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Der Fortgang der ^Enthüllungen".

Bela Kuns Sturz.

Die «u'garMe SowjettepUbUk ist nach 134 Tagen des Be­stehens am Ende. Bela Kun hat unfreiwillige rweise die Re- giermngszügel aus der Hand legen müssen, die Rateregierunig ist gestürzt und eine neue, re^n sozialistische Regierung ist an Ore Stâ getreten. Bereits feit eimitzen Tagen fanden Ver­handlungen zwischen gemäßigter ungarischen Sozialisten, den militärischen EntentelommMonen einerseits und Bela Kun andeverferts statt, die sich aber wieder zerschlugen, bis der Um­schwung der militärischen Lage auch den politischen Umschwung brachte. Bela Kun hatte in einem FunkspruchAn Alle" noch einmal das Land erneut zum Kampf aufgerufen, aber sein Be­ginnen war nutzlos, die ungarische rote Armee, beten1 Erfolge gegen die Tschechoslowaken im Laufe der Zeit auch ab gebröckelt waren, vermochte sich gießen die Rumänen nicht zu halten. die siegreich die Theiß überschritten hatten ob nun in geringer Entfernung vor Budapest stehen. Bela Kum versuchte es mit einem Waffenstillstand, der aber wurde von den Rumänen ver­weigert, und so blieb nichts übrig, als der Sturz der Rate- regierung. Es fft nun bei der neu geschaffenem Lage zu berück­sichtigen, daß sich auch die neue rein sozial^ffüffche Regierung, deren Programm Ruhe und Ordnung im Innern und Frieden mit der Entente ist, auf die Räte stützt, und es sind noch keime Karen Verhältnisse insofern geschaffen worden, als eine Stel- lumgnahme mit der soweit«:» ungarischen Regierung, die in Szegedin ihren Sitz hat, noch nicht erfolgt ist. Giotto eilen Mw wär nur den völligem Zusammenbruch Ungarns. Die fünf Monate Sowjetrepublik haben das Land völlig ins Verderben gebracht, und es ist eine schwere politische Schuld des jetzt lan-

tn die Hände der Bolschewisten gissest hat! "Aië'industri^e'" Produktion liegt völlig danieder. Die Finanzen und die aus­wärtigen Handel sbeziehu tgen bsfmdsn sich in einem chaotischen Zustand, der unbeschreiblich ist. Die Ernährungslage ist gerade- M enfetzlich, besonders in Budapest. Die Hoffnung auf die Meltrevolution hat nun abermals eine große Erschütterung er­fahren. Ungarn ist um eine Erfahrung reicher, die es leider allzu teuer bezahlen mutzte. Es ist nun M hoffen, daß der Tag nicht mehr fern ist, an dem auch das ungarische Volk Eelegen- hott hat, seinen Willen unverfälscht kundzutun, und sich kraft seines Willens eine Regierung zu schaffen, die den Ausdruck der Polksmehrheit bildet. Auf dieser demokratffchen Grundlage^ alleün wird NrâMM ein schönerer Weg in die Sufoft Mren. . R.

Die Vorgänge in Ungarn.

WB. Budapest, 4. August.

Sie Regierung hat eine Proklamation an das ungarische Die Entente-Mächte haben

Volk erlassen, in der es heißt: ein Ultimatum an uns gerichtet, chlf dem Boden des Rätesystem

m

. ---------- utesystems stehende Regierung durch

«ne andere Regierung abgelöst werde. An diese Bedingung haben sie den Beginn von Friedensverhandlungen geknüpft.

Regierung war der Meinung, daß gegenwärtig ein Wwerstand den Entente-Mächten gegenüber mir zu nutzlosem Blutvergießen führen würde und legte deshalb ihr Amt nieder, m r^^ufige Verwaltung des Landes ist entsprechend einem Beschluß des Zentralarbeiterrats durch eine neue Regierung uvMwmmen worden, die sich aus Führern der disziplinierten uns bewaffneten ungarländischen Gewerkschaften konstituiert Die neue Regierung stützt sich auf die Kraft der selbst- ^ußten organisierten Arbeiterschaft. Ihr Ziel ist die Auf- Nchterhaltung der Ordnung und Beginn von Verhandlungen den Entente-Mächten. Wir haben keinen Grund zu ver- Wen. Wir halten kräftig die Theiß-Front. Aber auch zu Hause ist Disziplin und Standhaftigkeit notwendig. Die neue Legierung vertraut darauf, daß die organisierte Arbeiterschaft weder sas Treiben der Gegenrevolutionäre, noch der Plünderer «Aden wird. Wer die Ruhe und Disziplin verletzt, den wird Agierung ^ ^^ vollen Macht zu treffen wissen. Mit der Aufrechterhaltung der Ruhe und Disziplin die neue Legierung den Kriegsminister beauftragt."

Eine ErLlmuitg Hindenburgs.

WB. Berlin, 4.August.

Von der Kommandostelle Kolberg geht uns folgende Kund- ^ebung zu: Die Angriffe gegen meinen früheren Mitarbeiter, eneral Ludendorf, mehren sich. Ohne mich in eine Erörterung ^er das Unberechtigte dieser Angriffe einzulaffen, bemerke M für alle Entschließungen der Obersten Heeresleitung allein die volle Verantwortung trage. General Ludendorff hat stets im Einverständnis mit mir gehandelt. Wer General Ludendorff trifft, trifft also mich.

Hannover, dpr 81. Juli 1919.

Esz.: v. Hindenburgs Gensralfeldmarkckall.

Der MarschaVstab im Tornister?

BeKmLrrtfuKKSN.

Die von Dr. Heinze von der Deutschen Volkspartei gestellte und von dem Abgeordneten Dr. Most begründete Anfrage über die Stellung der Regierung zur Beamten­schaft hat in Weimar dem Reichsminister Dr. David Ver- anlassung gegeben, der deutschen Beamtenschaft besondere An­erkennung Mr ihre Pflichttreue und aufopfernde Arbeit während des Krieges und nach dem Kriege auszufprechsn. Auch im übrigen hat er sich über feine Stellung zu Beamteu- fragen in einer Weise ausgesprochen, die sicherlich und nicht zuletzt von dm Beamten selbst mit lebhafter Zustimmung begrüßt werden wird. Daß er dabei Vergleiche zwischen dem alten und dem neuen System zog und alle Vorteile und Fortschritte mir auf der Seite des neuen parlamentarischen Systems sah, ist ohne weiteres zu verstehen. Und mit der Kritik, die er an dem alten System übte, hatte er zweifelsohne in Dielen Punkten recht, namentlich, wenn er sagte, daß früher dis Laufbahn eines Beamten, der feinen höchstm Vorge­setzten rückhaltlos stilisiert hatte, abgeschlossen gewesen wäre. Nur ftüher?*', so fragen verschiedene Blätter und dieKöln. Ztg." meint, die Angelegenheit weiter ausspinnend, wenn Dr. David dagegen meinte, daß unter dem neuen System ein Beamter nichts mehr zu fürchten habe, der lediglich nach seinem Gewissen handle, so darf man dahinter wohl einige Fragezeichen machen. Weiß man doch schon jetzt, daß die Beamten von der neuen Regiemng stark nach ihrer Ge­sinnung gesichtet werden. Noch mehr Wiederspruch wird Davids Ausspruch Heworrufen, daß jeder Beamte den Marschall- stab für die leitenden Stellen im Tornister trage, der Weg gebe hinauf, freie Bahn dem Tüchttgm! Demgegenüber darf man wohl fragen, ob diejenigen, die heute ihre Marschallstäbe sind. And weiter ist die Frane erlaubt, ob die Auswahl gerade für dis leitenden Stellen unter dem _ Gesichtspunkt fachlicher Tüchtigkeit und gründlicher Kensitniffe oder nicht vielmehr patteipvlittscher Geschicklichkeit und Verdientheit ge­troffen wird. In den höchsten Stellen ist das zweifelsohne der Fall; es wird aber, je länger das neue System dauert, voraussichtlich auch bis in die mittlern und unteren Stellen kaum anders fein. Ist das aber der Fall, so mache man endlich Schluß mit dem Schlagwort von der freien Bahn für die Tüchttgen und ersetze es durch das Wott von dem Ge- finnungsüichttgen, der überall freie Bahn finden und sich um so leichter behaupten wird, je schneller er seine Ge­sinnung wechselt.

Unsere LebensMittelversorgung.

Berlin, 7. August.

3m ReichSernätzruugSmiuisteriu« ist die Frage erwogen worde», ob es nicht möglich wäre, für gewisse Lebensmittel, die in stärkerem Matze als bisher aus dem Auslande eingeführt werden, einige Er­leichterungen der Zwangswirtschaft z« schaffen. Dagegen ist nicht daran zu denken, daß zum Beispiel Fleisch, Butter und Milch der Kontrolle entzogen werden. Außerdem besteht in der Milchversorgung die Befürchtung, daß hierin eine Einschränkung nötig sein wird. Was die Brot- und Mehlversorgung anbelangt, so hofft man an zuständiger Stelle, vom 1. Oktober ab in der Lage zu sein, in den Wochen- ratiouen eine bedeutende Erhöhung eintreten zu lassen. UebrigcnS läuft die Aktion der Regierung $i« Senkung der LebenSuuttelpreise im Oktober ab. Es besteht nicht die Absicht, sie fsrtzuschen, da man im ReichSwirtschastsmiuisterinm hofft, dah die Schleichhandelspreise schon so weit herabgedrückt sei» werden, datz die Regierung den Abbau ihrer Anschüsse w:rd beziunsn können. Die LebenSmitteleinfuhr aus neutralem und bisher feindlichem Auslande wird sogar stärker, trotz­dem die Regierung die LebensnMel nicht, wie bisher, mit Goldmark bezahlt, sonder« mit fremder Valuta.

Geueralquartiernreister p. Stsm über seine Enèlaffung-

In seinem soeben erschienenen Buche: Erlebnisse und Be­trachtungen aus der Zeit des Wrltkrieges (K. F. Kochler, Verlag, Leipzig) lüftet der ehemalige Eeneralquartiermeister v. Srèm endlich den Schleier über die Ursachen seiner Ent­lassung. Er fühtt wörttich aus:

Ich lege Wert darauf, festzuftellen, datz ich nicht freiwillig gegangen bin, da geglaubt werden könnte, ich hätte in schwerer

des Vaterlandes meinen Posten verlassen. Der Vorgang war eigenartig senrvg. Ich lernte den Prinzen Max erst in Berlin keniren. Er trat sehr freundlich zu mir und erinnerte sich, daß ich an der Spitze einer badrsthen Eraerolkommandos geMnden hatte. Wenige Tage später war ich zu ebner Sitzung geladen. Der Prinz betzrirtzte die VerjarnmUmg und verab- fchiedete sich wieder, da er wegen eines wichtigen Thronvor- tragte y:m Koffer fahren müsse. Bei seinem Fortgang« wech- sÄten wir noch einige Worte, wobei er wieder sehr freundlich mar. Bei dem Thronvortrage hat er dem Kaiser gneine Ent­lassung zur Bedinguaa gemacht. Hätte er mir ein Wort von einer Absicht gesagt, so würde ich dem Kaiser die Zwangslage erspart und sofort meiste Entlassung erdeten haben. Das Ber- sohr«« h«t mir nicht gesaftete, aber für die Entkrssu-ng 64h ich dankbar «Zweien."

Die Erzbergerschen ErtihüLmgen.

DDP. Berlin, 4. August.

Bor einigen Tagen ging die Nachricht durch dir Presse, daß b« Gesandt« v. Rosenberg, der Leiter der Politischen Abteilung bei Aus­wärtigen Amt«, seinen Abschied genommen habe. ES war zur Er­klärung hinzngefügt, er trete zurück, ba er seinerzeit das Amt nur vorlâusig übernommen habe. Nun erfährt man den wahren Grund für seinen plötzlichen Abschied. Esi wird in Weimar offen erzählt, daß sein Rückttitt in unmittelbarem Zusammenhang mit den Erzbergerscheu Enthüllungen steht. Er scheidet cmS dem Amte, weil er sich außer­stande steht, die Darstellung Erzbergers über die Vorgänge vom Oktober 1917 amtlich zu decken.

Die Erhöhung der KvhrsnproVuktion.

Berhandlrtrrgen der ZscheAvsrdânde mit dem Keichsministerpräftsenten.

Reichsmmisterpräfident Bauer hat für Mittwoch dieser Woche Vertreter der drei Vergwsttsorganisationen, der Ee-, werkschaftszenttale, d srZentralstelle der Angestelltenorganisation und des Rheinisch-Westfälischen Zechenverbandes, sowie des Oberfchlefischen Zechenverbandes nach Berlin eingeladen, um mit ihnen die Maßnahmen zu besprechen, die notwendig sind- um eine Steigerung der Kohlenproduktion zu ermöglichen.

Unsere Rheinlande.

Veachtenswerts Erleichterungen für das besetzte Gebiet.

WB. Berlin, 3. August.

Die Antwort der Entente auf die am 11. und 12. Juli in Versailles von der deutschen Kommission für das Rheiulands- altaniTren gestellten Forderungen wegen der Ausführung des I Abkommens über die militärische Besetzung der rheinischen Ge- ! biete trägt in einer Reihe von wesentlichen Punkten dem deut- fchqv Ssändpuichr >^¥^ jiO g jfe^^X^ von vevsöhnlrchem Echt -setra^eTben Ton gehalten. D^e Ant­wort beginnt mit der Versicherung, daß die alliierten und asso­ziierten Regiâ'uoen immer die Alssicht gehabt haben, die Besetzung so wendig drückend als möglich für die Be­völkerung des linksrcheinffchen Gebietes zu gestalten, voraus­gesetzt, bös; Deutschland die Bedingungen des Friedensver­trages genau erfüllen wird. Unter dem Vorbehalte, daß die Ententemiffion bas Recht haben holl, im lintsr'Minijchâ Se= biete Verordnungen mit Gesetz er kraft zu erlassen, die die Sicherheit der alliierten militärischen Kräfte gewährbeisten, soll die oosiehenk-e und künftige Gesetzgebung des Deutschen Reichs und der Bundesstaaten in der» besetzten Gebiet« keiner Beschränkung unterliegen. Unter diesem Vorbehalte wird ferner anerkannt, daß die Bevölkerung die freie Ausübung ihrer persönlichen und staatsbürgerlichen Reichte geniesst: Religiöse Freiheit, Freiheit der Presse, der Wahlen und Verfammlangen und freie politische, rechtliche, abmin^tratroe unkd wirtschaft­liche Beziehunrem mit dem '.mbesetzten Deutschland. Ebenso wird die Verkehrsfteiheit zwischen dem besetzten und^Unbofetzten Deutschland gewährleistet. Wertvoll ist das Zugeständnis, daß der bevorrechtigte Gerichtsstand, den die An- und Zugehörig­keit der alliierten Truppen ©enteren, nicht am deutsche Staats­bürger erteilt werden darf. Die Antwort geht sodann auf die Verwaltung in den besetzten Gebieten ein und spricht davon, daß nicht die SibfW besteht, die politische und verwaltungsrecht- liche Einteilung abzuändern, und daß die ZivilverwaltUng auch die Verwalttmtz der Finanzen umfaßt, daß also die Einkünfbe des Reiches ob der Bundesstaaten in den besetzten Gebieten vereinnahmt und von den zuständigen deutschen Behörden ver­waltet werden können. Bei der UnterLriuMMg der Truppen und DcienMllen soll angesichts der Wohnungsnot in den be­setztes: Gebietenin versöhnlichem Geiste vorgegangen werden. Die Freiheit des Verkehrs durch Briefe, Telegramm- oder Fernsprecher wird zwischen dsm befetzten und nichtbefetzte» Gebiet wieder her gestellt werden, uâr dem allgemeinen Vor­behalte der Folgen eines Belagerungszustandes. Grundsätzlich liegt es in der Absicht, die versüiiânen von den militärischen Stellen der Besatzung während des Wasfeiffttllstandes erlasse­nem VerordnAngen autzoheben. Jed« Einmffchung im die innere Orgamfation Deutsâflands wird abgelehnt. Agenten wie bis­her, die beauftragt sind, die deuMen Behörden zu beauffich- tiaen. wird es nach dem Inkraft tuÄen des fyriebensVertrages «M mohr aeben. Der öffeNtlickie Unterricht bleibt ein Be­standteil der deutschen Ztvilverwâng. Es heißt ausdrücklich, daß die deutsche Regierrmg nicht zu befürân hat, daß ftemd- lpracbiger Unterricht aus Anordnung der Besatzungsmächte ein. gefiihrt werden wird. Löcrs die Beitzreibwngen betrifft, so ver- kprijcht die Aritwort, dafür Borschlüge entgegerHuifchmen und sodannein ReAenue.lt im Geiste der BiN-gSeit und Der- fÄMUng" hcransFugebe«. *

Do« zuständiger Seite wnL Yierzs bemerkt: Die Antwort bei. Enteilte Halt das deutscherseits unterzeichnete und ratifiziert« Abkommen arffrecht, will ober in seiner Handhabung Zmge- stündnisse ob GrW(bte«ineen S«gch»hs«. Dem in der Amt­wort mehrmals zum Ausdruck gebracht«« .prersöhnlick^n Geist wollen wir gern anerf ernten, im übrigen aber noch de» bitte? ren Erfahrungen der WafserrstiÄstandsKeit abwarten, ob dieser Geist auch alle Nachgeordneten militärischen Kmxmandofieüeu beseelen wird. Härten bleiben trotz alledem noch überreichlich »Sie 15 Jahre ertragen zu müsse«, wird tür die erwäg der besetzten Rhein geb tute eine schwere Last «nd Prüfung sein. Wenn der versöhnliche Geist, den dre Entente der Bevölkerung des linksrheinische« Gebietes zufichert, erträg­liche Lstrkliükeit werden soll, wirb sie sich w raerteren Mrlde- Mmgen bereit erklären müssen. Diese amprstvebo«, ist Ausgabe der in ba nähten T^n LpL-Nlkcude« wit^e» sa»tb«*t