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1919

I Das Attentat auf Deutschlands Kranke und Kinder.

Nach dem Friedensvertrage soll Deutschland an I Frankreich und Belgien zusammen 140000 Stück Milch- I «eh von 3 bis 7 Jahren und 40000 Stück Jungvieh I «bgeben. Nach der letzten Viehzählung vom 1. März 1919 I waren in Deutschland 7 782 674 Milchkühe vorhanden. I Der überwiegende Teil dieser Milchkühe steht auf klein- I bäuerlichen Gütern und auf den Wirtschaften landwirt- I schaftlicher Arbeiter. Die Milchkühe bilden dort neben I ihrer Milchproduktion vor allem infolge ihrer Dünger- I erzeugung und der Dienste, die sie als Spannvieh leisten, I die Grundlage des landwirtschaftlichen Betriebes, ihre I Wegnahme würde also hier die ganze Wirtschaft zer- I stören. Für eine Abgabe an Frankreich und Belgien I kamen sie daher kaum in Be'racht, vielmehr müßte I dafür auf die Milchkühe der Herden des mittelbäuer- M lichen und nor allem des Großbetriebes zurückgegriffen I werden. Diese Milchkühe sind aber in erster Linie die I Dräger derjenigen Milcherzeugung, in zur Versorgung I der Städte und insbesondere der Großstädte dient. I Die Milchversorgung der Städte ist schon jetzt über I alle Maßen ungenügend. Bekanntlich sind in Deutsch« » land nur einige Bevölkerungsgruppen der Versorgungs« »berechtigten, nämlich die Kinder bis zu 6 Jahren, die I werdenden und stillenden Mütter und die Kranken, zum I Bezüge von Vollmilch berechtigt. Dieser sogenannte Milchnotbedarf läßt sich auf etwa 6 500 000 Liter täglich I beziffern. Tatsächlich kann dieser Notbedarf schon jetzt I aur teilweise gedeckt werden; im März konnten nur ' ^va 4250000 Liter, d. h, 66 Proz., den Versorgungs- dnechtigten zugeführt werden. An- Bits er BelteMMiM I waren gegen 1072 500 Milchkühe beteiligt. Würde I man aus dieser Zahl die geforderten 140 000 Milchkühe I nehmen, so blieben zur Deckung des Milchnolbedarfs noch 932 5 00 Tiere, d. h. el würden 560 000 Liter Milch täg- I 1*4 fehlen, wenn man wiederimr für die kommenden Winter- I Monate bie tägliche Durchschnittslieierung der Kuh mit vier I Litern annimmt. An dem Milchnotbedarf würden damit I M64 weitere 8,6 Proz. fehlen, er wäre also im kommenden I- Winter nur mit etwas über die Hälfte gedeckt. Erschwerend I bommt nun hinzu, daß unser Milchviehbestand infolge der I sät die Beschaffung bei nötigen Schlachtviehs ständig stärker I notwendigen Eingriffe im nächsten Winter in seiner Gesamt- I Mi erheblich hinter der bei vorigen Winters zurückstehen I wstd. Dadurch wird die Aufbringung der erforderlichen Vallmilch an sich noch weiter erschwert und beeinträchtigt, fr daß der infolge der abverlangten 140 000 Stück Milch- ri/h sich ergebende Prozentsatz des Fehlbetrages erheblich I Wtt wird. Außerdem wird es durch die geforderte Ab- za»e von 40 000 Stück Jungvieh an Nachwuchs fehlen, wo« durch die Milchproduktion noch weiter herabgedrückt werden wird.

Zusammengefaßt muß gesagt werden, daß diese doppelte Abgabe einen erschreckenden Niedergang der Milchproduktion M Folge haben muß' und damit die LebenSgelährdung der itindfr und Krauten in katastrophaler Weise verschärfen wird.

I Volksabstimmung in Ostpreußen.

W WB. Königsberg, 19. Mai.

M .Heute vormittag fand zwischen dem preußischen Minister« M ^aiibenteu Hirsch und den Ministern Braun und H«n? einerseits und den Mitgliedern bei ostpreußischen Provinzial- e^b, sowie dem Oberpräsidenten ». Baiockl anbei et feijl eine Konferenz statt, in der u. a. eine allgemeine VslkZ- ^m^ixng der Provinz über'die mMrüschfichen Friedens« /"'Ringen der Entente besprochen wurde. In der Be- ^reLung kam zum Ausdruck, daß der größte Teil der Ostpreußens geschlossen hinter dem Nein der ^Wegierung steht.

Das Schicksal Deutsch-Togos u. Kameruns.

WB Versailles, 18. Mai.

»Populaire" schreibt: Wir erfuhren, daß das Schicksal kutsch. Togos und Kameruns von Frankreich und England Züngelt wird und daß sich die Gesellschaft der Nationen «rauf beschränken wird, ihren gemeinschaftlichen Beschluß zur zu n-hmen. So zeigt sich diese Gesellschaft der "tiontn nochmals als Mantel, welchen bie Imperialisten ^Haugen, um ihren Räubereien den An Hein der Gerech- zu geben. Die unglücklichen Neger Mittelairikas ent innen d^r deutschen Vormundschaft, um unter die nicht mm« ^' harte . französische und englische zu geraten. Man be« Mete dort, daß jede Tonne Gummi aus den Aequatorial- 9s lcten Itdji Negern das Leben kostete. Dies nennt man ^chlld primitiver Völker.

Die deutsche Antwort auf den Friedens- Vorschlag.

Berlin, 20. Mai.

Die deutsche Antwort auf den Friedensvorschlag der Alliierten und Assoziierten ist lautBerl. Tageblatt* fertig« gestellt und dürfte noch heute durch einen Kurier nach Ver- sailles gebracht werden. Voraussichtlich am Donnerstag werde sie übergeben werden.

Deutsche Gegenvorschläge.

Berlin, 20. Mai.

DieDeutsche» Allgem. Ztg." schreibt: In Versailles werden amtlichen Nachrichten zufolge in den nächsten Tagen folgende Nolen übergeben werden: 1. eine Note über die Verhältnisse der deutschen Ottmars, 2. eine Note über Elsaß- Lothringen und das linksrheinische besetzte Gebiet, 3. eine Note über den Umfang und die Durchführung der von Deutschland übernommenenSchadenersatzverpflichtungm, 4. eine Note über die Behandlung deutschen Privateigentums im feindlichen Auslande, 5. eine Antwort auf Clemenceaus Note über die Frage des Urheberrechtes.

Der Berliner Korrespondent deSTemps* will von einem Mitglied des Friedensausschusses der Nattoualver- sammlung aus dem Inhalt der deutschen Gegenvorschläge ein ges erfahren habe, was unt r Vorbehalt mitgeteilt wird: U. a. he ßt es: Danzig soll deutsch bleiben; nur der Danziger Hafen werde als F, «Hafen mit selbständiger pol­nischer Mitverwaltung eingerichtet werden.

Zur Unterzeichnung des Friedens.

= Berlin, 20. Mal.

.Ml- lüL , ..Nass ^ta.*, berichtet, will ein Pariser Blatt von maßgebender deutscher diplomatischer S tte erfahren laben, daß der Friede nicht unterzeichnet werde, wenn die Entente auf der Abtretung Oberschtesiens sowie von Teilen Wkstpreußens und Ostpreußens bestehen bleibe. Der Friede werde au t nicht unterzeichnet, wenn die Bestimmung über das Saarbecken aufrecht erhalten bleiben sollte. Der Pariser Koriespondent derDaily NewS" hat angeblich den Ein­druck gewannen, daß die Bedingungen über bal Saarbecken geändert werden sollen.

Die nächste Vollsitzung.

Berlin, 20. Mai.

Die deutsche Nationalversammlung wird angeblich ihre nächste Vollsitzung erst abhalten, wenn die Entscheidung über den Friedensvertrag gefallen ist. Ein weiterer Abschnitt der Sommertagung in Weimar dürfte etwa bis zum 1. August dauern.

Die Besetzung von Wilna.

ZX Berlin, 30. Mai.

Laut Berl. Lokalanzeiger* hat nach Warschauer Meldungen ein Funkfpruch der rulsischen Somjeiregierung das polnüche Ministerium für auswärtige Angelegenheiten verständigt, daß die Besetzung von Wilna durch die Polen als Kriegserklärung betrachtet wird.

Der Abtransport der Rigaer Deutschen.

WB. Berlin, 19. Mai.

Zum Abtransport der Deutschen in Riga wird zustän- digerseils mitgeteilt :

Nachdem schon vor drei Wochen durch die^Waffenstill- standskommission bei der Entente beantragt worden war, die Erlaubnis zur Entsendung eines Dampfers nach Riga zur Abbiförderung der dortigen notleidenden Deutschen zu geben, wurde nunmehr die Entsendung bei 7000 Tonnen großen DampsersHannover" erlaubt. Erschwerende Umstände ver­hindern jedoch die sofortige Ausführung der Hilfsaktion. Vor allem muß natürlich mit den Machthabern in Riga ein Ueber« eiufommen über den Abtransport der Deutschen geschlossen werden, da ohne deren (SmwiQigiing an eine Durchführung des Plans nicht zu denken ist. Weiter wurde festgestellt, daß durch den Eisgang bie Seezeichen bei minenfreien Weges. nach Riga besonders in der Jrbenstraße vertrieben worben sind, sodaß erst nach umiangreicben Näumarbeiten bie Fahr- strafte wieder frei fein wird. Diese Arbeiten erfordern etwa 14 Arbeitstage mit gutem Wetter für zahlreiche Migiensnch« fahrzeuge, die erst von anderen Eeegebieten herangezogen werben muffen. Endlich ist in'olge der Knappheit der Kohlen die Kohlcnversorgung dieser Suchbooie zur Zeit nicht in dem nötigen Umfange möglich, wodurch wiederum eine Verzöge­rung entsteht. Die amtlichen Stellen sind mit allen Kräften bemüht, die Schwierigkeiten, die sich dem Rett-iNgswerk ent- gegenftenen, zu beseitigen. Es ist aber jetzt schon zu über- jt^tn, daß, da unbedingt notwendige Siche- ungsmaßnahmeii getroffen werden müssen, leider noch Wochen ins Land gehen werben», bis. die RtLaer Deutjchea abtransportiert werden

können. Auskunft über den Verlauf der Hilfsaktion erteilt der Baltische Vertrauensrat, Kurfürstenstraße 101. Er wird von allen beteiligten amtlichen Stellen laufend über alle Maß« nahmen unterrichtet.

Die Mörder des sächstschenKriegsminiflers.

«. Berlin, 20. Mai.

Der Prozeß gegen die Mörder des sächsischen Kriegs­ministers Neuring soll im Juni vor dem Dresdener Schwur- gericht zur Verhandlungkommen. Die Verschiebung soll daran lie­gen, daß nicht weniger als 70 Angeklagte und über 400 Zeugen zu vernehmen waren. Unter den Angeklagten befinden sich auch einige Frauen, von denen eine Neuring in dem Augenblick, wo man ihn über das Brückengeländer in den Strom hinab­stieß, mit ihrer Hutnadel mehrere Male ins Gesicht zu steche» fertig brachte.

Belagerungszustand über Eisenach.

WB. Eisenach, 19. Mai.

Nach dem nachts erfolgten Einrücken der RegierungS- truppen des Korps Märker wurde heute früh der Belage* rungszustand über Eisenach verhängt. Es herrscht Ruhe.

Gegen die Zerstückelung der Türkei.

Lugano, 18^ Mai.

DemSecolo" zufolge legte eine vom Vizekönig Mon* tagu begleitete indische Deputation tm Namen von sechzig Millionen Mohammedanern Verwahrung gegen die Zer­stückelung des türkischen Reiches ein und verlangten, daß Konstantinopel, Smyrna, Armenien, Syrien, Mesopotamien und Arabien dem Kalifen verbleiben.

e Kabinett zurückgetreten.

Amsterdam, 18. Mâi.

Das PressebüroRadio* meldet drahtlos, die Pariser Ausgabe bei New-DorkerHerald* berichte, daß daS chinesische Kabinett zurückgetreten sei. DemTelegraaf* zufolge meldet dieTimes" aus Schanghai, daß jetzt als Ausdruck bet Unzufriedenheit mit dem von der Pariser Konferenz gefaßten Beschluß und als Fortsetzung der Protestkundgebungen ver­sucht wird, den Boykott von japanischen Banknoten, Artikeln und Schiffen zu organisieren. Die chinesischen Blätter weigern sich bereits, japanische Anzeigen aukzunehmtn. Die Geschäfte weigern sich, japanische Artikel auszustellen.

AnsHanauStadtrind Tand.

Hanau, 20. Mai.

Wird Hanau besetzt?

In der Stadt laufen seit einigen Tagen die wildesten Gerüchte über eine angeblich unmittelbar bevorstehende Besetzung durch die Franzosen um. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, entbehren diese Gerüchte jeder tatsächlichen Grundlage. Der Aus­gang der Friedensverhandlungen in Versailles läßt sich, gegenwärtig noch in keiner Weise übersehen. Sollten die Verhandlungen ergebnislos bleiben, so wird eine Aus­dehnung der Besetzungszone erst nach zuvoriger Kündigung des Waffenstillstandsvertrages mit mindestens dreitägiger Frist in Frage kommen. Es ist in diesem Augenblick noch gänzlich verfehlt, sich selbst und andere Leute durch phantasievolle Ausmalung der etwaigen Folgen eines Scheiterns der Friedensverhandlungen zu beunruhigen.

Auf die verschiedenartig laut geworbenen Vermutungen, bie nicht zuletzt an die von Vertretern der Regierung ge­machten Aeußerungen geknüpft werden dürsten, daß der Friedensvertrag in der vorliegenden Fassung unannehmbar ist, soll auch in einer Schule den älteren Saniern geraten worden sein, Hanau zu »erlassen, damit sie einer Iniernierung durch einrückende feindliche Truppen entgehen. Daraufhin wurde heute morgen in den hiesigen Knabenschulen bekannt- gegeben, daß nach neuesten Meldungen deS Generalkomman­dos bis jetzt nicht die geringsten Anhalts, punkte zu solchen Warnungen vorliegen. Im besetzten Gebiete find vom Feinde nach keinerlei Vorbe­reitungen zu einem Tiv marsch in das bisher unbesetzte Gebiet getroffen worden. Sabaid eine diesbezügliche Mitteilung den hiesigen zuständigen Stellen zugeht, werden die einzelnen Lehr­personen unverzüglich väständigt, um das Wettere veraa» lassen zu können.