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1919
Um den Friedensvertrag.
I Der Inhalt der deutschen Gegenvorschläge.
Tun kleinen Kreise der Mitglieder des FiiedenSausichusseS I |&tr Nationalversammlung ist am Montag bekannt gemacht k worben, welche Gegenvorschläge die Reichsleitung den ung" I jniersichen Forderungen der Entente gegenüber stellen wird. I Entsprechend dem internationalen Gebrauche, den Inhalt einer I Note nicht früher bekannt zu geben, als bis sie der anderen I Partei überreicht ist, hat die Ne chsleitung davon Abstand I nehmen lassen, die neue große Note in anderer als streng I «rtraulicher Sitzung mitzuieilen. Daher verlautet auch b 8- I her über Einzelheiten noch nichts Bestimmtes. Trotzdem aber I erscheint eS unberechtigt, daß in manchen Blättern über die I »neue Gehstmdiplomatie" der deutschen Mehrheitsregierung I Klage geführt wird. Die Mitglieder des Friedeasaasschusses, I hie in den letzten Sitzungen dieses Ausschusses Gelegenheit I gehabt hatten, an der Formulierung der beuthteii Gegen» I amräge mitsuwirken, waren in der Lage, in dauerndem Zu 1 sammenhavg mit den ihren Parteien entnommenen Kabinelts- I Mitgliedern mehr oder weniger direkten Einfluß auf die Ge- I Haltung der Dinge zu nehmen. Die direkte Mitarbeit der I Nationalversammlung mit ihren mehr als 400 Mitgliedern I war aber schon nach Lage der Dinge nicht angängig, und I im Übrigen wird ja gemäß dem parlamentarischen Regime, I «nter dem wir leben, die Nationalversammlung auch noch I berufen sein, ihr Votum über die Friedensfrage in enlschei- I brnder Weise abzugeben. Aas parlamentarischen Kreisen I tiren wir, daß die Zustimmung des Fr edensausschnsses zu t fe?- bsknlschen Gegeuprogramm nicht gefehlt hat, und daß j M Ergân, ungsvorschläg- GchSr stmWn. MssM^W- I Kritik werden Presse und Oeffentlichkeit sich allerdings vor- I behalten müssen, bis der Wortlaut der deutschen Note vor» I liegt. Vorläufig bieten den einzigen näheren Inhalt gewisse I Mitteilungen, die der Berliner Korrespondent des „Temps" I lon einem Mitglied? des Friedensausschusses erhalten haben will. Das Wichtigste davon ist das Angebot von Ruhr- I kohle, deren die französische Industrie wett dringlicher be« I barf, als der Saarkohle und die Forderung nach einer festen I Begrenzung der Entschädigungssumme, da sonst eine Budget« ■ Gestaltung unmöglich gemacht wird. Vielleicht darf man an» s Hörnen, daß das in der Note bewiesene deutsche Entgegen- I kommen bei uns im Lande teilweise als zu weitgehend I 'empfunden wird; aber gerade das wird unsere Feinde davon' I überzeugen müssen, daß es der Reichsleitung wirklich darauf ankam, zu Verhandlungen zu gelangen. Lehnen unsere ■ Feinde das deutsche Angebot trotzdem ab, dann wird es ■ baS Gebot der Stunde sein, in einer geschlossenen Front aller Parteien und Volksschichten an die Seite der Regierung
11 ja treten. B.
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Der deutsche Gegenvorschlag.
DDF. Rotterdam, 22. Mai.
»Nieuwe Rotterdam'sche Courant" zufolge meldet „Daily ■ Telegraph", daß der deutsche Gegenvorschlag eingehend untersucht werden wird. Die Antwort darauf ist gegen I Ende dieses Monats zu erwarten. . Zugleich mit der Ant- B wird die Mitteilung überreicht werden, daß weitere ■ Erörterungen nicht mehr zugelassen werden sönnen und daß Deutschland innerhalb einer Woche ja oder nein sagen muß. I Das amerikanische Volk wünscht Frieden, k DDF. Amsterdam, 22. Mai.
I , Dem „Allgemeen Handelsblad" zufolge meldet die.^Mor- wng Post" aus Washington, von Mitgliedern des Kongresses werde darauf hingewiesen, daß Amerika s e hn l i ch st d e n I 5 r i e b e n verlange. Der gesamte am rikanische Handel ■ ^kde von einem Gefühl der Unsicherheit beherrscht. Die'e ■ D«ts«che sei umso fühlbarer, als daS Land im Ueberfluß in Geld schwimme und sich sofort auf den Handel stürzen würd». ■ wenn nicht diese Unsiche heit bestände. Der Vö kerbund so e ■ neue Kriege verhindern. Berre er aber den Keim neu r I ^iege in sich, so steht die Oeffentlichkeit dem Völkerbund durchaus ablehnend gegenüber.
Gegen den Friedensvertrag. DDF. Haag, 21. Mal.
& Der Führer der Republikaner in den Geremi neu Siaa en, I Senator Lodge, hat sich nunmehr gegen den Verl ag and» • ■ ^iprochen. Er beklagt sich auch über das N chiao, legen Des I ^dllsiâudjgen Textes des Friedensverirages fü Deuischlanü 111 Amerika Man befolgt also dort d e gl die T'klik wie ’" ^" Ententeläudern, nämlich dem Pu likimi Die Prüfung 11 '$ Fnedensveriraae« zu eri biveren Die ProueifHen '"der Führung deS Seuaior« Borah t eten ebenfnUd gegen _n Vertrag auf. Die Eröffnung der außerorve tilgen 'fcung des Kongresses erfolge unter sehr ungeklärten par« ^meiitarijchen Verhältnissen.
Eine deutsche Feststellung.
WB. Versailles, 21. Mai.
Die Antwort der alliierten und assoziierten Negierungen auf die deutsche Note vom 13. Mai über die Schuldfrage deckt ein Taschenspielerstück auf, mit dem die Entente verlucht, die Friedensbasis zu verschieben und die 14 Punkte Wilsons in die Haftung Deutschlands für den ganzen Krieg und alle seine Folgen umzuwandeln. In der-Note Lansings handelt es sich, wie ihr Eingang zeigt, um die Auslegung des Veg iffes „Wiederherstellung der Invasionsgebiete". Diese Wiederherstellung konnte und mußte Deutschland übernehmen, weil es schon am 4. August 1914 durch den Mund 'eines leitenden Staatsmannes anerkannte, daß es den Krieg völkerrechtswidrig, nämlich durch die Verletzung der garantierten Neutralität Belgiens nach Nordfrankreich hineingetragen habe. Um diese „Aggression" handelt es sich. Nach dem Urtext der Lanäng-N^te beziehen sich die Worte „zu Lände, zu Wasser und aus der Luft" nicht auf dar Wort „Augriff", sondern •auf das Wort „Schaden". Belgien und Nordfränkreich erlitten im Laufe des Krieges auf allen diesen Wegen viel Schaden, aber sowohl zu Lande, als besonders zu Wasser und aus der Luft ganz überwiegend durch unsere Gezner. Diese werden schwerlich bereit sein, Deutschland nur für den Schaden haftbar zu machen, der der französischen und belgischen Zivielbevölkerung durch die deutschen Kriegshandlungen zu Lande, zu Wasser und aus der Luft entstand. Was die Haftbarkeit des deutschen früheren Regierungen anlangt, so erkannte bte deutsche Delegation diese ausdrücklich in dem Umfange an, in dem sie eingegangen sind; sie bestreitet aber die Berechtigung der Gegner, das Volk für politische Vergehen zu strafen, die sie seinen abgesetzten Führern zur Last legen. Deutschland hat die russische Negierung in dem Vertrag von Brest-Litowsk wohl an die Vertragspflichtungen der zaristischen Regierung gebunden, hat ihr aber weder die Milliardenwerte noch die Menschenopfer angerechnet, um die der Ueberfall der Heere des Zaren auf den deutschen Osten das deutsche Volk schädigte. Wenn die alliierten und assoziierten Regierungen sich weigern, den Kommissionsbericht über die Schuldfrage herauszugeben, so paßt das | in das Verfahren, in dem sie als Ankläger und Richter auftreten. Der Angeklagte soll nicht einmal wissen, | wessen man ihn beschuldigt: et ist verurteilt, ehe er gehört wurde.
Die gestrigen Kundgebungen in Berlin.
DDF Berlin, 22. Mai.
Zu den gestrigen Demonstrationen in der Wilhelmstraße und im Lustgarten weiß der „Vorwäris" noch zu berichten: Gegen */i7 Nhr kam ein Soldat aus dem Schlosse von der Vertrauen^ratssttzung. Kaum hatte er das Schloß verlassen, als er von Unabhängigen umzingelt und unter Faustschlägen vor das Rednerpult gebracht wurde. Dort wurve er ge« zivungen, die Mütze abzunehmen und Hurrah zu rufen. Tat er das nicht, so wurde „er mit Nacken chlägen traktiert. Dann wurden ihm die Abzeich n und die Gardelitzen abgerissen. Das vor dem Rednerpult, also mit Billigung bei Partei- rednerS.
Die Kriegskosten Englands.
Die Neitokrstgskoste» bei britischen Schatzamtes bis zum 31. März belaufen sich auf 6800 Millionen Pfund Sterling.
Der sozialdemokratische Parteitag.
bDP Berlin, 22. Mai.
Der „Vorwärts" v? öffentlich! die zu dem Weimarer Parteitag eingegangenen Anirä e und Rewlulioneu. S e ums sseu ganze ach« Seiten der Ze iu>>g. Ein großer Teil d r Anträge befaßt sich mit Ssz^ausierungsfragen und andere mit Schul- und Zuzrrtt angeleg »heuen.
Dan marks Ueberfluß an Butter.
DDF Hamburg, 22. Mai.
Aus Kopenho reu nmb gemeldet: Dänemark lebet äugen» bbcflid) au ob er l'e crinodukuon in B.uler. De uichlaud m ßte aber sann nicht taufen wegen finanz eller Schi» crig- e kn, En and kaun über will n d)t taufen, ba b e tä i feien P r st zu hoch sind. N live \ n ert äu billigere Bu .er aus wer tj, S - - ed u p o eri s b i genü end Buner. In Däu m iit läge n be^e s lou 000 F sser Buller, die ver» derben müssen, weil man ii clji uiii En-stanü iu einer Prelö' Vtrftäuaigung kommt. \
Das wahre Frankreich.
Von einer schweizerischen Persönlichkeit, die soeben au-ö Frankreich zurilckgekehrt ist, erhält die „Th. Mg. Zig." folgenden Bericht über seine dort empfangenen Eindrücke:
Die Stiinwngn ist im französischen Volk durchaus nicht âd- heiblich. Es erfährt die Friedensbediirgun^en durchweg nur in den gefärbten Auszüger, die die Regierung-mii allem Raffin>e». ment zur Berbreitvng bringt, um Mißstimmungen in den Ar»! beiterfreifen fernzuhalien. Nichts wäre gefährlicher, als wenn in Deutschland der Glaube sich net* breitete,daßinFrankreichdieArbei1ermafsei8 in einen Kampf gegen ihre Regierung ju» gunsten der deutschen Genossen ein träten. Nachj meinen Becbach tungen ist die Zahl der Elemente, die sich gegen einen Cer altsrieden stewwen, ganz minimal, ihr politischer Ei ns 11 ß gleich Pull. SETeit größer w äre der WildeUstand ernster kartelskreise gegen einen Frieden, der ihre Beziehungen mit Teutsch land erschweren könnte. Aber die Regierung hat ja Pcrsrrxe getreffen, daß die künftigen Handelsbeziehungen für Frankreich so günstig sind, daß jene Bedenken in Fortfall kouu- men. R cur laße sich ja nicht durch einige schwache Protestruf« Vn wenigen Zeitungen der Ganzradikalen über die eigentliche Stiwwung in den Prbeiterkreisen täuschen, sondern s«he der Wahrheit mutig ins Gesicht, und diese allein kann zur Rettung Deutschlands führen. Kein Mensch will in ganz Frankreich, und tch habe in den verschiedensten Städten mit den allerver- schiedersten Politikern und Vertretern 'so ziemlich aller Be» rufsklafen über diesen Gegenstand gesprochen, also ich sage, dein Franzose will glauben, daß Deutschland nicht widerstandslos unterze-ichmen würde. Mit der Möglichkeit einer Fortsetzung des Krieges ober eines größeren Ausdehnung der Besetzung scheint im Ernst kein Men ich zu rechnen. Man geriete geradezu" in eine tödliche Verlegenheit, wenn die deutsche Regierung erklären wollten Mir lehnen ab. Senn von Paris aus ist das Volk dahin bearbeitet worden, daß es überzeugt ist, ganz Deutschland nähme noch einen viel schlimmeren Frieden an, als ihn Clemenceau aus gesprochen hat. Die Mißstimmung richtet sich in den bürgerlickon Kreisen weit eher gegen Wilson, von dem man annimmt, daß er Clemenceau Schmierigkeiten be* reitet habe. And man hofft selbst in sozialistischen Kreisen, datz Awiiirt ich bgU> naa, Lear Axieteka.it. u.~d iei^e , Souveränität über das rettfe Bhelnufer auebretten werbe. Wer Ei nmew- düngen gegen diese Idee machen wollte und wer auf bte Gefahren eines späteren Reranckelrieges hinweist, den lackt her Franzose ins Gesicht: „Ach, Deutschland liegt für alle Seiten am Bodn und gehört nur noch der Geschichte an.“
Die industriellen und Handels kreise fünften bei allem Chauvinismus, der durch ihre Reihen geht, bte Beklemmungen nicht los werten, daß sie burâ' Amerika und Gnglaub bei dem Auf- teUnttgsgeftfäft in Deutschland übervorteilt werben könnten. Frankreich besitzt dem Ehrgeiz, eine Industriemacht ersten Ranges zu werden und den Mdttbemerb mit England aufzunebmeiu. So redet es sich der Ereßkaufmonn und der kleine Gewerbetreibende ein. Da er siein Ziel ohne die Mitwirkung der deutschen Industriemacht nicht zu erreichen glaubt, so würde er froh fein, wenn seine Regierung es zuwege brächte, daß die gesamte deutsche Industrie ohne allzu große Gewaltanwendung Vt Frankreich auf ginne. Die deutsche Industrie soll nach diesen Dn-. f-davungen Frankreichs das Sprungbrett für einen erfolgreichen Wettbewerb mit England sein.
Ganz anders die Stimmung im Heer. Wenn es noch einmal sollte zur Begebung von Deutschland auf geboten werden, so träte nach meinen Beobachtungen ein starker Rückschlag in dèm fetzigem Rausch ein. Im gesamten feere ist die KriegsmLdigkeit über alle Masten groß.'Man würde aus allen Himmeln fallen, wenn Frankreich noch einmal marschieren sollte.
Aus den Parteien.
Das Selb ttn> die politischen Parteien. Aus Kreisen bet Dentschnatioual,» Bolkrpertei wird uns «eschrieie«: I» btr Zeit, in ber die bextfebex Volksvettreter ihren Pslten ehrenamtlich innehetten unb keine «elbenticbâbiqxxg erhielten, teeren auch die W«h!?o»icn außeoordentlich gering. Die Auswendunr»« fär etxen Wahlkreis bewegte* sich ob genug nur zwischen 3—5000 Mk. Diese Zeiten find längst entschwunden. Die Dewokranfierung unsere! Wahl- vtrfabrex? zeigt zunächst dicselde» ©Meinungen »ie in Frankreich, bewnberi wie in Amerika. Die Volksrechte will man erhShcn, tt Wirklichkeit »erben sie kapitalisiert. Die Parten btt das weifte Geld in den Wahlkampf werfen faxn, trägt in der Regel den Sieg davon. Diese Macht der Gelde» auf bte Volk^immun, hat man in Amerika am «rSndliLsten erkannt xnb «urgenntzt. Der »estechun, und dem Stimmcnkanr find dort Tür und Tor geöffnet. In Wirklichkeit »irb Hart bi« Politik nicht »om VolttMile», sondern vom Grahkapltal beherrscht. Nach den W»hlerfahnin««n, die tett tu Deutsch and nt die- fern "fahre sammeln konnten, bestellt die Gefahr, bei wir mit »allen Segeln in diele» amerikanische fiabrwaffer Hinemgcraten. Da» mutz bei der Dentschnatianalen Volk»partei mit aller Markt vtrbindett werd'«. Dazu gibt e» nur die eine Möglichkeit, daß sich jede» Mitglied da-an gewLdut, »er Partei viel höhere Gelswpser zu bringen, all da» bisher in Deutschland üblich war. Er ist bekannt, daß bi« sozial demokratische Organisation ihre Beiträge wSKcntlich einueht und bei parteipolitische Beitrag eines Arbeiter» in der Regel mehrere 100 Mk. beträgt. Auf diele Weise konnte diele Partei einen großen Kahl» schätz 'anlegm, Parteiblatter gründen, Parteibeamte anstellen und viele andere Ausgaben in großzügiger Weise erfüllen. Dahin müssen wir auch kommen. Bisher war el in unseren Kreisen üblich, die Beiträge jährlich z» erheben. Wenn da ein Einzelmitglied 10—20 Mk. «ab, staubte eS schon, ein erhebliche« Opfer gebracht zu baden. Gewöhnen wir uns baren, in den einzelnen Ortsgruppen die Beiträge monatlich zu erheben, so entsteht zwar daraus viel Mehrarbeit, aber der En»lg luird diese Mehrarbeit lohnen. Vielen Mitgliedern wird er nicht schwer fallen, monatlieh einen Fünfmarkschein zu zahlen, die bei der früheren Uebung auch jährlich nicht mehr gezahlt haben. Um bte ge» waiUgcn Aufgaben zu erfüllen, die unserer Partei gestellt smd. bedürfen wir vieler fUlülioncn, und diese müssen auS kleinen Beitragen zii'ammengclraxeil werden. Zeder muß durch eigenen Opfermut hel'cx, daß es gelingt. Die Deutschilatisiiale Volksparter zeichnet sich durch besonderen Idealismus aus, zeige sie ihn hier auf dem Gebiete der Tat.