ElurückungSgebühr:
Lie 8gespaltene Soloneigeile oder deren Raum 40 Pfg. di« Lgespaltene Zeile im Reklameteil 1.50 Mark Ofserteugebühr 25 Pfg.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 4.20 Mk., monatlich 1.40 Mk., für Postbezug vierteljährlich 4.20 Mk., monatlich 1.40 Pik. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gknrral-Anjkiger K«tlichts Grsa« für SW «nb ^ntikrtis Sausn.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- u. Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.
Verantwortlich: für politischen «nd allgemeine« Teil G. Schrecker; für lokalen und provinzielle« Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen web Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a.M.
Verlag: Das vereinigte evangelische Waisenhaus in Hanau a. Ai. — Rotationsdruck der Waisenhaus» buchdruckere: in Hanau a. M.
AM Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238 Mitiwnrb hstt erlitt . Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238 1 Q1Q
Geschäitsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. 9 vv-, imvUUf Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. 9
PW,«ffMNM»»M«W»«««»e^N«b!il«I^is.TWVM.'««llM:M>si^8»M^«M»»WSS««»M»NASL«»TrÄlv»Lv^^
Das Streikfieber.
Versailles damals und jetzt.
Im Spiegelsaale des Schlosses von Versailles, indem am 18. Januar 1871 die Proklamation des deutschen Kaiserreichs erfolgt ist, mutzten die Vertreter Deutschlands, die Reichsminister Hermann Müller und Dr. Bell am 281 Juni den Schmachfrieden unterzeichnen. Dag man diese Oertlichkeit dazu ausersehen hatte, war selbstverständlich eine von Frankreich gewünschte Jnsze- nierung, mit der die Franzosen die für sie so unangenehme Erinnerung von 1870/71 auslöschen und in das Gegenteil verkehren wollen. Was den Frieden selbst betrifft, so können sie das allerdings sagen. Viel schwerer nnd demütigender als damals auf Frankreich lasten heute auf Deutschland die feindlichen Bedingungen. Der Friede von 1871 war, zumal nach der frivolen Art, wie der Krieg von französischer Seite herausbeschworen war, für Frankreich ungemein milde, und die Deutschen taten alles, um den Franzosen jede Kränkung zu ersparen. Jetzt dagegen gehen die Feinde, an ihrer Spitze die Franzosen, in der gehässigsten Weise darauf aus, Deutschland zu vernichten und zu beschimpfen.
Gleichwohl gehört schon der ganze ungeschichtliche, un. wahrhaftige Geist des Franzosentums dazu, um durch den jetzigen Akt im Versailler Schlöffe die Er^gniffe von damals wettmachen zu wollen. Jeder, der dis Vorgänge ernsthaft vergleicht, mutz zu dem Schluß kommen, Frank, reich hat seine Niederlage von 1870 nicht ansgleichen ^'"' dl? 2" bett (Eretcimiien in Versailles damals und heute führten, sind so grundverschieden, daß ein Ausgleich durch sie nicht erfolgen konnte. Als im Januar 1871 das deutsche Kaiserreich im Spiegelsaale der Schlosses, das den Sitz des erobe. rungssüchtigen französischen Imperialismus gebildet, ausgerufen wurde, bedeutete das einen völligen Sieg der deutschen Wehrmacht über die französische. Die französischen 'Heere waren vernichtet und gefangen, die französische Hauptstadt hatte kapitulieren müssen, nachdem alle Versuche, sie zu entsetzen, nur zu neuen entscheidenden Niederlagen der Franzosen geführt hatten. Tatsächlich war Frankreich durch die S ege der deutschen Waffen unfähig zum weiteren Widerstände gemacht. Die jahrhundertelangen Eroberungsfeldzâqe Frankreichs gegen Deutsch ands hatten mit einer restlosen Niederwermng der Franzosen geendet, so bu% diese ncht wieder hoffen konnten, aus eigener Kraft jemals ferner den Deutschen widerstehen zu können.
Und jetzt? Ein Krieg Frankreichs allein gegm Deutschland hätte bereits im Herbst 1914 zum Zusammenbruch der französischen Kraft geführt. Trotzdem sofort englische Heere e.«gegriffen, drangen die deutschen Truppen siegreich bis in das Gebiet von Paris vor, sodaß die französische Regierung die Flucht ergriff. Ern großer Teil Nordfrankreichs konnte vier Jahre nicht von den deutschen Heeren befreit werden, obwohl der Kampf gegen Rußland, dann Serbien, Italien und Rumänien, auf Den fernsten Kriegsschauplätzen bis tief nach Asien hinein große Mengen deutscher Truppen von der Westfront abzog. Selbst das Eingreifen der Nordamerikaner mit unschätzbaren Massen von Kriegsgerät hätte die Franzosen nicht einmal zu Herren im eigenen Sanbe gemacht, wenn nicht Verhältnisse die deutsche Wehrkraft zermürbt und gebrochen hätten. Auch wenn die Feinde jetzt in Bertin ein« gezogen wären und den Frieden in Potsdam hätten unter*, schreiben lassen, wäre das für di- Franzosen kein Erfolg gewesen, der sich mit dem der Deutschen von 1870/71 vergleichen ließe. Nicht die Kraft Frankreichs hat Deutschland zu Boden geworfen; der Kampf der beiden Nebenbuhler Hal nicht mit einem Siege der Franzosen geendet. Das wissen die Pariser Staatsmänner auch sehr wohl. Ihre teuflisch ausgedachten Friedensbedingungen sind lediglich ein Ausfluß der Angst, da» Bestreben, Deutschland für lange Zeit wehrlos zu machen.
Holland und der Kaiser.
— Berlin, 2, Juli. (Telegramm.)
In der Auslieferung des Kaisers melden einige Blätter, daß sich Holland bereit erklärt hat, den Kaiser auszuliefern, wenn der Völkerbund dieses fordert und der frühere Kaiser vor ein internationales Gericht gestellt werden wird.
Die Flaggen halbmast.
— Königsberg, 2. Juli. (Telegramm.)
Die Stadt Memel hat zum Zeichen der Trauer über bb Abtretung vom Vaterlande die Flaggen halbmast geflaggt.
Der Verkehrsstreik in Berlin.
«• Berlin, 2. Juli. (T legramm.)
Der Großberliner Veckehrssireck wird sich auch auf die die Omnibusge ellschasten erstrecken, sodaß von heute an Berlin nur auf den Verkehr mit Droschken und Autos angewiesen sein wird. D^e^Sweikleitung hat neuerdings auch b'e Beförderung von Postp rketm durch die St aßenbahn untersagt. Die maugelnbe Zufuhr infolge des Berliner Eiienbohnerstreiks hat die Kohlenstelle Berlin veranlaßt, weitere Kohlenvertcilung vorläufig, aufzusch eben.
Die Regierung zur LlusstanÄsbewegung.
W. Berlin, 2. Juli.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten erließ folgende Bekanntmachung:
Auf Anregung der Eisenbahner stellt die Regierung wertvolle Auslandslebensmittel zu bedeutend herabgesetzten Preisen zur Verfügung, die einen Aufwand von anderthalb Milliarden erfordern und dem gesamten Volke zugute kommen. Damit hat sie das Aeußerste getan, was nach Lage der Staatsfinanzen möglich ist. Sie wird aber auch weiterhin ihrem Personal zu Helsen bemüht bleiben. Die Demokratisierung der Eisenbahnverwaltung erfolgt in voller Uebereinstimmung mit dem gesetzgeberischen Vorgehen im Reiche und den Anschauungen der 'Landesversammlung. Durch die Einführung der Betriebsräte auf Grund des Reichsgesetzes wird dem Personal Miirvirkongsrecht eingeräumt. Sämtliche Eisenbahnorganisationen haben ausdrücklich erklärt, daß sie den gegenwärtigen Streik nicht billigen. Auch sonst betonen weite Kreise des Volkes wiederholt, daß die Arbeit wieder aufgenommen werden würde, sobald der Streikerlaß des Reichswehrministeriums, durch den sie sich in ihrer Arbeitsfreihrit beeinträchtigt fühlten, aufgehoben sei. J,m Vertrauen auf die Zusicherungen wurde der Streikerlaß aufgehoben. Trotzdem wurde der Streik fortgesetzt. Abgesehen davon, daß die Arbeiter große Lohnausfälle erleiden und die streikenden Beamten kraft des Gesetzes ihres Diensteinkommens für die Tage der Arbeitseinstellung verlustig gehen, sind die Folgen für die Allgemeinheit unübersehbar. Alle Zufuhr nach Berlin kommt wegen der Vetriebseinstellung auf den Bahnhöfen ins Stocken. Gegen 9000 Wagen allein für Berlin kamen unterwegs zum Stillstand. So muffen wertvolle Lebensmittel zu Grunde gehen; das Vieh muß unterwegs verhungern und die Fischsendungen verderben. Der Streik würde aber auch verhindern, daß die vorbereitete Senkung der Lebensmittelpreise und die Verteilung der verbilligten Rationen allseitig und rechtzeitig durchgeführt werden könnte. Hierdurch wird nicht nur die Ernährung der Millionen-Eroßstadt Berlin, sondern auch der gesamte Volkskörper aufs schwerste bedroht. Angesichts der furchtbaren Lage, in der der Staat sich infolge des unglücklichen Ausganges des Krieges befindet, muß jetzt das Wirtschaftsleben unbedingt mit allen Mitteln wieder in Gang gebracht werden, um das Land vor dem Zusammenbruch und die Bevölkerung vor weiterem Hunger zu bewahren. Schweren Herzens, aber im Bewußtsein der ernsten, mir vor dem Volke obliegenden Verantwortung sehe ich mich daher genötigt, nunmehr die Aufnahme des Betriebes mit den äußersten Mitteln durchzusetzen. Die Beamtenschaft ist sich zum allergrößten Teil ihrer Pflicht gegenüber dem Volksganzen bewußt und bestrebt, gemeinsam mit den zahlreichen gleichgesinnten Arbeitern den Verkehr vor dem Erliegen zu bewahren. Alle diese Kreise der Beamten und Arbeiter werden mit mir es nicht nur als notwendig, sondern geradezu als eine Erleichterung des auf ihnen lastenden seelischen Druckes empfinden, wenn ich nunmehr folgendes bestimme: Die Arbeiter, die nicht bis spätestens den 3. Juli den Dienst wieder aufnehmen, find entlassen. Ebenso erhalten Beamte, die nicht bis zum 3. Juli den Dienst wieder aufnehmen, ihre Entlassung nach den disziplinarischen Bestimmungen. Für Sicherung der Arbeitsfreiheit ist Sorge getragen.
Oeser.
Zur Haftentlassung Emonts.
DDP. Berlin, 2. Juli.
Tie Verhau dluntzen des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Vanlleon ten wegen der Haftentlassung ihres Führers Karl Ger ent haben bis gestern noch zu keinem Resultats geführt. In einer Vorstandssitzung wurde gestern abend der Hoffnung Ausdruck gegeben daß die Enthaltung im Laufe des heutigen Tages erfolgen wird. Der Verband steht auf dem Standpunkt, daß mit der Personlicht eit des Verhafteten zu starke wirtschaftliche Interessen der Saut beamten verknüpft sind, und daß schon aus dichem Grunde die vorläufige Gnt tla.fi wng ge
boten ist. Von der Proklamierung eines Proteststreiks ist Abstand genomn en werden. Die ganze Angelegenheit ist jetzt zur weiteren Verfolgung in die Hände der Rechtsanwälte Dr. Hakpert und Dr. Theodor Liebknecht gelegt worden. Diese haben sich bereits gestern mit der zuständigen Staatsanwaltschaft in Verbindung gesetzt. Jedoch ist es ihnen jetzt noch nicht imöglich, die Akten einzusehen, da vorläufig nur eine polizeilich, und keine richterliche Vernehmung stattgcffundsn hat.
Der Einmarsch in Hamburg-Altona.
W. Hamburg, 1. Juli.
Die Besetzung des Ostteils von Hamburg vollzog sich int ; allgemeinen ohne Zwischenfall. Der Hauptbahnhof, das Rat- ; haus sowie sonstige Punkte wurden schon am frühen Vormittag j non starken Truppenabteilungen besetzt und durch Geschütze und ; Masck mengen ehre gesichert. Drahtverhaue sperren zur Zeit die nähere Ämgcbung les Rathauses ab. Tas zur Arbeit Mende PublVkum rtrug cie Sperre mit gutem Humor, denn es fühlt sich unter dem Schutz des Militärs sicher und zieht Vergleiche mit den Tagen, an denen der Aufruhr in Hamburg tobte und Handel und Wandel gänzlich lahmlegen muffte. Die kle-iiren Behinderungen des Verkehrs wurden deshalb gern in Kauf ge- ren men. Nur an einigen Stellen wurden Truppen vom Publikum in herausfordernder Weise belästigt.' An diesen Stellen schritt das Militär sofort energisch ein.
W. Hamburg, 1. Juki.
Leher den Einmarsch der Truppen in Altona wird folgen, des mitgeteilt' Das eâfte bayerische Schützenreginnent unter Oberstleutnant Herrgott, der durch seine Tätigkeit als Stadtkommandant von München bekannt geworden ist, langte gegen 6 Ahr früh in Altona an. Die Truppe ist während Des Gin- marfches wiederholt von den Dächern aus beschossen worden, sodaß sie von den Waffen Gebrauch machen mußte. Im allgemeinen verlief der Einmarsch ruhig und die Besetzung vollzieht sich planmäßig. Die Operationen des Abschnittes West stehen unter dem Oberbefehl "des Oberstleutnants v. Ledebour.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen LWMM Md^DouMland.
DDP. Genf, 1 Juli.
Die diplomtrnschen Beziehungen zwischen Frankreich unb Deutschland sollen wieder ausgenommen werden, wenn der Friedensverirag von beiden Seiten ratifiziert sein wird. Es soll aber kein Botscka trr, sondern nur ein Geschäftsträger nach Berlin ensandt werden. Als Grund werden die itiv sicheren Zustände in Berlin angegeben.
Die große Vermögensabgabe.
— Weimar, 2. Juli. (Telegramm )
Die „Deutsche Allgem:ine Zeitung" meldet aus Weimar, daß der Entwurf über die große Vermögensabgabe der Nationalversammlung erst im Herbst vorgelegt werden soll. Der Ertrag soll vor allem zur Tilgung der Reichs- schulden dienen. Die Vermögensabgabe kann haupisächlich in Kriegsanleihe erfolgen.
Das reine Rätesystem.
= Berlin, 2. Juli. (Tetegramm.)
Der „Lokalanzeige: â meldet aus Gotha, daß die aus drei Unabhängigen bestehende Negierung der Goihi,jschen Landes- veriammlung den Entwurf einer Verfassung vorgelegt hat, durch den das reine Rätesystem, festgelegl werden soll.
Regierungstruppen in Bielefeld.
— Bielefeld, 2. Juli. (Telegramm.)
In Bielefeld sind zur Wiederherstellung von Ordnung und Ruhe Regikiungstruppen eingerücki und haben alle öffentlichen Gebäude besetzt. Sechs Rädelsführer wurden verhaftet.
Das Standrecht in Riga.
— Königsberg, 2. Juli. (Telegramm.)
Der „Lo'a'auzeiger" meidet aus Königsberg in Preußen ; Graf von der Goltz verhängte infolge grober Ausschreitungen, bei denen es Tote und Verwundete gab^ über Riga bat Standrecht und ernannte den Major Sixt von Arnim zum Gouoerncur.
Die Nationalversammlung.
Sitzung vom 1. Juli 1919.
Am Regierungsrtsch: David und andere. — Präsident Feh« renbach eröffnet die Sitzung um 3.20 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen, dann das Stedlungsgesetz. Nach Veantu ortu, g bei verschiedenen Anfragen tritt das Haus in die Pcrwtuug des Siedlungsgesetzes ein. Den Bericht des Reick shaushaltsausfchusfes über die Verordnung zur Beschaffung von landwirtschaftlichem Siedlungsland erstattet Abg, Ä l l e l o t t e (Z.) Dieser hat die Verordnung zu dem Gesetze cm hi ms irrn gearbeitet, der in seinem § 1 bestimmt, daß ine Bundesstaaten verpftlmtet sind, gemeinnützige Siedlungsnnter- nehmrngen zur Schaffung einer Ansiedlimg nnd zur Hebung I besichcrder Kleinbetriebe zu bilden. — Abg. Blum (Z.) erklärt, daß dov. einer Landflucht, wie sie sich seit den siebziger Jahren entwickelt hatte, nicht mehr gesprochen werden könrre, eher von einer Stadtflucht. Und das sei im Interesse der Gesundung unseres Volkes nach der volkswirifchaMichen und ethische«