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Linrücku»gsgeLübr:Die8gesp.Kolonelzeileod. Deren Raum 40 Psg., die 4geip. Zeile i. Reklame­teil 1.50 Mk., 25°/o Teuerungszuschl. Dfrerigcbühr LSPfg, Bezugspreis: Vierteljährlich 4.20 Mk., monat!. 1.40 Mk für Postbezug viertcljäbrl. 4.20 Mark., monatl. 1.40 Mk. Die Nummer 10 Psg.

PoAscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.

Amtliches Organ für ElÄl- mS Landkreis Zanau

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

j Verantwortlich: für Dolitif&en und allgemeinen Teil G. Schrecker' für lokalen und urovinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anseigen und Reklamen A. Vrodt, alle in Hanau a. M.

Rotationsdruckd.Watsenhausbuchdruckerei Hanau Fernsvrechanichlüsse Nr. 1237 und 1238

^S3

Nr. 239

Monkag de« 13. Oktober

1919

Die baltische Krise.

Die Lage auf dem Baltikum wird von Nunde zu Stunde verworrener, so daß es nur sehr schwer ist, in diesem Stadium einen genauen jlederblick über den Lauf der Dinge zu geben. Uns geht vor allem das Verhalten der deutschen Truppen an. Hier ist die Lage noch ungeklärt. Eine völlige Klärung wird erst in einigen Tagen zu erwarten sein. Dann werden wir auch erst wissen, wie viele Truppen zurückkehren werden und wie viele sich weigern, den Befehlen der Legierung zu folgen. Als sicher kann man an- pehmen, daß sich ein Teil .her Eisernen Division toter Führung des Kommandeurs Bischoff der wssischen Westarmee angeschlossen hat, die im Begriff ist, eine größere Operation auszuführen. Nach zuverlässigen Nachrichten beabsichtigt Oberst Awalow-Vermondt am westlichen Ufer der Düna zu halten. Ob die Truppen sich mit dieser Ab­sicht begnügen, kann noch nicht gesagt werden, insbesondere, ob sie auf eine Besetzung Rigas, das zum größten Teile östlich der Düna liegt, verzichten wollen. Ungeklärt ist ferner noch das Lerhältnis der Armee zur lettischen und zur litauischen Regierung. Mit litauischen Truppen hat es in der Gegend von Schaulen schon Zusammenstöße gegeben, und wie sich die lettischen und estnischen Truppen verhalten wer­den, darüber schwebt noch völliges Dunkel. Das um so mehr, als die spärlichen Nachrichten, die zu uns aus dem Baltikum kommen, mehr oder weniger Tendenz zeigen. Zu den politischen Komplikationen, die sich aus den Zuständen im Baltikum zwischen Deutschland und der Entente ergeben haben, ist zu berichten, daß jetzt die Note der Entente an Deutschland vorliegt. Ihr an anderer E.Me abgedruöt. An Stelle der internationalen Kommission sollen alliierte Vertreter entsendet werden, um die deutschen Maßnahmen zu überwachen und ihrer­seits Vorschläge zu machen. Gleichzeitig aber kommt eine andere, sehr überraschende Kunde, die Meldung von einer Zirkularnote, die an alle Staaten gerichtet ist und die zur Blockade Rußlands' als Kampfmittel gegen den Bolschewismus auffordert.

Die EisenbahuSirektion und die Eisenbahner.

WB. Frankfurt a. M., 12. Oktbr.

Die hiesige Eisenhahndirsktion hat an ihre Dienststellen ein Telegramm zur Aufklärung der Arbeiterschaft gerichtet, worin erklärt wird, daß der Verkebrsausschuß eine Erweiterung seiner Rechte dadurch in Anspruch genommen habe, daß er seine Zuziehung zu den Sitzungen der Direktion verlangte. Dieser Antrag mußte unter Vorbehalt der Entscheidung des Ministers abgelehnt werden. Die Entscheidung sei also noch nicht endgültig. Zeitungsnachrichten zufolge wollen es nun die Frankfurter Arbeiterausschußmitglieder auf eine Kraftprobe ankommen lassen. Die Eisenbahndirek­tion erklärt hierzu, daß an den der Arbeiterschaft zustehenden Rechten keinesfalls gerüttelt werden wird. Wenn versucht werden sollte, die Arbeiter­ichaft aus einem so wenig bedeutsamen Anlaß auf- zupeitschen, bevor die endgültige Entscheidung ge­troffen ist, würde diese Handlungsweise unter den gegenwärtigen Umständen als unverantwortlich und gewissenlos bezeichnet werden müssen.

ReichsverSand der deutschen Presse.

W. Aschaffenbnra, 12. Oktbr.

Die Delegiertenversammlung des Reichsverbandes der Deutschen Presse führte «m ersten Tage ihrer Aschaffenburger Tagung die Neuordnung der Satzungen des Verbandes auf der im Frühjahr in Berlin ge­schaffenen Grundlage zu Ende. Im Laufe der Ver­handlungen kam einmütig der feste Wille zum Aus­druck, der Organisation eine solche Stoßkraft zu geben, daß die wichtigsten Garantien und wirtschaftlichen Interessen der deutschen Journalisten gegen alle Widerstände in gewerkschaftlicher Art durchgesetzt werden. Am zweiten Sitzungstage werden die Bcsoldmigsfragen behandelt werden.

Die Walutafrage.

WB. Berlin 13. Oktober.

Nach derDeutschen Allgemeinen Zeitung" tagte eine Konferenz zur Beratung der Valutafrage, auf der insbesondere das Problem der Wechselkurse besprochen wurde. Es herrschte Einigkeit darüber, daß für die Verbesserung nicht nur die Verhinde­rung eine überflüssigen Wareneinfuhr, sondern auch bet Kapitalabwanderung wesentlich sei.

Das Befinden des Abg. Kaase.

--- Berlin, 13. Oktbr..

LautFreiheit* ist bei dem Abg. Dr. Haase in den letzten Tagen keine Besserung eingetreten. Wenn auch der Zustand zu Besorgnissen keinen Anlaß bietet, i» muß doch mit einer längeren Heiluugsdamr ge« rechnet werden,

Zur Slärrmrrng des BaMkums.

WB. Berlin, 12. Oktober.

In der Frage der Räumung des Baltikums hat die Entente der veutschen Regierung folgende Note zugehen lassen:

Paris, 10. Oktober.

Die alliierten und assoziierten Regiemngen nahmen Kenntnis von der in der Note vom 3. Oktober in aller Form zum Ausdruck gebrachten Absicht der deutschen Regierung, den Rückzug ihrer Truppen aus dem Baltikum und Litauen mit größter Energie einzuleiten und durchzuführen. Sie billigen gleichfalls die Zweckmäßigkeit der zu diesem Zweck von der deutschen Regierung eingeleiteten Maßnahmen. Die deutsche Re­gierung versichert jedoch, daß die von ihr ein­geleiteten Maßnahmen sie von der Anschuldigung freisprechen, die Erfüllung ihrer Ehrenver- pflichtungen, wie sie durch die Bestimmungen des Waffenstillstandes festgesetzt sind, vemach- lässigt zu haben. Nachdem aber die Anordnungen der deutschen Regierung offenbar trotz der wiederholten Ersuchung und Vorstellung der alliierten und assoziierten Regierungen solange aufgeschoben wurden, daß die deutsche Regierung, jetzt behaupten kann, sie sei tatsächlich nicht in der Lage, ihre Ausführung durchzusetzen, ist nicht schwer anzunehmen, daß die Verzögerung be­absichtigt wurde, um Verhältnisse herbeizuführen, welche die deutsche Regierung jetzt zu bedauern vorgibt. Augenscheinlich ist es tatsächlich un­möglich, eine andere Erklärung für die Weigerung zu finden, General von der Goltz zurückzuberufen, welcher ihr offizieller Vertreter gewesen ist, um die gegenwärtige Situation zu schaffen, die durch

den offenen Wied erstand gegen die berechtigten Ansprüche der alliierten und assoziierten Re­gierungen charakterisier wird. Warum hat man die Zurückberufung des Generals, die dreimal verlangt worden ist, verweigert? Warum wurde General v. d. Goltz, nachdem er erst vor einigen Tagen nach Berlin gerufen worden war, absicht­lich auf das Operationsgebiet zurückgeschickt? Offenbar geschah dies, um mit Hilfe der Autorität seiner offiziellen Stellung die Organi­sation durchzuführen, die heute der deutschen Regierung gestattet zu behaupten, daß die Truppen, die bisher durch diese selbe Regierung bezahlt, gekleidet und befördert worden sind, heute unbotmäßig wurden. Hat General von der Goltz seinen Instruktionen entgegen gehandelt? . m *

Wenn das der Fall ist, warum ist dann seine der Scywnz, Chrl-s, Mexikos, Arg-ntnucns. Colum Jnsubordmatron nicht bestraft worden, sei es durch schlichte Verabschiedung oderauf irgend eine andere Weise? Sofern die Regierung auf diese Fragen nicht genügendere Erklärungen liefert, als sie bisher gegeben hat, können die alliierten und assoziierten Regierungen nicht glauben, daß die deutsche Regierung ihren Versicherungen ge­mäß alles getan hat, was in ihrer Macht stand, um alle deutschen Truppen aus den baltischen Staaten zurückzuziehen. Es ergibt sich übrigens aus den letzten Nachrichten aus Lettland, daß sich die Lage erheblich verschlimmert hat infolge der Offensive, welche die Deutschen am 8. Ok­tober ergriffen haben, indem sie die deutsch­lettische Zone verletzten und die le^ischen Stellungen mit Panzerwagen, Flugzeugen und giftigen Gasen angriffen, indem sie weiter Riga bedrohten und in Kurland die Bildung einer deutsch-russischen Regierung Hervorgemfen haben, die sich der Lokalregiemng feindlich gegenüber­stellt. Im Hinblick' auf diese Lage halten die alitierten und assoziierten Regierungen das Pttnzip der vollen Verantwortung der deutschen Regierung in der Ausführung des Abtrans­portes aufrecht und wünschen die in ihrem Tele­gramm vom 27. September angekündigten Maß­regeln im vollen Umfange ausrechterhalten zu wissen, wenn der Abtranspott nicht endlich unternommen und mit aller wünschenswerten

Eile durchgeführt werden wird. Immerhin, um die Ausführung der Operation zu erleichtern und die deutsche Negierung zu unterstützen, neh­men die alliierten und assoziierten Regierungen den Vorschlag an, alliierte Vertreter zu entsen­den, deren Mission darin bestehen wird, bei der deutschen Regierung von den Maßregeln Kennt­nis zu nehmen, diè von ihr getroffen worden sind, um die Bedingungen des Abtransportes zu erfüllen, wie auch nur ihr diejenigen vorzu­schlagen, die sie selbst für nützlich halten, um am Platze und. in voller Aktionsfreiheit eine wirksame Kontrolle der Ausführungen dieser Maßregeln auszuüben. Der Vorsitz dieser Alliiertenkommission wird in die Hände eines Generals gelegt, den die alliierten und assoziier­ten Negierungen ernennen. Erst wenn dieser General den alliierten und assoziierten Regie­rungen und dem Obersten Rat mitgeteilt haben vartz. daâ die Maßnahmen des Abtransportes

normal durchgeführt werden, können die durch das Telegramm vom 27. September vorgesehe­nen Maßregeln aufgehoben werden. Die deut­sche Negierung wird gebeten, die Antwort so schnell wie möglich bekannt geben zu wollen. Sie ist benachrichtigt, daß die alliierten und assoziierten Regierung sie für jeden Akt der Feindseligkeit verantwortlich machen werden, der gegen ihre Repräsentanten in den baltischen Provinzen durch deutsche Truppen sich ereignen könnte. gez. Marschall Foch.

Gegen das bolschewistische Autzland.

WB. Berlin, 12. Oktbr.

Der deutschen Regierung ist folgende Note durch die Waffenstillstands-Kommission über­reicht worden:

Auf Befehl des Oberstkommandierenden der alliierten Armeen habe ich die Ehre, Ihnen zur Weiterleitung an die deutsche Regierung folgende Mitteilung der Friedenskonferenz zugehen zu lassen:

1. Der Präsident der Friedenskonferenz ist durch die Friedenskonferenz beauftragt worden, den neutra­len Regierungen von den durch den hohen Rat der alliierten und assoziierten Mächte betreffs des auf das bolschewistische Rußland anSzuübenden wirt­schaftlichen Druckes gefaßten Beschlüssen in Kenntnis ^zu setzen. Die deutsche Regierung wird ge­beten, Maßnahmen zu ergreifen, die ben in § 2 näher erwähnten entsprechen.

2. Die gegen alle Regierungen gerichtete und aus­gesprochene Feindseligkeit der Bolschewiki und das durch sie verbreitete Programm einer inter­nationalen Revolution bilden eine große Gefahr für die nationale Sicherheit aller Mächte. Jedes Anwachsen der Widerstandsfähigkeit der Bolschewiki vergrößert diese Gefahr. Es wäre im Gegenteil wünschenswert, daß alle Völker, die den Frieden und die soziale Ord- jaaa wâeâMsiânâ v c r e i »iL e n,

um sie zu b ckämpfen.

In diesem Sinne erlaubten die alliierten und asso­ziierten Mächte nach der Aufhebung der Blockade gegen Deutschland ihren Staatsangehörigen nicht, die Han­delsbeziehungen mit dem bolschewistischen Rußland wieder aufzunchmen. Diese Beziehungen können in der Tat nur durch die Vermittelung der Oberhäupter der bolschewistischen Regierung stattfinden, die nach Belieben über ihre durch die Handelsfreiheit gelieferten Produkte und Quellen verfügen. Sie ioerben daraus eine beträchtliche Kraftvermehrung schöpfen und durch sie auf diese Weise die auf das russische Volk ausgeübte Tyrannei steigern.

Unter diesen Umständen haben die alliierten und assoziierten Mächte die Regierungen Schwedens, Nor-

Wegens, Däncniarks, Hollands, Finlands, Spaniens,

üiens und Venezuelas, im Einvernehmen mit ihnen,

sofort die nachstehend bezeichneten Maßnahmen er­greifen zu wollen, um ihre Staatsangehörigen zu ver­hindern, mit dem bolschewistischen Rußland irgendwelchen Handel zu treiben und versichern zu wollen, daß sie diese Politik streng durchführen werven:

a) Jedem nach russischen Häfen zu den Bolschewisten fahrenden Schiffe wird jede Ausfahrtserlaubnis und jedem von einem dieser Häfen kommenden Schiffe die Einfuhrerlaubnis verweigert.

b) Es werden ähnliche Maßnahmen für alle Waren ergriffen, die auf irgend einem anderen Wege nach dem bolschewistischen Rußland befördert zu werden bestimmt sind,

c) Allen nach dem bolschewistischen Rußland gehen­den oder von dort kommenden Personen werden die Pässe verweigert. (Ausgenommen Einzclfäüe im Ein­vernehmen mit den alliierten und assoziierten Mächten).

d) Es werden Anstalten getroffen, um die Banken zu verhindern, mit dem bolschewistischen Rußland Ge­schäfte und Verhandlungen zu pflegen.

e) Jede Regierung verweigert ihren Angehörigen jede Erleichterung in der Verbindung mit dem bolsche­wistischen Rußland, fei es durch die Post oder drahtlose Telegraphie.

Der Oberstkommandierende fügt hinzu: Teilen Sie der deutschen Regierung mit, daß die englischen und französischen Kriegsschiffe im ^inländischen Golf fort­fahren, die bolschewistischen Häfen zu blockieren und die nach bolschewistischen Häfen fahrenden Schiffe an­halten, sobald sie dieselben auf ihrem Wege in Sicht bekommen werden.

--Deutschland noch nicht tot!"

Die Weftnünster Gazette veröffentlicht eine Denk­schrift Lord Haldancs aus den Jahren Ë6 bis 1914. während welcher Zeit Haldane Kriegsminister war. In den Erinnerungen heißt es zum Schluß:Deutsch­land ist noch nicht tot. Es steht noch immer wirt­schaftlich und industriell auf einer sehr hohen Stufe. Seine große Gabe, wissenschaftliche Erfindungen für praktische Zwecke zu verwenden, ist auch jetzt zu finden. Deßhalb werden wir sehr bald von Deutschland hören, wenn auch sein Wirkungskreis nicht mehr den mrli- tärischen Zielen zngewendet ist."

Der deutsche Seeverein.

DDP. Berlin, 13. Oktbr.

Am gestrigen Sonntag fand unter Vorsitz des Groß­admirals von Köster die 16. ordentliche Hauptversamm­lung des deutschen FlotteupereinS statt, die sich haupt­sächlich mit der Umstellung des Vereins auf eine neue Tätigkeit beschäftigte. Es wurde einstimmig durch Zuruf beschlossen, deu deutschen Flottenverec« vom 12. Oktbr.

abDeutscher Seeverein E. &* zu nennen. Tk neuen Ziele des deutschen Secverrin» wurden wie folgt festgelegt: Der deutsche Seeverein will über den Par» teien stehen, das gesamte deutsche Seelchen fördern, insbesondere aber für den Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte, der Wiederaufrichtung des deutschen See­handels und der deutschen Seefischerei sowie der Ueber» seetatigteit der Deutschen beitragen. Der Verein Wilk sich ferner der Angehörigen des deutschen Seemanns» standes annrhmen.

Preußische LandesVersammlung.

Berlin, 10. Oktober.

Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 20 Min.

Bei der Beantwortung kleiner Fragen teilte die Re» gierung mit, daß solche Lehrerinnen, die bis Osten» an einem Ob-rlhzeum zwei Prüfungen bestanden haben, von der Ablegung einer besondere» Prüfung als Volk«- schullchrerin befreit sein werden.

Hierauf wird die zweite Beratung des Haushalts bei der

Eisenbahnverwalwng fortgesetzt.

Abg. Dr. Seelmann (deutsch-natl.): I» bat Ausführungen des Abg. Parrl Hoffmann vermisse ich daS nötige Verantwortlichkeüsgefühl. Wäre nicht die Revolution gekommen, so wären wir wahrscheinlich über den größten Teil der Schwierigkeiten hinweg. Unser Eiscnbahnperssnal ist bei den jetzigen Betriebs- Verhältnissen viel zu groß. Entweder muß die Zahl der Angestellten auf den Bedarf verringert oder eS müssen neue Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden. Preußen bringt dem Reiche mit der Ueberlassung der Eisenbahnen ein sehr großes Opfer und muß dafür volle Entschädigung verlangen. Ueberdies müssen wir bindende Zusicherungen bekommen, daß Preußen bei dem künftigen Neubau von Bahnen durch das Reich ausgiebig berücksichtigt wird. Mit seinen Gründen für die Unterbindung des ganzen Schnellzugverkehr» nach dem Osten hat der Minister mich nicht überzeugt.

EifcubadnmüüstexOeser: Ich beklage es sehr, daß wir genötigt waren, in die Verhältnisse des Ostens so stark einzugreifen. Aber die Rückbeförderung bet deutschen Kriegsgefangenen, die Kohlenliekerungen für die Entente und die Notwendigkeit der Lebensmittel­beförderung verlangt es bringenb. Wir werden sehen, ob wir durch Anhängen von Schlafwagen an die Per­sonenzüge und vielleicht durch Einlegung des einen oder anderen Schnellzuges möglichst baldige Erleichterungen schaffen können. Eine Zensur über die Bahnbestellungen besteht nicht. Die elsaß - lothringischen Eisenbahn­beamten werden rechtlich von uns übernommen. Die Berliner Stadtbahn wird demnächst elektrisiert werden. Ich hoffe, auch in absehbarer Zeit ein vollständiges Programm über die Elektrisierung der gesamten deut­schen Reichsbahnen öorlegen zu können. Viele Arbeiter­führer halten unter den jetzigen Zuständen die Rück­kehr zum Prämien- und Akkordsystem für unerläßlich.

Abz. Fried (Soz. Die Ucbertragsng unserer Bahnen auf das Rricb her erste Schritt zum Ein« Hritrstaat. Die Verteidigungsrede des Nbg. Schmed­ding für den früheren Minister Breitenbach steht inj seltsamen Widerspruch zu den republikanischen Reden Erzberger? und Eiesbert». Das System Breitenbach trägt unleuglich große Schuld an dem Zusammen, bruch der Eisenbahnen. Den Gewerkschaften sollt» die Verwaltung viel mehr Entgegenkommen beweisen.

Vor allem Müssen sie zum Abschluß der Tarifoerträge herangezogen werden, die einer schleunigen Erneuerung bedürfen. Auch die Demokratisierung der Verwaltung muß sich auf die Vorschläge der Gewerkschaiten stützen. Der Wiedereinführung der Akkordarbeit stimmen wi, m, aber nicht in der Art des alten Systems. Bei der Vereinbarung der Bedingungen muß die Verwaltung von vornherein mit offenen Karten spielen.

Abg. M erz (Z.): Die Neuordnung der Besoldungen muß baldigst durch Gesetz erfolgen, und eS mnß damit natürlich auch eine Reform der Ruhegehälter verbunden sein. Wir verlangen die Ein- fübrung eine? freiheitlichen Beamtenrecht», Zulagen für den Nachtdienst, die Aufhebung des Sonderrecht» für Militäranwärter und die Entfernung solcher Leute, die sich an wilden Streik» beteiligen.

Abg. Ockert (Dem.): Der Minister hat den festen Willen gezeigt, Verbesserungen dur-hzuführtn, und man muß anerkennen, daß auch manches erreicht ist In den besetzten Erbieten hat das frühere Ministerium, in dem auch Adolf Hoffmann saß, dadurch große Nnzu, friedenheit erregt, daß es den Eisenbahnern den Lohn für die Iteberstunben vorenthielt. Nicht Faulheit ist an dem Rückgang der Leistungen schuld, sondern bet Werkzeug- und Materialmangel. Das kommende Akkord- system darf nicht zulassen, daß die Arbeiter völlig ben Werkführeru ausgeliefert werden. Mit der Demokrat:» muß ein neuer Geist in die Verwaltung einziehcn^ Infolge der Revolution gehört den Eisenbahnern baj Streikrecht. Damit ist ein großer Teil meiner Partei einverstanden. Wir Saarländler sind deutsche Patrioten und werden niemals französisch werden. (Beifall.)

Ein Regicrunz»vertr'eter erklärt, daß wegen des Ab^ chlusseS der Tarifverträge schon Verhandlungen ei tu geleitet seien. ES fehlt aber an Einigkeit unter de» Arbeiterorganisationen. Alle vorgetragencn Wünsch» haben wir sorgfältig geprüft

Abg. Schmiljens (Dem.) erklärt, daß der Abg,' Omert nur für seine Person und nicht für die ganz» Partei gesprochen habe. Es sei nicht zutreffend, bap ein großer Teil der Partei seine Ansicht teile.

Dienstag 12 Uhr Fortsetzung. Vorher Anfrage». Schluß 6 Uhr.