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Amtliihts Orga« für $taM= nutz MKreis Msu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- ».Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.
Verantwortlich: für politischen und allgemein« Teil G. Schrecker; für lokalen und provinzielle» Teil sowie Sport W. Moritz; für A^eige« «ni Reklamen A. Brodt, alle in Hasan a. M.
Verlag: Das vereinigte evangelische Waffenhaus « Hanau a. M. — Rotationsdruck der Waisenhaus. buchdruckerer in Hanau g. W»
Nr. 152 Mjcaffijsa 'LLS *,., DoniierstW den 3. Juli M4»» 1919
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Die Ausstandsbewegung im Reiche.
Haben wir in Weimar eine Ehrenerklärung abgegeben?
Von D. Traub.,
Zuerst soll die Feststellung klar und deutlich sein, daß wir alle einmütig bis zuletzt die Unterzeichnung des Friedens »bgelehnt haben und unser Führer, Schultz, ausdrücklich gegen den Willen der Parteien nochmals namentliche Abstimmung verlangt hat. Wäre sie gekommen, wäre vielleicht alles anders gegangen. Durch einen formalen Kunstgriff zweifelhafter Art verhinderte Fehrenbach diese Abstimmung.
Dann die Tatsache, daß wir keine Ehrenerklärung ab- geben wollten. Diese Absicht trat klar zutage, da wir nichts von vaterländischem Empfinden redeten. Schiffer gab die Erklärung ab, daß sie „seinen Zweifel in die vaterländische Gesinnung und Ueberzeugung" der anderen setzten. Heinze erkannte an, daß „auch die Gegner nur aus vaterländischen Gründen handelten." Wir erklärten, daß „wir als selbstverständlich voraussetzten, daß jedes Mitglied der Nationalversammlung nach bestem Wissen und Gewissen abstimme."
Der Unterschied wesentlicher Art wurde wohl bemerkt. Fehrenbach sagte, daß „von den verschiedensten Seiten des Hauses" anerkannt worden sei, daß alle im vaterländischen Sinne handelten. Er sagte ausdrücklich nicht von „allen" und fügte hinzu, daß sich der Geist, der sich „in dem allergrößten Teil der Nationalversammlung" soeben kundgegeben habe, auch ins Volk hinausgehen möge.
è * ^k« j^»1 * s-h<->, Ta^rSzrit«»^" schreibt
in Nr. 302; „Der Abgeordnete Schultz, Bromberg hat namens der Deutschnationalen eine feine, aber um so schärfere Kritik an dieser neuartigen Form, Ehrenerklärungen zu fordern, geübt, als er es für sich und seine Freunde al- selbstverständlich bezeichnete, daß jeder Abgeordnete seine Stimme nach bestem Gewissen abgebe."
Das Reich in höchster Gefahr.
Aus Berlin wird uns von einem Mitarbeiter berichtet: Die Frivolität, mit der z. B. der gegenwärlige VerkehrSstrcik in Berlin in Szene gesetzt wird, läßt erkennen, daß viele Kreise sich um die Interessen der Allgemeinheit überhaupt nicht mehr kümmern und durch die ewigen Streiks ist die mnere Lage endgültig zur höchsten Krise gediehen. Wenn die Unvernunft nicht zur Vernunft gebracht werden kann, dann ist die Weiterexistenz des Staates überhaupt in Frage gestellt. Die ganze Bevölkerung der Reichshauptstadt steht geschloffen dm Streikenden gegenüber, und mit ihr fragt sich auch jedermann im Reiche: Wird die Regierung die große Feuerprobe bestehen oder soll alles drunter und drüber gehen? Wir warten mit aller Bestimmtheit bereits für die nächsten Tage durchgreifende Maßnahmen der Reich-regierung, denn der letzte Augenblick ist gekommen, wo der zum höchsten Gipfel gediehene Streikwahnsinn gegebenenfalls mit Gewalt gebrochen werden muß. Die Regierung Bauer weiß, warum es sich handelt. Das gibt ihr alle Mitte an die Hand, und sie würde ihre höchste Pflicht verabsäumen, wenn sie nicht noch in zwölfter Stunde von ihnen Gebrauch machen würde.
Die Bewegung im Eisenbahnverkehr.
— Berlin, 3. Juli.
Der Borstand der Ortsgruppe des Deutschen Eisen, bahnerverbandes erläßt eine Erklärung, in der es heißt: Da wir uns der Einsicht keineswegs verschließen, daß der Eisenbahnerstreik in diesem Augenblick schwere Schädigungen für die Allgemeinheit mit sich bringt, haben wir uns entschlossen, die eigenen Interessen vorläufig hinter denen der Allgemeinheit zurückzustellen. Wir empfahlen daher unseren Mitgliedern, von morgen ab die Arbeit in vollem Maße wieder aufzunehmen. Die Abstimmung, die in einer ganzen Reihe von Betrieben stattgefunLen hat, ergab eine starke Majorität für den Abbruch des Streiks. Wir taten schon gestern und auch heute unser Möglichstes, um die Lebensmittelversorgung Berlins trotz der Streiks sicherzustellen. Der Vorwurf also, der uns von verschiedenen Seiten gemacht wurde, als hätten wir die Absicht, die Lebensmittelversorgung Berlins zu gefährden, ist völlig ungerechtfertigt. Wir hoffen, daß die Behörden unserem berechtigten Wunsche nach Aufbesserung der Löhne und Gehälter unserer Mitglieder nach Möglichkeit nachkommen werden.
Sicherung Der LebensmittelMfuhr.
W. Berlin, 2. Juli.
Die Marinsbrigadcn Löwenfeld und Erhard und Teile der technischen Abteilung des Earde.Kavallerieschützenkorps
*^ fidLfct«Ü.ttU«kJ^^ Verkehr bei flaust.
Mittelzüge sicher zu stellen. Alle Bemühungen der Behörden richten sich bar auf,1 die drohende Stockung in der Lebensmittelzufuhr zu verhindern. Man verspricht sich in dieser Hinsicht von der langsam zunehmenden Besserung des Eisenbahnverkehrs die beste Wirkung.
Abflauen Der Streiklust.
— Berlin, 3. Juli. (Privattelegramm.)
Der heutige Streiktag ist in der ganzen Stadt ruhig verlaufen. Die Personale der Straßenbahn- und Hochbahngesellschaften hielten verschiedene Versammlungen ab, doch ist es bisher zu keinenA nnäherungen zwischen den Direktionen und den Ausständigen gekommen. Alle Bemühungen der Behörden richten sich darauf, die drohende Stockung in der Lebensmittelzufuhr zu verhindern. Ein endgültiges Resultat bei den Eisenbahnern steht noch nicht fest. Eine kleine Besserung trat insofern ein, daß eine Anzahl von Arbeitern in die Werkstätten zurückkehrte. Es scheint dadurch die Aussicht vorhanden, daß die Arbeit in den Betriebswerkstätten morgen wieder in einem größeren Umfange ausgenommen werden kann.
Wie das „8 ilhr - Abendblatt" meldet, hat der Vorstand der Ortsgruppe des deutschen Eisenbahnerverbaudes eine Erklärung erlassen, worin es heißt, daß der Eisenbahnerstreik in diesem Augenblicke schwere Schäden für die Allgemeinheit bringe und sie sich daher entschlossen Hübe, die eigenen Interessen hinter denen der All- dern von morgen ab die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Abstimmung, die in einer ganzen Reihe von Detr'eben stattgefunden hat, gab eine starke Majorität für den Abbruch des Streiks.
Vom Exkaiser.
WB. Amerongen, 2. Juli.
Der Erkaiser trifft Vorbereitungan zu seiner Abreise. Er hat in Arnheim e n Haus gekauft. Es wurden strengste Polizeimaßnahmen zu feiueè Üeberwachung getroffen. Der Zutritt und die Annäherung zum Schlosse ist den Spaziergängern strengstens untersagt.
Die Aushebung Der Blockade.
WB. Berlin, 3. Juli.
Durch die deutsche FriedenSdelegation in Versailles wurde dem französischen Ministerpräsidenten Clemenceau folgende Note überreicht: Herr Präsident I Auf die Note vom 28. Juni betreffend die Aufhebung der Blockade beehre ich mich, Ihnen folgendes mitzuteilen: Dre deutsche Regierung nimmt davon Kenntnis, daß die alliierten und assoziierten Regierungen bereit sind, sobald sie von der ordnungsmäßigen vollständigen Ratifikation des Friedcn»vertrages durch das Deutsche Reich amtlich Kenntnis erhalten haben, die Blockade schon vor dem Inkrafttreten des Friedensvertrages aufzu- heben. In dem Wunsche, so schnell wie möglich von der für Deutschland so feineren und verhängnisvollen Blockade befreit zu werden, wird die deutsche Regierung alles daran setzen, um die für die Ratifikation erforderlich»« Maßnahmen zu beschleunigen. Sie hofft Anfang nächster Woche in der Lage zu sein, bei! alliierten und assoziierten Regierungen von der erfolgten Beschlußfassung der gesetzgebenden Körperschaften und der Vollziehung des Friedenssertraoes durch den Reichs- präfidenten Mitteilung machen zu können. Die deutsche Regierung gibt der Erwartung Ausdruck, daß die alliieren und assoziierten Regierungen in demselben Geiste, der sie zur Zusage einer früheren Aufhebung der Blockade veranlaßte, sich damit einverstanden erklären werden, daß, sobald die erwähnte Nachricht voiliegtH auch mit der Heim^endung der deutschen Gefangenen aus ihren Säubern begonnen wird. Gtnehmigezr Sie, Herr P.äsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung, gez. Müller, Reichsminister des Auswärtigen.
Der freie Handel bevorzugt.
= Paris, 3. Juli. (Havas.)
„Excelsior" meldet, daß die Handelskreise sich damit beschäftigen, die Wiederauinahme der Handelsbeziehungen mit Deutschland in die Weg: zu feiten. Das Pari er Journal glaub! zu wissen, daß inan den freien Handel bevorzugen wwd.
Volksabstimmung in Coburg.
= Berlin, 3. Juli. (Telegramm.)
Nach dem „Berl. Lokalanzeiger" nahm die Toburgische Lanvesoeriamnitung eine Resolution an, bis es von einer Volksabstimmung abhängig macht, ob Coburg sich Groß- . TLÜrinss» »der Bauern anirfilieiuta wird.
Scheidemann in Der Schweiz.
= Berlin, 3. Juli. (Telegramm.)
Dem „Berl. Tageblatt" zufolge ist der frühere Ministrr« Präsident Scheidemann in Ragaz (Schweiz) eingetroffen.
LloyD Georges, als Botschafter.
= Berlin, 3. Juli. (Telegramm.)
Der „Post" zufolge ist Lloyd George» zum Botschafter in Washington in Aussicht genommen.
Kleine Nachrichten.
Der Helmtransport der linksrheinisch Sehelmateteir deutschen Kriegsgefangenen. Nach Mitteilungen auS bemi besetzten Gebiet sollen in französischer Hand befindliche, au# dem Saargebiet stammende deutsche Kriegsgefangene ohne Mitwirkung her deutschen Behörden bereits in We Heimak entlassen worden fein. Die französische Kommission in Spaa wurde daraufhin am 27. Juni um die Bestätigung be? deutschen Auffassung gebeten, daß es sich hierbei nur um Einzelfälle handelt, daß aber, wenn demuLchst die große Masse der Kriegsgefangenen zurückkehrt, die im französischen Besatzungsgebiet Beheimateten zunächst dem Sammellagee^ Mainz zugeführt werden, damit ihre ordnungsmäßige Entlassung durch die zuständigen deutsch«» Behörden erfolgen kann, da nur durch diese eine gesetzmäßige Regelung der Ansprüche der Gefangenen (Löhnungszahlung, Feststellung von Rentenansprüchen, Ausgabe des Entlaffling-anzugoS usw.) gewährleistet wird.
Eine Nenßerung HrsdenbArgs. Feldmarschall Hindem bürg äußerte einer Abordnung Göttinger Studenten gegenüber: „Wenn die Felnoe mich alten Mann, der nur seine Pflicht tat, an die Wand stellen wollen, dann sollech sie mich haben: sie werden damit nur eine Schänd« m e h r auf sich laden.
78 Milliarden für den U-Bootkrieg! Rach eine.» Versicherung englischer Staatsmänner soll Deutschland für, die Schäden des U-Bootkrieger allein an England 60 bis 70 Milliarden Schilling bezahlen.
Der Religionsunterricht in ben sächsischen Volksschulrn. Der Gesetzgebung-ausschuß der Sächsischen Volkskammer hat' beantragt, daß der Religionsunterricht an der Volksschule entfernt werden soll.
Direkter Drahtverkehr Berlin—Mailand. Zwischen Mailand und Berlin ist heute der direkte telegraphische Verkehr wieder ausgenommen worden.
Die drahtlose Station in Königswusterhaufen. Hebet die drahtlose Großstation in Königswusterhausen berichtet du Gesellschaft für drahtlose Teltgraphie. Danach war schon im Jahre 1913 bei der Militärverwaltung der Wunsch rege, in der Nähe von Berlin über eine drahtlose Großstatiou zü verfügen. Aber erst im August 1915 wurde mit der Einrichtung begonnen. Im Aprck 1918 konnte die Station vorläufig in Betrieb gesetzt werden. Am 15. 3iini jenes Jahre? wurde sie von der Militärverwaltung endgülbg übernommen. Sie ist seitdem fast ununterbrochen in Betrieb gewesen und hat trotz stärkster Ueberlastung während des ganzen Krieges einwandfrei durchgehalten.
Das Schicksal füestticher».KunftSefltzes. Die erweiterte Ausschußsitznug der Tages für Denkmalspflege, dre wegen der politischen Lage bisber verfchsben werden mußte, ist von »cm geschâftL- führenden Aussckmh auf den 7. und 8. Juli an beraumt worden. Sie findet in der Berliner Akademie der Künste statt. Die erste Sitzung wird in einer ganzen Reihe von Referaten die Zukunft der färftlichen Schlösser und des sonstigen ehemaligen Kunftbesitzes behandeln. Für die Sitzung am 3. Juli hat «8eh. Justizrat Prof. Dr. Wilhelm Kahl das Hauptreferat über das Thema „Die Trennung von Kirche und Staat in ihrer Bedeutung für die Denkmalspflege" übern»mmcn.
Ehre verloren, alles verloren. In GLteèurg traf ein deut, scher U-Dootjäger unter deutscher Kriegsflagge ein. Der Kommandant, Kapitän Helmut v. Ruckteschell, und sechs Mann baten um Erlaubnis, an Land zu gehen. Keiner hatte einten Patz, aber sie gaben an, sie «Eten nur einige Tage dort bleiben und sich dann Fahrgelegenheit nach Südamerika «erschaffen. Siv durften in ein Hotel zieHen, Missen sich aber täglich bei der Polizei melden. Ueber die Abfahrt von Kiel erzählen die Leute, daß sie in tiefster Heimlichkeit geschah. Der Kommandant hatte den Plan gefaßt, die übrigen gehorchten. Man setzte Kurs aus Cäm eden, und auf offener See sagte der Kapitän seinen Leu- feit, wie die Lage wäre. Er sagte, jeder Mann falle so handeln ’ wie er selbst meine, also die Verantwortung selbst tragen. Al, ' sie in Schweden ankamen, schlug er denen, die Lust hatten, voy 1 an Land zu gdjen, um Deutschland für immer zu verlassen. Ehr, uni, alles seien verloren, nachdem die Friedenschedingunger ohne Vorbehalt unterschrieben worden seien» aber wen« de. Tag fenjr« würde, wo das Dat erl und seine Leute wiedez braute, sollten sie ohne Zögern zu-rückkehren- Sechs Many schicsien sich dem Kapitän an die anderen acht beschlossen-doch» nach Kiel zurückzukehren.