Einzelbild herunterladen
 

1919

Nr. 227

Montag den 28. SeUtembsr

SiurLckungs gebühr: DieLaswaltene Kolonsl- zeils oder deren Raum 40 Pf»., die ^gespaltene Zeile i. Reklmneteil 1.50 Mk., Osfertgebühr 25 Pfg. Bezugspreis: Vierteljährlich 4.20 Mk., monat­lich 1.40 Mk., für Postbezug vierteljährlich 4.2" Mk., monatlich 1.40 Mk. Die Nummer 10 Psi

Postscheck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.

Amtliches Organ für SlaLl- «rrS Landkreis Saiten

Erscheint täglich mit Ausnahme det Sonn- und Feiertags

Venagsleitung: Ad. Jndermühl«. Verantwortlich: für oolitifchen und allgemeinen Teil E. Schrecker- für lokalen und provinziellen: Teil sowie Soort W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M. Rotationsdruck d. Waiienhaushnchdruckerei Ha«» Fernsvrechauschlüsie Nr. 1237 und 1238

DeuZschlanö^ Frankrsich uuZ Ser rärmMonKZe ânKel.

Der Plan der Errichtung eines englischen Llearing-Hauses in Berlin lenkt die Aufmerksam­keit in direkter Weise auf die Bestrebungen zur Wiederbelebung des zwischenstaatlichen Handels. Er ist ein Beweis dafür, daß man im feindlichen AuSlande nach und nach ernsthaft daran geht, wieder normalere Verhältnisse und Beziehungen

den vom

zwischen

das MS

unbedingt

Vollern herzustellen, und allgemeinen Standpunkt zu begrüßen, obgleich

mir aus verschiedenen Gründen hier der kommen­den Entwicklung mit recht geteilten Empfindungen entgegensetzen. Es hieße, Vogel-Strauß-Politik treiben, wenn wir uns verheilen wollten, daß un­sere bisherigen Feinde sich im wesentlichen von der Vorstellung leiten lassen, daß Deutschland in seiner jetzigen Lage das gegebene Ausbeulungs­objekt ist. Ueber diese Tatsache geben in klarster Weise von Zeit zu Zeit mißgestimmte Aeußerun­gen der ftanzösischen Presse Aufschluß, die sich in hämischer Weise darüber aufhält, daß Amerikaner, Engländer und verschiedene Neutrale einen wah- rm Wettlauf veranstalten, um einer dem anderen den Rang abzulaufen. Andererseits ist aber auch von böswilligster Seite nicht zu bestreiten, daß unsere bisherigen Feinde in ziemlich weitgehen­dem Maße wie vor dem Kriege auf uns ange­wiesen sind. In dieser Richtung lagen zum Bei­spiel Aeußerungen, die von den Antwerpener Handelskreisen zu uns gelangten und offen zu­geben, daß Belgien notgedrungen und möglichst schnell an eine Wiederherstellung der Handelsbe­ziehungen mit uns denken müsse. Ganz ähnlich drückte sich auch der König von Belgien selbst aus, der sich ungefähr dahin äußerte, daß die Abnei­gung gegen die Deutschen in ihrer Gesamtheit un- vètMkwerr sorroauere, vap man at>er man Darauf verzichten könne, sich mit uns handelspolitisch wieder ins Benehmen zu setzen. Noch schroffer kam der Haß über den Krieg hinaus in der fran­zösischen Kammer zur Geltung, wo man sozusagen zähneknirschend zugab, mit uns wieder Handel treiben zu müssen, weil sonst der KurS des Francs sich weiter gefahrdrohend verschlechtern würde. Man sieht also, daß die Engländer und in noch höherem Maße die Amerikaner moderneren An­schauungen huldigen und daß in Frankreich und Belgien sich jetzt wirtschaftlich in steigend schäd­lichem Maße die Nachwirkungen der zielbewußten Verhetzung fühlbar machen, die im Interesse des Durchhaltens wahrend des Krieges getrieben wurde. Das wird allmählich recht fatal aber nicht für uns, denn es ist ja klar, daß den Schaden dabei nicht wir, sondern die andere Seite zu tragen haben wird.

Die Lage in Polen.

DDP. Berlin, 29. Septbr.

DerVorwärts" erhält von seinem Korre- pondenten folgende S childerung der polni-

Zustände: DieHunderttausende Arbeits- As, denen die stillliegende Industrie keine Be­lästigung geben kann, demoralisierte zu allem

fähige Elemente, glaubt man am liiprften in der Armee aufgehoben, wo sie wenigstens genährt, bekleidet und, was das wesentlichste ist, einigermaßen in Zucht gehalten werden können. Aber diese Armee muß be- Mftigt werden. Dazu braucht man den Krieg, Nen Scheincharakter durch die lächerlichen ^erlustziffern genügend charakterisiert wird, âan weiß in Warschau und Posen sehr wohl, im Augenblick der Demobilisation der ^erttausenden von polnischen Soldaten eine Gerdings blutigere Wiederholung der Novsm- "^orgänge als in Deutschland dein verhaßten rocksfeindlichen Regiment ein plötzliches Ende feiten würde. Eine ungeheure Arbeitslosig- beispielslose Teuerung, Schleichhandel, Hungertyphus und Wohnungselend auf der Seite, rauschende Feste, Kriegsgewinne, Eruption und Bestechung auf der anderen treiben die polnischen Massen unaufhalt- dem Kommunismus in die Arme.

Die Sage in Fiume.

== Berlin, 29. Septbr. (Telegramm.)

Nach einer Meldung des 'Berliner Lokal- unzeigers" aus Lugano ist Admiral Eagai ^ume eingetroffen. Er hatte mit d'Annunzio längere Unterredung, in der letzterer er= Mte: Admiral Cagai ist in Fiume eingetroffen Auftrag, den Kommandanten d'Annunzio Hagen, ob er gesonnen ist, mit der Regie- M SU verhandeln. Der Kommandant ^nnnnzio hat geantwortet, daß er die gegen- Mrtige Regierung nicht anerkennt und jede Verhandlung zurückweist.

Graf Bsrchtslö LNZgeMel.

WB. Vern, 29. September.

Der frühere österreichisch-ungarische Minister des Asußern Graf Berchtold erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter des Genfer Feuille", daß er sich k e i n e s w e g s als Haupt­schuldigen am Ausbruche des Krieges be­trachte. Er habe lediglich einen Zerfall der Monarchie verhüten wollen. Uebrigens Habe Deutschland ihm geraten, schnell zu handeln. Seine Ueberzeugung sei auch heute noch, daß Deutschland die treibende Kraft zu der Aktion gegen Serbien war. Es hätte erklärt, der Fortbestand des Bündnisses hänge von seiner Energie ab. Der deutsche Botschafter in Wien Tschirschky habe aus der österreichischen Politik mehr gemacht, als er hätte machen sollen. Szögyeny, den Berchtold als altersschwach er­klärte, habe bei der Uebermittlung des englischen Vergleichsvorschlages einen schweren Fehler gemacht. Beim Eintreffen des Vermittlungs- »orschlages habe er die beiden Ministerpräsidenten sofort benachrichtigt, doch sei Tisza erst am 31. Juli in Wien eingstroffen. Der Kaiser sei der Meinung gewesen, den Ereyschen Vorschlag nicht ohne weiteres abzutun. Durch die An­nahme des Vorschlages hätte die Moral der Armee gelitten. Bezüglich der Haltung Tiszas sagte Berchtold, Tisza haben gegen die Militärs gekämpft, die, wie in allen Ländern, den Hals nicht hätten voll bekommen können. Man hätte sich schließlich auf einen Kompromiß geeinigt, nach welchem Oesterreich gegenüber Serbien auf Annexionen verzichte, abgesehen von leichten Grenzveränderungen. Bezüglich der Kriegser­klärung an Serbien sagt Berchtold, die falsche Nachricht von einem serbischen Angriff sei in der Kriegserklärung von ihm ausgemerzt worden.

^^^^%»nn der Angelegenheit abzufetzWiA Am ^Offt--^ deS^ Regierungschefs in -London und Paris nc "

e,Tr..°sEerrei clMch en Note zu erfüllen, zur Kriegs- ^r^ory§ bleiben in erster Reihe die Leute, die im dem Abschluß des Waffenstillstandes und ferner Erklärung genügt. * Januar für uns gekämpft haben, und die armen der Aufenthalt des Präsidenten Wilson in Rom

Frontoffiziere, die sich im Kriege ausgezeichnet schienen nicht mehr Licht in die Sachlage gebracht

Einem Vertreter derVossischen Zeitung

gegenüber bedauerte Graf Berchtold die partei­politische Tendenz der Wiener Veröffentlichun­gen, die aus der Mitschuld eine beinahe alleinige Schuld Wiens werden ließen. Seins Aufgabe vor dem Kriege habe nicht darin bestanden, den österreichisch-ungarischen Staat friedlich aufzu­lösen, sondern ihn, wenn irgend möglich, im Frieden und, wenn unausweichbar, im Kriege zu erhalten. Weiter sagte er:Mich selbst sucht man nun wohl als macchiavellischen Puppen­spieler des damaligen Europas in dem großen Spiele hinzustellen."

Der Grenzverkehr.

WB. Koblenz, 28. Septbr.

Der parlamentarische Beirat des Reichskom- miffars besprach die wahllose Überschwemmung der besetzten Gebiete mit Waren, die teils nicht lebensnotwendig, teils reine Luxusartikel sind. Die deutschen Behörden seien gegen die vielen unerhörten Wucherfälle machtlos, weil die aus­ländischen Händler vor der Ratifizierung des Friedens durch die deutschen Gerichte nicht zu fassen seien. Der aus allen Parteien zufammen- getzte parlamentarische Beirat hält es für seine Pflicht, die schnelle Ratifizierung des Friedens, feste Zollschranken an der westlichen Reichsgrenze und eine nach den Bedürfnissen Deutschlands geregelte Einfuhr zu fordern. Das sei notwen­dig, damit die aufreizenden Gegensätze zwischen

raffiniertem Luxus und bitterster Not nicht kurzer Zeit zu einer Katastrophe führen.

WMigeErâMnmrg" Gerrffchkanös.

WB. Versailles, 28. Septbr.

in

Der Friedensausschuß der französischen Kam­mer versuchte gestern nachmittag, für die Tages­ordnung Andre Lefevre einen Wortlaut zu finden, dem die Regierung zustimmen könnte. LautMa- tin" wurde nach langer erregter Ausfprache von Godart folgender Wortlaut vorgeschlagen:Die Kammer ersucht die Regierung, Verhandlungen ^.-..^ . . . ,, -

mit den alliierten und assoziierten Regierungen - wann sie dwfe Iwwcerige Taugkeit emsicllen kann anzuknüpfen, um die Entwaffnung Deutschlands da der Völkerbund sie nicht ersetzen kann. Tittom >...^. i.sw.rUi " - - > erklärte, daß er sein möglichstes getan habe, um bie Arbeiten der Friedenskonferenz zu beschleu­nigen. Wenn die Friedenskonferenz langsam vor­wärts komme, so ist daran der koniplizierte Mecha­nismus schuld. Zu den Problemen übergehend, die Italien berühren, erinnerte der Minister da­ran, saß es Leute gebe, die glaubten, als die von ihm geleitete Friedensdelegation nach Paris zu-

und seiner Alliierten durch das Verbot ge­wisser K r i e g s i n d u st r i e n und durch alle notwendig erscheinenden Maßnahmen effektiv zu mache n." Clemenceau hatte in der Vor­mittagssitzung des Friedensausschusses erklärt, daß ec den Friedensvertrag hinsichtlich der Ent­waffnung Deutschlands für ausreichend halte, aber er wolle gern über diese Frage mit Frank-

reichs Alliierten unterhandeln, da es sich im großen und ganzen darum handele, einem berech­tigten Gefühl zu entsprechen und das Land voll­kommen zu beruhigen. Er wolle sich deshalb der Tagesordnung Lefevre nicht grundsätzlich wider­setzen, ec verlange nur, daß der Wortlaut im Sinne seiner Ausführungen abgeändert werde. Der Ausschuß wird am Montag obigen Wortlaut nochmals besprechen und zugleich die Tagesord­nung Auriel betreffend die interalliierte finan­zielle Solidarität mit dem Finanzminister Klotz erörtern.

Eins AAssprachè m der Berliner SszmlöemokxMe

DDP. Berlin, '29. September.

Die außerordentliche Konferenz sämtlicher Vertrauensleute der Berliner Sozialdemokratie, wo der Noske-Konflikt mit demVorwärts", der aus den Aeußerungen des Obersten Reinhard erwachsen war, zur Austragung kommen sollte, fand gestern vormittag in den Zentral-Festsälen in der alten Jakobstraße statt. Nach einem einleitenden Refe­rat des früheren Gouverneurs von Berlin, Schöpf­lin, der sein Scheiden vom Gouverneurposten als den schönsten Tag seines Lebens bezeichnete, rollte derVorwärts"-Redakteur Erich Kuttner den Fall Reinhard auf. Er wolle nicht, führte er aus, um Noskes Sturz kämpfen, sondern um seine Seele, die von reaktionären Einflüssen Befreit

werden müsse. Noske antwortete in fast zweistün­digen Ausführungen. Er sagte u. a.: Der Fall Reinhard sei für ihn erledigt. Reinhard habe eine Erklärung abgegeben, die er seit langem im Schreibtisch habe, aber auf Wunsch jederzeit ver­öffentlichen könne. Daraufhin habe das Kabinett einstimmig beschlossen, von einer weiteren Ver-

haben. Die reichen Offiziere kann ich eher ent­lasten. Wir werden am 1. Januar 1920 ein bettel­armes Offizierkorps haben, das in seiner Existenz an die Sicherheit des Landes und dir Festigkeit der Regierung gebunden ist. (Beifall und Be­wegung.) Wo Uebergciffe vorkommen, schaffe ich Remedur. In Ostpreußen habe ich Befehl ge­geben, auf jeden Mann zu feuern, der nach dem Baltikum hinüber will. Aber auch dort läßt sich der schauderhafte Knoten nicht mit Gewalt durch- hauen, sondern nur mit starker ruhiger Geduld losen. DerVorwärts" schreibt dazu: Die ganze Aussprache bewegte sich auf erfreulicher Höhe und der Eindruck war allgemein, daß dieses gegenseitige Sichaussprechen von allergrößtem Nutzen gewesen ist. Mißverständnisse wurden be­seitigt, Vertrauen und Mut neu belebt. Die gestrige Konferenz dürfte für unser Berliner Par­teileben die allergünstigsten Resultate verzeichnen.

DèKüLKffche âMMsr.

W. Rom, 28. Septbr. (Agencia Stefani.) T 'l t 1 o n i machte gestern in der Kammer die er­warteten Ausführungen über die allgemeine Lage und über die Friedensverträge mit Deutschland und Oesterreich. Vor der Inangriffnahme der Diskussion über die Friedensverträge mit Deutsch­land und Oesterreich, so sühcte er aus, sei es nötig, ein'en Blick auf die allgemeine internatio­nale Lage zu werfen, die sehr heikel sei und die Stellung der italienischen Friedensdelegierten sehr schwierig gestaltet habe.Als das Ende des Krie­ges gekommen war, hoffte man, daß der Sieg die Anerkennung unserer Ansprüche im Ausmaß der von uns gebrachten Opfer bringen würde. Aber das Gegenteil trat ein: Die italienischen Dele­gierten mußten täglich ringen, um nur einen Teil des nationalen Programms zu verwirklichen." Dec Redner kam darauf auf die Ereignisse in Ungarn, Rumänien, Oberschlesien und ander­wärts zu sprechen, die die Friedenskonferenz zwängen, von ihrem Hauptziel, die Friedensver­träge abzuschließen, abzugehen und auch daS andere Hauptziel, sich in eine Versammlung um­zuwandeln, die die Geschicke ganz Europas neu regeln sollte, aus dem Auge zu verlieren. Diese Aufgabe stellte die Friedenskonferenz vor beson­dere Schwierigkeiten und es ist nicht abzusehen,

rückkehrte, die Abfahrt des Präsidenten Mlsoni würde die Aufgabe der Mission erleichter«. Aber diese Abreise machte die Aufgabe im Gegenteil noch viel schwieriger und komplizierter. Die mit dem Präsidenten Wilson verkehrenden Friedens­delegierten müssen sich des Drahtes bedienen. Bet der Kundgebung des Präsidenten im November

1916 war es klar, daß er sich zum Schiedsrichter; berufen würde. Nach der Intervention der Ver­einigten Staaten wurde seine Rolle als Schieds­richter ausgeprägter. Seit dem 27. Juli 1917 war unser Außenministerium informiert, daß künftighin in England Präsident Wilson als der oberste Schiedsrichter sei es für die Fortsetzung des Krieges, sei es für die Festsetzung der Frie- densbedingungen gelte. Einige unserer diplo­matischen Vertreter machten die italienische Re­gierung darauf aufmerksam, daß es notwendig wäre, sich unverzüglich hinsichtlich unserer natio­nalen Ansprüche die Unterstützung Wilsons zu sichern. Diese Notwendigkeit mußte jedermann iw die Augen springen. Im Januar 1918 hat Wil­son in seiner Botschaft an den Kongreß erklärt, daß er die abgeschlossenen geheimen Verträge nicht anerkenne; folglich müsse dem Londoner Akt jeder Wert abgesprochen werden. Ferner verkündete er seine 14 Punkte, in denen man schon die Möglich­keit der Entstehung des Mißverständnisses mit Italien sah. In der Tat war der Punkt 9 zwei­deutig und wurde denn auch Anlaß zu verschiede­nen Interpretationen. Der Redner erinerte fer­ner daran, daß Anfang Oktober 1918 eine Ver­sammlung von italienischen Abgeordneten und Senatoren hinsichtlich der immer kleiner werden- den Aussichten für die Verwirklichung der natio­nalen Ansprüche der Regierung eine Denkschrift überreichte, in der diese Zweifel und die Beun­ruhigung, die sich später als begründet erweiset sollten, niedergelegt waren. Die Besprechungen

zu haben. Im Jahre 1919, als nach den Erklärun­gen Lansings im amerikanischen Senat Wilson den genauen Wortlaut des Londoner Abkommens erhielt, war es schon zu spät. Was eintreffen mußte, ereignete sich. Schon vor Beginn der Ar­beiten der Friedenskonferenz war ersichtlich, daß Präsident Wilson sich nicht dazu verstehen konnte, die italienische Auffassung unverändert in ihrem ganzen Umfange zu billigen. In der Pariser Konferenz, in der Wilson die Rolle des Schieds­richters spielte, wiesen wir das Schiedsgericht zu­rück, als es uns vorgeschlagen wurde. Der Ver­zicht darauf war aber ausschließlich formeller Na­tur. In Wirklichkeit waren wir nicht in der Lage, uns diesem Schiedsgericht zu entziehen. Wilson wurde der oberste Schiedsrichter, nicht nur weil das Eingreifen Amerikas den letzten Impuls zum Siege gegeben hat, sondern auch wegen der Tat­sache, daß Europa in der Nahcungsmittelfrage die Unterstützung Amerikas nicht entbehren kann. Der Redner kam hier in längeren Ausführungen auf das Uebergewicht Amerikas über Europa in wirt­schaftlichen Angelegenheiten zu sprechen. Ec hob hervor, daß sich Italien allen Uebcreinkommen, selbst denjenigen, die ihm die schwersten Lasten auferlegten, unterziehen müsse. Dann erwähnte er die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Soli­darität zwischen Amerika und Europa und fügt bei, Hauptbedingung, um Amerikas Kredit zu er­halten, sei, daß die internationale Lage so gestal­tet werde und zwar in definitiver Form, daß da­durch eine lange Friedenszeit garantiert werde, Alles riet der Delegation, die adriatische Frage

sobald wie möglich ins Reine zu bringen. Man mußte aus dem circulus vitiosus herauskommenp entweder Fiume nehmen entgegen dem Londoner Pakt oder sich an den Londoner Pakt halten und Fiume bei Kroatien belassen. Aber es ist nichts erreicht worden und der Wert des Paktes selbst werde herabgemindect von dem Augenblick an, da eine Anwendung wegen der Frage von Fiume im vollen Umfange nicht möglich wird. Es stimmt,, daß der Pakt England und Frankreich verbindlich' verpflichte. Aber am 17. Januar wurde unter Zustimmung der italienischen Delegation be^ schlossen, daß die Beschlüsse dec Friedenskonferenz einstimmig gefaßt werden müßten. Folglich konnte eine für uns ungünstige Stimmabgabe Englands, und Frankreichs für uns keinen Wert haben, denn die Stimme Amerikas fehlte. In einer Sitzung der Konferenz hatte sich Wilson neuerdings dahin ausgesprochen, es handle sich nicht nur um eine Unterhaltung zwischen Italien, England und Frankreich. Amerika stehe das Recht zu, den ihm gehörigen Platz dabei einzunehmen und die adria­tische Frage in der Weise zu behandeln, daß Amerika dem Londoner Pakt in keiner Wei!« Rechnung zu tragen brauche.