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1919

W

Deutschlands Appell an das Weltgewissen.

Die Nationalversammlung gegen den Versklavungsfrieden.

Die verfaflunggebende deutsche Nationalversammlung mrde am Montag wahrhaft zum Sprachrohr des von furchtbarster Todesnot bedrohten deutschen Volkes. Das Notquartier" und seine sichtbare Unzulänglichkeit konn­ten die gewaltige Wucht, mit der die Stimme Deutsch­lands in alle Weltenweite scholl, nicht dämpfen. Die ganze Sitzung war von einer Geschlossenheit der Stimmung getragen und von einer Macht innerlichster Überzeugung, die schlechthin nicht überboten werden konnte, und in der zeitweise, rasch vorübergehende Trübungen von der äußersten Linken her spurlos untergingen. Der Höhe­punkt dieser geschichtlichen Sitzung, die ein so tragisches Gegenstück zu jenen ewig unvergeßlichen Tagen im Reichs­tag von 1914 darstellt, lag gleich zu Beginn in der großen Rede des Ministerpräsidenten Scheidemann. Die Redner­gabe Scheidemanns feierte am Montag einen Triumph, der auch von der Rechten nicht bestritten wurde, wo man vielleicht im Einzelnen wie im Ganzen manches sich anders gewünscht haben mochte. Sie gab dann den Ton und das Niveau für die darauffolgenden Darlegungen der Fraktionsführer an und beansprucht nach Form, In­halt und Bedeutung unter Ausschaltung alles anderen, was die Sitzung sonst noch gebracht hat, eine ausführ­liche Betrachtung für sich. Sie war zugleich kämpferisch und von ruhiger Sachlichkeit, und sie zeigte dem Blick «Mf«Ä.uimr LlLLllä^dlL Hduu Lrâkll. Lie einander in unversöhnlichstem Gegensätze gegenuberstehen: hie Deutschland und seine Mitstreiter in Gestalt des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, der Unab­hängigkeit freier Nationen und des Glaubens an all die schönen Ideale, unter deren Banner die Entente zu fechten vorgab und auf der anderen Seite die Vorkämpfer einesMordplanes«, jene Leute, die ein Sechzig- Millionenvolk hinter Stacheldrahtzäune setzen wollen. Außerordentlich geschickt war gleich im Anfang die Bild­haftigkeit, mit der der Ministerpräsident die Völker Deutschlands in packenden Worten als geschloffene Einheit zusammenfaßte und damit dem Appell an das Weltge- Wissen, dem letzten Appell in zwölfter Stunde, zu dem er seine Rede gestaltete, den starken Hintergrund verlieh. Das Kämpferische, von dem wir sprachen, kam hier zum Ausdruck, als er der Elsaß-Lothringer gedachte, die in« Witten der Vertreter der deutschen Stämme infolge des Nachtgebotes mitleidloser Feinde fehlen mußten. Dröhnender Beifall schwoll auf, als Scheidemann aus« rief: Wir sind ein Fleisch und ein Blut, und wer uns zu trennen versucht, der schneidet mit mörderischem Messer in den lebendigen Leib des deutschen Volkes! llnd dann kam eine in ihrer Kürze meisterhafte und erschöpfende Kritik des Clemenceaufriedens, die hoffentlich in der Welt ihre Wirkung nicht verfehlen wird, denn so Wie hier ist die Verruchtheit der feindlichen Vernichtungs­pläne bisher noch nirgends angeprangert worden. In der

es ist so, wie Scheidemann gesagt hat: das in den Atzten Tagen in Plakaten und als Anzeige in den Blättern überall bekannt gewordene Bild der beiden Hoffnungs- Men Gesichter hinter Gefängnisgittern ist das gegebene -t-itelbild für diesen sogenannten Friedensvertrag. 3« . Tut:Herauswurf aus der Außenwelt« und Sklaverei

Innern sind die Richtlinien, nach denen dieserWilson- frieden" zustande gekommen ist. Und wie eingehend man W auch bisher schon mit dem Frieden von Versailles belästigt haben mag, erst mit dieser Rede Scheidemanns Wird der-großen Masse des deutschen Volkes völlig klar Werden, von welch ungeheuerlichem Schicksal sein Leben bfdroht wird. Die einmütige, stürmische Zustimmung, ble Scheidemann aus der Nationalversammlung heraus ^igegenscholl, als er erklärte, daß die Reichsregierung bresen Vertrag für unannehmbar halte, wird auch die Ge- s^Wtheit aller Deutschen dem leitenden Staatsmann nicht besagen. Sie dankt ihm im besonderen, daß er gerade dieser Stelle seiner Rede des Gelöbnisses der Treue dachte, daß auf die Verkündigung der Mordabfichten buserer Feinde aus Wien zu uns gekommen ist. Der Appell an die Nationalversammlung und das deutsche flolk, der Regierung bei der Anbahnung von Verhand- bngen beizustehen, wird überall Gehör finden, denn wir in der Tat alle eins in der Pfiicht, als Richter vor ;.ct Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder zu setzen. B.

m den Gervaltfrieden.

Hoffnung.

Von v. Reinhard Mumm, M. d. 9t.

Ueberwaltigend steht vor uns das Zerschmeticrnde der Friedendbedingunzen.

Der Dienst, den wir in solcher Zeit an der Seele unseres Dilles zu üben haben, ist nicht gering. Ein jeder, der die Bedeutung innerer Kraft kennt, hat die Pflicht, im deutschen Volke den Funken glühend zu halten, den Hoffnungsfunken, daß das deutsche Volk noch eine Zukunft hat.

Möglich ist es nur da, wo man Gott als den Herrn der Geschichte kennt wo man ihn kennt, vor dem tausend Jahre sind wie ein Tag. Freilich wollen wir lernen, alles weichliche, weibische unseres Gottbewußtseins zu streichen, damit wir die erschütternde Sprache ver, stehen, die er zu uns redet.

Auf hundertjährige Knechtschaft und Zertrümmerung und Verkümmerung haben wir zu rechnen. Wir wollen uns die Hoffnung nicht leicht machen, indem wir auf lleberraschendes, das ja gewiß in wenig Jahren kommen kann, bauen. Wir wollen, um nüchtern zu sein, mit hundert Jahren der Schuldknechtschaft rechnen. Und doch wollen wir halten an der Hoffnung und an der Volks­seele bauen, daß sie dereinst den verwüsteten Volkskörper wieder aufrichten.

Und mag es noch tiefer hinabgehen in Mammonismus, in Sittenlosigkeit und Geburtenrückgang. So tief beugt Gott kein Volk, mit dem er nicht Großes vorhat. Sein Auge schaut über die Jahrtausende. Und wenn wir den Tag der Umkehr nicht mehr sehen, so wollen wir ihn in den Herzen der Kinder und Enkel vorbereiten. Beugung und Erhebung zugleich bereit zur Buße, aber auch fähig zum Glauben.

An die Arbeiter.

Berlin, 13, Mai.

DerVorwärts« veröffentlicht eine Unterredung mit dem Reichspräsidenten Ebert. Dieser betont darin, daß, so wie soziale Kämpfe ohne Verhandlungen nicht ausgetragen und abgeschloffen werden könnten, auch ohne Verhandlungen kein politischer Friedenszustand kommen könne. Das müsse gerade Lloyd George wissen. Diese Verhandlungen würden schnellstens beendet werden können, wenn man nur die 14 Punkte Wilsons zur Grundlage nähme. Die Durchführung der Friedensbedingungen würde Deutschland durch Sterblichkeit und Abwanderung in kurzer Zeit zu einem dünnbevölkerten Agrarland machen. Erne Zu­stimmung, die man dem deutschen Volk mit Gewalt ab- presse, würde nichts sein als eine aus der Verzweiflung geborene Lüge, aber er hoffe, daß das deutsche Volk mit einer Lüge in dem neuen Abschnitt seiner Geschichte nicht eintreten werde. Jetzt komme es darauf an, die Geschlossenheit des Volkes zu erhalten.Wir müffen, so führte der Reichspräsident aus, in freier Aussprache reiflich überlegen, was wir zu tun gedenke«. Kommt es aber zum Handeln, dann darf nicht ein Teil des Volkes dem anderen in den Rücken fallen. Wenn die entscheidende Stunde ein Volk findet, das sich selber zerfleischt, dann ist' aller verloren. Vor allem sollen die Arbeiter bedenken, daß es jetzt um ihr Letztes und Höchstes geht. Ein zer­tretenes Deutschland kann nichts leisten für den sozialistischen Fortschritt der Welt und für das Wohl der arbeitenden Bevölkerung. Die Arbeiter können, indem sie allgemein in die Wege der Vernunft einlenken und ihre bewunderns­werte moralische Wiederstandskraft in den Dienst des Volksganzen stellen, Deutschland retten. Ich hoffe zu­versichtlich, sie werden es tun!

Ein Appell an den Papst.

DDP. Berlin, 14. Mai.

Bischof Schulte von Paderborn hat an den apostolischen Nuntius in München, Monsignore Pacelli, folgendes Te­legramm gerichtet: Durch die gütige Vermittlung Eurer Exzellenz bitte ich in tiefster Ehrfurcht den Heiligen Vater um Intervention bei den Ententemächten behufs Milderung der unerfüllbaren Friedensbedingungen, die zur Verzweiflung der deutschen Volkes und zur Vor­bereitung der Weltrevolution führen müssen. Die Kriegs- gefangenenhilf« und Vermißtennachforschung der deutschen Bischöfe hat in vielen hunderttausend Fällen den feind­lichen Gefangenen und Familien Trost und Hilfe zu bringen gesucht und glaubt deshalb ein Anrecht zu haben, in dieser Stunde einen öffentlichen Appell an die Mensch- lichkeit der Feinde Deutschlands richten zu dürfen.

Der große Weltverbesserer.

DDP. Haag, 14. Mai.

Aus Washington wird gemeldet: Die Blätter ver« öffentlichen folgendes Telegramm Wilsons an seine« Sekretär: Glücklicherweise ist keinerlei Geheimnis oder Rätsel in dem, was ich versprochen habe. Ich habe neu sprachen, unter Gutheißung des Völkerbundes dem Senat eine ergänzende Bestimmung vorzulegen, durch welche wir? uns verpflichten, Frankreich sofort Hilfe zu leisten im Falle Deutschland ohne Provokation zum Ueberfall über­gehen würde. Dadurch tun wir nichts, als die Aktion zu beschleunigen, zu der wir durch den Völkerbundvertrag verpflichtet werden würden.

Die Lage in Bayern.

DDP. Kempten, 14. Mai

In Kempten ist der Arbeiter- und Soldatenrat ab­gesetzt worden, der zum größten Teil aus kommunistischen Elementen bestand. Ueber die Stadt ist das Standrecht verhängt worden. Die Waffenablieferung wurde sofort in die Wege geleitet.

Aschaffenburg, 14. Mai.

Auf Beschluß der Staatsregierung wird gegen den Nâte« putsch auch in Aschaffenburg strafrechtlich vorgegaugen. Die Führer wurden gestern in Haft genommen.

Die Scham vor dem Unrecht am Kaiser.

DDP. Berlin, 14. Mai.

Aus dem Haag wird gemeldet Nachdem die Entente zuerst wegen der Auslieferung des früheren Deutschen Kaisers solchen Lärm geschlagen haben, wagt nun niemand denerfterl Schritt zu tun, den Kaiser vor Gericht zu ziehen.. So wird von verschiedenen Seiten gemeldet, daß keine der verbündeten Mächte daran wolle, einen Antrag auf Aus­lieferung des Kaisers an Holland zu stellen.

Die Internationale.

Paris, 18. Mai.

Die Agence Havas meldet: Die von der internationale« sozialistischen Konferenz in Bern ernannte Aktioaskommission prüfte die den Vertreten: Deutschlands unterbreiteten Frie- Lensbedinguugeu. Die Kommission beschloß, den vier Haupt- bevollmächtigten ein Expose über ihren Standpunkt vorzulegen. Die Kommission erinnert daran, daß die internationale Konfe­renz in Vevu im Februar 1919 einige Grundprinzipien für die Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens festgelegv habe, Prinzipien, die sie auch dem Präsidenten der Friedens- konftremz übermittelte und die als Grundlage für die Prüfung dienten. Sie erkennt die für die Wiedergutmachung einiger irr diesem Kriege begangenen Ungerechtigkeiten gemachten An- sirenMngen und die Bemühungen ^an, einige der unterdrückten! Völker zu befreien, begrüßt die Schaffung des Völkerbundes und stellt fest, daß die Kriegsgefangenen heimbefördert werde-, sollen, sobald Ler zukünftige Friede unterzeichnet ist. Der Bob, Lerbund in der vorgeschlagenen Form sei jedoch eine Liga von Regierungen und Exekutivkomitees und nicht ein Bund der Völker und Parlament«. Er verpflichte nicht alle Teilnehmen- den, sich Schiedsgerichten und Beschlüssen zu unterwerfen, bevor sie zum Kriege greifen. Er scheine kein Instrument der inter­nationalen Gerechtigkeit zu sein. Die Kommission verlangt di« Zulassung von Deutschland und Rußland und zwar sobald als möglich, damit der Bund wirksam weitere Kriege vermeiden könne. Die Beschränkung Ler Rüstungen Deutschlands sei eine für die allgemeine Abrüstung notwendige Bedingung,.,die ein­zige Friedenrhoffnung und notwendig für die Sicherheit Leo Rationen, doch fordere die Internationale von den Alliierten, ihre militärischen und maritimen Rüstungen herabzusetzen. Die Internationale begrüße die Wiedergeburt Polens, sie bedauert jedoch, Laß Lie Absteckung seiner Grenzen und die Trennung des deutschen Staates in zwei auseinanderliegende^ Teile die Ur­sache von Schwierigkeiten und Mißstimmung sein werde._ Die Kommission erkennt an, daß es gerecht ist, wenn die Zerstörung der Gruben in Belgien und Frankreich für Deutschland die Ver- vflichtunH nach sich zieht, als Kompensationen Kohlen zu lie­fern,'doch kritisiert sie die Bedingungen des Vertrages bezüglich Les Saaraebietes, die Austeilung der deutschen Kolonien und die ZuieiÄng Schantungs an Japan.

Preußische Landesversammlung.

Sitzung vom 13. Mai 1919.

Das Haus ist gut besucht. Am Ministertisch: Hirsch u. a.

Vizepräsident Dr. Frentzel eröffnet die Sitzung um 1.20 Uhr nachm. Zur Beratung steht die Erklärung des Ministerpräsidenten vom 8. Mai betreffend die Friedensbedingungen.

Abg. Gräf, Frankfurt a. M. (Soz.): Wir waren auf harte Friedensbedingungen gefaßt. Unsere einzige Hoffnung war, daß ; die Feinde uns das Leben lasten würden, schon um zu den von ihnen geforderten Entschädigungen zu gelangen. Aber dieser ftriedensentwurf würde uns erwürgen. (Sehr richtig). Dieser Entwurf steht im Zeichen unverhüllten Länderraubs. Der Korri­dor zum Meer, den die Polen erhalten sollen, ist mächtig breit ausgefallen. Das ist ein Hohn auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Wir sollen wirtschaftlich an England und militärisch an Frankreich ausgeliefert werden. Die Forderung von 14000G Milchkühen erinnert an den Kindermord von Bethlehem. Rohstoffe und Arbeitsmöglichkeit will man uns nehmen. Wer damit meint, daß wir einen solchen Frieden unterzeichnen können, ist ein poli» tilcker und ökonomischer Idiot. (Lebhaft« Zustimmung). Vi«