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Teneml-Mzeiger

Amtliches Organ str Slabl- und Landkreis Kanan

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Nr. 231 Freitag den 3. Oktober 1919

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( ^alianifäf.

In Grem Kämpft gegen die schwerwiegenden tmrerpokittschen Folgen, die der Gartbaldizug d'Anmrnzios nach Fiume gehabt hat, hat die arg- bedrängte Regierung Nitti-Tiüoni zu dem par­lamentarischen Hilfsmittel gegriffen, durch ein Kammervotum eine gewisse Erleichterung ihrer Lage zu erzielen. Es hat sich herausgestellt, daß tn der Zeit, während der d'Annunzio in Fiume ^regiert", Italien selbst sich in zwei Lager spal­tete. Die einen sind ebenso begeisterte Anhänger beS Dichters, wie die andern seine leidenschaft­lichen Gegner. Da die inneren Verhältnisse Ita­liens infolge der enormen Preissteigerung, der Kohlennot, der Arbeitslosigkeit seit langem außer­ordentlich schwierig geworden sind, braucht man nicht erst hervorzuheben, daß die gesamte Arbeiter­schaft gegen das Fiumer Abenteuer des Militaris­mus stâiMen Protest erhebt. Ein Generalstreik ist in jetzigen Zeiten billig zu haben, und die Ent- wickelungsmSglichkettea in seinem Gefolge sind einfach unabsehbar gerade für ein Land wie Ita­lien. Da der Ministerpräsident Nitti mit so starken Freunden d'Annunzios zu rechnen hat, wie Or­lando und Giolitti, so mußte er also zwischen den beiden Klippen nationalistischer Begeisterung und radikalen Hasses hindurchlavieren, und die Tages­ordnung der Kammer erhielt daher eine etwas wässrige Formulierung, in der unter anderem die ^JIalianitätâ von Fiume für alle Zeiten stabili­siert wurde. Das ist weder ein schönes Wort noch ein klarer Begriff, aber da sich jeder das seine dabei denken darf, hat es den gesuchten Ausweg. Man sicht aber zugleich, daß die Erwartungen sich nicht bewcchrhe'ltel haben, die zu Beginn des ZugeS von d'Annunzio gehegt wurden. Zuerst schien eS, als ob ganz Italien in einem südlichen ätzeifterungssturm die Sache des dichtenden Ex- DbeterS von Fiume zur eigenen machen würde, und es wäre immerhin etwas gewesen, wenn Ita­lien sich so gegen die ganze Welt durchgcsetzt haben würde. Die allgemeinpolitischen Folgen hätten dann allerdings auf einem anderen Blatte gestan­den, und so kann man vielleicht sagen, daß, wie der Goechesche gute Mensch auch die Völker in ihrem dunklen Drange sich des rechten Weges stets bewußt sind. Jedenfalls hat die Regierung Nitti jetzt wieder etwas Oberwasser, und sie wird ihren parlamentarischen Erfolg in dem Sinne ausmün- zm, daß der Wille des überwiegenden Teiles der Nation auf Unterstützung der Regierung gerichtet sei. Herr Nitti wird vielleicht die Sammer auf­lösen und neue Wahlen ausschreiben. Ein Drit­tes wäre eine Ergänzung seiner Regierung, so daß mit all diesen Mitteln zugleich eine Beruhigung der öffentlichen Meinung erzielt wird. Für uns Deutsche aber ergibt sich in diesen Dingen eine recht interessante und bedeutsame Parallele mit den Vorgängen im Baltikum. Man kann eben politische Fragen jetzt nicht mehr mit militärischen Mitteln lösen, ohne daß die unheilvollste Verwir­rung daraus entsteht.

Der MetallarSettersleeik.

« Berlin, 3. Oktober. (Telegramm.)

Zum Metallarbeiterstreik stellen die Blätter fest, daß sich heute die 15er Kommission ent­scheiden müsse, ob sie den Vorschlag des Reichs- arbeitsminiLers auf Einsetzung eines neuen Schlichtungsausschusses annehme oder nicht. Es habe den Anschein, daß die Streifleitung auf das Angebot eingehen werde, umsomehr als sie meint, daß die Vernnttlungsaktton des Reichs­arbettsministers den Unternehmern unbequem gekommen sei.

Kongreß Der Sanifchen Sszia!- . Lemskratte.

O DDF. Kopenhagen, 2. Oktbr.

Gestern Dorirtittag wurde hier der 18. Kon­greß der dänischen Sozialdernokratie eröffnet. Es waren 500 Teilnehmer erschienen, 300 Dele­gierte und als Gäste u. a. Gustav Müller aus Schweden, Otto Wels und Adolf Ritter aus Deutschland. Von der englischen Arbeiterpartei war ein Begrüßungstelegramm eingetroffen. In seiner Euttertungsrede gab Sigvald Olsen über das Wachstum der sozialdemokratischen Partei Dänemarks, die seit 1915 50 000 neue Mitglieder zähle. Besonders herzlich hieß Olsen die soutsche« Parteimitglieder willkommen. Er iußsttc den Wunsch auf gute Zusammenarbeit, owie danach, baß die deutsche Bruderpartei die straft suchen werde, das Gute, das durch die Revolution erreicht sei, festznhalten. Otto Wels tonfte in einer kurzen kräftigen Rede für die -knrladung und äußerte seine Freude darüber, daß das Band zwffäM der dänischen unb deut- ftesi ZÈldâutrâ vo» Sauer aeweleu sei.

Zur AMbWung des KaSineKs.

--- Berlin, 3. Oktober. (Telegramm).

Gestern abend trat die demokratische Fraktion der Nationalversammlung zu einer nochmaligen Beratung wegen der Kabinetts­umbildung zusammen. Der Abgeordnete Koch, der Bedenken gehegt hatte, das Neichsministerium des Innern zu übernehmen, nachdem er erst in diesen Tagen zum Oberbürgermeister von Düssel­dorf gewählt worden war, stellte, da auf seinen Eintritt in das Kabinett, wie dieVosfische Zeitung" sagt, besonderes Gewicht gelegt wurde, seine Bedenken zurück und die Fraktion sprach ihre Zustimmung dazu aus, daß Schiffer und Koch dem Rufe des Reichskanzlers zum Eintritt in das Kabinett Folge leisten. Ver­schiedene Blätter nehmen an, daß der Reichs­präsident, bevor er gestern nach Frankfurt reiste, die Ernennung vollzogen habe. Wegen der Besetzung des neu geschaffenen Ministeriums für die Kriegsschäden und den Wiederaufbau ist eine Entscheidung noch nicht getroffen. Es handelt sich darum, einen Mann zu finden, der nicht nur ein Organisator ersten Ranges ist, sondern auch über diplomatische Gaben verfügt und es versteht, die höchstmögliche Produktivität im Zusammenhang mit Arbeitern und Angestellten zu erzielen. Nach bemBerl. Lokalanzeiger" taucht neuerdings der Nams Melchior auf, der in den Kreisen der Demokraten für besonders geeignet gehalten werde.

Die KssLen einer Dikiaknr.

DDP. Wien, 2. Oktbr.

Die ungarische ZeitungVilag" veröffent­licht eine Aufstellung der Kosten der Proleta- riatsbiftatur in Ungarn. Daraus geht hervor, dH dem Lande 13,675 Milliarden kostete. Die rote Armee allein kostete 3,660 Milliarden. Bereits in der ersten Hälfte des April kostete die rote Armee täglich 10 Millionen; im Juli kostete diese Armee aber schon täglich 25 Millionen. Für inländische Propaganda wurden 25 Millionen verwandt, für ausländische 150 Millionen. Der größte Teil dieses Geldes in Höhe von 150 Millionen ist jedoch verschwunden, da die Vertrauensper- sonen der Rätediktatur diese unterschlugen. An Steuer- und Zolleinnahmen erlitt der Staat einen Ausfall von 400 Millionen.

MsNS politische Wolken.

DDP. Zürich, 3. Oktbr.

DieNeue Züricher Zeitung" gibt einen Be­richt über das Vorherrschen einer starken Kriegs- stimmung in Jugo-Slawien wieder. Nach meh­reren wichtigen Sitzungen des Kronrates in Belgrad haben in ganz Jugo-Slawien Einschrei­bungen von Freiwilligen begonnen. In allen Küstenstädten von Dalmatien bildeten sich Volks­garden. Aus ganz Kroatien treffen täglich Frei- willigen-Legionen in der Nähe von Fiume ein. Auf italienische Flugzeuge wird beim Ueber- Kiegen der Demarkationslinie von jugo-slarvi- i jer Seite das Feuer eröffnet.

Beschlüße Äes Fünserrals.

WB. Versailles, 3. Oktbr.

Der Fllnfsrrat ernannte eine Kommission, die die Frage des Rücktranspotts der deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen aus Sibi- .rien studieren soll. Der Rat beschloß ferner, den russischen KreuzerWolja", den die eng­lische Marine im Schwarzen Meer gekapett hat, dem General Denikin zur Verfügung zu stellen. Weiter setzte der Rat die Bedingungen fest, unter denen die deutschen, österreichischen und neutralen Delegierten zur Arbeiterkonferenz nach Washington fahren können.

Kleine Nachrichten.

Im Haushaltuugsausschrrsse der preußischen Landesversammlung machte Finanzminister Süde- kum Mitteilungen über die Maßnahmen zur Sen­kung der Lebensmittelpreise, wofür das Reich 2^3 Milliarden Mac^ aufwenden werde. Die Ernährung der Bevölkerung sei für den Winter gesichert, doch müßten die Margarincfabrikm ge­nügend mit Kohlen und Rohmaterialien beliefert werden. Die Abgabe von AuZlandsmehl solle weiter, aber in etwas geringerem Umfange er­folgen. Die Brotpreise werden um etwa 15 Pro­zent erhöht werden.

Eintritt der Demokraten in das sächsische Mi­nisterium. Die Verhandlungen zwischen dec so­zialdemokratischen und der demolcaiischen Frak­tion wegen des Eintritts der Demokraten in das sächsische Ministerium haben zu einer Verständi­gung geführt. Die Richtlinien der bisherigen Re- aieiiuifl bleiben voll m Geltuua. Die demokra­

tische Fraktion übernimmt das Finanz- und das Kultusministerium. Abg. Nitschke wird Finanz­minister, das Mitglied der Nationalversammlung Schulrat Seiffert Kultusminister.

Der hessische Ministerpräsident Ullrich, der aus einem nichtoffiziellen Anlaß nach Worms gekom­men war, wurde auf der Rückreise nach Darmstadt auf dem Bahnhof von einem französischen Posten angehalten. Der militärische Admin'istrateur teilte mit, daß die Festhaltung deshalb erfolgte, weil die Reise nicht vorher angekündigt worden war. Darauf konnte Ullrich feine Reise foctsetzen.

Vorsichtsmaßnahmen. Wie aus Warschau gemeldet wird, macht sich dis allgemeine Spannung, die in Warschau durch die Stteik- drohungen hervorgerufen wurde, auch in den Wandelgängen des polnischen Landtags bemerk­bar. Gestern wurden in das Landtagsgebäude zwei Maschinengewehre gebracht. Diese Vor­sichtsmaßnahme wurde infolge der hartnäckig umlaufenden Gerüchte angeordnet, daß eine Demonstration gegen den Landtag und die Re­gierung geplant sei.

Annahme der Ratifikation des Friedens- vsrtrages. Die französische Kammer nahm die Ratifikation des Friedensvettrages von Versailles mit 372 gegen 53 Stimmen an.

Die schwedische Regierung hat beschlossen, Verhandlungen mit der deutschen Regierung über die Verlängerung des deutsch-schwedischen Handelsvertrages anzuknüpfen.

Deutsche MalionKlverfammlung.

Sitzung am 2. Oktober.

Am Mimstertifche: Erzberger. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. Die Beratung der Interpellation Heinze und Genossen wird fortgesetzt. Abg. Dr. Heim (Ztt.): Die Schuldfragedebatten in unseren Parlamenten zeugen von politischer Un­reife und schaden unserer Valuta. Seit der Revo­lution drucken wir monatlich vier Mal soviel Noten wie im Kriege. Helfen kann uns nur Sparsamkeit. Die Korruption ist unleugbar. Gegen die Arbeitsunlust geschieht nichts. Arbeit ist heute mehr wert als Kapital. In der Steuer­gesetzgebung muß auf die kleineren und mittleren Rentner große Rücksicht genommen werden. Wie kann die Kauflraft der Mark erhöht werden? Durch Erzeugung neuer Güter, vor allem durch Mehrerzeugung von Kohle. Einen künstlichen Ab­bau der Preise kann ich nicht befürworten. Die imperialistischen Westrepubliken Watten nur auf den Zeitpunkt, wo wir ihnen infolge Mangels an Zahlungsmitteln unsere wirtschaftlichen Quellen verpfänden müssen. Wir brauchen eine Katalogi­sierung der uns nötigen Emführarttkel und eine Sperre gegen die unnötigen. Es wäre zu er= wägen, ob wir nicht eine großzügige Auswande­rungspolitik betreib en müssen. Wir können rascher genesen, als wir glauben, wenn wir nur arbeiten. (Beifall im Zentrum und rechts.) Abg. Wurm (U. Soz.) wünscht eine Konferenz von Sachver­ständigen, nicht bloß von Interessenten, sondern vor allem von Volkswirtschaftlern über die Va- lutafrage. Nöttg sei dir Beschaffung von lang­fristigen Krediten von Amerika, außerdem müssen wir uns aber mit der russischen Regierung gut üxllen, um von einem politisch und wirtschaftlich gesundeten Rußland Rohstoffe und Nahrungs­mittel zu erhalten. Reichsfinanzminister Erz­berger: Eine Konferenz, wie sie der Abg. Wurm wünscht, ist bereits an der Arbeit. Gewiß kann die Arbeitsmöglichkeit und Arbeitslust nur gehoben werden, wenn die Ernährung verbessert wird. Für das Winterhalbjahr will die Regie­rung 3% Milliarden bereitstellen zur Senkung der Lebensmittelpreise. Die Mark ist im Inlands viel mehr wert als im Auslande. Hier muß ein Aus­gleich geschaffen werden. Wir müssen also eine Höherbewertung der Mark im Auslande bewirken. In der heutigen Konferenz im Reichsfinonzmini- sterium waren die anwesenden Bankdirektoren ein­mütig darin, daß bte Zwangswirtschaft zur Zeit nicht weitt ^lockert werden dürfe. Die stärkste Förderung der Eigenwirtschaft, besonders auf dem Gebiete des Getreidebaues und der Textilroh- stofft ist nötig. Es ist uns bekannt, daß eine wahre Jagd nach fremden Koupons und fremden Banknoten stattfindet. Maßregeln dagegen sind im Gange. Die Valutaanleihe allein wird es natürlich auch nicht machen, aber augenblicklich brauchen wir eine solche, um uns weiter zu helfen. Eine Auswanderungspolitik kann die Regierung nicht betreiben. Das Deutsche Reich bat genug, um 60 Millionen zu ernähren, wenn jeder seine Pflicht tut. (Beifall.) Abg. Dr. Rießer (D. Vpt.): Nur Arbeit kann uns helfem Jedes Volk hat die Valuta, die es nach seinen Verhältnissen verdieat. Die Möalickkeit dec ErLoluna mrttrer

Valuta hâpgt besonders auch von dem 8erhalten ab, das man in den neutralen Ländern unserer Erholungsmöglichkeit entgegenbringt. Dazu ge­hört, daß das Ja der Reichsfinanzverwaltung Ja und das Nein Nein bleibt. Durch Verhandlungen muß eine internationale Festigung der Valuta herbeigeführt werden. Das liegt auch im wohl­verstandenen Interesse Englands und Amerikas. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Abänderung der Verordnung über die Arbeitszeit in den Bäckereien und Konditoreien. Abg. Binder (Soz.) beantragt Ueberweisung des Entwurfes an den sozialen Ausschuß. Abg. S ch a f b e ck (Ztt.) will den Achtstundentag für; die Bäckereien so aufgefaßt wissen, daß am Frei» tag und Samstag etwas länger gearbeitet wird und dafür am Anfang der Woche etwas weniger. Abg. Hartmann (Dem.) ist mit dec Vorlage einverstanden. Abg. Biener (D.-Natl.) ist im allgemeinen mit der Vorlage einverstanden, hat aber Bedenken gegen die vorgeschlagene Zusam- mensetzung der Fachausschüsse. Abg. Dr. Ma­re tz k i (D. Vpt.) wünscht eine Regelung in den Bäckereien in dèr Weise, daß jeder auch am Sonn­tag das herkömmliche Fcühstücksgebäck erhalten kann. Das fei wichtiger als die Herstellung von Schlagsahne. Abg. Bock (U. Soz.): Die Vor­lage ist ein Versuch der Verschlechterung des Acht­stundentages, des Palladiums der Arbeiterschaft. Reichsarbeitsminister Schlicke stellt fest, daß Vertreter der Arbeitnehmer und zwar Gewett- schaftler gehört worden sind. Die Vorlage gehl an den sozialen Ausschuß. Es folgt die erste Be­ratung des Gesetzentwurfs über das Arbeitseat- gelt der Empfänger von Militärversocgungsge- bührnisien. Reichsarbeitsminister Schlicke be- griinbet kurz die Vorlage, die nur ein kleiner Aus­schnitt aus dem großen Milttärversocgungsgesetz sei, das er noch in diesem Winter dem Hause vor. zulegen gedenkt. Abg. Hoch (Soz.) ist im all­gemeinen mit dem Entwurf einverstanden. Ein­zelne Bedenken könnten in einer Ausschußberatung behoben werden. Naturgemäß käme der soziale Ausschuß in Frage, der am besten die Beratung des Betriebsrätegesetzes unterbrechen könne, um diesen Entwurf zu erledigen. Abg. G i l s i n g (Soz.): Lohndrückereien der Kriegsbeschädigten kommen sogar im Staatsbetrieb vor. Reichsac- beitsminister Schlicke erklärt für sich und den Re'ichswehrminister, daß die einzelnen vorgebrach­ten Fälle untersucht werden sollen. Abg. S i e h r (Dem.): Die Schlichtungsausschüsse werden die Paragraphen des Gesetzes mit Leben erfüllen müssen, um sie zum Wohle unserer Kriegsbeschä­digten anzuwenden. Nach einer Erklärung des Abg. Koch- Düsseldorf (D.-Natl.) vertagt sich das Haus auf Freitag 1 Uhr. Weiterberatung, außerdem Interpellation Heinze wegen Zahlmrf der Einfuhrzölle in Gold. Schluß 6 Uhr.

Preußische Landesversammlung.

Berlin, 2. Oktober 1919.

Am Minlstertische Hirsch unb Dr. Südekn».

Vräsident Leinert eröffnet die Sitzung um 11 Uh« 20 Minuten.

Die zweite Hausb altungsBeratung wird beim Fk nanzministcrium fortgesetzt.

Abg. Dr. Rosenfeld (U. Soz.): Ich begrüßt des Uebergang der Steuerhoheit auf das Reich. Dadurch wird hoffentlich die Herrschaft der Landwirt« und bte ewige Begünstigung der Agrarier endlich ein Ende nehmen. Der Widerstand des Ministers Heine gegen den Anschluß Thüringischer Landektcile an Preußen ist unverständlich, da alles geschehen muß, um die Ent­wicklung Deutschland» zum Einheitsstaat zu fördern. Vogtherr, der das volle Vertrauen der schmalkaldischen Bevölkerung besitzt, ist vom Minister nicht bestätigt worden. Die 800 Millionen, bte die ArbeUerräte ge­kostet haben sollen, sind Schwindel. Das hat auch be* Minister Erzberger selbst zugegeben. Wir halten an den Arbeiterrâten fest. Das jämmerliche BetriebSräte- gesetz ist uns kein Ersatz. Der Metallarbeiterstreik hat unsere volle Sympathie. Dar Unternehmertum ist wieder übernffitig geworden. Er will zu der früheren AuSsaugerpolitik zurück. Die Zwangswirtschaft darf nicht abgebaut werden, sonst ist die Bewucherung de» Volke? schrankenlos. Bei der Reichswehr, die bem Volk monatlich über eine Milliarde kostet, sollte gespart werden. Die angeblichen kommunistischen Instruktionen, von denen der Ministerpräsident jüngst sprach, seien Wort für Wort ermüden. Wir fordern Neuwahlen, weil das Parlament nicht mehr der Stellung be# Volkes entspricht.

Ministerpräsident Hirsch: Die Regierung hat Herrn Vogtherr aus persönlichen Gründen nicht prw Landrat ernennet können. Herr Vogt Herr hat auch fein Reichstagsmandat niederlegen müssen. Sau Neuwahl kann noch nicht durch,ekührt werden, da noch nicht einmal die Vcrsaffuna erledigt. Der Thüringischen Frage steht bte Regierung j^-athfich gegenüber. Die Thüringèr haben «s» am Wirt­schaftsgemeinschaft vorgelchlagen, nach der -rwisse preußische Teile an Thüringen abgetreten »erb« -ollen. Dieser Vorschlag ist in einer Skt «irrer «mo­seren- einmütig abgetthnt worden. Wir fetze» «WS atoMaeet «-»taaaan. B#S dem. MMt Nb âk: ms