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Verantwortlich für die Redaktion: Gustav Schrecken für Anzeigen u. Reklamen: Aug. B r o d t, beide in Hanau.

Nr. 113 «««SSL »S - Freitas den 16. Mai <^»'« 1919

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Clemenceaus Antwort

Das Buch Des Haffes.

Die Geschäftsstelle des Auswärtigen Amtes für die Knedensverhandlungen hat nunmehr eine Vervielfälti­gung des englisch-französischen Textes der Friedensbe­dingungen angefertigt und hat weiter eine Uebersetzung dieser Bedingungen ins Deutsche anfertigen lassen. Die Oeffentlichkeit ist so in die Lage versetzt, nach den bereits gegebenen Kostproben einen Ueberblick über den gesamten Vertrag und einen Einblick in die einzelnen Teile dieses grausamsten aller Bücher gewinnen zu können. Schon die erste Seite charakterisiert den Geist, der das Eanze auszeichnet, wenn gesagt wird, daß die alliierten und astoziierten Mächte gleichmäßig von dem Wunsche geleitet worden sind, an die Stelle des Krieges, in den pe nacheinander unmittelbar oder mittelbar hineingezogen worden sind, einen festen gerechten und dauerhaften Frieden treten zu lasten. Schon im ersten Satze soll uns die Schuld am Weltkrieg allein zugeschoben werden, schon im ersten Satze kennzeichnet sich der größte Betrug der Weltgeschichte, wenn von einem gerechten Frieden in diesem Buch die Rede ist. Nach den ersten Seiten allein schon können wir ahnen, was folgen wird, denn als Vertreter der den Vertrag schließenden Teile sind ver­treten auf Seiten unserer Eegyer Woodrow Wilson, in seinem Namen und aus seiner eigenen Machtbefugnis, der sehr ehrenwerte David Lloyd George, erster Schatzlord und Ministerpräsident Großbritanniens, Herr Georges Cle­menceau und Herr V. F. Orlando, um nur die Häupter WWtnen. Und wenn wir

finden wir alle die Namen wieder, die uns nicht unbe­kannt waren im Laufe der vier Jahre. Da ist Mer- therius Veniselos, der gerissenste aller Hellenen, da ist Zean Bratiano, die Heuchle Rumäniens, Paschitsch, der serbische Fuchs, Roman Dmowski, der Präsident derpol- «ischen Nationalkomitees in Paris, eine Größe polnischer Hetzkunst und auch Herr Ignace Paderewski, der poli­tische Pianist und Präsident des polnischen Ministerrats fehlt in dieser Reihe nicht.

Ministerpräsident Scheidemann hat am Nachmittag des 13. Mai vom Fenster der Reichskanzlei, als sich in der Wilhelmstraße Zehntausende versammelt hatten, um gegen den Gewaltfrieden zu protestieren das Buch des Haffes am besten dadurch gekennzeichnet, daß Seite für Seite, Satz für Satz, Zeile für Zeile daraus eine Grau­samkeit spricht, die ohne gleichen ist. Jeder Paragraph übertrifft an Herzlosigkeit, Härte, aber auch an politischer Kurzsichtigkeit den vorhergegangen'en Paragraphen. Diese Auffassung wird schon bei einer flüchtigen Durchsicht be­stätigt. In über 100 Artikeln heißen die ersten Worte jedesmalAllem, âgne renonce. Es fehlt nur noch der eine Artikel, der lautetAllemagne renonce â son exi- stence. Deutschland verzichtet auf sein Leben, verzichtet M seine Zukunft, verzichtet auf alles. Alles, was in diesem Buche uns an Entehrungen zugemutet wird, stammt von Frankreich, alles, was uns wirtschaftlich erdroffeln ioll, stammt von England. Das sind die zwingenden Leitgedanken, die sich jedem aufdrängen, wenn er das Buch des furchtbarsten Haffes liest. R.

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Eine Antwortnote Clemenceaus.

WB. Berlin, 15. Mai.

Der deutschen Friedensdelegation in Versailles ist am 14. Mai »^folgende Antwortnote übergeben worden:

Versailles, den 14. Mai 1919.

_ Herr Präsident! , ,

3d? habe die Ehre, Ihnen den Empfang ihres Briefes vom Mai zu bestätigen, der sich auf die nationale Arbeitergesetz- Seoung bezieht, sowie ihres Entwurfes des Abkommens über in« Rationales Arbeiterrecht.

Die Antwort der alliierten und assoziierten Regierungen lautet wie folgt:

â 1. Sie nehmen Kenntnis von der Erklärung der deutschen Delegierten, daß der innere Friede und der Fortschritt der Mensch- von der Lösung der Arbeiterfragen abhängt. Sie sind über» daß in Zukunft solche Lösungen leichter erreicht werden, wenn das Gemüt des Menschen von dem Druck und der Angst einem Kriege, und wenn die Industrie von der Last der Rüstungen befreit sein wird, die der deutsche Militarismus ihr »uferlegte. Der Tei! 13 des Entwurfs der Friedensbedingungen die Mittel vor, durch die die Lösungen erreicht werden onnen. Der zweite Abschnitt des gleichen Teiles setzt die Grund- auseinander, die fortschreitend die internationale Arbeiter- urganisation und den Völkerbund leiten werden. Artikel 27 legt Zeugnis darüber ab, daß die Aufzählung der doti Zündsätze nicht abgeschlossen ist. Zweck der geschaf, vvotron ist die ständige Entwickelung der internationalen Arbetter- "onung.

2. Das Arbeiterabkommen ist in den Friedensvertrag aufg«- anunen. Deutschland wird also aufgefordert, es zu unterzeichnen.

Zukunft wird ihrem Lande das Recht, an den internationalen -**eitet6tfianifationeu teilzunehmen, sicher zusteheu. sobald es

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gemäß Art. 1 des Vertrages in den Völkerbund ausgenommen sein wird.

3. Es ist nicht für nötig erachtet worden, eine Arbeiterkonfe­renz nach Versailles einzuberufen. Die Beschlüffe der Eewerk- schaftskonferenz in Bern, die in Ihrem Entwurf des Abkommens über internationales Arbeiterrecht enthaften sind und auf die sich § 1 Ihres Briefes vom 10. Mai bezieht, sind bereits mit der sorgfältigsten Aufmerksamkeit geprüft worden. Die Vertreter der Gewerkschaften sind an der Ausarbeitung d^r Artikel der Friedens­bedingungen beteiligt, die auf die Arbeit« Bezug haben.

Wie aus dem Anhang zum zweiten l »schnitt des Teiles 13 Seite 200 hervorgeht, umfaßt das Progran.m der ersten Sitzung der internationalen Arbeiterkonferenz, die im nächsten Oktober in Washington tagen soll, die wichtigsten Fragen, die auf der Gewerkschaftskonferenz in Bern verhandelt wurden. Die Gewerk­schaften werden aufgefordert, an der Konferenz in Washington teil­zunehmen. Sie wird nach bestimmten Gesetzen abgehalten werden, die eine Fortsetzung ihrer Beschlüffe voraussehen, jedoch unter der Voraussetzung der Zustimmung der zuständigen Behörden der Der» tretenen Länder.

4. Der Entwurf des Abkommens über das internationale Ar­beiterrecht, den die deutsche Regierung vorbereitet hat, weist eine Lücke auf; er enthält keine Bestimmung, die eine Vertretung der Arbeiter auf der internationalen Konferenz vorsieht, die er in seinem Artikel 7 vorschlägt. Er steht auch in folgenden Punkten den Bestimmungen des Teils 13 der Friedensbedingungen nach:

a) Fünf Jahre werden als größter Zeittaum zwischen je zwei Sitzungen festgesetzt (Artikel 7). Die Friedensbedingungen schlagen ein Jahr vor (Art. 389).

b) Jedes Land verfügt über eine Stimme (Art. 7). Di« Friedensbedingungen sprechen jedem Delegierten eine Stimme zu, gleichviel ob er eine Regierung, die Arbeitgeber oder die Lohn­arbeiter vertritt (Art. 390).

c) Die Beschlüffe sind nur dann bindend, wenn sie von der Majorität angenommen sind, die */« der an der Abstimmung teil­nehmenden Länder umfaßt. (Art. 71 In den Friedensbedingungen

' ....." AWmmung abgegebenen Stimmen zur Wurfes durch die Konferenz nötig (Art. Ä5f.

Die alliierten und assoziierten Regierungen sind daher der Meinung, daß ihre Entscheidungen der Sorge Rechnung tragen, die die deutsche Delegation hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit äußert, und daß diese Entscheidungen die Gewähr sind für die Verwirk­lichung von Reformen, auf die die Arbeiterklaffe mehr denn je ein Recht hat nach der harten Prüfung, die der Welt während der letzten fünf Jahre auferlegt worden ist.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner aus­gezeichneten Hochachtung. gez. E. Clemenceau.

Keine Unstimmigkeiten im Kabinett.

DDP. Berlin, 16. Mai.

LautGermania* herrschen im Kabinett keine Unstimmig­keiten. Gleichzeitig deutet das Blatt en, daß von einer Spekulation Erzbergers auf den Posten des Grasen Brock- dorff-Rantzau keine Rede sein kann.

Artillerietransporte Frankreichs nach dem besetzten Gebiet.

DDP. Berlin, 16. Mai.

DieP. P. H.* erfahren an zuständiger Stelle, daß seit einigen Tagen von Frankreich nach dem besetztenDeulsch- land fortgesetzt Züge mit Kanonen dirigiert werden. Auf einem Äahnhof des Hennegaus wurden in nock nicht zwölf Stunden zehn Konvoys schwerer Artillerie gezählt. Belgien hat fünf Jahresklaffen wieder einberufen.

Der Gewaltfrieden auch gegen Oesterreich.

DDP. Amsterdam, 16. Mai.

Algemern Handelsblad gibt die Meldung der United Prëß wieder, wonach die Friedensbedingungen für Oesterreich die folgenden fein werden: Anerkennung der drei neuen Republiken, Abschaffung der Dienstpflicht, Umwandlung der österreichischen Armee in eine Polizei, truppe, Auslieferung der Munitionsvorrate und der schweren Geschütze, Schleifen der Forts an der rumänischen (?) Grenze und in der Adria, gerichtliche Verfolgung der­jenigen, die sich Mißbräuche in der Kriegsführung zu schulden kommen ließen. Die Fahrt auf der Donau wird dem Völkerbund unterstellt. Das Banat mit Temesvar kommt zu Jugoslawien, die Rumänen erhalten einen Teil von Siebenbürgen, Oesterreich erhält einen Ausweg nach der See und das Recht, die Eisenbahn nach und um Fiume zu benutzen. Südtirol kommt an Italien.

Belgien und der Friede.

DDP. Amsterdam, 16. Mai.

Nach einem Telegramm aus Brüffel erklärte der belgische Ministerpräsident in der Kammer, die Regierung könne sich jetzt nicht in eine Debatte über den Friedens­vertrag einlassen. Als die finanziellen Bedingungen bekannt wurden, sei die Regierung einen Augenblick in Sorge gewesen, sie habe sich aber wieder beruhigt. Die politischen und wirtschaftlichen Jnreressen Belgiens ver­langten die Unterzeichnung des Friedens.

Oesterreich Bundesstaat?

DDP. Wien, 16. Mai.

Innerhalb der christlich. sozialen Vereinigung wird ein Dersassungsentwurf^oorbereilet, der die Umwandlung Deutsche Oesterreichs zu einen Bundesstaat vorsieht.

Bolschewismus in ^ üqarien.

DDP. Amsterdam, 15. Mai.

Nach einer Meldung derTimes" aus Paris gewinnt die bolschewistische Bewegung in Bulgarien an Boden. Die Truppen haben sich bei verschiedenen Ge­legenheiten geweigert, auf die Bolschewisten zu feuern.

Gegen russische Abenteuer.

DDP. Amsterdam, 16. Moi.

Daily Herold" schreibt, die alliierten Staatsmänner hätten die Absicht, Rußland durch Hunger zum Sturz der Sowjetregierung zu zwingen. Die englischen Militärdienst- stellen haben zwar versichert, daß die Truppen in Nord­rußland nach Eintritt von Tauwetter abtransportiert werden würden, sie hofften aber, daß die englische Armee inzwischen so stark in die finnische Invasion verwickelt sein werde, daß es unmöglich sein würde, diese zurück­zuziehen. Am 12. Mai noch sei ein englisches Kontinent von 1600 Mann abgegangen.

Eine Amerikanerin für einen gerechten Frieden.

DDP. Berlin, 16. Mai.

Wie derVorwârrs* ber'chlet, sprach bei den gestrigen Demonstrationen auf dem Königsplatz auch eine Amerikanerin,

Versommlung das Wort ergr ff. Sie sagte: Ich bin feine Deulsch-Amerckanerin, forbern eine Vollvlut-Amtrikauerin, die das Gebot der Menschenliebe ernst nimmt. Hundert- tausende von Deutsch-AmerikanerN, aber auch hunderttausende von Vollblut-Amerikanern haben aut Wilson gerechnet. Nur ein gerechter Friede ist möglich, jeder andere ist eine Unehre für die ganze Menschheit. Wenn die Männer in Versailles diesen gerechten Frieden nicht zustande bringen, io rechne ich auf die Proletarier. Was die Intelligenz nicht zustande brachte, müssen die Arbeiter der ganzen Welt vollbringen. Friede, Freiheit, Brüderlichkeit! Das erste dazu ist, daß Deutschland einig und deutsch bleibt. Die in gutem Deutsch vorgeira en^ Ansprache wurde mit brausendem Bei­fall ausgenommen.

AusHanauStadtund Land.

Hana«, 16. Mai.

Tätigkeitsbericht dM HanDelskammer zu Hanau

vom 1. Januar bis 30. April 1919.

In der die ersten 4 Monate des Jahres 1919 umfassenden Derichtsperiode konnte die Handelskammer eine eifrige und recht um fanMeiche Tätigkeit entfalten, welche sich von dem zwangsläufigen und vielfach lähmenden Einerlei unsrer Krietzsarbeiten durch vermehrte Vielseitigkeit vorteilhaft unter­scheidet und erfreulicherweise auch für größere Aufgaben und eigene Initiative wieder mehr Raum gewährt hat, und es steht zu hoffen, daß gerade in letzterer Beziehung die Betätigungs- Möglichkeiten der Handelskammer noch erheblich wachsen wev den, je mehr Bewegungsfreiheit sich nach außen wie mr Inner» wieder für Industrie und Handel bieten wird.

Abweichend von unseren früheren Berichten geben wir dies­mal nicht alle Einzelheiten, noch SachgeListen gegliedert, hier wieder, sondern wir legen den hauptsächlichen Wert darauf, zu zeigen, in welchem Grade die Handelskammer sich wieder mehr einer selbständigen und umfassenderen Tätigkeit zuwende» konnte. Hier stehen in erster Reihe 4 größere Darstel­lungen, welche die Handelskammer auf Grund umfangreicher Ermittelungen ausarbeiten konnte über die Lage der Industrie in ihrem Bezirk Ende Januar. Über gewaltsame Störungen bet Eerblichen Betätigung in Hanau, über die wirtschaftlichen tun gen der politischen Umwälzung und über die durch den Krieg verursachten Veränderungen in der Industrie ihres Bo- zirks.

Wichtigere Eingaben der Handelskammer sind 3» erwähnen wegen folgender Angelegenheiten: Hindernisse im» Export nach den nordischen Ländern, Veredelunasverkehr mit Garnen, zu geringe Anzahl der amtlichen vertraulichen Berichte über Auslandsfragen, Erteilung von Ausf iihrbewilli gungen für Platin sckMUÜ durch die Handelskammer, Versorgung der städti­schen Werke in Hanau sowie einiger Industriebetriebe mri Kohlen, Erhöhung der Zündhölzerhochstpreise, Aufrechteryal» tung des freien Kohlenhandels. Freigabe des Verkehrs mit Leder und mit Jndustriegerste und -Hafer, Aufhebung des Ver­kaufsverbots für Spirituosen, bevorzugte Behandlung der Kon- sumvereine, Zulasiung preußischer Käufer beim Verkauf mm Heercogut in D uritemberg, Abgabe aus Heeresbeständen an den einheimischen Handel und an Jndustriefirmen, Errrchtunz einer Zweigstelle des Reichsverwertungsamtes in Hanau, Ver- teilâg von Tabgkwaren unter Hinzuziehung des «fläffigotz