«inrückitngSgebühet
Lie 8g«spaltene Kolonelzeile oder deren Raum 30 Pf^ im NeNameteil die Zeile 1.— Mk.
Offertengebühr 26 Pfg.
DezugSpreiSr
Vierteljährlich 3.75 Mk., monatlich 1.25 Mk., für Post- bezug vierteljährlich 3.75 Mk^ monatlich 1.25 AL
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
PMionsbrnck und Verlag: Waisenbaus-Buchdruckerei mw -Buchhandlung in Hanau.
General-Anzeiger
Amllichts Organ für Stadt- und FanNreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.
Verantwortlich für die Redaktion: Gustav Schrecke» für Anzeigen ».Reklamen: Aug. Brod t, beide in Hana«.
Nr. US Eescha^sstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. 9 Montag den 19. Mai Eeschässtelle und Redaktion: Hammerstratze Nr. 9 1919
MMrinOTrn™8**31”*1^1*™1*""******™*»**»»»™»»««*»"^™1**1*11^^ »^»««i^F.^ ^IMM»«»»M«»»»M»
Ein deutscher <
Nur 100000 Mann!
Die geographische Lage Deutschlands mit weithin gestreckten, jedes natürlichen Schutzes beraubten Grenzen inmitten eines feindlich gesinnten, waffenstarrenden Europas, war schon zu Zeiten Bismarcks der Hauptgesichtspunkt, ans dem sich die Politik Les Reiches orientierte. Die Unmöglichkeit, diesen ungeheuren Nachteil auszugleichen, hat zu dem Weltkriege geführt, und letzten Endes auch zu unserer Niederlage. Während England niemand zu widersprechen wagte, wenn es seine insulare Lage zur Begründung seiner alles überwältigenden Seemacht anführte, wurde das Bemühen Deutschlands, das Rachebündnis des 1870 besiegten Frankreichs mit dem russischen Riesenreich als unberechtigte Maßnahme zu brandmarken, verhöhnt und mit immer neuen Rüstungen beantwortet. Jetzt soll nun der bisherige bloße Wunsch, Deutschland waffen- und machtlos zu machen, in die Wirklichkeit umgesetzt werden, während gleichzeitig die erwähnten militärgeographischen Nachteile sich noch erheblich verstärkt haben Frankreich behält seine riesige Rüstung bei, Belgien bleibt uns bis aufs äußerste feindlich gesinnt, England gedenkt sicherem Anscheine nach, fern Heer wie die allgemeine Wehrpflicht bei- zubcha^lten, und im Esten ist der tschechische und der pol- msche Pufferstaat entstanden, von denen der zweite oben- brein noch in engstem Bündnis mit Frankreich leben wird. Du Eebietshunger der Polen ist noch nicht entfernt gestillt, und aus alledem geht hervor, daß die Forderung Deutschlands, seine Grenzen zu schützen berechtigter ist als
ârLLiâ dâ Lie militärische Macht des Rerches nur ganze 100 000 Mann umfassen darf. Was das bedeutet, erkennt man zwanglos, wenn man erfährt, daß allein 50 000 Mann im letzten März nötig waren, um in Berlin die Ruhe wieder herzustellen. Ein tzwßer Teil von ihnen muß aber dauernd zum Schutze der Reichshauptstadt in Berlin bleiben. Wo sollen da die Truppen Herkommen, die in den von Aufruhr bedrohten Gebieten Ruhe und Ordnung sichern, die wegen der wch immer wachsenden Lebensmittelschwierigkeiten noch lange immer von neuem gestört werden dürften. Dazu wird die Beweglichkeit der zugestandenen 100 000 Mann noch durch die Einteilung in sieben Infanterie- und drei Ka- valleriedivisionen beeinträchtigt, und mit nur 4000 Offi- Sieren läßt sichln einem Freiwilligenheer der innere Zusammenhalt auch nicht Herstellen. Die Bedingung, daß die Angeworbenen sich auf 12 Jahre zu verpflichten haben, wird die Werbung glatt unmöglich machen, und noch tue» Kiger werden sich die Offiziere gleich auf 25 Jahre verpflichten wollen, besonders wenn durch Aufhebung des Ge- nevalstabes und das Verbot aller militärwiffenschaftlichen Institute die Aussicht auf Weiterbildung und Fortkommen °usgeschaltet wird. Unsere Feinde wollen Fliegergeschwader im größten Umfange bereit halten, uns selbst werden alle Abwehrwaffen verboten. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, aber man sieht auch schon so, daß unsere Feinde auf diese Weise nachträglich das Ziel erreichen wollen, das ihnen auf dem Echlachtfelde versagt blieb: die Zerschlagung und Vernichtung des gefürchteten deutschen Heeres. R.
Die Aufteilung der Türkei.
= Paris, 18. Mai. (HavaS.)
. Der „Trmvs* präzisiert iolqendermaßen die vom Vierrrrat nbkr die Türkei Getroffene 83iung: I.Die Vereiniqten Staaten "halten ein Mandat über Konstantinopel und Armenien, minenien würde Adana und Mersina und damit einen Aus- ^ng ncich dem Mittelländischen Meer erhalten. 2. Griechen- lonb erhält den Küstenstrich von Smyrna. 3. Julien wird a^ Mandat über Südanatotien mit Adalia als wichtigstem Halen und Sonia als Zentrum zugewiesen. Die Wüste, die ^Mafien von Osten nach Westen durchzieht, würde die nörd- ^che Grenze dieses Landstriches bilden. 4. Nardanatolien mit
und Angora bleibt der eigentliche türkische Staat, in em der Sultan residiert und dessen Unabhängigkeit von pumkreich gewährleistet wird. Gegen biee Lösung wurden
»erschedene Bedenken, insbesondere vom Staatssekretär Britisch Indien Montagu erhoben. Die vier StaatS- "aiiner hielten gestern Vormittag und Nachmittag Sitzungen ? und erörterten daS Problem des otiomanischen Reiches. ^," Sekretär für Britisch.Indien Montagu, der von eitvr ? aordnung der indischen Muselmanen begleitet war, legte Ur, daß eine zu weit gehende Verkleinerung der Türkei not« ^udiger Weise eine lebhafte Mißstimmung unter den Musel- unen erwecken müsste. Eine Enischließnng über die 21 nf« b' ung öou Türkisch-Asien in mehrere Zonen wurde nicht
Wilhelm E
DDP. Amsterdam, 18. Mai.
Die „Times* schreibt in einem Leitartikel, daß den Niederländern, falls sie sich weigern sollten, den deutschen Kaiser ansznliefern, von den alliierten Mächten sehr deutlich zu verstehen gegeben wird, daß die holländischen Aufträge für Kohle und Rohmaterial von den Vereinigten Staaten und England nicht mehr pünktlich ausgeführt werden konnten.
Neue Delegierte nach Versailles.
DDP. Berlin, 18. Mai.
Wie das „Berl. Tageblatt, erfährt, sind gestern abend General a. D. Graf Montgelas und Professor Hans Delbrück nach Versailles gereist. Sie werden an den Beratungen der für die Schuldfrage eingesetzten Kommission teilnehmen.
Neue Proteste gegen den Gewaltfrieden.
DDP. Bern, 18. Mai.
Gestern abend fand in der Züricher Stadthalle eine Massendemonstration der Züricher Deutschen gegen tue Frie- densbedingungen statt. Ueber 3000 Menschen füllten die Stadthalle bis auf den letzten Platz, während weitere tausend, ohne Einlaß zu finden, abziehen mußten.
DDP. Kolberg, 18. Mai.
Am heutigen Sonntag fand ein Massenprotest von 12000 Menschen gegen den Gewaltfrieden statt. Im Zuge der Bürger aller 23a-seien befand sich auch das Hindenbnrg-
an die Regierung, ver ernen gerechten. Mèden forbert;
Der deutsche Gegenvorschlag.
DDP. Versailles, 18. Mai.
Der Berliner Korrespondent des Daily Ehronicle will aus guter Quelle erfahren haben, daß der deutsche Eegen- voranschlag auf den Friedensentwurf vor Ablauf der festgesetzten Frist fertiggestellt sein wird. Die deutsche Regierung werde darauf bestehen, daß die 12 Punkte Wilsons und die vor Abschluß des Waffenstillstands ausgetauschten Noten die Bedeutung eines internationalen Abkommens haben. Die Deutschen beanspruchen die Bestimmung der Ostgrenze durch Plebiszit, dessen Ausgang für beide Teile bindend sein müsse. Was das Saargebiet anlange, so sei Deutschland bereit, den ganzen Ertrag der Kohlengruben an Frankreich abzutreten, ohne die territorialen Forderungen Frankreichs anzuerkennen. Ferner sei die deutsche Regierung willens, alle Ent- schädigungen zu leisten, falls Deutschland die notwendige ökonomische Erleichterung zum Wiederaufbau seines Wirtschaftslebens erhalte. Die Ablösung könne in dem vorgesrhriebenen Umfang nicht durchgeführt werden, solange die innere Ordnung nicht hergestellt sei. Die deutsche Regierung verpflichtet sich aber, diese Bedingung zu er- füllen. sobald es die Lage gestatte. Zum Beweis der friedlichen Absichten Deutschlands soll den Alliierten der Rest der Kriegsflotte ausgeliefert werde, falls ein Teil der Handelsflotte zurückgegeben würde. Wenn diese Vorschläge abgelehnt werden sollten, müßte die deutsche Regierung die Vertragsunterschrift verweigern.
Die Pfälzer Republik.
Die Nachricht aus der Pflaz, wonach dort beabsichtigt sei, am Samstag die Pfälzer Republik auszurufen, bestätigt sich nach Mitteilungen aus zuverlässiger Quelle. Marschall Foch begibt sich zu diesem Zweck nach der Pfalz. Man sucht die Bewohner der Pfalz von französischer Seite bsson» ders dadurch zu ködern, daß man darauf hinweist, daß durch die Errichtung einer unter dem französischen Protektorat stehenden Republik die Pfälzer der ungeheuren finanziellen Lasten entgehen würden, die Deutschland aufge- bürdet werden sollen. Natrülich ist das bei der bekannten schlechten Finanzlage Frankreichs unmöglich.
Keine italienischen Truppen an der Tiroler Grenze.
DDP. Innsbruck, 18. Mai.
Zur Nachricht der „Deutschen Allgememen Zeuung* auS München, daß aus Tirol kommende Neisende übereinstimmend die Zntämmenziebung starker italienischer Kräfie in der Gegend von Kufstein bestätigten, wirb von zuständiger Stelle festge- stellt, daß im ganzen Bezirk Kufstein sich keine italienischen Truppen befinden.
Die „militärische Demonstration" am Rhein.
Der Pariser „Matin" ist der Meinung, daß Brockdorff« Rantzau sich mit seinen Noten nur für den Fall der Nichtunlerzeichnung gegenüber der Oefsentlichkeit Deutschlands decken wolle; denn er müsse genau wissen, daß, abgesehen von Modalitäten, Form und Einzelheiten keinerlei Aussicht vorhanden sei, den Vertrag abändern lassen zu können. Scheidemamn werde immer mehr ein Gefangener der von ihm inszenierten Kundgebungen in der Nattonalver- sammlung und im ganzen Lande. Zwar habe er nie gesagt, daß er nicht unterschreiben werde, aber er habe den Vertrag so geschildert, daß seine Regierung ihn nicht anneh» men könne, außer wenn sie sich dem äußeren Drucke fügen müsse. Wenn die Alliierten zu einer militärischen Demonstration schreiten müßten, für welche Foch am Rhein Maßnahmen ergreift, dann allerdings werde Scheidemann sich fügen können, ohne die Existenz seiner Regierung unmöglich zu machen.
Belgien und die ostafrikanische Frage.
DDP. Rotterdam, 18. Mai.
Nach dem „Nieuwe Rotterdamschen Courant* ist man • in Brüssel der Meinung, daß die Krise bei den Verhandlungen in Paris, die dadurch entstanden ist, daß Belgien von der Beratung der ostafrikanischen Angelegenheit fernge- halten worden sei, im Begriffe sei, im günstigen Sinne gelöst zu werden.
Der Friedensvertrag mit Oesterreich.
WB. Paris, 18. Matz
Der österreichische Friedensverttag ist fast fertig. Die Bestimmungen über Lie Verantwortlichkeit für den Krieg den Bcrttag,' aber Kaiser Karl wirb angenagt. Am Montag wird der Austausch der Vollmachten zwischen den Delegierten der Entente und den österreichischen Delegierten stattfinden. Die Ueberreichung des Friedensvertrages mit Oesterreich dürfte kaum vor Ablauf einer Woche er*, folgen.
WB. Versailles, 18. Mai.
Wie „Intranfigeant" berichtet, fand gestern die erste Fühlungnahme der österreichischen Delegationsmitglieder mit den Alliierten statt. Es wurde die erste Plenarsitzung der französischen, englischen und italienischen Delegierten mit vier österreichischen Sachverständigen zur Besprechung der Frage der Verproviantierung Oesterreichs abgehalten.
Die Friedensverhandlungen mit der Türkei und Bulgarien.
DDP. Amsterdam, 19. Mai.
Die Daily News melden, daß die Friedensver' Handlungen mit der Türkei und Bulgarien noch in weiter Ferne liegen. Amerika wird nicht daran teilnehmen, da es keinen Krieg mit diesen Ländern führt. Die Verhandlungen werden wahrscheinlich nicht in Paris, sondern in einem östlicher gelegenen Mittelpunkte stattfinden.
Minister in der deutschen Ostmark.
DDP. Königsberg, 19. Matz
Am heutigen Montag treffen hier Ministerpräsident Hirsch und die Minister Braun und Heine ein, um mit der Bevölkerung Ostpreußens Fühlung zu nehmen. Am Dienstag und Mittwoch reisen zwei der Minister in den Regierungsbezirk Alleustein. während der dritte nach Memel und Tilsit fährt.
Für 500 Millionen Gulden Lebensmittel.
DDP. Amsterdam, 18. Mai.
Die deutsche Regierung hat in den assoziierten Län* dein bisher für ungejähr 500 Millionen Gulden Lebens- ■ mittel gekauft. Die Hälfte der Waren ist inzwischen in Deutschland eingetrofsen.
Die deutschen Verluste im Weltkriege.
Das Ergebnis an Toten, Verwundeten und Gefangenen des Krieges ist bis zum 30. April in Deutschland fest« gestellt. Es wurden an Toten gezählt 1 676 696, an Vermißten, von denen neun Zehntel als tot betrachtet werden müssen, 373 778, sodaß der deutsche Eosamtverlust an Toten mit über zwei Millionen angenommen werden kann. Verwundete wurden gemeldet 4 207 028. In feindlicher Ge- fangenschast schnrachten noch 612 922. In dieser Zahl sinh die Zivilgefangenen nicht enthalten.