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Nr. 246

General-Anzeèger

AMliches Organ für ElaSl- und Landkreis Gansu

ErschÄlÄ täglich mit Ausnahme der Sonn- Md Feiertags

Dienstag den 14. Oktober

Verlaasleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemelnen Teil G. Schrecker; für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle rn Hanau a. M.

Rotationsdruck d. Waisenhausbuchdruckerei Hanau Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

1919

Die baltiiche Krise.

WB. Helfingfors, 13. Oktober.

Die lettischen Truppen halten bis jetzt das rechte Dünaufer. Estland beschloß, Lettland zu unterstützen und entsandte einen Panzerzug, der an den Gefechten teilnahm. Estnische Kriegs­fahrzeuge sind zusammen mit Kriegsschiffen der Latente nach Riga gefahren. General Judenitsch rcklärte Bermondt als Landesverräter und for­derte die Offiziere zum Abfall auf; entente- fteundliche russische Kreise und ihre Zeitungen urteilen ebenso. Unter den Offizieren und Mannschaften der Nordwestarmee scheinen hin­gegen starke Strömungen für Bermoirdt vor- hlmden zu sein, sodaß die estnische Regierung bereits unruhig ist, und eine besondere Ueber- wachung des russischen Militärs anordnete. Die Nordwestarmee meldet Fortschritte gegen Pleskau.

Mu Ultimatum Bermondts.

WB. Helfingfors, 13. Oktober.

Nach hier vorllegenden Meldungen sandte Bermondt der letttschen Regierung ein Ultimatum, in dem er eine vollständige Neuorientierung ihrer Politik verlangt. Die lettische Regierung ist nach Roderpois übergestedelt. ' Gegenwärtig ist Riga noch in lettischem Besitz. Die deutsche Kesandtschast versuchte Riga vor Beginn der Operationen zu verlaffen, wurde aber von den Letten zurückgehalten. Das letttsche Preßbüro meldet Angriffe in der Richtung Keckau-Friedrich- stadt-Oli, unter Teilnahme von Panzerzügen und Flugzeugen. Englische und französische Kriegsschiffe liegen vor Riga gefechtsbereit. Die fettige Regierung richtete ein HUfsgesuch an die Allnetten, Polen und Estland.

Mr AMmnmrrg in Schleswig.

WB. Kopenhagen, 13. Oktober.

Der Minister für Schleswig, Haussen, teilte einem Vertreter vonPolitiken" mit, daß der Friedensvecttag wahrscheinlich Mitte dieser Woche in Kraft treten werde, Md daß Deutschland zehn Tage nachher das gesamte Abstimmungsgebiet in Schleswig, also die erste und zweite Zone, ge­räumt haben müsse. Man rechne damit, daß die internationale Kommission Ende nächster Woche in Flensburg eintreffen und daß die Abstimmung in der ersten Zone Mitte November stattfinde. So­bald die Abstimmung stattgefunden habe, habe Dänemark das Recht, das Land sofort zu besetzen, obwohl es noch nicht dem dänischen Staate über- kagen sei. Selbstverständlich werde Dänemark von diesem Recht Gebrauch machen. Auch die Ab­stimmung in der zweiten Zone werde beschleunigt werden. Nach dem Friedensvecttag soll sie späte­stens fünf Wochen nach der Abstimmung in der ersten Zone stattgefunden haben, aber er könne sagen, daß sie weit ftüher abgehalten werde, d. h. also, daß beide Abstimmungen vor Weihnachten borgenommen würden. Danach werde die Kom­mission die Grenzlinie nach Süden festsetzen und sodann das gesamte Material nach Paris senden, Vo endgültig die Entscheidung getroffen werde.

DDP. Flensburg, 14. Oktober.

Anläßlich einer Kundgebung der Jugend auf dem Bremer Platz, die gelobte, dem Deutschen Reiche die Treue zu halten, ereigneten sich unliebsame Zwischeu- sällc. Einige Dänen, die in der Menge waren, darunter der Korrespondent der Kopenhagener »Politikon", reizten durch Zurufe und dadurch, daß sie bei der Entschließung die Hände nicht erhoben, die deutschgesinnten Teilnehmer, sodaß es zu Tätlichkeiten kam. Mit Stöcken drang man auf den Berichterstatter ein, der, gefolgt von einer nach Hunderten zählenden Menge, auf der Polizeiwache im Rathaus Schutz suchen mußte.

Eine LiebesgKbeMfenöung ans Amerrlm.

Berlin, 13. Oktbr.

Die ersten großen Liebesgabensendungen von kon­densierter Milch sind aus den Vereinigten Staaten hier tingettoffcn. Das Zentralkomitee vom Roten Kreuz hat von den Gebern die Weisung erhalten, zunächst unterernährten Volksschulkindern deutscher Großstädte vier bis sechs Wochen Milchkuren durch diese jetzt in rascher Folge zu erwartenden Milchgabcn zu ermög­lichen. Viele Millionen Büchsen Milch find' im Laufe des Winters zu erwarten. Alle Vorbereitungen zur Munschgemäßen schnellen Durchführung dieser amerika­nischen Ideen sind getroffen. Inzwischen sind beim Roten Kreuz die erfreulichsten brieflichen Nackrichten aus New Uork, Philadelphia, Chicago, Baltimore, St. Louis, San Francisco u>w. eiugelaufcn, die im einzelnen von der regen Liebestätigkeit der amerika­nischen Stammverwandte« und Freunde für unsere Heimat berichten. Aus den in Aussicht gestellten Stif­tungen sollen der Fülle teeren nur zwei als typisch erwähnt werden: die Unterbringung von tausend tuber­kulösen deutschen Großstadtkindem für drei bis vier Wochen in der Schweiz durch die Rew-Aorker, die Ein­kleidung von 50 000 bedürftigen deutschen Kindern durch die Franciscoer Freunde.

GèoMi zu feiJten Wahlern.

WB. Rom, 13. Oktober.

In Gronero hielt Giolitti vor seinen Wählern eine lange Rede. Er rechtfertigte seine Haltung vor und während des Krieges und schil­derte die Geschichte des Dreibundvertrages.

Er erklärte, daß es sich dabei um étn reines Defensiv-Bündnis gehandelt habe. Wenn daher einer der drei Verbündeten den Stieg heraufbe­schwor, so war der andere nicht verpflichtet, daran teilzunehmen, sondern nur eine wohlwollende NeOtcalität einzuhalten. Dieser Charakter des Bündnisses erlaubte Italien im Jahre 1914, den Krieg zu vermeiden. In dieser Beziehung er­innerte der Redneè an seine in der Kammer am 5. Dezember 1914 gehaltene Rede. Als 1914 der Krieg ausbcach, erklärte Giolitti dem italienischen Botschafter in Paris, wo er sich am 1. August be­fand, sofort seine Ansicht, daß Italien seine Neu- traTität erklären müsse. Diese Neuttalität war die eigentliche Rettung Frankreichs, welches so seine Truppen, die für die italienische Front bestimmt waren, gegen Deutschland verwenden konnte und so in der Lage war, den Sieg an der Marne vor­zubereiten. Weiterhin weist Giolitti die Anklagen zurück, die militärischen Vorbereitungen vernach­lässigt zu haben. Redner betonte, daß während der fünfmonatigen Verhandlungen, welche Son­nino nach Maßgabe des Artikels 7 des Vertrages mit Oesterreich führte, sich in Italien zwei Strö­mungen geltend machten, die eine drängte zur so- fortigen Kriegserklärung an Oesterreich, die an= dere, welche den Frieden erhalten wollte, verfocht die Opportunität, die Verhandlungen zu einer Verständigung fottzusetzen. Giolitti sagte, daß er seit den ersten fünf Monaten erklärt habe, er sei überzeugt, daß der Krieg mindestens drei Jahre dauern werde. Ferner machte er darauf aufmerk­sam, da Oesterreich großes Interesse hatte, den Krieg zu vermeiden, war eine Verständigung mit Oesterreich möglich. Da das östecreichisch-unga- rische Reich notwendigerweise verfallen mußte, wäre der italienische Gebietsteil auf friedlichem Wege an Italien gekommen. Giolitti zweifelte auch an der Widerstandskraft Rußlands während dieses langen Krieges, dessen Charakter er schon danmls dahin beurteilte, daß er einen Krieg um die Gewaltherrschaft zwischen den beiden stärksten kriegführenden Mächten bedeute, während Italien ein Interesse daran hätte, das Gleichgewicht in Europa aufcechtzuerhalten und deshalb feine Kräfte erhalten müsse. Die Anhänger des Krieges beriefen sich auf die Vergewaltigung Belgiens. Aber Italien, ebensowenig wie Amerika hätten seine Neuttalität garantiert, und Amerika inter­pellierte erst, als die Interessen seines Volkes es erforderten. Aus diesem Grunde äußerte Giolitti anläßlich des Eintrittes Amerikas in den Krieg eine gegenteilige Meinung. Giolitti fügte hinzu, daß seine Beziehungen zu Herrn von Bülow, den er schon lange kannte, sich auf einen dem Fürsten Bülow im Januar 1914 gemachten Besuch be­schränkten. Im Verlauf dieser einzigen Unter­redung wurde nichts gesagt, was auch nur die Spur von Unterhandlungen darstellen konnte. Giolitti erklärte, daß er von der Existenz des Lon­doner Paktes erst Kenntnis erhalten hätte, als er von den russrschen Revoluttonären veröffentlicht wurde. Er fügte hinzu, daß nach dem Eintritt Amerikas in den Krieg er immer im Hinblick auf den Sieg zur Einigkeit gemahnt hätte.

Er sagte, daß es Orlandos Verdienst sei, Gene­ral Cadorna durch General Diaz ersetzt zu haben. Die Wirkungen dieses Führecwechsels zeigten sich in der glorreichen Piave-Schlacht, dem Vorspiel des großen Sieges von Vittorio Veneto, der "die Niederlage der österreichischen Armee und die Ver­nichtung des Hauses Habsburg kennzeichnet. Die Bedingungen, die man Italien gemacht habe, ent­sprächen nicht diesen Siegen. Für alle italie­nischen Herzen sei die Weigerung, der alten italie­nischen Stadt Fiume das Recht des Anschlusses an das Mutterland zuzugestehen, schmerzvoll. Nach dem Redner geht die Verantwortung in dieser Frage auf das Ministerium zurück, das im Lon­doner Pakt die betrübende Bestimmung aufnehmen ließ, welche Fiume den Kroaten zuteilt. Giolitti betont, daß der Sieg Italiens eine sichere Grenze gegeben habe und daß er die Italiener des Tren­tino und von Trieft wieder mit dem Vaterlande vereinte. Er fügte hinzu, daß Italien sich nun­mehr den Werken des Friedens widmen müsse, um den zu befolgenden Weg zu wählen. Der Redner kommt dann auf die gewaltigen Opfer an Gut und Blut zu sprechen, die der Krieg Italien auferlegt habe. Er erklärt, daß, wenn man diese gewaltigen Opfer mit den Bedingungen vergleiche, die man Italien in dem Friedensvertray gewähre und da­gegen die glänzenden Vorteile sehe, die die Alli­ierten aus dem Vertrage ziehen, dann habe man einen Maßstab für die Verantwortlichcheit der­

jenigen, welche Italien in den Ktteg geführt und ohne bestimmte politische, koloniale und wirtschaft­liche Vereinbarungen abgeschlossen haben.

Giolitti sprach dann von den Reformen, die als Folge des Krieges sich aufdrängen. In den internationalen Beziehungen sollten in erster Linie die Garantien für den dauernden Frieden liegen. Ein anderer wichtiger Faktor für die Auf­rechterhaltung des Friedens sei die Solidarität der internationalen Arbeiterklasse. Diese inter­nationalen Garantten sollen mittels innerer Re- formen geschaffen werden. Es sei eine Notwendig­keit, daß in Zukunft jede Kriegserklärung der vor­herigen Billigung durch das Parlament 'unter­breitet wird. Die Befugnisse der Parlamente, die alle sozialen Schichten vertreten, müssen erweitert werden, wenn man nicht einem Sowjet Vorschub leisten will, der nur die Diktatur des Proletariats kennt. Der Redner besprach darauf die wirtschaft­lichen und finanziellen Reformen, die zur Festi­gung der Staatsfinanzen notwendig sind. Italien müsse sich hauptsächlich auf die Landwirtschaft ver­legen, die eine Verminderung der Einfuhr und eine Vermehrung der Ausfuhr herbeiführen könne. Die Jndusttie müsse sich im gleichen Maße wie die Landwirtschaft entwickeln. Der Redner befürwor­tet ebenfalls eine Umgestaltung des Unterrichts­wesens, sowie Reformen für die arbeitenden Klas­sen. Er ist Anhänger einer größeren Autonomie für die Provinzen und Städte, ebenso des Refe­rendums. Redner glaubt, die reaktionären Ten­denzen dürften nicht mehr die Oberhand gewin­nen, denn nach dem Kriege würden die privi­legierten Klassen, die die Menschheit ins Unglück gestürzt haben, nicht mehr allein das Schicksal dec Wett lenen, sondern es sind die Völker selbst, die das in Zukunft tun werden.

Einrichtung Danzigs als KMM?

DDP. Bern, 10. Oktbr.

Der Oberste Rat der Alliierten hat eins Kommission beauftragt, die Maßregeln zu prü­fen, die nötig sind, um die durch den Versailler Vertrag vorgeschriebene Räumung der Polen zugesprochenen Gebiete und die Einrichtung Danzigs als Freistadt unter der Oberhoheit des Völkerbundes zu ermöglichen. Ferner wurde Marschall Foch ermächtigt, die deutsche Regie­rung davon zu unterrichten, daß der Verkauf von Kriegsluftschiffmctterial an Schweden nich­tig sei, da er dem Friedsnsvettrag widerspreche.

Der zweite GeisstMsrKprozetz.

München, 13. Oktbr.

Vor dem Münchener Volksgericht begann heute der zweite Geiselmordprozeß. Angeklagt sind der Kellner Luitpold DebuS, der Taglöhner Rudolf Greiner, der Hilfsarbeiter Alois Kammerstätter und der russische Staatsangehörige und Student Andrea? Krclènko. Die drei Letzten stehen unter der »Anklage, gemeinschaftlich mit anderen, vorsätzlich Menschen ge­tötet und mit Ucbcrlegung auSgeführt zu haben.

Ein Brief des ehemaligen deutschen ârsnprmzen.

WB. Berlin, 13. Oktbr.

DieTägliche Rundschau" bringt einen Brief des ehemaligen deutschen Kronprinzen an einen seinen früheren Ordonnanzoffiziere, in dem er aus­führt, daß Deutschlands Entwicklung eine gute geblieben wäre, wenn es seinen Staatmännern gelungen wäre, den Krieg zu vermeiden. Die Schlacht an der Marne wurde nur durch die Kopf­losigkeit der Heeresleitung verloren. Eine ziel- bewußte politische Leitung habe ebenfalls gefehlt. Er habe bereits im Herbst 1914 mit Frankreich Frieden schließen wollen. Er würde gern etwas mehr über die Dinge, die er wußte. veröffentlichen, möchte aber nicht den Anschein erwecken, als wolle er den Krieg auf irgend wen schieben.

Deutsche MakionKloerfaMmlung.

1 Sitzung vom 13. Oktober.

Am Ministertisch: Schmidt. , Präsident Fehrenbach eröffnet die Schung um 1.25 Uhr. Der Gesetzentwurf bett. Aenderung des Gesetze? über das ^Branntweinmonopol wird an den 6. Ausschuß verwiesen. Es folgt die Beratung der Interpellation der Abgg. Löbe und Scheidemann betreffend die Preissteigerung der Häute, des Leders, der Schuhwaren usw. infolge der Auf­hebung ^i Zwangswirtschaft. Abg. B ecker- Oppeln (wjO begründet die Interpellation. Das Reichswirtschastsamt habe die Stellen der Ver­wertungsgesellschaften mit Nichtfachleuten besetzt. Ganze Waggonladungen gingen über die Grenze. Den Polen seien in der Zeit der polnischen Auf­stände in Obecschlesien Tornister, Helme und Pa­trontaschen geliefert worden. Die Ausfuhrgeneh­migung müsse zentralisiert werden. Minister Schmidt: Wir haben gewußt, daß die Auf­hebung der Zwangswirtschaft die Preise steigern

würde. Dennoch läßt sich für die freie Bewirb schaftung des Leders eine Reihe von stichhaltige« Gründen anführen. Früher wurden zwtt Dritte unseres Bedarfs an Leder und Fellen durch big Einfuhr gedeckt, für Schuh waren speziell 50 Pro­zent. Im Kriege wurde die Einfuhr unterbunden, der Bedarf aber entsprechend eingeschräntt. Di« Zwangswirtschaft konnte die Fabriken fast über­haupt nicht mehr beliefern. Die Schuhwaren- fabrikanten stellten sich im großen und ganzen auf den Standpunkt, daß der freie Verkehr für sie besser sei; wenn zwei Drittel des Bedarfs an Häuten und Fellen durch Einfuhr gedeckt werden müsse, so müsse die Einfuhr fceigegeben werdem Dann mußte aber der Preis für inländische Häut« und Felle auch steigen. Die Hauptsache war auch, erstmals die Produktion zu fördern, zumal bis Produktion auch für den Export in Frage kommt. Die Produktion ist gesteigert worden. Wir haben erlaubt, daß die Einführer von Fellen und Häu­ten 75 Prozent davon in Leder wieder ausführen dürfen. Die Kontrolle der Grenzen ist im Oste« und Westen sehr schwierig, zumal wir von dec En­tente immer noch nicht erreichten, daß wir in Westen der alten Zollgrenze eine scharfe Konttolli einrichten können. Wir müssen auch rechnen mit dem Widerstand in Arbeiterkreisen und Kommunen im Westen gegen eine Aenderung des gegenwär­tigen Zustande? de? freien Verkehrs. Die Kon­junkturgewinne müssen direkt an die Jnduftti« gehen zur Beschaffung von einigermaßen preis- wertem Schuhwerk. Die Aufträge aus dem Aus­lande für unsere Fabrikation sind unbegrenzt. Wenn sich die Expottindusttie so hebt, so spielt bet hohe Preis des Leders dabei kaum eine Rolle. Andererseits steigen dadurch auch die Löhne. Die Schuhindustrie steht sich bei dem freien Verkehr nicht schlechter als bei der Zwangswirtschaft. Wie die Dinge liegens »lÄW verhindernd-^ der Preis für Schuhwaren ein einheitlich hoher ist. Die Mucherverordnungen sind natürlich auch hier anwendbar. Es würde sich nicht empfehlen, zur Zwangswirtschaft zurückzukehren. Die Be- sprechung'der Interpellation wird verbunden mit dem Bericht des Ausschusses für Volkswirtschaft über die Notstandsvecsorgung mit Ober- und Unterkleidung und Schuhwerk sowie den Abbau der Zwangswirtschaft auf dem Gebiete bet Tex­tilindustrie und der Beratung des Anttages Ablaß (Dem.) best, planmäßigen Abbau der Zwangs­wittschaft für Erzeugnisse der Landwirtschaft so­wie endlich weiterer Anttäge, die Zwangswitt- schast betreffend Präsident F e h r e n b a ch kün- digt an, daß eS nötig sein wird, zwei Redner jeder Pattei. hierzu zum Worte kommen zu lassen und daß bei der Fülle des vorliegenden Materials die Hoffnung auf eine mehrwöchige Pause vom 25. d Ms. ab immer mehr schwinde. Abg. Berg­mann (Ztr.): Ausländische und inländisch« Waren können nicht auseinandergehalten werden. Die Fabrikanten mögen den Bogen nicht zu straff spannen, aber zu einer Zwangswirtschaft können wir nicht zurüFehren. Abg. Herrmann (D.): Die hochwichtige Frage der Zwangswirtschaft scheint im Hause kein großes Interesse zu finden. Das von uns angeführte hochwertige Leder hebt unsere Valuta. Der Schwerpuntt der Versorgung mit preiswertem Schuhwerk muß in die Gemein­den verlegt werden. Abg. W e tz l i ch (D.-Natl.):i Es ist kein Fehler gewesen, die Zwangswirtschaft aufzuheben, denn die Interessen der Allgemeinheit haben die Aufhebung gesordett. Abg. Dr. H u g » (DxVpt.): Die viel zu spät aufgehobene Zwangs- wirtschaft hat künstlich jedes wirtschaftliche Auf­leben verhindert, nicht nur bei dem Leder, sondern auch in der Textilbranche, bei Gummi usw. (Zwi- schenruf des Abg. Wissell.) Die Ledecindusttte ist gezwungen, di« Verarbeitung des derben Leders aufzugeben, weil nur glänzend aussehende Luxus- ware verlangt wird. Zur Notstandsversorgung sollte nur derbes Schuhzeug hergestellt werden. Mg. Simon- Franken (U. Soz.): Die Auf­hebung der Zwangswirtschaft soll von Interessen- ten gefordert worden sein, denen durch die Auf­hebung die Tausendmarkschrine in die Tasche flogen. Wir müssen wissen, daß wir bei der Knapp- beit des Materials auf dem Weltmartt nicht auf große Einfuhr.von Häuten und Fellen rechnen können, außer zu ganz enormen Preisen. Die freie Wirtschaft ist ein Segen für die, die dabei Tausende und Millionen verdienen, für das Volk ist sie ein Fluch. (Der Redner wird im Laufe feiner sehr ausführlichen Ausführungen vom Prä­sidenten Fehrenbach darauf aufmerksam gemacht, daß er bereits über 1 Stunde spricht.) Wir waren mit Wissels Planwirtschaft nicht einverstanden. Sie war uns zu bureaukratisch, aber jetzt find wir in einem Chaos, in dem eine Hand voll Leute hun­derte Millionen verdient hat, vielleicht Milliarden. Hinauf vertagt sich das Haus. Weiterbera- tung morgen 1 Uhr. Auf der Tagesâung stehen Anfragen, Schluß X6 Uhr,