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Notenwechsel
Das Medusenantlitz des feindlichen Finanz- programms.
Im folgenden wollen wir einmal unseren Lesern in großen, aber kennzeichnenden Zügen näher darlegen, was Ler Erdrosielungsfriede in finanzieller Hinsicht für uns fitdeutet. Unsere Kriegsausgaben beliefen sich am 31. De. zember 1918 auf rund 146 Milliarden Mark und werden sich bis Ende 191.9 auf 185 Milliarden belaufen. Das ist gleichbedeutend mit einem Zinsendienst von rund 91/4 Milliarden Mark im Jahr, aber dennoch nur die Hälfte der ganzen Bedarfs, der sich auf annähernd 171/» Milliarden belaufen dürfte. Dazu kommen noch Linzelstaaten und Kommunen mit rund 6 Milliarden, «nd so lastet auf der Volkswirtschaft und dem Steuer» zahler die ungeheure Summe von 24 Milliarden, die allein an Zinsen aufzubringen sind. Und noch immer ,nicht genug. Außer für die vielen Milliarden Kriegs- anleihen und Schatzanweisungen sind noch 261/» Milliarde Mark Banknoten und 11 Milliarden Mark Kassenscheine im Umlauf, die Forderungen an das Reich in gleicher Höhe darstellen. Den Schlußpunkt setzt die Tatsache, daß die Reichsmark im Auslande nur noch mit einem Drittel des Friedenspreises bewertet wird. Die Lage ist also so, daß, wenn das Reich auf diesen ungeheuerlichen finanziellen ètanbpuntt herauskommen soll, unsere Feinde uns Kredite ohne Grenzen eröffnen müßten. Statt bereit rauben fit uns Gebiet mit den dazu gehörigen Arbeitskräften inb industriellen und landwirtschaftlichen Bodenschätzen tob wollen uns noch neue riesige finanzielle Lasten auf-
schâdigenden, wertzerstörenden Weise vorgeschrieben werden
C So sollen als Bezahlung zum Beispiel die deutschen Interfeefabel dienen, die überseeischen Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands und ihre Wiederanknüpfung also unterbunden werden. Die großen industriellen und kaufmännischen Interessen der deutschen Handelswelt in Ruhland, China usw. werden gleichfalls „anZahlungsstatt" Mn unseren Feinden übernommen. Eine besonders feine Bestimmung bringt Artikel 232 über die Rückzahlung aller Summen mit 5°/o Zinsen, die Belgien von der Entente bis November 1918 geliehen hat — insgesamt 36 Milliarden Mark Vorschüsse und 10 Milliarden Mark Anleiheschulden! «a das und noch viele« andere soll dem um ertragreiche Gebiete verkleinerten Deutschland aufgebürdet werden, wobei »och hinmkommt, daß die Reichs» brziv. Staaisichulden beim Reiche bleiben und die abzutrenneuden Landesgebiete nickt beteiligt werden dürfen. Alle Möglichkeiten für die Mehr- auigaben und den Anfall an Einnahmen einen Ausgleich i« verschaffen, werden Deutschland systematisch entzogen, an« dererseits aber muß es z. B. die der Türkei gegenüber^ ein- genommene Verpflichtung auf Goldzahlungen prompt erfüllen, ohne für das dortige Eisenbahnnetz und »Material, wie auch ^ in Lothringen, Bezahlung zu erhalten I Wie sagte doch titfet tage ein westschweizerisches Blatt: man will die Henne Hlachtm, die goldene Eier legen soll. R.
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Erfolge Der estländischen Truppen.
— Berlin, 21. Mai. (Telegramm.)
Laut „Berl. Tagebl.* aus dem Haag wird aus Paris Leibet: AuS dem estländischen Hauptquartier verlautet, daß 'n den jüngsten Sagen wesentliche Erfolge gegen die Bolsche« wüsten errungen worden sind. Estländische Truppen, die von 'ussi'chen und deutsch'baltische« Truppen verstärkt waren, taten auf einer Front von 60 Meilen Breite zwischen der Rarwa und der Stadt Gdov den Vormarsch an. Die
Truppen erreichten den Fluß $uga, 85 Mei en westlich von Siersburg. Die russischen Truppen haben an der Seite der ^Plinber einen wichtigen Anteil an diesen Dp rationell gi» habt. Die Stadt Bdow ist am 15. Mai in die Hände der ^filânder gefallen. Kavallerie ver olgt die Dolscheivifien, tit sich in P^rwmung zulückziehen.
Aus Riga.
— Berlin, 21. Mai. (Te eg>amm )
Wi- V cichiedenen Blättern aus Kopenhagnt gemeldet ^ift, di ohnn die lettischen Jäzer, die am 19. Mai T nna^ mü de belegten, Stina mit ichwerem Gesckütz zu brlchiißen ""i> oetlatigten/ daß die bolschewistischen Ifemmiffaie inner» bald drei Stunben alisgeltefert werden sollten. Dic e Wieriing wnrde nicht er üllt. Darauf besetzten die leititchen ^âger Riga. Der größte Teil der bolschewisttschen Kom- War« wurde erschaffen.
Eine Note an Clemenceau.
1 WB. Versakllee, 21. Mai.
Der Vorsitzende (bet deutschen Fried ensdslegatiom, Neichs- minister des Auswärtigen Graf Brockdorff-Rantzau, hat gestern folgende Note an den Vorsitzenden der Friedenskonferenz Ele- meneeau gerichtet:
Dersaillss, 20. Mini 1919.
Die deutsche Friedenstägation beabsichtigt, in den nächsten Tagen noch über folgende Punkte Mitteilungen an die alliierten und assogüerken Negierungen gelangen W lassen, von denen sie anninnt, sich sie unter den Begriff „Praktische Vorschläge" fallen: 1. Eine Note über die territorialen Ostfragen. 2. Eine Note über Elsatz-Loihringen. 3. Eine Nate über die besetzten Gebiete. 4. Eine Note über Umfang und Durchführung der von Deutschland LLevaommenen Schaden erifatzpflichtigen. 5. Eine Note über die weitere praktische Tehandlumg der Frage des Arbsiterrechts. 6. Eine Note über die Behandlung dès deutschen Privateigentums im feindlichen Ausland«. Außerdem ist eine Zusammenfassung her Bemerkungen in Arbeit, M denen der Entwurf des Fried ensvertrages in seinen einzelnen Bestimmung en der deutschen Regierung Anlaß bietet. Da die hier behandelten Fragen Mim Teil sehr verwickelter Art sind und mit den Soärerstcindigsn sowohl in Versailles als in Berlin eingehend erörtert werden mutzten, werden sie in der von Euerer Exzellenz am 7. ds. Mts. bezeichneten Frist von 15 Tagen nicht sämtlich erledigt werden können, wenn die Delegation sich auch Lewühem wird, möglichst viele der Noten innerhalb der Frist zu übergeben. LM Nückfich^ hierauf stelle ich namens der deutschen Friedensdelexation den Antrag, den Inhalt der in
Ächtung
gez. Brockdarff-Rantzau.
Eine Denkschrift über Die Schuldfrage.
— Berlin, 21. Mai. (Telegramm.)
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Ein neuer Beitrag zur Losung der Schuldsrage! Die Wochenschrift „Deutsche Politik ist in der Lage, in ihrer nächsten Nummer die Denkschrift zu verösfentlichen, die im Auftrag von Kaiser Franz Josef der österreichisch-ungarische Botschafter am 5. Juli 1914 dem deutschen Kaiser überreicht hat und die zum Ausgangspunkt der Legende über den Potsdamer Kronrat geworden ist. Diese Denkschrift stellt mit einwandfreier Deutlichkeit die aggr efsive P ol itik der Entente dar, die vom Orient aus und um dsn Orient den Krieg ins Werk fetzte. Wenn auch weföatlich neue Gesichtspunkte nicht darin enthalten sind, so ist sie trotzdem ein neuer wesentlicher Beitrag zur Lösung der Frage der Schuld am Kriege. Die Denkschrift stellt übrigens am Schluß dar, daß sie bereits vor der Ermordung des Thronfolgers fertiggestellt worden ist.
Die französischen Drohungen.
, c WB. Versailles, 20. Mai.
Die regierungstreuen Pariser Blätter scheinen heute auf mot d’ordre hin die ernsten Folgen hervorheben zu sollen, welche aus der Richtunterzeichuung des Vertrages durch Deutschland entstehen würden. Die deutsche Delegation kenne die Folgen zweifellos, deshalb dürfe man erwarten, daß sie den Vertrag unterzeichnen würde. Der „Figaro" schreibt, wenn die Deutschen FraN'kreich zwange^ dem Waffenstillstand zu brechen^ würde Foch wieder Herr der Stunde fein. Alles würde wieder in Frage gestellt, und es wäre sicher, daß Frankreich nicht mehr mit einem Kompronritz wie in dem jetzigen Friedensentwurf sich begniingen würde. Für den Rhein und das Saarbecken würde es radikalere Lösungen fordern. „Wir können die Ereignisse ruhig «d« arten", fährt das Blatt fort, „bie Alliierten müssen sich nur fest an ihre Erklärungen halten. Der Vertrag ist das Mlm, d^simaß ihrer Forderungen, welche sie in allen wesentlichen PuEen durchzusetzen gewillt sind." Der „Gauloie" meint gleich- «Ms, daß die Alliiertem die Bedingungen verschärfen würden, Safis’ Deutschland nicht unterzeichne, daß sie berat mit den ver- ichielenem Bundesstaaten verhandeln würden. Das „Petit Journal", welcke» gleich der übrigen Prefi« erwartet, daß die deurfâ« Delegation einem allgemeinem Gegenvorschlag auf bie Frieden-bedingungen machon werde, glaubt, daß die Prüfung eine Frist von etwa 8 Tagen notwendig macht, daß dann die Entente ihre endgültige Antwort erteilen «asb den deutschem Delegierten einige Tage Bedenkzeit zur Entfchließumg kaffen wird. Falls dann der Vertrag unterzeichnet werde, würden sich die Mitglieder der deutschen Delegation unbehinde- t in Frankreich bouegen dürfen, jedoch werd« den deutschem Staatsango- hl-rigen die fiel'ttfdTeilung der französischen Cremze erst nach Ratijizierung des Friedensvertrageo gestattet.
An Das eigene Urteil Der Völker.
— Berlin, 22. Mai,
Der „Vorwärts" tritt dafür ein, daß die deutsche« Friedensdelegierten verlangen, daß ihre Gegenvorschläge den Völkern der Entente bekanntgegeben werden und daß keine Entscheidung erfolgt, solange sich nicht dir Völker ein eigenes Urteil über sie bilden können.
Eine wichtige Mitteilung in Der sächsischen Kammer.
' — Dresden, 21. Mak
In der sächsische« Kammer begründete bet JustizmünlsbeL Hamisch die Rechtsauffasiung der Regierung über die Zv- laffung der Verhängung des Belli gerwaAszustandss und madjâ die Aufsehen erregende Mitteilung, daß nach zuverlässigen An. ter lagen schon 14 Tage vor der Ermordung des Kriegsministers Neuring eine Bartholomäusnacht auf dem Alten Markt geplant trat. Eine Liste sei ausgestellt worden, worin man die PerfoEchkeiben bezeichnet habe, denen das gleiche Schützal he« schieden sein sollte wie dem Kriegsminister Neuring. -
Senkungen von Tuchstoffen.
— Elberfeld, 21. Mal.
Große Mengen Tuche, die direkt aus Paris in mächtignt Lastautos in Köln eingetroffen ware^, wurden gestern an hiesige Tuchgeschäfte abgebefert. Angestellte der Pariser Firmen begleiteten die Waren. Es handelt sich um erstklassige Stoffe. Die Preise sind noch sehr hoch. Der Wert d«. Sendung belauft sich auf 2 Mill. Mk.
Amerikas Kriegögewmn.
Man schätzt die Gesamtsteuereinnabmen aus Kriegs« ewinn in Amerika auf etwa 42 Milliarden Dollar.)
schsMichen Crcrterung gemorst anzusehen und un
eingehMdere Dâguwg die erforderliche Frist zu gewähvon. Ceicelhrnigem Sie, Herr Präsident, meine aus-zezeichnete Hoch-
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es so: die Amerikaner verstehen eben das Geschäft, sie haben ihren Freunden und Verbündeten Preise auferlegt, daß sie wirklich gut verdienen konnten. Es wird interessieren, daß der Stahltrust annährend 300 Millionen Dollar Kriegssteuern zahlen muß. I. D. Rockefeller allein za:)lt
238 Millionen, Henry Ford, der bekannte Automobil- fabrikant, hat über 80 Millionen abzugeben, das Bankhaus Pierpont Morgan über 250 Millionen, Andre Carnegie, der Hauptaktionär des Stahltruste«, wird mit 371/» Millionen, I. Odgen Armour, der größte Heereslieferant in Fleisch, Schmalz, Schinken und Wurst, mit 3P/4 Millionen herangezogen. Der Elsenbahttmagnat W. K. Veuoerbilt hat 25 Millionen Dollar Vi bezahlen, und wenn man viele ähnliche Kriegsgewinnler, die Millionen verdient haben, berücksichi'gt, so ist es erklärlich, wie die 42 Milliarden zusammcnkoinmen. Amerika aber wird mit diesen Einnahmen, die eS durch die Bekämpfung des Militarismus erhalten hat, sich den Militarismus schaffen und daneben mit den Kriegseinnahmen neue Geschäft« machen.
Kleine Nachrichten.
DeutsâoNonal« Anträge und Anfragen in der Preußischen Lmrdeeverfammluug. Die deiltschma-tionâ Ab geoâeten Neumann, Graf Kanitz und Genossen beantragen: die Süaatsrâ rung zu erst d en, die Beschaffung von Forsthrlfsauffeher- und Fors vrbeitergehöft«« bürd' Ankauf oder Aufbau m größerem Utr.atr.ee als bisher fovtzufetzen. — Die DbMordueien Dallmer. Dr. Kahler und Dr.-Ing. Klotz fragen an: Ist die Staaisreg«. rung bereit, zur Förderung des V0lk-h0 cks chulwe E Miitel -n den Staatshaushaltsplan einzustelleu und ^e notiM,.MIlW Vorarbeiten zu unterstützen? — Dre Abgeordneten Uienii^ unb Genesen fragen an: Mit Rücksicht darauf, daß d^Errr
Reickswehrformatiouen in verschiedenen Ortschaften Preu- gedenkt di« Staateregierung zu tun. uni den Borschristen des ,1» Betracht könnenden Reichste setz es tEgemerü Geltung Au ver- schaffen? — Abgeordneter Budzuhn fraßt ^- ^Jf.^X
an nt in welcher, jeder Dcenfäffichvenr Hohn iprei «benden Weise die ton den Polen im Internierungslager Szczypinow und anderwärts fefl gesetzten Geiseln und Eefange» eèV^bvndell werden? Was gedenkt die Staateregierung zu» Meun^nKeUoffung aller Geiseln zu tun? Ist ^r Staats- ^-Dva» bekannt daß deutsch« Ivndwirtfchafilrche V«sitzun!gen, namentlich in der Provinz Posts, von den Polen w'^s^â.-ck 9u»fih «bat in völliae Nutzung genommen worden sind? Welche JÄ’ SÄ^ie Staâegierung in dieser D-ziehuns im ergreifen? Abg. Pudfuhn stellt folgende Anftnge. „Der Boll- ruosau- äutz des Arbeiter- und Soldatenrates M Bromberg Wf? ungeachtet der bestellenden Gesetze und> Derordnumaon nach K Mt selbst Ln.dig in die Verwaltungebefugurffe der Staats und Geineindebehörden focuie der SelWveMattunMko^r e-n^ Gr otbrri u a Besä laguahwen an und droht sogar ^rrgerw mit Haftbefehlen und wilitärischeu Vorführungen Dusterdm» ! 4^«.+ eT krrreifliöe Unruhen in die Burgerlchast, md^P ^ diente Bean te (u. a. den zeitigen Regier^
ihren Den lern zu entfernen bestrebt ist. Selbst das ^o^ nunasreckt matzt er sich in gröferme Umfang an wre z. B.dw nachstehende Verordnung ergibt. Was gedenkt t ' ^ ®* ^ rung zu tun, um derartigen Ueber griffen in Zukunft wrrkjam u fern?" Die erwähnte Verordnung «nâ eines neungliedrigen Prüfungeausfchuffes „)wr -.na^ eventuell Neubesetzung von Skarntenßellen ver der imsenvayat,