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Freitag den 23. Mai

Fernsprech anschluffe Nr. 1237 und 1238 Geschäftsstelle utA Redaktion: Hammerstraße Nr. 8

1919

Noten und

Bis 29. Mai verlängert.

WB Versailles, 22. Mai.

Dem Vorsitzenden der deutschen Friedensdelegation in LeriailleS, Graf Brockdorff-Rantzau, ging am 21. Mai fol* Hubt weitere Note Clemenceaus zu :

Paris, 21. Mai 1919.

Herr Präsiden! 1

Ach habe die Ehre, Ihnen den Empfang Ihres Briefes vom 20. Mai zu bestätigen. Sie hatten die Güte, mich darauf hinzuweisen, die Fragen, über welche die deutsche Delegation Bemerkungen vorzulegen wünsche, seien so ver­wickelt, daß die Denkschriften der deutschen Delegation in der Ihnen am 7. Mai gewährten fünfzehntägigen Frist nicht fertig sein konnten. Sie fordern infolgedessen die Verlängerung dieser Frist. In Erwiderung hierauf habe ich die Ehre, Eurer Exzellenz mitzuteilen, daß die all irrten und associerten Regierungen einverstanden sind, dieFrist tiS Donnerstag den 29. Mai zu »erlangern.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner auSgezeichnetcnHochachtung. (gez.) Clemenceau.

Prefseftimmen.

WB Versailles, 22. Mai.

Matin" erklärt, daß die Fristverlängerung um acht läge die letzte Frst bedeute. Die Alliierten würden vier iS fünf Tage zur Prüfung der deutschen Gegenvorschläge enStipen und dann eine sehr kurze Frist zur endgn" ^:n Unterzeichnung des Friedens stellen. LautMatin" tonnte

Nr zwischen dem 10 und 15. Juni erfolgen. LautPellt tzaristen" wird die der deutschen Delegation zu gewährende letzte Frist nach Prüfung der deutschen Gegenvorschläge durch Mr Alliierten 48 oder 72 Stunden betragen.Homme libre" fragt, ob die deussche Delegation die Ve>lânaerung der Frist »irklich beantragt habe, weil sie mit ihrer Arbeit nicht habe Imig werden können oder ob es sich nidjt vielleicht darum sthandelt habe, der Scheidemannschen Regierung dadurch die Herbeiführung einer Einigung in Deutschland über ihre Haltung gegenüber dem Friedensvertrag zu ermöglichen und andererseits den Freunden Deutschlands noch Zeit zum Eingreifen zugunsten Deutschlands zu geben? Habe doch der Papst dem Fürstbischof von Breslau schon mitgeteilt, daß it sich um Milderung der Bedingungen bemühe. Man wisse lud), daß deutschfreundliche Kreise in Amerika auf dasselbe 8>fi hin arbeiteten. Man brauche wohl nicht zu sagen, daß die Entente keinerlei Einmischung in die Verhandlungen, »»her sie auch kommen, dulden werde, so wenig von Ameri­kanern, die gegen Wilson Opposition trieben, wie vom Vatikan, welcher während deS ganzen Krieges nur für Deutschland günstiges getan und niemals gegen deutsche Greuel protestiert habe. Wenn der Papst sich heute zum Verteidiger von Frauen- und Kindermördern, Kirchen- lüindrrn,, Brandstiftern und Verletzern aller Verträge und 8tft^e mache, so zeige er seine Parteilichkeit so sehr, daß Irin Urteil auch nicht die geringste Aussicht auf Berück- Fügung habe. Die Alliierten wüßten, wie sie den Frieden hrrbrizuführen hätten und würden sich von ihren Richtlinien »icht abdringen lassen.

Die Abreise Brockdorff-Rantzaus nach Spaa und weitere Noten.

DDP. Versailles, 23. Mai.

Sm Augenblick der Abreise des Grafen Brockdorff wurden gestern abend ^jlO Uhr von der Entente zwei Moten überreicht. Die eine bezieht sich auf den Völker- bund, die andere gibt eine Antwort aus die erste Wirtschaftsnote Deutschlands. Der Inhalt der beiden Moten ist nocht nicht bekannt, da sie Graf Brockdorff beide «ach Epaa mitgenommen hat. Es heißt nur, daß sie im tone schärfer und herausfordernder sein sollen als alles, was wir schon von der (Entente, erfahren haben. (Voss. Ztg.)

DOP. Berlin, 23. Mai.

Nach einer Drahtmeldung der Voss. Ztg. aus Versailles ist gestern mittag der deutschen Abordnung die Antwort der Entente auf die deutsche Kriegsgefangenennote über­reicht worden. Diese Note ist wiederum vollständig ab- tehnend, obwohl es sich um eine Frage der Menschlichkeit handelt. Wie der Volkszeitung dazu berichtet wird, hat bie Antwort außerordentlich enttäuscht, weil sie in einem sehr unversöhnlichen Geist gehalten ist und dem deutschen Wunsch in keiner Weise Rechnung trägt.

DDP. Versailles, 23. Mai.

Für den Aufenthalt Scheidemanns und der deutschen Delegation in Spaa ist eine Dauer von 24 Stunden ^Lesehen^

Gegennoten.

DDP. Versailles, 23. Mai.

Der Friedensausschuß der Berner Sozialistenkonferenz, der auf seinem an den Viererrat gerichteten Protest gegen die Friedensbedingungen keine Antwort erhalten hat, beauftragte Longuet und Ramsay Macdonald an Lloyd Georg zu gehen und eine gemeinsame Konferenz des Viererrats und des Friedensausschusses der Arbeiter zu fordern. Es wurde darauf schriftlich die Antwort erteilt, daß nach der Meinung der Ententestaatsmänner eine derartige Konferenz keinerlei sachliches Resultat haben könne und daher abgelehnt werde.

DDP. Haag, 23. Mai.

Nach einer Reutermeldung aus Paris sind Anzeichen für die Annahme vorhanden, daß die Ententemächte eine Woche zur Prüfung der deutschen Gegen­vorschläge brauchen werden. Sie werden den Deutschen drei oder vier Tage zur Untersuchung des dann definitiv fertigen Vertrages bewilligen, sodaß die Unterschrift, meint das Reutersche Bureau, am 10. Juni erfolgen dürfte.

Vor wichtigen Entschließungen.

, Berlin, 23. Mai.

In bet gestrigen Kabinettsitzung ber Reichsregierung ist, wie dieFrkf. Ztg." erfährt, beschlossen worden, daß die Hauptmitglieder des Kabinetts, die Herren Scheidemann, Erzberger, Dernburg und außerdem der mit den Friedensarbeilen betraute Botschafter Graf Bernstorff abends 6 Uhr mit Exirazug nach Spa fahren. Dort trifft MtMMWM^MEttK 1 ** ati o n ein und zwar, soviel wlr hären, vollständig : Graf Rantzau, Landsberg, GiesbertS, Leinert, Dr. Mel» ch i o r und Professor Schücking. Das deutet auf Be­ratungen hin, die wohl die Gesamtfragen der sogenannten Friedcnsbedingungtn und jedenfalls alle Hauptfrage« umfassen werden, denn die letzte Zusammenkunft . in Sv«, an der Dernburg, Wissell, Töpfer und Rantzau, Melchior und War­burg teilnabmen, galt nur bestimmten finanzi-Hen und wirte schaftlichen F-agen. Diese Sitzung in Sp» kommt einiger­maßen überraschend, zumal da btt Entente eben erst eine Verlängerung der Frist für die Einreichung unserer Friedensvorschläge und Antwort um eine Woche bewilligt hat. Man scheint sich von der Notwendigkeit dieser Be­ratungen erst in den letzten 24 Stunden überzeugt zu haben; aus welchen Gründen, ist nicht bekannt. Vielleicht ist man der Meinung, daß die Entwicklung der Dinge nicht schneller sich abspielen konnte, als man bisher für wünschenswert und möglich gehalten hat, namentlich nachdem die Frist für unsere Gegenvorichläge verlängert worden ist, wobei allerdings aus dem Ententelager Stimmen laut werden, daß nach dieser Verlängerung auf ein baldiges Ja ober Nein gedrängt wer­den würde. Hält man das für wahrscheinlich, dann würde man verstehen, daß die Regierung sich zu einer Sitzung aller ihrer in Frage kommenden Mitglieder auf dem halben Wege in <^pa entschlossen hat, um sich für alle Sötte über die Hauptfragen und die wichtigsten Entscheidungen innerhalb des Kabinetts selbst klar zu werden, falls, wie es ja bei einem so umfassenden Werk und der Kürze der bisher zur Verfügung stehenden Zett begreiflich wäre, nicht über alle wichtigen Entscheidungen und Möglichkeiten Uebereinstimmung bestehen sollte. Man hat jedenfalls den Eindruck, daß eS sich bei dieser Zusammenkunft der Reichs« egierung mit der Friedknsdelegation in Spa um sehr wichtige Ent­schließungen handeln muß, auch um solche, die in knapper Formulierung feit vierzehn Tagen die Oeffentlichkeit täglich beschäftigen.

Vorbereitungen unserer Gegner.

Berlin, 23. Mai.

Nach einerTageblatts-Meldung aus dem Haag be­richtet Reuter aus London: Der englische Oberstkomman- ditrende Lord Robertson besuchte die B-satzungsarmee in Koblenz und konferierte mit dem belgischen Ober­kommando. Es ist kein Geheimnis, daß die aUiieitcn Trup­pen überall bereit sind, den Aufmarsch zu be­ginnen, wenn dies nölig sein wird.

= Berlin, 23. Mai.'

Die Ententkvorschrift an die Neutralen, den Handels­verkehr mit Deutschland sofort abzubrechen, falls Deutsch­land den Vc-sailler Vertrag n cht unterschreibt und zwar unter Androhung der Blockade eines «iva löiberipenftigen neutralen Staate«, ist auch der fchwed. chen Regierung aus Paris zu.egaugen. B.s heute har bitte zu tue ein neuesten Pariser Sklavereiedikt, rote es in derVoss. Z g." hecht, noch nicht Stellung genommen.

Ein Putschversuch in der Pfalz.

WB. Mannheim, 23. Mai.

Die vier Führer der 21 Landauer Herren, welche auf Sonntag die selbständige Republik Plalz auszurufen versuchtes dann von den deutschen Gerichtsbehörden verhaftet, aber auf Veranlassung der französischen Behörde wieder freigelaffea wurden, sind Nahrungsmittelchemiker Dr. Haaß, Holzhändler Ferd. Schenck, Architekt Müller und Teppichhändler Hafer,' sämtlich ans Landau. ES ist der Beweis erbracht daß die französischen Behörden hinter diesem Putsch­versuch standen, was daraus hervorgeht, daß sie die Verhaftung der deutschen Beamten Vornahmen und auch den Bürgermeister von Landau festnahmen. Das Be­lastungsmaterial, das den französischen Behörden wieder aus- geliefert werden mußte, gibt die Ansprache bekannt, welche Chemiker Dr. Haaß an die Beamten der pfälzischen Re­gierung zu halten beabsichtigte in dem Augenblick, w» bis Republik der Pfalz auSgerufen wäre. Sie lautet:

Meine Herren! Im Namen des Pfälzer Volkes habe vH heute die Pfalz als selLsiändrg neutrale Republik erklärt. Herr v. Winterstein, der sich dem Willen Les Volkes ent« geyenjetzte, ist seiner Stclln'ng als Re^ierLngspräfidsnt ent­hoben und verläßt heute die Pfalz. Ich habe heute die vor­läufige Wahrnehmung der Eejchäfte des Präsidenten üben» nommeir. An Lie, meine Herren, richte ich die Frage, ob Sie in dem kneugegrLnLetem Staat ihre Aemter beiLehaiien wollen und sich der schwierigen Aufgabe der Reuorgamisationl' der Regierung unterziehen wollen. Die Pfalz als neutrale selbständige Republik ist bereits von der französischen Be« saiunasbèhörLe General Eevard anerkannt und wird als solche gejckützt und unterstützt werden. Di« Art der Re­gierung und Perwelturg des Landes wird vorläufig nicht geändert werden. Alle Teamten, die sich auf den Standpunkt! der neuen Regierung stellen, sollen im Amt bleiben, für Be­amte, die nickt loyal der neuen Regierung gegenüberstehs« und derselben entoegensiehen, wird kein Platz mehr im Laads jein. Ich bitte die Herren, eine Erklärung hierüber abzuzeben.

In der Pfakz fff in ber ganzen Bevölkerung die Em­pörung über den Verräter außerordentlich groß. Man weiß, was man von der französischen Behörde zu erwarten hat.

Die österreichischen Friedensbedingungen.

DDP. Versailles, 23. Mai.

An die deutsch-österreichische Abordnung in St. Germain wird der Entwurf des Friedensvertrages erst im Laufe der nächsten Woche überreicht werden.

Englisch - bolschewist. Gefangenenmlstausch,

DDP. London, 22. Mai.

Das Reuterbüro erfährt, daß ber bolschewistische Marine« kommistar R-skolnikow und ein anderer Bolschewist, die sich augenblicklich in Gefangenschaft in England befinden, gegen etwa 20 in Moskau gefangen gehaltene Offiziere ausgetaufcht werden sollen.

Militärisches Vorgehen gegen Versammlungsteilnehmer.

DDP. Berlin, 22. Mai.

In vorgerückter Abendstunde erfährt derVorwärts", daß Donnerstag abend in Schöneberg eine Versammlung, in der Hauptmann v. Becrfelde sprechen sollte, von militärischer Seite aufgelöst worden ist. Während die Soldaten dir Ver­sammlung sprengten, stand unten schon ein Auto, dessen Maschinengewehr das Publikum bedrohte. Als' die Ver­sammlungsbesucher in großer Aufregung herunterkamen, raste dieses Auto wieder daher, voll gepfropft mit Soldaten, du ihre Gewehre drohend auf das Publikum richteten. Auf einmal ging von den Soldaten ein' wildes Geschießr los, das zur Stunde, 11 Uhr nachts, tn erhöhtem Maße anbauert Die unbewaffneten Zivilisten konnten sich kaum retten. Od Opfer zu beklagen sind, ist noch unbekannt. Nach den Gründen dieses, wie es scheint, wahnwitzigen Gewaltstreichs befragt, gab der rommanoietenbe Offizier nur eine unklare und ausweichende Antwort, die sich auf irgend einen nicht näher bezeichneten höheren Befehl berief.

Menschlichkeit?

Berlin, 23. Mai. (Telegramm.)

Die Amtwort der Entente auf die deutsche Kriegsgefangenen, nate, die der ieutiSen Abordnung gestern mittag überreicht wurde, ist lautPoss. Ztg." wiederum vollstänbig ab­lehnend, obuohl es sich um eine Frage der Menschlichkeit handelt. In einem LersaiLer Tericht derDeutschen Allge­meinen Zeitung" heißt es unter ber UeberjchrißtDie Beschimip- funv unserer Kriegs gefangenen: Die Antwort zeigt uns die ganze Unerbittlickkeit der Gegner und ist in der unverkenn- barcn Absicht abgrsaht, Teutschland durch das Unerhört«, was seinen Kriepsgei«ng«n!en im Falle der NickMnterzeichnung be, vorsicht, zur Unterzoichnung des Schmachfriedens zu zwirngen. Andorerstits versucht man, Teutschla-rd vor aller Welt neuer« binifs n it Ed ar.be zu beweisen, indem die deutschen Kriegs-- tefcrfatn als mindern ertig Eingestellt werden. Es wirh E,ade ter teuf, den 8ustlärung sein, nunmehr nlckfichtslos dis ^aMreicen 8. erbrechen der Arlt mitzuteilen, die von franzt jiWw L oldvteu in deutscher Eefangen sch asst verübt wurden. Die Antwort auf die Eefangenensrage ist wiederum een Maß« stab bajitr, was die anderen Verhandlungen brixcaOU werde«,