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GekeM-Anzeiger
Amillches Organ für Stadt- and Landkreis Sanaa
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- ».Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.
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Freitag den 27. Juni
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1916
Der Friel
Unterzeichnung — „Friede".
In Versailles soll der Tag, an dem das Deutsche Reich zebaren wurde, wieder ausgetilgt werden. Wir werden die tragische Symbolik dieses Tages verstehen und nichts dazu beitragen, der Entente die Siegesfeier auf unsere Kosten auf- jUpuHen. Wir senden zwei Minister zur Vollziehung der Unterschrift, keine Delegation. Es ist ein nationaler Trauertag für unS und der Siegesjubel der Entente nach so viel furchtbaren Niederlagen, Enttäuschungen und Opfern eine riesenhafte Komödie, eine Illusion. Wenn auch Deutschland hitderzezwungen ist, nicht durch die Gewalt der Waffen, sondern durch die Macht der Lüge und der Verführung, durch ungünstig zusammenwirkende Verhältnisse, und wenn unsere Zukunft zunächst noch lichtlos ist, so hat doch kein Land eine geringere Berechtigung, Siegesfeste zu feiern, al« Frankreich. Unsere Zukunft werden wir uns. neu ansbauen müssen. Wir werden schwer und hart arbeiten und viel and lange entbehren müssen. Aber wir sind ein arbeitsames Volk, in rauher Schule hart geworden, die Sentimentalitäten haben wir hoffentlich endgültig verlernt. An uns wird ei hegen, wie bald die Weltgeschichte den Friedensvertrag von Versailles einer Revision unterzieht.
Die Bevollmächtigten.
. W. Berlin, 26. Juni.
Die Reichsminister Hermann Müller und Dr. Bell haben sich auf einstimmiges Ersuchen der Reichsregierung entschlossen, als Bevostmächtrgte in DeriazUe» â «i^ densvertrag zu unterzeichnen. Sie haben geglaubt, unter dem furchtbaren Druck der Volksnot und dem unbedingten Bedürfnis, endlich zum Frieden zu kommen, sich diesem letzten und schwersten persönlichen Opfer nicht entziehen zu können.
== Berlin, 27. Juni. (Telegramm.)
Die Mitglieder der Reichsregierung, die gestern mit der Unterzeichnung des Friedensverlrags beauftragt wurden, sind gestern abend nach Versailles abgereist.
Die Vorgänge im Osten.
Zu der wiedergegebenen Havasmeldung betr. die angeblich aufgefangeNe Runddepesche der deutschen Regierung bemerkt ein offenbar offiziöser Kommentar des WolffbüroS:
Die Gründe für diese Erfindung sind durchsichtig. Dennoch sei mit allem Nachdruck sestgestellt, daß die ReichS- regierung ein solches Telegramm nie abgesandt und eine solche Haltung nie eingenommen hat. Ihr ist es nach dem furchtbar schweren Entschluß der Unterzeichnung unbedingt ernst mit der Durchsührung deS Vertrages. Allerdings kommt dieser ihr unveränderlicher Entschluß in ein zweifelhaftes Licht, wenn einzelne, wie z. B. General Hoffmann, erklären, daß sie auch gegen den Willen der Regierung dre Bestimmungen des Vertrages nicht anerkennen und sich ihm mit Gewalt widersetzen werden. Gegen eine solche unverantwortliche Durchkreuzung der Reichspolitik wirb die Regierung jedes nötige Mittel anwenden. Gegen General Hoffmann ist bereits das'Erfordert,che veranlaßt. Die Korrespondenz, die sich nicht gescheut hat, das RetchS- inleresse durch die Verbreitung der Hoffmannschen Kund- qebung zu schädigen, hat der ReichSwehrminister verboten. Alle solche Unternehmungen und Aufrufe auf eigene Faust sind Einflüsse einer irregeleiteten Vaterlandsliebe, btt der Ge- anuheit teuer zu stehen kommen. .
WB. Berlin, 26. Ium.
Generalmajor Hoffmann ist zur Disposition âefteUt worden.
Batocki und der Osten.
WB. Königsberg, -26. Juni.
Oberpräsident v. Batocki veröffentlichte eine Ei klärung, die über die Bewegung in den Ostprooinzcn besagt. „'Rach Annahme- des Friedens, der uns neben anderen gegen Deutschlands Ehre und Zukunft gelichteten Friedensbcdingungen die ^Ionisierung der deutschen Ostmark bringt, richteten die Bewohner der Ostprovinzen an «ich das Ersuchen,mich mit anderen von ihnen bezeichneten Männern an die L>pitze eines der Form nach vorläufig vom Reich zu trennenden, d i e Rordmark umfassenden Staatsgebilde« zu stellen, um so die Möglichkeit bewaffneter Abwehr der Polen unabhängig von der durch den Frnedensvertrag gebundenen ReichSregierung zu schaffen. In voller Würdigung der vaterländischen Absichten der Urheber dieses Planes habe ich meine Beteiligung daran abgelehnt und vor seinem weiteren Mitte gewarnt". Im Anschluß daran legt Batocki Rechen-
schaft über die Gründe ab, diè ihn zu seiner ablehnenden Entschließung bewogen haben. Diese lägen vor allem in der gegenwärtigen Aussichtslosigkeit bewaffneten Wider st andes unter staatlicher Selbständigleitserklärung der Ostmark, der, rechtzeitig vorbereitet und einsetzend, erfolgreich hätte sein können, jetzt aber schnell und rühmlos zusammenbrechen und das engere und weitere Vaterland den schweren Folgen des .Bruches des Friedensvertrages aussetzen würde.
Die Oftprovinz bleibt ruhig.
DDP. Thorn, 26. Juni.
Die Absicht, die Ostprovinz als -selbständige Provinz auszurufen, ist fallen gelassen worden. Deutsche Volksräte haben mit polnischen Volksräten bereits Fühlung genommen. Beide Volksräte fordern in gemeinschaftlichem Aufruf die Bevölkerung zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung auf. Zur Sicherheit soll eine deutschpolnische Bürgerwehr gebildet werden. Zur weiteren Verhandlung mit dem Obersten Polnischen Volksrat sind Mitglieder des Thorner deutschen und polnischen Volksrats nach Posen abgereist. .
Der Eisenbahnminister und die Streiks.
G. Berlin, 26. Juni.
Im Haushaltsausschutz der preußischen Landesversammlung erklärte der Minister Oeser: Die Eisenbahner- streiks müssen im Zusammenhang mit der überall unter den Eisenbahnern betriebenen" tävctwfci ^rrMMklMZ» trachtet werden. Sie fanden ihren prägnantesten Ausdruck auf den Eisenbahner-Rätskongressen in Frankfurt a. M. und Berlin, wo das Wort fiel: „Wer die Eisenbahn in der Hand hat, hat die Hand an der Gurgel des Staates". Die Erfurter Bewegung richtete sich. gegen technische und administrative Beamte. Trotzdem für den 17. 6. eine Audienz zur Verhandlung über die Beschwerden bewilligt wurde, wurde am 15. 6. der stellvertretende Präsident und einige Dezernenten von der Versammlung abgesetzt und ein mittlerer Beamter zum Präsidenten ausgerufen. Die Ereignisse wurden von Her gesamten Reichs- und Staatsregierung so ernst beurteilt, daß sie ihrer Absicht, den Status qua ante wiederherzustellen, durch die Anwesenheit militärischer Macht den erforderlichen Nachdruck gab.
In einer Besprechung des Ministers mit den Führern der Bewegung , in Berlin vom 19. 6. wurde von ihnen das Vorgehen in Erfurt ausdrücklich als ungesetzlich anerkannt. Der Minister erklärte sich bereit, den tüchtigen Arbeitern und mittleren Beamten mehr als bisher die Möglichkeit des Aufsteigens in höhere Stellen zu geben. Der Minister sagte ferner zu, von Maßregelungen der bei den Erfurter Vorgängen Beteiligten abzusehen und sich bei der Regierung für die Zurückziehung der Regierungstruppen einzusstzen. Inzwischen waren aber schwere Betriebsstörungen und Streiks ausgebrochen, die es her Reichsregierung notwendig erscheinen ließen, den Abzug der Truppen noch hinauszuschieben. Zur Untersuchung der Beschwerden gegen höhere Beamte sandte der Minister einen Kommissar mit entsprechenden Vollmachten nach Erfurt. Nachdem die Berliner Vereinbarung von den Erfurter Führern nicht innegehalten Worden war, kam es in der Nacht zum» 21. 6. unter tatkräftiger Mitwirkung des jetzigen Ministerpräsidenten Bauer zu einer neuen Vereinbarung über die Errichtung eines Beirats bei der Erfurter Direktion» der aus je einem Vertreter der Beamten und der Arbeiter besteht und eine gutachtliche Tätigkeit ausüben soll. Alle das Dienstverhältnis der mittleren und unteren Beamten, sowie der Hilfsbeamten und Arbeiter betreffenden Angelegenheiten sind ihm zur Kenntnis vorzulegen. Ist eine Einigung zwischen Dezernent und Beirat nicht zu erzielen, dann hat letzterer das Recht, mit dem Präsidenten zu verhandeln, dem die endgiltige Entscheidung kusteht. In Erfurt wird ferner ein mit einem geeigneten Arbeiter zu besetzendes Hilfsdezernat errichtet. Der Minister teilte schließlich mit, daß dort der Betrieb im Erfurter Bezirk wieder ausgenommen wurde, und daß sich dort eine Eegenbewegung in der Beamtenschaft zeige, die weitere Kreise nach sich zu ziehen scheine.
Ausschreitungen in Frankfurt a. O.
— Berlin, 27. Juni. (Telegramm.)
Bei den Ausschreitungen in Frankfurt a. O. sind nach der „Vossischen Zeitung" bisher 10 Tote, 4 Kinder und 6 Frauen, zu verzeichnen.
Um den Exkaiser.
DDP. Amsterdam, 26. Juni.
„Dem „Algemren Handelsblad" wird gemeldet, daß be Deutsche Offiziersbund an die niederländische Regierung eine Eingabe gesandt habe, in der die Niederlande gebet«« werden, die Auslieferung des Kaiser« zu verhindern.
Die Streiklage in Berlin.
• = Vertin, 27. Ivan. (Telegramm.)
Zur Strerkkage in Berlin teilen die Blätter mit, «daß jetzt sämtliche Berliner EijVnLahnhavptwvrkstwtteir feiern. Dom Bahnhof Friedrichstraße war spät abends der Fernverkehr fast ganz eingestellt. Die Stadtbahn verkehrte ganz unregelmäßig Vom Stettiner Bahnhof wurden noch Fernzüge abgelaffen and ankommende Züge erledigt. Der Vorortverkehr nach dem Norden wurde abends eingestellt. Am Lehrter Bahnhof wird der Vorort- und Fernverkehr fahrplanmäßig durchgeführt. Auch der W.rhalter Bahnhof hält den Verkehr in vollem Umfange aufrecht. Auch vom Potsdamer Bahnhof wird der Fernverkehr- aufrecht erhalten. v
Plünderungen.
W. Schöneberg b. Berlin, 27. Junä.
Gestern abend wurde von Plünderern ein Konfektionsgeschäft und ein Bäckerladen gestürmt. Hierauf wurde die Menge in die Nebenstraßen gedrängt, wo die Plünderungen fortgesetzt wurden. Von der Bürgerwehr wurde gasch offen und Handgranaten geworfen. Gegen 10 Uhr rückten 2 Kompagnien Re- gierungstrulppen mit Maschinengew ehren an und besetzten den Kaiser Wilhelm-Platz und die Hauptstraße.
DDP. Hamburg, 26. Juni.
Die Lage hat sich dadurch verschärft, daß die Regie-f rungstruppen, die ihre Vorposten bis nach Wandsbeck vorgeschoben haben, von zahlreichen Agitatoren bearbeitet' werden. Dabei schrecken diese Agitatoren nicht vor Heraus-' forderungen der Offiziere zurück, sodaß jeden Augenblicks ein Zusammenstoß erfolgen kann. Vielleicht ist es damit in Zusammenhang zu bringen, daß heute abend die Vor-, posten sich etwas zurückgezogen haben. Nachmittags versammelte sich eine große Menge unter Führung von Radikalen vor dem Rathaus an und versuchte dort einzu- dringen, um eine Anzahl Beamter als Geiseln festzunehmen. Diese Absicht stieß aber bei der Besatzung des Rathauses; auf energischen Widerstand, weil dadurch die Vereinbarungen mit den Regierungstruppen hinfällig geworden wären. Sie gelangte daher auch nicht zur Ausführung.
WB. Berlin, 26. Juni.
Im Verlaufe der letzten Nacht wurde festgestellt, daß zwischen den Leitern des Hamburger Aufrufs und den Mitgliedern des Berliner Vollzugsrates die Verbindung hergestellt worden war. Von Hamburg aus gelangte nach Berlin die Mitteilung, daß gehofft werde, jetzt von Hamburg aus die zweite Revolution über das ganze Reich heute einzuleiten. Darauf wurde von Berlin aus dem Hause des Vollzugsrats geantwortet: „Bravo!" und an«j gekündigt, man werde sehen, noch heute abend Vertreter abzusenden. Es steht weiter fest, daß von Hamburg nach Berlin die Mitteilung gegeben wurde, und zwar wieder nach dem Amtslokal des Vollzugsrats, daß in Hamburg eine großzügige Bewaffnung des Proletariats durchge- führt werden solle, um Hamburg in Verteidigungszustand' zu setzen, der es ermögliche, einen großzügigen Kampf gegen die Truppen zu führen, die von der Regierung gegen Hamburg eingesetzt sind. Es war die selbstver^ stündliche Pflicht der zuständigen Stellen, derartige Bestrebungen, die zur Folge haben könnten, daS unabsehbares Unheil über die Stadt hereinbricht- im Keime zu ersticken. Deswegen ist der Befeh^ gegeben worden, bei den kommunistischen und unabhângi, gen Mitgliedern des Vollzugsrates eine Haussuchung zH halten. Da festgestellt wurde, daß keiner der «Sistierten das fragliche Telephon-Gespräch mit Hamburg geführt hat, wurden alle Sistierten vorläufig wieder auf freies Fuß gesetzt. — Der Aufstand in Hamburg muß schoq darum schnell und energisch beendet werden, weil di^ Lebensmittelversorgung Deutschlands in der Hauptsache über Hamburg ersolgt.
Amerikanische Friedensfeier.
DDP. Amsterdam, 26. Juni.
Aus Washington wird gemeldet, daß für den 4. Juff eine große internationale Kundgebung zur Feier des Frieden» geplant wird. Dian hofft, daß Wilson bis dahin im Land^ sein wird, und daß Vertreter vieler ausländisch«? Nation«« offiziell an der Feier teilnehmen »trbtn.