz anfhätt und ■ her parlamentarischen Vertretung der MehrheitS- I Sozialisten nabestebt, fehlt eS der Verbandspolitik I ilkgeiiwärtig an einer einheitlichen Leitung. ES habe I den Anschein, als ob den Pariser Meldungen ein gemeinsames Manöver Fochs und Tardiens zugrnnde t'ege, das sie mehr oder minder gegen die Absicht Acinenceaus durchführen möchten. Tardieu habe noch I filier nicht die Hoffnung aufgegeben, aufgrund eines Verstoßes gegen die Waffcnstillstandsbedmguugm kirm? I Deutschlands neue deutsche Gebietsteile zu be-etzen I ober, solange der Friede nicht endgültig ratifiziert ist, I Monderuuasbcstredmraen im Rheinland zu fördern.
Die SeuZsche ändsssfloM.
DDP. Paris, 23. Oktbr.
Dem Obersten Rat ist von der Iritisdjen Delegation ein Memorandum überreicht worden, in dem über Deutschland Klage geführt wird, weil es die im Waffen stillstandsvcrtrage übernommene Verpflichtung, seine Handelsflotte den Alliierten auszuUefern, nicht nachgekommen sei. Es habe eine Reihe von Schiffen nicht ansgeliefert. Anfragen wegen dieser wurden einfach nicht beantwortet. Zweifellos wurde festge- stellt, daß diese Schiffe in den- Jabren 1915/16 von der Hamiurg-Amerika-Linie nnd der KoSmos-Linie verkauft worden sind. Es kann nach den Waffcx- siillstandbedingungen kein Zweifel darüber bestehen, daß die deutsche Regierung diese Schiffe «uslieftr» muß. Es wird darum gebeten, die unverzügliche Auslieferung dieser Schiffe zu veranlassen.
Dis Rerchsschul-VsrKoNfsrsnz.
WB Berlin, 22. Okt.
In einer Sitzung der Reichsschul-Vorkonftrenz wurden die Verfassungsbestimmungen über Arbeitsunterricht und Staatsbürgerkunde besprochen. Die Länder sollen verpflichtet sein, diese Fächer in den Schulen einzuführen. Die Regelung des Religionsunterrichts soll den Ländern überlassen werden. Reichsminister Koch schloß die Vorkonferenz mit Worten der Befriedigung über den erfolgreichen Verlauf.
Dèe Rvüe des ^NSKAâZTn.
--- Berlin, 23. Okt.
In feinen.Erinnerungen in der „Voss. Ztg." sag' Graf Czernin über die Rolle des Kronprinzen, dieser sei im Sommer 1917 im wahrsten Sinne des Wortes Pazifist gewesen, die deutschen Militärs hätten ihn jedoch immer wieder nach der anderen Seite zu beeinflussen gesucht.
Die Stümpfe in WuUaâ
DDP. Berlin, 22. Okt.
Wie die „Voss. Ztg." meldet, ist es den Truppen des Generals ' Demikin gelungen, wieder in Kiew einzudringe». Von der Front des Admirals Koltschak berichtet da? Blatt, daß diese vou den Bolschewisten durchbrochen sei. Koltschak habe deshalb zurückgehen müsse».
Deuische NaNsnÄvsrsKmämg.
Berlin, 22. Oktbr.
Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten. Fortsetzung der zweiten Beratung des Reichshausbalts, Abteilung Schatzministerium. — Abg. K o ch-Düsseldorf (beutfdVnatl.): Trotz allen guten Willen? des Reichsverwertungsamfts sind Verschiebungen im größten Maßstabe erfolgt. Eine besondere Kommission zur Nachprüfung und Ueberwachung wäre sehr erwünscht. Der Bericht des Ausschusses über den Haushalt der militärischen Werkstätten ist eine einzige Anklage. Da? Gesamtministerium hätte viel früher Gegenmaßnahmen treffen müssen zur sofortigen Umstellung der Beiriebe. Außer in Spandau ist es in allen anderen Werkstätten seit einem halben Jahre mit der Mißwirtschaft immer weiter gegangen. Der Terrorismus der Soldatenräte hält die Arbeiter und Beamten in Furcht. Die leitenden Beamten fügen sich zum Teil diesem Terror aus mancherlei Gründen. Vielleicht kann an diesem Etat noch etwas obgestricken werden. — Generaldirektor Dr. Wein l i g vom Reichs- verwertungsamt: Wir haben noch längere Zeit an verlustbringenden Aufträgen zu tragen. Bayern unb Baden sind noch nicht angescblossen. Beide wollen fick bis Ende diese? Monats entscheiden, ob sie die Betriebselbst übernehmen wollen. An die leitenden Stellen müssen wir Ingenieure und Kaufleute setzen. Wir haben aber Betriebe an 16 verschiedenen Orten. Wo sollen diese Leute so schnell hergenommen werden? Wir müssen Kalkulationsbüros schaffen und Fühlung mit der Kundschaft suchen, die es noch nicht gab. Die Arbeiter und Angestellten müssen uns unterstützen. Vielfach haben wir auch erfreuliches Entgegenkommen gefunden. - Abg. Maretzky (Dt. Vpt.): Wir freuen uns, daß auch "die Mehrbeitswiialisten einsehen, daleitende Kräfte mit großer Bewegungsfreiheit unb mit IItter Bezahlung nötig sind. — Abg. B r ü h l (Unabb.) • Die Arbeitern:te hatten vielfach für oft Verwertung des HeerèSgutes Rat'cbläge gegeben, die aber nicht 'wiolgt worden sind. Auch unter dem neuen Kurs wird imeber verordnet und befohlen ohne Rück :cht auf die Siechte der Arbeiter, die feck M Revolution das Recht erworben haben. mitzubestimmeu. Eure Reihe von Titeln und Entschließungen deS Ausschusses werden angenommen. — Abg. Wieland lDem.): Auch in die Landesfinanzämter müssen Techniker hinein rieben den Juristen. Dein Techniker muß der Ausstieg in eie Verwaltung ireigegeben we den. — Munster Dr Rayer: Anh in der Verwaltung stehen die höhere • Stellen den Technikern durchaus offen. — Abg. Stahl (Soz.) verteidigt die Haltuna der Mebrbeils'ozralistcn
in der Frage der Spandauer Werkstätten. Die Schließung derselben ist nur zurückzuführen auf die Haltung der Unabhängigen. Durch Sabotage seien Millionen in Spandan verloren gegangen. Auch die Vernünftigen unter den Unabk'ängigen waren darin einig, daß Betriebe mit 240 000 Menschen nicht umgestellt werden könnten. Auch in Spandau muß möglichst die Selbstverwaltung eingefübrt werden, ebenso das Mitbesiim- mungsrccht. — Abg. Jaud (3tr.) tritt dafür ein, daß bei der Umstellung auf den Mittelstand und das kleine selbständige Gewerbe Rücksicht genommen werden muß. — Minister Dr. Mayer: Die Hecresbetriebe werden Dinge berllellen, an denen das Handwerk größtes Interesse hat, z. B. HandwerkSmasckinen in bodenbefter Beschaffenheit und Preiswert. Konkurrenzartikel für das Handwerk werden nicht hergestellt werden. Fortsetzung morgen 1 Uhr. Haushalt des Auswärtigen Amtes.
Preußische San Sessersammlung.
Berlin, 22. Oktober.
Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 20 Minuten. Die zwecke Beratung des Han8- balts wird bei der L a n d w i r ts ch a s t s Verwaltung fortgesetzt. — Landwirffchastsmimstcr Braun: Stele der vorgebracbten Wünsche gehören zur Zuständigkeit des Reiches. Der Antrag Kanitz ans Aufhebung der Zwangswirtschaft wstd bei der überwiegenden^ Mebrzabl des Volkes keine Zustimmung finden. Für die Umgestaltung der Landwirtschafts- kammcrn bekommen wir ein Rahmengesetz vom Reiche. Das Selbstverwaltungsrecht der Landwirtschafts- tammem will ich von den bestehenden Beschränkungen zu Befreien suchen. Gegenüber dem Lieferungsstrei' muB ich die Warnung erheben: Spielt nicht mit dem Fenert Die Rechte besamest mich al? einen Mmister gegen die Landwirtschast, weil ich für die Landarbeiter einaetreten bin. Damit stellen sich die Herren auf den Standpunkt, daß die Landarbeiter nicht zur Landwirtschaft gehören. (Unruhe rechts.) Der Landarbeiter- JL-JL „. parru M .Ljüalich._duM den. Widerstand, her Vommerscken Arbeitgeber, nicht wegen der Einführung der Tarifverträge bervorgerufen worden. Die Landarbeiter sind bisher vollkommen niedergehalten worden. Aber der Gedanke der Tarifverträge marschiert und wird vertvirklicht werden. Sie fordern mich auf, mir das Vertrauen aller landwirtschaftlichen Kreise zu erwerben. Das ist auch meinen Vorgängern nicht gelungen, von denen manche das Vertrauen der vielen Millionen Landarbeiter nicht besaßen. Da muß ich mich schon damit absinden, wenn ich das Vertrauen her finden Mindert oder tausend Großgrundbesitzern nicht habe. Das Ziel meiner Verwaltung muß sein die Schaffung von Wirtschastseinbeiten, die den gröntmöa- lichsten Ertrag geben. Notwendig ist die Verbesserung des landwirtschaftlichen Uuterrichtswesens, vor allem aber die Entpolitisierung der Landwirtschaft. Sie müssen es sich abqcwöhnen, aus Ihrem landwirtschaftlichen Beruft einen Recktstitel auf politische Vorherrschaft abzuleiten. (Großer Beifall bei den Soz,ai- demokratâ.) — Aba. Kaulen (Zentrnm): Wurde die Landwirtschaft besser mit Dünaeuntteln versorgt, so könnte sie auch dem Boden mehr abringen. Die hohen Preise erklären sich aus der Erhöhung der Betriebskosten. aber auch aus der Gewinnsucht des Zwi^chen- bau^els. — Abg. Westermann (Dem.): Unsere Forderung ist: Los von der Zwangswirtschaft, sobald es möglich ist! Die Landwirtschaft versteht nicht die Zustände in Berlin, wo bunberttamenbe junger Leute arbeitslos berumlungern. Wir müssen aber ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern auf dem Lande haben und dazu brauchen wir die Tarifverträge. Einseitig für Ostpreußen können wirdie Zwangswirtschaft nicht ansbeben. Wir lehnen daher den Sim trag Kanitz ab. Die Einführung des Abbauzwanges in der Landwirtschaft ist unmöglich. Wir haben auch von der äußersten Linken noch nie die Forderung des Arbeitszwanges erheben hören. (Sehr richtig). Die Land- ivirte wollen nicht Staatsbürger zweiter Klasse sein. Sie haben währeiid des Krieges lange genug unter Zwangsgefttzen gelebt. Asst den Betriebsräten in der Landwirtschaft könnte ich mich nickt befreunden. (Bei- ftll bei den Dem kraten). — Abg. v. b. Osten (Deutsch-natlA: Im Falle Dr. Grimm ersuche ich den Minister, schlenniast für rechtzeitige Klarstellung zu sorgen und die seinerzeit gegen mich erhobenen Sc= schuldigunoen unter dem Ausdruck des Bedauerns zu- rückzunehmen. Die Kritik von links an den Minister war früher viel schärfer unb jedenfalls^ in der Form rüber, als unsere jetzige Kritik. Der besondere Grund für den Antrag Kanitz liegt in der ungeheuren politischen Gefahr Ostpreußen?. Wenn die jetzige gebâsfiae Agitation noch lange weiteegeht, muß das Wirtscha.ts- leben de? Landes zuni Stillstand kommen. Der ländliche Groß-, Mittel- und Kleinbeny ftnb^ wirtschaftlich nicht pon einander zu trennen. Mit verständigen Landwirten wie Westermann werden wir immer gern zusammen arbeiten. Schade, daß er nur ein weißer Rabe seiner Partei ist. (Widerspruch bei den Demo- Traten). Bei der Scuorbrmtg der Landwirtschafts- mmntern müssen auch nah unserer Meinung die Frauen c ne angemessene Berücksichtigung finden. Die Forderung des AalmuzwangeS ist verbrecherische Dornen. Ein solcher Recktsbruck ist im geordneten RechtSaaate im möglich. Wir kämen damit zur wirpchailtcheu Diktatur. Wehe der Regierung, die den Recktsbodep verläßt. Der Landarbeitcistreik in Pommern war ein grober Rechtsbruch. — Ein Vertretet des Eisenbahn« nuniftermmS sucht nochmals die Einstellung des Schnell- tugSverfthrs nach-dem Osten zu recht fettigen. — Der Staatskommi ar für das Ernährnng«wesen führt ans: Die selige Aussiebung der Zwangswirtschaft würde hm AaSalcich von Angebot und Nachfrage unmöglich
machen. Die Zwangswirtschaft wird ja nicht in akst Ewigkeit fortbestehen. Auch Ostpreußen können wir keine Ausnahmestellung zubilligen. — Die Erörterung wird darauf abgebrochen. — Der Gesetzentwurf zu, Ausdehnung des Knappschaftsgesetzes auf die Erdöl, betriebe gebt an den Handclsausschuß. — Donnerstag 12 Uhr LandwirtschaftShaushalt.
kleine Nachrichien.
Die Ratifizierung deS Friedens. Nach einer« Pariser Bericht zeigt besonders England Neigung, die Veröffentlichung eine? Protokolls über die Ratifizierung des Friedensvertrages zu verzögern, hauptsächlich aus handelspolittschen Gründen, um das Erscheinen deutscher Produkte auf dem Wette markt zu verhindern.
Deutschnationale Anfrage über das Aus», scheiden der alten Beamten. Der deutsch« nationale Abg. Schmidt (Stettin) macht darauf aufmerksam, daß die Beamtenschaft die Ess Währung eines lOprozentigen Zuschusses zu Ben Pensionssätzen für die 65 Jahre alten Beamteft für keinen genügenden Anreiz zum Ausscheideft der alten Beamten hält. 3m Interesse der An« stellungs- und Beförderungsverhältmsse der Bs« amten ist ein Ausscheiden dieser alten Beamten erwünscht. Er fragt deshalb in der Preuß. Landesversammlung an, ob die Staatsregierung gewillt ist, allen seit dem 1. April 1919 aus« geschiedenen und bis zum 1. April 1920 aus« scheidenden Beamten gemäß Staatshaushalts« beschluß vom 10. Mai 1919 den Anspmch aufs die neue Vesoldungsordnung und auf eins mindestens 75 Proz. hohe Teuerungszulage zn gewähren oder welche Maßnahmen sie zu treffen gedenkt.
Zwischen Italien vnd China sollen wirtschaftliche Vereinbarungen ârschlwjien worden feto.
Das Ende der „Königlichen" Gewehrfabri? nt Erfurt. Die amtliche Bekanntgabe der Umwand, lung der altberühmten Gewehrfabrik in daS „Reichswerk Erfurt" ist nunmehr erfolgt. Mehr als 100 Jahre hat das industriell bis zur Vollkommenheit ausgebaute Institut unter seinem alten Namen bestanden und als deutsche Waffenschmiede Weltruf erlangt. Die Gewehrfabrik wurde 1815 gegründet und verdankte ihre Entstehung dem großen Waffenmangel Preußens während der Freiheitskriege. Ursprünglich wurde das in den Kriegen erbeutete Material in Saaon Bei Mühlheim a. d. Ruhr und in Hattingen unter Ausnutzung der dortigen Wasserkräfte verarbeitet, als jedoch der Betrieb umfangreicher wurde, 1858 nach Erfurt verlegt. In diesem Jahre Begann mit der Errichtung der Gebäude am 28. September 1862 der Betrieb. Bei Herstellung deS Jnfanteriegewehrs 71 waren 1000 Arbeiter, Beins Modell 71/84 in den Jahren 1885—87 ca. 170(1
Arbeiter und in den Jahren Modell 88 gebaut wurde, schäftigt.
1889—91, als daZ
3000 Arbeiter Bex
Nationalversamm- am Wiederaufbau
Das Werk von Weimar.
Fung und Reichsregierung Deutschlands. 1919. 8°. Preis 1 Mk. (Reichs« Verlag Herm Kolkoff, Beclin-Zehlendorf-West.) Die in der Weimarer Nationalversammlung feil
dem 6. Februar in knappen sieben Monaten voll, zogene Leistung ist bisher auch nicht entfernt ge, würdigt worden. Und doch gibt die aufopfernd« Tätiakeit der Abgeordneten, die eifrige Hingab« der Regierung, die in das Chaos der Revolution Ordnung zu bringen versuchte, erst die Grund- lagen für den deutschen Wiederaufbau. Deutschland hat eine Verfassung erhalten, die unse« Vaterland zum freiesten Lande der Welt macht, Der Beginn des Sozialisierungsprozesses hat sich vollzogen, eine großzügige Finanzregulierung ist in Angriff genommen. Das langbegehrte Reichs- siedlungSgesetz wurde zur Tat. Kurz, überall sieht man die wirkungsvollen Ansätze und Grundlage« zu unserem wirtschaftlichen Wiederaufbau. Maz man die in Weimar geleistete Arbeit aus Partei^ politischen Gründen verkleinern, eine spätere gereckte Forschung wird ibr sicher zum Rechte verhelfen. Zum ersten Male versucht hier einer, detz mit dabei war, das Werk von Weimar in seine« Totalität unparteiisch und objektiv zu würdigen. Er ist der berufene Führer für alle, die sich selbst ein sachliches Urteil über die Arbeit der Nationalversammlung bilden wollen. Die kleine Schrift ist notwendig für jeden Politiker und Zeitungsleser, für jeden, der tätigen Anteil nimmt an den« Wiederaufbau des deutschen Wirtschaftslebens und an der deutschen Machtstellung.