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Hanauer N Anzeiger

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Nr. 238

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General-Anzeiger

AWlliches Organ für Siadl- LanSLreis Kama

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- Md Feiertags s^"^s®^zyv£r^aK^^^^Äia^.^

Donnerstag den 2. Oktober

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Verlaasleitung: Ad. Jndermuble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil E. Schrecker- für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M.

Rotationsdruck d.Waisenhausbuckdruckerei Hana« Fernkprechanicklüsse Nr. 1237 und 1238

Zur Ambèlörmg -ss âabiNSkts war gestern abend berichtet worden, daß den Demokraten gegenüber 'insbesondere in der Frage d^ B e tr i e b s c ät e g e s e tz e s ein Ent­gegenkommen bewiesen worden sei. Von einem solchen Kompromiß kann, wie nach einem Privattelegramm von beteiligter Seite mitgeteilt mirb, keine Rede sein. Es steht fest, daß die Sozialdemokratie von vornherein den vor­liegenden Entwurf des Betriebsrätegesetzes als ein unantastbares Minimum erklärt habe, eine Er­klärung, die von den Demokraten auch als selbst­verständlich entgegengenommen worden ist. Das Ministerium, dem auch der Wiederaufbau Nord­frankreichs und Belgiens zufallen wird, hat, wie DieVossische Zeitung* hervorhebt, schon dadurch in politischer wie in wirtschaftlicher und sozial­politischer Beziehung die allergrößte Bedeutung. Es müsse, so heißt es weiter, für dieses Ministe­rium eine Persönlichkeit gefunden werden, die die in Frage stehenden Aufgaben im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der gesamten deutschen Wirtschaft zu lösen verstehe. Deshalb könne nur ein Mann aus der Industrie in Betracht kommen, mit hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten. ImBerliner Tageblatt* schreibt Konrad Haußmann: Die demokratische Fraktion besitzt hervorragende geschäftskundige Männer und sie werden hoffentlich gelernt haben, auch den Grund­satz zu betätigen, daß Männer auch außerhalb des Parlaments an der Regierung beteiligt werden können. ImVorwärts* wird zur Rückkehr der Demokraten in die Regierung gesagt, sie verschaffe wieder dieselbe breite parlamentarische Grund­lage, wie sie unter der Präsidentschaft Scheide- manttS vorhanden war. Im Auslande dürste der Vorgang als ein Akt der KonsolidierMg ange­sehen werden und den politischen wie wirtschaft­lichen Kredit der deutschen Regierung steigern.

Die Cisen^ahnoerkehrslage.

WB. Essen, 1. Oktober.

Die Eisenbahnverkehrslage erfuhr in der letz­ten Woche eine weitere bedenkliche Verschlechte­rung. Im Werktagsdurchschnitt gingen die Ge­stellungsziffern auf fast 14 000 Wagen, die Fehl- ziffern auf fast 3200 Wagen in die Höhe. Gegen Wochenende wurde die Gestellung noch ungünfti- zer, sodaß sich die Eisenbahnverwaltung veran­laßt sah, die Annahme von Gütern in offenen Wagen, außer Brennstoffen, zu verweigern. Da aber der Zulauf an Leerraum, namentlich von dem Osten her, zur Zeit ganz gering ist, ist ein merklicher Erfolg hierdurch nicht erzielt worden. Die Zechen find infolge dieser Verhältnisse ge­zwungen, täglich erhebliche Mengen der Förde­rung auf Lager zu nehmen. Eine Besserung ist vorläufig nicht abzusehen. Der Versand zu den Duisburg-Ruhrorter Kippern hielt sich auf der gleichen Höhe wie in der Vorwoche (15 000 Ton­nen täglich); in den letzten Tagen wurden aller­dings 1718 000 Tonnen gekippt. Der Wasser­stand des Rheines geht noch weiter zurück. Die Ausnutzung der Betriebsmittel in den Häfen und auf dem Strom wird daher täglich ungünstiger. Der Umschlag der Kanalzechen litt in ständig zu­nehmendem Maße unter dem Mangel an Leer­raum, sodaß nur eine Tagesleistung von 23 400 Tonnen im Durchschnitt erzielt wurde und auch von den Kanalzechen erhebliche Brennstoffmengen auf Lager genommen werden mußten. Der Leer- 'caumbestand in dem Kanal ging in den letzten Tagen bis auf einige tausend Tonnen zurück. In­folge der anhaltend geringen Schlepperleistung sammelten sich oberhalb und unterhalb an der Schleuse 7 etwa 80 beladene Kähne. Neuerdings ist eine Anzahl neuer Schlepper eingetroffen. Hoffentlich gelingt es nunmehr bald, die Störun­gen zu Beseitigen und die Umlaufszeit der Fahr­zeuge zu verkürzen.

Die Ablehnung des SymxakhiestrsMs.

DDP. Hamburg, 2. Oktbr.

Die Hafenarbeiter haben in einer heute ab­gehaltenen Versammlung durch Annahme einer Entschließung es abgelehnt, sich an dem ver­derblichen Streik zu beteiligen, den der See­mannsbund ins Werk gesetzt hat. In der Ent­schließung wird gesagt, dâß keinerlei Gründe für einen Sympathiestreik vorliegen.

Offensive der russischen NorÄVeft- Armee.

DDP. Amsterdam, 2. Oktbr.

Die russische Nordwest-Armee, die von Hel- si ngfors vorgegangen ist, hat eine Offensive in Richtung von Pakow trotz hartnäckiger Ge­genwehr des Feindes in die Wege geleitet. 11 Dörfer sind schon erobert und die Bewegung Dimmt ihre-n planmäßigen Fortgang.

Die AbstiMMAng m Luxemburg.

WB. Luxemburg, 1. Oktober.

Nach dem endgültigen Ergebnis der Volks­abstimmung haben non 125775 eingeschriebenen Stimmberechtigten 90485 gestimmt. Ungültig waren 5113 Stimmen. Für die Großherzogin Charlotte stimmten 66811, für eine andere Groß­herzogin 1236, für eine andere Dynastie 889, für die Republik 16885. Bei der Abstimmung über den wirtschaftlichen Anschluß waren von 82 375 abgegebenen Stimmen 8609 ungültig. Für Belgien erklärten sich 22242, für Frank­reich 60135.

Slaatsverlrag zwischen Deutschland und Polen.

--- Berlin, 2. Oktober. (Telegramm.)

Wie dasVerl. Tagebl." erfährt, ist in der letzen Nacht im Auswärtigen Amt der erste Staatsvertrag zwischen Deutschland und Polen unterzeichnet worden. In den einleitenden Worten werde erklärt, daß die beiden Staaten, um sich entgegenzukommen, zunächst das Ab­kommen über die Amnestie, sowie über die Frei­lassung der Kriegsgefangenen getroffen hätten.

56 Millionen Mark für LSbensMittel.

WB. München, 1. Oktober.

Der bayerische Landtag trat Mittwoch nach­mittag wieder im Landtagsgebände, das durch Soldaten der Reichswehr gesichert war, zu­sammen. Präsident Schmidt eröffnete die Sitznng mit einer kurzen Ansprache, in der er die Ab­geordneten im alten Heim willkommen hieß. Darauf trat das Haus in die Tagesordnung ein und, genehmigte die, Negierungsforderung von 60 Millionen zum Ankauf von Lebensmitteln. Kunftwsrke Zegen SeSsusmittel.

--- Wien, 2. Oktober. (Telegramm.)

Laut ^,Verl. Tageblatt" sieht sich die Wiener Regierung genötigt, zur Deckung der LeSens- mittelkäufe, die sie im Ausland machen will, einen Teil der unschätzbaren Wiener Kunst­werke zu veräußern. Dieser Verkauf wird der größte sein, den man in der Geschichte des Kunsthandels kennt. Die Gobelins allein, die das Schönbrunner Schloß birgt, werden auf mehr als zwei Milliarden geschätzt.

AebsrM âohlsnrrol.

WB. Stockholm, 2. Oktober.

Da die englische Regierung dem schulischen Ministerium mitteilte, daß sie gegenwärtig keine Kohlen für Schiffe zur Verfügung stellen könne, berief das Ministerium die schwedischen Reeder zu einer Konferenz zum 1. Oftober nach Stockholm und erteilte ihnen den Rat, keine Schiffe mehr nach England abgehen zu lassen. Außerdem ist England nicht mehr in der Lage, die erst kürzlich an Schweden versprochene Kohlenmenge zu liefern.

Die MelallarberlerbsWeguKg.

DDP. Berlin, 2. Oktbr.

Die von der Fünfzehner-Kommission des Metallarbeiter-Verbandes für heute vormittag 11 Uhr einberufenen 30 Versammlungen, in denen der Berliner Arbeiterschaft die Streiklage der Metallarbeiter dargelegt und für eine Unter­stützung durch die Gesamtarbeiterschaft Berlins Stimmung gemacht werden sollte, sind von der Regierung âus Gründen der öffentlichen Ruhe und Sicherheit auf Grund des Belagerungs­gesetzes nicht genehmigt worden. Besondere Vorkehrungen sind von Regierungsseite nicht getroffen worden, da man mit der Einsicht der führenden Kreise der Arbeiterschaft rechnet und erwartet, daß die Arbeiterschaft und ihre Führer auch heute die gleiche Ruhe wie bei der Auf­lösung der Versammlungeu am Dienstag be­wahren wird. Zu den gestern nachmittag be­gonnenen ersten offiziellen Verhandlungen im Metallarbeiterstreik hatte der Verband der Metallindustriellen sechs Vertreter, der deutsche Metallarbeiterverband drei seiner Mitglieder entsandt. Die Verhandlungen, die der Arbeits­minister Schlicke selbst leitete, werden voraus­sichtlich mehrere Tage dauern. Die Haupt- schwierigkeit liegt darin, eine Einicflrng über die Gültigkeit des kürzlich gefällten Schiedsspruches zu finden. Vorläufig stehen beide Parteien in ihrem Standpunkt noch weit von einander ent­fernt. Bei den Siemenswerken ist auch heute wieder eine nach vielen hunderten zählende An­zahl von Arbeitswilligen erschienen, die hort Arbeiten verrichten, zu denen elektrischer Strom nicht erforderlich ist.

Ein Ultimatum der streikenden Eisenbahner.

DDP. London, 2. Oftober.

Die streikenden Eisenbahnacbeiter haben der Regierung ein Ultimatum übersandt. Darin for­dern sie, daß die Truppen, die den Severn- Tunnel, den längsten in ganz Großbritannien, bewachen, binnen 48 Stunden zurückgezogen wer­den, andernfalls die Arbeiter, die die Pumparbeit besorgen, ebenfalls streiken und dadurch den Tun­nel vernichten würden. Es mehren sich die An­zeichen dafür, daß die Eisenbahner Unterstützung von den Transportarbeitern erwarten dürfen. Es verlautet, daß der Transportarbeiterverband mit Generalstreik drohen will, um dadurch eine Ent­scheidung zugunsten der Eisenbahnec herbeizu­führen. DieTimes* schreibt, daß die gegenwär­tige Stimmung großer Gruppen von Arbeitern in vielen Betrieben eine sehr schlechte ist und daß die Agitatoren unter den Arbeitern keine Mühe scheuen, um ganze Fachvereinigungen in den Generalstreik hineinzuhetzen.

Parlamentarisches.

Die Valutafrage. Die Deutsche Volks­partei hat mit Unterstützung der Deutfch- nationalen in der Nationalversammlung eine Interpellation eingebracht, die an die Reichsregierung die Frage richtet, wie sie eine Besserung der Valutaverhältnisse durch inlän­dische Maßnahmen und durch internationale Ver­handlungen herbeiführen will. In gewissem Sinne wird die Frage beantwortet durch eine Denkschrift, die heute der Reichsfinanzminister der National­versammlung zur Valutafrage vorgelegt hat und in der die Entwicklung der Dalutabewegung, die Gründe für die Dalutaentwertung seit der Revo­lution und die neuen Maßnahmen zur Hebung der Valuta behandelt werden. Im letzten Teile heißt es:Das erste große Mittel zur Behebung der Valutanot, das einzige, das dauernd helfen kann, lautet: Innere Ruhe, innere Ordnung, un­ermüdliche geregelte Arbeit, strengste Sparsamkeit auf allen Gebieten.* Dann aber fährt Erzberger hoffnungslos fort:Die Ausführung erscheint im Augenblick leider unmöglich* Einen Grund für die Unmöglichkeit scheut sich Erzbergec anzugeben; er hätte sonst sagen müssen, daß die neue Regie­rungsart statt von Sachkunde, Objektivität und Energie sich von Dilettantismus, Parteiwirtschaft und Nachgiebigkeit nach links leiten läßt. Des­halb greift sie auch in der Valutafrage, wie Erz­berger so schön sagt, zu Teil- und Ersghmaßnah- men. Zu diesen rechnet der Reichsfinanzminister u. a.: Bessere Regelung der Ein- und Ausfuhr, Wiederherstellung der Zollgrenze im Westen, An­passung der Preispolitik unseres Ausfuhrhandels an die Bedürfnisse des Landes, Zusammenfassung aller ausländischen Finanzgeschäfte von Reichs-, Landes- und Gemeindebehörden Beim Reichs­finanzministerium, Fühlungnahme der Banken mit dem neutralen Auslande, Ansttebung einer internationalen Valutakonferenz, Regelung des schwebenden Valutakredits und Eröffnung neuer Valutaftedite, Beschaffung von Kredit ober Zah- lungserleichterungen Beim Rohstoffeinkauf, Zu­rückgewinnung des Vertrauens des Auslandes in unsre Arbeits- und Zahlungsfähigkeit und Maß­nahmen gegen die Kapital- und Steuerflucht.

Deutsche MMsrmlvoesgMMlung.

(88. Sitzung vom 1. Oktober).

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 95 Minuten.

Die Beratung des Tumultgesetzes wird fortgesetzt.

Abg. Gras zu D o k n a (D. V. - P.): Das Gesetz war notwendig. Es ist nur leider zu spät eingebracht worden. Der gegenwärtige Zustand ist unhaltbar. Die Geschädigten sind in der größten Notlage. Kommissions- beratung ist notwendig. Wir schlagen den Verfassungs- auSschuß zur Behandlung der Vorlage vor.

Abg. Dr. Cohn (U. Soz.): Man kann die Ge­meinden auch darum nicht für die Tumultschäden ver­antwortlich machen, weil häufig die Beunruhigung erst durch das Einrücken-der Truppen in eine ruhige Ge­meinde getragen worden ist. Ich halte es für richtig, wenn man das Reich haftbar macht, es aber ermäch­tigt, die Kosten aufzubnngen durch Zuschläge zu der Einkommensteuer der Höchsibesteuerten. Nach der jetzigen Fassung des Gesetze? müßten jenen, die ihre Ansprüche jetzt anhängig gemacht haben, die Kosten der schweben­den Prozesse 'auferlegt, sie also noch bestraft werden.

Der Gesetzentwurf wird einem Ausschuß von 21 Mit­gliedern überwiesen.

Es folgt die Beratung der Interpellation Heinze und Gen. betreffend die deutsche Valuta. Finanzininister Erzberger ist im Saal erschienen.

Abg. Dr. H u g e <D. V. P.) begründet die Inter­pellation: Wirtschaftliche und politische Ursachen haben unsere Valuta sinken slassen, daß sie de» wirtscka -' lichen Anschluß Deurjchlands an den Weltmarkt be- j droht und die Lebensfähigkeit der deutschen Wirtschaft | iw Inneren bedroht. Die Regierung müßte mit in- *

ländischen Maßnahmen und mit internationalen Der« Handlungen eingreifen. Den letzten Stoß hat unsers Valuta durch die Politik der Reichrfinanzministe« erlitten, der von der Möglichkeit eines Staats- dankrottes sprach, mit der Abstempelung der Noten drohte und so f»rt. Wie ist er möglich, daß ein Minister noch an seinem Platz ist, mit dessen Politik die Mehrzahl der Volksvertretung nicht einverstanden ist? (Lärm im Zentrum.) Der Wille zur Arbeit wächst. Die Regierung muß mit äußerster Schärfe für Ruhe und Ordnung sorgen, damit das Ausland Vertrauen zu uns gewinnt. Norke hat zu eng mit anerkennenswerter Energie gesprochen. So etwas wirkt gut auch nach dem Ausland hin.

Reichsfinanzminister Erzberger: Der Herr Vorredner hat zwei Mittel genannt zur Hebung bet Valuta, die wir nicht schon in Angriff genommen hätten. Ich nehme Bezug auf meine Denkschrift über die Balntafrage. Manches läßt sich nicht in voller Oeffentlichkeit verhandeln. Daß der Notenumtausch nicht stattgefunden hat, liegt an den Schwierigkeiten, die von anderer Seite geltend gemacht wurden. Die Erhöhung der Kurses nach dem Bckanntwerdeu der Rückläufigmackung der NotenumtauscheS war xttt minimal. Gestern ist mit Holland ein Valutaab- kommen abgeschlossen worden. Eine Arbeitrlosenver« sicherung ist in der Ausarbeitung begriffen. diese Gesetz wird, muß die Arbeitslosmunter« stützung gezahlt werden. Die Valuta sank im August auch deshalb, weil viele Millionen Paviermark aus dem Osten in der Schweiz auf den Markt ge< worfen wurden. Wenn Deutschland keine Zahlungs­mittel hat, dann gibt es zwei Wege: Entweder mit Waren an das Ausland zu bezahlen oder langfristige Kredite auszunebmen. Wir müssen mit der Aufhebung der Zwangswirtschaft sehr vorsichtig sein. Die Ein­fuhr von Tabak wird übrigens geregelt werden. Wir haben keine Gelegenheit verpaßt. Die Verhältnisse in der Textilindustrie waren unhaltbar, wenn die Re- giernng nicht ordnend eingriffe. Wir müssen uns mit den Nachbarländern auf Warenaustausch einstcllen« Das alles muß zentralisiert und geordnet werden. Es geht nicht an, daß einzelne Gemeinden für Millionen im Auslande einkaufen. Die Regierung tut alles, um den Export zu heben. Anleihen in großen Zügen, aufzunehmen gebt nicht an vor der Ratifizierung des Friedens. Der einzige großzügige Geldgeber sind bie Vereinigten Staaten, aber auch die kommen erst nach der Ratifizierung in Frage, und auch ihm wird es nicht genügen, daß einer nach New-York fährt, um nun gleich ungezählte Millionen mitzubringen. Inter­nationale Abmachungen find nötig zur Sanierung des europäischen Handelswesens zwischen Europa einerseits und Amerika andererseits. Das deutsche Volk arbeiiet zu billig für das Ausland. Diese Unterbietung auf dem Weltmarkt muß aufhören. Eine Regelung muß berbeigcführt werden, teils durch Selbsthilfe, teils durch Regierungsmaßnahmen. Unsere Valuta kann nicht ge­sunden, wenn die Kapitalflucht so fortdauert. Es wird mit der größten Strenge dagegen vorgegangen werden. Die Steuerreform muß schleunigst verabschiedet werden, damit auch das Ausland sich überzeugen kann, daß Ordnung in rmserem Etat herrscht. Die Arbeitslust steigt. Wir dürfen hoffen, daß es dabei bleibt. Die Politik der Senkung der Lebensmittelpreise wird fort« gesetzt werden.

Das Haus tritt in die Besprechung der Inter­pellation ein.

Abg. Dr. Brauer (Soz.): Die Zwangswirtschaft heute aufzuheben, wäre ein Experiment der bedenk­lichsten Art. Die ganze europäische Wirtschaft liegt darnieder.

Abg. Gothein (Dem.): Wir sind nie für die sofortige Einführung der freien Wirtschaft gewesen, zumal unsere Grenzen nicht bloß nach Westen offen sind. Auf unsere Zollwachen ist nicht mehr der alte Verlaß. Die Valuta kann nur durch Fassung von Auslandswaren gehoben werden, durch Arbeitswillen und geordnete Finanz- Wirtschaft.

Reichsfinanzminister Erzberger: Solange die Entente uns nicht Herr unserer Zollgrenzen in Westen werden läßt, solange kann unsere Wirtschaft nicht gesunden, dabei hat die Entente keinen Vorteil von diesen Zu­ständen. In den Verhandlungen zwischen dem Reichs- kommissar und der Kommission in Koblenz ist festgestellt worden, daß unsere Einfuhrlisten auch im Westen Geltung haben müssen. Ueber die Erhebung der Zölle in Gold soll am 10. Oktober eine Konferenz statt­finden. Die jetzigen Zustände find unhaltbar. Wir müssen alles tun, um die Wunden im Westen zu stopfen, sonst können wir unsere versprochenen Wiedergut« macbungen nicht durchführen.

Reichsminister Schmidt: Mit der Senkung bei Lebensmittelpreise durch Staatszuschüsse find uns andere vorangegangen, vor allem Frankreich und England. Die Belastung des Bridgets bei uns ist schwer. Aber ohne diese Zuschüsse ist eine Senkung unmöglich. So­lange die Valutadifferenzen bestehen, kommen wir airs der Zwangswirtschaft nicht heraus und brauchen für die Einfuhr langfristige Kredite.

Abg. Schiele (deutsch-nat.) Es ist eine ungeheure Leichtfertigkeit, zu sagen, unsere Industrie würde sich nach dem Friedensschluß schon wieder aus eigener Kraft erbosen. Das ist nicht möglich, wenn die Go- zialisicrnug droht.

Abg. Belz (Zentrum): Die Regierung sieht wohl die Unhaltbarkeit unserer Zustände. Sie sieht, was uns nottut, aber ihr fehft die Niacht. Am Stand bei Valuta sind viel weniger politische als wirtschaftlich« Umstände schuld. Beschränkung der Einfithr, Scr-ge- rung der Ausfuhr und Steigerung der Kredite tönn« uns allein helfen.

Hierauf vertagt sich das Haus auf morgen nach­mittag 1 Uhr. Schluß gegen 6 Uhr. .