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Verlag: Das vereinigtr evangelische Waisenhan» a' Hanau a. M. — Rotationsdruck der Waisenhaus
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Nr. 148 jSMeSÄS«-.. SamstW den 28. Juni «.mâ«'LWL 1919
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Die LMirdttheit der
in MchchmInll.
Gegen die Sozialisierung des Bodens.
Der SchutzverSand für deutschen Grundbesitz (e. V.), der nach Berlin eine Versammlung einberufen hatte, um Stellung zu nehmen zu den verschiedenen behördlichen Maßnahmen, die das Privateigentum am Grundbesitz zu beseitigen drohen, nahm nach einem Vortrag des Präsidenten van der Vorght, einstimmig folgende Entschließung an: Die aus allen Teilen Deutschlands zahlreich beschickte Delegtertenversammlung des Schutzverbandes für deutschen Grundbesitz, in dem über 500 000 Vertreter des seßhaften städtischen und ländlichen Grundbesitzes zusammengeschloffen find, erhebt den entschiedensten Einspruch gegen alle Versuche, den Boden entweder unmittelbar oder auf dem Wege der Unterhohlung durch übertriebene Besteuerung oder Vernichtung wertvoller Eigenschaften und Zubehör in die öffentliche Hand überzuführen. Solche Versuche bedrohen aufs schwerste die Lebensnotwendigkeiten des -rutschen Volkes. Unsere Nahrungsmittel- und Wohnungs- lversorgung erfordert heute mehr denn je den Fortbestand des Privateigentums an Boden. Nur auf der Grundlage des Privateigentums kann nach allen Erfahrungen das Höchstmaß von Leistungen erzielt werden, das auf allen Gebieten der Bodenverwertung unentbehrlich ist und trotz der entgegenstehenden großen Schwierigkeiten sobald als möglich erreicht werden muß, wenn nicht der Mangel an Nahrungsmitteln und Wohnungen zu einer 'Katastrophe führen soll. Die Aufhebung der Unter- Höhlung de» Privateigentums an Boden ermöglicht weder
ruft vielmehr ëfodtangenTl^^
rungen hervor, die ernstlich die Beschaffung und Bereitstellung von Nahrungsmitteln und Wohngelegenheiten beeinträchtigen. Die Ausschaltung des Privateigentums an Boden stellt die Bodenverwertung in den Städten und in der Land- und Forstwirtschaft in einen Widerstreit zwischen gemeinnütziger Benutzung und fiskalischer Ausnutzung und belastet die öffentlichen Organe mit einem Uebermaß von Arbeit und Verantwortlichkeit. Die ^rechtliche oder tatsächliche Aufhebung des privaten Boden- eigentums bedeutet in jeder Beziehung eine nicht wieder gutzumachende Verschlechterung der ganzen Lebenshaltung des deutschen Volkes.
Ankunft Müllers und Bells in Versailles.
DDP. Versailles, 27. Juni.
Die Ankunft der Reichsminister Hermann Müller und Dr. Bell, die, nach verschiedenen Abendblättern, für morgen früh 7 Uhr festgesetzt war, erfolgte bereits heute abend zwischen 11 und 12 Uhr. Die deutschen Delegierten wurden vom Gesandten von Haniel auf der kleinen Station St. Tyr vor Versailles empfangen. Sie werden von dort auS mittelst Automobils nach dem Hotel »Des Reservoirs" geführt werden.
Die FriedensfestlichKeiten begonnen.
DDP. Versailles, 27. Juni.
Die Festlichkeiten, mit denen die Siegesfeier verschont werden soll, nahmen schon heute abend ihren Anfang.^ Em Fackklzug wird durch die Straßen der Stadt zum Schloß ziehen. Die Deutschen werden den Zug nicht sehen, da sie beschlossen haben, wenn er die Straße passiert, in der die Hotels „Des Reservoirs" und „Vatel" liegen, hinter nieder» Silasienrn Vorhängen in ihren Zimmern zu bleiben.
Für Aufnahme der russischen Handelsbeziehungen.
DDP. Elberfeld, 27. Juni. (Telegramm.)
Wie das „Kölner Tageblatt" meldet, hat sich auf Ver. Mlassung führender WirtschaftSkreise der Großindustrie eine Bestrebung bemerkbar gemacht, die wirtschaftlichen Beziehungen wit Rußland wieder aufzunehmen. Im Einverständnis mit Kr deutschen und der Moskauer Regierung sind Vertreter Kutscher Industrie-Konzerne nach Rußland abgereist, um an Ort und Stelle Informationen über die Grundlagen des künftigen Warenaustausches einzuziehen.
Entschiedenes Vorgehen der Regierung im Eisenbahnerstreik.
DDP. Berlin, 28. Juni. (Telegramm).
Aus Grund der Erklärung aller Eisendahn-Verbände, die een Streik mißbilligen, wird die Regierung, wie wir Horen, ^iigenjalls mit aller Entschiedenheit vorgehen. Es ist bea - nötigt, den Belagerungszustand aus da« ganze Gebiet des Berliner Vorortverkehrs ausjudehnen. Aus der Mark Bran- ^ndurg sind größere Truppenmenzen an Berlin herangezogen tvordem.
Verhandlungen mit den Eisenbahnern.
Die Senkung der LebensmittelpreA«.
WB. Berlin, 27. Jimi.
Heute mittag sollten die Beratungen mit den Eisenbahnern in einer engeren Kommission fortgesetzt werden. Zu Beginn s der Verhandlungen machte jedoch Eisenbahnminister Oeser ; die sensationelle Mitteilung, daß ein Mitglied des Zentral- f rates der Eisenbahner es für richtig gehalten habe, in Potsdam j den Generalstreik zu proklamieren. Die Sitzung wurde darauf sofort abgebrochen, um allen Teilen Gelegenheit zu geben, sich über die neue Lage zu orientieren. Um 3 Uhr trat man unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Hirsch abermals zusammen. Dieser erklärte, daß in Anbetracht der neuen Situation die Ciaatsvegierung sich nur unter zwei Voraussetzungen noch weiter an den Verhandlungen beteiligen könne, und zwar erstens, daß das betreffende Mitglied des Zentralrates nicht mehr an den Beratungen teilnehmen dürfe, mrd zweitens, daß die beteiligten Organisationen noch heute an ihre Mitglieder folgende Aufrufe richten:
„Der Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes erstatt, daß der gegenwärtige Streit der Eisenbahner ohne seine Zustimmung zustandegekommen ist, und daß er diesen Streik entschieden verurteilt, insbesondere deshalb, weil er vor Beginn der Verhandlungen mit der Regierung ausgebrochen ist und während derselben sich weiter ansgebreitet hat. Wir richten an unsere M itglieder das dringende Ersuchen, sich weder von fparivkisiisäer noch von reaktionärer Seite zu Putschen und Unbesonnenheiten verleiten zu lasten. Die Aufbesserung der wrrtsSafiliäen Verhältnisse der Arbeiter und die Erfüllung ihrer sonstigen Forderungen können nur erreicht werden, wenn die gewerkschaftliche Disziplin streng gewahrt wird. . Deshalb fordern wir unsere Mitglieder auf, sofort di« Arbeit wieder aufzunehmen."
„Der Allgemeine Eisenbahnerverband, die Gewerkschaft deut- scher Eisenbahner, die Gemeinschaft der Staaishandwerter und Arbeiter und der Mzenbahnbeamte â ad richten folgende», Appell an ihre Mitglieder: Mir mißbilligen die Eisenbahner- streiks, die ausgebrocken sind vor Einleitung und während der Führung der Verhandlungen zwischen den beteiligten Organisationen und den beteiligten Stellen aufs schärfste, weil durch diese Streiks der Erfolg der Verhandlungen in Frage gestellt wird. Wir fordern deshalb unsere Mitglieder, soweit sie etwa an den Streits beteiligt sind, auf, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. Das Ergebnis der Verhandlungen wird alsbald nach ihrem Abschluß bekannt gegeben werden."
Im Laufe der weiteren Besprechungen machte die Staatsregierung folgende Vorschläge als Grundlage für eine Eini- guug: Die Staatsregierung hat sich mit den Mitgliedern des Haushaltsausfckustes nochmals beraten und hat trotz der trostlosen Finanzlage des Staates die ja auch von allen Seiten anerkannt wird, beschloßen, für Preußen allein etwa eine halbe Milliarde in den nettsten drei Monaten aufzubringen, die zur Verbesserung der Lebenshaltung der gesamten Einwohnerschaft Preußens dienen soll. Eisenbahnminister Oeser wies darauf hin, daß bei den Verhandlungen mit den Eisenbahnern vor sechs Wochen diese erklärt hatten, sie wollten auf ihre Lohnforderungen verzichten, wenn eine bessere Lebensmittelversorgung erreicht werden könnte. Die Eisen- bahuhrhörde hat sich darauf sofort mit den betreffenden Reichsämtern und Ministerien in Verbindung gesetzt und Verhandlungen geführt, die gestern zum Abschluß gekommen sind. Es wurde beschlossen, daß Reich, Staat und Gemeinden zusammen die Mittel aufzubrinaen versuchen werden, um eine Senkung der Lebens mittelpreise herbeizuführen. Es soll also nicht nur gesagt werden, wir werden alles tun, um Lebensnittel zu beschaffen, sondern es sollen vom 5. Juli ab bestimmte Rationen zu bestimmten Preisen an die gesamte Bevölkerung abgegeben werden. Die Senkung der Preise wird so stark sein, daß die Ersparnis z. B. für eine fünfköpsige Familie pro Woche 25—30 Mark ausmacht. Es ist beabsichtigt, vorläufig auf drei Monate folgende Mengen ausländischer Lebensmittel pro Woche und Kopf abzugeben: % Pfund Kochmehl für 80 Pfg. das Pfund (gegen früher 2.20 Mk.), je nach der Stadt 100 bis 200 Gr. Fleisch für 4.50 Mk. das Pfund (11.00 Mk.), N Pfund Reis oder Hülsenfrüchte, (ein Pfund Reis jetzt 2.40 Mk. statt früher 4.50 Mk.), % Pfund Speck für 4 Mk. das Pfund (statt 7.70 Mk.), für Kartoffeln — auch für Frühkartoffeln — soll der Preis pro Pfund bis 13 Pfg. betragen (statt 25 Pfg.). Diese Maßnahmen würden für die Dauer von drei Monaten für die Gesantbevölkerung des Deutschen Reiches rund 1% Milliarden ersrrdevn. Sie sollen aufgebracht werden nach einem noch zu bestimmenden Sâlüstel durch das Reich, den Staat rnd die Gemeinden. Nochmals wird betont, daß bei der schlechten Finanzlage eine Erhöhung der Gehälter oder Löhne oder auch neue Beihilfen nicht gervahrt werden können. Auch bezüglich der politischen Forderungen will die Regierung den Eisenbahnern entgegenkommen. Minister Oeser betonte, daß er seit Antritt seines Amtes stets bemüht gewesen sei, eine Vertretung für die Arbeiter und Beamten mit fest umriffenen Befugnissen herbeizuführen, die aber nicht die Form des Rötesystems an- nehmea dürfe, weil dadurch die Rechte der Landesversammlung verkümmert werden würden. Dagegen wolle man bei der Eisenbahn Betriebsräte gern bewilligen, die ja zur Zuständigkeit der Reichsgesetzgebung gehören. Die preußische Regierung will mit allen Mitteln dahin wirken, daß die retchsgefetzlick>e Regelung der Betriebsräte so schnell wir möglich in die Tat umgesetzt nirb. — Nach diesen eingehenden Darlegungen der verschiedenen Regierungsvertreter gaben die Delegierten der einzelrm Orqanifaticmn ihre Erklärungen zu den Vorschlägen der Regierung ab. Ei erkannten den Wert bet Zugeständnisse vollkommen an, betonten aber andererseits, daß bei den Arbeitern doch eme gswil'e Enttöusâng Ploh greifen werde, weil ihnen nickt abes beailligt worden fei Eie versprachen, bei ihren Mtt- clKbctn dafür einzuireten, daß die Arbeit umgehend wieder aufgenommen wird Zum Echluste nahm der Ministerpräsident «schmal» das Wort. G^ fotoÄ sie Hvkiuumg aus, daß die Av-
bett nunmehr triebet aufgenommen wird und Deramlastmyg«« zu neuen Streiks sich hoffentlich nicht wieder bieten werden. Er ermahnte die Eisenbahner besonders, sich nicht von kommv-t nistischen Agitatoren ins Schlepptau nehmen und zu politische» Zwecken mißbrauchen zu lassen.
Zu den Unruhen in Hamburg.
DDP. Hamborg, 23. Juni. (Privattrlezr.H
DaS Rerchsbaiaillon Bahrenfeld veröffentlicht einen ve» richt, in dem nach eidesstaitlichen DuSsazen festgestellt wird, daß eine große Anzahl Freiwilliger bekunden, daß die Menge unter Beschimpfungen auch tätlich gegen die einrückendm Truppen vorging und versuchte, ihnen die Gewehre und Handgranaten fortzunehmrn. Der die letzte Gruppe führend» Bizeseldwebel erklärte, daß seine Leute angegriffen wurden und die Menge sie zu entwaffnen suchte. Er gab einen Schuß in die Luft ab und rief zweimal: Zurück! Oder ich schieße l Erst dann eröffnete er, da dies nichts nutzte, das Feuer.
Am 25. 6. war die Lage so, daß das Rathaus noch tagelang hätte gehalten werden können, wenn nicht aus dem Wunsche heraus, weiteres Blutvergießen zu vermeiden, der Adjutant des Kommandeur» und der militärische Leiter mit den Führern der Menge in Verhandlungen eingetreten wären. Trotzdem schoffen die Sparta« kisten ruhig weiter auf unsere Leute, die ihre Gewehre zusammengestellt hatten. Nicht durch das Schießen der Bahrenfelder wurde die Waffenruhe gebrochen, sondern durch die Menge, obgleich eine große Anzahl von organi», sierten Arbeitern versuchte, die aufgeregte Menge zu beruhigen und sie zur Einhaltung der gegebenen Versprechungen anzuhalten.
Obwohl den Bührenfelder Truppen ein ehrenvoller Abzug zugesichert worden war, wurde bei ihrem Ausmarsch aus bem Rathaus dü^ Feuer auf sie eröffnet. DU Menge ließ sich dann auch Mißhandlungen der Entwaffneten zu Schulden kommen und warf mehrere von ihnen in die nahe Alster und in die Fleets, wo noch auf sie geschaffen wurde.
DDP. Berlin, 28. Juni. (Privattelegramm.)
Ueber die weiteren Vorgänge in Hamburg wird dem „Berliner Tagenblatt« in später Nachtstunde noch gemeldet : Die heute Nachmittag begonnene Besetzung Hamburg» durch die Reichswehr hat ein vorzeitiges und peinliches Ende gefunden. Die auf dem Steinvorplatz angesammelte Menge bemächtigte sich gegen 2 Uhr nachmittags der Munitionswagen der dort haltenden Truppen. Die Muni, tionswagen wurden unter dem Gejohle der Menge nach einem Vorort gefahren. Die Menge wollte die Truppen entwaffnen und die Munition in das Waffer werfen. Nach einer Vereinbarung der Offiziere, welche diese wohl oder übel mit der Zwölferkommisston der Betrieb»rSt« treffen mußten, wurde der Abzug der Reichswehrtruppen ermöglicht, die mit den Waffen nach Wandsbeck abzogen. Die Stacheldrahthinderniffe wurden beseitigt. Der Verkehr der Stadtbahnen und Straßenbahnen ist wieder ausgenommen worden.
Der Belagerungsversuch der Reichswehr hat nur dazv geführt, von neuem Waffen und Munition zur weiteren Gefährdung Hamburgs in unkontrollierbare Hände zu liefern.
Am Rathaus wurden bei der Erstürmung am Mitt. woch im ganzen ungefähr 40 000 Mark Bargeld, Winterzeug und vieles andere gestohlen. Auch an anderen Orten wurden Plünderungen ausgeführt, bei den Sachen im Werte von über 100 000 Mark geraubt wurden. Hamburg ist vollkommen den bewaffneten Räârbaudeu' preisgegeben.
Nach einem ausführlichen Bericht der Reichswehr wurden sechs Wehrleute beim Abzug durch die .Meng^ in die Alster geworfen und solange beschossen, bis sie untergingen.
In Hamburg herrschte während der Nacht Ruhe. Dio Straßen find still. Schutzleute, Volkswehrpatrouilleu oder irgendwelche Sicherheitsmaßnahmen sind nicht zu bemerken.
Die Regierung und die Ostmark.
WB. Berlin, 27. Juni. (Amtlich).
Die Behauptung, daß di« Reichsregierung erklärt habe,^ sie würde sich einer etwaigen Kriezsrrklärung an Polen durch die Reichskümmissare Hörsing und Winnig zwar offiziell widersetzen, inoifiziell sie dagegen fördern, ist bereits gestern auf das ©tristeste als Erfindung gekennzeichnet worden.
Numr cchr erklärt auch ReNsskomMssar Hörsiag, daß die Nitt gelepc Tilsit ihm völlig unbekannt sei. Er habe meder ^u^« endeten, noch fei ihm solche engeboten mondsm Er werDe foloffd versckmdlich nur dem Anmersun gen bei Reichsrogverung Folg« leiben und nach erfolgter Raiifizierumig des Frieden svemrages zu dem von der Regierung bestimmten ZeitpunA« we Zuruch ziehung bet T ruppen aus dem: adaUitueterDen Geb rote veroau laßen. • .