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Hanauer K Anzeiger

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General-Anzeiger

AmNllhes Organ für Stadt- und Landkreis Sanan.

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Verantwortlich für die Redaktion: Gustav Schreckes für Anzeigen u. Reklamen: Aug. Brodt, beide in Hanan.

Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. 9

Doiincrstast den 5. Juni

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1919

Die Hochverrats-Groteske im Westen

Frankreich und die Rheinische Republik.

Von dem Augenblick an, als Ansichten veröffentlicht wurden von der Notwendigkeit, den preußischen Staat zu zerlegen, um so ein Aebergewicht gegen die anderen Glied­staaten zu beseitigen, setzte im Rheinland e.ine Bewegung ein, um dort mit der Hauptstadt Köln einen rheinischen Staat zu schaffen. Die Befürworter dieses Gedankens haben zwar stets hoch und teuer versichert, die Rheinlands wollten unentwegt dem Reiche treu bleiben, begegneten aber im Lande selbst starkem Mißtrauen. Denn während nm öffentlich die Reichstreue bekundete, flüsterte man im geheimen, das Wünschenswerteste fei doch die Errichtung eines Pufferstaates, der dann Anschluß nach Westen neh­men könnte. Einst, als sich 1830 Belgien von den Nieder­landen losriß, hatte man von dort aus auch die Rhein­lande zum Abfall zu verlocken gesucht. Seitdem sind fast neunzig Jahre vergangen, und auch im Rheinland schien der Eondergeist erloschen, aber es bedurfte nur des Zu­sammenbruchs der Zentralgewalt, um alle gebannten Seiftet zu entfesseln.

In Köln herrschen die Engländer. Alle Zeitungen er­scheinen unter ihrer Zensur, und während die Amtriebe für den.Sonderstaat unbehindert blieben, wurde ein Watt wie derWächter am Rhein", der diesen Machen­schaften entgegentrat, unterdrückt. Darüber hinaus ging dk Tätigkeit der Engländer wie auch Amerikaner nicht. Anders die der Franzosen. Im eigenen Besetzungsgebiet Mgen die Franzosen noch ganz anders vor. Durch Äbschie-

firniß zu machen. Man köderte sie nicht nur mit Lebens­mitteln und Leckerbissen, auch mit kostenlosem Unterricht in der franKsischen Sprache. Und nun schien der Boden ge­ebnet. Jetzt traten sie offen alsBefreier" auf, jetzt wurde die linksrheinische Republik ausgerufen. Daß hier ein­seitige französische Mache vorliegt, beweist, daß weder in Köln noch in Koblenz etwas geschah, nur in Mainz und Wiesbaden erschienen die Plakate ohne Unterschrift. Vor- hergeMngen war ein mißlungener Versuche die Rheinpfalz als Sonderrepubli! auszurufen; er endete mit einer großen Prügelei in Speyer. Dieselbe Gesinnung, die sich dort zeigte, herrscht aber auch in der gesamten Bevölkerung von Mainz und Wiesbaden, man trat dem Geist der Zeit ent- hrechend in den Generalstreik ein, Arbeiter wie Bürger­schaft, und läßt sich durch Verhaftungen ebensowenig be- itten wie durch angedrohte Aushungerung. Mittlerweile trat wenigstens ein Mitglied derneuen Regierung" aus dem Dunkel hervor, ein Staatsanwalt Dorten, vom Nie­derrhein stammend und feiftIahren Kurgast in Wiesbaden. Auf diesen Fremden mußten Sie französischen Generäle zu- Eckgreisen, um ein ihnen gefügiges Werkzeug zu finden. Herr Dorten,Präsident der rheinischen Republik", be- sleißigt sich einer Sprache, die stark an die des Dr. Lipp erinnert, als der noch Präsident in München war. Gegen Militarismus und Feudalismus als ob am Rhein noch eine Spür desFeudalismus", der Adelsvorrechte zu fin- kn wäre! Aber der springende Punkt der ganzen Be­rgung zei^t sich in dem Verlangen, daß die neue Re­publik auf der Friedenskonferenz vertreten sein solle. Für den Fall, daß Deutschland die Unterzeichnung des Cle- menceau-Frieben's ablehnt, will ja Frankreich nur noch Mit den einzelnen Staaten verhandeln. Es mußte sich überzeugen, daß diese rundweg diese Zumutung ablehnten. And so 'schuf es sich denn aus dem ihm eingeräumten biete einen neuen Staat, mit dem es nun entschlossen scheint, selbständig zu verhandeln. Der Reichsregierung bleibt gar nichts weiter übrig, als zu protestieren. Macht gegen die Hochverräter hat sie nicht, seit jenem Tage, als nach den Worten des damaligen Kanzlers Max von Baden, ote allerdings ganz anders gemeint waren, Deutschland sich selbst besiegt hat, indem es sich vomMilitarismus los- !°gte. °-

Die Antwort der Entente kurz nach Pfingsten überreicht?

DDP. Versailles, 5. Juni.

Wie offizielle Londoner Meldungen besagen, be- °bsichiigt Lloyd George über Pfingsten in Paris zu bleiben. Diese Meldung im Zusammenhang mit anderen Anzeichen läßt den Schluß zu, daß die Ueberreichung der Antwort °n die deutschen Delegierten sich noch um einige -nage ^zögern und vielleicht erst unmittelbar nach den Pfingst- ^itaatB itattjinden wird.

in

Gegen eine rheinhessische RepMik.

WB. Darmstadt, 4. Juni.

Im Ständehaus fand heute eine interfraktionelle Sitzung Anwesenheit der Regierung statt, bei der folgende Ent-

schließnna gefaßt wurde:Die heute zu Fraktionssitzungen in Darmstadt versammelten.Mitglieder der hessischen Volks­kammer erheben entschftdcn Einspruch dagegen, daß ihr Präsident und vier weitere Miial eder der Volkskammer um ihr Bekenntnis für die deutsche Einheit von den französischen Desatzungsaewalihab-'rn in Rheinhessen in Haft genommen worden sind und damit an der Ausübung der ihnen als Abgeordneten übertragenen Volksrechte gehind'ert werden. Die versammelten Mitglieder der hessischen Voftskammer erwarten, daß die französischen Gewalthaber das Recht des Deutschen zur Treue gegen das deutsche Voik wiederherstellen und die Verhafteten sofort freigegeben werden. Die Ver­suche kleiner Kreise, Rheinhessen vom Mutterlande loszu» lösen, weisen die gewühlten Ve irfter des hessischen Voftes als Hochverrat zurück. Sie sehen in der Ausrufung der Rheinischen Republik nur die Absicht, das linke Rheinufer französisch zu machen. Die versammelten Abgeordneten er­innern feierlich an die Erklärung der rheinhefsischen Vokks- kammer-Mftglieder in der öffentlichen Kammersttzung am 23. Mai. Einzig diese Erklärung und die unzweè^evüge Haltung der rheinhe fischen Bevölkerung am 2. Juni betrachten mir als den alleinigen wahren Ausdruck des Volkswillens in Rheinhessen: Die Lande kmks und rechts des Rheins find deutsch 'und müssen deutsch bleiben,

Kleine Nachrichten

Völker. Allen, die im Kampf fâs Rheinhessens Freiheit und deutsches Volkstum stehen, sprech»« wir Anerkennung, Trerre und tatst ästigste UuftrMtznng aus. Wir erwarten, daß alle in diesem Kampf rmder alles Völkerrecht ihrer persönlichen Freiheit beraubten Landsleute schleunigst freigelassen ,verden."

Weitere Treibereien im badischen Hanauer Land.

= Karlsruhe, 5. Juni.

Die hochverräterischen Treibereien im besetzten badischen Hanau dauern noch an. Essern und vorgestern fanden an verschiedenen Orten, u. a. in Odelshofen, neue Versammlungen statt, in welchen für den Anschluß an Frankreich propagiert wurde. Es wurde ein Gesuch eit den französischen Senat um Uebernahme des besetzten Gebiets in den französischen Staatsverband abgesandt. Dieses Schriftstück trägt 24 Unterschrift««. Die einzelnen Namen sind nicht bekannt, doch weiß man, daß zu den hauptsächlichsten Verrätern der Kaufman« Weber in Kehl und der Lehrer Heck zehörE, welche u. a. auch Unter, schriften für die Franzosen gesammelt habe«. Die fran­zösische Militärbehörde fordert die Gemeinde Kehl auf, eine Reichsanlage zu stellen, mit dem Hinweis darauf, daß Kehl eine große französische Earni^n werden würde.

Keine Lânsmöglichkeit.

WB. Wien, 5. Juni.

Unter dem Eindruck der harten Fri^nSdedingungeil der Entente trat der Hauprsusschuß unter dem Vorsitz des Pcäfi- benten zu einer Beratung zusammen. ©taafS'etretär Bauer rftaiteie einen eingehenden Bericht, aus dem sich ergibt, daß bei einem Festhalien der Enteme an d « gestellten Bedingungnr eine Ledensmöglichkeit für die deuisch-österreichi che R-rmtftrk nicht gegeben erscheint. Der Bmcht Bauers fand bei den Vertretern aller Psrteirn ein mutige Zustimmung. ^Es wurde davon Kenntnis genommen, daß sich Präsident Sfttz, V-ze. Präsident Fink mtb StaatssekrrtLr Bauer heute abend nach Feldkirch begeben, um mit dem ®t«ai5f«n<ler Renner, der dort in den nächsten Stunden eiui' isst, in unmittelbare Füh­lung zu treten. Die drei Beamten weiden am Frcuag nach Wien ztriückkehrcn, um dann leiort dem zusammei tretenden HaupiauSschutz zu benoten. Wie die Pläsier melden, war her Eindruck, den die FnedenSdedrngungen auf die in W en an Ive senden Avgeordneren machre«, iiiebericbme-ternb. In parlamentarischen Kreisen wird erklärt, daß die Friedeus- bebingungen die schlimmsten Befürchtungen übertreffen. Sie werben in der gegenwärtigen Fassung alS unannehmbar und der Friede als ein Henkerdfriede bezeichnet. Man glaubt, daß die deutsch-österreichische Delegan-n dadielde Be>fahren anmenben weroe, wie die deursche und daß m der de ursch- öfterretdüi^en Aniwrnntzte ;n Âorm von Gegenvorschlägen unb Kegenöußerungeu oeu fèiuenh mästen daS Unannehmbare dieser FnedeuSbedingrt«scn bewiesen wirb«

Die Antwort der Alliierten.

DDP. Basel, 5. Juni.

Ueber die voraussichtliche Antwort der Alliierten auf die deutschen Gegenvorschläge und ihren vermutlichen Inhalt berichtet der meist gut unterrichtete Bericht, erstatte! derBaseler Nachrichten": Die Ansicht über das Datum der Unterzeichnung des Friedensvertrages geht weit auseinander. Der Viererrat verhandelt gegenwärtig über die Frage von Oberschlesien, in der den Deutschen vermutlich einiges Entgegenkommen gezeigt werden soll. Der Rat braucht dazu Zeit, mindestens bis Ende der Woche, um seine Gegenvorschläge auszuarbeiten. Mitte nächster Woche sollen diese überreicht. Man will den Deutschen dann eine ziemlich kurze Frist einräumen, jedoch nicht weniger als sieben Tage, sodaß als Zeitpunkt der Unterzeichnung der 20. Juni in Frage kommt.

Die Lage im Pariser Generalstreik.

DDP. Versailles, 5. Juni.

Die Streitlage in Paris und in Frankreich ist im Einzelnen etwas verschärft. Man rechnet mit der Mög­lichkeit einer weiteren Ausbreitung des Streikes. Vor allem droht ein Eisenbahnerstreik. Die Pariser Eisen­bahner sind für Freitag zu einer großen Versammlung einberufen unh einzelne Gruppen unter ihnen beabsichtigen den Generalstreik unter den Eisenbahnern zu beantragen. Auch das Erscheinen der Zeitungen ist morgen in Frage gestellt. Die Zeitungsdrucker streiken heute abend. Ferner forderte heute eine dringliche Sitzung der Gewerkschafts­vertreter aller Elektrizitätswerke den Streik. Auch in der chernischen Industrie verlangt man den Streik. In der Pariser Metallindustrie hat die Zahl der Aus-

n 300000 bereits üoerMLiueu. -ft-

P. P. N. er

Gebiete im

DDP. etaeislwMriifiat für die besetzten EeLieLe. Whe ine iführen, ist zum Staatskommiffar für dis befetten

Westen der bisherige RegiermigsPräsident von Köln v. Starck aussrwählt worden.

DDP. Tie et iBur.fi der Lcvtjch-demolratkschen Frabtran zu den FriedensbcdèngunAen. Die deutfch-demorratftchs Frakrion her NationülvcrfüNimlnng hat, wie disVoffische Zeitung er, fährt, in drei vielstüadtgen Fraftionssitzimgen zur Verfminugs, frage und zur politischen Lags Stellung genommen. Die Hal­tung der demokratischen Mitglieder des BerfapungsLUsschu.ges während der ersten Lesung der Verfassung fand in allen wesent­lichen Punkten die Billigung der Fraktion und auch über ihre Stellungnüchms in der heute begonnenen zweiten Lesung wurde weitgehende Einmütigkeit erzielt. Die Aussprache über die po- ljtisâ/e Lage ist zwar noch nicht allgeschloffen, doch sann schon jetzt festgestellt werden, daß die Fraktion nach reiflicher Durch­prüfung des Für und Wider mit garrz überwältigender Mehr­heit aus ihrem Standpunkt verharrt, den uns von unserer Fein­den gebotenen Vertrag abzulechnen, falls die Verhandlungen ni^t zu ganz grundlegenden Abänderungen führen.

DDP. Schießerei in Wanser. Das Kommando Luttwch teu$ mit: In der'Nackt vom 3. zum 4. Juni kam es vor dem Quar­tier der Minenwerferiompegnie der Diuchion Lettow ru Wanses zu einer Sckftßerei. Ein Automvbik mit besetzten Zrvâsten verfuck-te die Woche zu überrumpeln. Die Wache gab ^uer. Darauf erwiderten die Insaffen des Automobils mit Eswehr» und Handgranatenfeuer. Die rasch alarmierte Maschineirgewchr- kompagirie griff ein und vertrieb bk Angreifer, die in des nahen Wald flüchteten.

DDP. 5k Leiche Lrr Frau Ro,a Luxemburg festgcchllt. Die Leiche der Frau Rosa Luxemburg ist, derMorgenpost zusorge einwandfrei feftgefieUt worden. Eine Anzahl von trauen u<e die Berstorbsiie näher gekannt haben, sowie die lämglahrige Sekretärin und Freundin haben die Leiche als dre der ^rau Lurenbura ideutiftziert. Auch die Handschuhe und das Jie» ballten, die den Zcug^a gestern vorgelegt wurden, wurden als Eigentum der Surer.bürg erkannt. Darauf yt die .^erche zur Beerdigung fteigegcbsn worden.

DDP Neue Sircitgeführ in Berlm. SB« dieMorgeiipost berichtet, verlangen, nacktem die Groß-Berliner Gemeinden ihren Angestellten neue Enkschuldungsberhftien non 1-^00 Mk. für die Verheirateten und von 1100 Astarlsur die Unverheira­teten gewährt haben, auch die Angestellten der Großen Lerltner Straßenbahn die gleichen Beihilfen. 0« das U'rternehinen würde das eine Ausgabe von 12 Millionen Mark bedeuten, ft ist den Fall der MMbcwillvgung di-c,fer' Fordernng droh-e-n die Angestellten mit dem Streik, der vielleicht gerade in den Psmcht. ^^OIU^'Hertri^gs-^ für Deutschland. Ractchem Sckwierigkeiten in der Bezabkungsfrage bisher das Abkommen nerhiutert halbe, ist nuninehr die Ausfuhr von 1^ Mânen Fässern Heringen uni) 10 000 Tonnen Speisezett nml) DerUsch, land für 80 Millionen Kronen Gesamtwert gesichert. Die Der- schifsung soll demnächst beginnen. .

DDP. Protest gegen das Uriel Seines. Dar Arbeitsausschuß ber U. S. P. in Dünchen nerlangte in einem Telsgramin an lüe Regierung Hoffmann die Aufhebung des Urteils gegen

Di P. Kohlenliefeeung von Deutschland' noch Holland. Bis auf weiteres werden täglich zwei Kohlenzüge mit je 55 Wagen von Deutschland nach Holland ab geben.

DDP Die SLd-El»Wâr «atWennt durch England. Slovmft meldet aus Belgrad: EnMiid bat offiziell den W«^ Staat anerkannt.