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General-Anzeiger

Avtliihes Grgs« für Stadt- 1O Faadkrei» Sana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- u. Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.

Verantwortlich: für polittschen und allgemeine^ Teil G. Schrecker; für^Iokalen und provinzielle» Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen un^ Reklamen A. Brodt, alle in Hanau & M.

Verlag: Das vereinigte evangelische Waisenhaus in Hanau a. M. Rotationsdruck der Waisenhaus» buchdruckerei in Hanau a. M.

A. 149 Eeschästsst/lle und ^Redaktion : Hammerstrage Nr. 9 Montag den 30. Juni

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Geschäftsstelle und Redaktion: Hcnnmerstraße Nr. 9

1919

Der Gewaltfrieöe.

Ein schwerer Tag unserer Geschichte.

Der 28. Juni 1919 soll die 5 schweren Jahre, die die Welt je gesehen hat, beenden. Ein merkwürdiges Spiel der Ereignisse. An diesem Tâge vor 5 Jahren erschoß in dem bosnischen Landstädtchen Serajewo ein Mordbube den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin. Der äußere Anlaß aller Verwicke­lungen und schließlich dieses Weltkrieges stammt von diesem Tage her. Und an diesem Tage, 5 Jahre später, wurde von den Vertretern der kriegführenden Mächte im tzpiegelsaale zu Versailles jenes Dokument unterzeichnet, das der Welt nun wieder denFrieden" geben soll. Deutschland hat gegen eine Welt von Feinden gestanden, es hat sich in seinem Kampfe, wie ihn diese Welt vor- oem nie gesehen hat, jahrelang behaupten können, und es ist schließlich niedergebrochen, weil die Kraft dieses umklammerten Volkes, dieses Volkes, das Berge an Opfer von Gut und, Blut gebracht hat, schließlich nicht mehr ausreichte. Wir sind die Besiegten. Aber wenn dieser Friede nichts weiter bringt, als Besiegte und Sieger, so werden die 5 Jahre für immer das dunkelste Kapitel in )er Menschheitsgeschichte bilden. Wir haben ein Neues und Besseres, wir haben eine schönere Welt erhofft, unsere Gegner haben tausendmal davon gesprochen, und haben uns in diesen Hoffnungen bestärkt. Der jetzt unterzeichnete Friedensvertrag aber ist kein Vertrag der Hoffnung. Er ist nichts weiter, als die Auswirkung jener Politik, die zum Kriege geführt hat, jener Macht-

In^Paris jubelt man und läßt greuVënf!funeerf^^

Wir denken an diesem tiefsten Trauertage, an diesem Echmerzenstage unserer Geschichte zuerst der Toten, die für das Vaterland gefallen sind, ehe wir der Lebenden gedenken wollen, für die der Friede nun gekommen ist. Zu Tode erschöpft, mit äußerlicher, freilich eben nur äußerlicher, Teilnahmslosigkeit hat das deutsche Volk diesen Tag der Schmach über sich ergehen lassen. Nun gilt es aber, sich aufzuraffen, der neuen Zeit entgegenzuschreiten mit dem zähesten Lebenswillen. Wir brauchen jede Hand und jeden Kopf, um nicht nur einen Frieden zu haben, wie er am Samstag unterzeichnet worden ist, sondern einen Frieden, aus dem Weltenwende wächst.

Die Unterzeichnung des Friedensvertrages.

WB. Versailles, 28. Juni.

Der Friedensvertrag ist, wie vorgesehen, nachmittags um 3 Uhr im Schlosse unterzeichnet worden.

WB. Versailles, 28. Juni.

Die Zeremonie der Unterzeichnung im Spiegelsaal zu Versailles begann heute nachmittag 3 Uhr. Nachdem sämtliche Delegierten der alliierten und assoziierten Mächte ihre Plätze eingenommen hatten, wurden die deutsche« Delegierten in den Saal geleitet und zu den für sie be­stimmten Plätzen geführt. Der Vorsitzende der Friedens­konferenz, Clemenceau, erhob sich und erklärte, nachdem die Bedingungen der alliierten und astoziierten Mächte von den Deutschen angenommen seien, ersuche er die deutschen Bevollmächtigten, das Friedensdokument zu un­terzeichnen. Er hob hervor, die Unterzeichnung des Frie­densvertrages bedeute, daß die Bedingungen in loyaler Weise eingehalten werden müßten. Um 3 Uhr 12 Mi­nuten unterschrieben die Reichsminister Hermann Müller und Dr. Bell als erste den Friedensvertrag. Hierauf unterschrieben der Reihe nach die Delegierten der alliier­ten und astoziierten Mächte. Kurz vor 4 Uhr war der Akt beendet. Clemenceau hob die Sitzung mit der Er­klärung auf, der Friede sei geschlossen. Er ersuchte die Delegierten der alliierten und assoziierten Mächte, zu warten, bis die deutschen Bevollmächtigten sich entfernt hätten. Die Militärmission werde die deutsche Delegation

das Hotel des Reservoirs zurückgeleiten. Die deutschen Bevollmächtigten verließen darauf als erste den Saal und "«gaben sich auf demselben Wege, auf dem sie gekommen waren, sofort in das Hotel des Reservoirs zurück.

WB. Versailles, 29. Juni.

. Die Reichminister Hermann Müller und Dr. Bell und einige Mitglieder der Pressegruppe der deutschen Friedens­delegation sind am 28. Juni, abends, von Versailles nach ByMhgild abgereist.

d * 0 *

' Veâ, 30. Juni., (Privattâgramm.)

AW Set Uâib^nung des Friedensvertrages widmet Theodor Wolff tot ,.M«t Tageblatt" Wilson einen Ab- MiedZâh, ..satz zwischen Wilsons Reden mich iVand: nainoUântnis bei MrvväLLwr W

haltniste hervor. Das misten auch die Amerikaner selbst. Sie standen vor der Tatsache, daß er in dem festlichen Paris ver­führt und ein gesponnen ist, wie nur jemals eine Unschuld vom Lande. Jetzt ist das freie Amerika durch Bündnisverpflichtungen eng an die europäischen Alliierten gekettet. Amerika soll die Schutzgarde Euiropas sein.

Nach derDeutschen Allgemeinen Zeitung" erklärten Dr. Bell und Hermann Müller gegenüber einem Vertreter der ame­rikanischen Agentur United Preß u. a.: Wir haben ohne jeden Vorbehalt unterzeichnet. Das deutsche Volk wird alles in seinen Kräften stünde tun, um zu versuchen, sich den Friedensbe- dingungen anzu,pasten. Wir glauben, daß die Entente es m ihrem eigenen Interests für nötig erachten wird, angesichts der Unmöglichkeiten der Ausführung einige Artikel abzuändern. Wir denken, die Entente wird nicht auf der Auslieferung des Kaisers bestehen. Die deutsche Zentralregierung wird einem Angriff gegen Polen keine Unterstützung leihen.

Neue Sturmzeichen.

Düffeldorf, 30. Juni. (Telegr.)

Die Aufruhrbewegung droht nach derVossischen Zeitung" auch auf das rheinisch-westfälische Industrie- Gebiet überzugreifen. In Düsseldorf ereigneten sich An­griffe auf Soldaten, die entwaffnet und schwer miß­handelt wurden. Daraufhin wurde der Belagerungs­zustand verhängt.

Ein deutsch-polnischer Bundesstaat.

- - iKW W ä^itH, ^. Juni. (Telegr.)

Rach einer Meldung wird im Osten deutscherseits die Errichtung einer deutsch-polnischen Bundesstaates aus den von Preußen abzutretenden Gebieten erstrebt, die an­gegliedert an Kongreßpslen und Galizien eigene Ver­waltung haben sollen.

Die Blockade. = Berlin, 30. Juni. (Telegramm.)

DieMorgenpost" meldet aus Versailles, daß der Viererrat beschlossen hat, daß die Blockade gegen Deutschland aufgehoben wird, sobald Deutschland das Ergebnis der Abstimmung über die Ratifikation des Friedensvertrages in der Nationalversammlung bekanntgegeben hat.

Schärfere Bewachung.

Berlin, 30. Juni. (Telegramm.)

DieVossische Zeitung" meldet aus Rotterdam, daß der Viererrat an Holland das Ersuchen gerichtet hat, den ehemaligen deutschen Kaiser schärfer bewachen zu lassen.

Chma hat nicht unterzeichnet.

I Berlin, 30. Juni. (Telegramm.)

1 Noch demBerliner Lokolonzeiger" hoben die chinesischen Delegierten den Friedensvertrag nicht unterzeichnet, weil Schontung an China nicht znrückgag-ebsn wird.

Die Volksabstimmung in Schleswig.

Berlin, 30. Juni. (Telegramm.)

Nach demBerliner Solo langeißer" verschob Wilson seine Abreise auf Sonntag abend. Auf sein Geheiß sollen 500 ameri­kanische Matrosen noch Schleswig gehen zur Verstärkung der Besotzungsarmee, die die Ordnung während der Volksabstim­mung aufrecht erhalten soll.

Die Freistadt Danzig.

= Berlin, 30. Juni. (Telegramm.) lieber die Verfassung der Freistadt.Danzig berichtet die Vossische Zeitung", sie sei auf breitester demokratischer Erund- loge geplant. Der Magistrat von Dantzig, verstärkt durch drei Airbeiterrertreter und einem Ausschuß aus allen Parteien, soll sie ausarbeiten. Die Vertreter der Landkreise sowie Zoppots verlangen hinzugezogen zu werden.

Die große Vermögensabgabe.

Ertrag 7090 Milliarden*

Die Vorarbeiten für die große Vermögensabgabe sollen so­weit fortgeschritten sein, daß diese bedeutungsvolle Steuervor­lage noch im Laufe der nächsten Woche das Reichskabinett be­schäftigt rind noch im Juli bei der Nationalversammlung ein- gebiacht werden dürste. Die Vermögensabgabe soll einen Betrag von etwa 7090 Milliarden erbringen. Der Prozentsatz wird dal^r nicht unerheblich sein. Dafür sollen die Zahlungsfristen möglichst entgegenkommend gehalten werden, wobei allerdings dem Reich der gestundete Abgabebetrag verzinst werden muß. Außerdem soll die U m-iaLst^kier: ausgebwut und sehr erheb-

Die Zurücknahme der Reichswehr.

Hamburg, 28 Juni.

Da die vorzeitige Zurücknahme der Vorhut der Reichs­truppen geeignet ist, großes Aufsehen auch außerhalb Hamburgs zu erregen und zu unrichtigen Schlußfolge­rungen hinsichtlich des Geistes der Truppen zu führen, ist es Eewissenspflicht, jede mögliche Aufklärung Über die wahren Ursachen zu geben. Von unterrichteter Seite erfährt der Vertreter der Köln. Ztg.:

Bei dem Vormarsch nach Hamburg ist ein taktischer Fehler gemacht worden. Zunächst wurde eine an Zahl zu geringe Truppe eingesetzt, was man aber angesichts der Erklärungen der Arbeitervertretungen und der Volks­wehr, keinen Widerstand leisten zu wollen, verantworten zu können glaubte. Sodann bewerkstelligte die ringe, setzte Truppe ihren Einmarsch im wesentlichen nur auf einer Straße, anstatt unter den nötigen Sicherheitsmaß­nahmen aus verschiedenen Richtungen vorzugehen. Die bis zum Steindamm beim Hauptbahnhof vorgedrungenen Abteilungen gerieten in die Umklammerung großer Volks- massen, die sich zwar friedlich verhielten, aber jedenfalls eine erdrückende Uebermacht bildeten und sich dicht an die Truppen herandrängten. Das hätte dadurch ver­mieden werden können, daß man etappenweise das Vor­marschgebiet von Volksansammlungen freihielt und auf diese Weise langsam vorging. Die eingekeilten Truppen hatten unter diesen Umständen weitere Befehle abzu­warten und setzten die, Gewehre zusammen. In dieser Wartezeit ergaben sich unvermeidlich schädliche Ein­wirkungen auf die Truppen. Zu Hunderten wurden die zusammengesetzten Gewehre ergriffen und ihrer Schlösser beraubt. Teilweise folgte die Truppe auch den Ueber- redungen der Volksmenge und gab die Waffen ab. Dicht «r» dte Xa^^'W^wi^^^ WcLvon Frauen und Kindern, wie dies bei solchen Gelegenheiten stets zu geschehen pflegt, als Deckung der Menge gegen einet etwaigen Waffengèbrauch. Selbst wenn die Truppe im Besitz gebraüchsfähiger Waffen geblieben wäre, hätte sie sich ihrer im Ernstfall kaum wirkungsvoll bedienen können, weil sie eben kein Schußfeld hatte; so dicht war sie von der Volksmenge umstellt. Unter diesen Umständen wurde der Rückmarsch befohlen. Die gesamte Truppe ist auf die alten Ausgangsstellungen zurückgenommen. Der Ein­marsch in Hamburg ist aber damit nicht aufgegeben; er wird nach Erledigung der Vorbereitungen mit verstärkten Kräften und in mehr organisierter Weise vorgenommen werden. Er ist nach Ansicht der Reichsregierung nach wie vor unvermeidlich, nicht etwa, weil augenblicklich eine Anarchie in Hamburg niederzuschlagen wäre, denn die Stadt ist augenblicklich ruhig geworden, sondern um ein für allemal die gesetzliche Ordnung durch die Bildung einer ausreichenden Reichstruppe, deren Stamm das frei­willige Jägerbataillon Bahrenfeld sein wird, ficherzu, stellen. Der Volkswehr, die nach Geist und Zusammen­setzung lediglich eine sozialistische Parteitruppe ist, starken radikalen Einwirkungen unterliegt, bei vielen Gelegen­heiten versagt hat und auch jetzt wieder in hellen Haufen zu bett Aufrührern übergelaufen oder neutral geblieben ist, kann auf die Dauer unmöglich die Sicherheit Ham­burgs und damit des wichtigsten Reichshafens anvertraul werden,

AurHanau Stabt und Land.

An unfm Leser und Inserenten!

Das deutsche Zrituxgsgtwcrbe hat ix d« letzten MenaNn freite: die schwerste» Bel-Kunge» erfahren. Die Pssierpnise werden seitens der Fabriken am 1. Juli abermalig gesteigert. Zu der Erhöh»«, der Buchdruckerlihne, der AxgestelltexgedtUer usw., sind »eitere sehr wesent­liche Verteuerungen der Materialien getreten. Unter solchen Um» ständen könne» die Ta^rzrituxge« ihre Aufzade» fernerhin nur dann erfüllen, wenn ein auch nur tcüwciscr Ra »gleich für die »erteinrte» Herskeüungkksften gefunden »irv.

Wir setzen uns daher in die Mngende Notlage versetzt, ab 1. Juli eine kleine Erhöhung der Sbenxementf» und Inseratenpreise zu diese« Zwecke eintrete» zu lassen.

Die Herstellung der Tager^eitnnge» wird immer Pchwieriger. Die meisten Druckcreibedürsnisst flud «inderwerti^r Kri«g»ers«tz. Es fehlt an Lai und Kohle, yinkmiffe äsen Art find ohne Unterlaß ju überwinden, um den Lesern täglich die Zeit««« znstellen »« kön»r«.

Wir müssen deshalb bitten, Anzeigen für d«n .Hanauer Anzeiger möglichst zeitig tufgugebetu Anzeigen, die erst am späten Nachmittag oder am Morgen für den am Mittag erscheinende« Anzeiger abge­geben werde», müsse« nicht selten um eirtett Tag verschob«» werden. N«r wenn di« Anzeigen m dm ersten NachmittagSfinnden uns zuge­stellt werden, sinnen sie bestimmt in der nächst erscheinenden AuSgab« des ?l»zeigc-s veröffentlicht »erb«*.

MP- Schluß der Jnsrrââxahme morgcw» 8'/, Uhr. Große Jiiserete mit »tei Text können nur ix ganz brixgexbei füllen morgen« noch berücksichtigt »erben.

Sämtliche Anzeigen und «rmiUche» Bekanntmachungen sind ix unserer «cschäslistekie in der Hainmerstraße 9 an den Schaltern 1 und 2 abzugedex. Kleine Inserate stob bei dir Axsgabe sofort zu ft* ; zahlen. Um einen geordneten Geschäftsgang durchzuführen, bitte» wir Höss, unsere» Wünschen entgegexzukommen.

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