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General-Anzeiger

Amliiches Organ für Slabk- und Landkreis Kanan

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Fernfprechanschlüfie Nr. 1237 und 12.39

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags

Nr. 212

Donnerstag den 11. September

1919

RnvseMrMZ unK ungerecht."

Englische Stimmen über das Ultimatum.

Der Lloyd George nahestehende Daily Chro- nicle erklärt, der Versuch, Oesterreich und Deutsch­land zu trennen, sei unverständig und ungerecht. Die Oesterreicher seien Deutsche und würden nie etwas anderes sein wollen. Ihre künftige Ver­einigung mit Deutschland auf die eine oder an­dere Weise sei so sicher, wie der Aufgang der Sonne. Die Oesterreicher könnten nicht allein stehen. Wenn ihnen verboten würde, sich mit Deutschland zu vereinigen, so würden sie sich mit anderen Nachbarn zusammenschließen, und wenn sie dann wieder in den Kreis Deutschlands träten, so würden sie ihre Nachbarn mitbringen. Den Oesterreichern würde also auf diese Weise wieder ihre alte Rolle, nämlich das Zusammenscharen nichtdeutscher Völker unter dem Banner Deutsch­lands aufgezwungen werden. Daily News vom 6. September schreiben in einem Leitartikel, der Streit zwischen den Alliierten und der deut­schen Regierung über die Beziehungen Deutsch­lands zu Deutsch-Oesterreich sei in jeder Hinsicht zu bedauern. Das Veto der Alliierten gegen den freiwilligen Zusammenschluß zwischen Oesterreich und Deutschland sei vollständig unberechtigt. Es vergewaltige jeden Grundsatz der Selbstbestim­mung und sei aus Gründen der Zweckmäßigkeit eine Torheit, da der Anschluß Deutsch-Oesterreichs an den Deutschen Bund ein ansehnliches Gegen­gewicht gegen die Vorherrschaft Preußens bilden würde. Deutschland sei vollauf berechtigt, Vor­sorge für einen zukünftigen Zusammenschluß mit Oesterreich zu treffen, besonders, wenn es an- nehme, daß der Völkerbund diesen Plan wahr- skMllich Billigen werde.

Eine deutsche Role sn die Enkèuke7

W. Berlin, 10. Septbr.

In Versailles ist folgende Note überreicht worden:;

Mit auffallender Sorge verfolgt die deutsche Regierung die von unverantwortlicher polnischer Seite aus Anlaß der oberschlesischen Vor­gänge gegen Deutschland seit mehr denn 14 Ta­gen mit unverminderten Kräften iw Wort und Schrift betriebene Hetze. Sowohl die maßlosen ; Artikel und Aufrufe in der Presse^wie die in zahl­reichen Volksversammlungen in 'allen größeren Orten Polens gehaltenen Reden über die Ereig­nisse und Verhältnisse in Oberschlesien sind ge­eignet, die breiten Massen des polnischen Volkes in eine gefährliche Erregung zu versetzen und sie zu Gewalttaten aufzureizen. Unverhüllt wird be­waffnetes Einschreiten, also der Krieg, gefordert und zur Bildung von Freischaren aufgerufen. Die deutsche Regierung glaubt der Zustimmung der polnischen Regierung, sowie der übrigen alliierten und assoziierten Regierungen sicher zu sein, wenn Ile es als eine ernste Pflicht der polnischen Regie­rung bezeichnet, diesem Treiben entgege'nzutreten und mit allen Kräften auf eine Beruhigung der öffentlichen Meinung in ihrem Lande hinzuwirken. Ein Punkt fortgesetzter Beunruhigung liegt in Umstande, daß die in der Nähe der Grenze zum Schutze der Ortschaften und der zahlreichen industriellen Niederlassungen stehenden deutschen Luppen fortgesetzten Angriffen seitens polnischer -oanden ausgesetzt sind. Diese Banden stoßen un= rZssiutet über die Grenze vor, fügen den deutschen Ortschaften Verluste zu und ziehen, sobald stärkere "futsche Kräfte erscheinen, sich ebenso schnell über le Grenze zurück. Es bedarf der größten Selbst-, fdttrschung der deutschen Truppen, daß sie sich «lcht in der Verfolgung solcher Banden zu Grenz- rrietzungen hinreißen lassen, was das zuständige "nerallommando in einer amtlichen Mitteilung M 2. September besonders hervorhebt. Es ge- ' "icht- daß die polnischen, an der Grenze bildlichen Streitkräfte untätig bleiben, vielmehr - ?ss ^ dringend erforderlich, daß diese Streit- llste für eine scharfe Absperrung der . ^ e n z e gegen einen Uebertritt von Banden kgen und daß sie verhindern, daß sich diese Ban- ^n unt Waffen und Munition versehen. Eine "dauer der jetzigen, auf die Dauer sowohl für . . ~^Pben wie für die hiesige Bevölkerung un= tn^lichen Zustände würde den Eindruck er= ^ die polnischen Ueberfälle mit Wissen t f willst der polnischen Militärbehörden er- ^-. Die deutsche Regierung möchte möglichst da? c ? Gelegenheit benutzen, um mit Nachdruck auf hinzuweisen, daß sie in enger Verbindung .»' t>er preußischen Regierung aus Rücksichten des seinen Friedens und des öffentlichen Wohles 9 bemüht ist, in Oberschlesien die Ruhe z^^Flldnung und damit die Fortführung der ^ PrârkÜüu zu sichern.

Wilson redet.

WB. Amsterdam, 11. Septbr.

Englischen Blättern vom 8. September zufolge erklärte Wilson in einer Rede in CansasCity u. a.: Wenn die Vereinigten Staaten den Völker- bundsvertrag nicht ratifizierten, würden sie viel­leicht später mit Deutschland, dem einstigen gro­ßen Volle, das noch außerhalb des Völkerbundes stehe, eintreten müssen. In einer anderen Rede, die er in St. Louis hielt, sagte Wilson: Wenn die Vereinigten Staaten dem Völlerbunde bei­träten, würden sie der erste Teilhaber und der finanzielle, wirtschaftliche und kaufmännische Füh­rer des Bundes werden. Wenn sie aber den Ver­trag ablehnten, würden sie in der Welt allein da­stehen. Das Land würde in der Finanzwelt nichts mehr zu bedeuten haben und würde gezwungen sein, eine große stehende Armee, Munitionsfabri­ken und Befestigungen zu unterhalten und höhere Steuern aufzutreiben. In Sioux Falls verlangte Wilson, daß Amerika jetzt, wo das Schicksal der Menschheit in Frage stehe, dieFührungüb e r= nehme. Er habe aus Europa den Vertrag mit­gebracht, wodurch Deutschland entwaffnet werde und worin alle anderen Völker der Welt überein- kämen, niemals wieder Krieg zu beginnen. Wäh­rend der letzten zwei Wochen hat sich die deutsch­freundliche Stimmung in den Vereinigten Staa­ten wieder bemerkbar gemacht. Alle Elemente der Unordnung trachteten zu verhindern, daß in die Angelegenheiten der Welt wieder Beständigkeit komme. Das deutsche Element trachte dadurch, daß es das amerikanische Voll vom Völlerbund fern­halte, das zu ermöglichen, was Deutschland im großen Kriege zu tun versuchte. In Omaha sagte der Präsident, England und Frankreich seien durch einen vor der Pariser Konferenz abgeschlosse­nen Vertrag verpflichtet, Japan das zu geben, was es im Friedensvertrag erhalte. Die beiden Länder könnten ihr Versprechen nicht zurückziehen und ständen auf der Seite Japans. Wenn Ame­rika den Vertrag nicht unterzeichne, so werde Japan in Schantung alles erhalten, was Deutschland besessen habe, und mehr, als es nach den den Vereinigten Staaten gemachten Ver­sprechungen haben würde. Es werde nur einen Weg geben, um Japan daran zu verhindern, näm­lich einem Krieg mit Japan und Großbritannien. Wilson fragte, ob China bamit ein Dienst er­wiesen würde, bezeichnete den Völlerbund als die einzige Bürgschaft gegen den Krieg und erklärte, er würde es für eine Falschheit denen gegenüber empfinden, die im Kriege gekämpft hatten, wenn er nicht auf seiner Annahme bestünde. In St. Paul erklärte Wilson, das teure 2 e b e n in Amerika sei zum großen Teil auf die durch die Opfer und die Verschwendung des Krieges ge­schaffene Weltlage zurückzuführen. Dazu komme

Die AMerzeichnung des Vertrags mit Deutsch-Oesterreich.

W. St. Germain, 10. Septbr.

Staatskanzler Dr. Renner unterzeichnete um 10 Uhr 15 Minuten vormittags. Die rumä­nische und die jugoslawische Delegation waren bei der Zeremonie der Unterzeichnung nicht an­wesend. Die Unterzeichnung war um 11 Uhr 10 Minuten beendet. Die rumänischen und die jugoslawischen Bevollmächtigten erwarteten die Instruktionen ihrer Regierungen. Der Oberste Rat ließ ihnen bis Samstag Zeit, ihre Absich­ten mitzuteilen.

W. Versailles, 10. Septbr.

Die Unterzeichnung des deutsch-österreichischen Friedensvertrages vollzog sich nach dem gleichen Zeremoniell, das bei der Unterzeichnung des deutschen Friedensvertrages angewendet wurde. Etwa 300 Personen waren anwesend, darunter 75 Friedensdelegierte und 50 Pressevertreter. Ministerpräsident Clemenceau führte den Vorsitz.

Irr den VöMerbunö.

Berlin, 11. Septbr.

Rach dsrVossischen Zeitung" schlägt eine Resolution in der italienischen Kammer die Rati­fizierung des Friedensvertrages vor und ver­langt die schleunigste Aufnahme der bisher feind­lichen Staaten in den Völkerbund. Die Dele­gierten der bisher feindlichen Staaten^müßten zu dem Arbeiterkongreß zugelassen werden, weil nur so ein allgemein verbindliches Abkommen, wie das über die internationale Regelung der Arbeitszeit möglich wäre. Die wirtschaftlichen Klauseln des Vertrages genügten den italieni­schen Interessen ebensowenig, wie die Regelung der Savoyerfrage. Italien sei zwar für eine

wmeMMMMMWMMMW sers zu haben, lehne aber ausdrücklich einen Prozeß gegen ihn ab.

noch, daß die Welt noch nicht wisse, wie die Frie­densverhältnisse sich gestalten würden. Die Ame­rikaner seien dfls einzige Voll, das in Zukunft über genügend freies Kapital verfügen werde, um die Weltwirtschaft wieder in Ordnung zu bringen.

Mackensen und seine Getreuen.

In diesen Tagen werden die letzten Mann­schaften der Heeresgruppe Mackensen, die bei dem allgemeinen Rücktransport im Januar und Fe­bruar zurückgeblieben waren, soweit sie transport­fähig sind, heimkehren. Nunmehr ist auch die Rück­kehr des Generalfeldmarschalls v. Mackensen zu erwarten, der seinen Entschluß, Ungarn erst nach dem letzten der ihm anvertrauten Soldaten zu ver­lassen, durchgeführt hat. Von der Verehrung und Dankbarkeit der Truppe gegen den greisen Feldmarschall gibt ein Schreiben des vormaligen Vorsitzenden des Zentralrats (Solda­tenrats) der Südostfront (Armee Mackensen) Zeugnis, das an einen Angehörigen des Feld­marschalls gerichtet ist und worin es unter anderm heißt: Unser hochverehrter Feldmarschall, der mit seinen Getreuen immer noch in Gefangenschaft sitzt, hat mit seiner Person den Rück­zug der Armee gedeckt, und dafür sind wir ihm zeitlebens unauslöschbaren Dank schuldig, dem wir, wie ich hoffe, auch äußerlich in den nächsten Monaten gewaltig Ausdruck verleihen werden. Mit Ungeduld erwarten wir den Tag der Rückkehr des Generslfeldmarschalls, der Tag wird mir und Taufenden meiner Kameraden ein Festtag sein. In der Hoffnung, daß dieses freu­dige Ereignis bald eintritt, zeichne ich mit er­gebenster Hochachtung gez. Otto Braun.

Die deutschen Kolonien.

W. Amsterdam, 10. Sept.

DerDaily Telegraph" meines aus'KüvftaSr, General Dew et habe durch Vermittlung des nationalistischen OrgansVolksblad" in Bloem- fontain ein Manifest veröffentlicht, er wolle über die ungesetzliche Eroberung von Deutsch- Südwest- und Ostafrika nicht länger schweigen. Er müsse jetzt, da Botha tot sei, zu seinem Leidwesen mit der nackten Wahrheit heraus- rücken. Die wirkliche Ursache für den Aufstand von 1914, an dem er teilgenommen habe, sei ein ungerechtfertigter Angriff auf das deutsche Gebiet gewesen. Er beabsichtige deshalb, ein­dringlich an das Volk von Südafrika zu appe- lieren, es möge die Regierung zwingen, dis deutschen Kolonien ihren rechtmäßigen Eigen­tümern zurückzugeben. Er würde das nicht ge­tan' haben, wenn nicht die von Botha und Smuts sofort nach ihrer Rückkehr aus Europa verbündete Amnestie noch immer nicht durchge- führt worden wäre. Dewet erklärte öffentlich, er werde, obwohl noch interniert, dis Regierung nicht noch einmal um Erlaubnis fragen, wenn er seinen Distrikt zu verlassen wünsche.

Die Stellung Lttausns zu Deurschland.

DDP. Berlin, 11. Sept.

Zu der Stellung Litauens zu Deutschland schreibt dieGermania": Vom Standpunkt unserer äußeren Politik ist es zu bedauern, daß wir es nicht verstehen mit Litauen eine Ver­ständigung zu erzielen. Frankreichs altes poli­tisches Streben, Deutschland einen Gegner auf den Racken zu setzen, ist trefflich gelungen durch die Errichtung des unabhängigen Staates Grotz- polen. Sollen wir uns die Rivalität und Feind­seligkeit Litauens gegen Polen entgehen lassen, um daraus eine Gelegenheit zu schaffen, durch Litauen Polen in Schach zu halten?

TeUbesetzung des Ruhrreviers durch die Enlente.

DDP. Amsterdam, 10. Septbr.

DasMgemeen Handelsblad" erfährt von wohlunterrichteter Seite, daß die Entente beab­sichtige, innerhalb kurzer Zeit einen Teil des Ruhrrevier zu besetzen. Die diesbezüglichen Pläne find fertiggestellt und werden zur Ausführung kommen, wenn die zu erwartenden Schwierigkei­ten bei der Ausführung des Friedensabkommens akut werden. Die Triebfeder dieses Planes ist Frankreich, das auf diese Weise seine Kohlennot zu beheben sucht, und da man in Versailles zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß ohne Zwangs­maßnahmen eine Regelung der den Deuffchen auf- erlegten Forderungen sich nicht durchführen läßt.

Unruhen in Glogau.

WB. Glogau, 11. Septbr.

Aus Anlaß einer gewaltsamen Senkung der Preise auf dem Wochenmarkte kam es hier zu Unruhen, sodatz Militär einschreiten mutzte. Die

Menge versuchte den Soldaten die Gewehre zu entreißen, worauf diese das Feuer eröffneten. Bis jetzt sind 10 Tote und 11 Verletzte als Opfer zu beklagen. Der Belagerungszustand ist vorläufig noch nicht verhängt. Die Arbeiter­schaft beschloß, von dem beantragten Sympathie­streik abzusehen.

Lebensmitlelkeuerung in Lübeck.

DDP. Lübeck, 10. Septbr.

Seit etwa 14 Tagen ist, nach demBerliner Lokalanzeiger", eine abermalige wesentliche Ver­teuerung der Lebensmittel in Lübeck eingetreten. Es gärt in den Arbeiterkreisen, und man er­wartet den Ausbruch von Unruhen. Sämt­liche Arbester der Dräger-Werke haben zum 24. September ihre Kündigung erhalten, da das Werk infolge der hohen Ausgaben nicht mehr in der Lage ist, die Löhne zu zahlen.

Kleine Nachrichlen.

Keine Wareneinkâufe der Kriegsgefellschaften mehr. Wie die Politisch-Parlamentarischen Nach­richten hören, hat die Reichsregierung beschlossen, den Kriegsgefellschaften, um ihre beschleunigte Li­quidation zu fördern, mit sofortiger Wirkung jeden weiteren Wareneinkauf zu verbieten. Ausnahmen kann der Reichsfinanzminister zulassen. Wie die Polistfch-Parlamentarischen Nachrichten wetter erfahren, verfügen die Kriegsgesellschaften insge­samt noch über Bestände an Rohstoffen usw. im Betrage von 2,3 Milliarden Mark. Da diese Be­stände zum großen Teil sehr teuer eingefasst find und jetzt die Preise zu finken beginnen, wächst mit der Verzögerung der Abwicklung die Gefahr von Verlusten, für die dann das Reich aufzukommen hätte.

Unpassende Pünktlichkeit. Marschall Foch -walltL_kürrlich die. StadtALlustam besuchen^uld

Unglücklicherweise traf aber sein Schnellzug zum erstenmal seit vielen Monaten punMch ein, statt mit der üblichen Verspätung. Die Folge war, daß keine der Amtspersonen zum Empfang des Marschalls auf dem Bahnhof war. Eine Viertelstunde nach Ankunft des Zuges, als der Marschall längst sein Quartier in "bet Stadt bezogen hatte, rückten Bürgermeister und Magistrat mit Fahnen und Musik und unter. Zulauf einer großen Menschenmenge am Bahnhof an. Mit langen Gesichtern mußten sie wieder abziehen.

Der Kommunistenprozeß in Ungarn. Das Neue Wiener Tagblatt" meldet aus Budapest: Die ganze Untersuchung gegen die Kommunisten nähert sich ihrem Abschluß. Das reiche Material ist fast gänzlich gesichtet, so daß die erste öffent­liche Hauptverhandlung vielleicht schon Ende September stattfinden wird. Es besteht die Ab­sicht, alle der Vorbereitung oder Unterstützung der Rktteregierung beschuldigten Personen in einem Monstreprozeß zur Aburteilung zu bringen. Die Zahl der Beschuldigten ist überaus groß. In Budapest befinden sich über dreieinhalbtausend Personen in Hast, die Zahl der Verhafteten in der Provinz erreicht fast 15 000. Auch gegen diese soll der Prozeß in Budapest durchgeführt werden. Nach Aeußerungen- von Organen der Nntèr- suchungsbehörden enthält das Strafgesetzbuch nicht ein Verbrechen, das von den Kommunisten nicht begangen wurde, so daß alle darin vorge­sehenen Straffn zur Anwendung kommen werden. Die lange Dauer der Untersuchung ist darauf zu­rückzuführen, daß nach dem Zusammenbruch des Räteshstems die Richterschaft und der Körper der Gerichtsbeamten erst .völlig restauriert werden mußte, ehe an die Aufnahme einer Gerichtsbarkeit geschritten werden konnte. In etwa drei Wochen dürfte die Untersuchung vollständig beendet fdin, da alle großen Fälle heute bereits Verhandlung, reif sind:

Amerikanischer Filmstrom. Die amerikani. schen Blätter der Filmbranche berichten, daß sich in Rew-Pork eine E. m. b. H. gegründet hat, die amerikanische Sensationsfilms nach Deuffch- land, Oesterreich, Polen und Rußland in großen, Stile exportieren will. Auch das noch!

Die Zunahme der Ehescheidungen in Ame» rika. Aus New-Pork wird gemeldet:Der Obe» ttchter von Cincinnati erklärte, daß die Mx- scheidungen die guten Sitten Ameriws bedroh­ten. Im Lcmfe eines Jahres seien über 400 006 Ehescheidungen beantragt worden. Der Richt« verlangt die Bildung besonderer Gerichtshöfe die zur Entscheidung derartiger Prozesse beste, als die gewöhnlichen Gerichte geeignet waren."