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Montag den 23. Juni

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1919

Schicksalsstunden

In tiefster Not.

Die ganze Welt blickte in diesen Tagen auf Weimar, wo Vie nicht nur für das deutsche Volk schicksalsschwere Frage zu entscheiden war, ob Deutschland den von den Alliierten not gelegten Friedensvertrag unterzeichnen wird oder nicht. Was die Feinde uns anboten, war kein Friede des Rechts und der Versöhnung, der die Voraus­setzung unserer Waffenstreckung im November vorigen Jahres war, sondern ein Friede der Gewalt und der Ver­höhnung. Kein Wunder, daß sich das deutsche Volk trotz aller seiner Friedenssehnsucht, trotz der unbedingten Not­wendigkeit des Friedens für Deutschland, sträubte, diese WmrenschLichen und unerfüllbaren Bedingungen, die Aber­kennung der Ehrenrechte und TodesurteiL-für dasselbe Lcheuten, zu unterschreiben und so das Dokument seiner eigenen Schande zu sanktionieren. Gin Wurm krümmt ßch wenn er getreten wird, und so bäumte sich auch das deutsche Volk auf gegen die Gewaltmaßnahmen, die seine Vernichtung vollenden sollen. Aber das deutsche Volk be­findet sich in einer noch nie dagewesenen Zwangslage. Es kann sich der Feinde nicht mit Gewalt erwehren, die im Falle der N ich tu ntevze rchn mig in Deutschland einmarschie- ren und den Krieg, den wir mit der Wafsenstreckung hinter uns glaubten, mit allen seinen Schrecken ins Land tragen würden. Dieser furchtbare Kampf des deutschen Volkes am Leben und Tod spiegelte sich lebendig wider in der Kabinettskrisis und in den Hin- und herschwankenden Weimarer Verhandlungen über eine neue Kabinetts-- bilduna. Das neue Kabinett, aus Sozialdemokratie und

oesteyend, i gr geol

Ministerpräsident: Gustav Bauer, Söz. (bisher Reichs- srdeitsminister), Reichsminister des Aeußern: Hermann Müller, Coz., Rei^wehrminister: Noske, Soz (wie bisher), Reichsfino-nzminister und zugleich stellvertreten­der Ministerpräsident: Erzberger, Zentrum (bisher Minister ohne Portefeuille), Reichsminister des Innern: Dr. David, Soz. (bisher Minister ohne Portefeuille), Rei chsschatzm i nist er: Mayer - Kaufbeuren, Zentrum, ^ieichsarbeitSMmister: Alexander Schlicke, Soz., Reichs- wirtschaftsminister: W iss eil, Soz. (wie bisher), Reichs- postminister: Gies Perts, Zentr. (wie bisher), Reichs- kolonialminister: Dr. Bell, Zentr. (wie bisher), Reichs- eMahrungsminister: Robert Schmidt, Soz. (wie bis­her), Reichsjustizministerium wird einstweilen vom Unter« . Paatsfekretär Delbrück verwaltet.

Die schwierige Lage, in der wir ums befinden, war auch M ersehen aus den Verhandlungen der Nationalversamm- bmg am gestrigen Tage, über die wir an anderer Stelle berichten. Mit einer Mehrheit von 99 Stimmen hat die Nationalversammlung ihr prinzipielles Einverständnis M Unterzeichnung des Friedensvertrages erteilt, ohne Einschränkung. DasNein" kam von der Rechten und von der Deutsch-demokratischen Partei, von der sich nur eine kleine Minderheit anders verhielt. Geschlossen stimmten für die Annahme die Unabhängigen und die Sozialdemo­kraten, wenn auch deren Reihen einige merkliche Lücken aufwiesen; Scheidemann und Landsberg, Heine und an­dere bekannte Gegner des Vertrages fehlten. Das Zen­trum brachte unter Erzbergers Führung fast alle Anhänger Et einem Ja zur Urne. Das Schicksal der Deutschen ist Kuch heute noch nicht erfüllt. In ähnlichen Tagen tiefster Rot, wie wir sie jetzt durchleben müßen, rief Fichte einst der deutschen Nation zu:Das Volk der Deutschen darf Ü$t untergehen. Alle Zeitalter, .alle Weise und Gute, die jeweils auf dieser Erde geatmet haben, alle ihre Gedanken tob Ahnungen eines Höheren umringen euch und heben siehende Hände zu euch auf; selbst, wenn man so sagen darf, die Vorsehung und der göttliche WeltOlan bei Er- ^hafsung eines Menschengeschlechts, der ja nur da ist, um ton Menschen gedacht und durch Menschen in die Wirk­lichkeit eingeführt zu werden, beschwöret euch, seine Ehr,e W) sein Dasein zu retten. Geht ihr in eurer Wesenheit $ Grunde, so geht mit euch zugleich alle Hoffnung des Msamten Menschengeschlechts auf Rettung aus der Tiefe seiner Uebel M Grunde." Möge der Geist Fichtes auch fente über jenen schweben, in deren Hände das Schicksal fes deutschen Volkes gelegt ist. B*

Der Friedensveztrag die Revolution Europas.

DDP. Amsterdam, 22. Juni.

_ Das sozialistischeHet Volk" schreibt: Eine tiefe, bittere Enttäuschung ist dieser FviedensvortUag. Der Friedensver- hQ9 bedeutet die Revolution Europas und sein Herab- P®ien auf einen tieferen Zivilisierungsstandpunkt. Das Rite Volk des Festlandes wird gedemütigt unb zur

Die deutsche Note.

WB. Weimar, 22. Juni.

Der Ministerpräsident Bauer hat im Namen der Reichsregierung heute nachmittag durch den Gesandten von Haniel in Versailles folgende Note zugleich mit demAbstimmungsergebnisderNational­versammlung über die Vertrauensfrage überreichen laßen:

Die Regierung der deutschen Republik hat von dem Augenblik an, wo ihr die Friedensbedingnngen der alliierten und assoziierten Regierungen bekannt gegeben wurden, keinen Zweifel daran gelaßen, daß sie in Über­einstimmung mit dem ganzen deutschen Volke diese Be­dingungen, als im schroffen Widerspruch mit der Grund­lage befindlich ansehen muß, die von den alliierten und assoziierten Mächten einerseits und Deutschland anderer­seits völkerrechtlich verbindlich für den Frieden vor dem Abschluß des Waffenstillstandes angenommen worden war. Sie hat unter Berufung auf diese zwischen den Verhand­lungsteilen vereinbarte Rechtsgrundlage und offener Dar­legung der Verhältnisse im Deutschland nichts unversucht gelaffen, um zu unmittelbarem mündlichen Meinungsaus­tausch zu gelangen, um derart eine Milderung der uner­träglich harten Bedingungen zu erwirken, die es der Regierung der deutschen Republik möglich machen sollten, den. Friedensvertrag vorbehaltlos zu unterzeichnen und seine Durchführung zu gewährleisten. Diese im Interesse des Weltfriedens und der Völkerversöhnung unternom­menen Versuche der Regierung der deutschen Republik gungen gescheitert. Weitgehende Gegenvorschläge Ser deutschen Delegation fanden nur in einzelnen Punkten Entgegenkommen. Die alliierten und aßoziierten Re­gierungen haben die Regierung der deutschen Republik durch ein am 23. Juni ablaufendes Ultimatum vor die Entscheidung gestellt, den von ihnen vorgelegten Friedens­vertrag zu unterzeichnen oder die Unterzeichnung zu ver­weigern. Für den letzteren Fall würde ein völlig wehr­loses Volk mit der zwangsweisen Auferlegung der Friedensbedingungen bedroht. Das deutsche Volk will nicht die Wiederaufnahme des blutigen Krieges. Es will aufrichtig einen dauernden Frieden. Es hat keine andere Macht in der Hand als die Berufung auf das ewige unveräußerliche Recht eines selbständigen Lebens, das wie allen Völkern so auch dem deutschen Volke zustehi. Die Regierung der deutschin Republik kann diesem heiligen Recht des deutschen Volkes durch Anwendung von Gewalt keinen Nachdruck verleiben. Sie kann nur auf die Unterstützung durch das Gewißen der Menschheit hoffen. Kein Volk, auch keine der alliierten und aßoziierten Mächte werden dem deutschen Volk zu- muten, einem Friedensinstrument aus innerer Ueber­zeugung beizustimmen, durch das lebendige Glieder vom Körper des deutschen Reiches ohne Befragen der in Be­tracht kommenden Bevölkerung losgelöst oder die deutsche Staatshoheit dauernd verletzt und dem deutschen Volke unerträgliche wirtschaftliche und finanzielle Lasten auf­erlegt werden sollen.

Die deutsche Regierung hat aus den im Osten abzu­tretenden Gebieten leidenschaftliche Kundgebungen der Bevölkerung erhalten, daß sie sich einer Abtrennung dieser größtenteils seit vielen Jahrhunderten deutschen Gebiete mit allen Mitteln widersetzen werden. Die deutsche Regierung sieht sich daher genötigt, alle Ver­antwortung für etwaige Schwierigkeiten, die üch aus dem Widerstand der Bewohner gegen ihre Loslösung von Deutschland ergeben können, abzulehnen. Wenn die Re­gierung der deutschen Republik gleichwohl bereit ist, die Forderungen der Alliierten unter nachstehendem Vorbe­halt zu unterzeichnen, so geschah dies nicht aus freiem Willen. Die Regierung der deutschen Republik erklärt feierlichst, daß ihre Haltung dabin zu verstehen ist, daß sie der Gewalt weicht in dem Entschluß, dem unsagbar leidenden deutschen Volk einen neuen Krieg, die Zer­reißung seiner nationalen Einheit durch weitere Besetzung deutscher Gebiete, entsetzliche Hungersnot für Frauen und Kinder und unbarmherzige längere Zurückhaltung der Kriegsgefangenen zu ersparen. Das deutsche Volk er­wartet in Ansehung der gewaltigen Lasten, die es über­nehmen muß, daß sämtliche deutschen Kriegs- und Zivil­gefangenen mit Beginn vom 1. Juli an in ununter­brochener Folge und in kürzester Frist zurückgegeben werden. Deutschland hat die feindlichen Kriegsgefangenen

in zwei Monaten zurüâgeführt. Die Regierung der deutschen.Republik verpflichtet sich, die Deutschland auf­erlegten Friedensbedingungen zu erfüllen. Sie will Heft jedoch in diet»m Seiexiidjen öfuA'nMüf

rückhaltloser Klarheit aufjem, und jeden Dorwurt einer Unwahrhaftigkeit, der Deuischland jetzt oder später gemacht werden könnte, von vornherein entgegenzutreten^ Die auferlegten Bedingungen übersteigen das Maß dessen, was Deutschland tatsächlich leisten kann. Die Regierung der deutschen Republik fühlt sich daher zu der Erklärung verpflichtet, daß sie alle Vorbehalte macht und jede Ver­antwortung ablehnt gegenüber den Folgen, die über Deutschland verhängt werden könnten, wenn die Uneri füllbarkeit der Bedingungen auch bei schärfster Anspannung des deutschen Leistungsvermögens in Erscheinung treten muß. Deutschland legt weiterhin den größten Nachdruck auf die Erklärung, daß es den Art. 231 des Friedens^ Vertrages, der von Deutschland fordert, sich als alleinigen Urheber des Krieges zu bekennen, nicht annehmen kann und durch seine Unterschrift nicht deckt. Daraus folgt; ohne weiteres daß Deutschland es auch ablehnen mufj^bie' Ableitung der ihm aufgebürdeten Belastung aus der rhm zu unrecht zugeschobenen Urheberschaft am Kriege anzu« erkennen. Ebensowenig kann es ein Deutscher mit seiner Würde und Ehre vereinbaren, die Art. 227230 anzu­nehmen und auszuführen, in denen Deutschland zuge- mutet wird, Angehörige des deutschen Volkes, die von den alliierten und aßoziierten Mächten der Verletzung internationaler Gesetze und Vornahme von Handlunge» gegen die Gebräuche des Krieges bezichtet werden, den alliierten und aßozierten Mächten zur Aburteilung aus­zuliefern. Weiter legt die Regierung der deutschen Re> publick entschieden Verwahrung ein gegen dip Wegnahm« des gesamten deutschen Kolonialbesitzes und die hierfür gegebene Begründung, die Deutschland die Befähigung zur kolonialen Betätigung dauernd abspricht, obgleich das Gegenteil feststeht und überdies in den Bemer­kungen der deutschen Friedensdelegation zu den Friedens- bebingungen unNrdsKegvar nachgewiejen i/i. Di- Regierung der deutschen Republik nimmt an, daß es den alliierten und aßoziierten Regierungen erwünschi ist, daß sie offen gesprochen hat, offen sowohl was ihren guten Willen wie auch ihre Vorbehalte angehi. Sie glaubt daher unter Hinweis auf die Zwangslage, in die die Forderungen der Alliierten das deutsche Voll versetzen, eine Zwangslage, wie sie drückender und folgen­schwerer einem Volk noch nie auferlegt worden ist, und unter Berufung auf die ausdrückliche Zusage der alliierten und aßoziierten Regierungen in ihrem Memorandum vom 16. Juni 1919 berechtigt zu sein, folgendes Erfuche« an die alliierten und aßoziierten Regierungen zu richter in der Erwartung, daß die alliierten und aßoziierten Regierungen die nachstehende Erklärung als wesentlichen Bestandteil des Vertrages ansehen werden: Innerhalb zweier Jahre, vom Tage des Vertrages ab gerechnet, werden die alliierten und aßoziierten Regierungen den gegenwärtigen Vertrag dem Hohen Rat der Mächte, st wie er vom Völkerbund nach Art. 4 eingesetzt ist, zweck« Nachprüfung unterbreiten. Vor diesem Hohen Rat sollen die deutschen Bevollmächtigten dieselben Rechte und Vor­rechte genießen wie die Vertreter der anderen kontra hierenden Mächte des gegenwärtigen Vertrages. Dieser Nat soll über die Bedingungen des gegenwärtigen Der- träges entscheiden, die die Rechte der Selbstbestimmung des deutschen Volkes beeinträchtigen, ebenso wie über du Bestimmungen, durch die die freie gleichberechtigte wirst schaftliche Entfaltung Deutschlands behindert wird. Di- Regierung der deutschen Republik gibt hiernach die in Schreiben vom 16. Juni 1919 geforderte Erklärung ihre, Zustimmung in folgender Form ab:

Die deutsche Regierung ist bereit, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, ohne jedoch damit anzuerkennen, daj das deutsche Volk Urheber des Krieges sei, und ohw eine Verpflichtung zur Auslieferung nach Art. 227231 des Friedensvertrages zu übernehmen.

(gez.) Bauer, Ministerpräsident.

Forderung der Durchführung jeder Bedingung des Vertrages.

Amsterdam, 23. Juni. (Privattelegramm.)

Das NeuterbSro meldet aus Paris, daß Clemenceau, Wilson, Lloyd Georges auf die deutsche Note, die um 7 UHH abend« eintraf, bereits geantwortet haben in dem Sinne, daß die Zeit für Diskussionen, Einschränkungen und Vorbehalte vorüber sei und die deutsche, Vertreter unzweideutig den FriedenSvertraß als Ganze 8, wie er vsrliege, annehmen müßten «deß nicht. Nach der Unterzeichnung müßten die alliierten und assoziierten Mächte Deutschland fül die Durchführung jeder Bedingung b e t

mit * 23 e r L* A a_e< n e r a u t w o xtU 4 » ^ch« u.