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Hanauer 1 Anzeiger

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General-Anzeiger

AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags

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Samstag den 18. Oktober

Verlagsleitung: Ad. Jndermühl«. .

Verantwortlich: für oolitiichen und allgemeinen Teil E. Schrecker: für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M.

Rotationsdruâd.Watsenhausbuchdruckerel Hanau Fernivrechanichliissc Nr. 1237 und 1238

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1919

Dom Baltikum.

Interessante Dinge spielen sich jetzt im Balti­kum ab, die zusammenfassend kurz dargelegt wer­den müssen, um dem allgemeinen Verständnis zu dienen. Dort ist ein neuer Name aus dem Wirr­warr der Zeit aufgetaucht: der des russischen Obersten Awaloff-Bermondt. Dieser, ein georgi­scher Fürst, hat auf eigene Faust den Kampf gegen die bolschewistische Regierung begonnen und dem ton der Entente abhängigen General Judenitsch den Gehorsam gekündigt. Zu seiner Verfügung stehen zwei russische Freikorps unter General Graf Keller und Oberst Mrgolitsch und die sogenannte .Deutsche Legion*, das sind diejenigen deutschen Truppen, die sich weigern, aus Kurland und Li­tauen nach Deutschland zurückzukehren,, und in russische Dienste getreten sind. Bermondt handelt als Beauftragter einer neugebildeten westrussi­schen Regierung. Sie wird von großrussisch orien­tierten Politikern gebildet, unter denen der frü­here Vizepräsident der Duma, Fürst Wolkonski, und der Senator Graf Konstantin Pahlen, der Enkel des bekannten Justizministers Alexan­ders II., die bedeutendsten sind. Von dieser Regie­rung wird die Unabhängigkeit Lettlands nicht an­erkannt. Bermondt ist darüber mit den Letten in Kämpfe geraten, die bisher günstig für ihn ver­laufen sind. Seine Truppen sind in siegreichem Bordringen begriffen und stehen bereits hart vor den Toren Rigas. Die Politik der Entente diesen Vorgängen gegenüber leidet durchaus an inneren Widersprüchen. Einmal bedroht sie Deutschland mit Strafmaßnahmen, weil die Zurückziehung dec deutschen Truppen trotz besten Willens unserer Regierung nicht restlos gelungen ist, und anderer­seits hat sie soeben in einer Note alle Staaten zur UBg&iblfilWLJlEXJ!^^ Sowjet-Rußland n. Wir kommen dadurch zweifellos in F eine schwierige Situation.

Die Lage im Baltikum.

i WB. Berlin, 17. Oktbr. DieDeutsche Allg. Zeitung meldet: Nach indirekten Nachrichten, die ! an die zuständigen Stellen gelangten, finden noch Kämpfe mit den westrussischen Truppen an der Düna statt,, doch scheint der Fluß überschritten zu sein. Die westcussischen Truppen wollen lettische Angriffe, die ziemlich stark sein sollen, abwehren. Wie schon wiederholt betont wurde, kann sich der ! Abtransport der deutschen Truppen nicht schnell ; vollziehen. Die Strecke von Schaulen bis zur Grenze läßt sich mit geringen Schwierigkeiten zurücklegen, von der Grenze ab erhöhen sich diese. - General v. d. Goltz hat am 12. Oktober das Kommando an General v. Eberhardt abgetreten. Die Litauer ziehen ihre Truppen südöstlich faulen zusammen; dies erschwert die Lage für die deutschen Truppen, die hier durchmarschieren müssen. Die Verhandlungen, die General v. Eber­hardt mit der litauischen Regierung eingeleitet hat, sind noch nicht zum Abschluß gekommen. Es Ist nicht ausgeschlossen, daß die Litauer einen An­griff gegen die deutschen Truppen unternehmen. Aus diesem Grunde ist General v. Eberhardt ge­zwungen, Schaulen militärisch zu sichern. Ande­rerseits richtete ec an das Auswärtige Amt das Ersuchen, seine Verhandlungen mit der litauischen Regierung zu unterstützen.

Das Schicksal der Blocka-enote.

DDP. Berlin, 18. Oktober.

Eine Reutermeldung aus Paris gibt als wmnd, daß bisher die Blockadenote noch gicht veröffentlicht worden ist, den Plan an, daß der Obersts Rat beschlossen hat, diese Note, M der Deutschland und die Neutralen zur Mit­arbeit bei der Blockade gegen Sowjetrußland aufgefordert werden, erst zu veröffentlichen, wenn ?ie Antwortnoten eingetroffen sind. Die Note P inzwischen durch Deutschland veröffentlicht worden und es sind auch bereits die Antworten wwohl von Deutschland wie auch von einigen Neutralen eingetroffen. DieDeutsche Allgemeine Bettung bemerkt dazu: Die Erklärung Reuters recht gesucht. Der wahre Grund der Nicht- Veröffentlichung dürste darin liegen, daß die alliierten Regierungen gegenüber ihren Völkern mit dieser Note sich nicht herauswagen. Aus Mlischen Blättermeldungen geht auch bereits hervor, daß dieser neue Schritt des Perbandes gegen Sowjetrußland in der englischen Arbeiter­schaft große Aufregung verursacht habe.

Italien nn- die Androhung der BlvtKade.

--- Berlin, 18. Oktbr.

Wie derDeutschen Allgemeinen Zeitung" gemeldet wird, soll die italienische Botschaft in Madrid dem spanischen auswärtigen Amt mit­geteilt haben, daß sich Italien an der neuan­gedrohten Blockade gegen Deutschland nicht be- teiliaeu werde.

Ein Schritt zum endgüttigen FriedensZustand.

--- Berlin» 18. Oktober.

Wie dieDeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt, ist die Ernennung des neuen Ober- Fommissars und Vorsitzenden der Interalliierten Commission für das besetzte Gebiet am Rhein Paul Tirard bedeutsam als eines der wichtigsten Merkmale für den endgültigen Eintritt des Friedenszustandes, mit dem die Militärver­waltung aufhört.

Der Aebergang in den Frie-enszuftan-.

WB Versailles, 18. Oktober.

Nach demJournal" sind die Alliierten durch den Uebergang vom Kriegs- in den Friedenszu­stand überrascht worden. Die Alliierten könnten sich über verschiedene Fragen, wie z. B. die Zu­sammensetzung der Truppen für Obecschlesien, nicht verständigen. Auch könne ohne Amerika die Wiedergutmachungskommission nicht bestehen. Der Rat des Völkerbundes müsse einberufen werden, um die Regierungsform für das Saacbecken und Danzig festzustellen. Der amerikanische Senat habe aber den Friedens- und den Völkerbunds- Vertrag noch nicht genehmigt. Das Blatt frägt dann, ob sich Wilson noch im Vollbesitz seiner gei­stigen und körperlichen Kräfte befinde.

Neue Regierung in Oesterreich.

WB. Wien, 18. Oktbr.

Nach der Ratifizierung des Friedensvertrages von St. Germain überreichte Staatskanzler Ren­ner in der Nationalversammlung die Demission des Kabinetts. Die Nationalversammlung wählte darauf folgende neue ; -Leerung, Staatstanzler und Staatssekretär O Aeußern Dr. Renner (Soz.), Vizekanzler: Fink, Inneres und Unter­richt: Eldersch, Justiz: Dr. Eisler (Soz.), Heer­wesen: Dr. Deutsch (Soz.), Finanzen: Dr. Reisch, Landwirtschaft: Stöckler (Christl.-Sozial), Han­del: Zerdik, Verkehrswesen: Paul, soziale Ver­waltung: Hanusch (Soz.), Volksecnährung:- wenfeld-Ruß, Staatssekretär für Verfassungs­und Verwaltungsreform: Maher (Christl.-Soz.). An die Alliierten wurde das Ersuchen um so­fortige Heimbeföcderung der Kriegsgefangenen ge­richtet.

Die AAsstanhsbeWeguug irr Berlin.

Berlin, 18. Oktbr.

Zur Gewinnung einer neuen Verhandlungsbasis im Metallarbeitcrstrcik heißt es imVorwärts": Insoweit der Streik geführt wurde in det.ebrlichen Ueberzeugung, durch ihn die Metallarbeiter von Loimherabsetzungen zu bewahren, kann sich niemand, dem das Koalitions­recht der Arbeiterklasse nicht nur ein leerer Begriff ist, gegen ihn wenden. In schärfstem Gegensatz zu den Unabhängigen und Kommunisten stehen wir in der Frage, ob die ^Aufrechterhaltung lebenswichtiger Be­triebe und die mit denselben verbundenen Notstands- arbeiten unter den Begriff des Streikbruchs fallen. Daß die Streikleitung Menschen, die NotflandSarbeiten verrichten, als Streikbrecher bezeichnet, laßt bedauer­licherweise die erforderliche Rücksichtnahme auf Leben und Gesundheit der Mitmenschen vermissen. Menschen, deren Tätigkeit bei den Wirtschaftskämpfen darin be­steht, Lebcnsrecht und Wohl des Volksganzen sicherzu­stellen, sind nicht als Streikbrecher zu betrachten. Das, was sie tun, entspricht lediglich einer sittlichen Pflicht

DDP. Berlin, 18. Oktbr.

Im Streik der Magistratshilfskräfte liefern die Neu- einstellungen, die der Magistrat in seinen Büros an den beiden letzten Tagen vorgenommen hat, neuen Konfliktsstoff. Die streikenden Hilfskräfte verlangen, bev r sie ihre Tätigkeit wieder aufnehmen, daß diese Ersatzleute sämtlich wieder entlassen werben. Der Magistrat ist aber an das Versprechen gebunden, das er den Arbeitswilligen und den Reueingestellten ge­geben hat.

WB. Berlin, 17. Oktober.

Das Oberkommando Noske verbietet in einer Verordnung an die Bevölkerung Groß-Berlins auf Grund des Belagerungszustandes jedwede weitere »Betätigung durch Wort, Schrift oder an­dere Maßnahmen, die daraus gerichtet sind, lebenswichtige Betriebe zur Stillegung zu brin­gen, insbesondere Zerstörungen oder Schädigun- gen von Betriebsanlagen und Leitungen. Als lebenswichtige Betriebe im Sinne der Verord­nung sind anzusehen: Alle Anlagen zur Erzeu­gung und Lieferung von Gas, Wasser und Elek­trizität, sowie die öffentlichen Verkehrsmittel.

WB. Berlin, 17. Oktober.

Reichswehrminister Noske erklärte in einer Konferenz mit Vertretern dec 15er Kommission und der Gewerkschaftskommission, daß seine heu­tige Versiigung fortfalle, sobald die Heizer und Maschinisten die Arbeit in den lebensnotwendigen Betrieben wieder aufnehmen. Zur gleichen Zeit würde die Nothilfe zurückaeroaen.

Ein ProleWreik.

WB. Berlin, 18. Oktober.

DemLokalanzeiger" wird aus Duisburg ge­meldet: Ein gestern aus der linken Rheinseite ausgebrochener Streik der Bergleute hat auch auf die Kruppschen Werke in Rheinhausen üb er ge­griffen. Der Grund hierzu ist die Empörung über die Uebergriffe der belgischen Besatzung. Die Streikenden fordern die Bestrafung der belgischen Soldaten, die sich Uebergriffe erlaubten, die Be­seitigung der Zensur und des Paßzwanges und die Einführung des siebenstündigen Arbeitstages für die Bergleute, wie er schon lange auf dem rechten Rheinufer besteht.

Deutschs Natisualversammtung.

Sitzung vom 17. Oktober.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1.20 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen zu­nächst Anfragen. Abg. Dr. Mumm (D.-Ntl.) fragt an, wieviel Steuergelder bisher durch den Werbedienst der deutschen Re- publik verausgabt worden sind. Regierungssei­tig wird erwidert, daß die Zentrale f. Heimatdienst Aufllärung und Verständnis zu fördern sucht über die Gründe dec Regierungshandlungen, und die Lust zu wecken sucht zur tätigen Mitarbeit. Diese Zentrale dient also keiner einzelnen Partei. Mit dem Werbedienst hat die Zentrale nichts zu tun. Zum Einschreiten gegen irgendwelche Beamte liegt keine Veranlassung vor. Abg. R i e d m i l - l e r (Soz.) fragt an wegen dec Rückkehrmöglich­keiten in der Schweiz ansässiger Wehrpflichtiger. Regierungsseitig wird erwidert, daß ein Teil die­ser Leute bereits zurückgekehrt ist. Die Schweiz habe allgemein die Erlaubnis zur Rückkehr noch nicht erteilt wegen der Wohnungsnot in der Schweiz. Verhandlungen würden gepflogen, ,Me Regierung nehme die Rechte der Betroffenen ener­gisch wahr. Abg. A st o r (Ztr.) wünscht Entschä­digung der Landgemeinden für ihre Mehraus­gaben durch die Zwangswirtschaft aus Mitteln der Kriegsgesellschaften. Regierungsseitig wird dies als nicht angängig bezeichnet. Auf eine An- frage des Abg. Behrens (D.-Ntl.) betreffend Vorenthaltung von Deputatbezügen an Landar­beiter wird regierungsseitig geantwortet, daß eine völlige Freigabe der Naturallohnbezüge nicht an­gängig sei. Es soll darüber Klarheit geschaffen werden, inwieweit die bestehenden Beschränkungen dem Abschluß von Tarifverträgen hinderlich sind. Auf eine Anfrage dec Abg. Frau P f ü l f (Soz.) wegen Vollbesetzung der privaten Vorschulen wird erklärt, daß es noch nicht möglich gewesen sei, in der kurzen Zeit überall die Bestimmungen durch­zuführen. Die vom bayerischen Landtag getroffene Bestimmung, wonach Lehrerinnen mit ihrer Ver­heiratung aus dem Schuldienst auszuscheiden haben, widerspreche der Verfassung. Dem Abg. Schiele (D.-Ntl.) wird auf seine Anfrage er­klärt, daß eine unmittelbare Versorgung der Zi­vil- und Staatsinvaliden durch die Notstandsvec- sorgung nicht angängig sei. Abg. Frau H e i tz e (Soz.) wünscht Abschaffung des Holz- Wuchers. Regierungsseitig wird geantwortet: Der Holzan- und verkauf soll organisiert werden. Die Ernennung eines besonderen Kom­missars werde erwogen. Es folgt die Fort­setzung der zweiten Beratung des Haushalts des Reichsminlsteriums des Innern. Abg. Frau Zietz (U. Soz.): Die Rede des Mi­nisters Koch bedeutet eine scharfe Kampfansage gegen uns. Der Jugendwohlfahrtspflege der Regierung bringen wir das größte Mißtrauen ent­gegen. Die Jugendzeitungen der Unabhängigen und Kommunisten sind verboten worden, trotzdem diese das Mittel gegen die Schundliteratur sind. Der Kinopest kann man beikommen nur mit der Kommunalisierung. Es soll eine Vereinbarung bestehen, Unabhängige im Staatsdienst nicht zu verwenden. Minister Noske behauptet, es gebe nur noch 22 Schutzhäftlinge. Ich stelle fest, daß das die Unwahrheit ist. Die Verzweiflung treibt die Schutzhäftlinge zum Hungerstreik. Die mili­tärische Polizeitruppe widerspricht dem Friedens- Vertrag. Abg. Dr. M u m m (D.-Ntl.) kommt auf die Anftage der Abg. Frau Pfülf zurück wegen der Willenserklärung der Erzieher bei der Teil­nahme am Religionsunterricht, der ordentlicher Gegenstand des Unterrichts ist. Nach dem klaren Wortlaut der Verfassung kann doch eine ausdrück­liche Erklärung der Erzieher nur dann verlangt werden, wenn die Teilnahme am Religionsunter­richt nicht gewünscht wird. Minister Dr. Koch: Wir alle wünschen, daß der klare Wille der Eltern ffestgestellt wird. Der Weg dieser Feststellung soll gefunden werden im Einvernehmen mit den Lan­desregierungen. Die Pflege der Kriegergräber soll würdig, wenn auch einfach durchgeführt wer­den. Den Antrag der U. S. P. auf eine allge­meine Sozialisierung des Heilwesens bitte ich ab--

zulehnen. Die Zeitungsverbote, von denen ge# sprachen wurde, fallen unter den Belagerungszu­stand. Arbeiterräte, die sich an die Stelle der Re- gierung setzen wollen, müssen verschwinden. Mein« Rede war keine Kampfansage an die Arbeiters Minister Noske: Das Verbot der Jugendzeis tungen ist erfolgt wegen eines Inserats mit des Ueberschrift: Der Staat als Mörder. In Bers liner Krankenhäusern kann heute nicht operiert werden, weil die Genossen der Frau Zietz dir Kraftwerke lahmlegen. (Lärm, Zurufe, Ords nungsruf an den Abg. Geyer.) Ich hoffe di« Kraftwerke in Gang zu bringen, auch das in Bit- terfeld. Wer weiter den Versuch macht, lebens­wichtige Betriebe zu stören, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft werden. _ (Bravo!) Außerdem werden die, die solches versuchen, mit größter Beschleunigung hinter Schloß und Riegek gesetzt werden. Ich werde Leben und Gesundheit so vieler Tausender zu schützen wissen. (Starkes Beifall, Lärm bei den Unabhängigen.) Abg. Frais Zietz (U. Soz.): An dem Metallarbeiterftreit sind die polizeilichen Maßnahmen schuld. Des Ausbau der Streikbrecherorganisation wird von Noske betrieben. Wenn Noske weiter das Recht mit Füßen tritt und Gefängnisstrafen androht, warum läßt er nicht schießen? Minister N o s k ey Gewalttaten sind von der Regierung lediglich ab­gewehrt worden. (Lärm bei den U. S. Beifall.) Daran wird die Regierung unter allen Umständen festhalten. Jeder Versuch dieser Tage, einen Um­sturz in Ihrem Sinne (zu den U. S.) zu machen, wird entschlossene Gegnerschaft finden. Herr Henke wird das Loch finden, wo er seine Haut in Sicherheit bringen wird. (Zwischenruf des Abg, Henke, der zur Ordnung gerufen wird.) Das Koa­litionsrecht der Arbeiter wird von uns nicht ange­tastet; aber in Berlin handelt es sich darum, daß versucht wird, hunderttaMnde von Arbeitern^^ den Streik zu treiben, die weder Streik- noch Ar­beitslosenunterstützung zu erwarten haben. Da­runter zu leiden haben die Arbeiter und armen Teufel. Das Maß der Nichtswürdigkeiten und Schamlosigkeiten, das von den Anhängern derj Frau Zietz seit Monaten gegen Andersdenkende geübt worden ist, übertrifft tausendfach das, was jemals unter dem alten Regime von mir und meinen Freunden gegeißelt worden ist. Von die-^ sem Druck befreit zu werden, danach lechzen viele, und wir werden ihnen helfen. Ich habe dem Ber­liner Magistrat befohlen, Sorge zu tragen, daß die Betriebe in Gang gehalten werden. Der von mir eingeleitete Apparat der Nothilfe verspricht solche Leistungen, daß der Berliner Bevölkerung schwere Schäden in ihrer Existenz erspart bleiben dürfte. (Lebh. Beifall, Lärm bei den U. S.) Abg. Dr. Geyer- Sachsen (U. Soz.): Noske nimmt die Hilfe der Entente gegen die deutschen Arbeitei! in Anspruch. (Gelächter.) Auf seine schamlosen Provokationen gehe ich nicht ein. (Ordnungsrufs Mnister Noske: Nachdem Herr Geyer vom Leipziger Bürgermeister 100 000 Mark erpreßt hatte, verschwand er, sobald die Truppen ein­rückten. (Unruhe bei den U. S.) Abg. Krue­ger- Potsdam (Soz.): Die Arbeiterschaft hat den Metallarbeiterstceik als einen Lohnstreik ge­billigt. Es sind aber dann andere Sachen hinein­getragen worden. Sympathiestreiks mürben ver­langt, die den Streikenden nichts nutzen, aber die Gesamtbevölkerung schwer schädigen würden. Die Mehrzahl der Arbeiter ist mit der Nothilse durch­aus einverstanden. (Beifall bei der Mehrheit, Lärm bei den 11. S.) Nach weiteren teilweise sehr erregten Auseinandersetzungen der Abgg, Frau Zietz (U. S.), welche dem Abg. Krueger- Potsdam Lüge vorwirft (Ordnungsruf), Lau­kant (U. S.), Krueger-Potsdam (Soz.), Hart- mann-Berlin (Dem.) und Henke (U. Soz.) schließt dieser Teil der Aussprache. Eine Reihe von Titeln des Haushalts wird ohne erheblich, Debatte angenommen. Hierbei bemerkt Minister Koch, daß ein Reichsauswanderungsgesetz vorbe­reitet wird, das besonders auch dem wucherischen Geschäftsgeist entgegentreten soll, der sich auch hier bereits bemerkbar macht. Abg. Kunert (11. Soz.) begründet den Antrag Agnes (U. Soz.) auf Sozialisierung des Heilwesens. Minister Koch: Die Vorsorge gegen Tuberkulose und an­dere Krankheiten liegt schon in den Händen des Staates. Die Uebernahme der Apotheken aus privaten Händen ist im Koinmunalisierungsgesetz bereits vorgesehen. Ein besonderes Ministerium zu errichten enipfiehlt sich nicht. Der Antrag Agnes wird abgelehnt, der Rest des Haushalts angenommen. Es folgt der Haushalt des ReichS- arbeitsministeriums. Abg. Hoch (Soz.) berich­tet über die Ausschußverhandlungen. Abg. Frau Dr. Lüders (Dem) wünscht Kare Bestimmun­gen über die Zulassung der weiblichen Arbeiter zu den Arbeitervertretungen. Die Heimarbeit und die Wohnungsfrage sind Themas, die ohne Mit» arbeit der Frau nickt zu lösen sind.