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Ei«rLck«ngsgebübr:Die8gesp.Kolonelzeileod. deren Raum 40 Pfg., die Sgesp. Zeile i. Reklame- teil 1.50 Mk., 25°/o Teuerungszuschl. Offertgebühr 25 Pfg. Bezugspreis: Bierteliährlich 4.20 9Jit, monatl. 1.40 Mk.. für Postbezug vierteljährl. 4.2Ö Mark» monatl. 1.40 Rik. Die Nummer 10 Hsg.
Po^scheck-Kouto Nr. 26659. Frankfurt a. M.
General-Anzeiger
AmMches Organ für StaSt- «nd Landkreis Sam
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und feiertags
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Ar. 243
Freilag den 17. Oktober
1918
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Die Antworlnote.
Nun ist die Erwiderung auf die Anzapfungen der Entente abgegangen. Manche Kreise haben erwartet, daß man Hohn mit Hohn vergolten, der Entente der schreiende Widerspruch in ihrem Verhalten unter die Nase gerieben worden wäre. Im Mai hat fie ausdrücklich verboten, die Truppen aus Baltenland zurückzuziehen, unter der Begründung, daß ihr Abzug ein Vordringen der bolschewistischen Roten Armee nach Westen erleichtern könne. Und dann wurde es auf einmal zu einem Verbrechen am Weltfrieden gestempelt, daß die Truppen dort bleiben wollten. Und dabei geben dieselben Leute, die einen so totalen Mei- nungSwechsel vollzogen haben, vor, daß noch immer der Kampf gegen den Bolschewismus für sie leitender Grundsatz ihrer Politik geblieben sei!
Ob man solchen bösen Willen nun entwaffnen wird durch den Hinweis darauf, daß der Teil der baltischen Legion, der überhaupt noch den Befehlen der deutschen Regierung gehorcht, jetzt seine Räumung Lettlands zu bew ertft eiligen im Begriffe steht, der andere aber durch seinen Ueber- tritt in russische Dienste der deutschen Kommando- gewalt endgültig entrückt ist? Und als russische Soldaten streiten sie doch wider den Bolschewismus, was angeblich eia Ziel der Ententewünsche ist!
Dieser Uebertcitt in das russische Heer des Generals Awalow-Bermondts gefällt ja auch uns nicht, und die Reichsregierung macht kein Hehl, daß sie es gleichfalls mißbilligt. Awalow hat nicht allein den Kampf gegen die Rote Armee, sondern auch den gegen die Letten auf seine Fahne geschrieben, um daS Baltenland wieder der großrussischen Herrschaft zu unterwerfen, also Deutschland um die letzte Frucht des Krieges zu bringen, die ihm noch aus dem großen Schiffbruche geviie-, den war. Mr hätten da Ueber ein freies Kurland gesehen, in dem die eingesessenen Deutsch- bürtigen wieder daS Herrschervolk geworden waren, das sie % Jahrtausend hindurch darge- stellt hatten. Aber ist daS nicht zu verwirklichen, so erscheint uns ein freies Kurland, in dem die Letten als DolkSmehrheit die Oberhand haben, immer noch erstrebenswerter als die Wiederhec- fiellung der russischen Oberhoheit. Wir haben genug an den Erfahrungen von 1914, an den damaligen Vorbereitungen eines verheerenden Ein- bruches in Ostpreußen, für den lange vorher Helfershelfer mit dem rollenden Rubel erkauft waren. Und wenn auch die Entente keine Wiederkehr dec russischen Herrschaft wünscht, so wird dieses Ziel uns dadurch nicht verleidet: wir haben nicht den beschränkten Horizont der Leute, die alle Politik auf einen ewigen Engländerhaß einstellen möch- tm. Und doppelt tadeln wir die Verleugnung ihres deutschen Vaterlandes durch jene Ueber- lâufer, die sich heute unter ein russisches Kommando gestellt und ihr Reichs bürgerrecht aufge- geben haben.
Wenn eine Ententekommission kommen und diese Leute zu einer Aenderung ihrer Gesinnung überreden wird, dürfen wir ihr für ihre Tätigkeit in unserem eigenen Interesse dankbar sein. Gelingt es ihr nicht, so wird sie ja wohl daheim der Wahrheit gemäß berichten, daß eine Einwirkung auf die Ueberläufer auch die Kraft einer mit der Erfüllung ihrer Vertragspflichten es ehrlich meinenden deutschen Regierung überschreite.
Zur Annäherung.
DDP. Berlin, 17. Oktbr.
. Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministe Rum zwischen Metall industriellen und den Metall arbeitern, die gestern unter dem Vorsitz des Geheimrats Kitzler begannen, haben zu einer Annäherung geführt. Von beiden Parteien wurde ausgeführt, daß man sich nicht völlig auf den Boden des vom Reichsarbeitsministerium ^machten Vermittlungsvorschlages stellen könne, ^ad) teilweise gesonderten Besprechungen wurde eine neue Verhandlungsgrundlage in Aussicht genommen. Beide Parteien werden heute abend 6 Uhr im Reichsarbeitsministerium ihre endgültige Stellungnahme dazu mitteilen. Jedenfalls dürsten die Verhandlungen, wie der „Lo- lalanzeiger" schreibt, am Samstag wieder ausgenommen werden.
Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch.
--- Berlin, 17. Oktbr.
Die Veröffentlichung der deutschen amtlichen Dokumente zum Kriesausbruch steht unmittelbar bevor. Die Drucklegung des umfangreichen Werkes hat bereits begonnen. Die Sammlung wirb demnächst unter dem Titel „Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch" erscheinen.
Die erste öffenMche Sitzung des Anlersuchungsausschusses.
- -- Berlin, 17. Oktbr.
Am nächsten Dienstag und Mittwoch wird die erste öffentliche Sitzung des Untersuchungs- ausschuffes der Nationalversammlung stattfinden. Zunächst wird man sich mit dem gescheiterten Friedensangebote Wilsons vom Januar 1917 beschäftigen. Als Zeuge in dieser Angelegenheit wird der ehemalige deutsche Botschafter in Washington Graf Bernstorff vernommen werden.
Gegen den poMischen Amsturz.
- -- Berlin, 17. Oktbr.
Eine Massen«ersammlung der Dessauer Eisenbahner faßte eine Entschließung gegen den politischen Umsturz und die Streikbewegung. Man erwarte von der Regierung gegebenenfalls Schutz und Sicherung des Dienstes.
Die Abstimmung in Schlesmig.
DDP. Flensburg, 17. Oktbr.
Man wird mit der Bestimmung zu rechnen haben, daß die stimmberechtigten deutschen Heeresangehörigen nicht in Uniform zur Abstimmung erscheinen dürfen. Dadurch wird vermutlich vielen die Teilnahme an der Abstimmung unmöglich gemacht werden, da fie nicht im Besitze eines Zivilanzuges sind. Diese Maßnahme ist ein Verstoß gegen den Friedeysvertrag, der ausdrücklich bestimmt, daß den Militärpersonen Gelegenheit gegeben werben soll, an der Absttmmung teilzunehmen.
Die bolschewistische Gefahr in Amerika.
DDP. Berlin, 17. Oktober.
Wie der „Deutschen Allgemeinen Zeitung"
aus Washington gemeldet wird, beschäftigt sich die amerikanische Presse lebhaft mit der zunehmenden bolschewistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten. Dasselbe Thema hat auch den Senator Pinkerton zur Einbringung einer Resolutton veranlaßt, in der der Eeneralstaats- anwalt auf die bestehende Bewegung aufmerksam gemacht wird. Pinkerton führt die zunehmende Zahl der Streiks auf eine bolschewistische Bewegung zurück und sagte, daß man dadurch den Kommunismus in den Vereinigten Staaten einführen wolle.
Die Reichsoerficherungsanftall für Angestellte.
SSS Berlin, 17. Oktober.
Laut „Lokalanzeiger" schließt die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte ihre Jahresrechnung für 1918 mit einem Fehlbettag von 44 388 093 Mk. ab. Dieser Fehlbetrag ist auf Kursverluste zurückzuführen. Das Eesamtver- mögen der Reichsverficherungsanstalt für Angestellte bettägt gegenwärtig 840 Millionen Mark.
Verschwendung für beulsche Rechnung.
W. Berlin, 17. Oktbr.
Im Haushaltsausschuß der Nationalversammlung teilte Reichsminister Dr. Mayer mit, daß voraussichtlich in der Mitte der nächsten Woche zwei Ueber- wachung 8 au Ssch ü sse der Allierten in Berlin eintreffen werden. Die ungeheure Zahl von Zimmern und Geschäftsräumen, die von den Ausschüssen gefordert werden, legten der Regierung zunächst nahe, für diesen Zweck Schlösser in Aussicht zu nehmen. Diese Absicht habe sich aber als nu- durchführbar erwiesen und es feien nunmehr die Hotels „Kaiserhof", „Edenhotel", „Carltonhotel", Hotel „Saxonia" nnb ferner die militärtechnrsche Akademie zur Unterbringung in Aussicht genommen. Die Bemühungen der Regierung,' den Umfang der Ausschüsse herabzusctzen, feien erfolglos geblieben. Insgesamt werden schätzungweffe die K o st e n der Unterhaltung der Gesamten Besatzungsarmcc der Alliierten 21/a bis 3 Milliarden Mark jährlich betragen. Die Mitteilung des 'Dhnifterë ruft in dem Ausschuß allgemeine Entrüstung hervor. Der Minister betont die ungeheure Last dieser Kosten für das Deutsche Reich und bemerkt, daß dieses Vorgehen eine bedauerliche Absaugung deutscher Kapitalkraft" barftcllt. Der Berichterstatter Abg. Stückle» tSoz.) erklärt, daß man mit der Deckung so unge- hen eie Summen nicht hätte rechnen können. Lie Ansprüche der Entente gingen in diese Hmpcht weit ü b e r d a s M a ß d e r B i l I i g k e i t hinaus. Solche Bedingungen müssten den Ruin Deutschlands zur golge haben. Wetter weist der Berichterstatter auf die große Hotelnor in Berlin hin, die sich durch das Ausscheiden der vier Hotels noch verschärfen wird. In Anschluß daran wies Abg. Falk (Denn) auf das anmaßende Verhalten den Soldaten und Lffizicre im besetzten Gebiet hin. Es werde für deutsche Rechnung Cnt ungeheure Verschwendung getrieben.
Die Frankfurter Eisenbahner und die Staatsregierung.
WB. Frankfurt a. M., 16. Oktober.
Im Eisenbahndirekttonsgebäude fand heute unter Vorsitz des Unterstaatssekretärs Graef eine Konferenz statt, die sich mit der jüngsten Eisenbahnerdemonstratton befaßte, in der Graef die Erklärung abgab, daß die Staatsregierung die Forderung der Eisenbahnervettreter auf Zulassung des Verkehr.ausschusses zu den Präsidralfitzungen der einzelnen Direttionen beschlossen habe. Die Mitglieder des Verkehrs- ausschuffes ließen ihre Forderuug nach dem Rücktritt des Eisenbahnpräsidenten Stapf und anderer DireMonsmitglieder fallen.
Die Ausstandsbewegung.
- -- Berlin, 17. Oktober.
Der Streik der Berliner Bürohilfskräfte ist im Abflauen. Die Streikenden werden, wie angenommen wird, die Abeit heute in großer Anzahl wieder aufnehmen. — In Neucölln traten die Friedhofsarb eiter in einen Sympathiestreik zugunsten der Bürohilfskräste des Magistrats ein. Infolgedessen konnten Mittwoch' und Donnerstag die angesetzten Beerdigungen nicht stattfinden. — Der „Lokalanzeiger" und das „Berliner Tageblatt", die gestern wegen des Maschinisten- und Heizerstreiks nicht gedruckt werden konnten, sind heute wieder erschienen.
Zur Räumung des BaMkums.
Die deutsche Antwortnote.
WB. Berlin, 16. Oktbr.
Dem Vertreter Fochs wurde folgende Note übergeben :
. LAZ.Mert.en und affoziierteu Regierungen ließen die deutsche Regierung erstmalig in ihrer Mitteilung vom 18. Juni zur Räumung des Baltikums und Litauens auffordern, nachdem sie noch im Mai ausdrücklich verlangt, und ungeachtet des Protestes der der deutschen Regierung darauf bestanden hatten, daß die deutschen Truppen von dort nicht zurückgezogen werden sollten. Seitdem war die deutsche Negierung unablässig und ernsthaft bemüht, die Zurückziehung der Truppen durchzuführen. Cie wandte alle ihr zu Gebote stehenden Mittel an, um den Widerstand der Truppenteile zu brechen, die sich um das ihnen von der lettischen Regierung versprochene Einbürgerungsrecht und die erhoffte Änsicdclungsmöglichkcit gebracht sahen. Sie sperrte schließlich den widersätzlichen Truppen Sold, Proviant und die sonstigen Zufuhren und entzog ihnen sogar die bereits erworbenen Ansprüche auf spätere Versorgung. Sie traf Maßregeln, um jeden etwaigen Versuch von Munition?- und Mannschaftsnachschüben zu unterbinden, sperrte zn diesem Zwecke den gesamten Personenverkehr nach dem Baltikum und ordnete die Uebermachung aller Grenzstationen an. Dies alles zeigt, daß die deutsche Regierung keine Veranlassung gab, so einschneidende Maßnahmen zu ergreifen, wie sie in den Noten der alliierten und assoziierten Regierungen vorgesehen sind. Die deutsche Regierung lehnte cs auch nicht ab, den General v. d. Goltz aus dem Baltikum abzuberufen, sie wies lediglich darauf hin, daß es sich dabei um eine innere deutsche Angelegenheit handele. Tatsächlich wurde General V. d. Boltz damals abberufen. Erst bald nach seiner Abreise erfolgte die Meuterei der Eisernen Division und veranlaßte ihn, aus eigenem Entschluß nach Mitau zurückzukehren. Diese vorübergehende Rückkehr wurde auch nur deshalb geduldet, weil v. d. Goltz noch am ehesten den unzufriedenen Truppen gegenüber genügende Autorität zu haben schien, um sie zur Befolgung des Abmarschbefehls zu bestimmen. Ein Teil der Truppen folgte denn auch damals seinen Anordnungen. Als auch sein Einfluß zu versagen begann, wurde v. d. Goltz endgültig ab- berufett und nach Berlin befohlen. Inzwischen hat General V. Eberhardt als sein Nachfolger den Befehl übernommen. Die deutsche Regierung hat keine neue Regierung in jenen Gebieten anerkannt, noch mit einer solchen irgendwelche Verbindung. Siechat den deutschen Soldaten strengstens verboten, in russische Formationen einzutreten und hat mit denjenigen, die es trotzdem taten, jede Verbindung abgebrochen. Es befindet sich bei den russischen Kampftruppen im Baltikum kein einziger deutscher Soldat, über den die deutsche Regierung noch Bctthlsgewalt auSüben könnte. An der Offensive deS Generals Bermondt sind keine einem deutschen Kommando unterstehend« Truppen bettiligt. Die politischen und militärischen Pläne des Generals Awalow-Bermoudt werden in keiner Weise gebilligt. Deutschland hegt weder gegen das lettländische noch gegen das russische Volk irgendwelche kriegerischen Absichten. Die deutsche Regierung nimmt gern Kenntnis, daß die alliierten und assoziierten Regierunaen eine interalliierte Kommission nach den baltischen Provinzen entsenden mollcii. Sie bittet, diese Kommission sobald als möglich abreisen und zur Besprechung mit den hiesigen Stellen einen kurzen Aufenthalt in Berlin nehmen zu lassen. Die Kommission wirs sich durch eigenes Urteil überzeugen, daß die gegen die be"t;dK Regierung erhobenen Vorwürfe nicht aufrecht erhalten werden können.
v. d. Goltz an die Soldaten.
DDP. Mitau, 17. Oktober.
General V. d. Goltz richtete einen Aufruf an die Soldaten des ebewaliaen & Reiervc-Armeelorvt in
der russischen Westarmer, worin er ihnen für ibn Heldentaten vor Riga dankt, welch« er mi^ Stolz verfolgt habe und worin et mitteilt, ba& wenn er auch von der Reichsregierung seiner Stetig als kommandierender General beS 6. Reservekorps ent» setzt sei, er doch mit allen Kräften bemüht sein werde, für seine alten Soldaten zu sorgen. In einem Schreiben an den Obersten Awalow beglückwünschte er diesen zu dem Erfolge vor Riga. Die „Soff. Ztg." bemerkt dazu, dieser Glückwunsch an den russischen Kommandierenden, der ein politisches Bekenntnis ist, rechtfertigt den Gedanken, General v. d. Goltz teerig besser schon viel früher zurückberufen werden.
Kleine Nachrichten.
Scheiden auS dem Amte. Am 1. Jannan 1920 wird laut „Deutscher Allgemeiner Zeitung" her Präsident des Reichsgerichts Freiherr von Seckendorfs aus dem Amte scheiden.
Rcichsverband deutscher Handwerker. Gestern erfolgte in Hannover auf der Tagung des deutsche» Handwerker- und Gewerbetages die Gründung des Reichsverbandes deutscher Handwerker.
Die Bewegung der Landwirte. In eine, Versammlung von Sertreiern deS pommerschen Landbundes und deS Bundes der Landwirte wurden gestern in Stettin die Richtlinien bekannt gegeben, unter denen fortan das Zusammenarbeiten dieser beiden Vereinigungen in der Provinz stattfinben soll.
Jukeratenstruer. Im Umsatzsteuerausschuß bet Nationalversammlung wurde die Jnleratensteuer mit allen gegen die Stimmen der Unabhängigen angenommen. Es wurde hervorgehoben, daß der Gedanke einer Differenzierung der Steuer einen ihrer Haupt- vorteile, die Einfachheit, beeinträchtige.
Neuwahlen zum bayerischen Landtag. El ist nunmehr mit Sicherhest für das nächste Spätftüh- jahr auf Neuwahlen zum Landtag zu rechnen. Zu den Winteraufgabeu des Landtages wird ein neues Landtagswahlrecht zu schaffe«.
Preußische Landesversammlung.
(66. Sitzung vom IH. OktoberX
Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um 12.20Uhr.
Zur zweiten Beratung steht der Haushalt der F o r st- Verwaltung.
Abg. Dr. Schloßmann (Dem.) forbert in einem Antrag seiner Pattei die unverzügliche Vorlegung eines Notgesetze?, das Rodungen und Abholzungen in Privat- forsten von der Genehmigung des Regierungspräfi. dcnten abhängig macht und Forsten von über fünfzehn Hektar Umfang der staatlichen Oberaufsicht unterstellt. Äbg. Freymuth (Soz.): Bei dem Forsthaushalt haben wir erfreulicherweise einen Ueberschuß von 175 Millionen Mark. Eine günstige Fortentwicklung unserer Forstverwaltung wird nur dann gesichert sein, wenn eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beamten stattfindet. Die Pensionierung der mehr als 65jährige« Förster ist notwendig. Mtt den Forstarbeiter-: sollte die Verwaltung Tanfverttäge abschließen. Wir for« bern die staatliche Oberaufsicht über mehr als 5 Hektar. Mit dieser Aenderung empfehlen wir die Anträge zur Annahme. Abg. R h i e l (Ztt.): Unsere Forstverwaltung wird bemüht sein müffen, den Kohlenmaiigel durch Abgabe von Brennholz zu mildern. Redner tritt eben, falls für die Forstbeamten und Arbeiter ein. Abg. Neumann (Deutsch-Nat.): Wir bedauern sehr, daß unsere Anträge auf Gehaltserhöhung für die Forstbeamten an dem Widerstände des Fmaiizministers tm Ausschüsse gescheitert sind. Zur Hebung der Jagd muß alles geschehen, damit die Erträge mehr Bedeutung für die Volksernährung gewinnen. Abg. K l a r ß n e r (U. S.) klagt über die dauernde Steigerung der Holzpreise. Abg. Kopsch (Dem.) bemängelt bie An- stellnngsverhältnisse der Forstbeamten. Abholzuuge« werden in stärkerem Umfange nötig sein. Zum vermehrten Einschlag müssen auch die Besitzer der Pnvat- forften angehalten werben. Es gibt immer noch Forst- beamte, die das Holz lieber verfaule» lassen, als cs den armen Leuten zukommen zu lassen. Die Zukunft der Beamten in den besetzten Gebieten muß sichergestellt werden. Der Wilddieberei muß die Regierung mit allen Mitteln Einhalt gebieten. Munster Braun: Wir beteiligen die Forstbeamteu jetzt regelmäßig am Ertrage des Abschlusses. Die AufwandSeutschäSlgung werden wir erhöben, die Ansicllnngsverhältnisse bessern« Die Zukunft der Beamten in den abzutretcuden Gebieten werden wir sicherstellen, die Verhältnisse der Waldarbeiter haben wir durch den Abschluß von Tarif- Verträgen zu bessern gesucht. Natürlich ist auch eine Erhöhung der Holzpreise eingetreten, doch werden wir bemüht sein, die Holzpreise auf erträglicher Höhe zu halten. Den Koylenmangel können wir leider durch Holz nicht ausgleichen. Eine Staatsaufsicht auch über die Privatforsten ist nötig. Ein entsprechendes Gesetz stelle ich in Aussicht. Abg. H e l d (Deutsch-Nat.): Durch den Friedensschluß verlieren wir 800 000 Quadratmeter Wald, von den drei Millionen, bte wir haben. Wir müssen also den Restbestand schonender behandeln. Die Privatsörster werden vielfach erbarm* lieb gelöhnt. — Der Forsthaushalt wird angenommen, ebenso eine Reihe zugehöriger Äusschußanträge betr. die Abgabe von Holz an die Bäckereien, die Aiiftclluugs- verhällniffe der Beamten, die Privatförster und den vermehrten Wildabnimß. Die Anträge betr. die staatS- aussicht über die Privatforsten gehen an den Siede- lungSausschuß. — Es folgt der Haushalt der Gestüts- vcrivaltuug. Abg. Graf v. Kanitz (Deutsch-^cat.) $ Wir müssen alles tun, um die Pferdezucht wieder zu heben. Wir sollten nicht Kaltblüter, sondern Warmblüter zückten. Wir brauchen für unsere Landwut» schäft kräftige und zugleich bewegliche Pferde. •— Freitag 12 Uhr Fortsetzung: Domänen unb wirtkckaltshausdaly,