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Samstag den 21. Juni
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1919
Die Schicksalsstunde
MierigkeiLen bei der Kabinettsbildung.
Was wird? Die Reichsregierung hat gesprochen, die jertreter der Nationalversammlung haben sich jetzt ihrer» [ite zu entscheiden/ Es kann kein Zweifel mehr darüber «stehen, daß unter dem Druck der Gegner in ben letzten tigen die Stimmung für Annahme des Friedens sich Mgert hat. Nein zahlenmäßig läßt sich zur Stunde $ kein Ueberblick geben, fest steht nur, dckß die deutsch, ationale und die deutsche Volkspartei geschlossen gegen ie Annahme und daß die Unabhängigen geschlossen für le Annahme sind. Da der Standpunkt dieser Parteien m vornherein klar war, so ist nur natürlich, daß die Stimmung für Annahme innerhalb der Mehrheitspareie« Raum gewinnen konnte. Es kann weiter ange» Mimen werden, daß diese Stimmung am stärksten ge» Achsen ist bei Mehrheitssozialisten und Zentrum. Die lattionssitzungen werden entscheiden, ob sich in den larteien eine Mehrheit für den Frieden findet. Eine mokratische Gruppe unter Führung des Freiherrn . Richthofen ist gleichfalls zur Annahme des Friedens eteit. Vorerst scheint diese Gruppe in der Fraktion och die Minderheit. z« bilden, doch kann auch ier noch ein Umschwung eintreten. Die demokratische jiaktion hat den Beschluß gefaßt, daß keines ihrer Mitlieder ohne Zustimmung der Fraktion in ein Kabinett («treten dürfe, andernfalls gelte dieses Mitglied als «herhalb der Fraktion stehend. Von nun an beginnt vage Reich der Vermutnngen, das Gebiet der poli» lhen Kombinationen. Es ist zweifelhaft, jedoch nicht
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bilden. Alsdann wäre der KaSinettswechfel nur ein rsonenwechfel, und es kann in diesem Falle als ziem- ) sicher gelten, daß neben Scheidemann und Brockdorff- untzau die demokratischen Minister zurücktreten. In ièsem Falle werden als Anwärter für den Minister- Mdenten Hermann Müller, der Parteivorsttzende und Noske genannt. Ein Kabinett Erzberger dürfte, falls M Mehrheitssozialisten und Zentrum dir Regierung st bilden bereit sind, ausgeschlossen sein. Bei der Frage um Annahme und Ablehnung kommt es ich nicht mehr auf geringfügige Erleichterungen an. Es ist auch noch nicht zu sagen, ob ein neue» Kabinett nicht ruf das Fallenlassen der Auslieferung des Kaisers und der Offiziere und auf einer Volksabstimmung in West- preußen bestehen wird. Es kommt bei allen Ent- ichtidungen lediglich darauf an, die Einheit des Reiches st wahren und Sicherheiten für eine ruhige Weiterent- Eckelung zu erhalten. R-
Verschiedene Deut
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DDP. Weimar, 20. Sunt.
Entsprechend einem demokratischen Vorschlag hat man R bei den interfraktionellen Besprechungen darauf geeinigt, daß die Unterzeichnung des Vertrages Et der Maßgabe erfolgen soll, daß außer einigen anderen folgenden sechs Punkte noch geregelt werden: 1. Danzig, Ostpreußen und Netzedistrikt. 2. Eine allgemeine Revision Frtedensvertrages nach Ablauf von zwei Jahren. Feststellung des Höchstbetrages der von Deutschland zahlenden Entschädigungssumme innerhalb der von der Entente vorgesehenen Frist durch eine dritte unparteiische Stelle. 4. Anspruch Deutschlands, vom L Januar 1920 ab in den Völkerbund ausgenommen zu Erden. 5. Ausscheidung des Schuldbekenntnisses. 6. Ver- auf die Auslieferung deutscher Persönlichkeiten.
DDP. Weimar, 20. Sunt
Entgegen einigen anderen Meldungen ist bisher von aeutscher Seite ein Gesuch um Fristverlängerung nicht ^gegangen.
DDP. Berlin, 21. Juni.
Ueber die letzten Ereignisse in Weimar wird der ^vssischen Zeitung" berichtet: In den späten Abend- punden kam es endlich zu einer Klärung der gänzlich °°rworrenen Lage. Die Absendung einer zweiten Note, .der noch einmal Gegenbedingungen an die Entente ^gestellt werden sollen, schAterte an dem Widerspruch ^ Sozialdemokraten, die in der Absendung eine die jtzeitige Entscheidung selbst nur gefährdende völlig 2ßchtslose Handlung erblicken. Die Folge dieser nS dar Sozialdemokraten war das Ausscheiden Demokraten aus der Mehrheitsbildung. Die bin £a ^ m e des Friedens wird aber durch J dimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums ^folgen. Ex wirb auch kein Mitglied der demokratischen
Fraktion in die neue Regierung eintreten. Dagegen finden Verhandlungen mit demokratisch gesinnten Persönlichkeiten außerhalb der Fraktion statt. Mit dem Grafen Bernstorff wird wegen der Uebernahme des Außen- ministerinms verhandelt. Sozialdemokraten, Zentrum und Unabhängige verstärkt durch Angehörige der Minderheit in der demokratischen Fraktion sollen eine sichere Mehrheit in der Nationalversammlung bilden. Die Zahl der Gegner der Unterzeichnung bei bet sozialdemokratischen Fraktion ist um 12 gesunken, denen gegenüber man keinen Fraktionszwang auszuüben braucht. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß das neue Kabinett am Samstag früh gebildet wird und daß die Nationalversammlung am Samstag nachmittag zur Erledigung des Friedensvertrages zusammentreten wird. Die für heute nachmittag angesetzte Sitzung des Friedensausschuffes ist bis auf weiteres verschoben worden.
Vusfichl auf Erhaltung des Mehrheltsblocks.
WB. Weimar, 20. Juni.
Auch heute nachmittag waren die Fraktionen zu Sitzungen zusammengetreten und es besteht, wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, nach dem jetzigen Stande der Verhandlungen Aussicht auf Erhaltung des bisherigen Mehrheits- blocks. Im Schlöffe finden zur Zeit in Gegenwart des Reichsprästdenlen Verhandlungen statt, die die Neubildung des Kabinetts zum Gegenstand haben. Die für nachmittags angesetzte Sitzung des Friedensausschusscs wurde vorläufig SÄW^
Bus Süddellischland.
— Weimar, 20. Juni.
Die bayerische Regierung hat heute beschlossen, daß sie nur einer bedingten Bejahung des feindlichen Friedensvertrages zustimmen könnte.
Weitere Frist vsn 48 Stunden?
WB. Amsterdam, 20. Juni.
Nach einem Telegramm des „Lllgemeen Handelsblad" rechnet man mit der Möglichkeit, daß deutscherseits eine nochmalige Fristverlängerung von 48 Stunden verlangt wird.
Erklärungen der Parteien.
WB. Weimar, 20. Juni.
Die Fraktionen der Deutsch-nationalen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei haben folgende Erklärungen erlassen: In der Stunde der höchsten nationalen Gefahr haben die außerhalb der Regierung stehenden bürger« lichen Fraktionen, die Deutsch-nationale und die Deutsche Volkspartei, beschlossen, Nachstehendes gemeinsam zu bekunden: Alle Folgen der Ablehnung des vorliegenden Friedensvorschlages haben wir uns mit voller Verant-
Stimmungen.
Hanau, 20. Juni.
Die Stimmung für die Unterzeichnung des Vertrages ist im Zunehmen begriffen ....
Ein Juniabend wird noch vergehen» auf der Messe werden die Schaukeln schwingen zur Tingeltanselmufik und das Lachen von lustigen Menschen würd hineinklingen; in Feindesland werden Hunderttausend« von kranken deutschen Männern der untergehenden Sonne Nachsehen und die Nacht erwarten, die der Qual des Tages ein Ende macht und an Polens Grenze worden vereinzelte Postenschüsse ein verklingendes Echo dem Rollen der vierjährigen Weltschlacht tönen. Und dann wird noch einmal' die Sonne aufgehen, zum letztenmal über einem freien deutschen Vaterland. Denn sie werden unterzeichnen. Ein Federstrich und die Heldentaten fünf verzweifelter opferschwerer Jahre, das Ringen eines angegriffenen Volkes, das ein Beispiel nicht hat in achttausend Jahren Weltgeschichte, werden vergessen sein und unseren vielen Toten in Feindesland und in der Heimaterde treiben wir die Schmach zum Denkmal setzen. Siebzig Millionen Teutsche, die das Haupt ihr Leben lang aufrecht trugen, beugen die Stirn in bei Staub und ein haßkeuchender Feind wird ihnen den Stiefel in den Nacken setzen.
Sklaven werden wir sein! Weißt du was das heißt? Nicht für Dich, nicht für die Volksgenossen schaffst du in Zukunft dein mühselig Tagewerk; fremde Völker werden die Frucht deines Fleißes genießen. Du wirst hungern, damit die andern an DoHen Tischen prassen. Deines Volkes Kriegskrüppel werden elend auf der Straße liegen, damit die andern ihre Schmerzen vergessen und sich des Sieges freuen. Welsche werden durch deutsche Gau«
wortlichkëit klar gemacht. Wi^find der einmütigen Äber^ zeugung, daß sie trotz ihrer Schwere unvergleichlich ge« ringer einzuschätzen sind, als die dauernde Versklavung Deutschlands, der wir sonst anheimfallen. Die Annahm« des Friedensvorschlages bedeutet eine nationale Schmach. Wir verlieren dadurch noch unsere letzten Freunde iH der Welt. Einem zerstückelten Deutschland droht bei wirtschaftliche, finanzielle, politische und moralische Todj Wir stehen vor der Wahl: Die ungeheure Lüge von Deutschlands Schuld durch unsere Anterschrift zu betraf« tigen oder Deutschlands Ehre zu wahren, die besonder- durch die Forderung in den Staub gezogen wird, den deutschen Kaiser und andere deutsche Männer vor ein nichtdeutsches Gericht zu stellen. Um unsere toten Brüder und um die Zukunft unserer deutschen Jugend willen sind wir entschlossen, unser letztes Gut bis zum äußerster zu wahren: Deutschlands reinen Ramen vor der Welt! Darum lehnen wir den Friedensentwurf ab. Fraktion der Deutsch-nationalen Volkspartei: v. Posadowsky, Fraktior» der Deutschen Volkspartei: Dr. Heinze.
WB. Berlin, 21. Juni.
Der Unterstaatssekretär im Reichserrährungsministea rium von Braun erklärte einem Vertreter der „Deutschen Allgemeinen Zeitung": Während die Folgen der Friedens« Ledingungen der Gegner besonders die Abtretung der Gebiete im Osten, auf Jahre hinaus Hunger und Tod bedeuten, liegt eine momentane Gefahr für die Volks- ernährung im Falle der Nichtunterzeichnung nicht vor. Mit unseren Vrotgetreidevorräten reichen wir dank der günstigen Aufbringung im Jnlandeundder mit allen Mitteln gesteigerten Einfuhr von ausländischem Getreide und Mehl
damit die neue Ernte rasch in öffentliche Hände kommt, bietet nach den Erfahrungen des Vorjahres keine besonderen Schwierigkeiten. Auch die Kartoffelversorgung kann im allgemeinen bis zur Frühkartoffrlernte aufrecht erhalten werden, da durch Einfuhren, besonders aus Holland und Dänemark, die Lage sich wesentlich bessertet Die Fleischversorgung wird freilich zunächst mangelhaft bleiben, könnte aber auch bei Offenhaltung der Grenzen nicht gebessert werden, da in der ganzen Welt Fleischknappheit besteht. Es ist aber zu er, warten, daß die Flsischversorgung aus dem Inlands sich bessert, sowie wieder Vieh von der Weide kommt. Jedenfalls würde hier die Blockade keine Verschlechterung des jetzigen Zustandes bedeuten. Die Speckzulagen können aus eingeführtsn Mengen bis August aufrecht erhalten werden, auch wenn zunächst keine weiteren Zufuhren kommen sollten. Ebenso ist die Fettversorgung im bisherigen Umfange gesichert, da auch hier die eingeführten Mengen zusammen mit der inländischen Aufbringung für einige Monate reichen. Man kann, so schloß Braun, keinesfalls sagen, daß uns Rücksichten auf die Volksernährung zwingen würden, den Vertrag zu unterzeichnen;
wsaiSHBra!
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ziehen und ein blutrotes Kreuz an die Tür des Hauses malon, iq dem dein Bruder wohrt, den du, deutscher Mann, dem Richter- spruch des Feindes ausliefern willst. Ueber 200 Namen nennt die entsetzliche Liste, die du unterschreibst. Der Feldherr, bei deine Grenzen geschützt, der den übermächtigen Feind mit de i rre, Hilfe bis zuletzt geschlafen, er soll seine Hände den Fesseln bieten; die U-Lootskommandanten, die blutenden Herzens aus des Vaterlandes Befehl harte Vergeltung geübt haben für dein« sterbende Frau, deine hungernden Kinder, du willst ihr Haupt dem Engländer zu Füßen legen; deine Heldenflieger, denen du zugejubelt hast an der Front, denen du vielleicht dein Leben verdankst, du lieferst sie den Gegnern aus, damit sie ihnea neidisch für immer die Flügel beschneiden. Und deine» Kaiser, der, was immer du auch politisch bersten magst, den Kr^g nicht wollte und nur das beste dachte und wünschte für sain^lk, ihq willst du vor fremde Häscher schleifen! Mußt du nicht schamrot dein Gesicht verhüllen? Stolz werden manche dieser Besten deines Volkes vor den Richter treten, viele den Tod vorziehen von eigner Hand. Die Schmach aber für diese Tat wird dem Deutschtum anhasten länger als tausend Jahre. Was willst bq einst deinem Enkel sagen? Willst du ihm von der Revolution' erzählen, vom Streik und vom Bürgerkrieg? Du wirst, wenn er dich fragt, mit ernsten Augen schwere Kriegserlebnisse berichten uno von all den Widersprüchen der heutigen Zeit wird nur der Stolz bleiben daß du mit deinem Leib vier Jahre lang das Heimatland beschützt hast. Wenn aber dein Enkel dich «ach dem Ende fragt, dann wirst du vor der Schande dieser Tag« di« Augen uiererschlagen und weinen. R- Sch,