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Hanauer K Anzeiger

General-Anzeiger

Teil sowie Sport W. M o r l tz; für Anzeigen unh 1

AmMches Organ sirr SlaSk- und Landkreis Kanau i Rotationsdruck d.W aisenh ausbucl bruckerei Hanau ! Fernsvrechanschluste Nr. 1237 und 1238

ErschÄnt täglich mit Ausnahme der Sonn- Md Feiertags ---- z

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itrT232 Samstag den 4. Oktober 1919

Verlagsleitung: Ad. Jndermuble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil E. Schrecker- für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau ct. UL

Rotationsdruckd.Warsenhausbuchdruckerei Sanou Fernsvrechanschlussc Nr. 1237 und 1238

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monatl 140 H L. für Postbezug vierteljährl. 4.20

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en und provinziellen

V

Ruin des eigenen Volles machen will, der fügt sich dieser eisernen Notwendigkeit, der folgt dem Be­fehl der Regierung, der geht aus dem Lande zu­rück, in dem deutsche Soldaten nichts mehr ver­loren haben. Die Regierung kann und darf im Interesse Deutschlands keinen Zweifel daran lassen, daß sie jedes ihr zu Gebote stehende Mittel anwenden wird, um die Räumung des Baltikums zu erzwingen. Wer sie hofft, dies« Appell werde genügen, um den deutschen Soldaten zu zeigen: Es geht nicht nur um die eigene Haut und das eigene Interesse des Einzelnen, sondern um die Interessen des ganzen Volkes. Die Gegner haben die Blockade aufgehoben: an Euch ist es, zu ver­hindern, daß die Blockade, die viel Mörderischer in unseren Reihen gehaust hat als alle anberen Kriegswaffen, wieder verhängt wird. Folgt dem Befehl zur Heimkehr!

DDP. Berlin, 3. Oktober.

Wie demBerl. Lokalanzeiger" aus Mitau gemeldet wird, ist General v. Eberhardt, Kommandeur der 20. Reichswehr-Brigade, zum Nachfolger des nach, Deutschland zurückkehrenden Generals Grafen V. d. Goltz ernannt worden. General V. Eberhardt hat den Befehl der R äu- mungKurlands und Litauens durch die deutschen Truppen zu Ende zu führen.

De»Nch!and und Antzland im Jahre 1915.

DDP. Berlin, 3. Oktbr.

Ueber eine Friedensmöglichkeit mit Rußland im Jahre 1915, von der vielfach die Rede war, äußert sich der frühere deut­sche Reichskanzler im neuesten Heft der Deutschen Jahrbücher. Er sagt u. a., daß die deutsche Regierung tatsächlich Mitte 1915 durch verschiedene Mittelsmänner die Stimmung in Petersburg habe sondieren lassen. Es habe sich aber ergeben, daß die maßgebenden Kreise in Petersburg die deutschen militärischen Erfolge nicht so hoch einschätzten, um den Schritt zu Verhandlungen über einen Sonderfrieden als geboten zu erachten. D« psychologische Augen­blick zu Verhandlungen war jedenfalls nicht ge­kommen. Bethmann-Hollweg setzt weiter aus- etnanber, daß die deutsche Regierung Peters- burg ausdrücklich habe wissen lassen, daß wir bereit wären, mit Rußland einen durchaus billigen, die Zukunft sichernden Frieden zu schließen. Deutschland habe die Russen auch wissen lassen, daß die Türkei die steie Durch­fahrt durch die Dardanellen gewähren würde. Kurz, von deutscher Seite sei nichts versäumt worden, um die damalige Lage für eine An­bahnung des Friedens Mszunützen. Die Ver­antwortung für ein Scheitern treffe allein Ruß­land.

Die Eènfchrâkrrrrg

-es Schneüzugsverkehrs.

--- Berlin, 4. Oktober. (Telegramm.)

Vom 12. Oktober ab soll, einer Korrespondenz zufolge, der gesamte Schnellzugsverkehr zunächst auf der Strecke östlich der Linie Dresden-Berlin- Stettin bis zum 2. November einschließlich ein­gestellt werden.

Der MstaUarbbirersrreiK ' in Berlin.

--- Berlin, 4. Oktober. (Telegramm.)

Der Metallarbeiter-Verband hat den Ver­mittlungsvorschlag des Reichsarbeitsministers, einen neuen Schlichtungsausschutz unter einem neuen unparteiischen Vorsitzenden einzuberufen, abgelehnt und einen Gegenvorschlag gemacht. Der Streik soll sich am gestrigen Tage wiederum etwas ausgedehnt haben.

Am Fiume.

DDP. Paris, 3. Oktbr.

Hier ist gestern die Nachricht eingelaufen, daß die Führer des italienischen Heeres d'Anpmi- zio sich zur Verfügung stellten, falls die Süd­slawen einen Angriff auf Fiume unternehmen. In Venedig, das als der Hauptstützpunkt der italienischen Flotte angesehen werden kann, nah­men die Matrosen eine Abstimmung vor, die ergab, daß der überwiegende Teil der Matrosen mit d'Annunzio sympathisiert. Die nächsten Schritte d'Annunzios werden daher in Paris mit der größten Spannung er­wartet. Das 65. italienische Infanterie- Regiment verläßt Innsbruck mit der Bestimmung Südslawien. Es wird durch Kürassiere ersetzt. Das Hauptquartier der Südslawen gibt fol­gende Note heraus: Wir sind dazu ermächtigt erneut zu erklären, daß die Berichte über eine Mobilisation unserer Truppen in Fiume und anderswo, qam unb aar falsch sind.

Balttlasorgen und Naiisnal- oersammluKg.

Am Mttwoch und Donnerstag stand vor der nach Berlin zurückgekehrten Nationalversammlung Wied« einmal eine große Frage des Tages zur Erörterung, während gleichzeitig in den verschie­denen Stadtteilen Berlins neue Versuche gemacht wurden, den politischen Kampf im Anschluß an Sireikversammlunge auf die Straße zu tragen. Dieser Gegensatz zwischen ernster und sachlicher Besprechung ein« so wichtigen Existenzfrage des deutschen Volkes Md dunklen Wühlereien gegen den Bestand des Staates mußte sich dem Zu­schau« besonders während d« Rede des Abgeord­neten Dr. Heim aufdrängen, d« manches restlos treffende Wort üb« unser wirtschaftspolitisches Elend fand. Seit d« Revolution haben wir vier Mal so viel Noten gedruckt, wie während des Krie­ges, und wenn He« Heim erklärte, daß wir keine Streiks mehr vertragen können, so hat er damit hundert Mal recht. Es ist auch furchtbarste Wahr­heit, wenn « ferner darauf hinwies, daß das Ausland mit Gier dem Augenblick entgegenharrt, wo Deutschlmd tatsächlich zahlungsunfähig wird und alle seine Reichtüm« um ein Butterbrot ver­pfänden muß, Md gegenüber der eindringlichen Mahnung des Reichsfinanzministers Erzberger an die Entente, d'ie unhaltbar gewordenen Zustände an der Westgrenze zu beheben, stellte d« Abgeord­nete Heim fest, daß unsere Gegner das größte Jn- tereffe daran haben, nichts zu tun, da sonst doch längst etwas geschehen wäre. Deutschland ist hier wie auch sonst völlig auf sich selbst angewiesen; das war auch d« warnende Unterton, d« aus ber großangelegten Rede des Reichsfinanzmini- sttts Erzberger herausklMg. Auch besten Gegner erkennen es an, daß er d« erste gewesen ist, ber WMMMche Taurast und Snisttstive ^Mneiââ und MM muß es ihm danken, daß er mit immer neuen Argumenten auf die großen finanizellen Aufgaben hinwies, die Deutschland jetzt zu lösen hat. Es ist die Sache jedes einzelnen von uns, die 'm den Debatten über den Tiefstand der Va­luta erörtert worden ist, denn die Hebung des Marllurses steht im engsten Zusammenhang mit der DurchführMg der großen Steuer- und Fi­nanzreform der allernächsten Zukunft. Wir müssen die Zinsen für die Milliardenschuld aufbringen, oder wir versinken im finanziellen Chaos. Nur eine unerhörte Krastanstrengung des ganzen Vol­kes kann uns die Rettung bringen. Denn welche Folgen würde für jeden einzelnen Deutschen, ob reich, ob arm, d« Zusammenbruch nach sich ziehen!

Die Reèchsregierlmg unS Sas Battikum.

Die Reichsregierung hat an die Reichsdeut­schen, die den noch im Baltikum stehenden Trup- petwerbänden angehören, den folgenden Aufruf erlassen, ber durch Korpsbefehl allgemein besannt« gegeben Wirb:1

Soldaten! Ihr habt die letzte Note der En­tente wegen der Räumung des Baltikums gelesen. Darin wird dem deutschen Volle mit erneuter Blockade, mit Sperrung aller Kredite, mit ber Ver­weigerung der Rohstoffzufuhr gedroht. Mili­tärische Kreise her Entente drängen zu erneutem Vormarsch, der die Besetzung Frankfurts bringen soll. Führende französische Blätter, wie d« Temps", verlangen die Inbesitznahme des Ruhr­gebiets. Und alles das, weil ein Teil Deutsche im baltischen Freiwilligenkorps das frembe Land nicht verlassen wollen, weil sie entgegen den Be­fehlen der Regierung dort bleiben, obwohl durch diesen verbrecherischen Eigensinn die höchste Ge­fahr besteht, daß in Deutschland Millionen ar­beitslos werden, das Elend noch höher steigt und schließlich die mühsam verhinderte Hungersnot jetzt, am Anfang des Winters, doch noch ausbricht, nicht allein auf Veranlassung der Entente, sondern durch Gehorsamsverweigerung der eigenen Lands­leute! Einige Taufende gefährden Leben und Gedeihen von 60 Millionen! Am 30. Oktober, so meldet dieTimes", beginnt ber militärische Vor­marsch. Am 1. November erfolgt die neue Ver­hängung her Blockade. Die Reichsregierung wen­det sich zum letzten Male direkt an das Gewissen und das landsmannschaftliche Gefühl der deut­schen Soldaten im Baltikum. Sie hat nicht ver­kannt, daß die deutschen Soldaten auf Verspre­chungen hin, die nicht gehalten worden sind, sich anwerben ließen. Sie versteht und hat es auch der Entente gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß darüber unter ihnen Unwille und Empörung herrscht. Aber jetzt steht unendlich Höheres auf dem Spiel! Ein Voll verhungert, der Rest eines Volksvennögens verkommt, wennim Laufe dieses Moyats die deutschen Trupven nicht aus dem Baltikum abzieben. Wer sich nicht mitschuldi^am

Vermittelung des Präfekten Mirman nachgesuchtt Aber selbst bet von der Bevölkerung ernannte Stadttat von Metz macht nicht mehr mit, er hat den Präfetteu Mirman als Schiedsrichter abgelehnt und einmütig sein Amt niedergelegt.

Die Beschaffungsbeihilfe für Staatsbeamte im Ausschuß. Die einmalige BeschaffungsbÄ- Hilfe für Staatsbeamte und -arbeit« wurde in der Sitzung des Haushaltsausschusses bet preußi­schen Landesversammlung vom Mittwoch abend erledigt. Die Zulage «fordert eine Ausgabe in Höhe von 910 Millionen Matt.

Preußische LarrdesversaMMlung.

(59. Sitzung vom 3. Oktober)

Am Minist-rtische: Landwirtschaftsminister Brann, Präsident Leinert eröffnet die Litzuug um 12 Uhr 20 Min.

Nach Beantwortung kleinerer Anfragen folgt die erste Beratung des Ausführungsgesetzes zum ReichssiedluugS' gesetz.

Landwirtschaftsminister Brau« empfiehlt die Son läge. Zur Beschaffung von Land fehlt eS vielleicht an Geld, aber es müßte für Bereitstellung vrn Mittels gesorgt werden, denn eS gibt keine günstigere Kapital­anlage als für die innere Kolonisation.

Abg. Schmidtmann (Z.) ist mit denGnlndzüge« der Vorlage einverstanden, bemängelt aber manch« Einzelheiten.

Abg. Matzies mtb Abg. Schüler (Demokraten) erklären sich für das Gesetz.

Abg. Dr. K r i e s (D.-Nl.) bedauert, daß bie Finan- zierungsfrage noch nicht gelöst ist. Der ©ntwirrf Wiberx spricht noch in Vielem dem demokratischen Prinzip.

Abg. M e e r h o f (U. Soz.): Durch die Vorlag« werden trügerische Hoffnungen erweckt, die sich doch nie erfüllen werden. Vor allem sollte ber große Latifurr- dienbesitz au'geteilt werden.

Abg. Hold (D. V.-P.): Großzügige Bodenreform ist diè Grundbedingung für den Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens. Der Minister muß dafür sorgen, daß die Ausführung des. Gesetzes solchen Beamte« an­vertraut wird, die dem Siedlungswesen volles Ver­ständnis entgegenbringen.

Der Entwurf geht an den Sieblungsausschuß.

Es folgt die Beratung über die Verordnung von 10. März über die Aufhebung der Familiengüter.

Abg. Kanitz fD.-Nl.) wendet sich gegen die Ver­ordnung. Die Fidei hätten niemand geschadet. Die segensreiche Wirkung des Anerbenrechts spricht auch für die Erhaltung der Fideikommisse. Wohlerworben« Vrivilegien werden jetzt durch einen Federstrich mit der Verordnung aufgehoben. Di- Pnvatreäqe werden dadurch ganz unerhört augetastet. Eine Regierung, die so verfährt, ist keine Hüterin der Rechte. Ich be­antrage im Falle der Genehmigung der Verordnung, daß wenigstens großen Familien, die bis zum 1. rlpril 1921 die Aufhebung des Fideikommisses nicht selbst durch Familienbeschluß durchführen können, eine ge- wisse Zeit zu gewähren ist, um diese Familiengüter, die eine längere Geschäftsablösung brauchen, dadurch vor der ZwangSauflösung zu bewahren.

Abg«B ernbt (Demokrat > beantragt, den Auflösungs­termin bis zum 1. April 1923 hinauszuschicben.

Die V«ordnung wird genehmigt.

Die Anträge Kanitz und Berndt Werben gegen die Stimmen der beiden sozialdemokratifcheu Part-ren "^Darau'f^wird die Haushaltsberatung bei ber Ver­waltung der Wertstemrn fottgesetzt.

Die Anträge auf Steuernachläffe für kmderreiche Familien, auf Umgestaltung der Staatscinkommensteuer und auf Einschränkung der Steuervorrechte von Ein- aemeinden gehen an den HauSdaltsauSschuß.

Abg. H a u s s ch i l d t tSoz.): Der Abg. Herght hat als Minister die längst dringend gewordene Steuer- r-form zu verhindem gewußt. Wir soffen, daß wir unter dem jetzigen Fiuanzmmister die notwendige Re- form an Haupt und Gliedern bekommen werden. Die Progression nach oben muß viel kräftiger werden. Dio SufÄläge sind nur ein Notbehelf. Die untersten Stufen müsse* bei der jetzigen starken Entwertung des Geldes soweit wie möglich von der Steuerpflicht b-fieit werben. Den Unabhängigen sage auch ich, eS darf niemand mehr Niederreißen, sondern ein jeoer muß beim Wieder-

^bg .iS l l"(Demokrat): Wir dürfen wohl au» nehmen, daß unser Finanzminister ttotz des Uederganze» der Steuerhoheit an das Reich soviel Einfluß dâStzcs wird, um die hier geäußerten Wünsche zur Geltung zu bringen. D« Redner tritt für einen Staatszuschuß für die Frankfurter Messe ein, bei der eS sich um eine nationale Angelegenheit von allergrößter Bedeutung, handelt. Von dem Ucberzang der Steuerhoheit auf das Reich befürchten wir eine starke Bürokratisierung ber Selbstverwaltung. Mit der Sozialisierung und .Kommunalisierung darf nicht experimentiert werden. Sic darf nur da in Frage kommen, wo das Wohl bc» Volkes selbst durch sie gefördet wird. Zeigen wir ieyt dem Volke, baß der Parlamentarismus etwas wert ist. lBeifall links.»

Abg. Dr. Kehle r-Greifswald (D. Nl.) bittet aus Anlaß des Uebergange» der Steuerhoheit auf das Reich den mitübernommenen Beamte» ein Rücktrittrecht cinzuräumen, falls ihnen ber neue Dienst nicht gefällt. Er verteidigt den Abg. Herght gegen die von links erhobenen Vorwürfe. Herght habe durch die Einführung der hauptamtlichen Steuerkom» mifsare wesentlich zur Verbesserung der Steueroorlage beigetrag, en.

Darauf vertagt sich das Hmis auf Dienstag 12 Ufo Tagesordnung: Fortsetzung, vorher Anfrage».

SdÜuü aeaen Uhr.,

Die breitere Basis.

Die Verhandlungen mit den Demokraten haben nunmehr dazu geführt, daß die Deutsche demokratische Partei Wied« Regierungspartei wird und vorläufig zwei Minister in die Reichs­regierung entsendet. Von vielen Seiten wird ge­hofft, die Tatsache der verbreiterten Basts werde dazu dienen, daß das Mißtrauen und der Arg­wohn im Auslande über unsere neuen Verhält­nisse sich verringere und recht bald verschwinden werde. Die amtliche Meldung über die Umbildung d« Regierung lautet:

WB. Berlin, 3. Oktob«.

Auf Vorschlag des Reichskanzlers berief der Reichspräsident auf Grund des Artikels 53 ber Verfassung Reichsminister a. D. Schiffer zum Reichsminister der Justiz, Oberbürgermeister Koch (Cassel) zum Reichsminister des Innern und betraute Schiffer zugleich mit ber Ver­tretung des Reichskanzlers. Die Besetzung des neu zu bildenden Ministeriums für den Wieder­aufbau erfolgt voraussichtlich in den all«nächsten Tagen. Minister Dr. David wird d« Reichsre­gierung als Minist« ohne Portefeuille angehören. Nach neueren Meldungen hat sich Oberbürg«- meifter Koch-Cassel noch nicht endgültig schlüssig gemacht über seinen Eintritt in das Ministerium.

*

Zur Ernennung der demokratischen Minister sagt dieMorgenpost": Der Eintritt der Demokraten in die Regierung ist erfolgt und die vorhergehende Alleinherrschaft von Zentrum und Sozialdemokratie hat ein Ende. Die Deutsche Allgem. Zeitung" knüpft an die Aeuße­rung Scheidemanns imVorwärts" an, daß nur Nützlichkeitsgründe die Sozialdemokratie zum Zu­sammengehen mit den bürg«lichen Parteien ver- anlaßten, daß aber das Bestreben der Sozialdemo­kratie die Einigung d« gesamten Arbeiterklasse bleibe. Das Blatt meint, daß auch bei den beiden anderen Parteien dieses Prinzip die ausschlag­gebende Rolle für ihr Mitwirken in der Regierung spielte. Das könne und dürfe natürlich nicht hin­dern, daß das Zusammenarbeiten die Parteien auf einer Grundlage vereinige, die in erster Linie das allgemeine Wohl berücksichtige.

Die Beichsèagswahlen. ^Z

--- Berlin» 4. Oktober. (Telegramm.)

Wie die Poft auf Anfrage in maßgebenden Kreisen erfahren haben will, rechnet die Reichs­regierung mit Reichstagsneuwahlen nicht vor März 1920. Das neue Wahlgesetz be­finde sich im letzten Stadium der Vorbereitung. Die neue Wahlkreiseinteilung berücksichtige die abzutretenden Gebiete nicht mehr, doch fei Oberschlesten, Südostpreußen und Schleswig noch berücksichtigt, da diese Gebiete noch Reichs­gebiete sind.

Das WelriebsrAegefetz.

WB. Berlin, 4. Oktober.

In der gestrigen Sitzung des Betriebsräte- ausschusses der Nationalversammlung wurde ein von den Mehrheitsparteien vereinbarter Antrag einstimmig angenommen, wonach dem Art. 1 des Betriebsrätegefetzes folgende Bestimmung eingefügt werden: â) Zur Wahrnehmung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Arbeitnehmer (Arbeiter und Angestellte) des Betriebs dem Arbeitgeber gegenüber und zur Unterstützung des Arbeitgebers in (Erfüllung der Betriebszwecke sind in allen Betrieben, die in der Regel mindestens 20 Arbeitnehmer be­schäftigen, Betriebsräte zu errichten, b) Sind in solchen Betrieben mindestens 5 Arbeiter und 5 Angestellte beschäftigt und einigen sich die Mehrheiten beider Gruppen nicht auf einen ge­meinsamen Obmann, so wählen die Arbeiter und Angestellten je einen besonderen Betriebs- obmann. Beschlossen wurde ferner gegen wenige Stimmen, den Betriebsobmann in den Gewerbe­betrieben von 5 Arbeitern einzuführen. Ein weiterer Antrag der Mehrheitsparteien, der die Ausstellung und Bildung von eigenen Gruppen von Angestellten- und Arbeiterräten zur Wahr­nehmung ihrer speziellen Interessen fordert, wurde angenommen.

Kleine Nachrichten.

Streik der städtischen Straßenkehrer. Seit einiger Zeit streiken in Metz die städtischen Straßenkehrer. Am letzten Samstag haben nun die Arbeiter der übrigen städtischen Betriebe, des Gaswerkes, des Wasserwerkes, des Elek­trizitätswerkes und der Straßenbahn bem Bür­germeister Prevel mitgeteilt, daß sie die Arbeit ebenfalls einstellen würden, wenn die Stadt die Forderungen der Straßenkehrer nicht sofort erfüllt. Büraermeister Breurel hat darauf die