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Auseinandersetzung i

Das Hundertmilliarden-Angebot.

Je länger die Kunde in den Geistern fortwirkte, daß die Reichsleitung sich dazu bereit erklärt habe, an unsere feinte eine Kriegsentschädigung in der ungeheuerlichen Höhe von 100 Milliarden zu zahlen, desto tiefer mußte die Besorgnis werden, daß dem deutschen Volke hier vielleicht doch eine Last aufgebürdet werden sollte, die zu tragen leine geschwächten Schultern nicht fähig sein würden. Es «ar ferner zu erwarten, daß sich die Stimmen der Kritik m diesem Angebot in wachsendem Umfange mehren wür­den, denn in der Tat gibt es ja niemanden bei uns, der die nie dagewesene Höhe dieser Offerte nicht ihrer ganzen Bedeutung nach einschätzte. Zunr stürmischen Anwalt aller erwarteten Einwände macht sich jetzt in derKreuzzeitung" der frühere Vizekanzler und Staatssekretär des Innern Dr. Helfferich, der sein uneingeschränkt absp rechend es Ur« teil außerdem auf seine Erfahrungen als Bankier und praktischer F.invnzmann stützt. Herr Dr. Helfferich erklärt zu einem derart weitgehenden Anerbieten hätte nicht der geringste Grund vorgelegen. Sogar unsere Feinde hätten die Summe der von uns zu zahlenden Entschädigung offen gelassen. Sie sollte erst bis zum 1. Mai 1921 festgesetzt wer­den. Inzwischen sollten wir 20 Milliarden in Gold oder Waren und sonstigen Werten und dann einen weiteren Setrag von 40 Milliarden in Schuldverschreibungen be­zahlen. Darauf hätte dieKommission für Wiedergut- mchung" zu prüfen gehabt wann uns ein weiterer Betrag m 40 Milliarden in Schuldverschreibungen auferlegt und »eiche weiteren Zahlungen späterhin etwa noch von uns MMs-pL w erde n Miâ, ^^iÄÄijäta(Ä daß unsere Leistungsfähigkeit mit 20 Milliarden in bar ober in Werten und 40 Milliarden in Schuldverschrei­bungen, also mit 60 Milliarden Mark für absehbare Zeit erschöpft sei. Unsere Regierung aber biete eine Leistung bis zu 100 Milliarden Goldmark an. Das deutsche Volk aber, so schließt Herr Helfferich könne sich später einmal nicht über Vergewaltigung und Unterdrückung beklagen, denn es gestatte seiner eigenen Regierung dem deutschen Kolke Eklvivenbrief und Todesurteil auszustellen.

Jedermann im deutschen Volke und in der deuffchen Re­gierung erkennt die ganze, gewaltige Bedeutung der ange- tragenem Verpflichtung, und es wäre geradezu verbreche­risch, wenn der Versuch unternommen würde, davon etwas obzuhandeln. Wir erwarten auch mit aller Bestimmtheit, b$ unsere Feinde nicht minder als wir darüber im klaren find, was zu leisten wir uns anheischig machen. Im Jn- teresfe des deutschen Volkes aber sollte doch auch nicht ver­kannt werden, daß niemand in der Welt voraussetzen kann, Mj diese 100 Milliarden in wohl abgemessenen Zwischen­räumen in bar auf den Tisch gelegt werden müssen. Unsere Feinde, die über unsere Leistungsfähigkeit immerhin an­nähernd Bescheid wissen, haben selber das Hauptgewicht iatttuf gelegt, als Gegenleistung in erster Linie nicht Me- taU, sondern lebendige Arbeit zu erhalten. Deutsche Pro- büste sollen an zahlungsstalt hinausgehen und für das von uns ausgdführte Gold neues Gold zu uns zurückkommen. ' Es handelt sich also nicht um einen einmaligen Vorgang des Eeldaufzählens, sondern um einen auf geraume Frist M-gedehnten Handlungsprozeß, bei dem das Geld als Zahlungsmittel hin und herwandert. Es wird damit an sich wieder produktiv produktiv zu unseren Gunsten und ^init wird, so hoffen wir, das deutsche Riesenangebot auf Menschenmaß zurückgesührt.

Herr Helfferich hat von solchen Erwägungen Abstand benommen, und die Formulierung Dr. Dernburgs vollin- haltlich abgelehnt. Er bekundet damit einen Pessimismus, dem wir uns im Interesse des Ganzen nicht anzuschließen verwögen. Der Tag wird kommen, wo man sich darüber des näheren auseinandersetzen kann, und hoffentlich ist bann das deutsche Volk aus dem heutigen Tiefstand heraus 'M Begriff, die ersten Schritte zum Wiederaufstieg zu tun.

R.

Entspannung in Paris?

Berlin, 2. Juni. (PrivattelegramM)

. Verschiedene Blätter sprechen von einer Entspannung ^ Paris. Der Versailler Berichterstatter derVossischen Zeitung" sagt, es scheine ein Wettstreit vorhanden, Deutschland in vorsichtigen Formen den guten Willen 8 u zeigen. Die bisher zurückgehaltene deutsche Mantel- Me werde in den meisten Blättern ausführlich veröffent- ^t. Die persönliche Autorschaft Brockdorff-Rantzaus werde nicht ohne Sympathie hervorgehoben.

bet den Vorfrieden.1

Was wir heute brauchen.

Dazu sagt dieDad. Volksztg." :Die Generation, welche den großen Krieg geführt hat, besaß heldenhafte Eigenschaften ; unvergänglich bleibt ihr kriegerischer Ruhm, unvergänglich das stille Duidertum deutscher Mütter und Frauen, unvergänglich das lautlose Sterben derer, die an Entbehrungen zugrunde gingen und wie die Krieger draußen im Felde ihr Leben dem Vaterlande und dem Volksglück hingegeben haben. Erst einer weiter abliegenden, daher sachlichen Geschichtsschreibung wirb es mo-lirb sein, all das zu würdigen, was unser Geschlecht geleistet und geschafft hat. Und doch, Deutschland braucht ein neues Geschlecht! Das Heimgegangene hat au'sgespielt, es hatte nicht die letzte Kraft, um das Letzte siegreich zu überwinden und alles zu retten! Wir brauchen ein neues, ein hartes, nüchternes Geschlecht. Vielleicht werden ihrer mehrere sogar dahin­gehen, bis die Zukunft uns heller erleuchtet; es werden Geschlechter der Arbeit, des stillen, lautlosen Heldentums sein müssen. Bei der Jugend werden wir beginnen! Hart soll sie werden und nüchtern. Hart, nicht hartherzig. Hart gegen sich selbst, damit sie nicht verzagt. Noch niemals ist ein Volk, das sich selbst in scharfe Zucht nahm, daran zu Grunde gegangen; aber die Geschichte zählt UNS die Na­tionen zu Dutzenden auf, die, weil sie sich selber schonten, härteren und darum stärkeren Völkern zum Opfer gefallen sind. Es wird nüchtern sein! Der deutscheTräumer" muß endgültig der Geschichte angehören, oder Deutschland wird nicht mehr auferftehen! Nüchtern vor allem in den Fragen der Beziehungen zu anderen Völkern. Die Pflege außen-

»aixh.teiE alb âân Parteien ohne Unterschied mit besonderer Liebe in die Hand za nehmen sein. Die Welt wird nicht von Theorien gelenkt sondern von sittlichen. Kräften; sittliche Kräfte können der Gewalt wohl zeitweilig unterliegen aber sie können niemals sterben. . . . Aber vergessen wir nicht, daß Härte und Nüchternheit der politischen Anschauung durch­leuchtet werden müssen von der Sonne religiöser Wärme, dann erst empfanden sie jenen Einschlag, der sie zu sittlichen Eroberungen befähigt."

Das Schicksal unserer Gegenvorschläge.

Aus Versailles drahtet ein Sonderberichterstatter derFranks. Ztg.": Noch läßt sich der Eindruck der deuffchen Gegenvorschläge in der Oeffentlichkeit der alliierten Län­der nickt übersehen; das liegt zum Teil daran, daß die Uebersetzung ins Französische'und Englische in Paris erst im Laufe des Freitag beendet werden konnte. Die der französWen Regierung nahestehenden Organe, besonders derTemps", wollen eine genaue Prüfung nicht abwarten, um ihr Verdammungsurteil zu fällen. Man begegnet in ihren Artikeln Ausdrücken wiedeutsche Unverschämtheit" und der Forderung, ein rasches Ultimatum zu stellen. Vor­läufig sind Zweifel daran gestattet daß die Haltung der entscheidenden vier Männer diesen sinnlosen Lügen ent­sprechen wird. Sie scheinen jedenfalls die Vorschläge ein­gehend studieren zu wollen, sodaß die Antwort kaum vor Pfingsten in Händen der deutschen Delegation sein kann. Selbst im Lager der Ehauvinisten fehlt es übrigens nicht ganz an Stimmen, die eine gewisse Berücksichtigung der deutschen Anerbietungen empfehlen; Herve z. B. spricht sich in diesem Sinne aus, was bei seiner bisherigen Haltung bemerkenswert ist. Entschiedene Besorgnis verursachen in chauvinistischen Kreisen die aus Amerika kommenden Mel­dungen, daß man den deutschen Darlegungen über uner­füllbare Forderungen bis zu einem gewissen Grade bei­pflichten könne. An diese Verschiedenheit der Auffassung innerhalb der Entente besondere Hoffnungen zu knüpfen, wäre voreilig, aber auch nicht jeder Ausspruch eines Hetz­journalisten darf für die endgültige Willensmeinung der Alliierten gehalten werden. Gelingt es diesen nicht, die deutsche Unterschrift zu erhalten, so werden zwar die Folgen für Deutschland unabsehbar sein, aber auch die Entente gerät in eine unentwirrbare Lage. Der Friede mit Deutschland ist eben doch die Grundbedingung des Welt­friedens. Erst hat man umgekehrt in der ganzen Welt Ordnung schaffen und dann dem alleinstebenden Deutsch­land den Frieden diktieren wollen, aber die Tatsachen selber ließen dieses Verfahren m<:4 gelingen. Die Frie­densschlüsse mit Ungarn und der Türkei, bei denen heftige Auseinandersetzungen innerhalb der Entente möglich finb, dürsten noch nicht einmal skizziert sein: in St. Germain warten die Oesterreicker bis jetzt vergeblich auf ihr Schick­sal. ImJournal der Debüts" rechnet Gauvain in einer Betrachtung über die Möglichkeit eines raschen Friedens­

schlusses mit Deutschland aus, daß es Hochsommer werde« wird, bis alle Vorfriedensverträge vorliegen. Und erst aus diesen kann der allgemeine Friede definiert werden; wir sind also nicht die einzigen die bei einem Scheiber« bei Versailler Verhandlungen zu leiden haben würben.

Ueber den Vorfrieden.

= Berlin, 2. Juni.

ImBerliner Tageblatt" heißt es aus Versailles! Aus verschiedenen Beobachtungen sei zu schließen, daß sich zur Zeit eme grundsätzliche Auseinander­setzung über dem Vorfrieben Mischen den Alliier ten abspiele.

Oberste Heeresleitung und Reichsreglerung.

WB. Berlin, 1. Juni.

Die Oberste Heeresleitung erließ am 21. Mai eins Rundfrage, um ein klares Bild darüber zu bekommen, wie die Bevölkerung zu einer etwaigen Wiederaufnahme des Krieges stehe. Als die Reichsregierung davon Kenntnis erhielt, nämlich am 27. Mai, telegraphierte sie an die Oberste Heeresleitung, die Rundfrage der Obersten Heeres­leitung vom 21. Mai betreffend Befragung der Bevölke­rung wegen etwaiger Wiederaufnahme des Krieges werde von der Reichsregierung nicht gebilligt; die Reichsregie­rung ersuche, die Umfrage und Beantwortung sofort einzu- stellen, da sie als politisch anzusehen sei und daher über den Rahmen der Tätigkeit der Obersten Heeresleitung hinausgehe. Darauf antwortete die Oberste Heeresleitung am 30. Mai: Gemäß telegraphischer Anordnung der Reichsregierung habe ich die Rundfrage vom 21. Mai ein­gestellt. Ich hätte es dankbar begrüßt, wenn mir vor dieser Mnng>tejif;v^i t otyi^n^oiheiyiji^ mew für die Umfrage datzulegem. Für alle Fälle Klarheit und sichere Unterlagen für die Entschlüsse zu schaffen, vor dir die Oberste Heeresleitung von der Reichsregierung gestellt werden kann, war der Hauptgrund der Umfrage; daneben sprach aber noch ein anderer Grund mit. Nach dem- Ve-> kanntwerden der Friedensbedingungen wurde der General- feldmarschall mit telegraphischen, schriftlichen und münd- lichen Ratschlägen, Protesten und Kundgebungen aller Art überschüttet, aus denen ein oberflächlicher Beobachter leicht den Eindruck gewinnen konnte, als ob Volk und Heer zum Kampf fest entschlossen wären und diesen Kampf auch gegen den Willen der Reichsregierung aufnehmen würden; ja, es geht so weit, daß der Oberstem Heereslei­tung aus manchen Kreisen Mangel an Entschlossenheit'unÄ nationale Lauheit vorgeworfen wurde. Unter diesen Um­ständen mußte ihr besonders daran liegen, ein ungefärbtes Bild über die Lage zu gewinnen, um einerseits auf die Hitzköpfe beruhigend einwirken zu können und andererseits einwandfreie Unterlagen zu erhalten, um die in abseh­barer Zeit mit Sicherheit zu erwartenden Angriffe der Presse und der öffentlichen Meinung mit schlagendem Be- weismaterial abwohren zu können. Die Oberste Heeres­leitung hatte also ebenso wie die Reichsregierung die Ab­sicht, beruhigend zu wirken und die friedliche Politik des Reichs nicht" durch Hitzköpfe stören zu lassen. Die Reichs­regierung baut auf den inneren Rechtswert und die Ueber- zeugungskraft ihrer GcgenvorschUige und nicht auf die Er­neuerung des Waffcnkampfes von unserer Seite; dabei wird es aber ihre dauernde Bemühung sein, die Siche­rungsaufgaben in den Lstprovinzen in keiner Weise ver­nachlässigen zu lassen.

Kleine Nachrichten.

Teutschnationale Anfragen wegen der polnischen Ee» waltherrschaft. Die deutschnationalen Abgeordneten Bud- juhn und Dolezych haben in der Preußischen Landesver- Sammlung folgende Anfragen ein gebracht:Zeitungsbe­richten zufolge verhindern polnische Verwaltungsstellen den Vortrieb deutscher Zeitungen in von den Polen be­setzten Orten. Welche Gegenmaßnahmen gedenkt die Staatsregierung zu treffen um den Vertrieb polnischer Blätter in den unbesetzten Gebietsteilen der Provinz Posen, Oberschlesien und Westpreußen zu verbieten?" Nach Zeitungsmeldungem ist durch Verfügung des Obersten polnischen Volksrats die Handwerkskammer P^ 'n aufgelöst worden. Es ist zu befürchten, daß die de uv - Kammerbeamten ihre Entlassung erhalten werden. TU Fursorgemaßnahmen gedenkt die Staatsregierur.c Versorgung der fest angestellten Beamten der Hand^-c r^- kämmer Posen uhb der Beamten von anderen S^.bu, :r« wültungskörxern in ähnlicher Lage zu ergreifen?"