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Nr. 173 Esschäftsste^lle ob Redaktion: Hammerstratze Nr. 9 Mont« den 28. Juli

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Geschäftsstelle ob Redaktion: Hammerstratze Nr. 9

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DieEnthüllungen"

Betrachtungen zur polttischen Debatte.

'Den .Sitzungsbericht der Nationalversammlung vom 25. Juli wird auch der, dessen politisches Bekenntnis mit der Regierungsmehrheit überetnsiimmt, nur mit dem Ge­fühl derBitterkeit aus der Hand legen und sich über Erzbergers Sieg n ich t so recht freuen können.

Die Gewi tte rsiimmune, die sich in der letzten Woche zusammengebraui, von Helfsrichs Anklagen bis zu Bauers und Müllers Programmreden ist in den Anklagen des deutfchnativnalen Sprechers und in Erzbergers Ant­wort zum scharfen Ausbruch gekommen.

Ernsthaft hatte wohl niemand an einen gewissen A-us- gleich zwischen Regierungspartei und Opposition zu glau­ben gewagt, aber man hoffte so unermüdlich, wie man vom Waffenstillstand Lis heute auf das Besserwerden gehofft, die Parteien würden in der harten Arbeit des Wiederauf­baues den Weg zur W rederannaherung finden, würden vor dem bitter hartenM u ß" der Gegenwart das Kriegs­beil vorerst begraben wer es tat, hat sich auch diesmal bitter getauscht.

Der Abgrund, der sich an diesem Tage zwischen den Regierungspartcic« und der Rechten auftat, ist nun nicht mehr zu überbrücken, es sind zwei Weltanschauungen, die sie scheiden.

Erzberger hat im Namen der Regierung das Tischtuch lichten Herzens zerschnitte«; wir glauben, daß die Bürde die^r Schuld auch dem starknervige« ehrgeizigen schuMbi- sch«r VoSsfchvllehrer einst zu schwer werden wird.

Der Abgeordnete v. Grâfe hat gesagt,er zweifle nicht, .Enthüllungen im Muse^eine BeKiftEungsatmosphäre z« l'^affett*. Es ist dem Minister Erzberger gelungen., noch­mals zu siegen^ er hatte den Beifall der Mehrheit auf seiner Seite.

Wir wollen auf v. Gräfes Abrechnung nicht eingehen and unsern Lesern nur empfehlen, sie in den rechts steh AL den Blatter« «achzubesen. Es ist keiner unter uns, der !sagen konnte, er durchschaue ganz, was in den fünf stolze«, unglücklichen Jahren hinter den Regierumaskulvssen vor­ging; auch der ehrliche politische Gegner wird in Gräfes Wede manches finden, was ihm Grund gibt zum Nach­denken.

War diese Rede von sittlichem Ernst getragen und er- Rllt von dem stolzen Bekenntnis zur Monarchie und einer .Politik, die nicht deshalb falsch war, weil sie unglücklich «Lebe, an deren Unglück aber diejenigen die Schuld tragen, die dem Widerstand den Wirbel brachen, so stand Erzchergers Antwort auf der Stufe niedriger Parteihetze.

_ DieKreuKeitung" urteilt:Der Mmm der anstän- kigen Gesinnung, der sich selbst treu bleibt auch nach dem Zuscunmenbruch, und jene taktischen Siege des politischen Schiebers, der feine Qualitäten je nach der Konstellation vbzustimmen pflegt, traten einander gegenüber."^

Welch Urteil stellt sich die Parlamentsmehrheit aus, wenn es einem Mann, dessen politische Skrupellosigkeit niemand leugnet, gelingt, durch einsettige, sensationell frisierte Enthüllungen seine Anhänger so zu suggerieren,

alle LNMnstöstlichen Anklagen, der mnvidmlegte ^rtrauenebrnch durch Weitererzahlen des streng ver­traulichen österveichisch-unzarffchen Cchwächebekenntniffes, der wilde AnnexionismW, der seine Hand nach englischen unfein ausstreckte weit zurücktveis« und nun das Bild ^res aus endloser Gutmütigkett erwachenden, gefin-nungs-- züchtigen Nepnblibaners Aeibt, der in bett Frermdesavme-n bes päpstlichen Nuntius schon im Sommer 1917 s-eherisiH DevtWaâ Untergang heweintel

Wer es hörte, wie Erzberger dem ALAsänete« Hvgeaberg, einem der erstem deutschen JnÄustriân, zu- «ef: »Warten Sie ruhig, Sie sind mir gerade der Rich- der 'sich nicht mehr das Gesicht des-momdes aus

Ulk", der hatte das mvangenehme Gefühl, eine« fl oft ftrotzeâen Ringkämpfer arff dem Podium zu sehe«, ver ftiernackig seine Gegner zum Kampf herausfordërt.

Die Atmosphäre der Begeisterimg war da, aber sie ahuelte der einer Kneipe und hatte wenig gemein mit ver Stimmung, die in einem Hause Herrchen sollte, das Abgeordnete« eines besiegte«, aber im E^end noch 'Nen Votkes umsängt.

Herr Erzberger hat die Schuld tut der MSchMtwg der päpstliche« Vermittlung dem MAitör u«K den Rechtspar- auf die Schultern gebürdet; er hat dies nicht als Ab­geordneter getan, solcher« als verantwortlicher Minister Krochen.

Noch liegt uns das englische Telegramm, um das sich dreht, nicht vor. Ob es veröfleMlicht werden wird,

und ihr Widerhall. wissen wir nicht. Wir fürchten, es wird zu dem Frieden, den Herr Erzberger in 6 Stunden mit Lloyd George schließen wollte, schlecht passen.

Die Stellungnahme des damaligen Reichskanzlers Michaelis, die Aussagen Helfferichs und Ludendorffs ver­schieben das Bild, das Erzberger entworfen, doch sehr er­heblich und die AMage Helfferichs, daß gerade der Abge­ordnete Erzberger es war, der durch feilten Vertranens- bruch den Friedensschritt zum Scheitern brachte, gewinnt an, Wahrs cheinlichk eit.

Umsomehr erscheint die Forderung des Abgeordneten Dr. Hugo, diesen Fall durch einen unparteiischen Parlaments­ausschuß zu prüfen, als Ker beste Weg. Wird die Regierung und vor allem Harr Eszberger den Wut haben, diesen Weg M gehen? 8.

Zu ErzbergersEnthüwwgeu".

Ludertdor-ff erklärt.

Goveral Ludendorff lätzt unter dem 26. ds. Mts. fsl- zmrdos erklären:Das Schreiben des Nuntius Pacâ und das Antwortschreiben des Reichskanzlers Dr. Michaelis, die in der Morgenpresse veröffentlicht wurden, sind dem General Ludendorff erst heute früh bekannt geworden. Er hat von diesen Schreiben früher nie etwas gehört. Andeutungsweise und geheimnisvoll wurde Ende Äugust oder Anfang Sep­tember 1917 der Obersten Heeresleitung mitgeteilt, daß England eine Fühlungnahme erstrebe. Völlig unabhängig hiervon war dem General Anfang August vom Oberst v. Hasten auf Grund von ihm zugegangenen Mitteilungen aus pazifistischen Kreisen des neutralen Auslandes gemeldet, daß England jetzt eine offene Erklärung Deutschlands über Belgien erwarte. Der

Verständnis mit einer Erklärung über Belgien. Es fand eine Reihe von Besprechungen über die belgische Frage statt, da­runter auch ein Kronrat vom 11. September. Sm Verlaufe der Verhandlungen wurde eine Einigung über eine Formel betreffs Belgien erzielt. Einige Tage darauf regte der Reichskanzler in einer Besprechung mit seinem Stellvertreter Dr. Helfferich und dem Staatssekretär v. Kühlmann, der auch Oberst Hasten, Direktor Deutèlmoser Md ein Vertreter des Kriegspresseamtes beiwohnten, an, die öffentliche Meinung in der Heimat und an der Front auf eine starke Beschränkung der in vielen Kreisen des öffentlichen Lebens hinsichtlich Belgiens erstrebten Ziele vorzubereiten. Staatssekretär o. Kühl­mann sprach sich aus unbekaMten Gründen dagegen aus. General Ludendorf bat in diesen Tagen Dr. Michaelis, von einer von ihm beabsichtigten Kriegssammlungsrede Abstand zu nehmen, damit nicht mögliche Verhandlungen erschwert würden. Am 20. September hat Oberst v. Hasten, der ebenfalls von dem Schritt des Nuntius Pacelli keine Kenntnis hatte, eine Bshrrechung mit Staatssekretär v. Kühlmann gehabt, in der er ihn auf Veranlassung des Abgeordneten Tonrad Hauß­mann bat, eine öffentliche Erklärung über Belgien abzugeben. Der Staatssekretär lehnte ab. Oberst v. Hasten erstattete hiervon der Obersten Heeresleitung Meldung. General Luden­dorff hat später den Reichskanzler oder den Staatssekretär v. Kühlmann gefragt, was aus der angeblichen englischer Fühlungnahme gewogen wäre. Er erhielt eine ausweichâe Antwort."

O-lff-^chS AE»ort.

Sn der ,^«ttyeHung" nimmt auch Helffetkch Gelvgonheii, die CM) ergeben Anklagen zu widerlegen. Er verweist auf eine Anzahl Daten. Am A . März 1917 hat Kaiser Karl von Oesterreich den bekannten Brief an den Prinzen von Parma geschrieben, er möge mit Pomcare und Lloyd George zur VarbereiNmg einer Friedensattion Fühlung nehmen. Sm der ersten Aprilw-che ist der erste Versuch gemacht roorden, das unbesiegte Deutschland um Verzicht auf ElsahEothringen zu bewegen. Dieser Versuch hat keine Gegenliebe gesunken. Acht Tage später war Herr Erzberger in Wien und wurde von Kaiser Karl empfanget Er hat dann ohne Wissen des Grafe« Ezernin den Jmmediatberuht erhalten. Auf Grund der vorliegenden Daten kommt Helfferich zu dem Schluß, daß gerade durch Erzbergers Mmnpulationen die damals heran­reifende Neigung der Westmächte zu Friedenrverhandlungeu getötet worden ist. Diese Neigung bestand zweifellos, den« der ftanLösische Mintsierpräsident äußerte yt dem italienischen Botschafter w Paris, daß Frankreich der Erschöpfung ent- g^engehc. Lloyd «eoege kam nach Paris und sprach feiere größte Sorge über die Zchvitzm'g der englischen Ernkhrmws- laae aus. Vsn feairzöfsiher Seite wurde eine neue Än- knitpsiM« Mt nur bei Oesterrckch^lugar« gefußt, sondern auch wegen einer Aussprache mit einen: bekannten deutschen Diplomaten sondiert. Lloäd George mid Ribot waren drauf uxb dran, nach Rom zu reisen, um über Friedensschritte zu sivechen. Da kam die Erzberger'sche Bombe und zerstöre alles. Die einzige ernsthafte Friedensuwglichkeit während der ganzen Krieges habe Erzbergers unerhörtes Vorgehe« zerschlagen. Helfferich richtet bann an Erzberger die Frage:

War tas Tei:,ramm ber Kritische» Rep«!««- a« ^rtx Ge­sandten beim päpstlichen <3last «cht vielmehr einfach eine RSck-

Er fragt Erzberger weiter:

War nicht etwa in diesem Telegramm der ganje Wust, der fSr ein nniesiegtes Volk unannchmdaren Frieiensbedinzunzcn anfrechh erhalten? Kanzler und Staatssekretär des Aeußern haben Hinsicht lich Belgien» vollkommen freie Hand gehabt?;

Auch Helfferich selbst hat sich dem vom Kanzler vertrets: nen und vom Kaiser gebilligten Standpunkt angeschlossen, daß keine belgische Frage ein Hindernis flr eine ernsthafte Friedensmöglichkeit bilden würde. Es bleibt dann nur noch trie Frage, warum der Nuntius erst am 24. September eine Antwort erhalten hat. Diese beantwortete Helfferich dahin, daß so wenig wie die Oberste Heeresleitung auch er selbst über den konkreten Hintergrund der Friedensangelegenheit unterrichtet war. Auch in der KronratsfitzMg wurden dar-^ über keine Aufklärungen gegeben. Helfferich bemerkt dann weiter, daß am 13. Dezember Balfour auf eine Auflage htt Unterhaus geantwortet habe, die britische Regierung habe? im Sommer 1917 durch Vermittelung eines neutralen Diplcm maten eine Mitteilung erhalten, daß es der deutschen Regie-' rung ein Vergnügen bereiten würde, der britischen Regierungj eine Mitteilung über den Frieden zu machen. Die Mittei­lungen, die das britische auswärtige Amt im September' 1917 den Vertretern der verbündeten Mächte über einen beut« schen Friedensschritt machte, bestätigen, daß die britische Re­gierung ihrerseits keinen Friedensschritt veranlaßt hat, son­dern unter dem Eindruck einer durch neutrale Vermitrebmg unternommenen deutschen Friedensinitiative stand.

Michaelis' Veuteidiattng.

Der ehemalige Reichskanzler Michaelis gibt zu den An^ griffen des Ministers Erzberger in der NationaloersammlMg vom 25. Juli 1919, derTäglichen Rundschau" zufolge, die folgende Erklärung:

Die amtlichen Schriftstücke über die Behandlung des Schreibens des N^rtins Pacelli an nnch vom 30. August 1917 sind mir nicht zugänglich. Nach meinen persönlichen Notizea habe ich zur Behandlung des sogenannten englischenFrie­densfühlers" folgendes zu sagen:

Das Schriftstück ist infl Anfang Sepkemb« vorgeleg^ Wern wSJeni^^ der. wenn ich!

mich nicht irre, am 9. September von einer Reise zurück- kehrte, entgegengefahren, um ihm Vortrag zu halten. Ich bat den Kaiser um Abhaltung eines Kronrates in Gegen­wart der Oberste« Heeresleitung und 9Jiarineleitung. Der Kronrat hat am 1L September im Schloß Bellevue statt-! gefunden. Das Ergebnis der Besprechung wurde vomj Kaiser in einem eigenhändig unterschriebenen Vermefl foU gendermaßen zusammengefatzt:

Die Aw?exion Belgieus sei bedenklich. Belgien könne' «ueber hergestellt werden. Die flandrische Küste sei zwar sehr wichtig und Zeebrügge dürfe nicht in englische Hand fallen; aber die belgische Küste lasse sich nicht halten.' Es müßte enger, wirtschaftlicher Anschluß Belgiens an Deutschland herbeigeführt werden. Daum habe Belgien selbst das größte Interesse."

lieber die Weiterbehandlung desFrkÄrensffihlers" wurde von mir mit dem Staatssekretär oon Kühlmaun vereinbart, daß durch eine unbedingt geeignete Persönlichkeit zu son­dieren sei, ob auf englischer Seite in der Tat der Wille vorhandm sei, den bisherigen Standpunkt übertriebener Friedsnszisle, wie sie unzweifelhaft zu unserer Kenntnis gekommen maren, aufzugeben und auf einer angemessenen mittleren Linie zu verhandeln. Das Schreien des päpst­lichen Nuntius erhielt «ach dieser Richtung keine -irgendwie überzeugenden Beweise. Die Gefahr lag vor, daß es sich darum handelte, Deutschland zu entgegenkommender Er­klärung zu veranlassen, ohne den eigenen extravaganten Standpunkt aufzugebe« und daß dadurch die Verhandlungs- grenzsll,zu unseren Ungutsten verschoben würden. Die Wahl des Vermittlers fiel auf einen Hervorragenden und dem Staatssekretär von Kühlmamr persönlich nahestehenden neu­tralen Diplomaten, der ganz besonders qualifiziert erschien, die erforderliche Sondierung vorzunelnnen. Ihm wurde fâe Mission unter Mitteilung der StÄlungnahme Deutsch« laud» gemäß Beschluß des Kronmts in der Weise um­schrieben: Voraussetzung der Verhandlungen mit England sm die Anerkenntnis.

ch daß unsere Ererben unangetastet bliebe«.

b) daß unsere Kolonie« zurückgegebe« würden.

<^ daß keine Entschädigung gefordert werden dürfe.

ch daß vo« eine« Wirtschaftkrieg Wstaud genommen wmchch Ich habe mit Ueberemstivmrung von Exzellenz von Kühlmann diese« Weg für den richtigen gehalten, weil nur bei mrbedingter Vertraulichkeit die Verfolgung dieser ersten! «ttebemsforberungen möglich erschien. Die Verhandlungen über die päpstliche Kurie boten bkfe Sicherheit sicht. Schon beim Einpfang des Schreibens des Nuntius hatte sich heraus gestellt, daß der damalige Abgeoü>nete Erzberger in kurzer Zeit dav«« «rterrichtet war. Eine Indiskretion durch ihni mußte vor alle« Dinge« verhittst werden. Deshalb mußte dem Nuntius gegenüber mir eine abwartende Stellung ein­genommen werbest ob ihm nach Ablauf einiger Zeit nutz eine Antwort allgemeinen Inhalts erteilt werden. Daß jede Jndisfletion die größten Gefahre« für die Anbahnung von Setbanb lumjen in sich schloß, hat der weitere Ser lauf 'der Verhandlungen gezeigt. _ , .

Die kriegerischen Kreise in Deutschllmd, England und Fmukreüh bemächtigten sich der Angelegenheit, und die Fotze war, daß der Vertreter der englischen Regierung vAentLchi aSlsuguete, daß seitens d« «MchanâsrervrtzÈ Grisi