Sinrückungsgebühr:
Die kgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 30 Pfg. di« Sgespaltene Zeile im Reklameteil 1.— Mark
Offertengebühr 25 Pfg.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 3.75 Mk., monatlich 1.25 Mk., für Post
bezug vierteljährlich 3.75 M., monatlich 1.25 Mk.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. ’
Gtneral-Aoztigtr
Amtliches Organ für Stadt- vnd Landkreis Sana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- ».Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.
Verantwortlich: für politische« und allgemein« Teil G. Schrecker; für lokalen und provinziell« Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen mch Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M.
Verlag: Dar vereinigte evangelische Waisenhaus in Hanau a. M. — Rotationsdruck der Waisenhaus» buchdruckerei in Hanau a. M.
Nr 1J.6 Fernsprechanschlüffe Nr. 1237 und 1238 ^ntttttrSiftrt drn 9ß Qllttt Fernsprechanschlüffe Nr. 1237 und 1238 1Q1Q
*/Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. 9 ^vjllrllvlUft Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. S
Rücktritt verdienter Heerführer.
Das Ende der deutschen Flotte.
Die Felsenbucht Scapa Flow, die von der See in die Orkney Insel gefreffen, ist zum Grab der deutschen Flotte geworden und wenn der Oststurm über dar Nordmeer fegt, dann singt die Brandung an den steilen Felsen Schottlands den versunkenen Riesen ihr Schlummerlied.
Vom Nationalbewußtsein Deutschlands geboren, als Schoßkind der Volkes aufgewachsen, war die Flotte in arbeitsreichen glücklichen Friedensjahren das Symbol deutscher Kraft und Weltmachtstellung. In 41/» Jahren Kampf gegen die übermächtigen Flotten der ganzen Welt, hat sie gehalten, was ihr Schöpfer und ihre Führer versprochen ; kein Feinst hat deutsche Küsten betreten, und in der Seeschlacht vor dem Skagerak hat die deutsche Marine den Engländer aufs Haupt geschlagen und dem Briten das „Unbesiegbar" aus Nelsons Zeit für immer von den Lippen gerissen.
Als die Flotte im Oktober ausholte zum letzten Entscheidungsschlag, der das Steuer de» dem Untergang zutreibenden Staatsschiffes herumwerfen sollte, ist ihr die verführte eigene Mannschaft in den Arm gefallen und unbesiegt doch kraftlos konnte sie dem schwerringenden Heer keine Hilfe mehr bringen.
Der Waffenstillstand kam. Geschmückt wie zum Feste, «lit roten Fahnen, unter den Klängen der Marseillaise, die Mannschaft vom Wahn der Weltrevolution berauscht, so sind die Schiffe im November nach Scapa Flow gefahren; die wenigen Getreuen, die gezwungen von der mrervitttrchen Pflicht mu «eftyi uei «mommm ^^ Fahrt mitmachten, werden diese Tage der Schande nie vergessen.
Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen.
Mit wehender Kriegsflagge, kampflos, da ohne Pulver und Granaten, aber getreu der stolzen Tradition, daß kein Schiff dem Feind in die Hand fallen dürfe, ist nun Deutschlands Flotte fern von der Heimat gesunken. Sie, die Deutschlands Glück und Größe getragen, sollte die Schmach und Knechtung de» Vaterlandes nicht mehr erleben, wollte nicht des Feindes Fuß auf ihren Planken spüren, nicht Zeuge sein der Auslieferung der Männer, die die Kriegsmarine schufen und ihr den Geist einhauchten, die sie zu Taten befähigte, auf die noch Jahrhunderte lang deutsche Männer stolz sein werden.
Fünfhunderttausend Tonnen Schiffsraum, an dem ganz Deutschland gebaut, ruhen aus neutralem Meeresgrund, denn kein Taucher wird sie heben. Von Kampf und Sieg ruhen die Schlachtschiffe aus und die Nordseewogen kühlen die Panzernarben aus mancher Schlacht.
Durch die schwarzen Wolken, die vor der Zukunft hängen, flammt diese Seemannstat und läßt uns für einen Augenblick in hellere Zeiten sehen, die anbrechen werden, wenn der Deutsche sich wieder auf sich selbst besinnt, wenn er nicht auf Völkerfrieden und Jnternatio- wie, sondern auf eigene Kraft das Heil der Zukunft baut.
Unsere Marine aber hat mit ihrem stolzen Ende die befleckte Ehre Wieder reingewaschen. B. 8.
Kemer will unterzeichnen.
DDP. Berlin, 26. Juni. (Telegramm.)
Das Reichskabineit trat gestern abend 1 Uhr zu einer Sitzung zusammen, die sich mit einigen laufenden Angelegenheiten von besonderer Wichtigkeit befaßte. Im Mittelpunkt der Beratungen, die mehr als drei Stunden währte, stand die Bestimmung der Persönlichkeit, die namens des Reiches in Versailles den Friedensvertrag unterzeichnen soll. Mehrere Persönlichkeiten, die vermöge ihrer Stellung hierfür besonders in Betracht kommen, weigern sich, diese undankbare Mission zu übernehmen. Die Lösung der Frage begegnet daher nach wie vor großen Schwierigkeiten. Auch gestern kamen die Minister nicht über die Person des deutschen Ministers übereins. Indessen hofft man, heute diese Wahl treffen zu können. Zu diesem Zweck ist für heute eine Fort- lc6ung der Beratungen vorgesehen.
Englische Soldaten meutern.
DDP Haag, 25. Juni.
Englischen Blättern zufolge meutern in Surrey Camp in England 4000 Mann. 400 Soldaten wurden von zwei dazu beauftrazten Bataillonen verhaftet und 1900 Mann zwangsweise aus dem Lager fortgebracht. Schon vor 10 Tagen hauen die dort offen meuternden Soldaten aus fünf Mann einen Eoldakenrat gebildet. Angeblich geh n die Un- ruhen lediglich von früheren Muiulisntardeitem aus, die sitzt eingezogen sind, um die in Frankreich stehenden belgischen ^ibatru iw erjeLku.
Hindenburgs Rücktritt.
WB. Kolberg, 25. Juni.
Generalfeldmarschall v. Hindenbnrg hat an das Reichsprâfidium folgende Drahtung gerichtet:
Herr Präsident! Auf mein Schreiben vom 1. Mai 1919 haben Sie mir die Zustimmung dazu erteilt, daß ich mich nach Unterzeichnung des Friedens in das Privatleben zurückziehe. Ich lege daher nunmehr den Oberbefehl nieder. Dem preußischen Herrn Kriegsminister habe ich eine Abschrift dieses Telegramms zugehen lassen.
gez. v. Hindenburg.
Abschredswsrte.
WB. Kolberg, 25. Juni.
Generalfeldmarkchall ».Hindenburg richtete folgende Abschiedskundgebung an seine Truppen:
Soldaten ! Ich habe mich seinerzeit der Regierung gegenüber dahin ausgesprochen, daß ich als Soldat den ehrenvollen Untergang einem schmählichen Frieden vorziehen muß. Die'e Erklärung bin ich Euch schuldig. Nachdem ich schon früher meine Ansicht kundgetan hatte, nach erfolgter Frieden^entscheidung wieder in den Ruhestand zu» rückzuireien, lege ich nunmehr den Oberbefehl nieder. Ich gedenke bei meinem Scheiden vor' allem bewegten Herzens der langen Jahre, in denen ich drei königlichen und kaiserlichen Kriegsherren dienen durfte. Zeiten stiller unermüdlicher Friedensarbeit und stolzen Aufstiegs, großer Siege und zähen Ausharrens stehen mir
Schmerze der traurigen Tage 8 esZutammWrließ § unseres Vaterlandes. Die hingehende Treue und das Vertrauen, mit denen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften neben mir standen, waren mir ein L i ch t b l i ck in dieser namenlos schweren Zeit. Dafür gebührt Euch allen, Darunter nicht zuletzt den Freiwilligen-Verbânden, die unentwegt die Wacht an der Ostfront hielten, mein unauslöschlicher Dank. Mit diesem Danke verbinde ich aber noch e i n e B i t t e für die Zukunft. Wie der einzelne bei sich über die Ereignssse der letzten Tage denkt, ist seine Sache. Für seine Handlungen darf es aber nur eine Richtschnur geben: das Wohl des Vaterlandes. Noch steht unser Volksstamm in schwerer Gefahr. Die Möglichkeit, die innere Ruhe zu wahren und. zu fruchtbringender Arbeit zu gelangen, hängt wesentlich von der Festigkeit unserer Wehrmacht ab. Diese Festigkeit zu erhalten, ist daher unsere erste Pflicht. Die persönlichen Anschauungen, so schwer es auch fallen mag, muffen zu- rückgesteUt werden. Nur durch solche einmütige Arbeit kann es mit Gottes Hilfe gelingen, unser armes deutsche« Vaterland aus tiefster Erniedrigung wieder besseren Zeiten entgegenzuführen. Lebt wohl, ich werde Euch nie vergessenl gez. v. Hindenburg.
Zu Häbi'denbuvgs Rücktritt sagt die „Wossische Zeitung": Das würdige Abschiâwort bildet einem. SckMWeta zu dem Donk- m«l, das sich der große Kriegsheld selbst gesetzt hat. Wir wissen, was wir an ihm besaßen und unverlierbar besitzen wer- dem: ein Vorbild sittlicher Größe, das uns aus dunklen Tagen hiinüberleuchbet in eine bessere Zukunft.
Gröner scheidet.
WB. Kolberg, 25. Juni.
General Gröner hat an den Reichspräsidenten nachstehende Drahtung gerichtet:
Nachdem Generalfeldmarschall v. Hindenburg den Oberbefehl niedergelegt hat, sehe ich mich veranlaßt, Ihnen, Herr Reichspräsident, nachstehendes vorzutragen z Ich habe als Vertreter der Obersten Heeresleitung bei der Besprechung in Weimar am 19. Juni erklärt, daß für den Fall der Annahme de« Schmachparagraphen eine große Anzahl von Offizieren und Truppen der Regierung nicht weiterdienen würden. Dasselbe ist nochmals in dem Telegramm der Obersten Heeresleitung in der Nacht vom 22. zum 23. Juni zum Ausdruck gebracht worden. Sie, Herr Reichspräsident, werden e« mir nachempfinden, daß ich unter diesen Umständen nach bedingungsloser Annuhme deS FriedenSvertrageS den Wunsch hege, aus meiner Stellung zu scheiden. Im Inter sse der Sache und auf Grund des Appells der Naiionalversammlung bin ich jedoch bereit, bis- zur eudzül- tigen Regelung der militärischen Verhältnisse im Osten auf meinem Posten auszuharren.
Dar preußische Kabinett.
Dl P. Berlin, 26. Juni.
Da« preußische Kabinett wird sein Verbleibe» un Amt von dem weiteren Zerlauf der Landesvcrsammlung und davon abhängig machen, ob ihm ein Lertraueas»slum erteilt werde» wird. (B. TZ
Die Stellung der höheren Militärs.
WB. Berlin, 25. Juni.
Von der Obersten Heeresleitung wird folgendes mibgebeilt:
In der Nacht vom 22. zum 23. Juni, um 1 Uhr vormittags, teilte Gesandter Nadolny im Auftrag des Reichspräsidenten dem Ersten Eeneralquaitiermeister telephonisch mit, daß die f Entente unsere Vorbehalte zurückgewiesen habe. Die Oberste Heeresleitung werde um Stellungnahme zu der nunmehr Ke- -schaffluen Lage gebeten. Um 2 Uhr 15 Min. vormittags ist folgende Stellungnahme, vom Ceneralseldmärschall unterschrieben an die Regierung abgegangen:
Reichspräsident Ebert, Weimar, Schloß.
Am 20. 6. ist dem Herrn Reichswehrmiafster folgende Erklärung übersandt worden:
Großes Hauptquartier, 17. Juni 1919.
Wir sind bei der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten militärisch in der Lage, im Osten die Provinz Posen zurückzueroberir und unsere Giengen zu halten. Im Westen können wir bei ernstlickem Angriff unserer Gegner infolge der numerischen Ueberlegenheit der Entente und deren Möglichkeit, uns auf beiden Flügeln zu umfassen, kaum auf Erfolg rechnen. Ein günstiger Ausgang der Cesamtoperationen ist daher sehr fraglich; aber ich muß als Soldat den ehrenvollen Untergang einend schmählichen Frieden vorziehen. gez.: v. Hindenburg.
Außerdem ist bei einer Besprechung in Weimar am 19. 6. von allen anwesenden Kommandoführern dem Herrn Reichswehr- minister gegenüber zum Ausdâick gebracht worden, daß eine große Anzahl von Offizieren und Freiwilligen-Truppen eine, Regierung die Dienste aufsagen würde, die die Schmachpara- grapHen unterschreibt. — Bei dieser Kundgebung waren zugegen: der preußisch« Kriegsminister, die Oberste Heeresleitung, die Oberkommandos Nord und Süd, die Armeegruppe Klowh das Generalkommando Süthui^ die obersten militärischen 3t* fehlsherrn von Bayern und Sachsen und der Ches der Admiralität. An dieser Stellungnahme der Obersten Heeresleitung hat sich seitdem nichts geändert. gez.: v. Hindenburg.
Am 23. Juni, um 10 Uhr 30 Min. vormittags meldete der Werbindtrngsoffizier der Obersten Heeresleitung, Major v. Feld- mann, aus Weimar folgendes: ~ „ ‘ ~T; 2)ef ^ vom Weimar zuruckgeKehrr.
2. Beim Reichspräsidenten Erklärung von heute nachmittag wiederholt, daß die Oberste Heeresleitung auf ihrem Standpunkt bestehen bleibt. Reichspräsident sagte darauf, daß er diese ErllörnnJ erwartet habe, und schilderte die Lage so, daß wahrscheinlich Zentrum und Sozialdemokraten die Annahm« des Friedensvertrages erklären würden. Major v. Ei-lfa er- Lämierte die militärische Lage dahin, daß die Truppen jedenfalls in ihrer großen Niksse sich der Haltung der Regierung nicht wniMießen könnten, und daß General v. Lüttwitz die Stellungnahme der Obersten Heeresleitung teile. Der Osten würde wohl fidjet den Kampf aufnehmen.
3. General v. Lüttwitz hat dem Reichswehrminister telephonisch milgeteilt, daß er und seine Offiziere noch nicht darüber schlüffig seien, ob es augenblicklich angezeigt sei, den Abschied zu nehmen; denn es bestehe die Cesahr, daß die führer- ,losen Truppen bolschewistisch würde. General v. Lüttwitz würde es sehr bedauern, wenn sich diese Stellungnahme auch gegen den Minister Noske rchten müßte.
Kurz vor 12 Uhr mittags telephonierte der Reichspräsident den Ersten Eeneralquartiermeister persönlich an und teilte ihm; mit ähnlichen Worten mit, daß Zentrum und Soztaldemolraten sich wahrscheinlich für die Annahme erklären würden. Er bat nechnials um Auskunft, welche Stellung die Truppen dazu nehmen würden. Atan befürchte nach den Mitteilungen des Generals v. Lüttwitz an den Reichswehrminister Mililärrevolten. Auf diese Frage erfolgte um 12 Uhr mittags die nachstehende Antwort des Generalquartiermeisters, nicht in seiner dienstlichen Eigenschaft, sondern, wie er ausdrücklich erklärte, als Deutscher, der die Gesamtkage klar übersieht: Er sei verpflichtet, darauf hinzuwcflcn, daß ein Kampf nach vorübergehenden Er. folgen im Osten im Enderfolg aussichtslos sei, und daß nur, i wenn Noske in einem öffentlichen Aufruf die Notwendigkeit j des Friedensschlusses beilegen und von jedem Offizier und Sol- : baten verlangen würde, daß er auch bet Unterzeichnung des j Friedens im Interesse bei Rettung unseres Vaterlandes auf seinem Posten bleibe und seine Pflicht und Schuldigkeit gegen-- über dem Vaterland tue. Aussicht bestehe, daß das Militär mit hinter ihm (Noske) stehe und damit jede neue Umsturzbewegung im Innern sowie Kämpfe nach außen im Osten verhindern würde.
Weitere Schritte der Obersten Heeresleitung put in der Friedensfrage nicht getan worden.
General Hoffmann weigert sich.
DDP. Berlin, 25. Juni. (Privattelegramm.)
Die „Deutsche Tageszeitung" erhält in später Stunde noch folgende Meldung, die sie nicht nachprüfen kann, die aber von vertrauenswürdiger Seite stammt; General Hoffmann, der bekannte frühere Mitarbeiter des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, ermächtigt uns zu der Mitteilung, daß er in dem ihm unterstellten Gebiet auch gegen den Befehl der Regierung keinen Fußbreit deutschen Bodens preisgeben, sondern bt< Grenze mit bewaffneter Hand verteidigen werde
Lettow-Vorbeck nach Hamburg.
DDP. Berlin, 26. Juni.
Wie die „Vossifche Zeilung" erfährt, ist Lettow-Vorbecks beauftragt worden, mit einem großen Detachement nach Hamburg zu gehen, um die öffentliche Ordnung dort wieder her- zustellen. Die Truppen des General« befinden sich tellweifl 1 bereits auf dem Wege nach Hamburg.