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Schwurgericht Hanau.

Artsruhr und LandfrieDensbritch.

(Hamlet VerhanLluntzsLag.)

Der Sir geflößt« Otto Kuhn stellt« während seiner gestern mittag fortgesetzten BernehmuiiA «ine Teilnahme an den Vor­gängen vor dem Berichtes« band«, im Rathaus und bei den Pliftdcrmvtzen im Lebensmittellager in Abrede. Er will an dem fragt iriM Abend vargezogen haben, in der Brauerei Weienavtel das Tanzbein zu schwingen. Auch an den am 10. Fâlnar in Schloß Philippsruhe vor,gekommenen Plünde­rungen will er nicht teilgenommen und bei der Schießerei auf dem Paradexlatz nicht mitgewirkt haben. Er gibt hierzu an: Bevor der Krach losginy, kamen auf dem Paradeplatz Leute zu mir uUnd Karten: Du hast Gewehre im Keller, die mutzt du heraus gehen. Ich wurde dann genötigt, die Waffen Herauszu- geben, die Leute bewaffneten sich und zogen zum Päradeplatz: ich schloß mich der Menge nicht an.

Die Gewehr«, von denen die Rede ist,, waren schon einige Zeit vor den unter Anklage stehenden Vorfällen in dem Keller des von Kuhn bewohntem Hauses in größerer Zahl niedergelegt worden. Ueber die Herkunft derselben und den Zweck, der mit der Niederle, gung der Muffen in dem Hause verfolgt wurde, drückt sich der Angeklagte nicht bestimmt aus, er weiß nur, daß sie in einem Auto gebracht worden sind.

Von den über die Vorgänge am Löwengärtchen vernomme­nen Gendarmen erkennt einer den Angeklagten als denjenigen wieder, der mit zuerst in den Wirtschafts garten sind rang rind sich unter den Haufen teer Leute mischte, vom denen die Be- dräitgung und Entwaffnung der Beamten vorgenommen wurde. Ob sich Kuhn selbst hieran beteiligt hat das kann keiner der Sengen mit Bestimmtheit umgeben. Die Behauptung des Ange- Nagten, am den Vorgängen in Schloß Philipps ruhe und auf dem Paradeplatz nicht teilgenommen zu haben, wird durch mehrere Zeugen widersetzt, die ihn an beiden Plätzen gesehen haben. Ein Zeuge trat auch auf, der hörte, wie er während des Tanzvergnügens in der Brauerei Weismantel damit brüstete, bei den Plünderungen des Lebensmittellagers sich ein größeres Quantum Zucker gesichert zu haben.

Die den Geschworenen unterbreiteten Schuldfragen, bezogen sich auf Aufruhr, Landfriedensbruch, schweren Hausfriedens­bruch Rädelsführerschast, Verstoß .gegen die Verordnung betr. Ablieferung der Waffen und mildernde Umstände. Die Schuld­fragen wurden bejaht, mildernde Umstände dem Angeklagtem versagt.

Der Vertreter der Anklage beantragte eine Zuchthausstrafe von 8 Jahren, der Verteidiger plädierte für eine mildere Strafe.

Das Urteil

Lautete auf eine Z u ch k h a u s st r a f e v o y 2 I a h r s n 3 M o- Naten. Von dieser Strafe gelten 3 Monate durch die Unter- ^vchuNMhäft als verbüßt. In der Urteilsbegründung hieß es IL o., daß der Angeklagte durch die Waffenverteikung mit die Verantwortung dafür trage, daß am 19. Februar ds. Is. in Hanau ein Bürgerkrieg entfacht worden ist.

^nnetütftn

Giftmsrdversuch.

Die heutige Sitzung wird von Herrn Landgerichts rat Geh. ^ustizrat Dr. Kleinmann geleitet. Zu verantworten hat sich die 34 Jahre alte Taglöhnerin Witwe Margarete Grosch aus Aeiüersbach (Kreis Schlüchtern), die vom.der Anklage be­schuldigt wird, am 3. November 7. Is. ihren 76 Jahre alten Schwiegervater durch Kupfervitriol, das sie in eine aus Gersten- und Kaferflocken hergestelita Schleimsuppe getan hieben soll, aus der Welt zu schaffen.

Die Vernehmung der Angeklagten.

Die Angeklagte erklärt zu der ihr zur Last gelegten Straftat: Nacktem am 15. Januar v. Is. mein Mann gestorben war, entschloß ich mich auf Drängen von Verwandten, bei meinem Schwiegervater zu bleiben und ihm die Wirtschaft zu führen. Ich willitzte ein und habe meine Schuldigkeit immer in vollem Maße getan, trotzdem mein Schwiegervater oftmals garstig und zudringlich gegen mich tbar und mich auch mißhandelt hat. Daß ich ihn vergiftet habm soll, ist nicht wahr, das hat er aus Rache gegen mich aufgebracht, weil ich mich nicht mit ihm ein­gelassen habe. Dorf.: Ihr Schwiegervater sagt aber, Sie hätten ihn mißhandelt. SfnpeH.: Rein, das ist nicht wahr. An dem fraglichen 3. November habe ich Eerstensuppe mit Schweine­fleisch gekocht, die wir zusammen tzeoessen haben. Von dem Fleisch habe ich mir ein Stück abgeschnitten, das andere wieder in den Topf getan und ging dann zu meiner erkrankten Mutter nach Neuengromau, nachdem ich vorher meinem Schwiegervater noch gesagt hatte, sich die Suppe für den Abend zu wärmen. Der Alte hat von der Suppe und dem Fleisch aber nichts ge­nossen, weil Beides mittlerweile eine blaugrüne Farbe ange­nommen hatte und er vermutete, daß irgend etwas mit dem Esfen vorgenommen worden war. Auf Anraten eines Bekann­ten lieh er die Suppe untersuchen, in der Kupfervitriol fest- Gestellt wurde. Dorf.: Sie haben nichts an der Suppe gemacht? Angell.: Nein. Vorst: Sk« haben doch früher gesagt, daß Sie böse Gedanken gegen ihren Schwiegervater hetzten und die Absicht hätten, ihn meggubringen, weil er immer garstig gegen Sie wäre. Angell.: Das stimmt ntckt. Dorf.: Was denken Sie denn, rrte das Kupfervitriol in die Suppe gekommen ist. Wage- kl agt«: Ich weiß es nicht, ick habe kein Gift im Hause gehabt und kann nur annehmen, daß mein Schwiegervater es selbst in die Suppe netan hat.

In der Beweisaufnahme sagt ein 15}ädriger Junge aus, daß die Angeklagte ibn zur Seit der Kartoffelernte einmal gefragt bat: weißt du was giftig ist, ist Fliegealchwamm giftig? Der Junge fragte zurück, was sie mit dem Gift machen wollte, wo­rauf sie erwiderte, sie wollte Mäuse vergiften. Der Junge setzte Zweifel in kiese Angaben, wortruf die Angeklagte nach längerem Zögern äesaat haben soll: Ich will dem Alten mal was in die Tropfen schütten., damit er megkommt. Die Ange­klagte bestreitet das. Giftige Stoffe sind bei einer im Hause des alten Grosch vorgenommenen Durchsuchung nicht gefunden wor­den. — Die Gefchmorenenbank wird gebildet von den Herren: Henrich, Otto. Maschinen kabnikänt in Hanan, Meerbott, Pierre, Buckdruckereibesitzer in Hanau- Back, Konrad, LÄndwirt in

Roßdorf; Kämmerer, August, Landkrankenhausdirektor a D. st Hanau: Dr. Klingemanm, Felix, Chemiker in Fechenheim: Keh! Rudolf, Kaufmann in Hanau: Grau, Adolf, Kaufmann h Fulda: Gulor, Heinrich, Bäcker in Steinau: Mäntzenberge- ,;ean, Privatier in Hanau:'Lerch, Georg, Kaufmann in M^n. hulz: Hamm, Iohammes, Landwirt in Lohrhaupten: Male; Hippolrt, Fabrikk irektor in Hanau.

Die Anklage wird durch Herrn Astssior Goeßmann ver­treten, d!« Angeklatzte von Herrn Dr. K orcf verteidigt. Ge­laden sind 5 Zeichen und 2 Sachverständig.

Sport.

Eleßener Regatta.

Wie wir hören, haben zu der am 20. Juli stattftndende» Lahn-Regatta in Gießen die beiden hiesigen Rudervorein« Hanauer Rudergesellschaft 1879 sowie Hanauer Ruderklut Hassta, gemeldet. Beide Vereine werden im Iungmann-Merer ihre Kräfte miteinander messen. Außerdem ist die Ruderge- sellschaft noch am 2. Vierer, der Ruderklub Hasst" am Ermnn- terungevierer beteiligt. Zu jedein der drei Rennen sind 10 und mehr Boote gemeldet.

SprechskSil.

Schulbeginn. .

Ich habe Grund zu der Annahme, im Ginne vieler um ihre Kinder besorgten Väter und Mütter zu ipred;en, wenn ich mich mit diesem Thema einmal „in die Oeffentlichkeit flüchte". Et ist erstnuinlich, daß noch fein Beteiligter diesen Weg beschritt, obwohl die Unzufriedenheit mit den diesb^ügli^n Anord­nungen der städtischen Schulbehörden allgemein zu fein fdfeint Denn heißt es nicht Raubbau mit der Gesundheit unserer unter­ernährtem Kleinen getrieben, wenn man Siebenjährige täglich um 6% Uhr früh aUs tiefein Schlaf wecken mutz, um sie pünktlich um 7M Uhr zum Unterricht schicker zu können, aus dem sie teil­weise schon um lOii Uhr wieder entlassen werden? Sind bi* pädagogischen Gründe — es handelt sich doch wohl nur um solche? —, aus denen der Unterrichtsbeginn so früh gelegt is? wirklich so ernst und schwerwiegend, daß sie die unbestreitbaren gesundheitlichen Nachteil«, die damit verknüpft sind, auch nur aufzuwiegen vermögen? Und weiter: Sind etwa in Hanau di« Ernähruntzsverhaltnisie, die für die geistige Spannkraft und Ausnahm esähitzkeit gerade der Jugend, speziell in so früher Morgenstunde, doch wohl in erster Linie entscheidend mitwirkend sind, bester als beispielsweise in der Großstadt Frankfurt? Nein! Also sollte man dock, den Kleinen unter unserer Jugend, wenigstens diesem, als teilweisen Ausgleich für die fehlende Ernährum« eine Stunde längeren Schlaf vergönnen! 34 empfehle diese wichtige und ernste Angelegenheit der Aufmerk­samkeit des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, sie ist des Interesses wert. Ein Vater.

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Todesanzeige.

Den lieben Verwandten und Bekannten teilen wir schmerz­erfüllt mit, dass meine liebe Mutter und Schwägerin

Anna Eilber Wwe.

Musiklehrerin

heute Dienstag den 8. Juli von ihrem schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst wurde. 3268n

Baiersbronn den 8. Juli 1919.

Die trauernden Hinterbliebenen:

Der Sohn Alfred Eilber.

Der Schwager Carl Eilber, Hanau.

■“ Windecken im Hochmiihlensaale ■“

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