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A. 134

Fernfprechanschlusie Nr. 1237 und 1238

Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. 9

Donnerstag den 12. Juni «ßfflK WOW fc. MU1M

Clemenceau, der Unnachgiebige.

Straßburg, die wunderschöne.

linset elsässischer Mitarbeiter schreibt uns:

Straßburg, die wunderschöne Stadt, ist französisch geworden! Noch immer bäumen sich unsere innersten Erfühle auf gegen diesen furchtbaren Gedanken, noch immer hoffen wir, daß die Mehrheit seiner Bevölkerung gegen das Französischwerden einen flammenden Protest in die Welt hinausschleudern wird. Die Franzosen geben auch den vorher franzosenfreundlichsten Elsässern, euch den Wankenden und Schwankenden unter ihnen, alle Ursache, mit den französischen Machthabern unzu- jtkben zu sein. Die sechs Monate Franzosenzeit haben die guten Leute jedenfalls zum allergrößten Teil von ihrer Franzosenbegeisterung gründlich geheilt. Das ge- Wftliche Leben stockt, die Unsauberkeit nimmt überhand, die Scherereien und Bedrückungen, insbesondere hinsicht­lich des Gebrauchs der französischen Sprache, werden fast unerträglich. In den verschiedenen Zweigen der städtischen Verwaltung herrscht eine grenzenlose Unordnung und Ratlosigkeit. Geschäftsleute und Hausbesitzer sehen mit Langen in die Zukunft. In den leitenden Stellen der ètadtverwaltung löst eine Krise die andere ab. Straß­burg sucht bereits nach dem 4.Maire". Die vorschnelle Entfernung aller Deutschen aus der Verwaltung hat zu Miger Desorganisation geführt. Der dritte Bürger­meister, Wersdorf, demissionierte aus keinem anderen Krunde, als weil er erkennen mußte, daß der wirtschaft­liche Niedergang der Stadt ein unaufhaltbarer ist. Der "Üküèrm erster wollte seinen Namen nicht mit diesem W^äng verkMMr:" Von seiMWWSHeren 270000 Einwohnern hat Straßburg heute nur noch 120000. Die ünwohnerzahl der Stadt wird noch im Laufe dieses Jahres auf 100000 herabsinken. Dabei sind es in erster Knie die Höchstbesteuerten, die ausgewandert sind. Der Zusammenbruch der städtischen Finanzen wird die un- «usbleibliche Folge dieser Erscheinung sein.

Wie aber will man in Straßburg der sicher zu er» wartenden wirtschaftlichen Katastrophe vorbeugen? Im bèmeinderat hat ein Mitglied die Schaffung einer be- onderen Organisation beantragt, die in großzügiger Weise Propaganda für die Zuwanderung von Privat­leuten und die Ansiedlung von Betrieben machen will. Die Sradtverwaltung setzt ihre ganze Hoffnung auf sranzösische Zuwanderung und französisches Kapital. Und doch ist Frankreich durch seinen enormen Geburtenrückgang tob die hohen Verluste an Menschenleben im Kriege un­heimlich blutleer geworden. Es kann die eigenen Ber­ufte nicht ersetzen, wieviel weniger die durch die Ver- ireibung der Deutschen entstandene Leere Straßburgs und anderer französischer Städte. Die elsässischen Blätter ^ginnen deshalb allmählich gegen die zahlreichen Aus­weisungen energisch Front zu machen. Auch die Gründung neuer französischer Betriebe wird ein Schlag ins Wasser !ein. Straßburg kann die heutigen Betriebe nicht auf« Achterhalten, weil es ihm an leitenden Männern und nn Arbeitskräften fehlt. Auch die Aussicht auf einen Stoßen Aufschwung Straßburgs zuungunsten Kehls wird sich als eine trügerische erweisen. Eine große Zahl seiner i^tgemllßen und in gesundheitlicher Hinsicht hervor- ^genden Wohnungen wird leer stehen müssen, schon weil Franzosen durch die allzu hohen Mieten abgeschreckt werden.

Die Universität, die vor dem Kriege «och 2000 Be- ucher zählte, ist bereits auf das Niveau einer kleinen sianzösischen Provinzialakademie herabgesunken. In den ie^en Wochen haben sich von den 400 elsaß-lothringischen Studenten, die die Universität Straßburg zurzeit noch 230 exmatrikulieren lassen, weil sie der ganze ^hrbetrieb und die unwissenschaftliche Art des Unter» Ms anekelt, wohl auch, weil viele der jungen Leute nicht die nötige Kenntnis der französischen Sprache ^sttzen. Die meisten von ihnen wollen, so bald wie mög« M nach Deutschland übersiedeln. Die französischen Macht- d°ber sind üBer diese Massenauswanderung geradezu ent-

Das mustergültige Spital und alle ähnlichen Wischen Errungenschaften sind längst nicht mehr mufter« Unordnung, Unsauberkeit und Organisationsunfähig- machen die Verwüstung augenscheinlich. Die ehe­malige Landeshauptstadt Elsaß-Lothrrngens ist heute nichts anderes als eine französische Provinzstadt, der auch eine französische Garnison nicht mehr auf die Beine n"fen kann. Dar Schicksal Straßburgs ist besiegelt, so- ange es französisch bleiben muß.

Um den Frieden.

= Berlin, 12. Juni. (Privaitelegrgmm.)

Aus Amsterdam wird gemeldet:Daily News" be­richten aus Paris, daß Wilson von der Notwendigkeit tief durchdrungen sei, daß die Unterzeichnung des Friedens mög­lichst bald zustande kommt.

= Berlin, 12. Juni. (Privattelegr.)

Wie dieGermania* erfährt, wird auch die Preußische Landesrersammlung in der nächsten Woche eine Sitzung ab­halten, in der die Gegenvorschläge der deutschen Regierung auf die Friedensvorschläge der Entente und die Antwort der Entente auf diese Vorschläge beraten werden sollen.

= Berlin» 6. Juni. (Privattelegramm.)

Heute wird sich lautDeutscher Allgemeiner Zeitunz* das gesamte Kabinett in Weimar befinden. Die Friedens­delegation wird sich sofort, sobald die Antwort des Verbandes übergeben worden ist, nach Weimar begeben, um mit der Reichsregierung die Entscheidung über die Stellungnahme Deutschlands zu treffen. Zugleich wird dann die National­versammlung zusammentrrten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dies erst in der kommenden Woche geschieht.

Unstimmigkeiten im Viererrat.

WB. Versailles, 11. Juni.

Der PariserNew Park Herald* berichtet, in amerikanischen Kreisen habe es gestern abend geheißen, i der Viererrat sei in seinen gestrigen Besprechungen zu | sagrag^' wW-MMW i festgesetzt. Clemenceau beharre energisch auf seinem Sto»d- punkt und wolle von Abänderungen des Friedensvertrages nichts wissen. Wilson befleißige sich einer neutralen Haltung und überlasse es Clemenceau und Lloyd George, zu einer Einigung zu gelangen, Lloyd George sei eben­so hartnäckig wie Clemenceau.

*WB. Rotterdam, 11. Juni.

Meldung desNieuwe Rotterdamsche Courant": Der Korrespondent desDaily Telegraph" meldet vom Dienstag: Die Lage ist heute beunruhigend, war auf die Unsicherheit und die Mißverständnisse zurückzuführen zu sein scheint. Die Hauptursache in den augenblicklichen Verwirrungen liegt nicht so sehr in den Meinungs­verschiedenheiten im Friedensvertrag, wie in der allgemeinen Erbitterung und Müdigkeit. Die Elastizität der Fran­zosen scheint schließlich einer allgemeinen Unzufriedenheit Platz zu machen. Clemenceau hat eine schlechte Presse. Ich glaube aber keinen Augenblick, daß selbst diejenigen, die schärfste Kritik an ihm ausüben, in diesem ernsten Moment den Führer wechseln möchten. Ein anderes Mit­glied des Vierer-Rates, dessen Freiheit bisher unein. geschränkt war, wird jetzt durch das Auftreten der politischen Gegner ebenfalls behindert werden. In manchen Beziehungen ähnelt die Lage, in der sich Wilson befindet, der Clemenceaus. Seine Feinde sind zwar geneigt zn verwunden, fürchten sich aber zu töten. Wilson ist, wenn auch nicht im Stande, seine eigene Politik aufzudrängen, doch mächtig genug, um jeder anderen Politik einen Riegel vorzuschieben.

Aus Deutsch-Oesterreich.

DDP. Wien, 12. Juni.

Gest«« fand eine Besprechung zwischen dem Präsidenten Seitz, dem Vijikanzler Fink und dem Staatssekretär für das Finanzwesen, P»*f- Schumpeter statt, in der letzterem nahe- g^egt wâe, seine Demission einzureichen.

Belgische Regierungskrise.

DDP. Amsterdam, 12. Juni.

Ein hiesiges Pressebüro meldet, daß der belgische Minister des Auswärtigen Hymans wegen seiner in den Verhandlungen zwischen Holland und Belgien erlittenen Fehlschläge wahr» scheinlich zurücktrtte« wird.

Italien vor schweren Unruhen?

DDP. Amsterdam, 12. Juni.

Der Pariser Korrespondent derDaily News" meldet seinem Blatt, er habe erfahren, daß die italienischen Sozialisten ganz offen davon sprächen, daß sie nicht nur die jetzige Re­gierung, sondern auch das jetzige Regierungsiystem beseitigen wollten. Sie stehen mit Bela Khun in ,1-ühIung und dieser wiederum steht in ständiger Fühlung mit Lenin. Italien hält noch immer 1^» Millionen Mann unter Waffen.

Der PanzerkreuzerGoeben".

= Berlin, 11. Juni. (Telegramms

AuS Amsterdam wird gemeldet: Die englischen Blätter melden, daß die Engländer den deutschen Panzerkreuzer Goeben" und eine große Anzahl von U-Boote aut dry türkischen Gewässern weggeholt haben. .

Die Unabhängigen u. die Regierungstruppey

DDP. Berlin, 12. Juni.

Auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Weimaz machte Reichswehrminister Noske Mitteilungen über Ver­handlungen, die der frühere Volksbeauftragte Barth mit dem General v. Lüttwitz hatte. Tatsächlich haben die Unab­hängigen durch Barth sich am letzten Samstag dem Garde- Kavallerie-Schützen-Korps, das sie sonst nicht genug be. kämpfen können, angeboten und gefordert, nach einem Sturz der gegenwärtigen Regierung bie künftige UN. abhängige Regierung schützen zu helfen.

Die Besserung der Verkehrsverhaltniffe.

DDP. Berlin, 12. Juni.

Wie dieVoss. 3fg/ berichtet, fährt die Staalsbahn br- reits 42 vom Hundert des Friedensfahrplanes. Wenn bi( Reparatur unseres Lokomslivparks weiter so erfreuliche Fort, schritte macht wie bisher, so wird sich jeder Verkehr in den nächsten Monaten glatt bewältigen lassen, da wir an Wagen keinen Mangel haben, sofern die Reparaturwerkstätten weiter so arbeiten wie bisher. Eine Anzahl von Güterwagen wird zu Personenwagen umgebaut. Einen Mangel an Güterwagen hat die Eisenbahnverwaltung nicht, jedenfalls läßt sich der augenblickliche Verkehr mit den vorhandenen Mitteln gut ab' wickeln.

DDP. Berlin, 12. Juni.

Dsr Oberpräsident von Ostpreußen v. Vatocki erklärt zu einer Aeußerung desVorwärts", daß er als einziger Oberpräsident weiter im Amt bleiben werde, während feine Kollegen, soweit sie noch im Amte seien, bald den Abschied nehmen würden. Diese Auffassungen sind un­zutreffend. Ich denke nicht daran, so äußerte er sich, unter einer Regierung, deren politische Absichten ich nicht teile, länger als unbebingt nötig im Amt zu bleiben.

Von den deutschen Gewerkvereinen.

DDP. Berlin, 12. Juni.

Der gestrige zweite Verhandlungstag der Deutschen Ge« werkoereise stimmte einer Entschließung zu, in der die Fest­legung des RätegedankenS in die Verfassung begrüßt, aber Einspruch dagegen erhoben wurde, daß Einzelheiten über den Ausbau der Räte schon jetzt in der Verfassung festgelegt werden, da über wichtige Telle der Tätigkeit und Aufgaben her Räte noch kemerki Klarheit bestehe.

Eine Niederlage des kleinen Wllsou.

DDP. Bern, 12. Juni.

Auf dem Kongreß der mglischen Transportarbeiter in Swansea wurde ein Antrag des bekannten Kriegshetzers Havelock Wilson, des Vorsitzenden der Gewerkschaft der See- 'leute und Heizer der englischen Handelsmarine, die deutschen Transportarbeiter zu boykottieren, mit 218 000 gegen 72 000 Stimmen abgelehnt. ES wurde beschlossen, die deutschen Transportarbeiter zum Wiedereintritt in den internationalev Verband aufzuforder«.

Vom sozialdemokratischen Parteitag.

Erklärungen Roskes.

SH. Weimar, 14. Juni.

311 Beginn der Nachmittagssitzung hat sich der Minister» Präsident Scheidemann am Vorstandstische im Sitzungs- iavle cingefunden. In der fortgesetzten allgemeinen Aus- sprach« wendet sich zunächst Davidsohn (Bertin) gegen ine Leute die ihr Herz erst am 9. November entdeckt hatten und die mân deshalb mit Vorsicht genießen sollte. Er fordert ferner die Aufhebung des Letags-rmngszuftandes im den davon be« troffeinen Orten. Man sollte alles vermeiden, daß sich etwa die Arbeiterschaft von der Sozialdemokratie trenne. (Unruhe und vereinzelter Beifall.) . ._

Hierauf betritt, indes sich Saal und Tribunen schnell füttert, bet Reichswehrminister Noske die Rednertribüne. In den vorliegenden Anträgen wird auch meiner Person mehrfach freundlich gedacht. (Heiterkeilt.) In einem wird davon ge­sprochen, als wenn wir von der Negierung etwa a» unseren Aemtern klebten. Wir können demgegenüber sagen, daß von aowiffer Seite aus nach Aemtern geradezu gestrebt wird (Heiterkeit. Sehr gut!) Das ist ein Kapitel, über das sich Bücker schreiben lassen. Ich habe jedenfalls nicht zu betten gehört, die sich zu ihrem Amte drängten, sondern mir ist da­mals von allen Seiten nahegelegt worden, in Deutschland Ord, nunc zu schaffen, und es ist für mich, durchaus kein VersrSge»