H anauer K Anreiger
Ginrücknns-gedtthrr
Die Sgespaltene Kolonelzeile oder bereu Raum 30 Pf», in Reklameteil bk Zeile L— Ml.
Oikertengebühr 35 Pf»
ÜataÜonSdrnS und Verlag: DaksmbauS-Buchdruckerri und -Buchhandlung in Hanau.
General-Anzriger
Amtliches Organ fit Mt- Md Landkreis Samu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.
Vierteljâhrllch 3.75 ML, monatstch 135 M„ für PtzO bezug vierteljährlich 8.75 ML, mrmatüch 1.25 M^
Die einzelne Rümmer lastet 10 Pfg,
Derantwortllch für He JMxÄwtt Gustav Schreck« für Anzeige« u. Reklarur«: Aug-vrobHbeidemHavo»
I. 130
Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238
Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. 8
greitaa den 6. Juni
Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238 1 Ql Q
Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. • J^£o
Gegen die Loslösungsagitation
Am Kreuzweg der Wettgeschichts.
Die Welt weiß heute, daß es keinen Ausweg aus den m dem geistigen Auge sich gefahrdrohend aufrichtenden ßchreckniffen der Nachkrietzszeit gibt, als einen Völkerbund, ter in Wirklichkeit eine Gesellschaft der Völker und keine Liga der Sieger darstellt. Neben den unerhörten Friedens- Bedingungen hat nichts eine so tiefe Enttäuschung be. »eitet als der Pariser Entwurf eine» Völkerbünde». Nirgends trat so wie in diesem Statut die Niederlage Wsson» zu Tage. Der Mann, der als der machtvolle Lrhcüer des internationalen Organisationsgedankens über
Ozean nach Europa gekommen war, hatte sich bereit ^funden, sein Werk zu Gunsten des überlebten einseitigen kündnisversprechens zu verraten. Trotz der schlimmen Erfahrung, die man gerade in einem so wichtigen Punkte erlebt hatte, hat die deutsche Regierung mit aller Enl- jchloffenheit den Völkerbundgedanken an die Spitze ihres »et kurzer Zeit überreichten großen Gegenvorschlages Mellt. Sie hat damit bekundet, daß sie sich dem eingangs Mahnten Welturteil über die Notwendigkeit der Schaffung eines wirklichen Völkerbundes in vollem Ilm« lang anschließt. Viele haben sich vergeblich gefragt, warum Jie Pariser Verhandlungen zu einem so unzulänglichen Ergebnis geführt hatten. Man wird darüber Genaueres irft in einer fernen Zeit erfahren, und man muß es ia$« besonders begrüßen, wenn bet Zufall schon heute ba und dort leise den Schleier lüftet. So gibt eine linterrebung mit dem französischen Staatsmann Séon ^>«ra«oi». die die «Nene Züricher Zeitung" am 25. v.
WTO, VtJ¥V 11^155.41^ 4.«., ’-UlVH ^^-^ BUAVU V'iiivuu tu vvu Verlauf der Dinge. Es geht âus den Aeußerungen des einstigen Präsidenten der Haager Cchiedsgerichtskommission In bemerkenswerter Weise hervor, daß er von dem Pa- lifer Völkerbundentwurs sehr wenig befriedigt ist. Ganz in Uebereinstimmung mit dem deutschen Standpunkt, der ja auch in der jüngsten Denkschrift wieder angebeutet Mb in dem deutschen Entwurf eines Völkerbundstatutes Hat zum Ausdruck gebracht worden ist, bleibt Bourgeois bei der Ueberzeugung, daß man ohne das Prinzip der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit nicht auskommen könne und- daß der Pariser Entwnrf ferner das zweite Prinzip einer wirksamen Konèrolle für die progressive Brüstung der Mächte glatt verleugnet. Als Grund hierfür gibt Bourgeois in direkten Worten die Abneigung SngUnb« an, deren „angelsächsisches Selbstgefühl« sich dagegen aufgelehnt habe. Es ist daher auch nur konsequent von Bourgeois, wenn er unmittelbar darauf brr Befürchtung Ausdruck gibt, daß der von der Entente geplant« unzulängliche Völkerbund sich eines Tages als unwirksam erweisen werde. Herr Bourgeois erinnerte an die Ablehnung der deutschen Delegierten auf den Haager Konferenzen von 1899 und 1907 in der Sache der Rüstungseinschränkung. Er wird zugeben müssen, M die Haltung Englands im Jahre 1919 diese Ablehnung weit in den Schatten stellt. Aus diesem Grunde oerdienen seine kritischen Bemerkungen besondere Auf« ««tjamteit, denn sie leisten uns Deutschen eine wertvolle llnterstützung, die wir an einem Kreuzwege der Welt- ^schichte dafür kämpfen, daß ein neues Zeitalter der Menschheit heraufziehen solle. R
Die Prüfung der Gegenvorschläge.
W. Pari«, K. Juni.
Die Agenc« HavaS berichtet über die diplomatische Lage: vier Regierungsführer setzten die Beratung der deutschen ^genvsrschl^e insbesondere in Bezug auf Oberlchlesi« fort, wurde noch kein Beschluß gefaßt, da die befragte Kom- "Gon ihre Berichte noch nicht übergeben hat. Einige Teile der Geiienvorschlâge wurden an Sachverständige weilerg«- die sie prüfen sollen.
Die nächste VoNfitzung der National- versümmlüng?
DDP. Berlin, 6. Juni.
Ueber die nächste Vollsitzung der Natov«lversammlung % wie die v$en»«"®-a" an zuständiger Stelle hört, noch «in Beschl^^ gefkßi »erben. Doi der augenblicklichen poli- ^lchen Zn^E muß i^ wie aw imt einer plötzlichen Ein- ""«funz der Na^ontrlver^mmtuug gerechnet werben. Ent-
'sw b-Kh^i^« ÄnnützM», M§ die nächste Sitzung der ■^fMuk^^m-uuz in Berit» stsilfutdrn werde, wird an dni«rricht»^r ââ «irgereilt, daß man durchaus mit der glicht« t^nett muß, daß bk nächste Sitzung der Ratio.
Der Einspruch gegen Loslosungsbestrebungen.
WB. Berlin, 5. Juni.
Nachstehend« Not« betreffend die Losiösung der Rhein- lande und der Pfalz, wurde unter Beifügung der Note, die Erzberger am 2. Juni an General Nudant gerichtet hatte, Clemenceau überreicht:
Herr Präsident!
Die deutsche Delegation erhielt in den letzten Tagen sowohl durch die treffe als durch unmittelbare Nachrichten aus Deutschland Kenntnis davon, daß in den Rheinlanden und in der Pfalz Bestrebungen im Gange find zu dem Zweck, diese Gebiete vom Deutschen Reiche loszulösen und M einer selbständigen Republik zu machen. Die Bestrebungen werden von den militärischen Behörden der OLkuvations- mâchte nicht nur geduldet, sondern sogar offen unterstützt. Deutsche Beamte, die pflichtgemäß gegen die Anstifter einschreiten und sie nach den bestehenden deutschen Gesetzen wegen Hochverrats zur Verantwortung ziehen, werden von den Beiatzungsbehörden ihrerseits verfolgt und mit der Ausweisung bedroht. Einzelheiten, die wegen der Absperrung der rheinischen Gebiete von dem übrigen Deutschland nicht mit Genauigkeit haben nachgeprüst werden können, find in der hier ab- . schriftlich befestigten Note Erzbergers an General Nudant vom 2. Juni enthalten. Die deutsche Delegation macht die alliierte«, «nd affociierten Regierungen darauf aufmerksam, daß die Huldung und Förderung von Bestrebungen, die zur Ablösung der westlichen Gebiete vom Reiche führen sollen, kn hohem Maße geeignet ist, die Verhandlungen über die Herstellung des Friedens und die Durchführung seiner Bedingungen zu stören. Ein solches Verhalten der Okkupationsbehörden würde überdies in schroffen? Wiedcrspnlch zu der Bestimmung der Artikels 5 Abs. 2 bei Waffenstillstandsabrommens stehen, die offenbar davon ausycht, daß die Zuständigkeit der bisherigen Verwaltungsbehörden dieser Gebiete unangetastet bleibt und daß die militärische Besetzung durch die Gegner die Zugehörigkeit der Gebiete zum Reich
wenn bte territorialen und wirtschaftlichen Unterlagen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit rmangetastet bleiben. Es bedarf keiner Ausführung, daß die Abtrennung von Gebieten mit so großer Bevölkerungszahl und so hoch entwickelter Industrie wie die Rheinlande, die Grundlage des deutschen Friedensangebots erschüttern müssen. Wenn also die Behörden der Ollupationrmächte, die den Abfall der Rheinlande fördern, der Meinung find, daß sie dadurch den Interessen der alliierten und assoziierten Regierungen dienen, so vergessen sie, daß sie zwar vielleicht den tat- sâÄlichea' Machtbereich dieser Regierungen für den Augenblick vergrößern, zugleich aber die rechtlichen Sicherheiten verringern, die ihnen für die Durchführung der Friedensbedingungen basten sollen.
Hiernach richtet die deutsche Friedensdelegation an die aMerteu Änd assoziierten Regierungen das nachdrückliche Ersuchen, die im Vorstehenden gekennzeichneten Vorgänge alsbald aufzuklären und dafür Sorge tragen zu wollen, daß die militärischen Behörden der Okkupationsmächte in dem Rheingebiet unverzüglich und mit allem Ernste auf das Gefährliche ihres mißleiteten politischen Eifer« hingewiesen und angebalten werden, einerseits jede Förderung von LoslSsungS- beftrebungen zu unterlassen, andererseits den deutschen Behörden bei der pflichtgemäßen Bekämpfung dieser Bestrebungen sein Hindernis in den Weg zu legen.
Genehmigen Sie, Herr Prâfident, de« Ausdruck meiner aus- gezeichneten Hochachtung ge». Brockdorff-RstzM.
Hesfische Protestnoten.
WB. Darmstadt, 6. Juni.
Die hessische Regierung hat an den französischen Oberbefehlshaber General Mangin in Mainz folgende Rote ger-chtet:
Mainzer Bürger, die anläßlich des Streiks verhaftet und jetzt aus Rhein-Hessen ausgewiesen worden sind, wurden von französischen Offizieren bei ihrem Verhör tätlich mißhandelt und persönlich beleidigt. Gegen dieses Verfahren protestiere ich im Namen der Menschlichkeit!
Fall« Sie, Herr General, bie Taiiachen festiuftellen geneigt sein foflen, bin ich bereit, die Namen der Mißhandeli«n und Beleidigten zu Ihrer Kenntnis zu bringen. Gegen bie Ausweisung der Bürger aus ihrer Heimat lege ich besonders Verwahrung ein, da sic lediglich an Patrioten gehandelt haben und dafür bk Anerkennung der Volksgenossen verdienen.
Ullrich, Ministerpräsident.
Gleichzeitig ging in berseiben Angelegenheit eine Protestnote an btt deutsche Waffenstiüstandskommiision in Spa ab.
Das Fiasko der „Regierung" Dorten.
Wie ber „Frkf. Ztg.* «r» Wiesbaden mitgeteilt wird, «rsch en^ als bte Züchtigung venchitdener Muglieder der Dsrtrnsche« „Regierung" im Regierungsgebäude am Mittwoch begann, auch Oberst Pineau dort. Oberregierungsrat Gprinqvrum, ber stellvertretend« preußische Regierungschef, fragte ben Obersten, waS er nun mit der Regierung Dorieu beginnen soll. ^Das ist Ihre Sache", eroberte Pinea«, „eine rein inner»euti<6e Angelegenheit. Ich selbst mische mich nicht ein. Ich bi« nur für die Ruhe auf der Straße ver- aniwortlich". Daraufhin veranlaßte Herr Springsrum, daß bie Putschminister auf bie Straße gcs tzt ivnrden. Bei einigen davon geschah das recht unsanft; der Umerricktsminister
Krämer liegt mit einer Kopfwunde im KrankenbauS. Dsrtcn 4
kam körperlich dabei am besten weg, weil der VbrrregitAlMgS» rat ihn persönlich hinausbefördertr. Fünf Personen, die sich an der Züchtigung der Herr« besonders intensiv beteiligt hatten, wurden von französischem Militär verhaftet, «ch Abend aber wieder freigelaffen. Wie bte »Frks. Zig.^ weit« hört, wurde der „Justizministerâ Eckermann nicht bloß etti der Demokratischen Partei, sondern auch auS dem Anwalts- verein ausgeschlossen. Die AnwaUSkammer wird sich eben- falls mit dem Mann« beschäftigen. Sämtliche Richter faßte« den Beschluß, sich ebenso wie die übrige D«qmtergch<fft d« Dorteuschen Regierung nicht unterzuordnen.
Die Stim
Hlllil«
lg M Oberschleflm. -
In Oberschsesien haben sich alle Partei« zur Abwehr zusammengeschioffen. Diese Bewegung fand gestern ihr«i Ausdruck in der Gründung des „Z«tral-VolkSratcS für Ober* schlesim", in dem alle Partei«, von den Dentschnational« bi» zu ben Unabhängig« zusammengrschloff« find. Der Zentralvolksrat hat keine behördliche Aufgabe, er kontrolliert nur bie Behörden im deutschen Sinne. Sein Programm ist ein großzügiges Kulturprogramm. Man will der ober- schlesischen Bevölkerung die Vorzüge der deutschen Kultur nahe bringen. Der Zmtral'VolkSrat ist vorläufig als Unterausschuß aller Oppelner Partei« gegründet. Er besteht zu^ nächst aus fünf Mitgliedern und soll demnächst noch ergänzt werden durch Hinzutritt von Rbgesandt« aller oberschlesischen Landkreise. Borläufig soll dieser Zentral-VolkSrat bie nationale Stimmung, die jetzt in Otzerschl^ien herrscht, meik* pflegen und erhalt«.
Die Vollstreckung des Todesurtetts an
- ^ MM Müwch«». 4.. Ium. 7
Die Vollstreckung deS TodesurieilS an Levine-Rissen ist unter Beobachtung aller gesetzlichen Vorschrift«, aber unter Abkürzung der Formalitäten geschehen. Er hat Briefe schreiben und eine Stunde mit seiner Frau sprechen können. Von seiner Mutter und secier Schwester hatte er sich schon nach seiner Verurteilung verabschiedet. Diese hat er seitdem nicht mehr gesehen. Er wurde in einem Hof des Strafge- fängnisses in Stadelheim gebrockt. Das standgerichtliche Urteil und die Entscheidung des Gesamtministeriums wurden ihm verlese«. Er weigerte sich eine Sinde vor die Äugend zu nehmen und sich an die Wand zu stellen. Dmch ein Kommando von zehn Soldaten wurde das Urteil dann rasch und ohne Zw.jchensall vollstreckt. i
Die revolutionäre Bewegung in Frankreich.
DDP. Genf, 6. Juni.
Nach dem ^Rouvelliste de Lyon" steht Frankreich Vor dem Beginn einer revolutionäre Bewegung. In St. Deuis nahm eine Versammlung der Metallarbeiter eine Tagesordnung an, in der bie Regierung aufgefordert wird, ihre Plätze den Sowjets zu räumen. Die Tagesordnung beschuldigt die Regierung weiter des Verrates an der Arbeiterklasse und sprrcht ihpe Unzufriedenheit mit den Führern des allgemeinen Arbeitervundes aus. DaS Blatt versucht die Bewegung al#, ein Produkt deutscher Agitation hinzusteüen.
Die deutschen Internierten in der Schweiz.
WR Ber«, 5. Sunt
Nach der „Genfer Suisse" hat die Entzente die E-rlEbn^i-s erteilt, deß die letzten deutschen kranken Internierten nach DvutsckMnS zurücklehren können. Es handelt sich um 3000 Mann, die wahrsch-eurlich am 17. ds. die Schweiz verlassen werden. Die Rückkehr der iibtrisen deutschen Internierten fft noch nicht öe- fÄrnmt werden.
DDP. Der
Kleine Nachrichten.
Deutsch Nationale Parteitag verschoben, der Deutschen-Nationalen Volkrpartei, der
Der Parteitag
Ende dieses Monat» in Berlin stattfinden sollte, ist wegen der schwebenden Friedensverhandlungen nunmehr1 verschoben worden. Er soll, wie die .Kreuzzeitung' meldet, im September stattfindeu.
DDP. Streik in Greifswald. Hier find bie kausmLuni« scheu An-esteKrcil wegen mcht bewilligter Gehzltsfordrrung« in bm Ausstaub gewân. Um die Lebensmittelversorgung^ der Bevölkerung nicht zu stören, haben sich bk Hands«mgr« gehlsten dem Lebensmittelamt zur VerfâgMK gesüßt