«wrSänsSsevü-et
$k 8geft>Äkme Solondgeilt oder deren Raum 30 Pfg, im Neklametril die Zelle L— SKL Offertengebühr 26 Pfg.
A^atlonSbrnck und Verlag: WaisenhanS-Buchdruckerei nud -Buchhandlung in Hanau.
GeneM-Anzeiger
Amililhks Grzas für AM- und LaMms Km».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.
Bezugspreis t
Vierteljährlich 3.75 Mk., monatlich 1.25 Mk., für Postbezug vierteljährNch 3.75 Mk„ monatlich 1.25 Wl»
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Verantwortlich für die Redaktion: Gustav Schrecker» für Anzeigen n. Reklamen: Aug. B r o d t, beide in Hanau.
A. 112 ««KLL'L^ LSÄ *■ - DonnerMA den 15. Mai StlAÄÄ 1919
.......
Neue deutsche Noten.
Wie Wilson früher über den Frieden dachte.
,Die Verträge und Vereinbarungen, die diesen Krieg beendigen, müssen Bestimmungen enthalten, durch die ein Friede zeschaffen wird, der wert ist, verbürgt und gewahrt zu werden. ES muß ein Friede sein, der die Zustimmung der ganzen Menschheit findet und nicht bloß den verschiedenen Zntereffen und unmittelbaren Zielen der im Krieg befindlichen Silfer dient.
Vor allen Dingen scheint mir die Voraussetzung uner- Mch, daß ein Friede ohne Sieg geschlossen werden muß. Ein Siegfrieden würde bedeuten einen Frieden, der dem Verlierer aufgezwungen ist, würde die Bedingungen des Siegers tedenten, die dem Unterlegenen auferlegt werden, er würde M mit dem Gefühl der Demütigung hingenommen werden Mier Härten, unter unerträglichen Opfern, er würde einen Ttachel zurücklassen, ein Rachegelühl, eine bittere Erinne- nmg, auf denen der geschlossene Friede nicht dauernd, fon= fern nur wie auf Treibsand ruhen würde. Nur ein Friede zwischen gleich und gleich geschlossen kann dauern. Ja, das Prinzip der Friedens selbst ist Gleichheit und gleiche Teil«
»ahme an gemeinsamem Vorteil.
Diese Gleichheit der Völker, zwischen
denen ein bauern*
«r Friede geschlossen werden soll, muß eine Gleichheit der Rechte fein*.
Ansprache an den Senat vom 22. Januar 1917^
„Die Gerechtigkeit, die zugemcsseu wird, darf keine Unter« lcheidung zwischen denen mit sich bringen, denen gegenüber vir gerecht zu sein wünschen. Es muß eine Gerechtigkeit sein, WMfise Begünstigung kennt und keine Ädzi^ng««, MMP, nur gleiche Rechte für die beteiligten Volker".
Rede in New Dort vom 27. September 1918.
„Für die Vereinigten Staaten ist eâ unter ihrer Würbe, sich einer inneren Schwäche oder Zerrüttung zu bedienen, um ihren Willen einem anderen Volke aulzuerlegen".
Ansprache an den Kongreß vom 11. Februar 1918.
„Der Gang der Eroberungen und Vergrößerungen ist Mbei.
Was immer den Frieden betrifft, betrifft auch die Menschheit, und was durch militärische Macht geschlichtet ist, ist, wenn in unrechter Weise geschehen, keineswegs beigelegt, es wüßte alsbald wieder von neuem angefangen werden".
Ansprache an den Kongreß vom 6. Januar 1918.
Eine neue Note an Clemenceau.
WB. Versailles, 13. Mai.
Reichsminister Elias v. Brockdvrff-Rantzau hat heute an den Präsidenten der Friedenskonferenz Clemenceau folgende drei Koten gerichtet: _
Versailles, 13. Mai 1919.
„ Herr Präsident! Entsprechend der Ankündigung in meiner Kote vom 9. Mai d. I. überreiche ich die nachfolgende Aeutze- der volkswirtschaftlichen Kommission, die beauftragt ist.
Rückwirkung der in Aussicht genommenen Friedensbeorn- W^en auf die Lage der deutschen Bevölkerung zu begutachten. Deutschland war im Laufe der letzten beiden Eenerationen vom Mvrsiaat zum Industriestaat über gegangen. Als Agrarstaat iMite Deutschland 40 Millionen Menschen ernähren, als Wriestaat war es in der Lage, die Ernährung einer Bevölkerung von 67 Millionen sicherzustellen. Die Einfuhr an Lebens- wtteln betrug im Jahre 1913 rund 12 Millionen Tonnen. Vor
Kriege lebten in Deutschland von dem auswärtigen Han- und der Schiffahrt — entweder direkt oder indireLt durch A Verarbeitung auswärtiger Rohstoffe — rund 15 Millionen Menschen. Nach den Bestimmungen des Friedensvertrages soll Deutschland seine für den lleberseehandel taugliche Handels- wpße und Echisfsneub anten ausliefern. Auch sollen die giften in den nächsten fünf Jahren in erster Linie für die alliierten und assoziierten Regierungen bauer. Deutschland ferner seine Kolonien ein; die Cesamtheit seines Besttz- .J1®, seiner Interessen und Titel in den alliierten und asso- teten Ländern, in deren Kolonien Dominiens und Protek- m soll — zur teilweisen Deckung der Entschndigungsatte e — der Liquidation unterliegen und jeder anderen wirf. Mstlichea Kriegsmatznahme ausgesetzt sein, welche die auu Aten und assoziierten Mächte in der Friedenszeit aufrecht M •galten oder neu einzu führen beschließen mögen. Bei Aâ> Mung der territorialen Bestimmunigen des Friedensvertrages wurden im Osten die wichtigsten Produktions gebiete für ?fwe und Kartoffeln verloren gehen; das wäre gleichbedeutend n™ einem Ausfall von 21 Prozent der Geyamternte in diesen «be'nsmttMn lleberdies würde unsere landwirtschaftliche Produktion in'ihrer Intensität stark zurückgehen. Einmal wäre ^ Zufuhr von bestimmten Rohstoffen für die deutsche Dunge- ^uteltndustrie, wie Phosphaten, erschwert, sodann würde diese, jede andere Industrie, unter Kohlenmangel leiden, denn Friedensvertrag steht vor, daß wir säst ein Drittel unserer ^ylenproduktion verlieren. Außerdem werden uns für die zehn Jahre ungeheure Lieftrungen an Kohle an be- I^Wtte alliierte Länder auferlegt. Weiter soll Deutschland H 7 dem Vertrage fast drei Viertel seiner Eisenerzproduktto^ i1® mehr als drei Fünftel seiner Produktion an Zink zugunsten ^«r Nachbarn abtreten. Nach dieser Einbuße an eigener Pro- Mioa, nach der wirtschaftlichen Lahmlegung durch den Ver- M der Kolonien, der Handelsflotte und der answärtise» Be
sitztümer, wäre Deutschland nicht mehr in der Lage, genügend Rohstoffe aus dem Auslande zu beziehen. Die deutsche Industrie müßte daher in ihrem gewaltigen Umfange erlöschen. Eleichzettig würde der Bedarf an Lebensmitteleiafuhren erheb- . lich steigen, während die Möglichkeit, ihn zu befriedigen, außerordentlich sinken mutzte. Deutschland wäre daher in kurzer Zeit außerstande, den vielen Millionen auf Schiffahrt und Handel angewiesenen Menschen Arbeit und Brot zu gewähren. Diese Menschen müßten aus Deutschland auswandern; das ist aber technisch unmöglich, zumal sich viele der wichtigsten Länder der Welt gerade gegen die deutsche Einwanderung sperren würden. Außerdem würben Hunderttausende ausgewiesener Deutschen aus den Gebieten der mit Deutschland Krieg führenden Staaten Sowie aus den abzutretenden deutschen Territorien und Kolonien nach dem Lbria bleibenden deutschen Gebiet einströmen. Werden die Friedensbedingungen durchgeführt, so bedeutet das einfach,
daß viele Millionen Menschen in Deutschland zugrunde gehen müssen. Dieser Prozeß würde sich rasch entwickeln, da durch die Blockade während des Krieges und deren Verschärfung' während des Waffenstillstandes die Volksgesundheit gebrochen ist. Kein Hilfswerk, noch so groß und langfristig angelegt, könnte diesem Massensterben Einhalt tun. Der Friede würde von Deutschland ein Mehrfaches der Menschenopfer fordern, die der l^jährige Krieg verschlang (1% Millionen sind im Felde gefallen fast 1 Million sind Opfer der Blockade geworden). Wir wissen nicht und mochten es bezweifeln, ob die Delegierten der alliierten und assoziierten Mächte sich über die Konsequenzen im klaren sind, wie sie unvermeidlich eintreten würden, wenn Deutsckland, soeben noch ein dichtbevölkerter, mit der ganzen Weltwirtschaft verknüpfter, auf gewaltige Rohstoff- und Lebens- mitteletnfuhr angewiesener Industriestaat, plötzlich auf eine Entwicklungsstufe zurückgestotzen wird, die feiner ökonomischen Konstruktion und seiner Bevölkerungsziffer von vor einem halber, I âhundert entspricht. Wer diesen Friedensvertrag
spricht da onèft
deutscher Männer, Frauen und Kinder aus.
Ich habe es für meine Pflicht gehalten, vor der llebsrreichung weiterer Einzelheiten diese allgemeine Aeußerung über die Wirkung des Friedensvertrages auf das deutsche Bevölkerungs- problem zur Kenntnis der alliierten und assoziierten Friedens- delegation zu bringen. Die statiliffchen 9ladtweite stehen auf Wunsch zur Derfügung. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hocha^ung. (gez.) Brock- dorff-Rantzau.
Graf v. Brockdorff-Rantzau in Paris.
DDP. Genf, 15. Mai.
Wie Pariser Blätter melden, hielt sich gestern nachmittag Graf v. Brockdorff-Rantzau über eine Stunde in Paris auf. Auf der Fahrt war er von seinem Sekretär und einem französischen Offizier begleitet.
Appell an Wilson.
WB. Berlin, 14. Mai.
Unter der Ueberschrift „Worte und Tatsachen" unterzieht die „Deutsche Allgemeine Zeitung" Wilsons Taten und seine Rede über den Völkerbund, die er am 9. Mai in der Völkerrechtsgesellschaft gehalten hat, einem Vergleich. Das Blatt schreibt u. a.;
Das deutsche Volk glaubte an Wilson. Heute, angesichts der entsetzlichen Friedensbedingungen, muß es ausgesprochen werden, daß keine Vergewaltigung und Entehrung, die unsere Feinde gegen uns ersannen, das deutsche Volk so sehr enttäuschen konnte wie die Erkenntuis, daß uns Wilson betrogen haben sollte. Sollte dieser Krieg dem Völkerrecht Lebenskraft geben, so ist es jetzt die höchste, allerhöchste Zeit, daß sich Wilson gegen den Vertrag empört, daß Wilson erklärt, auf welche unverständliche Weise sein Name in das Dokument der Schande gekommen, und daß Wilson vor der Welt bekennt, daß er selbst gezwungen oder selbst betrogen wurde. Wilson sagte: „Mit dem neuen Völkerrecht begeben wir uns auf unerforschte Meere." Wenn das der Völkerbund ist, was die Bedingungen von Versailles in ihrem zweiten Teil enthalten, so ist Wilsons neuer Gedanke nichts anderes als die alte Entente unter der falschen Flagge eines neuen Worts. Dann ist aber auch bewiesen, daß keiner weniger berufen war, der We:t der neuen Zeit entgegenzusteuern, als der Präsident, der das Selbstbestiminungs- recht der Nationen dadurch verwirklichte, daß er die Deutschen in Oberschlesien, Posen, Westpreußen und im Saargebiet jedes Rechts auf Selbstbestimmung beraubte, der die Freiheit der Meere dadurch verwirklichte, daß er die deutsche Flagge von den Meeren verschwinden ließ, und der den Frieden des Rechts und der Gerechtigkeit dadurch verwirklichte, daß er ein besiegtes Volk aus der Gemeinschaft der Nationen zu vertilgen suchte. Das deutsche Volk kann noch nicht glauben, daß Wilson wirklich so hätte handeln können, wie aus den Bedingungen vom 7. Mai sich ergibt; noch weniger, daß er zwei Tage darauf so hätte sprechen können, wie Reuter über die Rede vom
9. Mai berichtet. Jetzt ist es an der Zeit, daß Wilson seinen Protest mit dem Protest des deutschen Volkes ver« einige und uns bei stehe, wenn wir die Korrektur der Friedensbedingungen fordern. Jetzt, wo wir unser Recht aus den vierzehn Punkten Wilsons verlangen, mutz Wilson selbst unser energischster Bundesgenosse sein?
Amerika und die Friedensbedingungen.
DDP. Rotterdam, 15. Mai.
Der „Manchester Guardian" meldet au» New-Pork: Di« Friedensbedingungen sind als völlige Ueberraschung in Amerika eingetroffen. Das große Publikum verkennt noch immer ihre Tragweite. Man begreift noch immer nicht, daß die Bedingungen so drakonijch sind, datz Millionen Deutsche werden auswandern müssen, weil sie zuhause nichts mehr verdienen können. Man beschäftigt sich mit der Frage, wozu der Friede eigentlich sei, wenn er dazu wäre, das Uebel zu bestrafen, dann könne man mit diesen Bedingungen zufrieden sein, wenn man aber den dauernden Frieden wünsche, dann werde dieses Stet nicht erreicht werden.
Französische Phantasien.
DDP. Genf, 15. Mai.
In gut unterrichteten französischen Kreisen ist man überzeugt, daß Graf Brockdorff-Rantzau selbst den Vertrag nicht unterzeichnen werde und zwar wegen der Klausel, die Wilhelm II. betrifft. Er sei mit dem früheren Kaiser persönlich befreundet. Brockdorff-Rantzau führe also nur alle Diskussionen, werde sich aber in dem Augenblick, wo er seine Unterschrift geben soll, zurückziehen. — Dem „Ecko de Paris" zufolge behandelt eine fünfte Note Brockdorffs die Frage der deutschen Kolonien und wrederholL den Milto^Ä .â oUk konischen Kolonien zu entnationalisièren^
Zu der Verhaftung Levrntz-Niffens.
DDF. München, 15. Mai.
Zu der Verhaftung Levinè-Nissens erfährt das „Acht- Uhr-Abendblatt" noch folgendes: Levinâ wollte sich einen Auslandspaß verschaffen, um damit ins Ausland zu entkommen. Leutnant Krause vom Freikorps Oberland erhielt davon Kenntnis und kam so Levinè auf die Spur. Bei seiner Verhaftung machte Levinö einen äußerst verstörten und ängstlichen Eindruck. Er gab zu, daß er noch kurz vor dem Sturz der Räte-Regierung die Verhaftung Tollers durchsetzen wollte; überhaupt stellt sich heraus, daß Levinè die eigentliche Triebfeder der bolschewistischen Bewegung in München war.
Mordprozeß Liebknecht-Lllxemburg.
W*B. Berlin, 14. Mai.
Nach vitre'nhalbstündiger Beratung fällte das Gerillii faxendes Urteil: Der Husar Otto Runge wurde verurteilt, wegen Wachvergthens im Felde, versuchten Totschlags in Verviudung mt* gefährlicher Körperverletzung unter Mißbrauch der Dienstwaffen in zwei Fällen, in einem Fall in Tateinheit mit erschwertem Wachvergehen im Felde zu zwei Jahren Gefängnis und zwei Wochen Haft, sowie vier Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte Oberleutnant Kurt Vogel wurde verurteilt w.'gen erschwerten Wachvergehens im Felde in Tateinheit mit Mißbrauch der D'enstgewalt und vorsätzlicher Falschmeldung zu zwei Jahren vier Monaten Gefängn-s und Dienstentlassung; von der Anklage der Duldung strafbarer Handlungen Untergebner und erschwerten Wachv.rgeheus tm Felde, sowie des Mordes wurde er freigesprochen. Ferner wurde verurteilt der Oberleutnant der Reftrve Rudolf Liepmann wegen unbefugter Anmaßung einer Besehls- betngnis und ^Begünstigung zu sechs Wochen erschwerten Stubenarrestes; von der Anklage wegen Mordes wurde er fielgesprochen. Die übrigen Angeklagten: Kapitauftutnant Horst v. Pflugk-Hartung, Oberleutnant z. S. Ulrich von Ritigen, Leutnant z. S. Heinrich Stiege, Lerrtuant z. S. Hei rrich Stiege, Leutnant ;. S. Bruno Schulze und Haupt« mann Heinz v. Pflugk-Hartung wurden freigejprochen.
DDF. Berlin, 15. Mai.
Der Urieilssvruch im Liebknecht-Luxèmburg-Prozeß wurde, wie die „Voss. Zeitung" schreibt, im Zuhörerraum mit lautem Beifall begrüßt. Der Vorsitzende verbot auf das strengste jede Kundgebung, andernfalls der Saal geräumt werden müsse. Der Vorsitzende machte die Angeklagten darauf aufmerksam, daß es ein Rechtsmittel gegen die Verurteilung nicht gebe, daß aber, falls die Friedensbedingungen unterzeichnet werden sollten, das ordentliche Verfahren mit Rechtsmittel wieder eintrete. — In einer Besprechung des Uriellsspruches schreibt die ^Vossische Zeitung", daß auch ein Geschworenen- geriet im großen Ganzen nicht anders hätte urteilen können als der Senat der Gardeschützendivision, wohl aber habe bet Lu Hörer das Gefühl der undemokratischen Zummmensetzun- des Knegsgerichts nicht einen Augenblick verlieren lärmen.