Einzelbild herunterladen
 

Innauer K Anzeiger

Ei«rückungsgebühr:Die8gesp.KoloneIzeileod. deren Raum 40 Pfg die 4gesp. Zeile i. Reklame- teil 1.50 Mk 25°lo Teuerungszuschl. Oyertgebiihr «Pfg. Bezugspreis: Vierteljährlich 4.20 Mk monatl. 1.40 Mk für Postbezug Vierteljahr!. 4.20 Mark monatl. 1.40 Mk. Die Nummer 10 Pfg. Postscheck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stabt- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag»

®

QE3®

Nr. 242

Donnerslag den 16. Oktober

Verlagsleitung: Ad. JndermSH Verantwortlich: für politische« und aU£ Teil G. Schrecker- für lokalen und vrov Teil sowie Sport W. Moritz: für Anze

le.

gern;

provinril Anzeigen

Reklamen A. Brodt. alle in Hanau a. 1 Rotationsdruckd.Waifenhausbuchdruckerm H<

Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

1919

W

Deutsche zwischen Polen und Tschechen.

Die Bewohner des Herzogtums Teschen und hes Ostrauer Kohlengebietes werden durch Volks- ilbstimmung darüber zu entscheiden haben, ob sie tzem neuen polnischen oder dem neuen tschechischen Staat angegliedert werden wollen. In diesem Ge­biet wohnen 247 000 Polen (45 Prozent), 168 000 Tschechen (30 Prozent) und 120 000 Deutsche (25 Prozent). Die Entscheidung liegt bei den Deutschen, die vor einer schwierigen Lage setzen. Sollen sie für den polnischen oder für den tschechischen Staat stimmen?

Soweit wir berichtet sind, haben inzwischen die Leiter der Deutschen Stellung genommen und be­schlossen, die Deutschen aufzufordern, ihre Stim­men für die Angliederung an den Tschechenstaat abzugeben. Gewichtige Gründe sprechen dafür. Zwar suchen die Tschechen mindestens ebenso ge­waltsam zu tschechisieren wie die Polen zu polni- [ieren. Indessen finden die Deutschen im Tsche­chenstaat einen festen Rückhalt an dessen drei Mil­lionen deutschen Bewohnern. Eine so starke deut­sche Minderheit bildet einen geschlossenen deut­schen Block und kann unmöglich tschechisiett wer­den, hat vielmehr gute Aussicht, sich volle Gleich­berechtigung zu erkämpfen.

Vom reichsdeutschen Standpuntt aus ist diese Haltung der deutschen Bevölkerung des Herzog­tums Tschechen zu billigen. Denn sollte, was Sott verhüte, auch Oberschlesien von Deutschland losgelöst werden, so würde das ganze obecschle- fsch-ostmährisch-schlestsch-polnische Kohlengebiet unter polnische Herrschaft geraten und im östlichen Mitteleuropa eine Art von Kohlenmonopol erlan­gen, das wirtschaftlich und politisch mißbraucht

keines der benachbarten Länder erwünscht. Im übrigen halten die Tschechen die Kohlenbezirke des Herzogtums Teschen bereits besetzt.

Im Widerspruch mit diesen Mitteilungen will der KrakauerKurjer Codzienny" aus Teschen erfahren haben, daß die schlesischen Deutschen unter stillschweigender Zustimmung der Tschechen eine Neutralisierung des Teschener Schlesiens fieberhaft erstrebten. In den letzten Tagen soll den Ententemissionen in Teschen, Ostrau und Wien von den Deutschen vertraulich berichtet wor­den sein, daß eine Volksabstimmung im Kacwitter Kohlenrevier zum Blutvergießen sowie zur völli­gen Vernichtung der Kohlenproduktion führen könnte, was für Mitteleuropa eine Katastrophe bedeuten würde. Mit dem Ergebnis der Abstim- inmlg würden weder die Tschechen noch die Polen einverstanden sein. Darum müsse das schlesische Kohlengebiet mit dem Mährisch-Ostrauer Bezirk unter amerikanische Verwaltung gestellt werden. Die Verteilung der Kohle würde in d,en Händen einer besonderen Kommission ruhen. Die Deut­schen rechneten damit, daß einzelne Ententemis- ßonön sowie die Tschechen in Besorgnis vor den Polen diesen Plan, der durchaus nicht leicht zu nehmen sei, unterstützen würden. Der stärffte Be- iveisgrund in den Händen der Deutschen sei die Besorgnis vor einer Kohlenkatastrophe im Winter, die unberechenbare Ereignisse nach sich ziehen könnte.

Bei dieser polnischen Meldung scheint die Furcht vor einem für Polen ungünstigen Ausfall der Volksabstimmung der Vater des Gedankens zu sein.

Neue überra-ikale Organisation.

DDP. Berlin, 16. Oktbr.

, Den kommunistischen Organisationen ist seit einigen Wochen ein neuer Gegner erwachsen, der sich links von den Kommunisten gestellt hat. Es ist die Allgemeine Arbeiterunion, die nur ein Teil des Verbandes der industriellen Arbei­ter der Welt (Jndustttal-Workers of the World, daher die offizielle Bezeichnung J. W. W.) fein will. Die neue überradikale Organisation be- zwecht, die revolutionär gesinnten Arbeiter aus 'hren bisherigen gewerkschaftlichen Verbänden herguszuholen und durch Betriebsorganisationen neu zusammenzuschlietzen. Die I. W. W. hat, wie dieGermania" meldet, durch ihre anarchistisch-syndikalistische Agitation in einzel­nen Teilen der kommunistischen Pattei Abbruch getan, sodaß die Kommunisten. Heute bereits in eine Abwehrstellung gedrängt seien.

Die Beschaffungsbeihilfe in Reffen.

WB. Darmstadt, 15. Oktober.

Die hessische Volkskammer bewilligte heute eine abermalige Beschaffungsbeihilfe für Staats­beamte und Angestellte in der Höhe von 600 bis 1000 Mark, außerdem Kinderzulagen, die den Etat mit etwa 12 Millionen Mark belasten, und im Weae der Anleihe amaebrackt werden sollen.

Die Erfassung ösr Steuerscheusu.

Sachverständigenurteile im Reichsabgaben- ausschuß.

Im Ausschuß der Nationalversammlung für die Reichsabgabenordnung wurde Montag abend eine freie Aussprache abgehalten mit Vertretern der preußischen Oberverwaltungsgecichte, der Rechtsanwaltschaft und der Steuerrechtswissen- schaft. Aus diesen Kreisen war eine Reihe von Vorschlägen zur Abänderung der Vorlage aufge­stellt worden. Ein Vertreter der Rechtsanwalt­schaft äußerte Bedenken dagegen, daß nach § 4 bei Auslegung der Steuergesetze auch der durch die Entwicklung begründete Wandel der Dinge und Anschauungen zu berücksichtigen sei. In 8 5 sei der Begriff der Steuerumgehung durch An­wendung ungewöhnlicher Rechtsfocmen oder Rechtsgeschäfte für den Verkehr viel zu sehr ver­klausuliert. Auch über die Steuerhinterziehungen müßten klarere Bestimmungen getroffen werden. Ein Mitglied des Obecwaltungsgerichts empfahl gleichfalls eine Vereinfachung der Begriffsbestim­mungen über die Steuerumgehung und machte Vorschläge über Vereinfachung des Rechtsmittel- Verfahrens bei der Einkommen- und Vermögens­steuer.

Oberlandesgecichtsrat Becker als Vertreter des Finanzministeriums versprach eine Prüfung und Würdigung der Einwände und Vorschläge. Er legte die Gründe dar, weshalb im Steuerrecht mit dem rein zivilrechtlichen Begriff des Eigen­tums nicht auszukommen sei, sondern auch die wirtschaftlichen Merkmale berücksichtigt werden müßten. Auf die Bestimmungen des § 5 wegen Steuerumgehung müsse er den größten Wert legen. Niemand dürfe durch Mißbrauch einer Rechtsform

zu ungunM» ««iMM M Steuer ersparen. Mit dem bloßen Erfordernis, daß nicht gegen die guten Sitten verstoßen wer­den dürfe, sei nicht auszukommen.

Am Dienstag fand eine freie Aussprache statt mit Sachverständigen der Banken, Sparkassen, Ge­nossenschaften, Konsumvereine und dec beteiligten Behörden über die Auskunftspflicht der Banken durch Einreichung eines Kundenverzeichnisses. Als Vertreter des deutschen Sparkassenverbandes legte Kreiskämmerec Hannemann (Teltow) die Bedenken gegen die Verpflichtung dar, ein Kun­denverzeichnis ohne Ausnahme einzureichen und allmonatlich auf dem Laufenden zu halten. Die Zahl der kleinen Sparer mit Einlagen bis 5000 Mark sei bei weitem überwiegend, für das Reichs­notopfer kämen diese Beträge nicht in Betracht und den Sparkassen erwachse somit eine unge­heure Arbeitslast ohne jeden Nutzen. Dagegen erklärte sich der Mitinhaber der Diskontogesell- schaft Dr. Mosler gegen die Durchbcechüng der Auskunftspflicht zugunsten der Sparkassen. Bei der beantragten Ausnahme bis zu 5000 Mark könnte ein größeres Vermögen durch Verteilung auf mehrere Sparkassen der Auskunftspflicht ent­zogen werden. Als Vertreter des allgemeinen Genossenschaftsverbandes führte Assessor Dr. Meyer aus, daß den Kriegsgenossenschaften, die namentlich den Mittelstand vertreten, dieselben Schwierigkeiten erwachsen würden, wie den Spar­kassen, daß sie aber keine Privilegierung für sich beanspruchten. Ein weiterer Vertreter der Spar­kassen, Stadtrat Jursch, hielt es für genügend zur Erfassung der Sleuerdrückeberger, wenn das Kun­denverzeichnis auf die auswärtigen Kunden be­schränkt und auf ein und dieselbe Person nur ein Sparkassenbuch ausgestellt werden dürfe.

Me VrennskoffnoS.

WB. Berlin, 16. Oktober.

Die Kohlenversorgung ist infolge der Zwangs­lieferung in Brennstoffen an die Entente, welche noch bei weitem nicht in dem vorgesehenen Maße erfüllt werden können, in ein sehr ernstes Stadium getreten. Durch den seit Wochen anhaltenden Eisenbahnwagenmangel und den andauernd niedrigen Wasserstand des Rheins können in der nächsten Zeit neben den Eisenbahnen nur die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, der Hausbrand unb die allerwichtigste Lebensmittel­industrie bedient werden. Auch die Belieferung dieser volkswirtschaftlich allerwichtigsten Be­triebe kann nur in beschränktem Umfange er­folgen. Sobald eine Besserung der Lage ein­tritt, wird diese Einschränkung der Kohlenbe­lieferung sofort wieder aufgehoben werden. Es werden alle Mittel angewendet, um auch den in privaten Händen ruhenden Rheinschiffahrts­verkehr, ähnlich wie dies beider Eisenbahn ge­schieht, zu stärkerer Drosselung in der Beförderung von weniger dringlichen Gütern zu veranlassen, dadurch Schiffsraum für den Kohlenverkehr

um

frei^umacherz.

Uankee-Jvurnalismus.

Der amerikanische Journalist hat seit neun Monaten den Kriegsberichterstatter abgelöst, und er liegt seinem Gewerbe mit dem Eifer und den Ergebnisien ob, die an seinem martialischen Kol­legen zu bewundern waren. Er weiß alles. Er findet alles, was er zu finden beauftragt ist. Seine Hauptaufgabe ist, eine gutecopy" zu liefern, eine lesbare Geschichte. Fixigkeit ist ihm alles, Richtig­keit wenig oder nichts; sie kann sogar mitunter lästig sein und den Wert der Arbeit beeinträch­tigen. Wenns nötig ist, verlegt er sogar die In­sel Helgoland in den Stillen Ozean. Manchmal tut ers allerdings auch unabsichtlich, weil ers nun einmal nicht besser weiß. Eine Prachtausgabe des amerikanischen Tintenfisches haben wir neuerdings, so schreibt dieKöln. Ztg/, kennen­zulernen das Vergnügen gehabt, den ehrenwerten George Pattulio, der dieSaturday Evening Post" in Philadelphia und deren anderthalb Mil­lionen Leser über deutsche Zustände erleuchtet. In der Nummer vom 20. September erbricht er sich in spaltenlangen Ausbrüchen der Entrüstung über die Nichtswürdigkeit der Deutschen, die durchaus nicht so verhungert aussehen wollen, wie verschie­dene auswärtige Besucher sie gesehen zu haben vorgeben. Das Schieberschlemmerleben scheint er für die Regel zu halten, und eineausgezeichnete" Mahlzeit in einem Gasthaus in Frankfurt a. d. O. hält er fürsehr billig", weil sie nur acht Mark kostet, und weil die Mark zu dieser Zeit nur sieben Cent wert war! Daß die deutsche Mark für den Deutschen immer noch eine Mark bedeu­tet, auch wenn sie für den Amerikaner statt der 25 Cent von früher nur noch 7 Cent wert ist, macht Herrn Pattullo nichts aus; ihm genügt die

Feststellung, daß man in Deutschland nach ameri- lansichsiirälve billig Mn kgnn. Im Lichte dieser Frankfurts"

:er Gasthausweisheit ist die ganze Offen- zwungen, daß der Verkehrsausschuß an den T.rc^wnv

barung Pattullos gehalten. Daß er unter diesem Gesichtswinkel in dem Herrn Dr. Haase, dem sozialdemokratischen Führer", einen der fähigsten Köpfe sieht, die Deutschland in einem ganzen Menschenalter hervorgebracht hat, ist begreiflich; zu andern Zeiten hätte Mister Pattullo den Herrn Dr. Haase anders eingeschätzt.

Die Lage im Baltikum.

Die Haltung der deutschen Verbände.

--- Berlin, 16. Oktbr.

Die Lage im Baltikum gestaltet sich nach den neuesten hier eingelaufenen Nachrichten so, daß ein Teil der dort stehenden Truopenver- bände, etwa ein Drittel sich zur Rückkehr nach Deutschland bereit erklärt hat, während der größere Teil durch den lieb ertritt in russi- sch e Dienste sich den Einwirkungen der deut­schen Befehlsstellen entzogen hat. Heimkehrende Truppentransporte haben die Reichsgrenze be­reits überschritten; es handelt sich dabei vor­läufig um kleinere Einzelformationen. Die Sperrung der Grenze nach dem Baltikum ist auch für den Personenverkehr allgemein durch­geführt. Gegenüber der Nachricht, General v. d. Goltz habe sein Rücktrittsgesuch einge­reicht, um der Entente einen Vorwand für wei­tere Mißdeutungen zu entziehen, wird von zu­ständiger Stelle mitgeteilt, daß bis jetzt ein solches Gesuch nicht eingelaufen sei. Graf v. d. Goltz wird für die nächsten Tage in Berlin erwartet, nachdem an seiner Stelle General v. Eberhardt den Befehl übernommen hat.

Am Aiga.

DDP. Kopenhagen, 16. Oktbr.

Wie das hiesige lettische Pressebüro mitteilt, ist der größte Teil des lettischen Kabinetts so­wie das Präsidium des Volksrates bereits am 12. Oktober nach Riga zurückgekehrt. Dort er­scheinen wieder fast sämtliche lettischen Blätter. Wie der estnische Generalstab meldet, versuchen die Russen, Riga durch ein Umgehungsmanöver zu nehmen.

--- Berlin, 16 Oktbr. (Telegramm.)

Nach einer Meldung desBerliner Tagebl." aus Helsingfors steht ein großer Teil Rigas in Flammen. Ueber die Stadt ist dieVloüade verhängt worden.

Die Ausflandsbewegung in Berlin.

DDP. Berlin, 16. Oktober.

Da die Heizer und Maschinisten der Groß- Berliner Betriebe in den Ausstand getreten sind infolge der, wie der Verband der Heizer und Maschinisten mitteilt, ungenügenden Antwort des Reichsarbeitsministers auf das Ultimatum des Verbandes, konnten eine Reihe Berliner Blätter, darunter derLokalanzeiger", die Volkszeituna und dasBerliner Tageblatt"

heute morgen nicht erscheinen. Die Absicht der streikenden Metallarbeiter und des Verbandes der Heizer und Maschinisten, auch den Straßen­bahnverkehr lahmzulegen, ist vor allem daran gescheitert, daß eine genügende Anzahl von Facharbeitern in den städtischen Elektrizitäts­werken geblieben ist. Dadurch ist auch die Auf­rechterhaltung des Straßenbahnverkehrs gestern noch in vollem Umfange möglich gewesen. Gestern nachmittag wurde von den Ausständigen versucht, die Straßenbahnschaffner zu veranlassen, die Wagen nach dem Depot zu fahren. Einige ließen sich auch überreden, dieser Weisung zu folgen. Als sie aber hörten, daß die Elektrizitäts­versorgung gesichert sei, verblieben sie im Dienst. Auf Einladung des Reichsarbeitsministers werd m heute vormittag im Gebäude des Reichsarbeits­ministeriums Verhandlungen im M ^^arb eiter­streik stattfinden, zu denen beide ^.«utien er­scheinen werden.

Mit politischem Kintergrun-e2

vvL. Berlin, 16. Okt.

DieVoss. Ztg." schreibt zu dem Frankfurter Eisenbahnkonflikt, daß die Ereignisse in Frankfurt a. M. lediglich der Auftakt für eine Bewegung unter den Eisenbahnern in ganz Preußen zu sein scheinen, die weniger einen materiellen als einen politischen Hinter­grund hat. Die Mitglieder des VerkehrsauSschnsses, dessen Hinzuziehung zu den Präsidialsitzungen von dem Eisenbahnpräsidenten Stapf ab geleimt wurden, seien lediglich politische Vertrauensleute der unabhängigen Sozialdemokraten und der Kommunisten. Diese außen» stehenden Elemente zu den Präsidialsitzungen hinzu» ziehen, hätte nicht die geringste Veranlassung vor»

gelegen.

W Frankfurt «. M., 18. Okt.

Die Eisenbahndirektion teilt mit: Die Eisenbahn- arbeiterschaft von Frankfurt hat am 13. d. M. vom Effenbahndirektionsvräsidenten das Zuges ' 'iv^ er«

zwungen, daß der Verkehrsausjchutz an oeu ^uu.ion^ sitzungen teilnehmen solle. Wenn der Hergang in den Zeitungen so dargestellt worden ist, als ob es sich um ein Ergebnis von Verhandlungenin ruhigem Rahmen" lwndle, so liegt darin eine Irreführung der Oeffent. lichkeft. Es ist vielmehr zu lärmenden Auftritten unter gröblichen Beschimpfungen und tätlichen Be­drohungen der Person deS Präsidenten gekommen.

Der weitere Verlauf der Angelegenheft hat erwiesen, daß es sich bei der ganzen Bewegung keineswegs nur um eine Kundgebung zur Durchsetzung der erwähnten Forderung, sondern uni einen planmäßigen allgemeinen Vorstoß gegen die Eisenbahnverwaltung, um eine Machtprobe" handelt. So hat auch einer bei Redner ausdrücklich erklärt, die erste Machtprobe sei siegreich bestanden, jetzt gelte er einen neuen Vorstoß. Nur so ist eS auch verständlich, daß in der am 14. Oktober abgehaltenen Eisenbahnerversammlung außer dem Rücktritt der Direktionspräsidenten»auch der noch weiterer Beamten und der Ausschluß des Allgemeinen Eisenbahnerverbandes von der Mitarbeit verlangt wor- den ist. Damit beschreitet die Arbeiterschaft einen Weg, der notwendigerweise zu einer schwerenSchä- digung der Allgemeinheit führen muß. Dieses Vorgehen erscheint umso unverantwortlicher, als die gesetzliche Regelung der Arbeitervertretungen in den Betrieben unmittelbar bevorsteht.

3m Saargebiet.

--- Berlin, 15. Oktober.

Wie dasBerl. Tageblatt" aus Saarbrücken melbet, kam es in den dem Saargebiet benach­barten preußischen Erenzdörfern zu neuen Plün­derungen. Etwa 70 Spartakisten drangen in Hermeskeil ein und plünderten die Warenhäuser. Die Bürger und Beamten bewaffneten sich; es kam zu einem regelrechten Gefecht, bei dem zwei Bürger und zwei Plünderer getötet und mehrere verwundet wurden. Französische Truppen rückten zur Aufrechterhaltung der Ordnung in jHermes- keil ein.

Der zweite Geiselmordprozetz in München.

Das Urteil.

----- Münche«, 14. Oktober.

Das Volksgericht München verurteilte Kammer» stetter zum Tode, die übrigen drei Angeklagten Greiner, DebuS und Strelenko zu je 15 Jahren Zuchthaus.

Bestätigt und vollstreckt.

W. München, 14. Oktober.

Der Ministerrat hat das Todesurteil in dem zweiten Geiselmordprozetz gegen den Hilfsarbeiter Mois Kammcrstctter bestätigt. Das Urteil wird heut« vollstreckt.

Neue Verhaftung.

--- Berlin, 16. Oktober.

Wie demLokalauzeiger" aus Hamburg gemeldet wird, wurde in der vergangenen Nacht hier her 23jährige Bankbeaufte Georg Kugler wegen Verdacht«» der Beteiliauna am Geiselmord in Münch« verhaftet.