Hanauer K A
General-Anzeiger
> ««rS»M»--ssdühxr
WEo«Ä»rtS«Ä Berlayr WaffmhauS-Mchbmckerck
A«llichts GlM fit SM- M fmiktris Kum.
Erscheint tSgM mit Ausnahme der San«-- snVFârLage, ENndeehMungsveNaze.
Bierteriâhrlich 3.75 SW, monatlich 1.25 Mk., für Post bezug vierteljährlich 8.75 SRI, monatlich 1.2p W^
NerâvorKH für die riedakttoa: Gustav SchreSeth für Anzeigen «.Reklame«: Ang. Brodt, Leidem Hana»
Ar. 131
'««MaB5H8BS
Fernsprechanlchlüsse Nr. 1237 und 1238
Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstratze Nr. 9
Snmstag den 7. Juni
Fsrnsprechanjchlusse Nr. 1237 und 1238
Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstratze Nr. S
1919
AM Wm$ sksieM gegen dm SmMmsm.
Pfingstgeist.
• In diesen Tagen, in denen die Gläubigen beider Se« lenntnisse sich anschicken, das Fest der inneren Erneuerung è« begehen und wo auch die Natur in der vollen Pracht ^8 neuen Kleides prangt, übt über die Menschheit ein ehr unheiliger Geist härteste Herrschaft. Es soll die Cent» lheidung über die Zukunft Europas und der Welt ge« Lllt werden, und die Männer, die sich zum Richter über ein 70-Millionen-Bolk aus eigenem Recht aufgeworfen haben, werden von diesem nicht als berufen anerkannt. Die Völker sind in zwei große Lager geteilt, die sich hart in der Sache des Weltfriedens bekämpfs«. Der Geist der Vernichtung und Unterdrückung liegt in Hader mit dem Geiste der Solidarität aller Menschen Europas, und dieser macht alle Anstrengunge«, um jenem im letzten Augenblick noch den Triumph zu entreißen. Das Frankreich Llemencsau» will den Büttel der alten Welt spielen, hb gegen den widernatürlichen Zustand^der nach dem Willen der Entente in der Heimat der Menschheitskultur geschaffen werden soll, meldet sich immer stärkerer Widerstand an. Wir Deutsche wissen, daß wir seit dem Augenblick, wo wir im Vertrauen auf ein festes Versprechen unserer Gegner die Waffen aus der Hand gelegt haben, Wermenschliches im Interesse des Friedens getan haben. Wir gingen in unserem Gegenangebot fast über die Erenz« des zu Leistenden hinaus, in' Ler Ueberzeugung, NS die Feinde dieses Entgegenkommen entsprechend zu würdigen wissen würden. Wir haben es erleben müssen.
Mdeu ii ^EttM^MMrs UV Andern daß erst nachdem die Waffen niedergelegt worden waren, der eigentliche Kampf gegen den Bestand des Reiches, gegen das Leben des deutschen Volkes, angehoben hat. Die deutlichsten Zeichen dafür sind jene unerhörten, allem Völkerrecht ins Glicht schlagenden Anstrengungen der Franzosen, zu Elsaß-Lothringen und dem Saargebiet auch pK« Land links des Rheines in ihre Gewalt zu be« fommen, und aller wilden Verspottung des Selbst- Bestimmungsrechtes, wie es schon in den unsagbaren Kriedensbedingungen zu Tage trat, haben in alletjüngster Mt die französischen Generale Magi« und Gerard die Krone aufgesetzt. Im Osten steht der Pole gewappnet dis an die Zähne und lugt über unsere Landesgrenze, 'M den rechten Augenblick zu erspähen, wo er über uns herfallen kann. Schon heute steht es fest, daß nach all dem Schweren, was hinter »ns liegt, das Schwerste erst «och über uns kommen wird. Und nirgends zeigt sich fine Rettung; immer und immer wird uns grausam flargemacht, daß das deutsche Volk in der WeN »erlassen dosteht und ganz auf sich selbst angewiesen ist Der mhrilige Geist des Pfingstfestes von 1919 lagert wie fine riesige Gewitterwolke am Horizont, und in der MhängnisschwaMeren Zusammenballung unheilvoller Dunkelheiten zucken die Blitze künftiger Entladungen.
Niemals schien der Welt der Geist innerer Erleuchtung Md Versöhnung ferner als in bieten Tagen, aber niemals ^uch drängte sich das Gefühl zwingender auf, daß jetzt eng zusarmnenstehen muß, was sich deutsch nennt. ^as Avußerste wäre der Zusammenbruch nach dem Zusammenbruch, wäre die Ausführung des Vernichtungr- Dlanes unserer Feinde durch uns selbst. Das gilt es zu Renten, wenn die Beschlüsse über unsere Haltung gegenüber dem Frieden i« den entscheidenden Stunden zu fassen sind. Das sind die Gedanken, die uns erfüllen lassen, wenn wer uns diesmal anschicken, das Pfingstfest W begehe«. E
An der finnisch-russischen Grenze.
WB. Helfingsors, 6. Juni.
Infolge Feuerns einer bolschewistischen Feldwache auf hinüber liegende finuläktdifche Truppen eutipann sich am ^'itrbek gestern abend ein lebhaftes Feuergesecht, das sich nler Teilnahme von Maschinengewehren und Artillerie über ^ lilmze finnisch-russische Gre«j« zwischen dem finnischen uerbustn ««- dem Ladsgale« anèdehnte. Zur Vergeltung ^offett die finnischen Küstenbatterien von Jr>e morgens "Anstadt, ohne daß das Feuer «widert wurde. Man fee» göltet, daß die Entwickelung zu offenem Krieg zrvischmi mnnlaud und Räterußland führen »««<. Die gegen ^china Dorrädrnben russischen Freikorps mußte« unter dem ^schewiftischen Druck gegen 40 Kilometer zuräckweichen, da- ^u zwingt der esthnische Dskmarsch gegen Kreuzbmg, wo O Gefangene gemacht und das gleichzeitige ®»rrütfm des â"Me« Landsturms von Riga her di« Boijchetvifien, stch dlttvLrtS tmrückuusthrm
Gegen den Gewaltfrieden.
WB. Wien, 7. Juni.
Die Wiener „Reue Freie Presti vreöffenilicht einen Hilferuf für Klagenfurt, das von der Besetzung durch die Südslawen bedroht sei und appelliert an die Friedmsdelegstion in St. Germain, augenblicklich zu fordern, daß der südslawische Vorstoß eingestellt und das strittige Land nicht einseitig durch feindliche Besetzung beeinflußt werde. — Die Blätter kündigen eine Reihe Protestkundgebungen gegen den Bernichtungsfrieden an. Sämtliche politischen Parteien in Niederösterreich veranu alten am Pfingstmontag große Protestversammlungen in Peysdorf und Gmünd. Am nächsten Sonntag werden in allen Städten und G-mäße« Deutsch-Böhmens große Proiestversammlungen abg^halten, welche den Charakter von Massenkundgebungen haben. 125 deutsch-böhmische Städte und Gemeinden richteten bisher Protestkundgebungen gegen die Einverleibung Deutsch- Döhmens an die Landesregierung mit dem Ersuchen, dieselben an Wilson weiter zu leiten. — Nach Meldungen aus Jnnsbsnck wurde in der Tiroler Landesversammlung beantragt, eine mehrtägige Landestrauer als Protestkundgebung gegen den Gewaltfrieden zu beschließen mit schwar-zer Be- fiaggtmg der großen Städte von Tirol, Trsuerksndgeöunge« in den Schule«, Trauergelaute aller Kirchenglocken und Vev- hülftrng aller vaterländischer Denkmäler. ~
Eins Forderung des christlichen WsttaewMens.
Der fchwefDhe ElMfcho^ Sfld^blon hat ber Friedens- 5 konfereuz in Versailles ein Schrâeu zugehen lassen, das von ben Vorfitzmèen der dänischen, holländischen, norwegischen tmb schwedische« Ausschüsse des Weltbundes z«r Versöhnung der Völker durch KirchcutzeMemschastr« rmd von zahlreichen Geistlichen anderer Länder unterzeichnet ist. Das Schreiben bezeichnet es als mmblâßliche Forderung des christlichen Welt- gewissen», daß bei territorialen Verschierunge«, durch welche reKgiöse Mmderheiten entstehen, diese in der Freiheit der Religion und deS tkfterrichtes nicht eingeschränkt werben. ZweiÄrts wiH verlangt, daß die jetzige Stellung der Kommission durch feiner (ei Maßnahme« geschwächt und deren zätstige Arbeit nicht gehemmt werben darf. Im Anschluß hieran wird vorgeschlagen, die Miistonsfragen durch besondere Beratungen zu klären, wobei auch neutrale Sachverständige bittjugea^en wân sollen.
* Das Rheinland.
- ' , ^ WB Versailles, 7. Juni.
Gestèkn v««Mag keafm Regierungspräsident vos Sarck- Köln, Bürgermeister Adâau«-Köln, Geheimer Regierungs- rat Lvms Hagen-Köln, Abgeord«et« Sollmavu-Köln. Chef« redâur der Rheinischen Zeitung, Professor am Priester- fe^figet in TR« Claas und Dr. Zermâ-Ksblrnq em, tun mA dem RsichHminMr des AuSwärÄgen, Brsâr^-RsMtzau UNd den hier weitetibeu Mâgliedem der UriedeuSdâMio«, dSe das RhcuÄsnÄ bÄLeffeecken Frage« zu besyrsche«. Graf Brsâcn:ff-Ä«^«R k^fichilgt «Eds in der gloecht« Rr^e- legKchâ zum Besuch bes Kardinals von Hrrtmem« ans einen Tag nach Köst: zu «chen.
ErkläruW v. Linfingens.
WB. »erlitt, 7. Juni.
Im Hinblick mff btt jSnHste« Erörterungen der Blätter über die Vorgänge am 9. November 1918 erklärt der ehe- malige Oberbefthlshaber in den Marken, Generaloberst v. Lmfinge«: Am 9. November, mittags 1 Uhr, gingen bei dem Oberkommando in den Marken Meldungen des stellvertretenden Generalkommandos des Ga dekorps ein, wonach die Mehrzahl der Truppen Solbatenräte gebildet hâ ten, den Gehorsam verweigerten unb non ihren Waffen, insbesondere der Schußwaffe keinen Gebrauch machen wollten. Diese Meldungen verdichtelen sich bald weiter dahin, daß auch die wenigen bisher als noch zuverlässig gemeldeten Truppen sich der Bewegung ««geschloffen. Damit solchen Truppen, deren Haltnng ree entlich mit durch die Nachricht von der Abdankung des Kaisers dennflußt wotben war, die Revolrrtion nicht erfolgreich zu bekämpfen und ein Ersetz durch zuverlâistger Truppe« in absehbarer Zeit abe: nicht ermarlbar s war, habe er — Generaloberst v. Linftnge» — um 1 Uhr 15 Minuten mittags selbständig aus eigener Verantwortung ohne irgendwelche Beeinflussung durch den Äeichskanster oder Kriegsminister den Befehl gegeben, von der Schußwaffe keinen Gebrauch zu mache«. Lediglich die Mitteilung über Las BefoLlttte erging um 1,45 Uhr an den Kruroswmister.
Proteststreik wegen Levines Hinrichtung*
=* Berli«, 7. Juni.
Die gestrige Dvllvtrfammlung der Groß-Berlin« Arbeiter- räte hat beschlossen,, von heute mittag bis Samstag abend 6 Uhr den Generalstreik in allen Groß-Berliner Betrieb« mit Ausnahme der Gas- unb Wasserwerke zu proklamieren. In den Großbetrieben, namentlich in den Elektrizitätswerken, legten die Arbeiter um die Mittagsstunde bk Arbeit nieder; auch der Straßenbahnverkehr nrht fett dem Nachmittag vollkommen. Dieser Generalstreik ist als Protest gegen bi< standrechtliche Erschießung des SDiünchetttT.Äo.mmutt^ ®r%£ewue .gedacht.
GM erfunden.
< M / WB. Berttn, 7. Juni.
Don zuständiger Stelle wird uns mit geteilt: Von unoer* antwortlich er Seite wird konstatiert, daß Reichsmehrminister NoSke durch ein Telegramm nach München die Erschießung Levinä« gefordert habe. Das ist glatt erfunden. Das einzige Telegramm, das der ReichSwehrminister in der letzten Zeit nach München gesandt hat, enthielt die^Bitt«, einen Gefangenen freizulassen.
Kleine Nachrichten.
Präsident Fehrenbach ersuchte die MitylÄder Ser NasttomaLs vsrsammlwng, von Donnerstag den 12. Satti ab im Wbimar an, wesend zu sein.
I Proteste. Die Ortsgruppe Kobtsnz des Deutschen Effen- bcchinerverdarrÄes protestierte in einem Telegrammr an die ReichsrvgierunH -gegen eine etwa beabsichtigte Erneimung des friihevebl Stoatssstretörs Trimborn- zum ObeApräfidenten der RcheinProvinz. — Der Kre iè.lehreM-us schütz Koblenz Stadt und Land und die Kreis -Sp-niode Koblenz legte gegen die Los- lösuingsbestrebungen im Rheinlands entschieden Derwcch-rn.no
Mgkich des Rechtes Amerikas auf die deutschen Schiffe, biv durch britistte Seesi-veitkräfte in mnerikamfiche Hasen getricber wurde«, erklärte T-onar Law, seiner Ansicht nach sei es nach dem internationalen Recht Brauch, daß das Land, das in den Krieg eintrete, das Recht habe, die femdlichsa Schiffe m seindv Häfen zu beanspruchen.
^ Aus Nah und Fern.
■ Nm»«rg, 6. Juni. In Sschh»frn bei LiniSurA sinb bte schwarten Pocken auSgrbrochen. Es wurden bisher 40 Fälle festgestellt.
---Koblenz, 6. Juni. Ein schweres ExplosionSunglück ereignete sich gestern im Pulverdepot Mülheim bei Koblenz. Auf bisher um anfgeklärte Weift flogen mehrer« Körbe mit Munition in die Luft Sieben Arbeiter wurden schwer, eine größere Zahl leicht verletzt Nur dem mutigen Eingreifen eines Lokomotivführers, eines Heizers, eines RegierungSrateS und zweier amerikanischer Offiziere ist es zu verdanke«, daß ein unübersehbares Unglück verhütet wurde. Diese drangen durch den Geschpßhagel hindurch und führten einen im Depot stehenden mit 18000 schwere» Granaten beladenen Eisenbahnzug heraus «ad in Sicherheit.
Htmdel, Gemerde und WerkMr.
* Tag««« der veretwig««- südtvestderftschee OandtlS- k»nrm«ur» nr Heidelbeus. Am 2. Juni fand in Heidelberg die erste Tagung der Vereinigung südwesideutfcher Handelskammern nach Abschluß des WaffeustiltstandeS unter dem Borst f des Vizeprâfidente» drS Vorortes, der Handelskammer Mannheim, des Herrn Kommerzienrat SanerbeS statt. Die schwierigen BrrkehrSverhältniAe und die Not der 3*it hatten eine frühere Zusammeânft unmöglich gemacht. Ueber die Friedensbediugungen sprach der Syndikus der Handelskammer Frankfurt Herr Prof. Dr. Trumpler. Die Versammelten waren einstimmig der Auffassung, daß die Bedingungen, wie sie uns die Feinde gestellt haben, unannehmbar seien. Aufs Schärfste wurden bie LoSlSiungSbestrebusge« vom Reich« verurteilt. Eine Erklärung darüber wurde bereits « der Presse veröffentlicht. Stach eingehender Aussprache wurden «ach einem Vortrag des Geschäftsführers der Ver- einigung, Herrn Dr. Blaustein, Mannheim, die Fragen beS deutsche« Einheitsüaates und der Zusammenfassung lsotschaftUch, kulturell und wirtschaftlich zusammengehöriger Gebiete erörtert. Es imirde be» schlossen, an der Lösung dieser Frage tatkräftig mitzuarbeiten und einen Ausschuß einzusetz«, der im Benehmen mit wirtschaftlichen, politischen, staatliche» und fiädtffchen Körperschäfte« die für Südwest« deutschlaud im besonderen sich ergebenden Fragen bearbeiten soll. Dft Organisation der wirtschaftlichen JntrreffcnvertrÄung vor allem durch die Reichsbebörde», hat eme« Umfang angenommen, daß selbst mit dem Wirtschaftsleben ganz vertrante Kreise sich nicht mehr darin zurcchtznfinde» vermögen. Zweckverbände mit Außenhandclssttllcn, Fachverbâudt, Arbeitsgemeinschaften und wie dft sogermunte» Selbst- Vermal tnngStërper sich all nennen mögen, bemühen sich, das Wirt- schaftslebsti m Gang zu bnngeii und zu fördern. In tiefgründiger Weise gab Herr Dr. Blaâur ein Bild über dft se Zustände. Es wurde beschiessen, den Bericht des Herrn Dr. Blaustein zu berbiel=i sättigen, um in aller Oeffentl«hielt durch die Bereinigung gegen solche das Wirtschastslcbe« p-rsplurerud- llebervrganiiation Einspruch zu erhebe«. Eine Kundgebirng der südwestdentschen Haudelskammcm und Verbände nach Art der Franfturter vom vorigen Jahr zur Frage der Neuordnimg beS Wirtschaftslebens und gegen die neue Zwangs-, wirtschaft wurde beschlossen. Besprochen wurde weiterhin die Er-' richtnng von Vertretungen b« Handelskammer in Berlin, sowie das' Verhältnis deS Deutsä-en Industrie- unb Handelsstaats zu den Kammern der Bereinigung, Die Vertreter der Handelskammer Stuttgart überbrachten Einladung zu der im Herbst in Stuttgart stattfindenden Edelmesse und zur Besichtigung des HandclshofeS. Die^ Bestrebungen des Auswärtigen Amts auf Verbesserung beS B«S» wärü-en Dienstes sotten actörbert werd««.