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Geneml-Anzeiger

Amtliches Organ Wr SlaSl- md Landkreis Zana«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags

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Verlagsleitung: Ad. Jndermüble. ^^antwortlich: für politischen und allgemeine« t Teil G. Schrecker- für lokalen und provinzielles Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Hanau a. M, Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Hau« Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238 v-------------------j

Ar. 209

Montag Sen 8. September

1919

M

Leichenfle-erer Cismeneeau.

Die derttsche Presse hat die Antwort der Re- iettmg auf das ungeheuerliche Ultimatum der

erten, in dem von heute

efassen dürfe, sich erübrige.

Als morgen eine Aenderung der neuen Ver­fassung des Reiches gefordert wurde, kommen­tarlos gelassen. Das geschah aus dem Gefühl heraus, daß man aus Reinlichkeitsgründen sich nicht unnötig mit einer Sache befassen dürfe, für die jedes Wort der Kritik sich erübrige. Die Note Clemenceau stellte so etwas Unge­heuerliches dar, daß man nach ihrer Lektüre nur das eine Empfinden hatte, sie zum übrigen

zu legen, und dann an etwas anderes zu den­ken. Wir haben es auch nur begreiflich gefun­den, daß die deutsche Regierung mit ihrer Ant- wort keinen Augenblick zögerte, denn es lag ja auf der Hand, daß nach Lage der Dinge ein­fach gar nichts anderes übrig blieb, als der erpresserischen Forderung Folge zu leisten. Die deutsche Antwort besagt denn im großen und ganzen auch nur, daß für das Verlangen des Herrn Clemenceau auch nicht die geringste recht- liche Begründung gegeben sei, und daß man sich mir dem ausgeubten Zwange füge. . Nur um ein übriges zu tun, wird im einzelnen festge­stellt, daß die deutschen Friedensdelegietten be­reits in den letzten Tagen des Mai in klarsten Worten gesagt haben, daß Deutschland nie an eine gewaltsame Angliederung Deutsch-Oester­reichs denke. Das war ja auch nur selbstver­ständlich, denn wo sollten um alles in der Welt die Kräfte zu einer solchen gewaltsamen An- gliederung herkommen? Es wird weiter aus­

geführt, daß der Paragraph 61 der Verfassung den Paragraphen 80 des Friedensvertrages tat­sächlich nicht berühre, und dann wird darauf hWewiesen, daß le der Friedensvertrag W»» Clemenceau

diesem unerhörten

verbieten müssen, denn der Friedensvertrag ist ja noch gar nicht ratifiziert, und außerdem steht in ihm kein Wort darüber, daß die Entente irgendwann und irgendwie die Besetzung deut­schen Gebietes noch erweitern dürfe. Aber das alles hat Herr Clemenceau natürlich selber ge­wußt und trotzdem denbedauerlichen Eewalt- akt" begangen, den wir eben erlebten. Er wirkte wie ein wilder tätlicher Angriff auf einen Schwerkranken, nein er war viel mehr: er war beinahe Leichenflederei. Denn Deutschland ist als Staatswesen für absehbare Zeit völlig erle­digt und so gut wie tot. Es gehörte die ganze Gewissenlosigkeit eines Clemenceau dazu, es trotzdem zum Objekt eines neuen Exzesses seines politischen Sadismus zu machen. Und weil dem so ist, mag auf eines noch hingewiesen wer­den: das deutsche Vofl hat schon vieles von anen bisherigen Feinden erlebt, aber dieses Ultimatum wirk» es kaum jemals vergessen kön­nen. Auch in dem Europa Clemenceaus wer­den die Völker miteinander zu leben und aus­zukommen haben, und nicht zuletzt Frankreich und Deutschland. Frankreich bedarf unserer Mitarbeit zu seinem Wiederaufbau in ausschlag­gebender Weise. Meint man jenseits der Vo­gesen, daß er durch eine solche Politik beschleu- Ulgtwird?

Zur NKekkehr unserer Gefangenen.

W. Berlin, 7. Septbr.

Die Reichszentralstelle für Kriegs- und Zivil- Mngene teilt mit: Die bereits angezeigte Kon- Mnz wurde heute vormittag im Kölner Hof zu eröffnet. Sie wurde englischerseits von Ge- «/rai Hutchison und deutscherseits von Oberst -v a u e r geführt. Als bisheriges Ergebnis mitgeteilt, daß die englische Regierung mit Mem Material voraussichtlich bis auf weiteres ,00 Gefangene täglich in Köln ° e r geben wird und wöchentlich mit eige- U Wissen 3000 Manfl nach Rotterdam unter i,.,s.Eaussehung des Einverständnisses der ^ländischen Regierung führen will. Die weitere Gerung der Heimschaffung hängt davon ab, brr o ^etn Umfange die deutsche Regierung in §A.a0e ist, rollendes Eisenbahnmaterial und

^mqn zu stellen. Das Ergebnis der hierzu Ili^n^. endigen Erhebungen wird so schnell als Der m ^^ englischen Wako in Köln übermittelt. Ijs^, "ug der Verhandlungen zeigte, daß die eng- deim x Gierung bereit ist, die Heimschaffung der fz^^n Kriegsgefangenen nach Möglichkeit zu Azi Dis einschließlich 6. September sind in knr^ "000 deutsche Kriegsgefangene übernommen

?6. Mit einer Heimkehr der in französi - sch^ ^^.-fan gen sch aft befindlichen deut- i- Kriegsgefangenen kann vor der Rati- ^^' 0 n durch Frankreich nicht gerechnet

Kelfferich an den Reichs- präfiöenlen.

W. Berlin, 7. Septbr.

Die Morgenblätter veröffentlichen ein Schrei­ben Helfferichs an den Reichspräsidenten, worin Helfferich daran erinnert, daß drei Wochen ver­gangen sind, seitdem das Reichsjustizministerium mit der Prüfung des gegen ihn einzureichenden Strafverfahrens beauftragt worden ist und im In­teresse der Reinlichkeit des öffentlichen Lebens entweder ein gerichtliches Verfahren vor aller Oeffentlichkeit fordert, oder daß aus dem Unter­bleiben eines solchen Verfahrens die einzig mög­liche Folgerung gezogen wird. Sollte der Reichs­finanzminister sich dieser Alternative noch länger zu entziehen suchen, so würde er genöttgt sein, die bisher geübte Zurückhaltung fallen zu lassen. Wie dieVossische Zeitung" hört, hat das Reichs­justizamt die Prüfung des Materials beendet und das Ergebnis der Untersuchung dem Reichskanzler unterbreitet, der entschieden hat, daß namens des Reichsministeriums Strafantrag gegen Helfferich gestellt wird.

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DemonslratiVUSU in Berlin.

DDP. Berlin, 8. Septbr.

Wie derLokalanzeiger" meldet, veranstalte- gestern der freisozialistische Jugendbund einen

internationalen Jugendtag in Pischelsberge bei Spandau, der mit großen Demonstrationen en­dete, die vom Militär auseinandergesprengt wurd-

den. Um vier Uhr nachmittags versuchten die Versammlungsteilnehmer in demonstrativer Weise unter Vorantragen von roten Fahnen und Schil­dern nach Spandau zu marschieren. Bei Pischels- berge stellten sich ihnen jedoch Reichswehrtruppen entgegen, die die Heerstraße abgesperrt hatten. Da

ttè P^ bie Menge nicht freiwillig auflöste, gaben

Truppen Schreckschüsse ab. Dadurch gelang es, die Demonstranten zu zerstreuen. Einer Menge gelang es trotzdem durch die Tauentzienstraße, Kleiststraße und Potsdamer Straße bis zum Potsdamer Platz zu gelangen. Vor dem Hauptgebäude des Pots­damer Platzes samppelte sich um die lärmende Ju­gend eine große Menschenmenge. Es wurden auf­rührerische Reden gehalten, und es schien, als ob

es zu neuen Demonstrationen kommen sollte. Kurz vor 8 Uhr erschien die Polizei und säuberte den Platz. Die Menge löste sich in kleinen Haufen auf, von denen einer nach den Linden zu gelangen suchte. Hier trat ihm Sicherheitspolizei entgegen und zerstreute ihn.

Wirtschaftliche Fragen.

W. Amsterdam, 8. Septbr.

Die vom englischen Munitionsministerium er­nannte Kommission zur Untersuchung der Ver­hältnisse in den Eisen- und Stahlwerken Loth­ringens, des besetzten deutschen Gebietes, Bel­giens und Frankreichs hat englischen Blättern vom 5. ds. zufolge ihren Bericht veröffentlicht. In ihm wird u. a. gesagt, daß die l o t h r i n gi­sch en Eisen- und Stahlwerke, da sie mit der Kohlenversorgung vollständig von Deutsch­land abhängig seien, sich in einer sehr wenig be­neidenswerten Lage befänden. Die Kölnische Ab­teilung der Kommission ist zu dem Ergebnis ge­langt, daß Großbritannien ttotz Vergrößerung seiner Werke während eines Krieges nicht im­stande sein würde, mit Deutschland in der Eisen- und Stahlindustrie unter den gleichen Beding­ungen zu konkurrierest, wenn die deutschen Werke in der Lage wären, unter ähnlichen Bedingungen zu erzeugen wie vor dem Kriege; denn die deutsch^ Eisen- und Stahlindustrie sei moderner einge­richtet als die britische. Die Kommission erklärt, sie sönne sich über die schließliche Wirkung der durch den Krieg in der wirtschaftlichen Lage Deutschlands hervorgerufenen Veränderung noch kein Urteil bilden. Sie habe aber den Eindruck er­halten, daß der Vorteil, den Deutschland früher hatte, trotz der noch bestehenden technischen Ueber- legenheit abgenommen habe, da die Arbeitslöhne in Deutschland sich jenen in England mehr ge­nähert hätten und auch sonst die Erzeugungskosten gestiegen seien.

Der Vertrag mit Bulgarien.

Berlin, 8. Sept.

Wie demBerliner Lokalanzeiger" aus Basel gemeldet wird, hat lautBaseler Rachrichten" der Oberste Rat endgültig den Vertrag mit Bulgarien gutgeheißen. Bulgarien muß auf Thrazien verzichten und die später von den Alliierten festzusetzende Neugestaltung annehmen. Dafür erhält es den freien Verkehr mit dem Hafen von Dedeagatsch und die Benutzung der Schiffahrtslinien, sowie die Binnenschiffahrt auf

Das Verfahren gegen den früheren Kaiser.

W. Amsterdam, 7. Sept.

Nach einer Meldung des Pressebüros Radio aus Annapolis erklärte Lansing in einer Rede über die Verhandlungen der Friedenskonferenz bezüglich deS vorgeschlagenen gerichtlichen Verfahrens gegen den früheren deutschen Kaiser, es sei vom ersten Augenblick an ersichtlich gewesen, daß die Mitglieder der Kom­mission entschlossen waren, vor allen anderen den Kaiser vor einen internationalen Gerichtshof zu ziehen. Drei Anklagen könnten gegen ihn erhoben werden, nämlich, daß er für den Krieg, für die Verletzung der belgisch- luremburgischen Neutralität sowie für flagrante Ver­letzungen der Kriegsgebräuche durch deutsche Streit­kräfte verantwortlich sei. Die Kommission habe mit der Untersuchung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit begonnen, sei aber schließlich einstimmig zu dem Er­gebnis gelaugt, daß es nicht möglich sein würde, den Kaiser für den AuSbruch des Krieges oder für den Einmarsch in Belgien und Luxemburg st r a f r e ch t- lich zu verfolgen. Die Kommission erkannte zwar an, daß der Kaiser die moralischen Verbrechen gegen die Menschheit begangen hat, sah sich aber gleich­zeitig genötigt zu erklären, daß es kein positives Gesetz gebe, durch das das Verhalten des Kaisers zu einem strafbaren Verbrechen gestempelt würde. Die Schuld des Kaisers sei nicht derart, daß sie von einem Gc- nchtsbofc festgcstellt und bestraft werden könnte.

Die deutsche Antwort unannehmbar.

Berlin, 8. Sept.

LautLokalanzeiger" bezeichnet eine halb­amtliche Pressenotiz die deutsche Antwortnote in Sachen der Anschlußfrage Deutsch-Oestereichs

aèner.

rfolg der

Berlin, 8. Sept.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" gibt eine Meldung des ukrainischen Pressebureaus wieder, nach welcher die ukrainischen Streitkräfte Kiew von den Bolschewisten gesäubert haben und bei der Veftolgung 50 Meilen über Kiew längs des Dnjeper vorgedrungen sind.

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Die italienische KsmMer.

DDP. Lugano, 7. Septbr.

Die Kammer nahm gestern die Debatte über die Ursachen, die 311 der Niederlage von Caporetto führten, auf. Nitti machte darauf aufmerksam, daß Italien unter allen Kriegführenden als erste Macht eine solche Untersuchung cingeleitet habe. Die Worte der Aner­kennung, diè er der Armee spendete, fanden auf allen Bänken demonstrativen Beifall. Ein Antrag auf Ver­schiebung der Debatte und Einleitung einer parla­mentarischen Untersuchung wurde auf Wunsch der Mehrheit und der Regierung abgelehnt. Die Kammer vertagte sich auf Dienstag.

Wilson gegen Geheimverkräge.

W. Haag, 8 Septbr.

Wilson erklärte, wie derNieuwe Courant" aus St. Louis meldet, in einer Rede in der dortigen Handelskammer, er sei gegen die Ge­heim vertrüge Eroßbritaniens und Frank­reichs. Er hoffe, daß unter dem Völkerbund Eeheimvertrüge unmöglich seien.

Aeberall Kohlennok.

w. Prag, 8. Sept.

Der Präsident der Republik empfing gestern vormittag eine Deputatton der Stadt Wien mit dem Vizebürgermeister Emmerling an der Spitze. Es wurde ein .Vertrag über die Kohlenliefe- rungsn abgeschlöffen und der Präsident gebeten, diese Sache zu unterstützen. Er erklärte, daß er die schwierige Lage in Wien anerkenne, je­doch sei in Prag keine überflüssige Kohle vorhanden. Wir wünschen, sagte der Präsident, daß die Beziehungen Oestreichs uns gegenüber stets freundlich seien, insbesondere, soweit es sich um wirtschaftliche Verhältnisse handelt.

Der Besuch der Kronprinzessin in Mieringen.

DDP. Rotterdam, 8. Septbr.

Ueber die Ankunft der Kronprinzessin in Wieringen bringen die Blätter spaltenlange Artikel. ES nürb bemerkt, daß das Wiedersehen mit dem Kronprinzen außerordentlich herzlich war. Ganz besonders war dies bei dem jüngsten Prinzen Friedrich der Fall, den der Kronprinz besonders wiederzuschen gewünscht hatte. Am Nachmittag machte das kronprinzliche Ehepaar einen Spaziergang in Wieringen. Sie wurden von der Bevölkerung sehr ehrerbietig gegrüßt. Das Pfarr­haus, wo der Kronprinz wohnt, und andere Gebäude sind mit Guirlanden geschmückt.

Dünadurg von Litauen erobert.

DDP. Kopenhagen, 8. Septbr.

Wie das StockholmerAftonbladet" meldet, haben die Litauen Dünaburg erobert.

Der Besuch -er Leipziger ÄervstMesse.

Wi. Leipzig, 7. Septbr.

Ueber den diesjährigen Besuch der Messe durch am Geschäft beteiligte Personen läßt sich nunmehr ein einstweiliges Bild gewinnen. Es wurden bis einschließlich Donnerstag dem 4. September 87 832 Abzeichen, die zum Besuch aller Meßpa­läste berechtigen, gegen entsprechenden Ausweis an Einkäufer abgegeben; außerdem wurde« etwa 80 000 Ausstellerlegitimationskarten, die nur zum Betreten des Hauses, in dem sich die be­treffende Ausstellung befindet, berechtigen, verab­folgt. Es ergibt sich danach bis einschließlich Donnerstag ein festgestellter Meßbesuch kauf­männischer Interessenten in der Höhe von rund 118 000, eine Zahl, die bis Samstag, dem letzten Meßtage, noch ein wenig steigen dürfte. Nicht in die Berechnung einbezogen sind die den Aus­stellern verabfolgten Abzeichen, weil deren Emp- fänger zum größten Teil dieselben Personen sind, die Legitimationskarten erhalten haben. Stellt man Vergleiche mit der Herbstmesse 1918 und der Frühjahrsmesse 1919 an, so zeigt sich, daß der Zu­wachs 18 000 und 24 000 beträgt. Gegenüber dem Zuwachs der A u s st e l l e r f i r m e n, der dies­mal eingetreten ist, hätte die gesamte Besucher­zahl noch größer sein müssen, wenn das Verhält­nis zwischen Aussteller und Einkäufer das gleiche sein sollte wie vor einem Jahre. Zum Teil ist das veränderte Verhältnis zwischen der Gesamtzahl der Besucher und der Zahl der Ausftellerfirmen

hängen, daß diesmal die Fahrpreisermäßigung auf den Eisenbahnen weggefallen ist.

Kleine Nachrichten.

Gegen das Treiben der Putschisten. Aus Bonn wird denLeipz. N. N." gemeldet: Bei den rheinischen Arbeitern wächst die Erbitterung gegen das Treiben der Putschisten von Tag zu Tag und man trifft Vorbereitungen, um gegen Ueberrumpelungen in der Rheinpfalz gerüstet zu sein. In einer großen Volksversammlung machte der sozialdemokratische Abgeordnete Sollmann be­merkenswerte Mitteilungen über die Wühlereien zur ungesetzlichen Herbeiführung einer rheinischen Republik, die mit großen Geldmitteln betrieben werden In beiden sozialdemokratischen Parteien hätten sich bestochene Söldlinge eingeschlichen, die mit allen Mitteln versuchten, die sozialdemokra­tischen Führer zu kompromittieren, um die Arbei­ter im Kampf gegen die Abfallbewegung irre zu machen. Nur bei der U. S. P. hätte die Wühl­arbeit vorübergehenden Erfolg gehabt. Es sei jedoch sicher, daß demnächst ein neuer großer Ver­such der Putschisten bevorstehe. Geld spiele keine Rolle. Nach dem Vortrage gab ein Gewerkschafts­führer im Namen von 20 000 rheinischen Arbei­tern die Erklärung ab, daß mit allen Kräften für den deutschen Einheitsstaat gearbeitet werden müsse. Wenn eine rheinische Republik auf ungesetz­liche Weise zustande käme, würden die rheinischen Arbeiter sie kaputt streiken.

Eine Judas-Tat. Vor drei Wochen pflanzten einige Meraner Alpinisten auf der sehr schwer zu erkletternde.n Santnerspitze im Schlerngebiet den Italienern zum Trotz eine Fahne in den Tiroler und den deutschen Farben auf. Das italienische Truppenkommando in jener Gegend suchte zu­nächst das Aergernis durch Maschinengewehre, die auf dem Rücken des Schlernmassivs ausgestellt wurden, zu beseitigen; als das mißglückte, wurde versucht, die Verüber der Freveltat auszuforschen, aber nur mit dem Erfolg, daß dem Kommando anonym die Leute denunziert wurden, die sich bei näherem Zusehen als ein Minder, ein Einbeiniger und ein Leiber Arme beraubter Krüppel heraus­stellten. Nun wurden hohe Belohungen für die Herunterholung der Trutzfahne ausgeschrieben, lange vergeblich, bis endlich jetzt, nach drei Wo­chen, ein Mann sich fand, der für den Lohn von tausend Lire es unternahm, die Fahne herunter­zuholen, die so lange in einer Höhe von fast 3000 Metern der Italiener gespottet hatte. Aber nicht etwa ein Italiener war es, der diese Tat vollführte, sondern ein Landeseingeborener, der in Alpinistenkreisen wohlbekannte Bergführer Piaz am Perra im Fassetal. Es ist das derselbe Piaz, )er, als er im zweiten Jahre des Weltkrieges landesverräterischen Treibens beschuldigt wurde, entrüstete Proteste erließ und sogar die Gerichte zum Schutze seiner angeblich zu Unrecht ang$» tasteten Ehre als Tiroler Patriot attciet