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GAMal-Rnzeiger
AmMches Organ für SkaSk- «nS Landkreis Kanan
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Hanau
Mittwoch dem 8. Oktober
1919
Der Antrag Lefevre.
Nachdem der ftanzöstsche Senat sich wochen- lâg mit dem Friedertsvertrag beschäftigt hatte, ist dieser nunmehr von der Kammer in Hast und Eile angenommen worden. Bei der Annahme hat man ihm noch einen Schwanz angehängt, der deutlich zeigt, was wir von diesem Frieden, was wir von Frankreich zu erwarten haben. Es gab bei uns politische Doktrinäre und gibt solche wohl auch heute noch, die eine Sonderverständigung Deutschlands mit Frankreich erhofften. Wir haben diese Art der Bündnispolitik zum allen Eisen gelegt. Anstelle dieser Politik wünschten wir eine Verständigung aller Völker, denn von einer Sonderverständigung kann, das. muß nun ar^h dem Laien klar werden, gar keine Rede sein, weil eine allgemeine Verständigung schon zu den Unmöglichkeiten gehört. Die ftanzöstsche Kammer hat mit allen 503 Stimmen den Antrag Lefevre angenommen, der Deutschlands völlige Wehrlosmachung bezweckt, und die Annahme dieses Antrages ist für die jetzigen Zustände in Frankreich überaus bezeichnend. Wir sehen, wohin der Friede von Versailles geführt hat, wir sehen, daß dieser Friede eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln ist. Die Ratifizierung mußte vorgenom- men werden, weil der Vertrag eine Einigung zwischen den alliierten und assoziierten Mächten bildete, aber seine Aengste ist Frankreich durch den Vertrag nicht los geworden. Nach der Unterzeichnung haben bekanntlich Clemenoeau, Wilson und Lloyd George ihre Namen unter ein Ver- trags'instrument gesetzt, das Frankreich vor einem deutschen Angriffe schützen sollte. Clemenceau gilt als Urheber dieser Abmachung, die aber einstweilen nur als private Absprache gelten kann und die erst Gesetzeskraft erhält, wenn Amerika den Frieden ratifiziert.
sicher, denn die beiden Parteien, die Demokraten und die Republikaner, stehen sich doch in gleicher Stärke gegenüber. Wilson hat sich nicht gerade sehr klug benommen, er befindet sich anscheinend auch körperlich in einer üblen Situation, die Monroe-Doktrin gilt den Amerikanern immer noch als Heiligtum, sie ist immer noch zugftäftig, im ganzen ist es also keineswegs sicher, ob Amerika tatsächlich dem Frieden Gesetzeskraft geben will. Wie liegen dann aber die Dinge? Rußland, der einstige Bundesgenoffe Frankreichs, ist zertrümmert, der panslawistische Gedanke ist tot, und auch ein neues Rußland wird nicht daran denken können, ohne weiteres eine deutschfeindliche Politik zu machen. Die Randstaaten haben mit sich selbst genug zu tun, als daß sie sich zu politischen Werkzeugen Franfteichs machen könnten. So ahnt die Gefühlswelt dec Franzosen schon jetzt den Tag der Revanche für Versailles. Sie denken, wie sie immer gedacht haben und wollen nun ihre Zeit der Ueberlegenheit ausnutzen. In diesem Sinne müssen wir abwarten, wie die Behandlung der baltischen Angelegenheit erfolgt. Die Annahme des Antrages Lefevre ist ein Anzeichen dafür, daß wir noch allerlei von unseren westlichen Nachbarn erleben können, was nach allem andern als nach Frieden ausfleht.
Der Fünferrsl imO die deutsche Mole.
Versailles, 8- Okt.
Der Fünferrat wird sich heute mit der deutschen Note betreffend die Armee Goltz beschäftigen.
Das Saarbeeksn und Wilson.
WB. Amsterdam, 8. Oft.
Wilson will sofort nach der Ratifizierung des Friedensvertrages mit Deutschland die in Paris abzuhaltende Zusammenkunft des industriellen RateS des Völkerbundes einberufen, die sich nur mit den auf das Saarbecken bezüglichen Fragen zu be- faffen hat.
Vom BaMkum.
WB. «Snigsberg, 8. Okt.
Nach einer Meldung auS Mitau erließ Major Bischof einen Aufruf an die Soldaten der Eisernen Division, in dem es heißt: Wir wollen daS von uns eroberte Land unter die russische Flagge stellen. An der Seite deS Korps Keller wollen wir unser Recht verteidigen und, wenn es sein muß, noch einmal erkämpfen. Die Drohung der Entente gegen unS ist nur ein Vorwand, um das deutsche Volk zu treffen. _ Darum, Soldaten der Eisernen Division, bleibt fest! Uud wenn man Engländer, Letten und Esten auf uns hetzt, werden wir zeigen, daß wir unseren Namen mit Recht tragen!
Von zuständiger Seite wird hierzu bemerkt: vlu3 dieser Kundgebung tritt kraß hervor, wie sehr sich das Bandensnhrcrwesen auf eigene Faust im Baltikum herauSgebildet hat. Sie zeigt auch eine erschreckende Urteilslosigkeit, indem sie dw Ententenote als leere
Reichskanzler
das Wort:'
Er machte zunächst Mitteilung von der Erweiterung der Reichsregierung durch den Eintritt dec Demokraten in das Kabinett und erklärte bann u. a.: So stellt sich Ihnen das Kabinett heute in seiner neuen Gestaltung vor, ein Kabinett, das die übergroße Mehrheit dieses Hauses und damit unseres Volkes repräsentiert. Ob dieses Stärke- verhMnis immer noch dec parteipolitischen Schichtung Deutschlands entspricht, sollen die Neuwah- lm zum ersten Reichstag der Republik zeigen, die nicht vor dem Frühjahr angefetzt werden können. Die Regierung wird dem von mir gezeichneten Rahmen mit dem frühesten Termin einvecstanoen sein. Eins darf ich freudig und dankbar feststellen: Es geht wieder ein Zug nach Arbeit, nach Konsolidierung durch das Volk, besonders durch die Arbeiter. Gewiß, es wird immer noch zuviel gestreikt in Deutschland, viel zu viel, doch die wilde unbedenkliche Streitlust ist verraucht. Eine Regierung, der vorzusttzen ich die Ehre habe, wird nie an das Streikrecht als wirtschaftliches Kampfmittel zu rühren wagen. Aber die andere zerstörende Erbschaft des Krieges steht noch in voller Blüte: die Korruption. Eine moralische Erkrankung ohne Gleichen gilt es hier in allen Schichten zu bekämpfen mit aller Rücksichtslosigkeit, ohne irgend ein Ansehen der Perfen. Auch die parlamentarische Tätigkeit dieses Winters wird in großem Umfange in der Feststellung der Rechte der wirtschaftlich Schwachen, vor allem der Arbeiter, stehen. Recht und Rechte verlangt die Arbeiterschaft in dem Umfang, wie es ihrer Bedeutung für das Volls- ganze zukommt. Die Republik ist entschlossen, diesen Rechtsanspruch zu erfüllen. Der Ausdruck dieses Anspruches ist vor allem der Gesetzentwurf über die Betriebsräte. Dec Entwurf eines Ge- .fltzA_MA_die W ir t schas t $ r at e soll Ihnen sobald als möglich vorgelegt werden. Di« Wahlen zu den Betriebsräten sollen möglichst schon im Anfang des nächsten Jahres stattfinden können und die Wahlen zu den Wirtschastsräten vielleicht schon einige Wochen später. Die Reichsregierung ist mit dem Zentralrat darüber einig, daß dies je eher desto besser geschieht. Wir müssen das Streikrecht mit dem Gesetz der Pflicht gegenüber der Allgemeinheit in Einklang bringen. Es muß eine Schlichtungsordnung, deren Entwurf im Reichsministerium bereits vorliegt, die Rechts garantier: für ordnungsgemäße Ansetzung der Schlichtungsausschüsse und für ein geregeltes Verfahren festlegen. Das letzte Ziel dieser Entwicklung ist das obligatorisch« Schiedsgericht.
das die Streiks auf das äußerste Maß und die schwersten Fälle beschränkt. Ein Gesetz über den Einstellungszwang der Kriegsbeschädigten soll gerade den schwerbeschädigten Sirbettern ein Auskommen zusichern. Daneben geht das große Werk der Neuregelung der Rentenversorgung. Ein dritter Weg, den Opfern des Krieges vor allem zu helfen, soll das Reichs- Heimstättengesetz sein, das Ihnen voraussichtlich in Bälde zugehen wird. Auf dem Gebiet des allgemeinen Arbeitsschutzes ist ein Arbeitszeitgesetz in Vorbereitung, das den Achtstundentag sicherstellen soll. Di« gewerkschaftlichen Grundsätze und nicht minder die finanziellen Mißverhältnisse des Reiches verlangen eine Umgestaltung der vielfach mißbrauchten Arbeitsfürsorge. Einen endgül- tigen Abbau der heutigen Zustände soll die gesetzliche Arbeitslosenversicherung bringen. Die Produktion in den Kohlenrevieren ist noch längst nicht auf der Höhe. Wenn uns nicht eine Steigerung dec Arbeit, vor allem in den Eis enbahnwerkstättea gelingt, dann können wir Kohle und Industrie nicht in fruchtbaren Zusammenhang bringen. Fast überall in der Welt außerhalb unserer Grenzen ist wieder eine Propaganda am Werk, die uns den Friedenswillen absprlcht, die immer Jmveria- lismus und Vertragsbruch in unseren Handlungen und Einrichtungen wittert. Den meisten Mißdeutungen und Verdächtigungen ist die militärische Institution der Republik ausgesetzt: die Reichswehr. Wir brauchen heute Truppen noch zu zwei Zwecken: Erstens um im Innern das Maß staatlicher Ordnung auch gegen Gewalt aufrechtzu- erhalten, und zweitens, um dort eine Vorwegnahme der Entscheidung zu verhindern, wo nach dem Friedensvertrag eine freie, unbeeinflußte Volksabstimmung über das künftige Schicksal deutscher Landesteile entscheiden soll. Vor dem Inkrafttreten des Friedensvertrage« ist die Herabminderung des Heeres auf die vorgeschriebene Mindeststärke nicht möglich. So haben wir heute noch rund 200 000 Mann im Innern und fast ebenso viel an den östlichen Grenzen stehen. Wie alle unsere Einrichtungen, so befindet sicb auch die Reichswehr in einem Zustand der Umbildung, der I Anpassung an die junge Republik. Wer seine I Pflicht tut, und seine Stelln«- nicht seinerseits
Zur Reichskanzlerrede.
Das Urteil einiger Blätter.
"« Berlin, 8. Oktbr. (Telegramm.)
Zn der Rei ch S kan;lerred e sagt daS „Berliner Tageblatt" : Die Grundsätze sind gut, worauf es ankommt, ist die V e r w i r k l i ch u n g. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Hauptbedingung für das Programm des Reichskanzler? ist ein fester Wille, der unbeirrt das durchzusetzen bereit ist, wa? uns aus dem ChaoS des verlorenen Krieges wieder in die Dauer geordneter Zustände hmüberführen kaun. Die Hauptaufgabe der Regierung wird es bleiben, uns die Lage im Innern zu sichern. Den Weg den uns die Zukunft zeigt, geht nicht dahin, durch Einstellung der Arbeit einen Ausgleich zwischen den Forderungen der Arbeiter und der Arbeitsleitung zu schaffen, sondern er zeigt hin auf daS für alle Teile bessere Verfahren des friedlichen Uebereinkommens. Diesem Verfahren soll die Neuregelung deS Schlichtungsverfahrens dienen. Einen gewissen Ausgleich zwischen Verminderung des Streiks wird auch das BetriebSrätegesetz bringen. Versöhnend wirkt auch daS in Vorbereitung befindliche Arbeitsgesetz, daS den Höchstarbeitstag von acht Stunden festzulegen berufen ist. — Die „Germania" wird besonders sympathisch berührt dadurch, daß der Kanzler bei aller grundsätzlichen Anerkennung des Streikrechter mit festen Strichen als Ziel unserer Entwickelung die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit im Wirtschaftskampf vorgezeichnet hat. Was der Kanzler außenpolitisch zu sagen hatte, erreichte seinen Höhepunkt, als er auf das jüngste Ultimaürm der Entente wegen der Räumung Kurlands zu sprechen kam. Er hatte hier die ganze Volksvertretung und mit ihr da? ganze deutsche Volk so geschloffen hinter sich, wie es nur je ein Reichskanzler gehabt hat. — Der „Vorwärts" hebt hervor, daß der Kanzler Gewerkschaftler geblieben ist. So wie er jetzt spreche, habe er es vorher verstanden aus Begeisterung für eine grvße Sache getan und gezeigt, daß er auch fachlich sein könne. Scheidemann, der jetzt wieder Wottführer der Frattion sei, habe dem Tag die Prägung gegeben durch seinen
Die zu „SestrafeKZsrr^ Deutschen.
WB. Versailles, 8. Okt.
England, Frankreich und Belgien sollen der Friedenskonferenz nunmehr die Liste der Deutschen übermittelt haben, die wegen Vergehens gegen das Völker- oder Kriegsrecht ausgeliefert werden sollen. Kaiser Wilhelm stehe nicht auf der Liste.
ÄtmfKM zwischen A. S. P. D. und K. P. D.
DDP. Berlin, 8. Oktbr.
Bei der Stellungnahme zu der Frage Gewerkschaften oder Betriebsorganisation kam es in der gestrigen Vollsitzung der Groß - Berliner Arbeiterräte zwischen den Unabhängigen und den Kommunisten zu einem ernsten Konflikt. Der Unabhängige Eckert sprach im Sinne der U. S. P.-Resolütion und erwähnte dabei, daß bei den Hansa-Lloyd-Werken seitens der Verfechter des Bstriebsorglmisationsgedankens gegen die gewerkschaftlich organisierten Arbeitskollegen Terror geübt wird. Hierauf erhob sich auf den Tribünen ein Lärm. Nach Annahme der auf Antrag der Unabhängigen eingebrachten Entschließung gegen die Stimmen der Kommunisten, erklärten diese unter dem „ stürmischen Beifall ihrer Parteianhänger, daß für die Kommunistische Fraktion diese Abstimmung tief einschneidende Bedeutung haben werde, und daß eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich erscheine. Ein großer Teil der Kommunisten verließ darauf die Versammlung.
Der Meèattarberlerstreik nimmt zu.
DDP. Berlin, 8. Oktober.
Rach einer Mitteilung der Streikleitung des Metallarbeiterverbandes hat der Streik am gestrigen Dienstag weiter an Ausdehnung zugenommen. Die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten hat sich um 2850 erhöht. Der Streikleitung ist von der Arbeitsgemeinschaft sozialisttscher Techniker und von den Angestellten des Rudolf Virchow-Krankenhauses eine Kundgebung zugegangen, in der den streifenden Metallarbeitern die wärmste Sympathie ausgesprochen wird.
Deutsche MariouÄlvexsaMMluns.
Sitzung vom 7. Oktober.
Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. — Auf eine Auflage des Abg. Laverrenz wegen Verteilung einer Broschüre, enthaltend eine Schilderung der Revolutton im sozialdemokratischen Sinne an heimkehrende Kriegsgefangene wird regierungsseitig geantwortet, eS sei der Regierung nicht bekannt, daß Kriegsgefangene an der Broschüre Anstoß genommen hätten. — Zur zweiten Beratung des Haushalts Reichsministerium, Reichskanzler und Reichskanzlei berichtet Abz. C o l z (Z.) über die Ausschußverhaudlungen. Hierauf nimmt der
parteipolitisch mißbraucht, ist in der Reichswehr der Republik willkommen. EineVolkswehr, das ist unser Ziel. Auf was stützt sich das Märchen vom angeblichen deutschen Militarismus? Das Ausland kann sich nicht so schnell hineindenken in die Tatsache, daß die immer vorhandene pazifistisch« Gesinnung in Deutschland die Führung an sich gerissen hat. Aber das Schlimmere ist, daß dem Ausland aus Deutschland selbst von Rechts und von L'in8 das Bild der Republik gefälscht wird. Ich erkläre daher mit aller Deutlichkeit und mit allem Nachdruck: Es ist unser Bestreben, den FriedenZvertrag nach Kräften und in allen Teilen zu erhalten und zu erfüllen. In ganz besonderem Maße gilt das aber von den militärischen Bedingungen des Vertrages. Zwei Monate nach der Ratifizierung soll das deutsche Heer nur noch 200 000 Mann betragen; also wird es nur 200 000 Mann betragen, nicht einen mehr. Heraus wollen wir aus dem Baltikum mit allen Mitteln. Der Aufruf der Regierung an die Truppen im Baltikum hat, so denke ich, eine deutliche Sprache gesprochen. Ich bin überzeugt, unsere Maßnahmen werden zu einem Erfolg führen, um so schneller, wenn die Entente unseren Vorschlag annimmt, eine Kommission mit uns zu bilden, deren Aufgabe es wäre, nach Prüfung der Sachlage die Maßnahmen zur schleunigen Durchführung zu treffen, zu überwachen und durchzusetzen. Drei Tage vor (Eintreffen des Ultimatums hatt« die Reichsregierung bereits die entscheidenden Maßnahmen getroffen und sie der Entente mitgeteilt. Dennoch kam das Ultimatum mit der fürchterlichen Drohung. Die Reichsregierung hat die schärfste Verwahrung dagegen eingelegt, daß aufs Neue solche unmenschliche Kriegsmaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung angewendet werden. Von dieser Stelle aus nehme ich diesen Protest noch einmal auf, um den einfachen Tatbestand fefoufteiUn. Weil außer halb des Machtbereichs der Republik, die mit allen Mitteln militärisch ohnmächtig gemacht wurde. Söldner ihrer egoistt- schen Abenteurerlust nachgegangen sind, soll aufs Neue der deutschen Frau und dem deutschen Kinde das bischen Fett und Milch abgebröckelt werden, das unser verarmtes Vaterland außerhalb der Grenzen kaufen kann. So haben wir uns den Eindruck der Aera des Völkerbundes nicht gedachtt Der vom ganzen Volke so lange ersehnte
Rücktransport unserer Kriegsgefangene«
hat endlich begonnen. Außerordentlich schmerzlich ist aber, daß er erst so geringe Fortschritte gemacht hat. Daß zahlreiche Volksgenossen von uns gerissen und daß andere verhindert werden, sich uns anzugliedern, auch das müssen wie ertragen, denn wir wollen den FriedenZvertrag loyal durchführen. Was uns aber kein Friedensvertrag nehmen kann, ist das Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit. Unsere deutschen Stammesgenossen, die künftig von uns getrennt sind und getrennt bleiben, sollen wissen, daß wir auf den Gebieten, die uns der Fttedensverttag übrig läßt, für sie sorgen. Ich muß zum Schluß auf den Anteil zurückkommen, den die Deutsch-Nationalen an der Weltvergiftung haben, die uns bei jedem Schritt hemmt. Im Ausland« hat man sich jahrzehntelang daran gewöhnt, in den Aeußerungen der Rechten die für dir Reichspolitik maßgebende Stimme zu hören. Das macht ihre Auslassung so bedeutungslos, sie für den Kurs der Republik auch sind, so überaus gefährlich. Ich frage die Herren von der Rechten:, Können und wollen Sie die Verantwortung für diesen gefährlichen Wahnsinn übernehmen? Ist das überhaupt noch Politik oder nur noch Irrenhaus? Eine angebliche Vaterlandsliebe, die sich so äußert, die dem Gegner solche Waffen in die Hanv. drückt, die darf man nicht frei herumlauftn lassen^ Wir dulden nicht, daß einige Schmierfinken das deutsche Volk in neue Faßlichkeiten bringen und seinen Leumund vor der ganzen Welt aufs Neue untergraben. Wer sich zu diesen Attikelschreiber« und vor sie stellt, der ist für uns ein Feind des deutschen Volkes. Ich möchte sehen, wer sich ausschließt von der ungeheuren Mehrheit der Regierung, wenn die Reichsregiecung getreu ihre» außenpolitischen Programm ihren Ruf ergehe« läßt, für den friedlichen Aufbau, für die Völler- verftänbigung gegen die gewissenlose Brunnen- vergiftung des Chauvinismus.
Bei feiner Erwähnung des Streiks fand der Reichskanzler den Beifall der Linken, ebenso bei der Erwähnung deS Mißbrauchs der ArbettSlosen- fürsorge. Links und Zentrum stimmten seiner Auf. forderung zu, die Arbeit in den Eisenbahnwerst statten zu steigern, ebenso feinen Ausführungen über die Reichswehr und seinen Protest gegen big ■ neuangedrohte Blockade. Sein Vorstoß gegen dig Deutschnationalen fand lebhafte Zustimmung bei den Mehrheitsparteien, zum Schluß Beifall bei der Mehrheit, Zische« 'rechts, wiederholter Beifall bei der Mehrheit. - Abs. P eterj-en (Dem.) M