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Hanauer K Anzeiger

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Montan den 12. Mai

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Die Aufnahme der Friedensbedingungen

Am Pranger der Welt!

Obschon Havas und Reuter mit gewohnter Hinierhâltig- hit aus Frankreich und England in erster Linie die Stimmen ter chauvinistischen und jingoistischen Hetzpresse über die Grenze und den Kanal gelassen haben, kann man aus dem bisher vorliegenden Material aus dem neutralen Auslande und den Ententeländern mit Eindeutigkeit entnehmen, daß das Urteil der Welt über den Flieden, den man Deutschland an- zubieten gewagt hat, feststeht: es ist vernichtend und spricht He Clemenceau, Lloyd George und Wilson eines Kapital- , erbrechen- an der Menschheit schuldig. Daß die Boulevard­lind Northeliffepreffe alles schön und gut finden würde, war mauizusehen, aber trotzdem ist e« ein Gipfel, wenn Cle- menceausHomme libre* die ungeheuerliche Gewissenlosig- Kit so weit treibt, zu behaupten, nur dieser Friede entspreche bem Wilsonprogramm und gewährleiste die Verhinderung «Der zukünftigen Kriege! Da sind selbst dieTimes" ehr­licher, denn sie stellen mit tisenstirniger Befriedigung fest, ba| die Formulierung des Versailler Friedenstraktates zu- zleich die absolute Sicherheit für die Durchführung der Be­dingungen biete. Welche Gesinnungen jenseits des Kanals |Ur Zeit herrschen, geht in außerordentlich bezeichnender Weise nur einer Meldung hervor, deren Ursprung man ohne weiteres m extremen nationalistischen Kreisen Englands zu suchen haben wird, und die nichts geringeres besagt, als daß Lloyd 8»rge bereits vor Wochen in seiner Kenntnis deffen, was er und seine beiden Spießgesellen in Paris zusammenbraute, enzlischen Presseleuten gesagt habe, wenn er ein

ELer wgxe, dann würde er diesen Frieden nicht verzeichnen. Man weiß also in jenen Kreisen jenseits

des Kanals genau, was von 'diesem Frieden tatsächlich

I zu halten ist, aber man bringt es trotzdem fertig, diese I geheime Ueberzeugung mit heuchlerischen Phrasen von I der Erfüllung deshehren* Wilsonschen Programms zu verschleiern. Man ist sich eben sicher, daß das, was die I Entente jetzt als Recht dekretiert, in der unterjochten I Welt als Recht zu gelten hat, und wenn es das Unrecht I und Völkerverbrechen in Reinkultur wäre. Da ist es I ein Trost, zu sehen, daß die Neutralen mit ihrer offenen I Verurteilung nicht zurückhalten. Es spricht doch Bände, I wenn man selbst in der welschen Schweiz, wo man seiner- I seit fanatisch gegen den Brest-Litowsker Frieden demon- I silierte, dementsprechend heute der Wahrheit die Ehre gibt I und, wie z. B. die GenferFeuille" mit klaren Worten I sagt, dies sei der Gewaltfriede in seiner ganzen Schön- I heit. Genau so schreiben die angesehensten holländischen, dänischen und schwedischen Blätter, und wir werden in den nächsten Tagen sehen, daß es genau so überall in i der Welt ist, wo nicht verblendeter Haß regiert. Die überwältigende Mehrheit der Menschheit, die den Erd« I ball bewohnt, hat sein Urteil gegen den Gewaltfrieden

von Versailles gefällt, und dieses Urteil läßt seiner nicht spotten. Und so wissen wir denn: einst wird kommen vor Tag, wo uns der Rächer ersteht . .

E.

k Zwei Erklärungen.

WB. Versailles, 11. Mai.

Die Note der deutschen Fricdensdelegation über die all- ^meine Beurteilung des Friedensentwurfis wurde durch Clemenceau am 10. Mai mit folgender Note beantwortet:

Herr Präsident! Die Vertreter der alliierten und assoziierten haben von der Note Kenntnis genommen, welche Bemerkungen deutschen Bevollmächtigten zum Text der Fnedensbedingungen ent- In Beantwortung dieser Mitteilung möchten sie die deutsche Delegation daran erinnern, daß sie sich bei der Festsetzung der Ver- llcgrbestimmnngen ständig von den Grundsätzen haben leiten lassen, vach denen her Waffenstillstand und die Friedensverhandlunge« vorge- lchlâgen worden sind. Die Vertreter der alliierten und assoziierten -"âchte können keinerlei Erörterungen ihrer Rechte zulsssen, die

Bestimmungen des Friedens, so wie sie sie iestgesetzt aufrechtzuerhalteu. Sie können nur Anregungen . praktischer in Erwägung ziehen, die die deutschen Bevollmächtigten ihnen "ivr zu unterbreiten haben.

Genehmigen Sie . . . usw.

»Diese Note enihält, obwohl sie formell jede grundsätzl che Erörterung des Friedensentwurfes abzulehnen scheint, tat« schlich eine erneute Festlegung auf die Vereinbarungen vom Oktober bis November vorigen Jahres. Außerdem legt prakiische Vorschläge zu Verhandlungen über die einzelnen Kapitel des Fr-edensentwurfes >>ahe. Daß so che Verband- lungen beabsichtigt sind, ergibt sich auch aus der Tatsache, vaß die Gegner am 10. Mai eine groß re Anzahl von ©tuet« giften unserer Vorschläge zum Völkerbund und zum mbe terrecht erbeten haben.

Auf die Note über den Völkerbund hat Clemenceau gc- rtUworlktr

Herr Vorsitzender! Ick habe die Ehre, Ihnen den Empfang des deutschen Entwurfes eines Völkerbundes zu bestätigen. Der Entwurf wird der zuständigen Kommission, die durch die alliierten und asso­ziierten Mächte gebildet ist, übermittelt werden. Die deutschen Dele­gierten werden durch eine neue Prüfung der Völkerbundsatzungen fest- ktelleu können, daß die Frage der Zulassung neuer Mitglieder in diesen Bund nicht übersehen, fonbem ausdrücklich im zweiten Absatz des 1. Artikels vorgesehen ist.

Diese Antwort umgeht den Kernpunkt unserer Frage, die die sich darauf bezog, daß Deutschland eine Bundessatzung als Teil des GesamtvertrageS unterzeichnen soll, obwohl es weder als ursprüngliches, noch als eingeladenes Mitglied dem Bunde angebört.

In Ausführung der in der ersten Antwort enthaltenen Aufforderung werden heute praktische Fragen und Bemerkungen übergeben werden, die auf die territorialen Abtretungen Bezrig haben.

Die französische Presse.

WB. Nersailles, 11. Mai.

Die beiden ersten Noten des Grafen Vrsckdorff- Rantzau an Clemenceau wurden heute von der französischen Presse gleichzeitig mit Clemenceaus Antwort veröffent­licht. Die wenigen vorliegenden Besprechungen stellen übereinstimmend fest, daß Graf Vrockdorff in keiner der beiden Noten erklärt, Deutschland werde nicht unter­zeichnen. Man müsse sich also auf Versuche der deutschen Delegation gefaßt machen, jeden Vertragspunkt einzeln zu erörtern oder durch Gegenvorschläge zu ersetzen. Der Matin" meint, Deutschland denke nicht daran, nicht zu unterzeichnen, denn die Alliierten seien einig und die yCi3tunteräei$utunn w-W^

Folgen haben.Petit Puristen" schreibt: Diesem ersten Scharmützel werden weitere folgen.Journal" glaubt, daß die deutsche Delegation die Friedenskonferenz unaus­gesetzt mit Schriftstücken bombardieren werde; das sei logisch. Der Guerillakrieg sei die Waffe der Schwachen und unter den gegebenen Umständen bietet er die einzige Aussicht, eine Lücke im Panzer und im Willen zu finden. Der deutsche Einwand, daß der Vertrag mit Wilsons Grundsätzen nicht übereinstimme, sei durch Clemenceaus Entgegnung glatt erledigt. Dagegen sei Clemenceaus Antwort bei dem zweiten Argument, in welchem Graf Brockdorff-Rantzau Gegenvorschläge an­kündigt, weniger entschieden, denn es sei fraglich, wo die grundsätzlichen Erörterungen entstörten und die einzelnen anfingen und diese Unbestimmtheit werde man auf deutscher Seite ausnutzen. Uebrigens habe Graf Brockdorff-Rantzau seinen Angriff sofort ausgenommen und den schwachen Punkt sofort entdeckt, daß man den Völkerbund zur Grundlage eines Gebäudes mache, deffen Krönung er sein müsse. Clemenceaus Antwort sei geschickt und klar in der Aussprache, denn sie zeige, daß man in diesem schwachen Punkt abändern könne, be­streite aber sein Vorhandensein nicht. Deutschland werde zweifellos antworten und die Erörtenung werde fort­dauern, bis die Alliierten Halt rufen würden. Da Wilson bald abreisen müsse, könne man keine Verschleppung zu­lassen. Lücken und Widersprüche sollten im endgiltigen Vortrage berichtigt werden. Der Friedensvertrag sei ja nur eine Inhaltsangabe des endgültigen Friedens. Echo de Paris" meint, Deutschland schreie zwar, werde aber ^ichnen und den Vertrag, wenn auch unter Sträuben, durchführen, seine heutigen Tränen seien nur Krokodils- tränen. Die stille Hoffnung der Feinde spreche der Vorwärts" aus, indem er sagte, Lassen wir einige Zeit verstreichen, wenn die Welt nicht mehr um Frankreich geschart ist, wird die Stunde eines ehrlichen deutsch­französischen Zweikampfes schlagen. Von demselben Ge­sichtspunkt ausgehend ermahnt derFigaro" die Alliierten, ihre Vorkehrungen zur Beaufsichtigung der Ausführung des Vertrages durch Deutschland zu verdoppeln. Heros, welcher gestern in derViktorie" zugegeben hatte, daß der Vertragsentwurf in zwei Punkten mit Wilsons Grund­sätzen nicht übereinstimme, ist heute äußerst aufgebracht darüber daß die deutsche Delegation es wagte, in der ersten Note zu behaupte», der ihr angebotene Friede sei nicht der versprochene Wilsonfrieden. Die sozialistische Presse bringt noch keine Besprechungen. C a ch i n be­leuchtet in derHumanite" nochmals die Frage, ob Deutschland unterzeichnen werde oder nicht, analt [tert die Erklärung Kautskis in derFreiheit", man solle unterzeichnen und sich darauf verlassen, daß späteres Wohlverhalten zu einer Aenderung des Vortrages führen werde und kommt in feinem gegenüber der früheren Besprechung derHumanite" gegen einen Gewaltfrieden gemäßigten Artikel zu der Folgerung, Kautskis Rat sei in vieler für Deutschland schwierigen Stunde weitse

Eine Rede Wilsons.

WB. Paris, 10. Mai. (Reuter.)

Wilson hielt am 9. Mai in der Völkerrechts-Gesellschaft eine Rede, in der er sagte: Eines der Dinge, die mich in den letzten Monaten störten, ist die unrechte Hoffnung auf sofortige Erlösung von dem auf der Menschheit lastende« Druck. Wir müssen dafür sorgen, daß diejenigen, die hoffe^ nicht enttäuscht werden. Die Gebräuche der Gesellschaft müssen langsam verändert und neu angebahnt werden. Eines der Dinge, die von der größten Bedeutung für die Zukunft fett« werden, ist ein verständiges Völkerrecht. In gewissem Sinne wurde der Krieg gerade deshalb ausgekämpft, um dem Völker» recht den Beweis zu ermöglichen, daß es Wirklichkeit sei deren Nichtbeachtung sich kein Volk leisten dürfe, daß es zwa eine internationale Autorität nicht hinter sich hätte, um sich durchzusetzen, daß es aber trotzdem etwas Größere- hinter sich habe, nämlich die moralische Ehrlichkeit der Menschheit. Wenn wir jetzt dem Völkerrecht Lebenskraft geben können, die eS nur dann haben kann, wenn es der wirkliche Ausdruck unsere» moralischen Urteile ist, so werben wir in gewissem Sinn« das Werk, das dieser Krieg besonders betonen sollte, beendet haben. Mit dem neuen Völkerbund begeben wir uns aus unerforschte Meere. Wir müssen, ich will nicht sagen, kühn sein, aber doch beständig in unseren Zielen, denn das ist unter einem solchen Verhältnis notwendig. Wir dürfen nicht vor neuen Dingen, die sich mit den alten nicht vertragen, bange sein. Wenn wir den Druck des Lebens in unseren Klassen nicht verstehen, sind wir nicht vom Leben selbst. Diejenigen, die es sich leisten können, sich von Zeit zu Zest nitderzusetzen, um in Ruhe schöne Bücher zu lesen, sind nicht typische Vertreter der Menschheit. Die meisten haben kein« Zeit dazu, wir müssen unsere freie Zeit dazu verwenden, mit ihnen mitzufühlen und für sie zu denken, um ihre Lage sa i-.<^ und für. eine gerechte Lösung zu sorgen. Dies sprichtsich gar leicht aus und klingt vor­nehm, ist aber eine der schwierigsten Unternehmungen. In gewissem Sinne haben die alten Unternehmungen der natio­nalen Gesetzgebung ausgesp^elt. Die Zukunft der Menschheit hängt mehr von den Beziehungen der Völker untereinander und von der Verwirklichung der gemeinsamen Verbrüderung der Menschheit ab als von der abgesonderten selbstischen Ent­wicklung nationaler Rechtssysteme. Menschen,hie die ge­meinsamen Gedanken der Menschheit denken können, sind diejenigen, die in der unmittelbaren Zukunft die wertvollsten Dienste leisten können. Gott gebe, daß sie reichlich sein mögens

Die unabhängigen Sozialdemokraten für Unterzeichnung.

DDP. Berlin, 12. Mai.

Wie dieFreiheit* an leitender Stelle mitteilt, haben bk Organisationen der U. S. P. einen Beschluß zu den Friedens« bedingungen gefasst, in dem es heißt: Der Frieden, den bii[ Entente dem "deutschen Volke zumulet, ist ein Gewaltfriedi schlimmster Art. Alle pazifistischen Ideologien sind an bete brutalen Willen des Imperialismus zerschellt. Wir haben keine Hoffnung, daß die Entente-Imperialisten, die auf di« Friedensverhandlunaen den maßgebenden Einfluß haben, die Bedingungen wesentlich erleichtern werden, zumal die Zu­sammensetzung der Regierung und der Friedensdelegation den anderen Regierungen lein Vertrauen einflößen kann. Selbst wenn bei den eivgeleiteten Verhandlungen wesentliche ver« ânderungen nickt erreicht werden, so bleibt doch letzten Endes nichts anderes übrig, als sich dem Zwange zu fügen und den Vertrag zu unterzeichnen. Nichtunterzeichnung bedeutet die Zurückhaltung unserer Kriegsgefangenen, die Besetzung unserer Rohstoffgebiete, die Verschärfung der Blockade, Ar« beiislosigkeit, Hungersnot und Maffensterben, bedeutet eine entsetzliche Katastrophe, die erst recht den Zwang zum Unter« zeichnen herbeiführt. Es sind die Proletarier, die am stärksten unter den Folgen zu leiden hätten. Der Beschluß endet mit einem Aufruf an das Proletariat zum Kampf gegen den Kapitalismus und Nationalismus, für Frieden und Sozialis« mus und für die Weltrevolution.

Französisches Liebeswerben.

DDP. Wien, 12. Mai.

Wie dasNeue Wiener Abendblatt* meldet, wird der französische Geiapdte in Wien die österreichische Friedens« abordnung auf der Fahrt nach St. Germain begleiten. DaS Blatt schreibt: Die Entente scheint bei diesem äußerlichen Beweis auf die Feststellung Wert legen zu wollen, daß sie zwischen beiden Friedensabordnungen wesentliche Unterschied« macht. Auch soll den Deulsch-Oesterreichern an dem Ver­handlungsort eine größere Bewegungsfreiheit und wahrschein­lich Gelegenheit zu mândlichen Verhandlungen geboten werden. Die Abreise der Friedensdelegation ist für den Montag abet* vorgesehen, die Ankunft in Paris für Mittwoch früh«