amuer
««rückunsSgebühr: /
®U Agefpaltene Kolonelzeile oder deren Raum 30 Pi» im Reklameteil die Zeile l— SIL Lffertengebühr 25 Pfz.
VotaiionÄdrmk end Verlag: Waisenhaus-Buchdruckers und -Buchhandlung in Hanau.
General-Auzeiger
Amttilhts Orga» für Stöt= M LanNrüs Kanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonm-und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.
DezugspreiS«
ViertelsLhrlich 3.73 Mk., monatlich 1.25 Mk^ kür PoA» bezug vierteljährlich 8.75 Mk., monatlich 1.25 E
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Verantwortlich für die Redaktion: Gustav Schrecker für Anzeigen u.Reklamen: Aug. Brodt, beide in Hanau.
, 10 7 Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238
. !«• Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. 9
Montag den 16. Juni
Fernsprechanschlüffe Nr? 1237 und 1238 Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. 9
1915
Vor der Antwort
Stimmungen und Verstimmungen in der Entente.
In Versailles treten allmählich in wachsendem Umfange Strömungen und Gegensätze zutage, die der aufmerksame ®e» siebter nicht außer Acht lassen darf, da sie ein interessantes gidjt auf die künftige Entwickelung der Weltpolitik werfen. Bei einer näheren Betrachtung ist allerdings unbedingt mauszuschicken, daß man außerhalb des Kreises her zunächst Beteiligten über die eigentlichen Ursachen verschiedener Vor- fommntffe und Erscheinungen vorerst noch allzusehr im 6111tfein schwebt, um ihre Tragweite mit völliger Sicherheit imschätzen zu Tonnen. Manche Schlüsse, die sich einem geradezu aufdrängen, wenn man die einzelnen Beobachtungen Miteinander abwägt, bleiben im Hinblick auf die gegenwärtige Lage Deutschlands zunächst auch noch besser unausgesprochen. Das braucht uns aber nicht zu hindern, auf bie* Geschehnisse selbst hinzuweisen. Für den Fernstehenden muffte* es ja vor-allem überraschen, unter welchen Begleitumständen setzt die plötzliche Hinzuziehung Japans in den Viererrat er- folgt ist. Es hat sicher erst einer ganzen Entwickelung bedurft, um Wilson, Lloyd George und Clemenceau dazu zu »nanlassen, den Vertreter des Mikado zur Teilnahme an den Verhandlungen einzuladen. Der Gegensatz Japaw Amerika besteht nun einmal und wird, entsprechend den Zu- zrständniffen Wilsons an die Politik Clemenceaus, auch durch dar Völkerbund aus der Welt geschaffen werden. Die Vor- firrschaft im Stillen Ozean ist ein Problem, das eines tagte der Losung zugeführt werden muß und wird. Daneben
Steferrat auch die Angelegenheit des rusfichen Admirals Kvilschak eine Rolle, der, Imperialist und Milfta ist bis dort hinalis, von den „großen Demokraten" trotzdem anstandslos anerkannt wurde. Die Tokioer Regierung hat sich, mit gemeldet wird, geweigert, sich dieser Anerkennung anzu- schtikßen. Aber wie gesagt, was da eigentlich vorgeht, wird man erst später sicher zu erkennen vermögen. Deutlicher wird die Neigung Italiens, sich abzusondern, nachdem die Adriafrage einen wahren Leidensweg hat durchlaufen müssen. Und wenn man, einmal auf die Feststellung von „Mißstimmungen" aus ist, so wird man darauf verweisen müssen, örß außer den Polen und den Slaven sogar Herr V nizcios mit den in Versailles getroffenen Becklüffen wenig Zu- sriedeuheit hat et seltnen lassen. Als „Neuigkeit vom Tage" mag schließlich noch auf einen wackeren Nankeeleutnam hiu- Rie|eu werden, der sich in den Rheinlanden über die törichte Behandlung der eingesessenen deutschen Bevölkerung geärgert und deswegen eilte Denkschrift an Herrn Wilon ge» ticket hat, die dieser sofort weitergab mit dem Verlangen, Mi man über die zu treibende Poiitik in den besetzten Gebieten einmal zu abschließenden Richtlinien gelangen müsse. Zuvor aber ist auf die Denkschrift hin sofort ein Unter« ^chungsausschuß abgeschickt worden. Wir wiederholen noch 'Mal : Nichts wäre falscher, als diesen Dingen mehr ®e= Mt brizulegen, als ihnen zukommt. Vorerst hält der Zwang znm Frieden die Liga unserer Feinde fest zusammen. Zwmerhin aber dürfen gerade wir Deutsche uns doch oas ^mlost Vergnügen gönnen und fest stellen, daß man auch £l unsern Feinden seine Sorgen hat. R*
Der Bericht über die diplomatische Lage. WB. Paris, 15 Juni. (Havas.)
Wilson, Clemenceau, Lloyd George und Sonnlno ^a ben Berütung der Antwort auf die deutschen Gegenvorschläge dk-»det. Das Revisionskomitee hat fast den ganzen Text zur ^Nickleguug überleben. Der Text wirb am Sonntag ganz ^gestellt und in der Nacht gedruckt. Dutasta wirb am Montag msrgeu dem Gräfin Brockdorff-Rantzau den Text J BcrjaiNes' üb ergeben. Die Antwort besteh! aus zwei
^kumenten : erstens einem Begleitschreiben von ungefähr 0 Daanselten in englischer 1111b französischer Sprache. Das ^chieiben beginnt mit einer allgemeinen Einführungsnole, die ^ngks Memorandum enthält, in welchem die deulschen cHtiioerfcbläge analysiert sind und in dem der enisprechende ^“"kpuiilt der Alliierien daroelegt wird. Das zweite Dokument ist ein vollständiges Exemplar des Bereinigten Bev« ^.^s itnb unftaßt die Bedingungen, bie Deulschland an« 'f^'tu muß, ohlie daß es nuiimehr noch Aussicht auf eine ^“nserung gäbe. Eine Frist von fünf Tagen, in welcher ,e “‘^tägige Fust für die Kündigung des Waffenstillstandes ^’MnTn ist, wirb der deutschen Delegation zugestanoen, den Vertrag zu unterzeichnen.
. . ber Uebergnbe des drsininven Textes wird Duiasta Ng-yz i)Utd) btn ^rafcll Brockdorff-Raußau eine Empiongk- / ^ ^ugnug unterzeichnen lassen, welche die Zeit der Ueber ?" iestjielll. Genau fn s Tage später muß Deutschland «t tyen w» «v.M..........v.-«.w. >-««» ''"Znstiinmung gegeben haben, da sonst der Vormarsch ber I herrsch! in der aanren Stadl Rube.
Armeen beginnt. Unter den Hauptbedingungen "wurde eine Aenderung angebracht hinsichtlich der ersten von den Deutschen auf den Gesamtentschädigunzsbetrag zu zahlenden Summe von 100 Milliarden Goldmark oder 125 Milliarden Franks. Die Verlallzeiten wurden jedoch nickt geändert. Deutschland wird während vier Monaten das Recht haben, Experten in die verwüsteten Gegenden zu senden, um die Schäden zu sckâtzen und die Mittel zum Wiederaufbau vomuscklagen. Hinsichtlich der Zulassung Deutschlands zum Völkerbund sagt der Text, daß es dem Feinde nicht versagt fei, die Zulassung in naher Zukunft zu erhoffen. In demselben Augenblick würden die Deutschland auferlegten wirtschaftlichen Einschränkungen aufgehoben und es wird hinsichtlich der Rohstoffe mit den anderen Mitgliedern des Völkerbundes gleichgestellt. In Betreff der allgemeinen Abrüstung wird gesagt, daß zu diesem Zweck Verhandlungen einaelestet werden sollen. Schließlich wird die Besetzung des linken Rheinufers durch die alliierten Trupven voll und ganz ausrechterbalten. Am Sonntag abend wird der volle Text der deutschen Gegenvorschläge der Presse übergeben; am Montag abend wird gleichfalls die Antwort der Alliierten auf die deutschen Gegenvorschläge, d. h. die allgemeine Einführungsnote und das sie begleitende Memorandum veröffentlicht werden.
0v?. Paris, 15. Juni.
Nach einer Reutermeldung soll die kurze Frist von fünf Tagen auf die Deutschen selbst zurückzuführen sein, die zu erkennen gegeben hätten, daß diese Frist ihnen genüge.
DDP. Amsterdam, 15. Juni.
World" aus Berlin, auf der jüngsten Konfertn? im Reicks- kanzlerpalais habe man sich in der Haupisache mit dem Charakier des Präsidenten Wilson inbezug auf seine 14 Punkte befaßt und man sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß Präsident Wllwn wohl ehrlich sei, daß jedoch seine Neutralität so typisch amerikanisch sei, daß kein Deutscher ihn' verstehen könne.
DDP. Amsterdam, 15. Juni.
„Morning Post" meldet aus Washington: Während bai Publikum noch in Unkenntnis über den Friedeusvertrag gehalten wurde, hatten bevorzugte P utokraten in Wallstreet Einblick in den Vertrag erhalten und infolge der daraus gezogenen Informationen Millionen verdient. — Aus dem Leitartikel der „Morning Post" geht hervor, daß es sich bei den oben genannten Plutokraten anscheinend um enge Freunde Wilsons handelt. Das konservative Blatt schreibt dazu: Wir hoffen nicht rcakiionär genannt zu werden, wenn wir das frühere diplomatische Dunkel einem demokratischen Zwielicht vorzehen.
Demonstrationen in Wien.
WB. Wien, 15. Juni. Wiener Corr. Bur.
Nach Schluß der heutigen Kommunistenversammlung vor dem Rathaus zogen die Teilnehmer, ungefähr 6000, zum Parlament, wo sich eine Abordnung zum Staatssekretär des Innern bsgab, und sodann zum Landesgericht, um die Freilassung der dort angeblich seit gestern inhaftierten Kommunistenführer durchzusetzen und daraufhin, als ihnen bedeutet wurde, daß dieselben sich nicht im Landesgericht befänden, in der Richtung au^ die Polizeidirektion bezw. das Polizeigefangenenhaus. Polizei und Stadtfchutzwache verhinderten den Zugang zur Polizeidirektion, stießen jedoch bei dem Versuch, einen anderen Teil der Demonstranten auf dem Wege zum Polizei- gefangenenhaus aufzuhalten, auf Widerstand. Die Menge, darunter viele jugendliche Elemente, warfen die Wache mit Eisenstücken und anderen Wurfgeschossen und verletzten dabei den Polizeiinspektor schwer; sie wich auch nicht vor der Drohung des Waffengebrauchs zurück. Als nun, wie einwandfrei festgestellt wurde, Schüsse aus der Menge fielen, gab die Wachs drei Luftsalven ab. Da die Demonstranten noch immer nicht zurückwichen, fiel eine scharfe Salve. Nunmehr fluteten die Massen zurück, sammelten sich aber wieder und gelangten in einzelnen Trupps auf Umwegen zum Polizeigefangsnenhaus, wo inzwischen die verhafteten Kommunisten größtenteils entlassen worden waren, während die Freilassung der übrigen bald darauf erfolgte. Trotzdem blieben namhafte Gruppen in der Umgebung zurück, obgleich einer der freigelassenenParteiführer auf die Nutzlosigkeit des Vorgehens der Demonstranten Hin- m/s und sie zum Nachhau^egehen anffo.derie. Nach den bisherigen Feststellungen wurden fünf Wachoraane mehr oder weniger schwer »erteil. Auf beiden Seiten der Demonstranten si 16 66 Personen verletzt, davon 7 ober 8 löblich. Die Volkswehr unter isitzt s il nachmiltags die Wachorgane. Ab
ge eheil von bem unmittelbaren Schauplatz der Ausschreitungen
Wenn wir nicht unterzeichnen.
WB. Paris, 15. Juni. (Havas.)
Der Oberste Blockaderat ist zusammengetreten, um die letzten Maßnahmen zu besprechen, die erforderlich wür. den, wenn Deutschland die Friedensbedingungen nicht unterzeichnet.
Saits über die Abreise.
Die Lage in Italien.
WB. Bern, 15. Juni.
„Carriere della Sera" erstattete Orlando Bericht Stellung Italiens in Paris im Augenblick seine» Danach hat er Wilson, Lloyd George und Cle«
menceau erklärt, daß Italien nach dem Scheitern bei Tardieu'schen Kompromisses nunmehr auf der vollständigen Durchführung des Londoner Vertrages benehen müsse. Or- taub o zweifelt, daß man in dieser Weise zur Lösung der Frage gelangen werde. Ueber die soziale Bewegung in Italien äußerte sich Orlando optimistisch. Er sagte, es seien zwar die italienischen und französischen Dele« gierten auf dem internationalen Soffalistenkongreß in Paris für den Proteststreik gegen den Versailler Vertrag eingetrelen, doch handele es sich nur um einen 24stündigen Streik. Nach dem „Carriere della Sera" haben die Kollegen Orlandos ein weniger erfreuliches Bild von der inneren Lage Italiens entworfen. Sie mahnen die Massen zur Besonnenheit. Weder Revolution noch Diktatur könne die fehlenden Lebensmittel und Rohstoffe schaffen In Turin und Genua soll die Bewegung abstauen.
Die Streikbewegung in Frankreich.
DDP. Amsterdam, 15. Juni.
In Frankreich wird mit der Möglichkeit bei Ausbruchs
Der Ausstand im Berliner Zeitungsgewerbe
DDP. Berlin, 16. Juni.
Die Montag - Frühblätter sind wegen des Ausstandes in den Zeitungsdruckereien nicht erschienen.
Hansabund.
" WB. Düsseldorf, 15. Juni.
In Anwesenheit zahlreicher führender Vertreter aus den, deutsch/en Wirtschaftsleben fand gestern hier die Delegierten« tâaung des Rheinisch-westfälischen Provinzialverbandes des Hans abunbes statt. Nach einer Begrüßungsansprache des stell«' vertretenden ersten Vorsitzenden, Schmidt-Elberfeld, der des 10jährigen Jubiläums des Hqnsabundes und feiner tommen« dem Aufgaben gebeulte, die vor allen Dingen dann zu tuchen wäre«, daß das selbständige deutsche Unternehmertum zur Vrr. tretuna der wirischastspolitischen Jntereffen sich ebenso eng zu- samnienschließe, wie die deutsch« Arbeiterschaft zur Zbahrneh- mung' ilhrer besonderen Forderungen, legte der gejchafts-suh- rende Präsident des Hanfabundes Dr. Köhler-Verlm die Biela des Koufabundes in einem mit lebhaftem Beifall ausgenommen nem Vortrag bar. Der Redner wies mit eindringlicyea Worten darauf hin, daß nicht in Fachverbänden und deren pohtijmem Sonderinter essen die notwendige große Organisation enii^eheir könne, um dem Bürgertum die Stellung im Staat und Wirtschaftsleben zu fiel ern, die ihm im eigenen, wie im Interesse des Allgemeinwohls gebühre. Der Hanfabund wolle eine große Wirtfüaftsorganisatioi aller selbständig Erwerbstätigen sein, die, falls die politischen Parteien auch künftig die Irrtschafts. notwendigteiten nicht erkennen würden, sich zu einer Wirt ar.«, partei n it ber Ausstellung eigener Kandidaten entwickeln nnirbe. Dem Bürgertum fehle der Wille zur SRacht, der unsere Arbeiterschaft au^eidme. Ihn gelte es durch den Hansabiind zu erwecken. Im Anschluß an die Rede wurde folgende ^olutibn
d;t, der un|ere Hansabund zu de Resolution
Arbeiterschaft auszeichi erwecken. Im Anschluß ».. «.v .— —-• ,__.
einstimmig angenommen: Die heute von zablrerchon ~.i..t.gter« tert aller Ortsgruppen beschickte Tagung des P"lwraz:alrw^ Landes Rheinland :md Westfalen des Hanfabundes betennt uck einmütig zu den m»t neuen Richtlinien . aufgesteMen Programm. Der einheitliche fcforttye ^usammcnschlust aller Uâ zur Schaffung der notwendigen Solidarität und eines pori- li^en 'T^chtw illens der schaffenden ständeüber die ?«ta< -orriffenheit hinaus wird als die unentbehrliche Aufgabe des erweibstätigen Bürgertums lebhaft begrüßt. —- ?sm Jlr^til« punkt der Tagung standen Referate des Gen-erawirektors der N^vninesmannwerkc, Kommerzienrat Elch-Duffeldorf über bte Denkschrift des Reichswirtschaftsministeriums und Dr «mtzers. Dr e-lau über den Eetcheniwurf der Letriebsräte. Beide Redner wiesen :n eingehenden Darlegungen auf die schweren Eesahren bin die unserem Mirisch aftslebon drohen, wenn die Vorschläge verwirklicht werdet. An die mit lang anhaltendem Beisall auf« gen o,n menen Ausführungen knüpfte sich eine rege allgemeine Erörterung, an deren Schluß folgende zwei Resolutionen ern, stin mig angenommen wurden: Die gestern hier in Duyeldori ragende Teleoicrtenversammlung des Provinzialverbandes Sftkinland-Lcsifalen des Hanfabundes legt einmütig cntfchte. Lerste-n Einspruch gegen die Einführung der vom Reichswirt, fchaftsmiiisterium in Der Denkschrift dieses Amtes vom 7. ^ ai 1Ü10 xes nöleren erläuterten Planwirtschaft ein. Die Zer. sammlung steht in dieser Planwirtschaft die Verewigung der loaenonnien Kriegszwaiigswirtschaft, der an der Krtegsni-der. laoc Lèutschlands ein erheblicher Anteil zugesprochen werden muß. Diese Plonwirtschait wird keines der für sie ins kreld ge. führten Ziele, wohl aber den völligen Niederbruch von Deutsch« lands Industrie. Handel und Gewerbe mit absoluter -Licherheit erreichen. In dem Augenblick, wo Deutschlands Feinde sich end, schlossen zeigen, den Rest der Möglichkeit einer Wredererst^rkun« und eines Wiederaukban-ü deutschen Erwerbsikeibes durch dtiM